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der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
in Dresden.
Herausgegeben
von dem Redactions- ComitO.
Jahrgang 1897.
Mit 3 Tafeln und 3 Abbildungen im Text.
Dresden.
In Commission von Warnatz & Lehmann, K. Sachs. Hofbuchhändler.
1898.
Inhalt des Jahrganges 1897.
A. Sitzungsberichte.
I. Section für Zoologie S. 3 und 17. — Drude, 0.: P. Matschie’s Karte der geographischen
Verbreitung der Säugethiere, naturwissenschaftliche Nomenclatur S. 4. — Engel-
hardt, H. : Vorlage einer Abhandlung über böhmische Tertiärpflanzen S. 4. — Kuntze, A. :
Eine seltene Diptere vom Osterherge und eine Tanzmücke von Borkum S. 4. — Nitsche,H. :
Arbeiten der biologischen Station zu Helgoland S. 3; Funde von Cancans -Larven
und Noctua- Raupen auf dem Schnee im Erzgebirge, Dipteren -Familie der Pupipara
S. 4; Hörnerformen der Hufthiere, Vorlagen S. 17. — Haspe, F.: Vorlagen S. 17.
— Schiller, K.: Berichte der ornithologischen Beobachtungsstationen, neue Litteratur
S. 3; Vorkommen des Mauerläufers in Sachsen S. 17. — Schneider, 0.: Entdeckungs-
geschichte einer Pelzmilbe des Bibers, Thierwelt Borkums S. 3.
II. Section für Botanik S. 4 und 17. — Drude, 0.: Historische Entwickelung der
farbigen Pflanzenabbildungen S. 4; System- Anordnung zu floristischen Zwecken S. 5;
Kobelt’s Studien zur Zoogeographie S. 18; neue Litteratur S. 19; und
K. Wobst: Petition zur Erhaltung des mikroskopischen Museums S. 18. — Hof-
mann, H.: Sächsische Mentha -Porrnen S. 18; Rubus -, Hieracien- und Bosen-Arten,
neue Standorte von Asplenium germanicum und Euphrasia - Arten S. 19. — Nau-
mann, F.: Seltenere Pflanzen von Gera S. 19. — Kitsche, H. : Demonstration einer
blüthenbiologischen Tafel S. 17; praktischer Werth der Plankton-Forschung S. 18. —
Haspe, F.: Convolvulus Soldanella L. von Norderney S. 17. — Schorler, B.:
Das Süsswasser- Plankton, Neu-Erwerbungen der Flora Saxonica S. 18; Heise durch
den Böhmer Wald S. 19. — Vetters, K.: Präparirte Blüthe von Passiflora S. 17.
III. Section für Mineralogie und Geologie S. 6 und 19. — Bergt, W. : Geologische
Beschaffenheit der Lausitz S. 6; neue Litteratur S. 6 und 7. — Engelhardt, H.:
Tertiärpflanzen von Sardinien, neue Litteratur S. 21. — Kalkowsky, E.: Gebirgs-
bau der skandinavischen Halbinsel, zur Erinnerung an C. Fr. Naumann ’s hundert-
jährigen Geburtstag S. 6; über Hogenstein und Näpfstein S. 7; obligocäner Sandstein-
gang an der Lausitzer Ueberschiebung bei Weinböhla, geologische Heliefkarte Sachsens
von Dr. 0. Barth, neue Litteratur, Vorlagen S. 20. — Nessig, H. : Das tertiäre
Thonlager von Löthhain S. 6; Diluvialsande bei Dresden S. 19. — Schiller, K. :
Neue Litteratur S. 7. — Beschluss betr. Erwerbung der geologischen Reliefkarte
Sachsens von Dr. 0. Barth S. 21.
IT. Section für prähistorische Forschungen S. 7 und 21. — Deichmüller, J.:
Massregeln zum Schutze und zur Erhaltung prähistorischer Alterthümer in Sachsen,
Vorlagen S. 8; paläolithische Station bei Ehringsdorf bei Weimar, neolithische Funde
von Casabra, Bronzedepotfund von Laubegast S. 21 ; Thier Zeichnungen auf einer Urne
von Stetzsch, Burgwallfunde von Zehren S. 22. — Döring, H.: Neolithische Funde
in Löbtau S. 8; der Burgwall bei Niederwartha S. 22. — Ebert, 0.: Vorgeschicht-
liche Funde von Kudenitz bei Saaz, neue Litteratur S. 22. — Jentsch, A.: Vor-
slavische Burgwarte bei Klotzsche S. 7. — Osborne, W.: Bericht über eine Reise
nach Aegypten, prähistorische Funde bei Worms S. 7; gleichzeitiges Vorkommen des
Menschen und des Mammuth in Sibirien, neue Litteratur S. 8. — Put sch er, W. :
Vorlagen S. 7.
V. Section für Physik und Chemie S. 8 und 22. — Fo erster, F.: Demonstration
eines Apparates zur Sichtbarmachung der Complementärfarbe einer lichtstarken Farbe
S. 9 ; Herstellung von Calciumcarbid im Hochofen S. 23 ; elektrochemische Darstellung
von Jodoform S. 23. — Hall wachs, W. : Diflerentialspectrometer mit streifender
Incidenz S. 23; Erzeugung Hertz’scher Wellen und Aussonderung ultrarother Wellen
IV
S. 24. — Hempel, W.: Ueber Acetylen S. 22. — Meyer, E. von: Justus von
Liebig in seiner Bedeutung für den chemischen Unterricht S. 8; über colloidales
Silber S. 28. — Schlossmann, A.: Chemie des Blutes S. 9. — Toepler, M. :
Structur der Atomgewichtsskala S. 8. — Walther, R. : Natur der Flamme S. 8.
VI. Section für Mathematik S. 9 und 24. — Gravelius, H. : Dynamik der Körper-
systeme S. 24. — Helm, G.: Neuere mechanische Aufgaben aus der Technik S. 25.
— Krause, M.: Einige Punkte aus der Theorie der elliptischen Functionen S. 9. —
Naetsch, E.: Geodätische Linien auf Rotationsflächen S. 10. — Pockels, F.: Gegen-
wärtige Kenntniss von der Dichtigkeit des Erdkörpers S. 9.
VII. Hauptversammlungen S. 10 und 25. — Veränderungen im Mitgliederbestände
S. 12 und 28. — Beamte der Isis im Jahre 1898 S. 80. — Kassenabschluss für 1896
S. 11 und 14. — Voranschlag für 1897 S. 11. — Freiwillige Beiträge zur Kasse S. 29.
— Geschenk an die Bibliothek S. 28. — Bericht des Bibliothekars S. 32. — 25jähriges
Jubiläum des Kassirers S. 27. — Massregeln zum Schutze und zur Erhaltung der
vorgeschichtlichen Alterthümer S. 10, 12 und 27. — Petition um Erhaltung des mikro-
skopischen Museums S. 28. — Lesemuseum in Dresden S. 10. — Verlegung der Osiris
S. 28. — Vorlagen S. 11. — Deichmüller, J.: Neue Litteratur S. 10. — Drude, 0. :
Floristischer Charakter des Elb Sandsteingebirges und der Lausitz im Vergleich zu
dem böhmischen Mittelgebirge S. 11 ; die für den Schulunterricht wichtigsten Richtungen
der modernen Botanik S. 25. — Fischer, H. : Technische Verfahren zur Trennung
von Körpergemengen S. 11. — Gravelius, H.: Wettertypen und Hochwasserprognosen
S. 27. — Helm, G.: Neue Litteratur S. 25. — Kalkowsky, E.: Erosionserscheinungen
im Elbsandsteingebirge S. 11; Excursion des VII. internationalen Geologencongresses
in den Ural S. 27. — Möhlau, R.: Grundlagen und Entwickelung der Färberei S. 11.
— Nits che, H.: Stimmen der Thiere S. 12. — Salb ach, F. : Ueber Grundwasser
unter besonderer Berücksichtigung der Dresdner Wasserwerke S. 27. — Schneider, 0.:
Thierwelt von Borkum S. 11. — Töpler, A. : Hertz’sche Wellen und Telegraphie ohne
Drähte S. 28. — Töpler, M.: Geschichtete Funkenentladungen in freier Luft S. 11.
— Vater, H.: Ueber Krystalliten S. 10. — Excursionen: Ausflug nach den Tyssaer
Wänden S. 11; nach Tharandt S. 12.
B. Abhandlungen.
Bergt, W. : Zur Geologie von San Domingo. S. 61.
Deichmüller, J. : Ueber Massregeln zur Erhaltung und Erforschung der urgeschicht-
lichen Alterthümer im Königreich Sachsen. S. 49.
Deichmüller, J.: Eine vorgeschichtliche Niederlassung auf dem Pfaffenstein in der
Sächsischen Schweiz, mit Taf. II. S. 73.
Engelhardt, H.: Sardinische Tertiärpflanzen. S. 56.
Hofmann, H. : Beiträge zur Flora Saxonica. S. 93.
Kalkowsky, E. : Ueber einen obligocänen Sandsteingang ander Lausitzer Ueber-
schiebung bei Weinböhla in Sachsen, mit Taf. III. S. 80.
Kuntze, A. : Tethina illota Hai. S. 19.
Menzel, P. : Beitrag zur Kenntniss der Tertiärflora des Jesuitengrabens bei Kundratitz,
mit Taf. I. S. 3.
Petraczek, W.: Ueber das Alter des Ueberquaders im sächsischen Elbthalgebirge. S. 24.
Schneider, 0.: Ueber eine zuerst in Dresden aufgefundene neue Pelz milbe des Bibers. S. 21.
Schorler, B.: Bereicherungen der Flora Saxonica in den Jahren 1896 und 1897. S. 65.
Schorler, B. : Ein Beitrag zur Flora des Böhmerwaldes. S. 71.
Toepler, M. : Ueber elektrische Gleitfunken von ausserordentlicher Länge, mit 3 Ab-
bild. S. 41.
Trouessart, E., und Schneider, 0.: Nachträge zu der Abhandlung von 0. Schneider:
Ueber eine zuerst in Dresden aufgefundene neue Pelzmilbe des Bibers. S. 90.
Die Autoren sind allein verantwortlich für den Inhalt ihrer
Abhandlungen .
Die Autoren erhalten von den Abhandlungen 50, von den Sitzungsberichten auf
besonderen Wunsch 25 Sonder - Abzüge gratis, eine grössere Anzahl gegen Erstattung
der Herstellungskosten.
Sitzungsberichte
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1897.
I. Section für Zoologie.
Erste Sitzung am 21. Januar 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. H.
Nit sehe. — Anwesend 27 Mitglieder.
Privatus K. S chiller legt an Litteratur E. Hackel: Systematische
Phylogenie, II. Theil. Phylogenie der wirbellosen Thiere, Berlin 1896,
vor und
giebt ein Referat ans den umfangreichen Berichten der ornitho-
lo gisch en Be ob achtungs Stationen.
Diese Berichte reichen zunächst bis 1894. Vorstand für die sächsischen Stationen
ist Geh. Hofrath Dr. A. B. Meyer in Dresden. Die Zahl der sächsischen Stationen
resp. Beobachter beträgt augenblicklich 21, die Beobachter sind besonders Forstleute und
Lehrer. Es wurden für Sachsen bis jetzt Notizen über 280 Vogel- Arten gemacht,
das sind zwei Drittel der deutschen Ornis. Herr K. Schiller führt speciell an die
Beobachtungen über Baubvögel, Schwalben, den Kuckuck, und widmet am Schlüsse
auch dem Anhänge der Berichte (über Säugethiere, Fische, Insecten etc.) seine Auf-
merksamkeit.
Bemerkungen zu dem Vortrage macht Prof. Dr. H. Nitsche.
Prof. Dr. 0. Schneider giebt die merkwürdige Entdeckungsgeschichte
einer auf dem Biber lebenden Milbe. (Vergl. Abhandlung III.)
Ihre Synonyme lauten: Haptosoma truncatum Kramer, Histiophorus castoris
Friedr. , Schizocarpus Mingaudi Trouessart. Welcher Bezeichnung die Priorität zu-
kommt, ist noch nicht entschieden. •
Prof. Dr. H. Nitsche berichtet über die Arbeiten der biologischen
Station zu Helgoland und legt die bisher erschienenen Pub licationen vor.
Zweite Sitzung am 18. März 1897 (in Gemeinschaft mit der Section
für Botanik). Vorsitzender: Prof. Dr. H. Nitsche. — Anwesend 30 Mit-
glieder.
Prof. Dr. 0. Schneider vervollständigt seinen in der Hauptversamm-
lung am 25. Februar 1897 gehaltenen Vortrag über die Thierwelt Bor-
kums durch Anfügung eines speciellen Theiles.
Der Vortragende beobachtete das Vorkommen folgender Arten: Säugethiere 14,
Brutvögel 39, Beptilien 1 ( Lacerta vivipara eingeschleppt), Lurche 2, Käfer 860 ( — 930),
Schmetterlinge 269 ( — 302), Hymenopteren 390 ( — 397), Dipteren 463, Geradflügler,
Schnabelkerfe, Tausendfüssler 8, Spinnenthiere 180, Krebse 57 (—61), Würmer 17,
Weichthiere 45 ( — 51), Polypen 3.
Er macht ferner zahlreiche Bemerkungen über deren allgemeine Verbreitung, ihre
Lebensweise und die besten Methoden des Sammelns. Eine grössere Anzahl vollständig
neuer Arten wurde aufgefunden.
4
An Litteratur circnlirt v. Droste -Hülshoff: Die Yogelwelt Borkums, und zahlreiche
entomologische Autsätze, darunter auch: „Zwei neue deutsche Käfer“, vom Vortragenden.
An Präparaten legt Letzterer die Reptilien und Lurche in Spiritus vor und eine Aus-
lese von Insecten, besonders Käfer, endlich eine Anzahl Süsswasser-Conchylien.
Prof. Dr. 0. Drude hält einen Vortrag über P. Matschie’s Karte
der geographischen Verbreitung der Säugethiere, und
berichtet über neue, nach seiner Ansicht ungerechtfertigte Umtaufungen
auf dem Gebiete der naturwissenschaftlichen Nomenclatur. Er
empfiehlt dagegen als das, was die Wissenschaft am Köthigsten brauche,
ein „Maximum der Stabilität und ein Minimum des Wechsels“.
Prof. H. Engelhardt empfiehlt eine Abhandlung von Dr. P. Menzel
über Tertiärpflanzen von Kundratitz in Böhmen zur Veröffentlichung
in den Berichten der Isis. (Vergl. Abhandlung I.)
Prof. Dr. H. Kitsche berichtet, dass in diesem Frühjahr im Neu-
dorfer Staatsforstrevier im Erzgebirge in 700 m Höhe wieder einmal
Larven von Cantharis und Raupen von Noctua ( Chareas) graminis in
grosser Menge lebend auf dem Schnee gefunden wurden.
Dritte Sitzung am 6. Mai 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. H. Kitsche.
— Anwesend 23 Mitglieder.
Prof. Dr. H. Kitsche hält im Anschluss an eine Abhandlung über
Ascodipteron phyllofhinae nov. gen., nov sp., beschrieben von Dr. Aden-
samer, Wien 1896, d. i. einen regressiv metamorphosirten stationären
Parasiten in der Flughaut einer javanischen Fledermausart, einen Vortrag
über die Dipteren-Familie der Pupipara.
Ausgestellt sind eine Anzahl den Vortrag illustrirender mikroskopischer Präparate
und Sammlungsobjecte.
Bankier A. Kuntze legt eine von ihm neulich am Osterberge ge-
sammelte seltene Diptere, Rhamphomyia platyptera Mg., vor, desgl.
eine von ihm 1895 in Borkum gesammelte Tanzmücke, Tethina illota
Hai. (Vergl. Abhandlung II.)
II. Section für Botanik.
Erste Sitzung am 4. Februar 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. 0. Drude.
Der Vorsitzende spricht über die historische Entwickelung
der farbigen Pflanzenabbildungen und erläutert an zahlreichen, aus
der Bibliothek des botanischen Instituts der K. Technischen Hochschule
vorgelegten Beispielen von den ältesten Kräuterbüchern an deren künst-
lerische Darstellungsmethode und naturwissenschaftliche Correctheit.
Die Wichtigkeit originaler Abbildungen (mit oder ohne Analysen) in ihrem Beruf,
zusammen mit dem Herbarium die Grundlagen der mühsam nach Vollständigkeit
ringenden systematischen Pflanzenbeschreibung und allgemein verständlichen Pflanzen-
benennung als Mittel zum Zweck zu bilden, wird einleitend kurz hervorgehoben.
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Nach Erläuterung der um 1500 — 1600 verfertigten ältesten Abbildungen und des
Fortschrittes in der frühen Linnee’schen Periode (Hortus Romanus !) werden die grossen
Kupfer werke aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts besprochen: Duhamel, Traite
des arbres; Martius, Historia naturalis palmarum ; Wall ich, Plantae asiaticae rariores;
Blume, Rumphia u. a. Als vollendetste colorirte Tafeln werden die Kupferdrucke der
von G. F. W. Meyer unvollendet gelassenen „Flora Hannoverana“ bezeichnet, welche
Hand -Aquarellen am nächsten kommen.
Die Letzteren werden sodann in ausführlicher Demonstration im Herbarium - Saal
vorgeführt, und zwar sowohl einige Umbelliferen aus der von P. de Candolle gegründeten
systematischen Aquarellsammlung des botanischen Instituts zu . Montpellier, dem Vor-
tragenden durch Prof. Charles Flahault freundlich geliehen, als einige Bände der grossen,
von Friedrich August I. und II. hinter! assenen Pillnitzer Hof-Sammlung, einer besonderen
Zierde des hiesigen botanischen Instituts. Dann aber führt der Vorsitzende als neuen Besitz
des Instituts die etwa 100 Exemplare zählende Pflanzen- Aquarellsammlung des verstorbenen
Fräulein Susanne von Zahn in ausgewählten Beispielen vor; diese reizenden, wundervoll
naturgetreu und stimmungsvoll den natürlichen Standorten abgelauschten Aquarelle
sind grösstentheils in den Alpen gemalt und erläutern somit unsere Specialherbarien der
Alpenflora. Nach dem Tode der genialen Künstlerin, welche zeigte, dass auch noch
heute liebevoller Fleiss Bilder schaffen kann, welche allen von der Naturforschung zu
stellenden Ansprüchen an Naturtreue entsprechen, sind den testamentarisch ausgesprochenen
Wünschen zufolge von der Familie von Zahn der botanischen Bibliothek geschenkt und
von Herrn Buchhändler R. von Zahn überliefert.
Zweite Sitzung am 3. Juni 1897 (im K. Botanischen Garten). Vor-
sitzender: Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend 23 Mitglieder.
Prof. Dr. 0. Drude spricht über die System-Anordnung zu
flo ristischen Zwecken. (Vergl. Isis 1886, Abhandl. X.)
Für die Floristik möchte die übliche phylogenetische Anordnung des Systems
ersetzt werden durch eine mehr dem praktischen Bedürfniss angepasste. Es empfiehlt
sich durchaus, bei der Anordnung der Speciesliste mit den höchstentwickelten Pflanzen
zu beginnen, um einen bestimmten, festen Ausgangspunkt zu haben. Bei der Ver-
vollständigung der Specieslisten bis zu den vielleicht nur allgemein zu erwähnenden
Gruppen der niedersten Organismen braucht man dann keine Inconsequenzen zu begehen;
sonst zählt man Klassen als erste (Schizophyten u. a.) auf, von denen man gar nichts
Floristisches nennt. Das De Candolle’sche System wird aber besser verlassen und die
Anordnung den jetzt geklärten Ansichten betreffs der Anschlüsse zwischen den Familien
angepasst. Die Stellung der Monocotylen zwischen den Gymnospermen und Dicotylen
ist danach unrichtig, weil sie keinen Anschluss bieten, aber den richtigen Anschluss
zerstören. Man stelle deswegen die Monocotylen an die Spitze, jedenfalls ganz isolirt.
Es folgen dann die Leguminosen, Rosaceen, Compositen und verwandten Sympetalen,
die Choripetalen (im Anschluss an die Ericaceen-Üleaceen) mit Euphorbiaceen, Ranuncula-
ceen u. s. w., dann die Amentaceen (Casuarinen,) Coniferen, Gefäss-Kryptogamen, niedere
Sporenpflanzen. ^
Wenn P. de Candolle aus zu Anfang des Jahrhunderts nicht richtig verstandenen
Urtheilen über Blüthenmorphologie die Ranunculaceen aus lauter freien, unverwachsenen
Organen aller vier Kreise als die höchst organisirte Familie ansah und ihnen die
allmählich zunehmende Verwachsung anreihte, so ist das für uns jetzt kein Grund mehr,
dasselbe zu thun. Aber mit klarem Blick hatte P. de Candolle eine besonders wichtige
Verbindungsreihe zwischen Familien mit freiblätteriger und verwachsener Corolle erkannt,
nämlich die der Calycifiorae perigynae und epigynae , endend mit Umbelliferae,
Araliaceae, Cornaceae , mit den Sympetalae epigynae , also beginnend mit Caprif ’oliaceae,
Rubiaceae, Dipsaceae u. s. w.
Dies ist in der That eine der wichtigsten Verbindungsreihen (entsprechend etwa
der A rchegoniaten-Reihe im Gesammtsystem) zwischen morphologisch sonst getrennt
gehaltenen Systemgruppen, und dieselbe wird zerstört, wenn man die Dicotyledonen mit
der Aufzählung der Compositae beginnen und mit den Ericaceae enden lässt, wie das
die meisten modernen Darstellungen des entwickelungsgeschichtlichen Systems thun, so
auch Engler-PrantFs bedeutendes und im Allgemeinen als systematische Grundlage wie
kein anderes zu empfehlendes Werk. — Anderseits besteht eine nicht ganz so klare,
aber doch nicht minder wichtige Verbindung zwischen den Sympetalen Ericaceae und
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Oleaceae einerseits, und den choripetalen Euphorbiaceae mit anderen Discifloren und
den Sapindaceae, Rhamnaceae u. s. w. anderseits, welche benutzt werden muss, um den
Anschluss der Sympetalen nach der anderen Seite hin zu bewirken. Das Weitere ver-
steht sich dann von seihst und es macht sich hei solcher Darstellung' des Systems für
Diejenigen, welche sich an das in Koch, Garcke und unzähligen deutschen Floren
gebräuchlich gewesene De Candolle’sche System gewöhnt haben, nur eine Umstellung
der Hauptgruppen nöthig, die man leicht merken kann: man beginnt wie Endlicher und
Eichler (im Syllabus 1. Aufl.) mit den Leguminosen und geht dann im Wesentlichen wie
das De Candolle’sche System bis zum Schluss der CorolMoren ( Oleaceae , Aquifoliaceae )
weiter; den zuerst fortgelassenen Theil des De Candolle’schen Systems, also Ranun-
culaceae bis Rhamnaceae, Rutaceae , lässt man nun in verkehrter Reihenfolge (mit den
Rhamnaceae beginnend) folgen, und dann die Monochlamydeen u. s. w. bis zu den
Coniferae hin, welche die Archegoniaten im weitesten Sinne eröffnen.
Im Einzelnen besitzt ja Jeder nach den Traditionen, die wir schon besitzen, viel
Bewegungsfreiheit , da der verschiedenen System dar Stellungen so viele sind, dass jeder
Geschmack schon Muster und Vorlagen finden wird. Man vergleiche nur die Anordnungen
in Garcke mit denen von Wünsche, Buchenaus Flora von Bremen, Wigand’s Flora von
Hessen, Celakovsky’s Prodromus von Böhmen, Prantl’s Excursionsflora von Bayern und
die neueste nach Engler-Prantl angeordnete Excursionsflora für Deutsch- Oesterreich und
Istrien von Fritsch, um dies bestätigt zu finden.
Zum Schluss sei wiederholt, dass ebenso, wie sich für das floristische System der
Beginn mit den höchsten Pflanzen, den Angiospermen, und das Herahsteigen zu den
Zellenpflanzen empfiehlt, es für einen methodischen Unterricht und ein planvolles System-
werk aller Klassen und Familien sich gehört, entwickelungsgeschichtlich anzuordnen
und demnach von unten nach oben aufzusteigen. Eine Flora ist aber kein Lehrbuch
für Phylogenie der Pflanzen.
III. Section für Mineralogie und Geologie.
Erste Sitzung am 11. Februar 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kal-
kowsky. — Anwesend 30 Mitglieder.
Dr.W.B erg t berichtet überM. Bauer: Edelstein künde, Leipzig 1896,
unter Erwähnung älterer, über denselben Stoff erschienener Litteratur.
Dr. R. Nessig bespricht das tertiäre Thonlager von Löthhain
bei Meissen. Einige Bemerkungen dazu werden von Prof. H. Engelhardt
und Prof. Dr. E. Kalkowsky gemacht.
Der Vorsitzende hält einen Vortrag über den Gebirgsbau der
skandinavischen Halbinsel.
Zweite Sitzung am 1. April 1897. Vorsitzender: Dr. W. Bergt. —
Anwesend 26 Mitglieder.
Der Vorsitzende legt vor J. E. Hibsch: Geologische Karte des
böhmischen Mittelgebirges, Bl. I und III nebst Erläuterungen, und
hält dann einen Vortrag über die geologische Beschaffenheit
der Lausitz.
Dritte Sitzung am 17. Juni 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kal-
kowsky. — Anwesend 26 Mitglieder.
Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung mit Worten der Erinnerung
an Carl Friedrich Naumann, dessen hundertjährigen Geburtstages
am 30. Mai in akademischen Kreisen gedacht worden ist.
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Prof. H. Engelhardt und Prof. Dr. 0. Schneider fügen Bemerkungen
nach ihrem persönlichen Verkehr mit Naumann hinzu.
Die Werke Naumann’s und sein Bildniss sind vorgelegt.
Bibliothekar K. Schiller macht auf eingegangene geologische Karten
von Java, Russland und Mexiko aufmerksam.
Dr, W. Bergt referirt über E. Dathe: Das schlesisch-sudetische
Erdbeben am 11. Juni 1895 (Abh. d. K. Preuss. geol. Landesanstalt,
n. F. Heft 22).
Prof. Dr. E. Kalkowsky hält seinen angekündigten Vortrag über
Rogenstein und Napfstein.
IY. Section für prähistorische Forschungen.
Erste Sitzung am 14. Januar 1897. Vorsitzender: Rentier W. Osborne.
— Anwesend 11 Mitglieder.
Der Vorsitzende berichtet über eine von ihm im vergangenen Herbste
unternommene Reise nach Aegypten, insbesondere bespricht er die
Frage, ob in Aegypten prähistorische Gegenstände Vorkommen.
Die alten Aegypter treten schon in den ältesten Zeiten als ein „geschichtliches“
Volk auf, welches Baudenkmäler und Schriftzeichen hinterlassen hat. Die ältesten
Denkmäler reichen bis über 4000 Jahre v. Chr. zurück, und in der Cheops - Pyramide,
die 3733 v. Chr. erbaut ist, kommen schon Eisenklammern vor. Nach altägyptischen
Inschriften sind die Aegypter kein autochthones Volk, sondern nach Aegypten einge-
wandert; ob aber vor ihnen das Land schon bewohnt war oder oh sie in unbewohnte
Gegenden einwanderten , lässt sich mit Bestimmtheit nicht feststellen. War das Land
vor Einwanderung der Aegypter bewohnt, so könnte man erwarten, prähistorische
Gegenstände als Hinterlassenschaft dieser Urbewohner zu finden. Bisher ist es aber nicht
gelungen, das Vorhandensein prähistorischer Alterthümer in Aegypten mit voller
Sicherheit festzustellen. Zwar sind dort in ziemlich grosser Anzahl Feuersteine ge-
funden worden, die in ihren Formen den sogenannten Messern und Schabern der paläo-
lithischen Zeit ähnlich sehen, aber gewiegte Kenner des Landes, wie Brugsch-Bey und
Lepsius behaupten, dass diese Feuersteine keine künstlichen Gebilde seien, sondern
dass die in der Wüste vorkommenden Feuersteinknollen infolge des Temperaturunter-
schiedes von Tag und Nacht zersprungen und so Feuersteinsplitter entstanden seien,
die paläolithischen Geräthen täuschend ähnlich sehen. Die Stein Werkzeuge, die man
in Theben, Luxor und an anderen Orten findet (zwei Exemplare davon legt der Vor-
tragende vor), sind nicht prähistorisch, sondern stammen aus den Gräbern der 18. Dynastie.
Neuerdings wird berichtet, dass in der Nähe von Heluan prähistorische Feuerstein-
artefacte gefunden worden seien, doch bedarf die Richtigkeit dieser Behauptung noch
der wissenschaftlichen Bestätigung.
Privatus W. Put scher legt eine Sammlung ägyptischer Alterthümer,
Gemmen, Scarabaen etc. vor.
Lehrer A. Jentsch bespricht eine vorslavische Burgwarte an der
Priessnitz, oberhalb des Steinbruchs gegenüber der Eisenbahnstation
Klotzsche, die in der Feder’schen Karte als „Burgstadl“ angegeben ist.
Der Vorsitzende berichtet über einen bedeutenden Fund prä-
historischer Gegenstände in der Nähe von Worms und legt die
denselben behandelnde Schrift von C. Koehl: Neue prähistorische Funde
aus Worms, vor.
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Weiter bespricht er den in den Mittheil. d. Anthrop. Ges. in Wien
erschienenen Aufsatz über das gleichzeitige Vorkommen von mensch-
lichen Resten mit Mammuthknochen bei Tomsk in Sibirien und
knüpft daran Vermuthungen über die Heimath der Urbewohner Europas.
Zweite Sitzung am L. März 1897. Vorsitzender: Rentier 0 sborne. —
Anwesend 18 Mitglieder.
Dr. J. Deichmüller erstattet einen Bericht über zu ergreifende
Massregeln zum Schutze und zur Erhaltung prähistorischer
Alterthümer in Sachsen.
Dem Beschlüsse der Hauptversammlung vom 25. Februar 1897 entsprechend, wählt
die Section ein Comite (Dr. J. D e i c h m ü 1 1 e r , Rentier W. 0 s b o r n e und Lehrer H. D ö r i n g ),
welches die Angelegenheit berathen und der Hauptversammlung Bericht erstatten soll.
Dr. J. Deichmüller legt ein am nördlichen Russe des Valtenberges
bei Niederneukirch gefundenes Beil aus Diabas vor.
Lehrer H. Döring bespricht die in Löbtau in den letzten Jahren
gemachten Funde aus neolit bischer Zeit, unter Vorlage zahlreicher
Gefässsch erben, die meist das sogenannte Band-Ornament tragen.
Rentier W. 0 sborne legt einen Aufsatz von Herb. A. Newton:
Worship of Meteorites (Meteoriten -Cultus) aus dem Amer. Journ. of
Science, Vol. III, Jan. 1897, vor.
Y. Section für Physik und Chemie.
Erste Sitzung am 7. Januar 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. W. Hall-
wachs.
Prof. Dr. E. von Meyer hält einen Vortrag über Justus von Liebig
in seiner Bedeutung für den chemischen Unterricht.
Dr. M. Toepler spricht über die Structur der Atomgewichts-
skala.
Der Inhalt dieses Vortrags ist in den Abhandlungen der Isis 1896, S. 28 u. f. ab-
gedruckt.
Zweite Sitzung am 18. Februar 1897. Vorsitzender: Dr. F. Förster.
Dr. R. Walther spricht über die Natur der Flamme.
Der Vortragende erörtert zunächst an der Hand von Versuchen die Ursachen,
unter denen Verbrennung und Flammenbildung auftritt. Die Ursache des Leuchtens
der gewöhnlichen Kohlenwasserstoffflamme hat man einerseits in der hohen Erhitzung
der verbrennenden Gase selbst vermuthet, andererseits aber in der Abscheidung glühenden
Kohlenstoffs in den verbrennenden Gasen. Letztere Ansicht ist allgemeiner angenommen
worden, giebt aber keine Erklärung dafür, dass die Flammen von Wasserstoff oder
Kohlenoxyd unter hohem Druck intensiv leuchtend werden.
Die Leuchtkraft der gewöhnlichen Leuchtgasflammen kann erhöht werden durch
Benutzung des Systems der „gespannten Flammen“ oder durch das Regenerativsystem,
das namentlich von Siemens für die Praxis ausgebildet worden ist, ferner durch Zufuhr
kohlenstoffreicher Materialien oder chemischer Agentien (Chloroform).
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Die Entfeuchtung dagegen kann hervorgerufen werden durch Abkühlung, allzugrosse
Ausströmungsgeschwindigkeit oder durch Verdünnung des Gases mit anderen Gasen.
Alle diese Punkte werden durch Versuche erläutert.
Dr. F. Förster führt einen Apparat vor, welcher durch schnelles
Fallenlassen gefärbter Flüssigkeitssäulen zu zeigen gestattet, dass das
Auge an der Stelle, wo es eben den Eindruck einer lichtstarken Farbe
erhalten hat, unmittelbar nach Aufhören dieses Eindrucks an der gleichen
Stelle statt Weiss die Complementärfarbe der eben verschwundenen sieht.
Dritte Sitzung am 8. April 1897. Vorsitzender: Dr. F. Förster.
Dr. A. H. Schlossmann hält einen Vortrag über die Chemie des
Blutes.
An der Hand von Demonstrationen werden die Bestandtheile des Blutes besprochen
und im Anschluss hieran die Grundlagen der neueren Serumstherapie eingehend erörtert.
In der sich anschliessenden Discussion macht der Vortragende noch interessante
Mittheilungen über die jüngsten von Koch bekannt gegebenen Fortschritte in der Her-
stellung und Anwendung des Tuberkulins, welches zur Zeit schon, besonders für die
Erkrankung an Tuberkulose, werthvolle Dienste leistet.
Yl. Section für Mathematik.
Erste Sitzung am 14. Januar 1897. Vorsitzender: Prof. B. Patten-
hausen. — Anwesend 8 Mitglieder.
Geh. Hofrath Prof. Dr. M. Krause spricht über einige Punkte aus
der Theorie der elliptischen Functionen.
Vortragender zeigt zunächst, wie die Grössen
sn («! + + «r), cn («J -F ...... -P «r), dn («1 -f ...... -f ar)
durch die elliptischen Functionen sn u, cn u, dn u ausgedrückt werden können, wobei u
der Beihe nach die YYerthe «1 , a9, . . . . «r annehmen kann. Diese Formeln, insbesondere
die Formeln für die Sinusamplitude, werden für die Theorie der linearen homogenen
Differentialgleichungen mit doppeltperiodischen Co effizienten verwandt, deren Integrale
gebrochene transzendente Functionen sind. Die Anwendung besteht darin, dass mit
Hilfe der genannten Formeln der Uebergang von der Productform der Integrale in die
Summenform ermöglicht wird, soweit es sich um die Bestimmung des Argumentes der
in der letzten Form vorkommenden Thetafunction handelt.
Zweite Sitzung am 11. März 1897. Vorsitzender: Prof. B. Patten-
hausen. — Anwesend 23 Mitglieder und Gäste.
Prof. Dr. F. Pockels hält einen Vortrag über unsere gegenwärtige
Kenntniss von der Dichtigkeit des Erdkörpers.
Die Masse und somit die mittlere Dichtigkeit der Erde lassen sich aus der Schwer-
kraft an der Erdoberfläche erst berechnen, wenn die Constante des Newton’schen Gravita-
tionsgesetzes bekannt ist, und zu deren Bestimmung sind absolute Messungen der An-
ziehung zweier bekannter Massen erforderlich. Ueber die zahlreichen zu diesem Zwecke
unternommenen Untersuchungen giebt der Vortragende eine zusammenfassende Uebersicht
unter besonderer Berücksichtigung der erst neuerdings abgeschlossenen, überaus sorg-
fältigen Arbeiten von Boys einerseits, von Bicharz und Krigar- Menzel andererseits.
10
Der Erstere benutzte die Cavendish’sche Drehwage, konnte aber durch die Anwendung
feiner Quarzfäden zur Suspension die anziehenden Massen auf einige kg, die angezogenen
auf circa 1 g, den Hebelarm auf wenige cm reduciren und dennoch Ablenkungen von
mehr als 1° erzielen, Richarz und Krigar- Menzel arbeiteten im Gegentheil mit sehr
grossen Massen; sie massen mittelst einer feinen Hebelwage mit doppelten Gehängen
die Anziehung eines nahezu cubischen Bleiklotzes von circa 100000 kg, der zwischen
den oberen und unteren Wagschalen aufgebaut wurde. Aus beiden Untersuchungen
ergab sich die mittlere Erddichte wenig grösser als 5,5 mit einem wahrscheinlichen
Fehler von etwa 2 pro inille. Da die Dichte der oberflächlichen Erdschichten nur 2,5 — 3
beträgt, so muss die Dichte gegen den Erdmittelpunkt hin beträchtlich zunehmen. Ueber
das Gesetz dieser Zunahme bietet, wie der Vortragende zum Schluss ausführt, das aus
der Präcessionsbewegung und Abplattung ableitbare Trägheitsmoment der Erde' den
einzigen Anhaltspunkt ; es lässt sich hiernach vermuthen, dass die Dichte im Erdmittel-
punkt etwa 11,5 sein wird.
Dritte Sitzung am 13. Mai 1897. Vorsitzender: Prof. B. Patten-
ha usen. — Anwesend 12 Mitglieder und Gäste.
Dr. E. Naetsch spricht über geodätische Linien auf Rotations-
flächen.
Nach allgemeinen analytischen Bemerkungen über Curvenscharen in der Ebene und
auf krummen Flächen stellt der Vortragende die Differentialgleichung der geodätischen
Linien auf Rotationsflächen dar und bespricht deren Integration nebst Folgerungen für
einzelne Fälle.
VII. Hauptversammlungen.
Erste Sitzung am 28. Januar 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. G, Helm.
— Anwesend 35 Mitglieder.
Das vom Ausschuss für Begründung eines Lesemuseums in Dresden
an die Isis gerichtete Ersuchen, die für die Bibliothek derselben ein-
gegangenen Zeitschriften und angekauften Bücher zuerst für einige Zeit
im Lesemuseum aufzulegen, wird abgelehnt, dagegen beschlossen, dem
Lesemuseum alljährlich ein Verzeichniss der Bibliothekszugänge zu über-
lassen.
Dr. J. Deichmüller legt Köhler’s nützliche Vogelarten und
ihre Eier, Berlin 1895, vor.
Prof. Dr. H. Vater hält einen Vortrag über Krystalliten.
Ueber den Inhalt dieses Vortrags vergl. Groth’s Zeitschrift für Krystallographie,
XXVII. Bd., 5. Heft, S. 477-512.
Zweite Sitzung am 25. Februar 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm.
— Anwesend 32 Mitglieder.
Zur Vorlage kommt eine an den K. Sächs. Alterthumsverein gerichtete
und von demselben der Isis überwiesene Denkschrift des Oberlehrers
Dr. Pfau in Rochlitz, in welcher der Verfasser auf die Nothwendigkeit
hin weist, baldigst ein Verzeichniss der im Lande noch vorhandenen ur-
gescliichtlichen Alterthümer aufzunehmen und dieselben vor der Zerstörung
und Verschleppung zu schützen. Die Hauptversammlung beschliesst, diese
Angelegenheit der Section für prähistorische Forschungen zur Prüfung
und Berichterstattung zu übergeben.
11
Dr. Fr. Raspe legt den Kassenabschluss für 1896 vor (s. S. 14).
Als Rechnungsrevisoren werden Bankier A. Kuntze und Prof. Dr. K. Rohn
gewählt.
Der Voranschlag für 1897 wird einstimmig genehmigt.
Prof. Dr. 0. Schneider hält dann den ersten, die allgemeinen Ver-
hältnisse behandelnden Theil seines angekündigten Vortrags über die
Thierwelt von Borkum.
Ueber den speciellen Theil desselben vergl. Sitzung der Section für Zoologie am
18. März 1897.
Dritte Sitzung am 25. März 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm.
— Anwesend 32 Mitglieder.
Die Rechnungsrevisoren haben den Kassenabschluss für 1896 geprüft
und für richtig befunden. Dem Kassirer wird Decharge ertheilt.
Prof. Dr. R. Möhlau spricht unter Vorführung zahlreicher Experimente
über die Grundlagen und die Entwickelung der Färberei.
Dr. M. Toepler macht kurze Mittheilungen über geschichtete
Funkenentladungen in freier Luft und bringt photographische Dar-
stellungen derartiger Entladungen zur Ansicht.
Vierte Sitzung am 29. April 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm.
— Anwesend 29 Mitglieder.
Prof. H. R. Fischer spricht über technische Verfahren zur
Trennung von Körpergemengen.
Fünfte Sitzung am 20. Mai 1897 (im K. Botanischen Garten). Vor-
sitzender: Prof. Dr. G. Helm. — Anwesend 48 Mitglieder und Gäste.
Ausgestellt sind verschiedene blühende Gewächse aus dem K. Botani-
schen Garten.
Als Vorbereitung zu der für den Himmelfahrtstag geplanten Excursion
nach den Tyssaer Wänden spricht
Prof. Dr. 0. Drude über den floris tischen Charakter des Elb-
sandsteingebirges und der Lausitz im Vergleich zu dem böhmi-
schen Mittelgebirge, und
Prof. Dr. E. Kalkowsky über Erosionserscheinungen im Elb-
sandsteingebirge.
Excursion am 27. Mai 1897.
Am Himmelfahrtstage machte die Gesellschaft einen in der voran-
gehenden Sitzung durch Prof. Dr. 0. Drude und Prof. Dr. E. Kalkowsky
vorbereiteten Ausflug von Langhennersdorf durch das Bahrathal zum
Zeisigstein, von da nach Tyssa mit seinen durch besondere Erosions-
erscheinungen bemerkenswerthen Sandsteinwänden und dann zurück
12
über Hellendorf nach Berggiesshiibel. Es betheiligten sich 24 Mitglieder
und Gäste. Das Wetter war für den weiten Marsch günstig. Apotheker
R. Weber aus Königstein hatte freundlicher Weise von Markersbach an
die Wegführung übernommen.
Sechste Sitzung und Excursion am 24. Juni 1897.
Ein zweiter Ausflug führte 39 Mitglieder und Gäste der Isis nach
Tharandt, wo, nach kurzem Aufenthalt im dortigen Albertsalon, in der
K. Forstakademie.
Prof. Dr. H. Kitsche einen Vortrag mit Demonstrationen über die
Stimmen der Thiere hielt.
Nach einem Spaziergang durch den Forstgarten unter Führung von
Geh. Hofrath Prof. Dr. E. Nobbe versammelten sich die Mitglieder auf
dem Burgkeller zu einer kurzen Hauptversammlung.
In derselben wird beschlossen, im Einvernehmen mit dem K. Sächs.
Alterthumsverein, unter Beifügung einer von Dr. J. Deichmüller, Rentier
W. Osborne und Lehrer H. Döring ausgearbeiteten Denkschrift, die
Staatsregierung um Massregeln zur Belehrung über die Bedeutung und
den Werth der urgeschichtlichen Funde und zum Schutze der im Lande
noch vorhandenen zu ersuchen, und der Vorstand mit der Ausführung
dieses Beschlusses beauftragt.
Veränderungen im Mitgliederbestände.
Gestorbene Mitglieder:
Am 21. Januar 1897 verschied in Dresden nach langem Leiden der
chilenische Consul Albert Alexander Engelmann, Bergdirector a. D.,
wirkliches Mitglied der Isis seit 1870.
Am 1. Februar 1897 starb in Graz im 71. Lebensjahre der bekannte
Phytopaläontologe Dr. Constantin Freiherr von Ettingshausen, Pro-
fessor der Botanik an der dortigen Universität, Ehrenmitglied unserer
Gesellschaft seit 1852.
Am 20. Februar 1897 starb Robert Ewald Schur ig, Oberlehrer
am Fletclier’schen Seminar in Dresden, wirkliches Mitglied seit 1877.
In Lugano starb am 14. März 1897 im 80. Lebensjahre Dr. Adolf
Kenngott, vormals Professor für Mineralogie an der Universität und
am Polytechnikum in Zürich, Ehrenmitglied seit 1868.
Am 25. März 1897 verschied in Dresden Privatus Richard Kramsta,
ein eifriges und treues wirkliches Mitglied der Isis seit 1868.
Am 30. März 1897 verschied Maler Alexander Flamant in Dresden,
wirkliches Mitglied seit 1875. Seit 1883 gehörte der Verewigte dem Ver-
waltungsrathe unserer Gesellschaft an.
Am 20. Juni 1897 starb in Kopenhagen, 84 Jahre alt, Staatsrath
Dr. med. et phil. Johannes Japetus Steenstrup, emer. Professor an
der Universität Kopenhagen, Ehrenmitglied seit 1846.
18
Am 25. Juni 1897 starb in Breslau Geh. Bergrath Dr. Wilhelm Bunge,
Oberbergrath a. D., correspondirendes Mitglied seit 1868.
Am 28. Juni 1897 verschied im 74. Lebensjahre der K. Sachs. Kammer-
herr Arthur Freiherr von Burgk, Mitglied der ersten Kammer der
Ständeversammlung, Bergherr und Fideicommissbesitzer der seinen Namen
tragenden bekannten Steinkohlenwerke des Plauen’schen Grundes bei
Dresden. Unserer Gesellschaft gehörte der Verewigte seit 1886 als wirk-
liches Mitglied an.
Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder:
Böttcher, Adolf, Realschul-Oberlehrer in Dresden,
Calberla, Heinr., Privatus in Dresden,
Gravelius, Harry, Dr. phil., Privatdocent an der K. Techn.
Hochschule in Dresden,
Pohle, Bich., Assistent am botanischen Institut der K. Te<
in Plauen bei Dresden, am 20. Mai 1897 ;
Beichardt, Alex. Wilib., Dr. phil., Gymnasial-Oberlehrer in Dresden, am
24. Juni 1897;
Stiefelhagen, Hanns, Lehrer in Dresden, am 25. März 1897;
Stresemann, Bich. Theod., Dr. phil., Apotheker in Dresden, am
28. Januar 1897.
am 25. März
1897;
hn. Hochschule,
Kassenabschluss der ISIS vom Jahre 1896.
Position. Einnahmen. Position. Ausgaben.
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Dresden, am 24. Februar 1897. H. Warnatz, z. Z. Kassirer der Isis.
Abhandlungen
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1897,
I. Beitrag zur Kenntniss der Tertiärflora des
Jesuitengrabens bei Kundratitz.
Von Dr. Paul Menzel in Hainitz.
(Mit Tafel I.)
Die Brandschiefer des Jesuitengrabens bei Kundratitz im böhmischen
Mittelgebirge, deren reiche Einschlüsse an tertiären Pflanzenresten seit
dem Jahre 1878 ausgebeutet worden sind, haben in Prof. H. Engelhardt
ihren berufenen Floristen gefunden, dessen Abhandlung über diese Flora
im Bande XLV1II der Nova Acta der Kaiserl. Leop.-Carol. Deutschen
Akademie der Naturforscher uns mit mehr als 300 Arten, darunter zahl-
reichen neuen Entdeckungen, bekannt gemacht hat.
Seit der Entdeckung des Fundortes haben wiederholte Aufsammlungen
daselbst stattgefunden; gegenwärtig ist leider infolge von Verschüttung
den Schichten nur wenig mehr zu entnehmen. Verfasser hat bei mehreren
Excursionen in das romantische Thal des Jesuitengrabens eine nicht ganz
unbedeutende Menge von Fossilien aus den Brandschiefern sammeln
können, und es ist ihm gelungen, auch der Polierschieferschicht, welche
den Brandschiefer überlagert, und zwar an einer Stelle, die mehrere
hundert Meter unterhalb des klassischen Ortes am „frischen Brünnei“
gelegen ist*), eine wenn auch geringe Anzahl von Pflanzenfossilien zu ent-
nehmen, die sich zum Theil durch treffliche Erhaltung auszeichnen.
Da diesen letzteren bisher eine besondere Aufmerksamkeit nicht ge-
widmet worden ist, andererseits aber auch aus den Brandschieferschichten
eine Anzahl noch nicht von da bekannter Pflanzenfossilien gesammelt
werden konnte , dürfte die Mittheilung derselben als ein Beitrag zur Er-
weiterung unserer Kenntniss der aquitanischen Flora, die der Jesuiten-
graben birgt, nicht ganz überflüssig sein.
A. Neue Pflanzenreste aus dem Brandschiefer.
Cryptogamae.
Familie Hyphomycetes.
PhyUerium Friesii A. Br. sp.
Heer: Flor. tert. Helv. I, p. 14, tab. II, fig. 3.
Erineum Friesii A. Br. Stizenb. Verz., p. 74.
*) Vergl. Beschreibung der Localität in Sitzungsber. u. Abhandl. d. naturwissensch.
Gesellsch. Isis zu Dresden, 1882, Abh. 2, p. 13.
4
Phyllerium maculas fuscas planas formans (Heer).
Auf einem Blatte von Acer trilobatum Stbg. sp. verstreut mehrere
flache, unregelmässig gestaltete Flecken, die, etwas dunkler als die Blatt-
fläclie, von einem schwach vertieften Rande umgeben sind.
Von Heer mit Pli. acerinum Fries, verglichen.
Familie Pyrenomyeetes,
Sphaeria effossa Heer.
Heer: Flor. tert. Helv. III, p. 148, tab. CXL1I, fig. 19, 20.
Sphaeria peritheciis sparsis, orbiculatis, planis, apice ostiolo rotundato
pertusis (Heer).
Auf einem unbestimmbaren Blattfetzen eine Anzahl kleiner, bis 3/2 mm
Durchmesser erreichender, runder dunkelgefärbter Scheiben, die grössten-
theils in der Mitte eine kreisrunde, im Verhältniss zum Umfange der
Flecken ziemlich grosse Oeffnung tragen, zum Theil keine Andeutung einer
Mündung besitzen. Es liegen also ältere und jüngere Perithecien eines
Pyrenomyceten vor, welcher mit der von Heer beschriebenen Sph. effossa
übereinstimmt.
Familie Gasteromycetes.
Sclerotium Cinnamomi Heer.
Heer: On the fossil flora of Bovey Tracey, p. 1045, pl. LXVII, fig. 19.
— Miocäne baltische Flora, p. 52, tab. XII, fig. 21 — 25.
Sclerotium perithecio orbiculato, duro, plano, margine elevato (Heer).
Auf einem Blatte von Cinnamomum lanceolatum Ung. sp. und einem
Fetzen von Cinnamomum sp. grössere und kleinere fast kreisrunde Scheiben
mit scharfen Rändern; in der mittleren Partie theilweise höckerig; die ge-
fundenen Exemplare entsprechen den Figuren 21 und 25 bei Heer 1. c.
Familie Polypodiaceae.
Goniopteris stiriaca Ung. sp.
Polypodites stiriacus Unger, Chlor, prot., p. 121, tab. XXXVI, fig. 1 — 5.
Lit. vergl. Staub: Die aquitanische Flora des Zsilthales (Mitth. a. d. Jahrb.
d. königl. ung. geol. Anst., Bd. VII, Heft 6, p. 232).
Goniopteris fronde pinnata, pinnis linearibus, praelongis, inferioribus
grosse crenatis serratisve, superioribus argute serratis vel serrulatis;
nervatione Goniopteridis Aspidii, nervo primario valido prominente, recto,
nervis secundariis sub angulis 50—65° orientibus, tenuibus, subrectis vel
paullo arcuatis, nervis tertiariis in pinnis inferioribus plerumque 6 — 7, in
pinnis superioribus plerumque 4-5, curvatis, subparallelis, angulo acuto
egredientibus. Soris rotundatis, biseriatis (Ett. et Gardner).
Es fanden sich ein breiteres Fieder Stückchen, welches Lastraea
(Goniopteris) stiriaca Heer, Fl. tert. Helv. I, tab. VIII, fig. 4, und ein
schmäleres, das Lastraea (Goniopteris) helvetica Heer, 1. c., tab. VT, fig. 2
entspricht.
Die Zusammengehörigkeit von G. stiriaca Ung. sp. und G. helvetica
Heer ist durch Gardner und Ettingshausen wahrscheinlich gemacht
(G. and E., A monograph of the British eocene flora, Vol. I, p. 39). Die
5
als G. Helvetica Heer beschriebenen Fiedereben entstammen jedenfalls
den oberen Wedeltheilen von G. stiriaca Ung. sp.
Als entsprechende lebende Form wird G. prolif er a Mett, im tropischen
Amerika angesehen.
Phanerogamae.
Familie Abietineae Rieh.
Pinus Laricio Poir. Taf. I, Fig. 1.
Heer: Miocäne baltische Flora, p. 22, tab. I, fig. 1—18.
Ettingshausen: Beitr. z. Phyllogenie der Pflanzenarten (Denkschr. d. kais.
Akad. d. Wissensch., math.-naturwissensch. Klasse, XXXVIII. Bd., 1. Abth),
p. 73, 75, 76, tab. VI, fig. 1, 2, 4; tab. VII, fig. 1, 3—11; tab. VIII, fig. 4a,
5 a, 6 ; tab. IX, fig. 11, 12; tab. X, fig. 2 a, 3 — 5.
Ettingshausen: Foss. Flora von Leoben I, p. 16, tab. II, fig. 6, 7.
Pinus seminum ala nucleo bis triplove longiore, apice attenuata (Heer).
Ein Same mit ovalem Samenkern, dessen Flügel am Innenrande fast
geradlinig, am Aussenrande stark convex verläuft und eine stumpfe, wenig
verschmälerte Spitze besitzt; stellt sich dem von Ettingshausen in Beitr.
z. Phyllogenie, tab. VII, fig. 8 abgebildeten Samen von Schönegg zur Seite.
Familie Gramineae Juss.
Phragmites oeningensis A. Br.
Al. Braun: Stizenb. Verz., p. 75.
Lit. vergl. Pilar: Flora fossilis Susedana, p. 11.
Phragmites rhizomate ramoso, internodiis plerumque elongatis, tubu-
losis; culmis elongatis; foliis latis, multinerviis nec medio costatis (Schimper).
Es liegen mehrere Blattbruchstücke vor.
Familie Cyperaeeae R. Br.
Car ex antiqua Heer.
Heer: Miocäne baltische Flora, p. 28, tab. III, fig. 18—20.
Carex fructibus in spicam densam congestis, breviter ovalibus, 2 mm
longis (Heer).
Ein einzelnes Früchtchen, das den von Heer aus der Flora des Sam-
landes dargestellten Früchten von C. antiqua entspricht.
Familie Typhaceae DO.
Sparganium valdense Heer.
Heer: Flor. tert. Helv. I, p. 100, tab. XLV, fig. 7—9; tab. XLVI, fig. 6—7.
Vergl. Engelhardt: Tertiärflora des Jesuitengrabens, p. 17, Taf. 2, Fig. 2.
Es haben sich noch zwei Blüthenköpfchen gefunden, die den von
Heer, 1. c., tab. XLVI, fig. 6d, und Engelhardt, 1. c., Taf. 2, Fig. 2 ab-
gebildeten gleichen.
Familie Hajadeae Ricli.
Potamogeton Schro tzburgensis Heer.
Heer: Flor. tert. Helv. III, p. 170, tab. CXLVII, fig. 34.
Potamogeton foliis petiolatis, oblongis, apice obtusis; nervis acrodromis
primariis 11 — 12,' interstitialibus 2 — 3, nervis transversis nullis (Heer).
6
Die untere Hälfte eines gestielten länglichen Blattes mit 11 Parallel-
nerven, welches in Gestalt und Grösse dem Potamogeton scwmewsis.Ettingsh.
(Foss. Flora von Sagor I, p. 16, tab. III, fig. 20, 21) nahesteht, aber in
der Zahl und Beschaffenheit der Nerven mit dem von Heer als Potamo-
geton Schrotzburgensis beschriebenen Fragment fast übereinstimmt.
Najadopsis dichotoma Heer.
Heer: Flor. tert. Helv. I, p. 104, tab. XL VIII, fig. 1 — 6.
Yergl. Engelhardt: Tertiärflora des Jesuitengrabens, p. 17, Taf. 1, Fig. 33.
Von dieser Art fanden sich zahlreiche Reste, Stengelstücke mit Blättern
und vereinzelten Fruchtständen. Die von Heer beschriebene Mittelfurche
an den Stengeln ist vielfach deutlich erkennbar.
Familie Cupuliferae Endl.
Quercus üicoides Heer.
Heer: Regel’s Gartenflora, Taf. 66, Fig. 10.
— Flor. tert. Helv. II, p. 55, tab. LXXVII, fig. 16; III, p. 180, tab. CLI,
fig. 25.
Quercus foliis coriaceis, ellipticis, apice cuspidatis, lateribus utrinque
trilobatis, lobis acutis spinulosis (Heer).
Ein theilweise erhaltenes Blatt, welches der fig. 16, tab. LXXVII bei
Heer 1. c. in der Form völlig entspricht, nur kleiner ist.
Analoge lebende Form: Qu. ilicifolia Willd. Nordamerika (vergl.
Ettingshausen: Heber die Nervation der Blätter bei der Gattung Quercus.
Denkschr. d. mathem.-naturwissensch. Klasse d. kaiserl. Akad. d. Wissensch.,
Bd. LXIII).
Quercus tephrodes Ung. Taf. I, Fig, 2.
Unger: Iconogr. pl. foss., p. 37, tab. XVIII, fig. 13.
Heer: Flor. tert. Helv. II, p. 54, tab. LXXVI, fig. 11.
Ludwig: Palaeontogr. VIII, p. 102, tab. XXXIV, fig. 9, 10.
Ettingshausen: Foss. Flora d. alt. Braunkoblenform. d. Wetterau (Sitzb.
d. kaiserl. Akad. d. Wissensch., Bd. LVII, 1. Abth.), p. 32.
— Foss. Flora v. Sagor III, p. 10, tab. XXVIII, fig. 17.
— Foss. Flora v. Leoben I, p. 29.
— Beitr. z. Kenntniss d. Tertiärflora d. Insel Java (Sitzb. d. kaiserl. Akad.
d. Wissensch., Bd. LXXXVII, Abth. 1, p. 4, tab. I, fig. 1. 2; tab. II, fig. 1.
S y n o n. (nach Ettingshausen) :
Qu. subsinuata Goeppert, Tertiärflora der Insel Java, p. 42, tab. VIII,
fig. 55.
Qu. Ellisiana Lesquereux, Contrib. to the foss. flora of the Western Terri-
tories, P. II: The tert. flora, p. 155, tab. XX, fig. 4, 5, 7, 8.
Quercus foliis glabris coriaceis, breviter petiolatis, obovato-cuneatis
vel oblongo -o vatis, sparsim sinuato dentatis, basi integerrimis , margine
saepe revolutis; nervatione mixta, nervis secundariis superioribus cras-
pedodromis, reliquis camptodromis, nervis tertiariis sub angulo recto
exeuntibus, inter se conjunctis (Ett.).
Ein bis auf den Blattstiel wohlerhaltenes Blatt, das in der Gestalt
der Fig. 17, tab. XXVIII der Flora von Sagor, bezüglich der Rand-
beschaffenheit mehr der Unger’schen Figur in der Iconographie entspricht.
Deutlich ist die derbe Consistenz des' Blattes zu erkennen; auch die Um-
rollung des Blattrandes ist angedeutet.
Die untersten Secundärnerven entspringen unter etwas spitzerem Winkel
als. bei den angeführten Abbildungen; doch variiren die Ursprungswinkel
7
ebenso bei der von Ettingshausen als nächstverwandte lebende Art be-
zeichn eten Quercus aquatica Walt, (vergl. Sitzb. d. kaiserl. Akad. d. Wissensch.,
Bd. LXXXVII, 1. Abth., tab. I — IV), wie überhaupt diese Verhältnisse
innerhalb derselben Quercus -Arten mannigfachen Veränderlichkeiten unter-
worfen sind (vergl. Ettingshausen: Untersuchungen über Ontogenie und
Phyllogenie der Pflanzen. Denkschr. d. kaiserl. Akad. d. Wissensch., math.-
naturwissensch. Kl., Bd. LVII, und Ettingshausen: Ueber die Nervation
der Blätter bei der Gattung Quercus. Denkschr. der kaiserl. Akad. der
Wissensch., math.-naturwissensch. KL, Bd. LXIII).
Ettingshausen hält für wahrscheinlich, dass Quercus tephrodes dem
Formenkreise seiner Qu. Palaeo-Ilex angehört (vergl. Foss. Flora von
Leoben 1, p. 29).
Quercus Pseudo- Laurus Ett.
Ettingshausen: Foss. Flora von Bilin I, p. 60, tab. XVII, fig. 13—15.
Wie im Polierschiefer des Jesuitengrabens (vergl. hinten S. 13) fand
sich auch im Brandschiefer ein Blatt dieser Eichenart.
Carpinus grandis Ung.
Unger: Syn. plant, foss., p. 220.
Lit. vergl. Staub: Aquitan. Flora des Zsilthales, p. 267.
Engelhardt: Fossile Pflanzenreste aus dem Teplirittuff von Birkigt (Lotos
1896, Nr. 2, p. 5).
— Zur Kenntniss der Tertiärpflanzen von Sulloditz (Lotos 1896, Nr. 4, p. 8).
Ausser zahlreichen Blättern, deren schon Engelhardt in Tertiärflora
des Jesuitengrabens, p. 24, Taf. 3, Fig. 30, 31; Taf. 4, Fig. 2, 5, 6, 23, 24
Beschreibung und Abbildungen geliefert hat, fand sich eine jugendliche
Fruchthülle mit dem Früchtchen, welche am meisten mit den von Goeppert,
Tertiäre Flora von Schossnitz, tab. V, fig. 3 dargestellten übereinstimmt.
Familie Moreae Endl.
Ficus arcinervis Rossm. sp.
Heer: Flor. tert. Helv. II, p. 64, tab. LXX. fig. 24b; tab. LXXXII, fig. 4.
— Beitr. z. Kenntniss d. sächs. - thüring. Braunkohlenflora, p. 6, tab. VI,
fig. 4, 121-
Ettingshausen: Foss. Flora von Bilin I, p. 70, tab. XXI, fig. 6.
— Foss. Flora von Sagor I, p. 29, tab. VI, fig. 5—7.
Engelhardt: Tertiärflora von Göhren, p. 22, tab. III, fig. 11.
— Braunkohlenpflanzen von Meuselwitz, p. 18, tab. I, fig. 15.
— Foss. Pflanzen aus tert. Tuffen Nordböhmens (Ges. Isis, Dresden 1891,
Abh. 3, p. 24).
— Foss. Pflanzenreste aus dem Teplirittuff von Birkigt (Lotos 1896, Nr. 2, p. 7).
Velenovsky: Flora d. tert. Letten von Vrsovic bei Laun, p. 28, tab. IV,
fig. 18-20.
Synon. : Phyllites arcinervis Rossmässler, Versteinerungen von Altsattel, p. 29,
tab. III, fig. 15.
Apocynophyllum acuminatum Weber, Palaeontogr. II, p. 189, tab. XXI,
fig. 2.
Ficus Lobkoivitzii Ettingshausen, Foss. Flora von Bilin I, p. 71,
tab. XX, fig. 1.
Ficus Lobkoivitzii Ettingshausen, Foss. Flora von Leoben I, p. 37.
— Sieber, Zur Kenntniss der nordböhm. Braunkohlenflora (Sitzb.
d. kaiserl. Akad. d. Wissensch., Bd. LXXXII, p. 77).
Ficus foliis elliptieis, lanceolatis, basi apiceque acuminatis; nervis
secundariis plerumque oppositis, distantibus, arcubus a margine remotis
(Ett.).
8
Ein Blattrest, der mit tab. YI, fig. 6 der Foss. Flora von Sagor zu
vergleichen ist.
Mit der vorliegenden Art vereinigt Velenovsky (1. c.), wie mir scheint
mit vollem Rechte, Ficus Lobkowitzii Ett. Im Brandschiefer des Jesuiten-
grabens fand sich ein Blatt, das in allen Eigenschaften mit den Dar-
stellungen von Ficus Lobkowitzii Ett., fig. la und lh auf tab. XX der
Fossilen Flora von Bilin übereinstimmt.
Familie Daphnoideae Yent.
Daphne protogaea Ett.
Ettingshausen: Foss. Flora von Bilin II, p. 13, tab. XXXIV, fig. 1—3, 10.
— Foss. Flora von Leoben I, p. 52, tab. IV, fig. 3 — 5.
Sieber: Zur Kenntnis s der nordböhmischen Braunkohlenflora (Sitzb. d. kaiserl.
Akad. d. Wissensch., Bd. LXXXII, 1880, p. 80).
Daphne foliis petiolatis, submembranaceis, cuneato-lanceolatis, integer-
rimis basi angustatis, apice acutis vel breviter cuspidatis; nervatione campto-
droma, nervo primario apicem versus valde attenuato vel evanescente,
nervis secundariis sub angulo peracuto orientibus, tenuissimis simplicibus,
nervis tertiariis obsoletis (Ett.).
Ein Blattrest, der mit Ettingshausen’s Abbildungen wohl überein-
stimmt.
Familie Ebenaceae Vent.
Diospyros brachysepala A. Br.
S. Engelhardt: Tertiärflora des Jesuitengrabens, p. 43.
Ausser Blättern zweier Diospyros - Arten und einem Kelche von D.
palaeogaea Ett. (vergl. Engelhardt, 1. c.) fand sich der wohlerhaltene Ab-
druck einer Beere, welche mit der Beere von D. Lotus L. grosse Ueber-
einstimmung aufweist und, soweit ihre Zuweisung zu Diospyros ohne den
umgebenden Kelch überhaupt zulässig ist, wohl zu D. brachysepala gestellt
werden kann.
Familie Ericaeeae DC.
Andromeda protogaea Ung.
S. Engelhardt: Tertiärflora des Jesuitengrabens, p. 44.
Neben nicht seltenen vom Jesuitengraben bereits bekannten Blättern
fand sich ein kleines Früchtchen, welches mit den von Heer: Miocäne
baltische Flora, p. 82, tab. XXV, fig. 4 beschriebenen und abgebildeten
und zu Andromeda protogaea gestellten Früchtchen übereinstimmt.
Familie Loranthaeeae Lindl.
Loranthus Circes Ett. Taf. I, Fig. 3.
Ettingshausen: Foss. Flora von Leoben II, p. 18, tab. VI, fig. 25, 26.
Loranthus foliis coriaceis, minimis, lanceolatis, integerrimis, apice
acuminatis ; nervatione craspedodroma, nervo primario recto excurrente,
nervis secundariis utrinque 3, sub angulis acutis orientibus, simplicibus
curvatis, tertiariis et rete vix conspicuis (Ett.).
Ein Blättchen, das mit den von Ettingshausen von Leoben dargestellten
überein stimmt.
Nächstkommende lebende Form: L. Poeppigii DC., Chile.
9
Familie Saxifrageae DO.
Weinmannia glabroides Eglh.
Engelhardt: Tertiärpflanzen a. d. Leitmeritzer Mittelgebirge, p. 46, tab. YI,
fig. 20—22.
Sy non. : Weinmannia microphylla Ettingshausen, Tertiärflora von Häring,
p. 66, tab. XXIII, fig. 8—29.
Weinmannia foliis impari pinnatis, rhachidibus alatis; foliolis coriaceis
remote dentatis, brevissime petiolatis, terminalibus ovato-lanceolatis vel
ovato-oblongis, basi et apice acutis, lateralibus rotundis vel obovatis vel
ellipticis; 5 — 20 mm longis, 3— 6 mm latis, nervis secundariis paucis, ten-
uissimis, e nervo primario debili sub angulo recto orientibus (Ett.).
Ein Blättchen, das am meisten der Fig. 27 bei Ettingshausen 1. c.
nahekommt.
Lebendes Analogon: Weinmannia glabra DC., Westindien.
Cunonia formosa Friedr. Taf. I, Fig. 4.
Friedrich: Beiträge zur Kenntniss der Tertiärflora der Provinz Sachsen
(Abh. z. geol. Specialkarte von Preussen, Bd. IV, Heft 3, p. 226, tab. VII,
fig. 6—9; tab. XXIX, fig. 8—9).
Cunonia foliis subcoriaceis, impariter pinnatis; foliolis petiolatis,
oblongo-lanceolatis, utrinque attenuatis, basi inaequilateris vel aequilateris,
obtuse serratis; nervo primario valido; nervis secundariis numerosis, cur-
vatis, subparallelis, camptodromis ; nervis tertiariis angulis acutis exorienti-
bus, rete nervis secundariis parallelum formantibus (Friedr.).
Ein wohlerhaltenes unsymmetrisches seitliches Fiederblättchen, das
sich den von Friedrich gegebenen Abbildungen anschliesst, insbesondere
mit tab. VII, fig. 9 übereinstimmt.
Als lebende analoge Form ist Cunonia capensis L. zu betrachten.
Familie Acerineae DO.
Acer trilobatum Stbg. sp. Taf. I, Fig. 6.
S. Engelhardt: Tertiärflora des Jesuitengrabens, p. 52.
Neben zahlreichen Blättern und ausgewachsenen Flügelfrüchten fand
sich ein Fruchtstiel mit zwei jugendlichen Theilfrtichten , bei deren einer
der Flügel wohlerhalten ist. Das Fossil ist den von Heer in Flor. tert.
Helv. III, tab. CXI, fig. 18 abgebildeten Ahornfrüchtchen von Oeningen zu
vergleichen und nähert sich in der Gestalt und der Richtung der Flügel
noch mehr als diese den jugendlichen Früchtchen von Acer rubrum L.
Acer Bruckmanni A. Br. Taf. I, Fig. 5.
Al. Braun: Stizenb. Verz., p. 85.
Heer: Flor. tert. Helv. III, p. 54, 198, tab. CXVI, fig. 6—10; tab. CLV, fig. 11.
Ettingshausen: Foss. Flora von Bilin III, p. 20, tab. XLIV, fig. 6.
— Foss. Flora der älteren Braunkohlenformation der Wetterau, p. 68,
tab. IV, fig. 3.
Velenovsky: Flora d. tert. Letten v. Vrsovic b. Laun, p. 38, tab. IX, fig. 1.
Acer foliis trilobatis, lobis sparsim et obtuse inaequaliter dentatis,
lateralibus abbreviatis, apice obtusis, sinubus obtusangulis (Ett.).
Ein unvollständig erhaltenes Blatt, das der Fig. 7 bei Heer 1. c. am
nächsten kommt.
Auf dem Blatte befinden sich mehrere runde querrunzelige Einsenkungen,
die mit manchen der als fossile Pilze beschriebenen Gebilde Aehnlichkeit
besitzen, die ich aber als von Schildläusen herrührend ansprechen möchte.
10
Familie Rhamnaceae R. Br.
Zizyphus ovatus Weber. Taf. I, Fig. 7.
Weber: Palaeontogr. II, p. 203, tab. XXII, fig. 12; tab. XXIII, fig. 1.
Ettingshausen: Foss. Flora von Bilin III, p. 40, tab. L, fig. 16.
Zizyphus foliis petiolatis, ovatis, serrulatis, triplinerviis; nervis validis
ad apicem vix evanidis; nervis secundariis patentibus, fere strictis, con-
fertis, scalaribus; rete venoso tenuissimo (Ett.).
Ein Blatt mit fast ganzem Rande, das dem in der Biliner Flora,
tab. L, fig. 16 dargestellten am meisten entspricht.
Familie Myrtaceae R. Br.
Callistemophyllum bilinicum Ett.
Ettingshausen: Foss. Flora von Bilin III, p. 53, tab. LV, fig. 1, 2.
Wentzel: Flora d. tert. Diatomeenschiefer von Sulloditz (Sitzb. d. kaiserl.
Akad. d. Wissensch., Bd. LXXXIII, p. 18, fig. 7).
Engelhardt: Tert. Pflanzen von Sulloditz (Lotos 1896, Nr. 4, p. 33).
Callistemophyllum foliis coriaceis petiolatis linearibus acuminatis in-
tegerrimis; nervatione brochidodroma, nervo primario valido prominente
recto, nervis secundariis tenuibus numerosis abbreviatis, sub angulis 70—80°
orientibus; arcubus laqueorum margini parallelis (Ett.).
Der untere Theil eines dickgestielten derblederigen Blattes, das sich
an Fig. 2 bei Ettingshausen 1. c. anschliesst.
C. bilinicum wird von Ettingshausen mit den lebenden Callistemön
rigidum R. Br. und C. linearifolium DC. aus Neuholland verglichen.
Familie Papilionaeeae Endl.
Cercis antiqua Sap. Taf. I, Fig. 8.
Saporta: Etudes sur l’etat de la Vegetation du sud-est de la France ä l’epoque
tertiaire I, p. 134, pl XIV, fig. 4.
— Revision de la flore des gypses d’Aix, p. 123, pl. XVII, fig. 7 — 15.
Cercis foliis subcoriaceis vel saltum firmis, longiuscule petiolatis,
superficie plerumque tenuissime rugoso punctulatis, ad apicem petioli
leviter tumidi quandoque biglandulosis, ovato-vel saepius obovato-orbiculatis,
apice obtuse attenuatis vel obtusatis etiamque emarginatis; nervis infimis
basilaribus utrinque 2 plus minusve inaequalibus, ceteris longe productioribus,
extus oblique ramosis, ascendentibus, dein ad marginem arcuatim conjunctis,
oblique inter se flexuoso-reticulatis (Sap.).
Es fand sich ein kleines, des Stieles beraubtes, vorn ausgerandetes
Blättchen, das in allem zu Saporta’s Beschreibung stimmt und der Fig. 13
(pl. XVII der Rev. de la flore d’Aix) am nächsten kommt.
Pflanzenreste von unbestimmter Stellung.
Antholithes eleagnaceus nov. sp. Taf. I, Fig. 9 a und b.
Antholithes perigono infundibuliformi, quadrifido ; laciniis lanceolatis,
erecto patentibus; antheris IV sinubus laciniorum adnatis, gynaeceo non
conspicuo.
Es liegen zwei höchst wahrscheinlich gleichartige Blüthenreste vor, deren
einer eine nur des untersten Theiles entbehrende seitlich zusammengedrückte
Blüthe, der andere ein Blüthenbruchstück im Anblick von oben darstellt.
11
Das trichterförmige vierzipfelige Perigon mit vier ziemlich grossen sitzenden,
dem Perigonraride an den Buchten der Zipfel angefügten Antheren stimmt
so mit den männlichen Blüthen von Eleagnus überein, dass die vor-
liegenden Reste mit grösster Wahrscheinlichkeit als Eleagnus- Blüthen
aufzufassen sind.
Eleagnus ist in der Flora des Jesuitengrabens durch Blätter von
E. acuminatus Web. vertreten (vergl. Engelhardt, Tert. Flora des Jesuiten-
grabens, p. 35). Die vorliegenden Blüthen mit diesen Blättern zu ver-
einigen, erachte ich jedoch nicht für angezeigt.
Antholühes myrtaceus nov. sp. Taf. I, Fig. 10 a, b.
Antholithes pedunculatus epigynus; fructu infero cyathiformi, apice
truncato, stylo valido superato, residuis calicis ornato; antheris nonnullis
conspicuis ; corolla non conservata.
Der vorliegende Rest stellt eine bereits im Verblühen begriffene
Bliithe dar; die deutlich über den Fruchtknoten verlängerte Blüthenaxe
bildet eine becherförmige Achsencupula, die oben breit gestutzt ist und
drei erkennbare Kelchzipfel trägt; von einer Krone sind keine Reste vor-
handen. Die Stellung der länglichen zugespitzten Kelchblätter macht
wahrscheinlich, dass deren vier vorhanden waren; das Fossil, von dem
nur eine Platte vorliegt — die Gegenplatte ist leider zersplittert — , zeigt
deutlich, dass die Bliithe in der Mitte zerrissen ist; man sieht die Höhle
des Fruchtknotens vor sich, leider ohne dadurch Aufschluss über Frucht-
fächer und Samen zu erhalten; der Abdruck des vierten, dem Beschauer
zugekehrten Kelchblattes ist mit der Gegenplatte verloren gegangen. Der
Fruchtknoten ist von einem kurzen dicken Griffel überragt; mehrere
Staubfäden sind in zarten Abdrücken erhalten.
Der Bau des vorliegenden Blüthenrestes lässt mit Wahrscheinlichkeit
vermuthen, dass es sich um eine Myrtacee handelt; er kommt insbesondere
dem Blüthenbau von Pimenta nahe.
Auf Blattreste begründeter Myrtaceenarten sind aus dem Jesuiten-
graben mehrere bekannt (vergl. Engelhardt, 1. c., p. 69 flg.).
Antholithes lageniferus nov. sp. Taf. I, Fig. 11a, b.
Antholithes pedunculatus, germine supero lageniformi sulcato; sepalis IV
ovalibus; corollae residuis incerte conspicuis; antheris IV.
Eine kleine Blüthe, welche einen oberständigen flaschenförmigen,
längsgefurchten, vermuthlich mehrfächerigen Fruchtknoten deutlich er-
kennen lässt; derselbe erhebt sich über einem vierblätterigen Kelche, von dem
drei eiförmige Blättchen ganz, ein viertes fragmentarisch erhalten sind ; von
einer Krone sind nur unsichere Andeutungen erhalten, so dass über deren
Beschaffenheit sich nichts aussagen lässt; Antheren sind vier erkennbar.
Bei der mangelhaften Erhaltung des Restes ist die Zuweisung des-
selben zu einer bestimmten Familie — geschweige denn Gattung — nicht
thunlich; die erkennbaren Blüthentheile zeigen in verschiedenen Familien
Aehnlichkeiten.
Carpolithes empleuriformis nov. sp. Taf. I, Fig. 12.
Carpolithes pedunculatus rostratus ensiformis compressus.
Eine auffällige Frucht, welche mit den seitlich zusammengedrückten
geschnäb eiten Carpellen der capländischen Rutacee Empleurum ensatum .
Eckl. et Zeyh. eine bemerkenswerthe Aehnlichkeit aufweist.
12
Carpolithes coronatus nov. sp. Taf. I, Fig. 13.
Carpolithes pedunculatus globosus longitudinaliter striatus, sepalis Y
coronatus.
Eine kurzgestielte mit Längsstreifen versehene Kapsel, die von fünf
erhaltenen kurz-pfriemenförmigen Kelchzipfeln gekrönt ist. Sie erinnert
an die lederartige Kapselfrucht der centralamerikanischen Rubiacee Deppea
erythrorrhiza Cham, et Schl.
Carpolithes rlioideus nov. sp. Taf. I, Fig. 14.
Carpolithes globosus laevis, Stigmata duo parvula ferens.
Eine kleine rundliche glatte Frucht, die auf der Spitze zwei kleine
Narben trägt; gleicht den Früchten von Uhus toxicodendron L.
Carpolithes trimerus nov. sp. Taf. I, Fig. 15 a, b.
Carpolithes carpellis tribus subcoriaceis tenue-striatis longis acumi-
natis supra distantibus compositus.
Ein schwer zu deutender Pflanzenrest. Die kohlige Beschaffenheit
des Abdruckes lässt auf ein derbhäutiges Organ schliessen; an eine Blüthen-
hülle dürfte daher nicht zu denken sein; vielmehr handelt es sich wohl
um eine aus drei verlängerten, zart gestreiften, mit den Spitzen auseinander
weichenden Carpellen bestehende Fruchtanlage, die Verfasser einer be-
stimmten Familie zuzuweisen nicht vermag.
B. Pflanzenreste aus dem Polierschiefer.
Cryptogamae.
Familie Pyrenomycetes.
Xylomites Daphnogenes Heer.
Heer: Flor. tert. Helv. I, p. 20, tab. I, fig. 11.
Xylomites maculas rotundatas fuscas, disco albas formans (Heer).
Auf einem Blatte von Laurus primigenia Ung. eine Anzahl grösserer
und kleinerer flacher, rundlicher und unregelmässig gestalteter Flecken,
die dunkler gefärbt, einen helleren Theil im Innern umschliessen.
Hysterium colpomaeforme nov. sp. Taf. I, Fig. 16.
Hysterium peritheciis elongatis curvatis (longit. 6 mm, latid. 1 mm),
epidermidem perrumpentibus fissura longitudinali apertis, margine elevato
circumdatis.
Auf einem Blatte von Cinnamomum lanceolahm Ung. sp. findet sich
ein gebogener 6 mm langer und 1 mm breiter, älterer, in weitem Längs-
spalt geöffneter Fruchtkörper; die erhabenen Ränder des Spaltes heben
sich mit der dunkleren Färbung von der braunen Blattfläche ab und um-
schliessen eine helle Innenschicht. Der Pilz erinnert in Gestalt und Grösse
der Perithecien an Colpoma Wallr.
Phanerogamae.
Familie Myricaceae Ricli.
Myrica hakeaefolia Ung. sp.
S. Engelhardt: Tertiärflora des Jesuitengrabens, p. 20, Taf. 2, Fig. 3-8, 27.
Ein fast völlig erhaltenes Blatt mit ungleichen Zähnen am vorderen Theile.
13
Familie Betulaceae Bartl.
Betula Brongniartii Ett.
S. Engelhardt: 1. c., p. 21, Taf. 2, Fig. 21, 24, 25; Taf. 21, Fig. 7.
Ein Blatt, neben dem sich Batrachierknochen finden.
Familie Cupuliferae Endl.
Quer cus ar gute - s er rata Heer.
S. Engelhardt: 1. c., p. 23, Taf. 3, Fig. 19.
Ein an Basis und Spitze beschädigtes Blatt, das sich der Engelhardt-
schen Abbildung aus dem Brandschiefer an die Seite stellt.
Quer cus Pseudo -Laurus Ett.
Ettingshausen: Foss. Flora von Bilin I, p. 60, tab. XVII, fig. 13 — 15.
Quercus foliis subsessilibus vel brevissime petiolatis, coriaceis rigidis,
ovato-lanceolatis, acuminatis, basi rotundatis, margine integerrimis vel
solum modo apice remote denticulatis ; nervatione mixta, nervo primario
valido prominente, nervis secundariis sub angulis 50 — 60° orientibus,
subapproximatis, inferioribus et mediis camptodromis, superioribus saepe
craspedodromis, nervis tertiariis latere interno sub angulis obtusis, externo
sub angulis acutis exeuntibus, inter se conjunctis (Ett.).
Die untere Hälfte eines kleinen, derben, kurzgestielten Blattes, dessen
Form und aufs Beste erhaltene Nervatur durchaus zu Ettingshausen’ s
Beschreibung und Abbildungen stimmt.
Fagus Feroniae Ung.
Unger: Chlor, prot., p. 106, tab. 28, fig. 3, 4.
Lit. und Synon.: s. Engelhardt: Foss. Pflanzenreste aus dem Tephrittuff
von Birkigt (Lotos 1896, Nr. 2, p. 6);
ferner Ettingshausen: Formelemente der europäischen Tertiärbuche (Denk-
schrift. d. kaiserl. Akad. d. Wissensch., Bd. LXI),
und derselbe : Beitr. z. Phyllogenie d. Pflanzenarten VI (Denkschr. d. kaiserl.
Akad. d. Wissensch., Bd. XLIII, 1 Abth., p. 99).
Fagus foliis petiolatis, o vatis vel ellipticis, acuminatis vel acutis, in-
aequaliter dentatis vel serratis; nervatione craspedodroma, nervo primario
prominente, recto, excurrente, nervis secundariis 6 — 9 sub angulis acutis
exeuntibus, simplicibus, rarius nervis externis instructis; nervis tertiariis
tenuissimis, irregulariter conjunctis (Ett.).
Ein einziges elliptisches Blatt dieser weitverbreiteten und vielgestaltigen
Art mit schwach gezähntem Rande.
Carpinus grandis Ung.
S. Engelhardt, Tertiärflora des Jesuitengrabens, p. 24, Taf. 3, Fig. 30, 31;
Taf. 4, Fig. 2, 5, 6, 23, 24.
Verschiedene Blattreste.
Familie Salicineae Rieh.
Salix varians Go epp.
S. Engelhardt: 1. c., p. 28, Taf. 5, Fig. 7, 8.
Ein Blatt.
Populus sp.
Ein männliches Bliithenkätzchen von mangelhafter Erhaltung, das
mit den durch Ettingshausen in Beitr. zur Kenntniss der Tertiärflora Steier-
14
marks (Sitzb. d. kaiserl. Akad. d. Wissensch., Bd. LX, p. 41, tab. III, fig. 9).
und Fossile Flora von Leoben 1, p. 40 bekannt gegebenen Blüthenkätzchen
von Populus Geinitzi Ett. verglichen werden kann.
Familie Laurineae Juss.
Laurus primigenia Ung.
S. Engelhardt: Tertiärflora des Jesuitengrabens, p. 30, Taf. 5, Eig. 12;
Taf. 6, Fig. 19, 20, 22, 23; Taf. 7, Fig. 2.
Einige mehr oder weniger vollständige Blätter von verschiedener
Grösse.
Cinnamomum lanceolatum Ung. sp.
S. Engelhardt: 1. c., p. 33, Taf. 7, Fig. 7, 13, 18—22, 25; Taf. 8, Fig. 3, 4,
6, 7, 12, 13.
Fand sich nebst der folgenden Art in zahlreichen Blattexemplaren
als häufigste Pflanze vor.
Cinnamomum Scheuchzeri Heer.
S. Engelhardt: 1. c., p. 32, Taf. 5, Fig. 15—23; Taf. 6, Fig. 11, 12; Taf. 7,
Fig. 9, 12, 14, 16, 17, 26, 27; Taf. 21, Fig. 6.
Cinnamomum polymorphum A. Br.
S. Engelhardt: 1. c., p. 32, Taf. 6, Fig. 13—18; Taf. 7, Fig. 6, 11; Taf. 8,
Fig. 2.
Im Polierschiefer wurde nur ein Blatt dieser Art entdeckt.
Litsaea Deichmülleri Eglh.
S. Engelhardt: 1. c., p. 34, Taf 8, Fig. 5.
Von dieser im Jesuitengraben zum ersten Male entdeckten Art wurde
die untere Hälfte eines Blattes gefunden.
Familie Myrsineae B,. Br.
Myrsine Doryphora Ung.
Ung er: Sylloge plant, foss. III, p. 19, tab. VI, fig. 1—10.
Heer: Miocäne baltische Flora, p. 86, tab. XXVIII, fig. 13—16.
Ettingshausen: Foss. Flora von Bilin II, p. 35, tab. XXXVII, fig. 5, 6, 13.
— Beitr. z. Kenntn. d. Tertiärflora von Steiermark, p. 72.
— Foss. Flora d. Wetterau, p. 57, tab. IV, fig. 5.
— Foss. Flora von Sagor II, p. 10.
— Foss. Flora von Leoben II, p. 11.
Engelhardt: Ueber Braunkohlenpflanzen von Meuselwitz, p. 24.
Pilar: Flora fossilis susedana, p. 80, tab. XIII, fig. 2.
Velenovsky: Tertiärflora von Vrsovic, p. 34, tab. VI, fig. 10, 11; tab. IX,
fig. 23, 24.
Boulay: Notice sur les plantes fossiles des" gres tertiaires de Saint- Saturnin
(Journal de Botanique 1888, p. 10).
Sy non: Apocynophyllum lanceolatum Unger, Synops. plant, foss., p. 230, und
gen. et spec. plant, foss., p. 434.
Myrsine Centaurorum (pp.) Unger, Sylloge III, tab. VII, fig. 15, 17.
Myrsine foliis lanceolatis vel ovato-oblongis, utrinque angustatis, bre-
viter petiolatis, integerrimis, coriaceis; nervo primario valido, nervis se-
cundariis tenuibus sub angulo acuto exorientibus , ramosis vel obsoletis
(Schimper).
Es fand sich nur ein beschädigtes Blatt.
15
Familie Ebenaceae Yent.
Diospyros brachysepala A. Br.
S. Engelhardt: Tertiärflora des Jesuitengrabens, p. 43, Taf. 9, Fig. 22, 37;
Taf. 10, Fig. 1.
Mehrere Blätter.
Familie Styraceae Bich.
Styrax stylosa Heer.
S. Engelhardt: 1. c., p. 43, Taf. 10, Fig. 4.
Ein Blatt.
Familie Vaceiniaceae Bich.
Vaccinium acheronticum Ung.
S. Engelhardt: 1. c., p. 44, Taf. 9, Fig. 27-30, 33-36.
Ein Blatt.
Familie Saxifrageae D C.
Cunonia bilinica Ett.
S. Engelhardt: 1. c., p. 47, Taf. 10, Fig. 28, 29.
Ein Blatt mit fehlender Spitze.
Callicoma bohemica Ett.
S. Engelhardt: 1. c., p. 48, Taf. 10, Fig. 22, 23; Tafel 21, Fig. 2.
Ein Blatt.
Familie Samydeae Gärtn.
Samyda borealis Ung.
S. Engelhardt: 1. c , p. 50, Taf. 11, Fig. 6, 12.
Ein schön erhaltenes, nur an der Spitze verletztes Blatt.
Familie Tiliaceae Juss.
Tilia prae-grandifolia nov. sp. Taf. I, Fig. 17.
Tilia foliis magnis, petiolatis, oblique -cordatis, apice productis (?),
inaequaliter serratis; palminerviis, nervatione craspedodroma, nervis basi-
laribus majoribus sex, uno recto prominente, ceteris curvatis, latere uno
nervös externos emittentibus , infimis brevissimis; nervis secundariis sub
angulis 40—50° exeuntibus, parallelis; nervis tertiariis tenuibus, arcuatis,
e secundariis angulis subrectis egredientibus simplicibus vel furcatis.
Im Polierschiefer des Jesuitengrabens fand sich der grössere Theil
eines gestielten Lindenblattes, welches zu den bisher aus den Tertiär-
schichten Böhmens bekannten Lindenarten (T. lignitum Ett., T. Zephyri Ett.,
T. gigantea Ett. cf. Foss. Flora von Bilin III, p. 16, 17) keinerlei nähere
Beziehungen hat. Unter den fossilen Lindenblättern sind die der Tilia
Malmgreni Heer — besonders das tab. XIX, fig. 18 in Heer, Beitr. zur
foss. Flora Spitzbergens abgebildete — ihm ähnlich, unterscheiden sich
aber in der Bandbezahnung und der Nervatur hinlänglich, um nicht zur
selben Art gebracht werden zu können.
Dagegen weist das vorliegende Blatt eine so augenfällige Ueberein-
stimmung mit den Blättern unserer lebenden Tilia grandifolia Elirh.
(= T. platyphyllos Scop.) auf, dass es — so weit ein solcher einzelner
Best dazu Berechtigung bietet — mit dieser identificirt werden, zum
16
wenigsten als directer Vorläufer derselben betrachtet werden kann. Es
ist zu wünschen, dass weitere Funde diese Annahme bestätigen; es würde
sich daraus eine Bereicherung unserer Kenntniss vom Stammbaume unserer
recenten Linden ergeben.
Die bisher wahrscheinlich gemachten genetischen Beziehungen lebender
zu fossilen Tilia - Arten sind folgende:
T. Mälmgreni Heer —
T. expansa Sap. —
T. Vidalii Rer. —
T. vindobonensis Stur 1
T. Mastaiana Massai | —
T. sachalinensis Heer J
T. prae-grandifolia nov. sp. —
T. americana L.
T. pubescens Vent.
T. argentea Desf.
T. mandschurica Mazim.
T. parvifolia Ehrh.
T. grandifolia Ehrh.
Vergl. Unger: Geologie der europäischen Waldbäume.
Engler: Versuch einer Entwickelungsgeschichte der Pflanzen-
welt.
Saporta: Origine paleontologique des arbres cultives ou utilises
par Phomme.
Familie Aeerineae DC.
Acer angustilobum Heer.
S. Engelhardt: Tertiärflora des Jesuitengrabens, p. 53, Taf. 13, Eig. 5, 6,
8, 11-16; Taf. 14, Fig. 6; Taf. 21, Fig. 18.
Blätter, Blattbruchstücke und eine Flügelfrucht.
Familie Sapindaceae Juss.
Sapindus cassioides Ett.
S. Engelhardt: 1. c., p. 55, Taf. 12, Fig. 6, 7, 10; Taf. 14, Fig. 13, 16.
Verschiedene wohlerhaltene Blätter.
Familie Celastrineae R. Br.
Celastrus cassinefolius Ung.
S. Engelhardt: 1. c., p. 57, Taf. 14, Fig. 10—12.
Ein Blatt.
Evonymus Napearum Pitt.
S. Engelhardt: 1. c., p. 59, Taf. 15, Fig. 9.
Ein Blatt.
Elaeodendron degener Ung.
S. Engelhardt: 1. c., p. 60, Taf. 15, Fig. 16, 17, 19—24, 30, 31.
Blattreste.
Elaeodendron dnbium Ett.
S. Engelhardt: 1. c., p. 60, Taf. 15, Fig. 5.
Ein unvollständiges Blatt.
17
Familie Rhamnaceae R. Br.
Rhamnus Gaudini Heer.
S. Engelhardt: 1. c., p. 63, Taf. 16, Fig. 1, 6 - 8, 14.
Ein theilweise beschädigtes Blatt.
Familie Juglandeae DC.
Juglans Ulinica Ung.
S. Engelhardt: 1. c., p. 65, Taf. 16, Fig. 23, 28, 29; Taf. 17, Fig. 1-4, 6,7.
Mehrere wohlerhaltene Fiederblättchen.
Juglans vetusta Heer.
S. Engelhardt: 1. c., p. 66, Taf. 17, Fig. 11.
Ein ausgezeichnet erhaltenes Blättchen.
Carya elaenoides Ung. sp.
S. Engelhardt: 1. c., p. 67, Taf. 18, Fig. 2—6.
Ein Blatt.
Engelhardtia Brongniartii Sap.
S. Engelhardt: 1. c., p 67, Taf. 17, Fig. 22.
Ein Blatt, das dem von Engelhardt 1. c. abgebildeten entspricht.
Familie Anaeardiaceae Lindl.
Rhus sp.
Ein Früchtchen, das mit den von Unger (Chlor, protog., tab. XXII,
.fig. 5) zu Rhus stggia gestellten und mit den Früchten von Rh. radicans L.
verglichenen sowie mit den von Ettingshausen (Foss. Flora von Sagor,
tab. XVII, fig. 5, 7) zu Rh. sagoriana Ett. und Rh. stygia Ung. gezogenen
übereinstimmt und wohl von einer Rhus- Art herrühren kann.
Familie Amygdaleae Bartl.
Amygdalus per eg er Ung.
S. Engelhardt: 1. c, p. 71, Taf. 19, Fig. 2, 3, 14; Taf. 21, Fig. 16.
Ein Blatt.
Familie Mimosaceae W. K.
Mimosites haeringianus Ett.
S. Engelhardt: 1. c., p. 81, Taf. 20, Fig. 39 — 43.
Zahlreiche lose Fiederblättchen.
Von unbestimmter Stellung.
Carpolithes drupaceus nov. sp. Taf. I, Fig. 18.
Drupa parva, reniformis, rugulosa.
Eine kleine nierenförmige, runzelige Steinfrucht, die einigermassen an
Früchtchen von Myrica erinnert. —
Ausser den aufgeführten Pflanzenresten sammelte Verfasser noch eine
grosse Anzahl anderer, die aber theils von Haus aus mangelhaft erhalten
waren, theils beim Transporte — das Material ist ausserordentlich mürbe —
dermassen beschädigt wurden, dass sie zu einer Verwerthung untauglich
18
wurden. Die 36 einer Bestimmung zugänglichen Arten schliessen sich,
wie aus Vorstehendem hervorgeht, aufs Engste an die Pflanzeneinschlüsse
des Brandschiefers an, in welchen die Polierschieferschicht unmittelbar
übergeht.
Erklärung der Abbildungen auf Tafel I.
/
, Fig. 1. Pinus Laricio Poir. Same.
}y, Fig. 2. Quercus tephrodes Ung. Blatt.
^ Fig. 3. Loranthus Circes Ett. Blatt.
V Fig. 4. Cunonia formosa Friedr. Fiederblatt.
V Fig. 5. Acer Bruckmanni A. Br. Blattfragment mit Schildläusen.
f Fig. 6. Acer trilobatum Stbg. sp. Junges Früchtchen.
V Fig. 7. Zizyplius ovatus Web. Blatt.
V Fig. 8. Cercis antiqua Sap. Blatt.
1/ Fig. 9 a, b. Antholithes eleagnaceus nov. sp., nat. Gr.
, Fig. 10a, b. Antholithes myrtaceus nov. sp., a) nat. Gr., b) vergr.
V Fig. 11a, b. Antholithes lageniferus nov. sp., a) nat. Gr., b) vergr.
| f Fig. 12. Carpolitkes empleuriformis nov. sp., nat. Gr.
Vf Fig. 13. Carpolitlies coronatus nov. sp., nat. Gr.
\ Fig. 14. Carpolitkes rhoideus nov. sp., vergr.
1/ Fig. 15 a, b. Carpolitkes trimerus nov. sp., a) nat. Gr., b) vergr.
V Fig. 16. Blattstück von Cinnamomum . lanceolatum Ung. sp. mit Hysterium
colpomaeforme nov. sp., nat. Gr.
Fig. 17. Tilia prae-grandifolia nov. sp. Blatt, ergänzt.
Fig. 18. Carpolitkes drupaceus nov. sp., nat. Gr.
II. Tethina illota Hai.
Von A. Kuntze in Dresden.
In den Annals of natural Instory, Yol. I, Novemb. 1838, nag. 188 er-
richtet A. H. Haliday zur Gattung Opomyza das Subgenus Tethina für
eine kleine Fliege, welche in ihrer äusseren Erscheinung einer Rhicnoessa
Löw ausserordentlich ähnelt, aber doch bei näherer Untersuchung sehr
weit abweiclit. So kurz und ungenügend die Beschreibung Haliday’s ist,
so lässt sie sich doch zwanglos auf die von mir in Borkum gesammelte
Fliege anwenden; um sie jedoch auch den continentalen Dipterologen
kenntlich zu machen, da sie an den friesischen Inseln vorkommt, so halte
ich es für nützlich, das Thier genauer zu beschreiben.
Tethina Curt.
Genere Rhicnoessae Löw affinis sed differt: Fronte haud setulosa, an-
tennis nutantibus, vibrissis deficientibus; alaram vena transversaria prima
secundae valde approximata, cellula basali posteriore vacante.
Die Stirn ist ausser den Borsten an der Scheitelgegend fast borstenlos,
jedoch ist meist ein oberes Frontorbitalborsten-Paar sichtbar. Fühler nickend,
erstes und zweites Glied sehr klein, das zweite mit einem zarten Börstchen,
das dritte länglich, fast rund, mit dorsaler nackter Borste. Augen nackt,
beim 6 fast rund, beim 9 quer länger, Backen breit, ungefähr so breit
wie die Augen hoch, Knebelborsten fehlen, ebenso die Börstchen am
Seitenrande der Mundöffnung. Schildchen vierborstig, Schienen ohne Prä-
apicalborsten. Flügel den Hinterleib weit überragend, Vorderast der ersten
Hilfsader vom Hauptaste kaum getrennt. Kleine Querader der hinteren
Querader stark genähert. Hintere Basalzelle fehlend, Analader und Analzelle
vorhanden, sechste Längsader unscheinbar.
Tethina illota Hai.
Fronte flava, vertice cinereo pauce setuloso. Facie lata, albida, ab
antennis usque ad epistomium carinata. Antennis obscuris. Proboscide
bruneo apice bigeniculata , palpis flavis. Alis, calyptris halteribusque
albidis. Femoribus tibiisque cinereis. Tarsis luteis, articulo ultimo obscuro.
Long. 2,2 mm, alar. long. 2 mm.
Das Thier ist etwa halb so gross als Rhicnoessa cinerea Löw, welche
Dr. B. Wandolleck die Güte hatte, mit der Löw’schen Type zu identificiren,
und gleich dieser aschgrau. Stirne gelb, am Scheitel und an den Stirn-
Seitenrändern aschgrau und wenig beborstet, Backen breit, weiss und von
den Fühlern bis zum Mundrande gekielt. Fühler verdunkelt, innen oft
20
gelblich. Rüssel braue, mit kurzen gelblichen Sauglappen und gelbweissen
Tastern, meist zurückgezogen. Thorax aschgrau, mit zwei vierborstigen
Haarreihen. Akrostikalbörstchen fehlend; Hinterleib gleichfarbig, Legeröhre
vorgestreckt. Beine kahl, grau, nur die Knie und die vier ersten Tarsen-
glieder gelb, das letzte verdunkelt, nicht verbreitert. Metatarsus so lang,
als die vier übrigen Glieder zusammen. Mittelschienen am inneren Ende
mit einem Dörnchen. Flügel wTeisslich mit braunen Adern. Die kleine
Querader steht weit hinter der Mündung der ersten Längsader, der hinteren
Querader nahe gerückt und etwa auf 3/4 der Discoidalzelle. Randader bis
zur Mündung der vierten Längsader reichend.
Ich fand das Thier im Juli 1895 auf der Südseite der Insel Borkum
in den Watten, wo es sich in grosser Menge zwischen den niedrigen
Salicornien, Glaux und Le^igonum herumtrieb.
III. lieber eine zuerst in Dresden aufgefundene neue
Pelzmilbe des Bibers.
Von Prof. Dr. O. Schneider.
Als am 13. September 1892 im hiesigen Zoologischen Garten ein am
10. desselben Monats in der Elbe bei Schönebeck gefangener ausgewach-
sener Biber zur Pflege aufgenommen wurde, verabredete ich sofort mit
Herrn Director Schöpf, dass derselbe, falls das Thier verende, mir sofort
durch Eilboten nach Blasewitz davon Mittheilung mache und den Leichnam
bis zu meinem Eintreffen möglichst ruhig und unberührt liegen lasse; es
war für mich von hohem Interesse, zu untersuchen, ob auch die Elbbiber
mit Platypsüla castoris , jenem höchst merkwürdigen Käfer behaftet seien,
der zuerst von Ritsema an einem canadischen Biber des Amsterdamer
Zoologischen Gartens und später sowohl in Amerika wie in Südfrankreich
(an den Bibern des Rhone) aufgefunden worden war. Am Vormittag des
26. Septembers bereits erhielt ich die Meldung von dem Absterben unseres
Bibers und eilte sofort nach dem Zoologischen Garten, wo der Cadaver
für die von mir beabsichtigte Absuchung bereit lag. Leider war alles
Suchen nach dem kostbaren Käfer, auch an den weniger behaarten Stellen,
wie Schwimmhäuten und Mundwinkeln, vergeblich; dafür aber fand sich
eine winzige, noch nicht 1/2 mm grosse helle Milbe in grosser Menge, ins-
besondere hinter den Ohren, vereinzelter auch überall im dichten Pelz,
weshalb ich denn auch diesen möglichst durchsuchte und schliesslich aus-
kämmte. Herr Gustos Dr. Heller am hiesigen Zoologischen Museum und
Herr Prof. Dr. 0. Taschenberg in Halle, denen ich das Thier zunächst vor-
legte, hielten es beide für neu, konnten sieh jedoch, weil sie anderweitig
mit Arbeit überhäuft und augenblicklich nicht in das schwierige Gebiet
der Milben eingearbeitet waren, nicht entschlossen, es näher zu untersuchen
und zu veröffentlichen, deshalb sandte ich das ganze Material an Herrn
Provinzialschulrath Prof. Dr. Paul Kramer in Magdeburg, der mir nach
kurzer Zeit meldete, dass die Milbe zweifellos nach Gattung und Art neu
sei und von ihm als Haptosoma truncatum beschrieben werden solle. Im
Frühjahr 1895 sah ich in Magdeburg die fertig vorliegende Zeichnung
des Thieres sowie dessen vorläufige Beschreibung und drängte zur Be-
schleunigung der Veröffentlichung. Inzwischen hatte Herr Gymnasiallehrer
Dr. H. Friedrich in Dessau auf einem Muldebiber mit einer Anzahl von Platyp-
silla auch Milben gefunden, die er erst unbeachtet liess, schliesslich aber
— ich weiss nicht, wodurch aufmerksam geworden — untersuchte, für
neu befand und beschrieb. Als er das Manuscript im Herbst 1895 an
£2
Prof. Brandes, den Redacteur der Zeitschrift für Naturwissenschaften
sandte, theilte ihm derselbe mit, dass eine solche Milbe schon vor längerer
Zeit von mir auf einem Biber gefunden und wohl bereits bekannt gegeben
worden sei. Als darauf Herr Friedrich sich brieflich an mich um Auskunft
wandte, ertheilte ich ihm solche und verwies ihn des Weiteren an Prof. Kramer,
betonend, dass jedenfalls die Beschreibung Kram er’ s wohl längst in Druck
gegeben sei; ausserdem aber schrieb ich sofort an Herrn Kramer und
erbat nochmals schleunige Drucklegung. Trotz meiner Eröffnungen ver-
anlasste Herr Friedrich das Erscheinen seiner Beschreibung, die im 5. und
6. Hefte des 68. Bandes der obengenannten Zeitschrift (1895) erschien und
das Thier mit dem Namen Histiophorus castoris nov. gen., nov. spec. be-
legte, sowie auf einer Tafel abbildete. Unvorsichtigerweise hatte aber
Herr Friedrich vor seiner Veröffentlichung der Milbe seinen „Freund“
„Galien Mingaud in Nimes, der mit vielem Eifer die Rhonebiber studiert,
veranlasst, nach dem Schmarotzer zu fahnden, und gleich der erste von
ihm am Ende des vorigen Monats — (Mingaud fand die Thiere im October
und November 1895) — untersuchte Biber lieferte den Beweis für das
Vorkommen der Milbe auch auf den Bibern Frankreichs“. Der Freund
Mingaud hatte nun nichts Eiligeres zu thun, als seinen Fund an Dr. E. Troues-
sart in Paris zu senden, der die Milben schleunigst untersuchte, todte Exem-
plare auch an ausgestopften Bibern des Pariser Museums aus Frank-
reich und Kalifornien nach wies, die Ergebnisse seiner Arbeit der Societe
Entomolog. de France vorläufig in deren Sitzung vom 22. Januar 1896 und
ausführlicher in der vom 26. Februar 1896 mittheilte und über beide
Vorlagen prompt in dem Bulletin de la Soc. Entom. de France 1896,
S. 27—29 („Genre nouveau et espece nouvelle de Sarcoptides pilicoles“)
und ebenda S. 91 — 97 („Description du Schizocarpus Mingaudi ; nouveau
Sarcoptide pilicole vivant sur le Castor“) mit Abbildung des 6 und Q
von der Unterseite, des Vorderfusses des 6 wie eines erwachsenen und
gepaarten 9 berichtete. Schliesslich erschien denn auch in dem Zoologi-
schen Anzeiger Nr. 199, 1896 die nach einer Notiz am Ende der Ab-
handlung am 18. Februar abgeschlossene Arbeit von Kramer über unsere
Dresdener Thiere mit Abbildung zweier „Haptosoma truncatum“ in Copula
sowie eines 5 von der Unterseite, leider ohne den Ort und die Zeit der
Auffindung sowie die Herkunft des Bibers anzugeben. Herr Kramer ist
geneigt, das von ihm beschriebene Thier für verschieden von dem zu halten,
das Trouessart veröffentlichte, und in der That stimmen weder die Be-
schreibungen noch die Abbildungen der zwei Genannten völlig überein;
dasselbe gilt aber auch, wenn wir die Veröffentlichung Friedrich’s mit in
Betracht ziehen, obwohl es sich bei dem Dresdener und dem Dessauer
Funde doch wohl sicher um das gleiche Thier handelt. Einige gewiegte
Milbenkennner, die ich fragte, wie Poppe in Vegesack, glauben denn auch,
dass alle drei Beschreiber dieselbe Art vor Augen hatten. Ist das der
Fall, so hat unser Dresdener Thier zweifellos die Priorität der Veröffent-
lichung leider nicht erlangt; ob dieselbe dem von Dessau oder dem von
Nimes zuzuweisen sei, das müsste wohl nach dem Zeitpunkte bestimmt
werden, an welchem die Hefte jener Zeitschriften zur Ausgabe gelangten;
Friedrich’s Veröffentlichung erschien zwar in dem Bande der Zeitschrift für
Naturwissenschaften vom Jahre 1895, doch sollen, wie man mir sagte,,
die letzten Hefte der betreffenden Jahrgänge immer erst in den ersten
Monaten des folgenden Jahres gedruckt und versandt werden, es kann
23
also leicht sein, dass Trouessart’s erster Bericht ihr den Bang abgelanfen
hat, und dann hat auch Herr Friedrich, der die Priorität des Dresdener
Fundes und der Kramer’schen Arbeit an dem Thiere, obwohl er sie kannte,
nicht achtete, Verdientermassen durch die von ihm selbst erst veranlasste
wissenschaftliche Strauchdieberei der Herren Mingaud und Trouessart die
Frucht seiner Arbeit verloren. Der Komik würde es nicht entbehren,
wenn das Thier nach Herrn Mingaud benannt bliebe, der erst als Dritter
das Thier gesehen hat und obwohl „er mit vielem Eifer die Rhonebiber
studiert“, also deren gewiss viele gesehen hat, die Milbe erst, dann aber
auch sofort, fand, als er von Friedrich darauf aufmerksam gemacht
worden war; wie schwach muss nach alledem sein Beobachtungsvermögen
sein! Ich fand die wohl auf allen Bibern schmarotzende Milbe auf
dem ersten, der mir unter die Hand kam; ob das auch von Friedrich
gilt, weiss ich nicht. Interessant und der weiteren Forschung werth ist
Trouessart’s Vermuthung, dass Platypsilla nicht im eigentlichen Sinne ein
Schmarotzer des Bibers sei, sondern nur auf ihm lebe, weil er sich von
den nun bekannt gewordenen Pelzmilben desselben nähre.
IY. Ueber das Alter des Ueberquaders im sächsischen
Elbthalgebirge.
Von Wilhelm Petraczek in Dresden -Plauen.
Bei der Aufnahme des Gebietes zwischen Pirna und Wehlen für die
geologische Specialkarte des Königreiches Sachsen wurde von Beck eine
Sandsteinschicht als Ueberquader ausgeschieden, über deren Stellung bis-
her nichts Sicheres bekannt geworden ist. Credner, der diese Schicht
in seinen Elementen der Geologie erwähnt, Hess es ursprünglich*) un-
entschieden, ob der Ueberquader noch dem Oberturon oder dem Emscher
oder dem Untersenon angehört. Neuerlich**) hält er es für wahrschein-
lich, dass der Ueberquader mit den Cuvieri- Plänern, die bei Tetschen
nachgewiesen wurden, zu parallelisiren sei und noch dem Oberturon an-
gehöre. Eine Begründung dieser Annahme wird nicht gegeben.
Die Trennung des Ueberquaders vom Liegenden wird durch eine
Thonschicht hervorgerufen, deren Lagerungsverhältnisse in den Erläuter-
ungen zu den betreffenden Sectionen***) ausführlich geschildert sind. Der
Thon lässt sich von Zatzschke, wo er eine reiche, von Geinitz f) auf-
gezählte Fauna geliefert hat, im Elbthal mit einigen Unterbrechungen am
rechten Ufer aufwärts bis in die Gegend von Zeichen und am linken Ufer
von Naundorf bis zur Königsnase bei Obervogelgesang herab verfolgen.
Die Funde von Zatzschke erwiesen die Identität dieser Thone mit den
Bakulitenthonen Böhmens und Hessen diese Schicht den Scaphiten-Plänern
Norddeutschlands gleichstellen. Von Zeichen beschreibt Beussff) sieben
Foraminiferen, die bis auf Haplophragmium irreguläre Köm. alle auch
in den böhmischen Bakulitenthonen häufig sind. Endlich gelang es auch
uns, in dem Thone des an der Biegung des Elbthaies bei Zeichen auf der
Höhe gelegenen Steinbruches (Nr. 39) einige Petrefacten zu finden, darunter
mehrere Exemplare der bei Zatzschke, wie auch in den entsprechenden
Schichten Böhmens sehr häufigen Nucula producta Nilss. Ob der nördlich
von Lohmen vorkommende Thon wirklich cretaceisch ist, oder ob er nicht
ein wahrscheinlich diluvialer Thon, wie er um den Kohlberg bei Doberzeit
Hegt, und wie er auch kürzlich bei einem Brunnenbau in Doberzeit dicht
an der Chaussee aufgeschlossen wurde, ist, bleibt zweifelhaft.
*) 7. Auflage, p. 650.
**) 8. Auflage, p. 650.
***) Section Pirna (Blatt 83), p. 71, und Königstein (Blatt 84), p. 14.
f) Elbtbalgebirge II, p. 197.
ff; Daselbst II, p. 77.
25
Im Elbthal zeigt sich eine deutliche Ueberlagerung dieser zur Stufe
der Scaphiten gehörenden Thone durch Quadersandstein. Dieser Sand-
stein soll nach Beck bisher nirgends organische Reste geliefert haben.
Es dürften ihm also zwei Bemerkungen Geinitz’s entgangen sein. Im
Elbthalgebirge*) wird darauf hingewiesen, dass Cyprina quadrata d’Orb.
ihre grösste Entfaltung im Quadersandstein der alten Poste zeigt. Audi
eine ältere Notiz**) besagt, dass in den obersten Sandsteinschichten in
der Nähe des Dorfes Wehlen Isocardia cretacea (soll nach einer späteren
Bemerkung***) Cyprina quadrata heissen) und Pecten quadricostatus Vor-
kommen. Das K. Mineralogisch -geologische und prähistorische Museum
zu Dresden besitzt denn auch einige Exemplare der Cyprina aus der
alten Poste, während die K. Technische Hochschule eine Vota quadricostata
von diesem Fundorte auf bewahrt. Die Sandsteine des Ueberquaders er-
wiesen sich sogar als verhältnissmässig reich an Petrefacten. Doch steht
dem Reichthum an Individuen Armuth an Species gegenüber.
Geologisches.
Die Lagerung des Ueberquaders ist, wie aus den Aufschlüssen im
Elhthale hervorgeht, eine fast schwebende. Der Sandstein zeigt ein unter
etwa 3° nach NW. gerichtetes Einfallen. Am Besten lassen sich diese
Verhältnisse von der am rechten Elbufer gelegenen Struppener Bastei
aus überblicken. Man kann von hier die Thonbank von den Steinbrüchen
bei Ober-Posta bis zur Thongrube bei Wehlen verfolgen. Zugleich er-
kennt man schon von hier aus, dass die beiden auf der Höhe liegenden
Steinbrüche vollständig im Gebiet des Ueberquaders liegen. Diese beiden
Brüche, der erste hat die Nummer 39, der zweite näher an Wehlen ge-
legene 44, sind bezüglich der Lagerungsverhältnisse am Interessantesten.
Der Stein, der hier gebrochen wird, wird allgemein als „feine Wacke“
bezeichnet, nicht als „weisse Wacke“, wie Beck sagt. Ueberhaupt ist
ein E arbenunterschied zwischen dem Ueberquader und dem Brongniarti-
Quader nicht zu bemerken. Die feine Wacke ist bald weiss, bald gelb,
sie ist aber auch bald grobkörnig, bald feinkörnig. Dasselbe ist bei den
Quadersandsteinen der alten Poste der Fall.
Ersteigt man vom Elbthal aus den Steinbruch Nr. 39, so gewahrt
man, bevor man die Höhe der Brüche erreicht, die von Beck erwähnte
und fast überall unter der Thonbank zu beobachtende Schicht von Braun-
eisenstein, die hier etwa 5 cm Stärke hat. Darüber folgt ein grauer,
weicher, in Thon übergehender Sandstein. Die Thonbank hat eine durch-
schnittliche Mächtigkeit von 2 m. Der Thon, der hier die erwähnten
Petrefacten führte, ist ziemlich frei von Quarzkörnern, und ausserordent-
lich plastisch. Selten führt er ganz kleine Kohlenbröckchen. Seine im
frischen Zustande tiefschwarze Farbe geht beim Austrocknen bald in
Blaugrau über. Der Sandstein bildet hier ein stark zerklüftetes mächtiges
Blockwerk; man gewahrt nur wenig anstehendes Gestein, was jedenfalls
auf einen Bergrutsch zurückzuführen ist. Zwischen den Blöcken wölbt
sich der Thon infolge des Druckes der darüber liegenden Massen manch-
*) Bd. II, p. 197.
**) Charakteristik, p. 106.
***) Elbthalgebirge II, p. 62.
26
mal in die Höhe, wodurch die Thonbank scheinbar stellenweise eine
grössere Mächtigkeit zu erlangen scheint. Der Sandstein des Ueberquaders
ist im Elbthal in zwei verschiedenen, getrennten Bänken ausgebildet, einer
unteren mit scharf brechendem Sandstein, der durch grösseren Eisengehalt
oft gelb gefärbt, oder weiss und dann von gelben Streifen durchzogen ist,
und einer oberen Bank von weissen, bald grob-, bald feinkörnigem Sand-
stein, der von lockerem Bindemittel, stark porös und oft von flachen, an-
nähernd horizontal liegenden Hohlräumen durchsetzt ist, die gewöhnlich
lehmige oder kohlehaltige Substanz führen. Sehr scharf heben sich beide
Bänke in dem alten Bruche westlich von Bruch 39 ah. Zwischen den
beiden Sandsteinbänken machen sich zuweilen sandig-thonige Einlagerungen
geltend. Am Deutlichsten ist dies im Bruche 44 zu bemerken. Hier be-
obachtet man an einer Wand ungefähr in der Mitte des Bruches von oben
nach unten folgendes Profil:
Weisser, lockerer Sandstein 7 m,
Blaugrauer, stark sandiger Thon . . . ca. 1 m,
Werkstein 6 m,
Gelbe, etwas thonige Sandschicht . . . . 0,2 m,
Werkstein 1,5 m.
Diese Thoneinlagerung, die in der Mitte der Wand auffällt, unter-
scheidet sich petrographisch bedeutend von dem die Sohle des Bruches
bildenden Scaphitenthon. Sie ist reich an Kohlenbrocken, die zuweilen
Faustgrösse erreichen. Der Thon enthält in Menge groben Quarzsand,
der sich gewöhnlich in kleinen Partien stärker anhäuft, die dann in Ge-
stalt weisslicher Schlieren in dem blaugrauen Thone auftreten. Im Walde
zwischen den Brüchen 39 und 44 fehlt, wie man an einer Stelle beobachten
kann, diese Thoneinlagerung. Im Bruche 39 treten dieselben Thone nicht
selten zwischen dem Blockwerk in halber Höhe des Bruches zu Tage.
Foraminiferen konnten wir nirgends in diesen Thonen entdecken. Das
Hangende dieser Thonschicht bildet auch im Bruche 44 der sogenannte
faule Stein, hier auch als Muschelwacke oder Buschwacke bezeichnet.
Dieser Sandstein ist entweder weiss und dann von feinem Korn, losem
Bindemittel und von vielen Hohlräumen durchsetzt, oder er ist gelb
und dann von sehr grobem Korn und festem Bindemittel. Beim Zerlegen
der gelben Steine kommen oft auf den Schichtungsflächen eine Menge
kleiner Ostreen und schöne scharfe Steinkerne von Volä quadricostata
zum Vorschein. Die weissen lockeren Sandsteine sind ärmer an Ver-
steinerungen.
Wesentlich anders sind die Verhältnisse in der alten Poste, dem sich
vom Dorf Wehlen in nordwestlicher Pachtung nach Mockethal herab-
ziehenden Thale. Die Thoneinlagerungen haben sich ausgekeilt; von
einer Absonderung in Bänke ist an den 50 m Höhe erreichenden Sand-
steinwänden nichts mehr zu bemerken. Das Gestein ist überall von
scharfem Bruch. Grobkörnige und feinkörnige Lagen wechseln regellos
und gehen ohne Grenze in einander über. In der Richtung nach Mocke-
thal und Zatzschke nehmen grobkörnige Sandsteine an Häufigkeit zu. In
den letzten Steinbrüchen, insbesondere im Bruche 308 sind grobkörnige
gelbe und feinkörnige weisse Sandsteine in scharf getrennte, sich rasch
und unregelmässig auskeilende Bänke geschieden. Die Farbe des Sand-
steines ist auch in der alten Poste eine wechselnde, bald gelb, bald weiss.
27
Gewöhnlich sind auch hier die weissen Sandsteine in regelmässigem Ab-
stande von eisenreichen gelben Streifen durchzogen. Diese gebändert er-
scheinenden Sandsteine sind in der Regel am ärmsten an Petrefacten.
Auffallend häufig findet man, besonders in den grobkörnigen Sandsteinen,
rosenrothe Quarze. Auf das Vorkommen solcher Quarze im Brongniarti-
Quader weist Beck*) hin. Ihre grosse Verbreitung in den Sanden um
Dresden wurde durch Nessig**) erwiesen.
Auf das reichliche Vorkommen von Petrefacten wurde schon aufmerksam
gemacht. Es macht sich hierbei ein auffallend scharfer Unterschied
zwischen dem Steinbruchgebiet der alten Poste und dem an der Elbe
geltend. Bei achtmaligem Besuche dieser Gebiete gelang es mir, mit
Unterstützung der Arbeiter in der alten Poste folgende Species aufzu-
sammeln :
Nautilus rugatus Fr. u. Schlbch.
Fholadomya nodulifera Mstr.
Cyprina quadrata d’Orb.
Pinna cretacea Schl.
Inoceramus Brongniarti Sow.
Vola quadricostata Sow.
Lima canalifera Goldf.
Catopygus Albensis Gein.
Micraster cf. cor testudinarium Gldf.
Cidaris cf. subvesiculosa d’Orb.
cf. Cycldbacia Fromenteli Bölsche.
Spongites Saxonicus Gein.
Auffallend war, dass manche dieser Species auf enge Räume be-
schränkt sind. Lima canalifera Goldf. ist in den Brüchen der unteren
alten Poste sehr häufig, besonders in den gröbsten, fast als Quarz-
conglomerat zu bezeichnenden Bänken des Steinbruches 308. Thalaufwärts
nimmt sie an Häufigkeit ab und wird in den Brüchen der Herrenleithe
durch Cyprina quadrata d’Orb. ersetzt, die nun rasch an Häufigkeit zu-
nimmt, während Lima ganz verschwindet. Es ist dies nicht darauf zurück-
zuführen, dass man im Thale aufwärtssteigend aus den unteren Horizonten
in die höheren kommt. Auch auf die Gesteinsverhältnisse lässt sich dies
nicht zurückführen, denn im Bruche 308 kommt Lima canalifera auch in
den feinkörnigen Schichten nicht selten vor. Fholadomya nodulifera fand
sich nur in zwei Brüchen im oberen Ende der alten Poste.
Ganz anders ist die Fauna, der man im Elb thale begegnet. Fast
Alles, was hier gesammelt wurde, entstammt der oberen Bank des Bruches 44.
Es fanden sich:
Cardium Ottoi Gein.
Vola quadricostata Sow.
Lima cancdifera Goldf.
Ostrea frons Park.
Nur zwei Species treten also überall im Ueberquader auf. Lima
canalifera Goldf., die in der alten Poste so häufig ist, kam hier in zwei
Exemplaren vor. Vola quadricostata Sow. hingegen, die hier ganz gemein
ist, begegnete ich nur ein einziges Mal in der alten Poste. Es lässt sich
dies nicht anders als dadurch erklären, dass im Elbthal die tieferen, dem
Thone direct auflagernden Schichten aufgeschlossen sind. Vielleicht ändern
längere Beobachtungen, wozu mir auch weiterhin Gelegenheit gegeben
ist, noch manches an den Verhältnissen des Vorkommens der Species.
Ostrea semiplana Sow.
Exogyra lateralis Nilss.
Exogyra cf. laciniata Nilss.
*) Erläut. zu Sect. Königstein, p 12.
**) Abhandl. der Isis 1895, p. 78.
28
Beschreibung der Arten.
Nautilus rugatus Fr. et. Schl.
1870. Nautilus elegans? Körner, Geologie von Oberschlesien, p. 819, Taf. 35,
‘ Fig. 4.
1872. — rugatus. Fritsch und Schlönbach, Cephalopoden der Böhm.
Kreide, p. 23, Taf. 12, Fig. 2; Taf. 15, Fig. 2.
1875. — rugatus Geinitz, Elbthalgebirge II, p. 181, Taf. 31, Fig. 16.
Es liegt nur ein Bruchstück, das der Wohnkammer angehören mag,
vor. Der Durchmesser desselben kann 12 cm betragen haben. Durch
die dicliotomen Falten, von denen es bedeckt ist, giebt es sich als zu
Nautilus gehörig zu erkennen. Bei Nautilus elegans Sow., mit dem das
Stück zu vergleichen man wohl zunächst geneigt ist, sind die Rippen viel
feiner, was am deutlichsten der Vergleich mit einem aus dem Cenoman
von Welschhufe stammenden, im Dresdener Museum aufbewahrten Stücke
zeigt, das einem Individuum von annähernd derselben Grösse angehört.
Das Stück passt sehr gut zu dem von Fritsch, Taf. 12, Fig. 2 abgebil-
deten, in den Iser-Schichten gesammelten Exemplar. Es ist im obersten
Bruche auf der linken Thalseite der alten Poste (283) gefunden.
Nach Geinitz kommt diese Species in den Plänerkalken von Wein-
böhla und Strehlen vor, ferner bei Oppeln. F ritsch nennt sie aus den Iser-
Schichten, den Teplitzer Schichten von Hundorf und Koschtitz, sowie aus den
obersten Quaderschichten von Kreibitz. Schlüter*) stellt zu dieser Species
Exemplare aus dem turonen Grünsande des südlichen Westfalens.
Pholadomya nodulifera Münst.
1840. Pholadomya nodulifera Münster in Goldfuss, Petrefacta Germaniae II,
p. 273, Taf. 158, Fig. 2.
1846. — — Reuss, Versteinerungen der böhmischen Kreide II,
1872.
1876.
1887.
1887.
1887.
p. 18.
— Geinitz, Elbthalgebirge II, p.70, Taf. 19, Fig. 5.
elliptica Goldf. Brauns, Salzbergmergel. Zeitschr. für
d. gesammte Naturwissensch., p. 360.
nodulifera. Müller in Jahrb. d. preuss. geol. Landes-
anstalt, p. 433.
nodulifera Holzapfel, Palaeontographica , Bd. 85, p. 135,
Taf. 15, Fig. 1.
— Fritsch, Iserschichten. Archiv für d. natur-
wissensch. Landesdurchforschung v. Böhmen,
Bd. 5, p. 108.
Quer ovale, stark bauchige Steinkerne mit weit nach vorn liegendem
Wirbel, von dem durch die Anwachsrippen geknotet erscheinende Rippen aus-
strahlen, deren Zahl gewöhnlich 14 ist, gehören hierher. Bei einem Exemplar
sind nur 11 solche Rippen vorhanden, die von einander entfernter liegen
und etwas schwächer geknotet sind. Uns liegen 5 wohlerhaltene Steinkerne
vor, die sämmtlich aus den obersten Steinbrüchen der alten Poste stammen.
Geinitz bildet ein Exemplar aus dem oberen Quadersandstein der
sächsischen Schweiz ab. Dasselbe wurde, wie im Kataloge des K. Museums
angegeben ist, von einem Sandmanne erworben. Da also der Fundort
gänzlich unbekannt ist, ist nicht ausgeschlossen, dass sein Exemplar ebenfalls
aus der alten Poste stammt. Nach Reuss soll Pholadomya nodulifera im
unteren Quader von Tetschen Vorkommen, was aber, wie auch Fritsch
{) Palaeontographica, Bd. 24, p. 172.
29
bemerkt, unwahrscheinlich ist. Mit Sicherheit ist sie in Böhmen erst in dem
obersten Quader von Kreibitz nachgewiesen. Man kennt sie ferner aus den
mit Kreibitz gleichalterigen Ablagerungen von Kieslingswalde und Lücken-
dorf südlich von Zittau, sowie aus dem Unter-Senon der Löwenberger Kreide-
mulde*), von Waldau östlich von Görlitz, des nördlichen Harzrandes und des
Aachener Beckens. Auch in obersenonen Ablagerungen ist sie verbreitet.
Cyprina quadrata d’ Orb.
1840. Isocardia cretacea Geinitz, Charakteristik II, p. 53, Taf. 11, Big. 6, 7.
1843. Cyprina quadrata d’Orbigny. Pal. frang. terr. cret. III, p. 104, PL 276.
1873. — — Geinitz, Elbthalgebirge II, p. 62, Taf. 17, Eig. 14—16.
1883. r — — Fritsch, Iserschichten, p. 101.
Steinkerne von vierseitigem Umriss und hochgewölbtem, sich weit
nach vorn drängenden Wirbel liegen in grosser Zahl vor. Ihre Grösse
ist sehr schwankend und bewegt sich zwischen 45 und 75 mm Länge sowie
35 und 55 mm Höhe. Ob Alles, was ich vorläufig hierher stelle, wirklich
Cyprina quadrata ist, und nicht auch andere Cyprina- Arten vorliegen,
muss zur Zeit unentschieden bleiben. Mangel an Vergleichsmaterial und
der Erhaltungszustand der Steinkerne lassen keine eingehende Untersuchung
zu. Die Abbildungen, die Geinitz und Fritsch geben, sind gleich wenig
geeignet. Der Vergleich mit den Abbildungen d’Orbigny’s und den
Originalexemplaren von Strehlen lässt jedoch keinen Zweifel zu, dass die
Mehrzahl der Steinkerne der Cyprina quadrata d’Orb. angehört.
Auf das zahlreiche Vorkommen im oberen Theile der alten Poste
wurde schon hingewiesen. In einem Bruche ist sie so häufig, dass ich
an einem Blocke auf der Fläche eines Quadratmeters über 30 Exemplare
zählen konnte. Geinitz führt diese Species als Seltenheit des unteren
Pläners von Plauen und des Plänerkalkes von Strehlen und Weinböhla an.
Häufiger soll sie im oberen Quadersandstein des Elbthales bei Ober-
vogelgesang und Posta sein. Da jedoch weder das K. Museum, noch die Samm-
lung der K. Technischen Hochschule zu Dresden Belegstücke von diesen Orten,
wohl aber solche aus der alten Poste besitzen, so ist eine Verwechslung mit
letzterem Orte nicht ausgeschlossen. In Bayern, Westfalen und Frankreich
ist Cyprina quadrata ebenfalls aus cenomanen Schichten bekannt geworden.
Das von Geinitz**) citirte Vorkommen der Isocardia cretacea in den
Mühlsteinbrüchen bei Johnsdorf ist vielleicht ebenfalls auf Cyprina quadrata
zurückzuführen. Aus den senonen Quadersandsteinen von Kreibitz und
Kieslingswalde wird Cyprina Ligeriensis d’Orb. genannt.
Cardium Ottoi Gein.
1843. Cardium Ottonis Geinitz, Yerstein. von Kieslingswalde, p. 14, Taf. 1,
Fig. 31. 32.
1850. — Ottoi Geinitz, Quadergebirge in Deutschland, p. 154.
1863. — — Drescher, Zeitschr. d. d. geol. Ges., p. 347, Taf. 9, Fig. 15.
1876. — — Brauns, Salzbergmergel,_p. 370.
1885. — pectiniforme Müll. Holzapfel, Zeitschr. d. d. geol. Ges., p. 598.
1887. . — — Frech, Zeitschr. d. d. geol. Ges., p. 164, Taf. 14,
Fig. 1—4.
1887. — Ottoi Gein. Müller, Jahrb. d. preuss. geol. Landesanst., p. 426.
1887. — Becksii Müll. Holzapfel, Palaeontogr., Bd. 35, p. 184, Taf. 18,
Fig. 5-9.
*) Williger, Jahrb. der preuss. geol. Landesanstalt 1881, p. 82.
**) Charakteristik, p. 108.
30
Es liegt ein Abdruck vor, der nur hierher gestellt werden kann. Das
Verhältnis der Höhe zur Breite ist 18: 16. Ueber die hochgewölbte, etwas
schiefe Schale laufen 25 gerundete Radialrippen.
Dieses Stück wurde im Elbthal im Bruche 39 gesammelt. Die Species
ist bezeichnend für das Unter-Senon. Sie kommt vor in den Chlomeker-
Schichten Böhmens*), im Sandstein von Kieslingswalde, am Marterberg
in Bayern**), in den Mergeln am Salzberge und im Quader des Butterberges.
Im Aachener Sande fehlt sie und tritt erst in den darüber liegenden
Grünsanden in grosser Menge auf, ebenso erscheint sie in der Löwenberger
Mulde***) erst in der Mucronaten-Kreide.
Pinna cretacea Schloth.
1840. Pinna quadr angularis Goldf., Petref. Germ. II, p. 166, Taf. 127, Fig. 8.
1850. — restituta Goldf. Geinitz, Charakteristik, p. 55, Taf. X, Fig. 1.
1873. — cretacea Schloth. Geinitz, Elbthalgeh. II, p. 54, Taf. 14, Fig. 2, 3.
1876. — diluviana Schloth. Brauns, Salzbergmergel, p. 176.
1887. — — Williger, Jahrb. d. preuss. geol. Landesanst., p. 83.
1887. — quadr angularis Goldf. Frech, Zeitschr. d. d. geol. Ges., p. 158.
1887. — — G. Müller, Jahrb. d. preuss. geol. Landesanst., p. 420.
1887. — cretacea Schloth. Holzapfel, Palaeontographica, Bd. 35, p. 214.
Die Steinkerne weisen deutlich vier oder auch fünf Radialrippen
unterhalb des Kieles auf. Sie würden also, wenn die Trennung dieser Species
aufrecht gehalten werden soll, der Pinna cretacea Schloth. im engeren Sinne
zuzuzählen sein. Das Studium der im Brongniarti-Quader Sachsens häufig Yor-
komm enden Formen zeigt, dass die Zahl der unter dem Kiel auftretenden
Rippen sehr schwankend ist und eine Vereinigung, wie sie Geinitz vor-
genommen hat, berechtigt ist.
Diese Species kommt in Sachsen in beiden dem Turon angehörenden
Quadersandsteinen vor. Man kennt sie ferner aus dem Quader von
Kieslingswalde, Kreibitz und vom Südhange des Hochwaldes bei Zittauf).
Sehr verbreitet ist sie ferner im Unter- und Ober-Senon am Nordrande
des Harzes, Westfalens, des Aachener Beckens und der Löwenberger
Kreidemulde. Gümbelff) citirt sie aus den senonen Grossberg- und
Marterberg-Schichten, v. Hagenowfff) aus der Kreide Rügens. Mit dem
Vorkommen im Turon Sachsens stimmt das von Uchaux überein.
Inoceramus Brongniarti Sow.
1840. Inoceramus annulatus Goldf., Petref. Germ. II, p. 114, Taf. 110, Fig. 7.
1846. — Brongniarti Park. Reuss, Verst. d. böhm. Kreide II, p. 24.
1870. — — Römer, Geol. v. Oberschlesien, p. 316, Taf. 34, Fig. 13.
1872. — — Sow. Geinitz, Elbthalgeb. II, p. 43, Taf. 11,
Fig. 3-10; Taf. 13, Fig. 3.
1877. — — Sow. Schlüter, Palaeontogr., Bd. 24, p. 263.
1883. — — Fritsch, Iserschichten, p. 110, Fig. 80.
Da an dem einzigen vorliegenden Steinkern der Schlossrand nicht
erhalten ist, ist die Species nicht mit voller Sicherheit festzustellen.
Er ist etwas schlanker, als man es bei In. Brongniarti gewöhnt ist. (Länge
*) Kreici, Archiv f. d. naturw. Landesdurchforsch. v. Böhmen, Bd. 1, p. 157.
**) Gümbel, Beschr. d. ostbayr. Grenzgeb., p. 765.
***) Williger, Jahrb. der preuss. geol. Landesanstalt 1881, p. 105.
f) Danzig, Quadergeb. südl. von Zittau. Sitzb. der Isis 1874, p. 17.
ff) Geogn. Beschr. Bayerns II, p. 756,
fff) N. Jahrb. 1842, p. 561.
31
12, Breite 8 cm.) Die Schale ist sehr flach gewölbt. Die concentrischen
Wülste sind auffallend flach, zwischen ihnen verlaufen noch ganz feine
Runzeln. Da jedoch diese Merkmale bei In. Brongniarti sehr schwanken,
kann das nicht gegen die Bestimmung sprechen. Die Vorderseite ist scharf
und rechtwinkelig abgeschnitten und bildet in ihrem Verlaufe eine seichte
Bucht, die nahe am Wirbel am tiefsten ist. Die Vereinigung der Vorder-
seite mit der Unterseite erfolgt ähnlich wie bei Geinitz II, Taf. 11, Fig. 3
durch einen scharfen Vorsprung der Schale. Auf der Hinterseite werden
die Rippen der Oberfläche undeutlicher und verschwinden dort, wo die
Schale in den Flügel übergeht, ganz. Der Flügel selbst ist nicht mehr
erhalten.
Inoceramus Brongniarti ist für turone Ablagerungen bezeichnend und
ist auch im Quader des Elbthaies weit verbreitet und häufig. Er kommt
auch im Quader von Kreibitz vor und ist von Danzig*) mehrere Male
in den mit Kreibitz gleichalterigen Quadern südlich von Zittau gefunden
worden. Das von Drescher**) ervrähnte Vorkommen im Untersenon von
Löwenberg wird von G. Müller bestritten.
Vota quadricostata Sow. sp.
1834. Pecten quadrico Status Goldfuss, Petref. Germ. II, p. 54, Taf. 92, Fig. 7.
1839. — — Geinitz, Charakteristik, p. 22.
1843. — — Geinitz, Kieslingswalde, p. 16, Taf. 3, Fig. 14, 15.
1846. — versicostatus Reuss, Verst. d. böhm. Kreide II, p. 31.
1852. Neithea quadricostata Bronn, Leth. geogn. V, p. 277, Taf. 30, Fig. 16.
1873. Vota quadricostata Sow. Geinitz, Elbthalgeb. II, p. 37, Taf. 10, Fig. 14
bis 16.
1876. — quadricostata Brauns, Salzbergmergel, p. 388.
1887. — — G. Müller, Jahrb. d. preuss. geol. Landesanst., p. 409.
1887. — — Holzapfel, Palaeontograph., Bd. 35, p. 237, Taf. 26,
Fig. 20.
Diese Species ist, wie auch Geinitz bemerkt, nicht immer ganz
leicht von Vota quinquecostata Sow. zu unterscheiden, da zuweilen durch
Spaltung der Hauptrippen der Anschein hervorgerufen wird, als lägen vier
schwächere Rippen zwischen den Hauptrippen. Man kann dies auch häufig
an unseren Exemplaren beobachten. Ausserdem erscheinen unsere Stücke,
wie auch die aus dem turonen Quader Sachsens stammenden, etwas spitzer.
Die Seitenkanten der Unterschale bilden am Wirbel einen Winkel von
gewöhnlich 70° (70 — 75°), während ich an Exemplaren von Haltern und
vom Salzberge meist 80° (75 — 80°) mass. Das Exemplar, das Geinitz,
Elbthalgebirge II, Taf. 10, Fig. 14 abbildet, ist nach unten auffallend breit,
wie wir es an keinem unserer Exemplare bemerken konnten. Doch lehren
Stücke vom Salzberge und von der Insel Wight, dass auch solche Formen
Vorkommen. Auch Drescher***) bemerkt ausdrücklich das Vorkommen
von verschiedenartigen Varietäten. Zu beachten ist, dass er aus den
untersenonen Schichten von Neu -Warthau sowohl Vola quadricostata als
auch Vola quinquecostata aufführt. Vermuthlich lagen auch ihm Exemplare
vor, bei denen die Hauptrippen in der erwähnten Weise gespalten wraren.
Offenbar sind die Charaktere der Vota quadricostata sehr schwankend,
*) 1. c. p. 18 ft.
**) 1. c. p. 532.
***) 1. c. p. 354.
32
es ist aber kein Grund vorhanden, sie in einzelne Arten zu zersplittern.
Im Gegentheil wäre die Frage zu erörtern, ob Vola quinquecostata und
quadricostata nicht, wie es schon Reuss that, zusammengezogen werden
sollten, und beide mit einer Uebergangsform als Subspecies weitergeführt
werden sollten. Auf den Oberschalen ist kaum etwas von stärker hervor-
tretenden Rippen zu bemerken, in ihrem Umriss sind sie stumpf sechs-
eckig. An den Holzapfel’schen Abbildungen sind die Ohren nicht
glücklich ergänzt, sie zeigen sich in Wirklichkeit stets etwas nach innen
eingebogen.
Es liegen zahlreiche Exemplare aus dem Bruche 44 bei Zeichen vor,
nur eins stammt aus dem unteren Theil der alten Poste (Bruch 308).
In ihrer Grösse schwanken sie zwischen 12 und 45 mm Höhe und 9 und
42 mm Breite. Diese Species ist schon aus dem Cenoman bekannt, im
Brongniarti-Quader des Elbthaies wird sie häufig. Sehr verbreitet ist sie
nach Danzig im Quader südlich von Zittau und den damit gleichalterigen
Quadern von Kreibitz und Kieslingswalde. Ihre grösste Verbreitung
erreicht sie im Untersenon. East an allen Punkten nördlich vom Harze
und in Westfalen, wo ausgiebig gesammelt wurde, kam Vola quadricostata
vor. Williger*) nennt sie aus der Quadraten-Kreide der Löwenberger
Mulde und Gümbel**) aus der des Marterbergs. Aus dem der Quadraten-
Kreide entsprechenden Etage Santonien ist sie durch Coquand***) bekannt
geworden. Dass sie auch noch in die Mucronaten-Kreide hinaufsteigt,
beweist das Vorkommen im Aachener Grünsand und besonders das im
Kreidetuff von Mastricht.
Lima canalifera Goldf.
1834. Lima canalifera Goldfuss, Petref. Germ. II, p. 89, Taf. 104, Fig. 1.
1839. — multicostata Geinitz, Charakteristik, p. 24, Taf. 8, Fig. 3.
1843. — — Geinitz, Kieslingswalde, Taf. 6, Fig. 10.
1846. — — Renss, Verst. d. böhm. Kreide II, p. 34, Taf. 38,
Fig. 7, 8, 18.
1873. — canalifera Goldf. Geinitz, Elbthalgebirge II, p. 38, Taf. 9, Fig. 6
bis 8.
1876. — canalifera Brauns, Salzbergmergel, p. 386.
1883. — multicostata Gein. Fritsch, Iserschichten, p. 113, Fig. 83.
1887. — canalifera Goldf. G. Müller, Jahrb. d. preuss. geol. Landesanst.,
p. 404.
Die Schale ist oft schief eiförmig, oft fast halbkreisförmig. Die Zahl
der Rippen schwankt zwischen 17 und 23. An den Steinkernen erscheinen
die Rippen so breit wie die sie trennenden Zwischenräume. Auch An-
deutungen der Anwachsstreifen sind trotz des sehr grobkörnigen Gesteins-
materials erhalten. Die Höhe der zahlreich vorliegenden Exemplare
schwankt zwischen 32 und 70 mm.
Am häufigsten ist Lima canalifera in den grobkörnigen Sandsteinen
des unteren Theiles der alten Poste. Im oberen Theile verschwindet sie.
Aus dem Bruche 44 bei Zeichen liegen zwei Exemplare vor. Diese Species
gehört ebenfalls zu den gewöhnlichsten Erscheinungen im Brongniarti-Quader
des sächsischen Elbthaies. Im Quader südlich von Zittau, von Kreibitz
und von Kieslingswalde ist sie sehr häufig. Im Untersenon von Westfalen
*) 1. c. p. 83.
**) 1. c. p. 748.
***) Bull. soc. geol. France 1859, p. 977.
38
und des nördlichen Harzrandes, insbesondere des Salzberges wird sie oft
beobachtet. In der Quadraten-Kreide von Löwenberg*) ist ihr Vorkommen
wahrscheinlich. Hingegen scheint sie im Aachener Becken noch nicht
gefunden zu sein.
Oslrea semiplana Sow.
1834. Ostrea flabelliformis, sulcata, armata Goldfuss, Petref. Germ. II, p. 12, 13,
Taf. 76, Fig. 1-3.
1843. — semiplana d’Orb., Pal. franQ. terr. cret. III, p. 747, PI. 488, Fig. 4, 5.
1873. — — Geinitz, Elbthalgebirge II, p. 29, Tat. 8, Fig. 8 -11, 13.
1876. — sulcata Blumb. Brauns, Salzbergmergel, p. 393.
1887. — — G. Müller, Jahrb. d. preuss. geol. Landesanst. p. 400.
1887. — semiplana Sow. Holzapfel, Palaeontogr., Bd. 35, p. 251 , Taf. 28,
Fig. 5, 6.
Die Steinkerne gehören der rechten Klappe an. Sie haben rundlich
dreiseitigen Umriss. Am Rande geben sich die Enden der Falten zu
erkennen. Scharf ausgeprägt ist der Muskeleindruck, auch die dreieckige
Ligamentgrube ist angedeutet.
Sie ist im Bruche 44 bei Zeichen ziemlich häufig. Ihr Vorkommen
im Cenoman ist wahrscheinlich. Im Turon tritt sie häufiger auf. Geinitz
nennt sie von Kieslingswalde. Diesem Vorkommen entspricht das in der
Quadraten-Kreide von Löwenberg**). Gümbel führt sie aus dem Unter-
Senon des Marterberges an. Häufig ist sie am Salzberge und in den
gleichalterigen Schichten am Nordrande des Harzes und Westfalens.
Ebenso ist sie im Grünsande Aachens sehr verbreitet.
Älectryonia frons Park.
1834. Ostrea prionota und serrata Goldf., Petref. Germ. II, p. 10, Taf. 74,
Fig. 8, 9.
1843. — frons d’Orb., Pal. fran§. III, p. 733, PI. 483.
1868. — JEggeri Gümbel, geogn. Beschr. d. ostbayr. Grenzgeb., p. 768,
Fig. 8 (?)
1871. — pectinata Lam. Stoliczka, Cret. Fauna of S. India III, p. 469,
Taf. 48, Fig. 1, 2.
1873. — frons Park. Geinitz, Elbthalgeb. II, p. 30, Taf 8, Fig. 12.
Von der sehr ähnlichen Älectryonia carinata durch die flachere
Schale, die in spitzen Winkeln mit der Mittellinie zusammentreffenden
Rippen und das Fehlen der Flügel unterschieden. Die Schale ist 11 mm
breit und 25 mm hoch.
Diese Species ist im Bruche 44 bei Zeichen sehr häufig. Bekannt ist
sie noch aus dem Plänerkalk von Strehlen. Ob die Ostrea frons , die
Fritsch***) aus den Trigonia- und Bryozoen-Schichten abbildet, wirklich
hierher gehören oder nicht zu Ostrea semiplana zu stellen ist, ist zweifel-
haft. Vermuthlich ist auch die Ostrea carinata , die Willigerf) aus dem
Untersenon der Löwenberger Mulde citirt, hierher zu stellen. Häufig ist
nach Danzig Älectryonia frons im Kreidegebirge südlich von Zittau. Diese
Species wird als charakteristisch für die senonen Ablagerungen Frankreichs,
Hollands und Schwedens angeführt.
*) Williger, 1. c. p. 83.
**) Williger, 1. c. p. 83.
**+) Iser schichten, p. 121, Fig. 96.
f) 1. c. p. 83.
34
Exogijra lateralis Nilss.
1834. Ostrea lateralis Goldfuss, Petref. Germ. II, p. 24, Taf. 82, Fig. 1.
1843. — canaliculata d’Orbigny, Pal. fr. terr. cret. III, p. 709, PL 471,
Fig. 4-8.
1846. Exogyra lateralis Reuss, Yerstein. der böhm. Kreide II, p. 42, Taf. 27,
Fig. 38—47.
1870. — lateralis Römer, Geologie v. Oberschlesien, p. 341, Taf. 29,
Fig. 4 — 5.
1871. — canaliculata Stoliczka, Cret. Fauna of S. India III, p. 463, PI. 48,
Fig. 6—8.
1873. — lateralis Geinitz, Elbthalgebirge I, p. 179, Taf. 41, Fig. 28 — 35;
II, Taf. 8, Fig. 15—17.
1887. — canaliculata G. Müller, Jahrb. d. preuss. geol. Landesanst.,
p. 401.
1887. — lateralis Holzapfel, Palaeontogr. Bd. 35, p. 256.
Diese Art ist leicht zu erkennen an dem hochgewölbten, spiralförmig
eingebogenen Wirbel der Unterschale und an ihrer oft recht grossen
fiügelartigen Erweiterung. Formen, die am Wirbel breiter sind, wie es
Geinitz an Exemplaren von Strehlen abbildet, kommen unter den ge-
wöhnlichen spitzen auch vor.
Etliche Exemplare liegen aus dem Bruche 44 bei Zeichen, wo sie recht
häufig ist, vor. Sie tritt bereits im Cenoman in grosser Individuenzahl
auf und reicht bis in das Obersenon. Schlüter*) führt sie noch aus den
höchsten Stufen der Mucronaten-Kreide Schwedens an. Geinitz nennt
sie von Kieslingswalde und von Kreibitz. Von anderen untersenonen Fund-
orten sind die mit den Salzbergmergeln zu parallelisirenden Mergel bei
Harzburg zu nennen. Bei Löwenberg scheint sie zu fehlen und auch von
Aachen wird sie nur aus der oberen Quadraten-Kreide aufgeführt.
Exogyra cf. laciniata Nilss. sp.
1834. Exogyra laciniata Goldf., Petref. Germ. II, p. 33, Taf. 86, Fig. 2.
1843. —
1871. —
1876 —
1883. —
1887.
1887. —
d’Orbigny, Pal. frang. III, p. 739, Taf. 486, Fig. 1, 2.
Stoliczka, Cret. Fauna of S. India III, p. 460, Taf. 38,
Fig. 1 — 3.
Brauns, Salzbergmergel, p. 394.
Fritsch, Isersckichten, p. 119, Fig. 93.
G. Müller, Jahrb. d. preuss. geol. Landesanst., p. 402.
Holzapfel, Palaeontogr., Bd. 35, p. 254.
Ilochgewölbte Steinkerne, wie sie nicht selten im Bruche 44 bei Zeichen
auftreten, dürften hierher gehören. Da niemals Reste der Schale erhalten
sind, ist die Species nicht mit voller Sicherheit festzustellen. Die Stein-
kerne dürften der linken Schale angehören, die stumpfe Längskante ist
angedeutet. Im Uebrigen passen sie sehr gut zu den im Dresdener Museum
auf bewahrten, von Mastricht stammenden Stücken. Sie sind bedeutend
kleiner, als es die Abbildungen zeigen. Vielleicht stellen sie, wie die von
Fritsch abgebildeten, Jugendzustände dar.
Fritsch führt sie aus den Iserschichten an. In Sachsen ist die Species
noch nicht bekannt geworden. Sie ist kennzeichnend für das Senon und
geht durch alle Horizonte desselben. Gümbel**) fand sie im Unter-Senon
Bayerns. Am Nordrande des Harzes und im Aachener Becken ist sie im
Unter-Senon häufig.
*) Neues Jahrbuch 1870, p. 951.
**) 1. c. p. 758.
85
Catopygus Älbensis Gein.
1871. Catopyqus Älbensis Geinitz, Elbthalgebirge I, p. 82, Taf. 19, Fig. 3;
II, p. 9, Taf. 3, Fig. 1.
1883. — — Fritsch, Iserschichten, p. 131, Fig. 122.
1887. — — Novak, Echinodermen der böhm. Kreide. Abh.d.böhm.
Ges. d. Wiss. VII. Folge, 2. Bd., p. 36, Taf. 1,
Fig. 4 — 5.
Diese Art unterscheidet sich von dem nahe verwandten Catopygus
carinatus durch die grössere Breite, doch sind die Verhältnisse sehr
wechselnd. Geinitz giebt als Verhältnis von Länge zu Breite zu Höhe
an 28:27: 18. Bei einem von ihm bestimmten Exemplare von Rathen ist
es 28:25:21. Die Länge zu 100 gesetzt, erhält man 100:96:64, bez.
100:89:75. Bei Catopygus carinatus ist das Verhältnis 100:84:72.
Wir besitzen Exemplare in verschiedenen Grössen, einige zeigen folgende
\ PT*n Q|‘f TI1 QQP •
14:14 : 9; das entspricht 100 : 100 : 64,
20:17:11; „ „ 100: 85:55,
25:24:15; „ „ 100: 96:60,
26:22:15; „ „ 100: 85:58,
30:25:16; „ „ 100: 83:53.
Kennzeichnend ist, dass die grösste Breite in die Mitte der hinteren
Hälfte fä lt, und dass die grösste Höhe kurz hinter dem Scheitel liegt.
Die Unte yeite ist immer eben. Das fünfseitige Peristom liegt vor der
Mitte. an kann, wie auch Novak hervorhebt, höhere Formen von
flacheren unterscheiden.
Catopygus Älbensis ist im mittleren Theile der alten Poste ziemlich
häufig. Es liegen 11 zum Theil recht gut erhaltene Exemplare vor. Diese
Art wurde im unteren Quader von Dippoldiswalde entdeckt, später fand
sie Deichmüller*) im Cenoman von Dohna. Häufiger kommt sie nach
Geinitz im Brongniarti- Quader vor. Auch aus dem böhmischen Cenoman
und Turon ist diese Art wiederholt bekannt geworden.
Micraster cf. cor testudinarium Goldf. sp.
1833. Spatangus cor testudinarium Goldfuss. Petref. Germ. I, p. 156, Taf. 48,
Fig. 5.
1846. Micraster cor anguin%m Reuss, Verst. d. böhm. Kreide II, p. 56.
1873. — cor testudinarium Geinitz, Elbthalgeb. II, p. 11, Taf. 4,
Fig.l — 4.
1875. Spatangus — — Quenstedt, Petrefaktenkunde, Bd. 3, p. 646,
Taf. 87, Fig. 30, 31.
Einen etwas verdrückten Steinkern aus der alten Poste glaubte ich
wegen seiner flachen Gestalt hierher stellen zu müssen. Länge : Breite : Dicke
sind 38 : 36 : 20. Die Schale ist herzförmig. Das hintere Ende ist gerade
abgeschnitten. Der obere Rand über dem After ist vorstehend, sodass die
Vorderseite etwas nach hinten einfällt. Vom Scheitel bis zum hinteren
Ende ist kaum ein Abfallen der Schale zu bemerken. Das Peristom liegt
stark vertieft, nahe dem Vorderrande. Die Lippe ist vorspringend. Hinter
dem Munde erhebt sich auf der flachen Unterseite ein flacher gerundeter
Rücken, der sich nach vorn zu verbreitert und verflacht und allmählich
.verliert.
*
*) Sitzber. der Isis 1881, p. 79.
Micraster cor testudinarium gehört zu den vorzüglichsten Leitfossilien
des Turons. Im Plänerkalke Strehlens ist er sehr gewöhnlich. Auch hei
Zatzschke wurde er gefunden.
Cidaris cf. subvesiculosa d’Orb.
1846. Cidaris armata Reuss, Verstein. d. böhm. Kreide II, p. 57, Taf. 20,
Fig. 28, 24.
1873. — subvesiculosa Geinitz, Elbthalgebirge II, p. 6, Taf. 2, Fig. 1—4.
1875. — subvesiculosus Quenstedt, Petrefaktenkunde, Bd. 3, p. 166,
Taf. 67, Fig. 151—155.
In der alten Poste fand sich ein Abdruck von einem Stachel, der
3 mm Dicke hat. Das erhaltene Stück ist 14 mm lang und von cylin-
drischer Gestalt. Die Längsrippen erscheinen mit deutlichen Höckern
versehen.
Diese Species kommt im Plänerkalke von Strehlen und Hundorf vor.
Geinitz erwähnt sie noch aus dem Brongniarti- Quader von Ottendorf.
Auch aus der senonen Kreide von Rügen ist sie bekannt.
cf. Cyclabacia Fromenteli Bölsche.
1866. Cyclabacia Fromenteli Bölsche, Zeitschr. d. d. geol. Ges., p. 474, Taf. 9,
Fig. 4.
1873. — — Geinitz, Elbthalgebirge II, p. 6.
1876. — — Brauns, Salzbergmergel, p. 408.
Die von Geinitz erwähnten, 1871 bei Struppen gefundenen Exemplare
befinden sich in der Sammlung der K. Technischen Hochschule zu Dresden
und konnten zum Vergleiche benutzt werden. Die Gestalt ist halbkugel-
förmig, die Unterseite ist eben. Die Septen, die in fünf Cyklen entwickelt
sind, stehen dicht gedrängt. Auf 2 mm kommen 8 Septen. Die Columella
ist rudimentär.
Diese Art wurde in der alten Poste, gegenüber dem Gasthofe zur
Herrenhütte gefunden und ist ziemlich selten. Geinitz führt sie aus
dem Brongniarti -Quader von Struppen an. Nach Bölsche und Brauns
kommt sie im Unter -Senon am nördlichen Harzrande vor.
Spongites Saxonicus Gein.
Die unter diesem Namen bekannt gewordenen Wülste sind in den
Sandsteinen des Uebergangsquaders merkwürdig selten. Ein einziges Mal
bekam ich eine hierzu gehörende, knotige Verdickung in der alten Poste
vorgelegt.
Geologische Stellung des Ueberquaders im Kreidesystem.
Zum besseren Vergleiche gebe ich nebenstehend zunächst die übliche
Uebersicht über die gesammelten Fossilien.
Bei flüchtigem Vergleiche könnte man unseren Quader für turon halten,
nicht nur weil die Mehrzahl seiner Fossilien auch dem Turon angehört,
sondern weil zwei für das Turon ganz besonders charakteristische Arten
darin Vorkommen. Begnügen wir uns aber nicht mit dem schematischen
Abzählen, sondern gehen wir genauer auf die Verhältnisse ein, so müssen
wir zu wesentlich anderen Schlüssen gelangen. Zu den an Zahl hervor-
ragendsten Vorkommnissen gehört Vola quadricostata. Wenn diese auch
in den darunter liegenden Brongniarti-Quadern eine gewöhnliche Erscheinung
ist, so tritt sie doch im Ueberquader ungleich massenhafter auf, ein Vor-
37
Brong-
niarti-
Quader
Sachsens
Turon
von
Strehlen
Unter-
Senon
von
Kreibitz
u. Um-
gegend
Unter-
Senon
Kreideschichten,
die
älter | jünger
als Unter-Senon
sind
Nautilus rugatus Fr. et. Schlb. . .
X
X
X
X
Pholadomya nodulifera Mün. . . .
?
X
X
?
X
Cyprina quadrata d’Orb
?
X
X
Cardium Ottoi Gein. ......
X
X
X
Pinna cretacea Schloth
X
X
X
X
X
Inoceramus Brongniarti Sow. . . .
X
X
X
X
X
Vola quadricostata Sow
X
X
X
X
X
Lima canalifera Goldf.
X
X
X
X
Ostrea semiplana Sow
X
.
X
X
X
Alectryonia frons Park
X
X
X
X
Exogyra lateralis Nilss
X
X
X
X
X
— cf. laciniata Nilss. . . .
X
X
X
Catopygus Albensis Gein
X
X
Micraster cf. cor testudinarium Goldf.
X
X
Cidaris cf. subvesiculosa d’Orb. . .
X
X
X
X
cf. Cyclabacia Fromenteli Bölsche. .
X
X
X
kommen, das sehr an jenes von Haltern und am Salzberge erinnert.
Zudem behauptete Schlüter *), die eigentliche Vola quadricostata nur aus
der Quadraten -Kreide zu kennen. Wenn auch diese Behauptung später
dahin berichtigt worden ist, dass diese Species auch in höheren Schichten
vorkommt, und wenn auch das Vorkommen im Brongniarti-Quader Sachsens
das Herabgehen in tiefere Schichten beweist, so besteht doch immer noch
die Thatsache, dass Vola quadricostata für die Quadraten -Kreide höchst
charakteristisch ist. Dasselbe gilt für Lima canalifera. Wenn auch diese
Art schon in den Turonen- Quadern Sachsens häufig auftritt, so ist sie
doch in der übrigen deutschen Kreide fast ausschliesslich an das Unter-
Senon gebunden. Die in grosser Menge auftretende Alectryonia frons
Park., sowie die Ostrea semiplana Sow. gelten als kennzeichnend für das
Senon. Cardium Ottoi Gein. und Exogyra laciniata Nilss. treten erst mit
am Unter -Senon auf. Schwerwiegend ist endlich das Vorkommen der
Pholadomya nodulifera Münst. Dass Catopygus Albensis Gein. uns in
grösserer Zahl vorliegt, beweist eben nichts anderes, als dass diese Species
in jüngeren Schichten häufiger wird. Inoceramus Brongniarti Sow. und
Micraster cor testudinarium Goldf., die beide nur in je einem Exemplar
vorliegen, deuten an, dass unsere Schichten noch eng mit dem Turon
verknüpft sind, weshalb der Ueberquader wohl in die tiefsten Horizonte
des Unter -Senons zu versetzen ist. Ausserdem steht der Fall, dass diese
für das Turon charakteristischen Species im Senon Vorkommen, nicht ver-
einzelt da. Weniger scheint in diese Gruppierung das Auftreten der
Cyprina quadrata zu passen, einer Form, die am ehesten noch als Leit-
fossil für cenomane Schichten gelten kann. Beachten wir aber, dass mit
der Verflachung der — um den Gümbel’schen Namen zu gebrauchen —
*) Neues Jahrbuch 1870, p. 987.
38
wendischen Bucht des ehemaligen Kreidemeeres sich auch im Senon anderer
Orte schon aus dem Cenoman bekannte Strandbewohner einfanden, so
kann das Auftreten der Cyprina quadrata nicht befremden. Es kann
mithin nicht zweifelhaft sein, dass der Ueberquader dem Unter-
Senon angehört. Es fragt sich nur noch, welcher der von Schlüter auf-
gestellten Stufen er einzureihen ist.
Die Stufe des Ammonites Margae Schlüt., der Emscher kann für
uns kaum in Betracht kommen. Mag er auch an verschiedenen Orten,
so auch in Kieslingswalde, nachgewiesen sein, so bleibt er in seiner
typischen Entwicklung doch eine rein locale Erscheinung. Zu beachten
ist, dass der Emscher auch in der Löwenberger Kreidemulde fehlt, wenigstens
ist er trotz wiederholter Untersuchung bis jetzt noch nicht nachgewiesen
worden. Die Mergel von Lückendorf, südlich von Zittau und von Kreibitz
bilden nach Danzig*) nur Einlagerungen innerhalb des Quadersandsteines;
man wird sie daher, wie auch die Fossilien beweisen, kaum als besondere
Schicht dem Emscher zuweisen können. Die Fauna des Ueberquaders
mit der des Emschers zu vergleichen, ist schon von vornherein aussichts-
los, da bekannt ist, wie stark gerade in der Kreide Facies -Verschieden-
heiten die Fauna beeinflussen. In der That ist den beiden Ablagerungen
einzig die Vota quadricostata gemeinsam, denn Micraster cor testudinarium
wird von Schlüter als im Emscher vorkommend bezweifelt. Schlüter**)
glaubt Aequivalente des Emschers im Gebiete der Priesener und Chlo-
mecker Schichten Böhmens , die unseren Thonen von Zatzschke bez. dem
Ueberquader entsprechen, suchen zu dürfen. Die bei Zatzschke gefundenen,
von Geinitz aufgezählten Petrefacten sind nicht geeignet, diese Ver-
muthung zu bestätigen. Die Thone von Zatzschke lassen sich mit grosser
Sicherheit in Böhmen wiederfinden und weiter verfolgen; sie erreichen
hier eine grössere Entwicklung und weisen eine reichere Fauna auf. Eine
neue Untersuchung derselben durch Jahn***) hat gezeigt, dass von den
charakteristischen Fossilien der grösste Theil dem Turon angehört, nur
wenige Formen sind -dem Senon eigen. Wenn er daher die Grenze in
diese Schicht hineinlegt und die obersten Horizonte derselben zum Senon
bez. Emscher zieht, lässt sich dies eben wegen der schwachen Entwickelung
nicht auf Sachsen übertragen. So viel ist aber sicher: hier wie dort
besteht keine scharfe Grenze zwischen Senon und Turon.
Vom eigentlichen Unter -Senon ist die Zone mit Marsupites orna-
tus Mill. diejenige, der sich der Ueberquader am ehesten gleichstellen
lässt. Die übereinstimmenden Petrefacten sind: Pholadomya noduli-
fera Mün., Cardium Ottoi Gein., Ostrea semiplana Sow., Exogyra late-
ralis Nilss. und laciniata Nilss., Pinna cretacea Schlofh., Lima canali-
fera Goldf., Vola quadricostata Sow. und Cyclabacia Fromenteli Bölsche.
Im Ganzen neun Species, von denen, was besonders beachtet werden muss,
die Mehrzahl im Ueberquader, sowie in der Zone mit Marsupites orna-
tus Mill. in grosser Verbreitung auftritt. Wir haben mithin im Ueber-
quader ein Aequivalent der Sandmergel von Recklinghausen
und der Mergel des Salzberges.
Noch grösser ist die Uebereinstimmung mit den gleichalterigen Schichten
innerhalb der wendischen Kreidebucht. In den Schichten von Neu -Warthau
*) 1. c. p. 14.
**) Palaeontogr., Bd. 24, p. 231.
***) Jährlich. d. k. k. geol. Reichsanstalt, Bd. 45 (1895).
39
in Niederschlesien, von Kieslingswalde und dem Ueberquader der südlichen
Lausitz und Nordböhmens (Chlomecker Schichten) fehlen, soweit sich aus
dem bis jetzt über die Fossilien dieser Schichten bekannt gewordenen
Materiale ersehen lasst, nur fünf von unseren Species, nämlich: Cyprina qua-
drata d’Orb., Catopygus Alhensis Gein., Micraster cor testudinarium Goldf.,
Cidaris subvesiculosa d’Orb. und Cyclabacia Fromenteli Bölsche, also
Arten, auf die kein besonderes Gewicht gelegt wurde.
■Die Lagerungsverhältnisse des Scaphitenmergels von Zatzschke und
des Ueberquaders, insbesondere die Tendenz der Thone sich in der Richtung
nach Osten auszukeilen, nach Westen hingegen an Mächtigkeit zuzunehmen,
könnten der Vermuthung Raum geben, dass es sich hier um eine sich aus-
keilende Wechsellagerung gleichalteriger Sedimente handelt, wie wir es bei
den Brongniarti- Quadern der sächsischen Schweiz und den Brongniarti-
Mergeln von Strehlen annehmen müssen. Eine solche Annahme wird
dadurch widerlegt, dass die eine Ablagerung entschieden senon, die
andere entschieden turon ist. Wir haben in der That im Ueber-
quader die höchste Schicht der Kreide des sächsischen Elbthales
vor uns. Dass sich die Scaphitenmergel einstmals über das gesammte
Sandsteingebiet der sächsischen Schweiz ausgedehnt haben mögen, wird
durch die Art ihres Auftretens bei Tetschen wahrscheinlich gemacht. Die
sächsische Schweiz stellt eine im Osten an der Bruchlinie des Erzgebirges
gehobene Sandsteinplatte dar. Die an der grössten Erhebung stärker
wirkende Erosion hat daher im Osten ältere Schichten blossgelegt, während
im Westen in der Tiefe die jüngsten Schichten erhalten bleiben konnten.
Das Vorhandensein der Scaphitenmergel bei Strehlen und im Untergründe
Dresdens wird durch Beck*) betont. Leider sind in früherer Zeit beim
Aufsammeln der Petrefacten Strehlens die Horizonte gar nicht berück-
sichtigt worden, eine nachträgliche Aufstellung derselben kann natürlich
nur hypothetisch sein. Zwischen Pirna und Wehlen liegt unter dem
Scaphiten-Thon der Brongniarti-Quader, bei Dresden hingegen der Brongni-
arti Pläner, in dem der Kalkstein von Strehlen Lager bildete. Es ist kaum
zu bezweifeln, dass beide Ablagerungen nur Faciesverschiedenheiten der-
selben Schicht sind. Verschiedene Umstände deuten darauf hin, dass beide
in der Gegend von Copitz durch auskeilende Wechsellagerung verbunden
sind. Diese Brongniarti-Pläner, besser gesagt Mergel, sind die eigentlichen
Strehlener Schichten und nur diese dürfen mit den Teplitzer (Hundorfer)
Schichten Böhmens identificirt werden. Die Pläner Schicht, die auf den
Sectionen Pirna und Rosenthal weite Verbreitung besitzt, sollte nicht mehr
mit den Strehlener Schichten gleichgestellt werden, weil sie bei Strehlen
im Liegenden dieser Schichten zu suchen ist. Diese Bezeichnung führt
nur dazu, die Pläner von Krietzschwitz dann auch als zu den Teplitzer
Schichten gehörend zu betrachten, was falsch ist. Aus der Lagerung,
wie aus den Petrefacten geht hervor, dass ihr Aequivalent in Böhmen
die Launer Kalkknollen sind, also, dass sie einem tieferen Horizonte
angehören. In der Umgebung Dresdens werden sie durch die Mergel
vertreten, die den Labiatus-Pläner direct überlagern, die aber nur gelegentlich
aufgeschlossen werden und daher nur mangelhaft palaeontologisch durch-
forscht sind. Diesem Umstande, dass wir im Untergründe Dresdens in
den Mergeln der Brongniarti-Stufe drei Schichten zu unterscheiden haben,
*) Erläuterungen zu Sect. Dresden, p. 60.
40
die mächtigen Ablagerungen im Gebiete der sächsischen Schweiz ent-
sprechen, ist es zuzuschreiben, dass die genannten Mergel die bedeutende
Mächtigkeit von 152 m erreichen. Es ist daher kein Grund vorhanden,
wie Beck es glaubt, im Untergründe Dresdens Schichten zu suchen, die
jünger als die Scaphiten -Thone von Zatzschke sind.
Es sei noch daran erinnert, dass schon Geinitz das Vorhandensein
senoner Schichten im sächsischen Elbthal annahm. Konnte auch die
geologische Landesuntersuchung dies nicht bestätigen, so zeigt das Vor-
stehende doch, dass diese Annahme, wenigstens für eine Schicht zu Recht
besteht. —
Zum Schluss ist es mir eine angenehme Pflicht, meinem hochverehrten
Lehrer, Herrn Professor Dr. E. Kalkowsky sowohl für die Anregung zu
diesem interessanten Thema, als auch für die freundliche Unterstützung,
die er mir jederzeit gern zu Theil werden liess, meinen wärmsten Dank
auszusprechen.
Juli 1897.
Mineralogisch-geologisches Institut
der K. Technischen Hochschule zu Dresden.
V. Ueber elektrische Gleitfunken von ausserordentlicher
Länge.
Yon Dr. Mas Toepler.
Es ist schon lange bekannt, dass man unter sonst gleichen Umständen
längs Glasoberflächen wesentlich längere Funkenentladungen erhalten kann
als in freier Luft, wenn man die Glasrückseite leitend macht, sie z. B. mit
Stanniol belegt. Man bezeichnet derartige Funken bekanntlich (ebenso
wie die besonders von Antolik beobachteten Entladungserscheinungen
längs berusster Flächen) als „gleitende Funken“. Die erste eingehendere
Untersuchung der Gleitfunken an rückwärts belegten Glasflächen dürfte
von A. y. Obermayer*) herrühren. Neuerdings ist eben der Umstand,
dass man bei relativ kleinen Potentialdifferenzen doch ansehnliche Schlag-
weiten durch Gleitfunken überbrücken kann, von den Herren Sk inner
und Wurts**) zur Construction von Blitzschutzvorrichtungen benutzt
worden. Noch nicht bemerkt ist aber meines Wissens, wieweit man mit
den in grösseren physikalischen Instituten gebräuchlichen Hilfsmitteln
gelangen kann. Nach meinen Beobachtungen ist es leicht, durch zweck-
mässige Yer Suchsanordnung und geeignete Abmessung aller die Funkenlänge
wesentlich mitbestimmenden Grössenverhältnisse Entladungen von 1 bis 1,5 m
Länge herzustellen; der längste von mir erzielte gleitende Funken besass
sogar die bei künstlichen Funkenentladungen wohl noch nie beobachtete
Länge von 187 cm. Dabei sei gleich hier bemerkt, dass sich alle im
Folgenden mitgetheilten Angaben auf die Ausbildung von Gleitfunken längs
blanker, unberus st er Glasoberflächen beziehen.
Zur Erzielung möglichst langer Entladungen erwies sich die Anwendung
sehr grosser Batterien als dringend nöthig. Es standen mir zur Verfügung
5 Schachtelbatterien***) von je ca. 40 000 cm Capacität, jede zusammen-
gesetzt aus 8 grossen Leydnerflaschen von 20 bis 10 cm Durchmesser und
41 cm Beleghöhe. Die im Späteren erwähnten einzelnen Flaschen hatten
15 cm Durchmesser und 40 cm Beleghöhe; ihre Capacität dürfte demnach
*) A. v. Obermayer: Ueber gleitende Funken. Wiener Acad. Ber. 101, 1892,
S. 327. — Die von Herrn v. Obermayer beobachteten Funken waren, soweit die cit. Abh.
ersehen lässt, bis zu 50 cm lang.
**) C. E. Skinner u. A. J. Wurts: Eine Methode zur Vergrösserung der Funken-
länge einer gegebenen EIK. Elektrotechn. Zeitschr. 1896, S. 525. — Der längste gleitende
Funken, welchen diese Beobachter längs einer unberussten Glasoberfläche erhielten, betrug
bis zu 25 cm.
***) Eine eingehende Beschreibung derartiger Schachtelbatterien findet sich im
Lehrbuch von Pouillet-Pfaundler, Bd. III, S. 230.
42
auf je V8 einer Schachtelbatterie zu veranschlagen sein. Alle diese Leydner
Flaschen Hessen sich bis auf eine Potentialdifferenz von 40 000 Volt laden.
Um so grosse Batterien rasch zu laden, ist dann natürlich auch die Anwen-
dung einer entsprechenden Stromquelle nöthig; ich benutzte bei allen meinen
Versuchen eine grosse 60plattige Toepler’sche Influenzmaschine, welche einen
Strom von 3/70 o Amp. bei Potentialdifferenzen bis zu 100000 Volt lieferte *)
Als- besonders zweckmässig erwies sich die aus der schematischen Fig. 1
ersichtliche Versuchsanordnung.
Hierin bedeutet:
M. die Influenzmaschine;
8. eine Sicherheitsfunken-
strecke ;
F. die primäre Funkenstrecke
an einem Funkenmikro-
meter, meist mit grossen
Polkugeln von 6 cm Durch -
messer gemessen;
L1 L2. zwei Batterien, deren
Inennbelege mit M in V er-
bindung standen, während
die Aussenbelege durch W
hindurch leitend mit ein-
ander verbunden waren;
W. je nach Bedarf eine Draht-
rolle, einen grossen Wasserwiderstand oder einen Hochspannungstransformator;
p1p%. Polkugeln von 1 cm Durchmesser, liegend auf Gr;
Gr. eine Fensterglasplatte von 0,2 bis 0,3 cm Dicke, 60 cm Breite und 160 cm Länge.
Die beiden Polkugeln p± und p% lagen unmittelbar auf der blanken
Gflasplattenoberfläche, deren Rückseite mit einem Stanniolstreifen beklebt
war. Dieser reichte, wie Fig. 2
Fiy.Z. / (im Durchschnitte) zeigt, von
/ G JPi Pv seine Breite betrug
in der Regel 1 cm. Ausser bei
Benutzung eines Transfor-
mators stand er durch ein (in Fig. 2 schraffirtes) um den Glasrand gehendes
Stanniolstreifenstück mit p% in leitender Verbindung.
Beobachtungen.
Es sei zunächst an der Stelle W in Fig. 1 eine Drahtrolle mit kleinem
Widerstande eingeschaltet. Diese war folgendermassen hergestellt: 3 mit
Guttapercha umgebene, je 0,2 cm starke Kupferdrähte waren (parallel
geschaltet) in je 28 Windungen um einen grossen Glascylinder von 26 cm
Durchmesser gewickelt; alle Zwischenräume waren mit Paraffin durch
Aufstreichen in flüssigem Zustande isolirend ausgefüllt.
Bei jeder Primärentladung F wird nun, veranlasst durch die Selbst-
induction der Drahtrolle, vorübergehend eine Potentialdifferenz zwischen
pl und (resp. dem Stanniolstreifen) auftreten. Genügt diese noch
nicht, um einen den Abstand pA p2 voll überbrückenden Gleitfunken
auszubilden, so veranlasst sie wenigstens die Ladung eines Stückes Glas-
oberfläche in der Umgebung von pv Die Begrenzung dieser Fläche
*) Funkeninductorien sind aus bekannten Gründen für das Experimentiren mit
hochgespannten Batterie -Entladungen nicht brauchbar.
43
besitzt, hervorgerufen durch den Stanniolstreifen auf der Glasrückseite,
eine scharfe Spitze von p1 nach p2 zu; die Flächenladung geschieht
durch zahlreiche, von p1 ausgehende, stark verästelte lichtschwache
röthliche Funken, deren Gesammtheit einen tannenbaumartigen Anblick
gewährt mit scharf ausgeprägtem Hauptstamme in der Richtung p± p 2.
Diese Ladungserscheinung ist als eine besonders vollkommene Ausbildung
der bekannten elektrischen Rose*) aufzufassen. ‘
Für den speciellen Fall, dass der Abstand f = p1 p2 = 70 cm fest ein-
gestellt bleibt, zeigt die nachstehende Tabelle und Fig. 3b die allmähliche Ver-
grösserung der geladenen Fläche bei wachsendem F. Als Capacitäten L1 und
L2 der Fig. 1 wurden hierbei je zwei Schachtelbatterien benutzt; der Stanniol-
streifen war 1 cm breit.
Tabelle I.
F
A
B
c„
ct
c2
c3
R
0,50
0,7
1,8
0,7
0,7
0,75
1,5
6,5
1,5
—
—
—
1,3
1,00
2,7
15,0
2,5
0,5
—
—
2,6
1,25
1 4,5
29,5
4,0
2,5
1,5
—
4,8
1,50
9,0
51,0
9,0
4,5
3,5
2
8,6
Co Ci Ci
s 1 '
v : :
r\
7o
Aus Fig. 3a ist die Bedeutung der (in cm ausgedrückten) Längen-
angaben A, B, C0, C1, C2 und C3 der Tabelle ohne Weiteres ersichtlich.
In der letzten Columne ist
zum Vergleiche der Radius R 3 *
derjenigen Kreisfläche ange-
geben, welche jedesmal ge-
laden wird, wenn man den
Stanniolstreifen entfernt und
p2 an die Glasplattenrück-
seite p1 unmittelbar gegen- B
über, anlegt; man sieht aus
den B-Werthen, wie bedeu-
tend der Stanniolstreifen die
jedesmal geladene Glasfläche,
einseitig vergrössert. **
Verlängert man allmäh-
lich die Primärschlagweite F
soweit, dass die Spitze des
von p± ausgehenden Haupt- / ^ h
ladungsfunkens gerade p2 er- v ~
reicht, so erfolgt zum ersten y'
Male eine laut krach ende,
blendend helle Gleitent-
ladung zwischen p1 und^>2.
Diese wird um so heller und _
lauter, je weiter man nun
noch den Funken F vergrössert; immer aber erkennt man noch (sobald
man nur den hellen Gleitfunken p± p2 abblendet) die verästelten röth-
*) Vergl. Wiedemann: Elektricität, Bd. IV, § 1054, S. 765.
44
liehen Ladungsfünkchön, deren Hauptast dem hellen Endfunken jedesmal
erst die Bahn öffnete.
Die kleinste Primärfunkenlänge JE, hei der gerade noch der Abstand
p± p% = f durch einen hellen Gleitfunken voll überbrückt wird, will ich im
Folgenden stets als die zur Funkenlänge f zugehörige Länge F bezeichnen.
Es seien nun zunächst einige Messungen zusammengehöriger Werth e f und
F mitgetheilt. Wurde f nacheinander 10, 20, .... 90 cm lang gewählt,
wobei der 1 cm breite Stanniolstreifen stets unterhalb p1 endigte, und benutzte
ich (bei L1 und L2 in Fig. 1) je zwei Schachtelbatterien, so erhielt ich die
zugehörigen Primärfunkenlängen F der zweiten Zeile in nachstehender
Tabelle, wenn F zwischen Polkugeln von 1 cm Durchmesser überging, die
Werthe der dritten Zeile, wenn der Durchmesser letzterer 6 cm betrug.
Tabelle II.
f in cm ....
10
20
30
40
50
60
70
80
90
F in cm . . . . j
0,92
1,37
1,65
1,95
2,28
2,66
3,12
3,99
4,82
0,83
0,91
1,19
1,28
1,39
1,47
1,62
1,73
x 1,80
Die den Funkenlängen _F entsprechenden Potentialdifferenzen sind speciell
für die hier benutzten Kugeln früher von Herrn J. Freyberg*) bestimmt
worden; aus seinen Angaben ersieht man, dass den gefundenen beiden Werthe-
folgen der Funkenlängen F sehr nahe ein und dieselbe algebraische Reihe
der zugehörigen Potentialdifferenzen entspricht. Es gilt also angenähert der
Satz: Gleichen Zuwüchsen der Potentialdifferenzen bei F ent-
sprechen gleiche Zuwüchse der Funkenlänge /*, und zwar wächst
für 3500 Volt Potentialsteigerung hei F der Gleitfunken f um 10 cm.
Bemerkenswerth ist auch die relativ grosse Länge, welche F erreichen
muss, damit sich die ersten 10 cm des Gleitfunkens ausbilden; dies gilt
auch dann, wenn man bei p± und p2 statt der Polkugeln von 1 cm Durch-
messer feine Metallspitzen anbringt.
Inwieweit bei gegebenem fest eingestelltem f die zugehörige Funken-
länge F (zw. Polkugeln von 6 cm Durchmesser) von der Breite des
verwendeten Stanniolstreifens einerseits, von der Grösse der Batterien
andererseits abhängt, zeigt folgende Tabelle.
Tabelle III.
Breite des Streifens in cm
1
2
4
8
12
32
f= 35 cm
F in cm bei einer Leydnerflasche
1,57
1,51
1,17
1,53
1,70
1,96
F in cm bei einer Schachtelbatterie .
1,19
1,14
1,19
1,19
—
F in cm hei zwei Schachtelbatterien
1,28
1,25
1,21
1,16
1,16
1,22
f — 70 cm
F in cm hei einer Schachtelbatterie .
1,64
1,57
1,51
1,49
1,55
F in cm bei zwei Schachtelbatterien
1,58
1.53
1,49
1,46
1.50
1,75
*) J. Freyberg in Wied. Ann., 38, 1889, S. 231.
45
Man sieht, dass bei der benutzten Extrastromrolle möglichst grosse
Batterien und Streifen von 4 bis 8 cm Breite besonders günstig sind.
Da die Toeplermaschine zwischen Polkugeln von 6 cm Durchmesser
leicht Funken bis zu 3,2 cm Länge lieferte, und die Batterien bei der
benutzten Schal tweise ohne Gefährdung bis zu 2,5 cm lange Funken F
anwenden Hessen, so hätte von dieser Seite einerweiteren wesentlichen
Verlängerung der gleitenden Funken über 90 cm hinaus nichts im Wege
gestanden. Jedoch wurden mir hierbei mehrmals Glasplatten zerschlagen,
zum Theil wohl nur durch die, die Funkenbildung f begleitende heftige
mechanische Erschütterung.
Der längste mit der bisher behandelten Versuchsanordnung erhaltene
Funken betrug
f = 102 cm.
Nicht ganz so lange, aber besonders laute und lichtstarke gleitende
Funken erhielt ich auch, wenn an Stelle der Drahtrolle (bei W in Fig. 1)
ein grosser Widerstand eingeschaltet wurde. So ergab ein Wasserwiderstand
von etwa 4500 000 Ohm die Werthe der nachstehenden Tabelle, bei der
die Versuchsanordnung im Uebrigen dieselbe war wie bei der dritten
Tabelle.
Tabelle IV.
Breite des Streifens in cm
1
2
4
8
12
f = 35 cm
F in cm bei einer Schachtelbatterie . . .
1,44
1,37
1,40
1,40
1,47
F in cm bei zwei Schachtelbatterien. . .
1,42
1,39
1,43
1,45
1,50
f =70 cm
F in cm bei zwei Schachtelbatterien. . .
2,05
1,85
>2
Ein noch wesentlich günstigeres Verhältniss c
er Funken
ängen
f und F als mittels Extrastromes erzielt man natürlich mit Hilfe
geeigneter Paraffin-Transformatoren. Als Transformator wurde
folgende Drahtrollencombination benutzt *) : primär die Rolle mit
28 Windungen 3 fach gewickelt, welche oben den Extrastrom zu liefern
hatte, secundär 64 gut isolirte Windungen 1 mm starken Kupferdrahtes,
gewickelt auf einen Glascylinder von 30 cm Durchmesser. Diese Spulen-
combination gab, bei W in Fig. 1 eingeschaltet, bei Anwendung der
Schwingungen von beiderseits je 2 Schachtelbatterien, in freier Luft
zwischen Polkugeln von 6 cm Durchmesser sehr intensive Funken von
mehr als 8 cm Länge. Bei diesen hohen Spannungen ist es aus ver-
schiedenen, ohne Weiteres ersichtlichen Gründen vortheilhaft, nicht wie
bisher p2 mit dem Stanniolstreifen zu verbinden, sondern beide Pole p±
und p 2 frei auf die blanke Vorderseite der Platte zu legen und von den
Polen isolirt auf der Rückseite . einen von p1 bis p% reichenden Stanniol-
streifen aufzukleben.
*) Es sind die von meinem Vater construirten und schon früher von demselben
hei Ausführung der sog. Teslaversuche mittels Condensatorschwingungen mit Erfolg
benutzten Spulen, welche in der Beschreibung jener Versuche in der "Wiener Zeitschr. für
Elektrotechn. XXIII u. XXIV, 1894, mit III und IV bezeichnet sind. Vergl.auch: Abhandl.
Isis Dresden 1894, S. 22.
46
Bei Anwendung von Glasplatten von 0,2 bis 0,3 cm Dicke war hier
eine Vergrösserung der Funken auf 120 cm und mehr ohne Weiteres zu
erreichen. Freilich waren diese mittels des Transformators erhaltenen
Gleitfunken nicht so lichtstark und laut krachend wie die bisher be-
handelten. Schliesslich schien, selbst bei Anwendung von beiderseits je
zwei Schachtelbatterien, die von dem benutzten Transformator gelieferte
Elektricitätsmenge zur Ladung der immer grösser werdenden Flächenstücke
bei p± und p2 nicht mehr auszureichen. Funken bis zu 150 cm Länge
erhielt ich aber in der That leicht, als ich die zu ladende Fläche mög-
lichst verkleinerte. Dies geschieht am einfachsten, indem man die Gleit-
funken an der Aussenfläche einer innen mit Stanniol belegten Glas -Röhre
entlang schlagen lässt. Die Anwendung von Glasröhren empfiehlt sich
auch wegen ihrer geringen Kostspieligkeit; ein weitaus prächtigeres
Demonstrationsobject als die Gleitfunken längs Rohren bilden freilich
solche längs grossen Platten. Bei sehr engen Rohren (z. B. von 5 mm
äusserem Durchmesser) kann man zweckmässig die Innenbelegung durch
einen von p± bis p2 reichenden Quecksilberfaden ersetzen.
Der längste lückenlose gleitende Funken, den ich so
mittels des oben beschriebenen Paraffin-Transformators her-
steilen konnte, hatte, wie schon erwähnt, die sehr bedeutende
Länge von
f = 187 cm.
Es sei noch bemerkt, dass ja hierbei auch bis auf etwa 30 cm dies-
seits p± und jenseits p2 ein Stück Glasrohrwand geladen und entladen
wurde; die fernstgelegenen Glaswandtheilchen, welche durch eine nur
bei p± und p2 punktförmig unterbrochene Funkenbahn ihre Elektricität
ausglichen, hatten also bei diesem längsten Funken einen Abstand von
etwa 2,5 m.
Man sieht aus dem Gesagten, dass sich ziemlich leicht gleitende
Funken erstaunlicher Länge erzielen lassen. Weitere interessante Ver-
suche, sowie eine Erklärung der Erscheinung werde ich nächstens an
anderer Stelle mittheilen.
Juli 1897.
Physikalisches Institut
d. K. Technischen Hochschule zu Dresden.
JlbhandL. d, Isis in Dresdem, 1897.
Taf.I.
Sitzungsberichte
$
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1897,
I. Section für Zoologie.
Vierte Sitzung am 21. October 1897« Vorsitzender: Prof. Dr. H.
Nit sehe. — 1 Anwesend 38 Mitglieder.
Prof. Dr. H. Nits che bespricht den morphologischen Werth der ver-
schiedenen Hö'rnerfor men der Hufthiere und schildert im Speciellen
den Bau der Hörner des Rhinoceros, der Gemse, der Gabelgemse ( Anti -
locapra americana) und der Giraffe, sowie der Geweihe der Hirsche. Er
erläutert den Vortrag durch Demonstration verschiedener Präparate aus
der Tharandter zoologischen Sammlung und durch eine von ihm ge-
zeichnete Wandtafel.
Hefr K. Schiller macht Mittheilung über das Vorkommen des
ursprünglich der alpinen Ornis angehörenden Mauerläufers (Tichodroma
muraria) in Sachsen und zwar an den Schramm steinen und in den
Steinbrüchen bei Posteiwitz in der sächsischen Schweiz.
Zusätze zu diesen Mittheilungen geben Prof. Dr. 0. Drude, Director
A. Schöpf und Prof. Dr. H. Nitsche, welcher auch ein aus der säch-
sischen Schweiz stammendes, ausgestopftes Exemplar dieses Vogels, der
Tharandter zoologischen Sammlung gehörig, vorweist.
Dr. Fr. Raspe weist einige von ihm in Norderney gesammelte zoo-
logische Objecte vor.
II. Section für Botanik.
Dritte Sitzung am 4. November 1897 (in Gemeinschaft mit der
Section für Zoologie). Vorsitzender: Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend
41 Mitglieder und Gäste.
Dr. Fr. Raspe legt schöne selbstgesammelte Exemplare von Convol-
viilus Soldanella L. vor, welche Art von mediterraner Herkunft die deutsche
Flora in den ostfriesischen Inseln (Norderney) erreicht.
Oberlehrer K. Vetters zeigt eine Blüthe von Passiflora , welche in
ganz ausgezeichneter Weise präparirt aus trockenem Sande hervorging.
Prof. Dr. H. Nitsche demonstrirt eine von ihm nach der Natur für
Vorlesungszwecke verfertigte blüth enbiologische Tafel in vier Ab-
theilungen.
18
Darauf hält Dr. B. Schorler einen Vortrag über das Süsswasser-
P lankton.
Der Vortragende gielbt an der Hand der vor Kurzem erschienenen Arbeit von
C. Schröter: „Die Schwebeflora unserer Seen“ und des ausführlicheren Werkes von
Schröter und Kirchner: „Die Vegetation des Bodensees“ einen Ueberblick über die
Geschichte der limnologischen Forschungen auf botanischem Gebiete und über die bisher
erreichten Resulsate in Bezug auf die Abgrenzung und schärfere Fassung der einzelnen
Begriffe, die Ausbildung geeigneter Fang- und Untersuchungsmethoden und die Kennt-
niss der Wasserorganismen nach Arten und ihren Mengen- und Verbreitungsverhältnissen
in den einzelnen Jahresabschnitten. Eingehender wird dann das eigentliche Phytoplankton
nach Zusammensetzung und Anpassungserscheinungen besprochen. Zum Schluss regt
der Vortragende wegen der grossen praktischen Bedeutung zu derartigen systematischen
Untersuchungen in Sachsen an und empfiehlt die Moritzburger Teiche als namentlich für
Dresdner Herren sehr geeignete Untersuchungsobjecte.
Prof. Dr. H. Nitsclie weist auf den praktischen Werth der
Plankton-Forschung hin, da das Plankton einen grossen Theil der
Fischnahrung bildet. Man kann nach dem Plankton -Reichthum eines
Teiches dessen Werth für die künstliche Fischzucht bestimmen.
Prof. Dr. 0. Drude hält als Schluss der Tagesordnung einen Vortrag
über Kobelt’s Studien zur Zoogeographie, Wiesbaden 1897. .
Diese wichtige und interessante Abhandlung bespricht die Verbreitung der Mol-
lusken in der paläarktischen Region und verwerthet unter grösseren Gesichtspunkten
die Resultate für allgemeine Fragen der Biographie. Mit dem Verfasser muss man
darin einig sein, dass die geographische Bedeutung der Schneckenverbreitung eine sehr
hohe ist, da die Lebensweise dieser Thiere zufälligen Verschlagungen sehr Ungünstig
ist, wenn auch die Erfahrungen an Burgruinen im Taunus und auf isolirten Kalkhügeln
im norddeutschen Flachlande bestätigen, dass kleinere Entfernungen sicher überbrückt
werden können. Es ist von grossem Interesse, dass sich die Molluskenreiche der Erde
viel enger, als manche andere zoogeographische Eintheilungen, an die vom Referenten
verfertigten Florenreich'e anschliessen , dass insbesondere ein holarktisches Reich ein-
schliesslich Canada und der nördlichen Union der „Nordischen Flora“ entspricht, dass
in diesen Molluskenreichen Nord- und Ost-Australien zu Papuasien-Melanesien gezogen
wird, Südost- Australien dagegen mit Tasmanien und Neuseeland davon getrennt wird etc.,
auch laden die Südgrenzen der paläarktischen Molluskenfauna direct zu einem Vergleiche
mit der Südgrenze der boreal-subtropischen Floren zwischen Sahara und dem Amur ein.
Noch wichtiger erscheinen dem Referenten die vom Verfasser über gewisse Eiszeitfragen
in Deutschland erzielten Resultate, wonach die jetzige Molluskenfauna und ihre geo-
graphische Vertheilung älter ist als die grosse Eiszeitperiode, welche letztere demnach
nicht als trennende Kluft, sondern als Episode erscheint.
Vierte Sitzung am 9. December 1897 (Floristen- Abend). Vorsitzender:
Oberlehrer K. Wobst. — Anwesend 26 Mitglieder.
Der Vorsitzende macht darauf aufmerksam, dass in nächster Zeit eine
Petition zur Erhaltung des Schubert’schen mikroskopischen Mu-
seums für die Stadt Dresden in unserer Gesellschaft circuiiren wird und
empfiehlt aus mancherlei Gründen ein wohlwollendes Entgegenkommen.
Prof. Dr. 0. Drude schliesst sich diesen Ausführungen an unter Hin-
weisen auf eine etwaige fernere Gestaltung des nützlichen Institutes.
Dr. B. Schorler spricht über Neu-Erwerbungen für die Flora
Saxonica, soweit thatsächliche Belegexemplare in dem Herbarium der
K. Technischen Hochschule vorliegen (vergl. Abhandlung IX).
Lehrer H. Hofmann- Grossenhain legt unter entsprechenden Erläu-
terungen eine reiche Sammlung sächsischer Mentha- Formen vor,
19
lässt interessante sächsische Rubus- Arten circuliren mit Bemerkungen
über die geographischen Verbreitungs- Areale und zeigt einzelne kritische
Hieracien- und Rosen-Arten.
Ausserdem theilt er noch neue Standorte von Asplenium ger-
manicum und Euphrasia- Arten mit.
Im Anschluss an diese Ausführungen legt Prof. Dr. 0. Drude ein
Specialwerk: Les Labiees des Alpes maritimes par Briquet vor.
Dr. B. Schorler referirt über eine in Gemeinschaft mit Prof.
Dr. Drude unternommene Reise durch den Böhmerwald unter Angabe
neuer Standorte (Yergl. Abhandlung X).
Zur Ansicht ausgelegt werden seltenere Pflanzen von Gera, ge-
sammelt durch Stabsarzt Dr. F. Naumann- Gera.
III. Section für Mineralogie lind Geologie.
Vierte Sitzung“ am 11» November 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. E.
Kalkowsky. — Anwesend 45 Mitglieder und Gäste.
Oberlehrer Dr. R. Nessig spricht über Diluvialsande bei Dresden.
Auf der südöstlich von Dresden sich aushreitenden fruchtbaren Thallehmfläche sind
zwischen Leuben, Grossdobritz nnd Tolkewitz sterile Sandhügel aufgesetzt, die eine
dürftige Vegetation von Akazien, Birken und Kiefern tragen. Sowohl die Art der
Abböschung nach West und Ost, wie ihr innerer Aufbau lassen diese Erhebungen als
Elugsandhaufen erkennen. Sie bestehen nur aus sehr feinkörnigem Sande mit gut ge-
rundeten Körnern, ohne jedes kiesige Material, nur an der Basis stellen sich Basalt-
blöcke u. s. w. ein. Die ausgezeichnete Schichtung steigt am Westende der Hügel mit
etwa 20 — 25° nach Ost an und verläuft dann wellig durch die Aufschlüsse. Discordante
Schichtung, wie sie wässerige Sedimente zeigen, tritt nie auf. Dreikanter waren weder
im Sande noch in der Umgehung aufzufinden, wohl wegen der tiefen Lage der Thal-
lehmebene, auf der die Verwehung sich vollzog.
Eine andere Art von Diluvialsand lagert am westlichen Thalhange des Plauenschen
Grundes zwischen Döltzschen und der Jochhöhe, im Niveau der Horizontalen 250 bis
210. In der am „Fürstenwege“ angesetzten grossen Sandgrube von Christmann sind
folgende Lagerungsverhältnisse erkennbar : Im Grunde des schönen Aufschlusses lagert
vermuthlich verwitterter Pläner, da beim Tiefergraben sich reichlicher Wasserzufluss
einstellte. Am auffälligsten ist die Schichtung der aufgeschlossenen Sande. Zu oberst
lagert brauner, lehmiger, glimmerfreier und leidlich geschichteter Sand, im nördlichen
Theile der Grube von den tiefer liegenden grauen Sanden durch eine graue, braun ge-
flammte und zu Tage ausgehende Thonschicht getrennt. Die namentlich verwertheten
unteren, grauen Sande zeigen eine eigenartig kuppelförmige Schichtung, die ausser-
ordentlich scharf und ohne jede Schwankung mit etwa 20—25° nach dem Plauenschen
Grunde zu, aber auch nach Nord, West und Süd einfällt. In den Sanden eingebettet
lagern zahlreiche Plänerplatten bis 1 m Grösse, welche vollkommen in der Schichtung
liegen und oft wie Nägel oder Bolzen aus der Grubenwand hervorragen. Kieslagen
fehlen vollkommen, ebenso jede Discordanz, nur sind neben den Plänerstücken noch
Geschiebe von nordischen Porphyren, von Feuerstein und namentlich von Syenit und
Gesteinen des ßothliegenden im Sande eingebettet. Der Sand selbst ist zumeist stark
zersetzter Syenitgrus, ohne eine Spur von Abrollung. Dazu gesellen sich kaolinisirte
Feldspathfragmente , zahlreiche Splitterquarze neben vereinzelten gerundeten Quarzen,
während Glimmer und Magneteisen so gut wie fehlen. Das Ganze bietet den Anblick
einer gewaltigen Schutthalde.
Auffällig sind weiter auf den grauen Sandwänden zahlreiche rostbraune Flecken
von etwa Thalergrösse, in deren Centrum man meist ein kleines eisenschüssiges Pläner-
20
fragment entdeckt, Auch . grosse breite Flecken kommen vor. Schliesslich verdienen
thonige Ballen von graubrauner Farbe Erwähnung, die im Sande sitzen und beim Auf-
weichen und Abschlämmen Syenitgrus hinterlassen.
Der dritte Aufschluss grober altdiluvialer Schotter befindet sich bei Mederpesterwitz.
Dort lagern, durch spärlichen Syenitgrus gebunden, grosse Platten von Cenomansand-
steinen, die man zu technischen Zwecken herausliest, neben Quarzen, Feuersteinen und
nordischem Porphyrgeröll.
Prof. Dr. E. Kalkowsky legt vor R. Nessig: Geologische Ex-
cursionen in der Umgegend von Dresden, I. Theil,
berichtet über einen oligocänen Sandsteingang an der Lau-
sitzer U eher Schiebung bei Weinböhla (vergl. Abhandlung XII) und
legt vor die Petrefacten des Ueberquaders zu der Abhandlung von
W. Petraczek in diesem Jahrgang S. 24.
Alsdann erläutert Prof. Dr. E. Kalkowsky an 17 Sectionen die von
Dr. 0. Barth zur Reliefkarte verarbeitete geologische Special-
karte des Königreichs Sachsen.
Dr. med. Otto Barth in Lindhardt bei Naunhof hat in jahrelanger mühsamer
Arbeit mit ausserordentlichem Geschick sämmtliche von der geologischen Landesanstalt
in Leipzig unter der Direction des Geheimen Bergrathes Prof. Dr. H. Credner bearbeitete
Sectionen der von dem K. Finanzministerium herausgegebenen geologischen Specialkarte
des Königreichs Sachsen zu Reliefs verarbeitet; auf der sächsisch- thüringischen Industrie-
Ausstellung zu Leipzig war das ganze Werk zum ersten Male dem grossen Publikum
vorgeführt worden. Einige Sectionen, so das zu einem Tableau aus 6 Blättern ver-
einigte Elbsandsteingebiet, die Umgegend von Dresden und das Elbthal bis über Meissen
hinaus, Theile des Steilabfalles des Erzgebirges gegen Süden u. s. w. waren dem Vor-
tragenden freundlichst für eine Erläuterung in der Isis übersandt worden.
Dr. Barth hat es zuwege gebracht, die Reliefs aus je einem Abdruck der Sectionen
herzustellen, ohne dass dabei irgendwie die Genauigkeit der Karten gestört worden ist;
die Reliefs lassen sich ebenso lesen wie die ebenen Blätter. Dabei ist bei allen Gebirgs-
sectionen das natürliche Verhältnis der Höhen zu den Längen streng eingehalten worden,
nur bei den Blättern des flachen Leipziger Kreises und des Granulitgebietes wurde eine
1,6 bis 2 fache Ueberhöhung durchgeführt, da sonst die geringen Höhenunterschiede zu
wenig hervorgetreten wären.
Wer die Reliefs studirt, blickt gleichsam aus der Vogelperspective auf das Land
hinab mit seinen flachen und steilen Bfergen, mit seinen engen und breiten Thälern.
Er sieht aber noch mehr: die geologische Kartirung zeigt durch verschiedene Farben
ja noch zugleich die Zusammensetzung der Berge, das Material, aus dem sie bestehen,
an. Werfen wir einen Blick z. B. auf das Tableau mit dem Elb Sandsteingebirge , so
sehen wir, wie sich auf den Urgesteinen der südöstlichen Ecke des Erzgebirges die
Schichten des Quadersandsteins «‘lagern mit ihrem schwachen Einfallen nach NO, bis
sie dort auf dem rechtenUfer der Elbe an der grossen Lausitzer Verwerfung ein plötz-
liches Ende erreichen; man übersieht handgreiflich den Aufbau des Quadersandstein-
gebietes aus einzelnen Schichtensystemen, das Hervortauchen seiner Unterlage im tiefen
Elbthaleinschnitt nördlich von Tet sehen-, seine Zertheilung durch Erosion in die so
mannigfaltig gestalteten Berge der sächsischen Schweiz, man sieht die Berge und Thäler
vor sich mit ihren natürlichen Böschungen, und bei ganz schräger, einseitiger Beleuchtung
wie durch die aufgehende Sonne tritt auf diesem Tableau die ganze Oberflächenbeschaffenheit
des Gebietes vom hohen Schneeberg bis nach Pirna hin ganz vorzüglich hervor. Auf
Section Zittau-Oybin sehen wir auch dort das Quadersandsteingebiet plötzlich am alten
tiefer liegenden Granitgebiete abstossen, wir sehen die dortigen Basalt- und Phonolitli-
berge sich über ihre älteste Grundlage erheben, wir sehen an der tiefsten Stelle die
Braunkohlenformation auftreten; ein Blick auf das geologische Relief lehrt uns, die
Oberflächengestaltung der dortigen Gegend ihrer Entstehung nach begreifen. Prachtvoll
tritt auf der Section Oelsnitz die Widerstandsfähigkeit des Hofes umgewandelter Schiefer
gegen Verwitterung gegenüber dem Granitstock, der ihn erzeugt hat, hervor;, auf der
ebenen geologischen Karte kann man nur mit vieler Mühe unter den kräftigen, z. Th.
dunklen Farben der geologischen Darstellung die Höhencurven und die Höhenverhält-
nisse herausfinden — auf dem geologischen Relief liegt alles auf den ersten Blick klar
vor Augen. So lassen sich an jedem Gebiete, an jeder Section der geologischen Relief-
21
karte die interessantesten und auch für den Geologen von Fach werthvollen Studien
anstellen.
Das Königreich Sachsen hatte zuerst eine geologische Uebersichtskarte, die des
verewigten C. F. Naumann, aufzuweisen; die zweite Kartirung in grossem Massstabe und
unter Aufwand von viel Arbeit und Sorge und von viel Mitteln ist soeben vollendet,
und ihr Erfolg wird durch die bewundernswerthe Barth’sclie Reliefkarte in _ eindring-
lichster Weise Jedermann offenbart. Ist doch eine geologische Reliefkarte im natür-
lichen Massstabe der Höhen zu den Längen die vollkommenste Art der kartographischen
Darstellung des geologischen Aufbaues eines Landes.
Prof. H. Engelhardt giebt dem Wunsche Ausdruck, dass dieses müh-
sam hergestellte, ausgezeichnete Anschauungsmittel nicht in Privathänden
bleibe, sondern dem allgemeinen Studium zugänglich gemacht werde.
Oberlehrer Dr. R. Nessig macht den Vorschlag, aus der Isis heraus
den Antrag an das Ministerium zu stellen, diese Reliefkarte für Dresden
zu erwerben; in gleichem Sinne sprechen sich Prof. H. Engelhardt, Prof.
Dr. G. Helm, von Al vensleben, Dr. W. Bergt aus.
Die mineralogisch - geologische Section der Isis hält es darnach ein-
stimmig für äusserst wünschenswert!!, dass die geologische Reliefkarte von
Dr. 0. Ilarth erworben und der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werde.
Prof. H. Engelhardt legt eine Arbeit über Andrias -Reste aus
der böhmischen Braunkohlenformation von G. Laube, Prag 1897,
vor und
berichtet über neue von ihm untersuchte tertiäre Pflanzenreste
von Sardinien (vergl. Abhandlung VII).
IV. Section für prähistorische Forschungen.
Dritte Sitzung- ans 18. November 1897. Vorsitzender: Rentier
W. Osborne. — Anwesend 18 Mitglieder.
Dr. J. D'eichmüller berichtet über neue Erwerbungen der K. prä-
historischen Sammlung in Dresden.
Aus dem diluvialen Kalktuff von Ehringsdorf bei Weimar erhielt das
Museum durch Steinbruchsbesitzer Kämpfe ausser Resten von Elephas , Rhinoceros ,
Cervus und einem Yogelei mehrere Kalktuffstücke mit eingeschlossenen Holzkohlen,
Feuersteinsplittern und frisch zerschlagenen Kieselschief ergeröllen, welche darauf hin-
weisen, dass sich auch hier, wie in dem benachbarten Taubach, eine Niederlassung des
älteren Steinzeitmenschen befunden hat.
Von der durch H. Döring 1896 bekannt gewordenen neolithischen Fundstelle
auf dem Gaumnitzhügel bei Casabra südlich Oschatz werden eine Anzahl Stein-
geräthe und ein Gefässscherben mit Bandverzierung vorgelegt, welche Lehrer Gutte in
Casabra dort gesammelt und dem Museum geschenkt hat. In der daselbst angelegten
Kiesgrube ist im Sommer d. J. auch eine Herdstelle aufgeschlossen gewesen.
Im Herbst 1897 fanden Arbeiter auf einem der Firma T. J. Seidel gehörigen Felde
südwestlich von Laubegast beim Pflügen in ca. 40 cm Tiefe ein grösseres, einem
irdenen Gefässe eingelegtes Bronzedepot aus 36 Stücken im Gesammtge wicht von
« 6,07 kg. Der Fund besteht aus 4 Knopfsicheln, 10 Sicheln mit Nietlöchern und 5 Bruch-
stücken solcher, 4 angebrochenen Flügelkelten und 11 z. Th. zusammengehörigen Bruch-
stücken, sowie einem schadhaften, grösseren Ringe mit imitirter Torsion. Das zur Auf-
bewahrung benutzte doppelhenkelige Gefäss hat eine in den Gräberfeldern des Lausitzer
Typus sehr häufige Form. Der werth volle Fund ist von dem Besitzer des Feldes der
K. prähistorischen Sammlung als Geschenk überwiesen worden.
22
Der Vortragende legt ferner Abgüsse mehrerer Gefässsclierben vor, auf welchen
neben zwei senkrecht stehenden Kreuzen auch zwei Thierzeichnungen, Füchse oder
Hunde darstellend, eingeritzt sind. Die interessanten Stücke, deren nähere Beschreibung-
später erfolgen soll, stammen aus dem bekannten Gräberfelde von Stetzsch bei
Dresden.
Eine Beihe Gefässscherben von dem Wall auf dem Burgberg bei Zehren an
der Elbe beweisen, dass dieser Wall, wie die Heidenschanze bei Koschütz, ein doppel-
schichtiger ist, bereits vor der Völkerwanderung benutzt und später wieder von einer
slavischen Bevölkerung bewohnt worden ist.
Lehrer H. Döring spricht über neue Burgwallfunde vom Burg-
berg in Niederwartha.
In den letzten Jahren wurde infolge der Erweiterung des am Südhange gelegenen
Weinberges die Culturschicht aufs neue angeschnitten, und es fanden sich darin zahl-
reiche Gefässbruchstücke, an welchen die bekannten charakteristischen Verzierungen in
den verschiedensten Variationen zur Anwendung kommen. Unter den weiteren Funden
sind bemerkenswert!! ein eisernes Messer, dessen Knochengriff Punktverzierungen zeigt,
eine eiserne Pfeilspitze mit schneidenartiger Spitze und einige Thonscherben, deren
Masse mehr oder weniger reichlich Graphit beigemengt ist.
Lehrer 0. Ebert legt eine von der Provinzial- Commission zur Er-
forschung und Erhaltung der Kunstdenkmäler in der Provinz Hannover
1897 herausgebene Anschauungstafel: Vor- und frühgeschichtliche
Alterthümer aus der Provinz Hannover, vor und
bespricht zum Schluss vorgeschichtliche Funde aus der Gegend
von Kudenitz bei Saaz in Böhmen.
V. Section für Physik und Chemie.
Vierte Sitzung* am 7. October 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. W. Hall-
wachs. — Anwesend 104 Mitglieder und Gäste.
Geh. Hofrath Prof. Dr. W. Hempel spricht über Acetylen.
Der Vortragende geht aus von der Gewinnung des Calciumcarbids nach dem von
Wilson angegebenen, schon ziemlich wohlfeilen Verfahren, Glühen eines puiverförmigen
Gemisches von Kohle und kohlensaurem Kalk im elektrischen Ofen, wobei die an-
gewendeten Mengen der Gleichung
Ca C03 + 4 C = Ca C| + 3 CO
entsprechen müssen. Die Herstellung des Calciumcarbids nach diesem Verfahren und
die Zersetzung des erhaltenen Productes durch Wasser unter Entwickelung von brenn-
barem Acetylengas wird vorgeführt. Hieran schliessen sich Versuche über die An-
wendung des mit Hilfe von Calciumcarbid gewonnenen Acetylens zu Beleuchtungszwecken.
Durch mehrere Versuche wird der bedeutende Einfluss einer mehr oder weniger reich-
lichen Beimengung von Sauerstoff auf die Explosibilität des Gases erläutert, und ferner
gezeigt, wie auch ein Gehalt des Acetylens an selbstentzündlichem Phosphorwasserstoff,
eine Folge der Verarbeitung phosphorhaltigen Bohmateriales bei der Carbidgewinnung,
wohl zu beachtende Gefahren bringt. Die ausserordentliche Lichtentwickelung der
Acetylenflammen — eine Acetylenlampe brennt viermal so hell wie ein Auerbrenner —
und ihr jetzt schon niedriger Preis sprechen jedoch schon zu Gunsten des Acetylens.
Dasselbe würde namentlich für diejenigen Zwecke in Frage kommen, für welche heute
das Oelgas dient, wie für die Beleuchtung von Eisenbahnwagen und Seezeichen. Hinder-
lich ist nur der Umstand, dass, wie ein Versuch lehrt, das comprimirte Gas im Falle
einer Entzündung sich explosionsartig in seine Bestandtheile zerlegt, auch wenn es
keinen Sauerstoff enthält. Da aber die Versuche, dieses Hinderniss durch Verdünnen
mit anderen Gasen zu beseitigen, ergeben haben, dass ein Gemisch von 30% Acetylen
23
mit 70% Oelgas ohne Explosionsgefahr comprimirt werden kann, so ist nunmehr Aus-
sicht vorhanden, die bessere Leuchtkraft des Acetylens für die angegebenen Zwecke
nutzbar zu machen.
Es folgen Mittheilungen und Versuche über die explosiven Verbindungen des
Acetylens mit Metallen und über die unter Flammenerscheinung erfolgende Vereinigung
des Grases mit Chlor.
Bemerkt wird noch, dass das Calciumcarbid sich organischen Verbindungen gegen-
über durchaus nicht so reactionsfähig gezeigt habe, wie man mit Rücksicht auf sein
Verhalten zum Wasser gehofft hätte; dagegen seien die Carbide des Natriums reactions-
fähiger.
Der Vortragende macht noch einige Angaben über die Auflösung des Acetylens
in Aceton und ihr Verhalten bei höherem Drucke.
Im Anschluss an den Vortrag bemerkt Prof. Dr. F. Förster, nach
einer Mittheilung von Dr. Rathenau sei man in Bitterfelcl im Begriffe,
Calciumcarbid in continuirlichem Betriebe mittels einer dem Hochofen
ähnlichen Vorrichtung darzustellen.
Prof. Dr. E. von Meyer hält einen Vortrag über colloidales Silber.
Der Vortragende berichtet über Untersuchungen, welche er mit Dr. Lottermoser
angestellt hat, um die Bedingungen zu ermitteln, unter denen das colloidale, in Wasser
mit schwarzbrauner Farbe lösliche Silber in das unlösliche übergeht. Die Untersuchungen
sind von besonderem Interesse deshalb, weil es gelungen ist, das colloidale Silber durch
Salben in den Blutkreislauf einzuführen und damit seine antiseptischen Wirkungen in
alle Theile des Körpers zu tragen. In diesem Falle verhindern die Eiweissstoife des
Blutes den unerwünschten Uebergang* in die unlösliche Form, welchen das Chlornatrium
allein bewirken würde. Bei der Umwandlung des colloidalen Silbers in unlösliches durch
Säuren ergeben sich Beziehungen zu der Affinität der Säuren. Halogene führen das
colloidale Silber in die colloidalen Formen der entsprechenden Halogensilber Verbin-
dungen über. _
Fünfte Sitzung am 2. Becember 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. W.
Hall wachs. — Anwesend 52 Mitglieder.
Prof. Dr. F. Förster spricht über die elektrochemische Dar-
stellung von Jodoform.
Wie ein vorgeführter Versuch lehrt, lässt sich die elektrochemische Darstellung
von Jodoform in einer mit Soda versetzten Lösung von Jodkalium in verdünntem Alkohol
bei etwa 60° und bei Stromdichten von 1 — 3 Amp. / qdm bewerkstelligen, wenn der
Strom an einer Platinanode eintritt und an einer aus Platin oder Blei bestehenden, mit
Pergamentpapier zu umhüllenden Kathode austritt. Die Stromausbeute beläuft sich je
nach der gewählten Stromdichte auf 97 bis 80 %; die Aufarbeitung des Jodkaliums
kann ebenfalls bei geeigneter Leitung des Verfahrens bis zu 80% der angewandten
Salzmenge fortgeführt werden.
Im Anschluss hieran werden die Erscheinungen bei der Elektrolyse wässriger
J odkaliumlösungen erörtert; hierbei entsteht an der Anode Jod, an der Kathode unter
Wasserstoff entwickelung Kalilauge, welche mit dem Jod zu Kaliumjodid und Kalinm-
jodat sich umsetzt. Letzteres wird, im Gfegensatz zu Kaliumchlorat, durch den an der
Kathode auftretenden Wasserstoff zu Kaliumjodid reducirt. Diese sich entgegenwirkenden
Vorgänge führen im Allgemeinen schliesslich zu einem stationären Zustand im Elektro-
lyten, welcher alsdann den Strom leitet, ohne chemische Aenderungen zu erfahren. Die
Entstehung von unterj odigsaurem Kalium bei der Elektrolyse wässriger Jodkaliumlösungen
konnte bei der grossen Zersetzlichkeit des Salzes nicht unmittelbar festgestellt werden.
Dass sie aber als Zwischenstufe bei der Jodatbildung auftritt, zeigt die Entstehung des
Jodoforms, welche, wie gezeigt wird, das Vorhandensein von unterj odigsaurem Alkali
voraussetzt.
Prof. Dr. W. Hallwachs hält einen Vortrag über sein Diff erential-
spectrometer mit streifender Xncidenz und schildert die durch
Tornöe eingeführte Anwendung dieses Apparates zur raschen und sicheren
Bestimmung des Alkohol- und Extractgehaltes im Biere.
24
Derselbe berichtet ferner über die Erzeugung Hertz’scber Wellen
von möglichst geringer Wellenlänge (6 mm Lebedew) und die Aus-
sonderung ultrarot her Wellen von möglichst grosser Wellenlänge
(0,03 mm Rubens).
VI. Section für Mathematik.
Vierte Sitzung am 14. October 1897. Vorsitzender: Prof. B. Patt en-
tlausen. — Anwesend 11 Mitglieder.
Dr. PI. Gravelius spricht über Dynamik der Körpersysteme.
Der Vortragende giebt einige allgemeine Darlegungen zur Dynamik eines Systems
starrer Körper, d. i. einer beliebigen endlichen Menge von starren Systemen, die in
irgend welcher Abhängigkeit von einander oder auch vollkommen frei sein können, und
zeigt zunächst, dass die allgemeine Elementarbewegung eines solchen Systems dadurch
zu Stande kommt, dass jedes Individuum des Systems eine Windung um eine Axe
ausführt.
Es lässt sich dann nachweisen, dass eine solche Elementarbewegung eines Körper-
systems charakterisirt ist, wenn die Windungsamplitude eines als ersten augenommenen
Individuums aus dem System gegeben wird. Sind nämlich a1: a2, ... . die Axen für
den ersten , zweiten , . . . . Körper , so lassen sich immer Axen a1 2, ö2 3 , . . . . finden
von der Art, dass alt ax 2, a2, ferner a?: a23, a3 u. s. w. auf je einem Cylindroid liegen,
und ist dann die Amplitude der Windung um a15 so lassen sich vermöge eines ele-
mentaren Satzes die Amplituden a2, a8, mit Hilfe der eingeführten „inter-
mediären“ Axen a12, a28, . . . . bestimmen. Die Reihe der ursprünglichen Axen a*,
ajc, . . . . und der intermediären an wird von Sir .Robert Ball als Axenkette bezeich-
net, und es lässt sich dann vermöge des eben Gesagten die Elementarbewegung eines
Körpersystems als eine Windung um eine Kette bezeichnen. Ganz analog wird die
Wirkung eines Kräftesystems auf ein Körpersystem sich darstellen lassen als eine
Dyname auf einer Kette.
Es wird nun die Zusammensetzung von Windungen um Ketten und Dynamen auf
Ketten gezeigt und daraus der Begriff der Kettencoordinaten hergeleitet. Sind von
allen Ketten, um die ein System sich bewegen kann, nur n von einander unabhängig,
d. h. lässt sich keine der n Ketten aus 2 oder mehreren anderen der Gruppe herleiten,
so hat das System Freiheit wten Grades. Zur Beschreibung seiner Bewegung sind
dann n und nur n Coordinaten erforderlich, als welche die auf die einzelnen Fundamental-
ketten bezogenen Amplituden dienen, also «ü1), ....
Aus dem Ausdruck der Arbeit Äa, ß einer Dyname (auf der Kette «) in Bezug
auf eine Windung (um die Kette ß) wird der Begriff der reciproken Ketten (Aa, ß — 0)
und daran anschliessend der eines Systems von n coreciproken Ketten gewonnen. Ein
solches System wird von nun ab als Ooordinatensystem benutzt, wobei sich für Aa,p ein
sehr einfacher eleganter Ausdruck ergiebt.
Mit Hilfe dieser Coordinaten werden die Lagrange’schen Bewegungsgleichungen
für das Körpersystem gegeben. Aus einem von Sir Robert Ball aufgestellten Princip
wird sodann eine Bedingungsgleichung für die kinetische Energie liergeleitet. Das
angeführte Princip lässt sich so ausdriicken: Wenn ein um eine Kette sich bewegendes
Körpersystem angehalten, in eine benachbarte Position auf der Kette verschoben und
dann mit der ursprünglichen Geschwindigkeit um dieselbe Kette wieder in Bewegung
gebracht wird, so ist seine kinetische Energie wie ursprünglich. (Das Princip ist durch
Verallgemeinerung aus der Wahrnehmung gewonnen, dass die kinetische Energie eines
um eine feste Axe sich drehenden Körpers unabhängig ist von dem Anfangsazimuth,
von dem aus die Bewegung begonnen hat.) Mit Hilfe der vorhin erwähnten Bedingungs-
gleichung für die kinetische Energie werden die Lagrange’schen Gleichungen trans-
fonnirt und nach einigen weiteren Darlegungen über ein besonderes Ooordinatensystem,
dessen Elemente nicht nur coreciprok, sondern auch conjugirt sind, eine äusserst ein-
fache Form der Bewegungsgleichungen erlangt, welche den Euler’schen für die Drehung
eines Körpers um einen festen Punkt ganz analog sind.
25
Bei der Discussion dieser Gleichungen werden die Beziehungen zwischen im-
pulsiver und instantaner, Widerstands- und Beschleunigungskette besprochen und zum
Schlüsse wird noch eine kurze Darstellung der permanenten Windungsaxen eines Körper-
systems gegeben.
Fünfte Sitzung am 9 .December 1897. Vorsitzender: Prof. B. Patt en-
tlausen. — Anwesend 10 Mitglieder und Gäste.
Prof. Dr. G. Helm spricht über neuere mechanische Aufgaben
aus der Technik.
Föppl und sein Assistent Klein haben die elastische Laval’sche Turbinenwelle und
die Bewegung schnell umlaufender elastischer Hängespindeln theoretisch und . experi-
mentell untersucht (Civilingenieur von 1895). Der Vortragende .zeigt, wie man dieselben
Probleme mit Hilfe der zweiten Form der Lagrange’schen Differentialgleichungen der
Bewegung behandeln kann.
VII. Hau ptversammlungen.
Siebente Sitzung am 80. September 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. G.
Helm. — Anwesend 34 Mitglieder und Gäste.
Prof. Dr. G. Helm begrüsst die als Gäste der Isis erschienenen Theib
n eh in er an der 44. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner
in Dresden und
legt das neu erschienene Programm der K. Sächs. Bergakademie
zu Freiberg für 1897 — 98 vor.
Prof. Dr. 0. Drude hält den angekündigten Vortrag über; die für
den Schulunterricht wichtigsten Richtungen der modernen Bo-
t anik.
Das Thema des heutigen Vortrages ist mit Rücksicht auf die in unserm Dresden
weilenden Gäste aus den Kreisen deutscher Schulmänner gewählt, nicht etwa, uni eine
Discussion über die Methodik des botanischen Unterrichts herbeizuführen — welche mir
ganz fern liegt — sondern um zu bezeichnen, welche Ziele sich der Fachmann in diesem
Gebiete der Wissenschaft von der Schule geleistet zu sehen wünscht, damit die drei
hauptsächlichsten Punkte erreicht werden:
1. Achtung in den Kreisen der Gebildeten vor den Gegenständen, mit denen die
Botanik auch schon auf den Anfangsstufen ihres Unterrichts sich zu beschäf-
tigen hat;
2. Ueberlieferung einer Reihe nützlicher Kenntnisse aus dem weiten Umfange
botanischer Wissenschaft an die Schuljugend aller späteren Berufskreise und
ohne Rücksicht auf bestimmte Fachrichtungen;
3. Vorbereitung einer guten, in massigem Umfange gehaltenen Grundlage, auf
welcher bei den Naturwissenschaften- Studierenden dann um so erfolgreicher
der Hochschul -Unterricht auf bauen kann.
Diese Grundlage, weil ganz anders gehalten als in den Sprachwissenschaften,
bringt dann ganz von selbst einen Theil des G egengervichtes hervor, welches man von
Mathematik und Naturwissenschaften jenen gegenüber geleistet sehen will und welches
insbesondere für künftige Theologen, Philologen und Juristen nützlich weiterwirken soll.'
Was von diesen als erstrebenswert!! bezeichneten Zielen erreicht werden kann, ist
naturgemäss je nach dem Charakter der Schule und dem Klassenalter ihrer Schüler sehr
verschieden und diese Unterschiede hervorzuheben gehört nicht hierher. Mit Rücksicht
auf Punkt 3 denke ich selbst in diesem Vortrage an diejenigen Schulen, welche mit
Reifezeugniss für ein späteres Hochschulstudium abschliessen. — Der hier zu behandelnde
Gegenstand muss aber auch für unsere „Isis“ ein allgemeines Interesse haben, da mit
26
der Güte naturwissenschaftlichen Unterriclits auf den Schulen die Möglichkeit sich steigert,
in naturforschenden Gesellschaften die Mitglieder gut vorbereitet zu finden.
Wenn man für eine Wissenschaft Achtung und Liehe erwecken will, so ist es
nothwendig, ihren inneren Geist zu erkennen zu gehen, und nicht etwa nur die äussere
Form. Die Fehler, die in dieser Hinsicht auf botanischem Gebiete ziemlich allgemein
noch heute begangen werden, lassen sich gar nicht verkennen und betreffen hauptsächlich
das viel zu bedeutende Gewicht, welches der Namensgebung, den Nomenclaturfragen,
zugewendet wird. Und doch ist dies nur fachmännischer Apparat als Mittel zum Zweck,
und die Stunden in Botanik sollen durchaus nicht solche für Erlernen lateinischer Vocabeln
sein. Es ist zu hoffen, dass die jetzt eingetretene Bewegung für Schaffung einheitlicher
deutscher Pflanzenbenennungen für die Schule hier günstig einwirken und die Namen
auf das Nothwendigste beschränken wird.
Früher beschränkte sich der botanische Unterricht auf Organbeschreibung und
die im Anschluss daran erlernte methodische Bestimmungskunst. Ich möchte
vom Standpunkt der wissenschaftlichen Bedürfnisse diese Richtung als erste, formell
gut durchgebildete Grundlage nicht aufgeben, da sie ein positives Wissen und Können
schafft; nur darf sie nicht länger auf veraltetem Standpunkte beharren und muss dahin
streben, die Kenntniss des Linneeffschen Systemes völlig zu beseitigen. Bestimmungs-
schlüssel sind viel zweckmässiger auf jetziger Blüthenmorphologie aufzubauen und können
für die Schule, in weiser Beschränkung auf typische Auswahlen, viel leichter zum Ziele
führen, als unter Befolgung jener veralteten Methode. Nach meiner Meinung gehört
aber eine Anleitung zur Kenntniss der gesammten deutschen Flora überhaupt nicht in
die Schule, sondern in den Kreis besonderer Privatbeschäftigung oder fachmännischen
Studiums.
Würde nun nichts weiter betrieben als dieser Theil der Botanik, so wäre der Ver-
gleich nicht unpassend, dass gleichsam die Grammatik einer fremden Sprache getrieben
würde, ohne Lektüre der in ihr geschriebenen herrlichen Werke. Zur morphologischen
Systematik müssen auch in der Schule Biologie und Physiologie hinzutreten!
Ich weiss wohl, dass sich diese Forderung vielfach an der zu sehr beschränkten
Stundenzahl stösst, allein auf Umwegen kann man ihr doch wohl gerecht werden. In
der Schule können sehr wohl Fächer combinirt gelehrt werden, welche im Hochschul-
unterricht besonderen Professoren zugewiesen sind. Und so ist das nächstliegende,
die wichtigsten biologischen Kapitel über Anpassung, Vererbung, Fortpflanzung, Ab-
hängigkeit von äusseren Einflüssen ' und Schutzmitteln gegen dieselben in Botanik und
Zoologie zusammenzufassen und möglichst an das Ende des naturwissenschaftlichen Unter-
richts zu legen. Dadurch wird den Schülern hauptsächlich das Verständniss der organi-
schen Welt als einer besonderen, von der anorganischen himmelweit verschiedenen nahe
gelegt, und hierauf hat die heutige Wissenschaft besonderen Nachdruck zu legen.
Eine jReihe der wichtigsten experimental -physiologischen Vorgänge kann sodann
mit Leichtigkeit in den Stunden für Chemie und Physik in den oberen Klassen behandelt
werden, so besonders die überaus wichtige Ernährungslehre der Pflanzen in der Assi-
milation der Kohlensäure durch die chlorophyllhaltigen Zellen, die Eigenschaften des
Chlorophylls als eines spezifisch pflanzlichen Körpers, ferner die allen Organismen ge-
meinsame Athmungsthätigkeit unter Ausscheidung von Kohlensäure zu jeder Tageszeit.
Wenn dabei das Mikroskop gelegentlich zur Erklärung herangezogen oder auf Skioptikon-
Deinonstration von Präparaten eingegangen werden kann, so ist es um so besser; übrigens
leisten einige geschickt an der Wandtafel entworfene Figuren schon das Nothwendige.
Wird durch die vorstehend genannten Gegenstände der richtige Geist der Botanik
überliefert und Liebe zu ihr erweckt, so muss es sich schliesslich darum handeln, dem
Schüler auch eine Reihe positiver Kenntnisse aus der Pflanzenkunde mit auf den Weg
zu geben, die schliesslich gerade so Gegenstände der allgemeinen Bildung sein sollten,
wie der Besitz von Geschichtsdaten, Kenntniss von Einwohnerzahlen, politischen Grenzen
u. dergl. Es betrifft eine gute Auswahl aus der speziellen Pflanzenkunde.
Mit Vergnügen habe ich öfters bemerkt, wie die Lehrer schon im botanischen An-
fangsunterricht bemüht sind, ihren Schülern eine Kenntniss der einheimischen Baumarten
einzuprägen, damit sie lernen, die Elemente des deutschen Waldes im Ausdruck so
vieler landschaftlicher Schönheiten zu verstehen. Die geselligen Pflanzen und die Cultur-
arten des Vaterlandes sollten vor allen anderen zur besonderen Betrachtung herange-
zogen werden.
Ganz reicht aber auch dies nicht aus, und es bleibt vieles im Anschluss an den
geographischenünterricht zu sagen übrig, was von der grössesten Bedeutung für
das Verständniss des Welthandels im Austausch seiner Produkte und zugleich für den
wahren Charakter exotischer Länder ist. Bücher wie Humboldt’s „Kosmos“ liefern einen
27
Massstat) dafür, wie viel etwa von botanischen Charakterarten der Schnle zu erklären
übrig bleibt, nm znr Erhöhung der allgemeinen Bildung beizutragen. Jetzt ist auch
Deutschland ein Kolonien besitzendes .Reich geworden und zahlreiche Produkte ferner
Länder mischen sich mit den selbsterzeugten auf unseren Märkten; für diese hat der
Schüler naturgemäss ein grösseres Interesse, und dieses Interesse kann in Fortsetzung
des botanischen Anfangsunterrichts unter Verzicht auf die umständliche botanische Be-
schreibung und wissenschaftliche Namengebung leicht genährt werden. Es ist ja auch
diese Richtung gar nicht mehr neu, sondern zahlreiche Lehrmittelsammlungen für den
geographischen Unterricht bezeugen ihre stattgehabte Einbürgerung. —
Zusammenfassend halte ich also dafür, dass die Befreiung des botanischen Unter-
richts von unnöthigem Formalismus, namentlich von nomenclatorischem Beiwerk umfang-
reicherer Art, die Belebung der morphologischen Kapitel durch später folgende biologische,
die geschickte Vereinigung botanischer und zoologischer Charakterzüge und Weiterführung
dieses Unterrichts in einzelnen Abschnitten des chemischen und als Belebung der Geo-
graphie den wissenschaftlichen Interessen der Botanik dienen wird, so lange als dieser
Wissenschaft allein nur ein verhältnissmässig kleiner Spielraum als selbstständiger Schul-
disciplin eingeräumt werden kann.
Dabei ist der individuellen Neigung und Thätigkeit des Lehrers ein der erweiterten
Wissenschaft entsprechend erweitertes Feld gegeben, auf welchem er sich in eigener
Fortarbeit viel besser bethätigen kann, als in der früher herrschenden einseitigen Be-
schränkung.
An der sich anschliessenden Debatte betheiligen sich Oberlehrer
Dr. A. Witting, Prof. H. Engelhardt und Oberlehrer Taube -Naumburg.
Dr. II. Gravelius spricht über Wettertypen und Hochwasser-
prognosen.
Achte Sitzung am 28. October 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm.
— Anwesend 82 Mitglieder und Gäste.
Vorgelegt wird die Einladung zum 100jährigen Stiftungsfeste der
naturhistorischen Gesellschaft in Hannover.
Der Vorsitzende theilt mit, dass der II. Sächs. Alterthumsverein sich
bereit erklärt hat, die um Schutz der vorgeschichtlichen Alterthümer in
Sachsen ersuchenden Eingaben an die K. Ministerien gemeinschaftlich mit
der Isis zu unterzeichnen.
Prof. Dr. E. Kalkowsky berichtet eingehend über die Excursion
des VII. internationalen, in St. Petersburg tagenden Geologen-
Congresses in den Ural und bringt eine grosse Zahl trefflicher Photo-
graphien zur Ansicht.
Nennte Sitzung am 25. November 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. G.
Helm. — Anwesend 49 Mitglieder.
Der Vorsitzende macht darauf aufmerksam, dass nach Ablauf des
Jahres 1897 Hofbuchhändler H. Warn atz 25 Jahre lang ununterbrochen
dem Vorstande der Isis als Kassirer angehört hat. Der Vorsitzende wird
beauftragt, Herrn H. Warnatz den Dank der Gesellschaft für die lang-
jährige, mühevolle Verwaltung dieses Amtes schriftlich auszusprechen.
Das Ergebniss der hierauf statutengemäss vorgenommenen Neuwahl
der Beamten der Isis für 1898 ist auf S. 80 zusammengestellt.
Ingenieur Frz. Salb ach spricht über Gr und wasser unter be-
sonderer Berücksichtigung der Dresdner Wasserwerke.
28
Auf Antrag mehrerer Mitglieder beschliesst die Hauptversammlung,
die Osiris -Vereinigungen nach dem Restaurant des Hauptbahnhofs (böh-
mischen Bahnhofs) zu verlegen.
Zehnte Sitzung am 18. Decemher 1897. Vorsitzender: Prof. Dr. G.
Helm. — Anwesend 143 Mitglieder und Gäste.
Geh. Hofrath Prof. Dr. A. Töpler hält einen durch zahlreiche Ex-
perimente erläuterten Vortrag über Hertz’sche Wellen und Tele-
graphie ohne Drähte.
Im Namen des Verfassers überreicht der Vorsitzende als Geschenk
für die Gesellschaftsbibliothek das Werk von Dr. A. St übel: Die Vulkan-
berge von Ecuador, Berlin 1897, 4° und
giebt weiter eine Uebersicht über den gegenwärtigen Mitgliederbestand
der Isis, nach welcher die Zahl der Ehrenmitglieder 34, der wirklichen
Mitglieder 211 und die der correspondirenden 135 beträgt.
Zum Schluss wird eine Petition vorgelesen und zur Unterzeichnung
ausgelegt, in welcher Rath und Stadtverordnete von Dresden um Ankauf
des mikroskopischen Museums von W. Schubert ersucht werden,
um dieses werthvolle Institut der Stadt Dresden zu erhalten und der all-
gemeinen Benutzung dauernd zugänglich zu machen. Der Vorsitzende
wird beauftragt, die Petition im Namen der Gesellschaft zu unterzeichnen.
Veränderungen isn Mitgliederbestände.
Gestorbene Mitglieder:
Am 18. Juli 1897 starb in Harlem Dr. T. C. Winkler, Gustos am
dortigen Teyler Museum, correspondirendes Mitglied seit 1875.
Am 8. August 1897 starb in Klotzsche bei Dresden der geniale Schöpfer
der neuen Dresdner Bahnhofsanlagen Baurath Otto Klette, wirkliches
Mitglied seit 1893.
Am 2. September 1897 verschied in Dresden der Civilingenieur und
Fabrikbesitzer Emil Kelling, wirkliches Mitglied seit 1879.
Am 10. October 1897 starb in Pirna der Senior unserer correspon-
direnden Mitglieder, Hofrath Dr. med. Emil Bech. Unserer Gesellschaft
gehörte der Verewigte seit 1846 an.
Im 74. Lebensjahre verschied am 22. November 1897 Dr. Oskar
von Fr aas, Oberstudienrath und Director a. D. am K. Naturalien-Cabinet
zu Stuttgart, Ehrenmitglied seit 1867.
Am 5. December 1897 starb Consistorialrath Anton Buck, Pfarrer
an der katholischen Kirche in Dresden-N., wirkliches Mitglied seit 1871.
Neu auf ge nommene wirkliche Mitglieder:
Bartel, Alfr., Assistent am chemischen Laboratorium in Tharandt, -am
18. December 1897;
Beck, Heinr., Lehrer in Dresden, am 25. November 1897;
29
Drossbach, Gr. P., Dr. phil., in Deuben, am 28. October 1897;
Flachs, Rieh., Dr. med., in Dresden, ]
Grundier, Joh., Dr. med., in Dresden, / am 25. November 1897;
Hähle, H., Dr. phil., Chemiker in Radebeul, 1
Hoyer, E., Dr. phil., Realschul-Oberlehrer in Dresden,
Ludwig, Herrn,, Lehrer in Dresden, am 18.Decßmber
Mollier, Rieh., Dr. phil., Prof, an der K. Technischen 1897;
Hochschule in Dresden,
Polscher, A., Zahnkünstler in Dresden,
Schanz, Alfr., Dr. med., in Dresden,
Schöpf, Adolf, Betriebsdirector des zoologischen
Gartens in Dresden,
Streit, Willi., Verlagsbuchhändler in Dresden,
Umlauf, Karl, Dr. phil., Realgymnasial-Oberlehrer in Dresden, am 18. De-
cember 1897;
Wagner, P., Dr. phil., Realschul-Oberlehrer in Dresden, am 25. No-
vember 1897.
In die c or r es pondir enden Mitglieder sind übergetreten:
Neubert, Gust. Ad., Hofrath, Professor a. D., in- Klotzsche bei Dresden;
Schneider, Osk., Dr. phil., Professor a. D., in Blasewitz.
am 25. November
1897;
Freiwillige Beiträge zur Gesellschaftskasse
zahlten : Dr. A m t h o r , Hannover , 3 Mk. ; Oberlehrer Dr. ßaclimann,
Plauen i. V., 3 Mk. ; K. Bibliothek, Berlin, 3 Mk.; naturwissensch. Mo-
delleur Blaschka, Hosterwitz, 3 Mk. 5 Pf.; Ingenieur Carstens, Varel,
3 Mk. ; Privatus Eisei, Gera, 3 Mk.; Prof. Dr. Hib sch , Liebwerd, 3 Mk.;
Bürgerschullehrer Hofmann, Grossenhain, 3 Mk. ; Oberlehrer Dr. Lohr-
mann, Annaberg, 3 Mk.; Betriebs -Ingenieur Prasse, Leipzig, 6 Mk.;
Dr. Reiche, Santiago, Chile, 9 Mk.; Director Dr. Reidemeister, Schöne-
beck, 3 Mk. ; Oberlehrer Seidel I, Zschopau, 3 Mk.; Oberlehrer Seidel II,
Zschopau, 3 Mk.; Rittergutspachter Sieber, Grossgrabe, 3 Mk.; Fabrik-
besitzer Siemens, Dresden, 100 Mk.; Chemiker Dr. Stauss, Hamburg,
3 Mk.; Oberlehrer Dr. Sterzei, Chemnitz, 3 Mk. ; Privatdocent Dr. Steuer,
Jena, 3 Mk.; Oberlehrer Dr. Thallwitz, Pirna, 3 Mk. 5 Pf.; Baurath
Wiechel, Chemnitz, 3 Mk., Oberlehrer Wolf f, Pirna, 3 Mk. 5 Pf.; Prof.
Dr. Wünsche, Zwickau, 3 Mk. — In Summa 175 Mk. 15 Pf.
H. Warn atz.
BO
Beamte der Isis im Jahre 1898.
Vorstand.
Erster Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm.
Zweiter Vorsitzender: Prof. H. Engelhardt.
Kassirer: Hofbuchhändler H. Warn atz.
Directorium.
Erster Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm.
Zweiter Vorsitzender: Prof. H. Engelhardt.
Als Sectionsvorstände:
Dr. J. Deichmüller,
Prof. Dr. 0. Drude,
Prof. Dr. F. Förster,
Prof. Dr. E. Kalkowsky,
Prof. Dr. H. Nit sehe,
Prof. Dr. K. Rohn,
Erster Secretär: Dr. J. Deichmüller.
Zweiter Secretär: Oberlehrer K. Vetters.
Yerwaltimgsratli.
Vorsitzender: Prof. H. Engelhardt.
1. Civilingenieur und Fabrikbesitzer Fr. Siemens,
2. Geheimer Rath Prof. Dr. G. Zeuner,
3. Fabrikbesitzer L. Guthmann,
4. Privatus W. Putscher,
5. F abrikant E. Kiihnsche r f ,
6. Dr. Fr. Raspe.
Kassirer: Hofbuchhändler H. Warnatz.
Bibliothekar: Privatus K. Schiller.
Secretär: Oberlehrer K. Vetters.
Sectionsfoeamte.
I. Section für Zoologie.
Vorstand: Prof. Dr. H. Nit sehe.
Stellvertreter: Privatus K. Schiller.
Protokollant: Institutsdirector A. Thümer.
Stellvertreter: Dr. A. Naumann.
II. Section für Botanik.
Vorstand: Prof. Dr. 0. Drude.
Stellvertreter: Oberlehrer K. Wobst.
Protokollant: Garteninspector F. Le dien.
Stellvertreter: Dr. A. Naumann.
31
III. Seetion für Mineralogie und Geologie.
Vorstand: Prof. Dr. E. Kalkowsky.
Stellvertreter: Privatdocent Dr. W. Bergt.
Protokollant: Dr. H. Francke.
Stellvertreter: Oberlehrer Dr. K. Nessig.
IV. Seetion für Physik und Chemie.
Vorstand: Prof. Dr. F. Förster.
Stellvertreter: Prof. Dr. F. Pockels.
Protokollant: Oberlehrer Dr. Gr. Schulze.
Stellvertreter: Dr. R. Engelhardt.
V. Seetion für prähistorische Forschungen.
Vorstand: Dr. J. Deichmüller.
Stellvertreter: Rentier W. Osborne.
Protokollant: Taubstummenlehrer 0. Ebert.
Stellvertreter: Lehrer A. R. Bergmann.
VI. Seetion für Mathematik.
Vorstand: Prof. Dr. K. Rohn.
Stellvertreter: Oberlehrer Dr. A. Witting.
Protokollant: Oberlehrer Dr. J. von Vieth.
Stellvertreter: Privatdocent Dr. E. Naetsch.
Hedactioiis - Comite.
Besteht aus den Mitgliedern des Directoriums mit Ausnahme des
zweiten Vorsitzenden und des zweiten Secretärs.
Bericht des Bibliothekars.
Im Jahre 1897 wurde die Bibliothek der „Isis“ durch folgende Zeit-
schriften und Bücher vermehrt:
A. Durch Tausch.
I« Europa.
1. Deutschland.
Altenburg : Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes. — Mitteil., neue
Folge, 7. Bd. [Aa 69.]
Annaber g -Buchholz : Verein für Naturkunde.
Augsburg : Naturwissenschaftlicher Verein für Schwaben und Neuburg.
Bamberg: Naturforschende Gesellschaft.
Bautzen: Naturwissenschaft!. Gesellschaft „Isis“. — Bücherverzeichniss 1896.
[Ab 85.]
Berlin: Botanischer Verein der Provinz Brandenburg. — Verhandl., Jahrg.38.
[Ca 6.]
Berlin: Deutsche geologische Gesellschaft. — Zeitschr., Bd. 48, Heft 3
und 4; Bd. 49, Heft 1 und 2. [Da 17.]
Berlin: Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. —
Verhandl., Juni 1896 bis Juli 1897. [G 55.]
Bonn: Natur historischer Verein der preussischen Rheinlande, Westfalens
und des Reg. -Bez. Osnabrück. — Verhandl., 53. Jahrg., 2. Hälfte;
54. Jahrg., 1. Hälfte. [Aa 93.]
Bonn: Niederrheinische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. • — Sitzungs-
berichte, 1896, 2. Hälfte; 1897, 1. Hälfte. [Aa 322.]
Braunschiveig: Verein für Naturwissenschaft. — 10. Jahresber. für 1895 — 97.
'[Aa 245.]
Bremen: Naturwissenschaftlicher Verein. — Abhandl., Bd. XIV, Heft 1 — 2.
[Aa 2.]
Breslau: Schlesische Gesellschaft für vaterländische Cultur. — 74. Jahresber.,
1896, mit Ergänzungsheft bibliograph. Inhalts. [Aa 46.]
Chemnitz: Naturwissenschaftliche Gesellschaft. — 13. Bericht, 1892 — 95.
[Aa 20.]
Chemnitz: K. Sächsisches meteorologisches Institut. — Abhandl, Heft 2.
[Ec 57b.] — Klima des Königreichs Sachsen, Heft 4. [Ec 79.]
Danzig: Naturforschende Gesellschaft. — Schriften, Bd. IX, Heft 2. [Aa 80.]
Ot'j
O.)
Darmstadt : Verein für Erdkunde und inittelrheinischer geologische]'
Verein. — Notizbl., 4. Folge, 17. Heft. [Fa 8.]
Donauescliingen : Verein für Geschichte und Naturgeschichte der Baar und
der angrenzenden Landestheile.
Dresden : Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Jahresber., 1896 — 97.
[Aa 47.]
Dresden : K. Mineralogisch -geologisches und praehistorisches Museum. —
Mittheil., Heft XII-XIII. [Db 51.]
Dresden : K. Zoologisches Museum.
Dresden: K. OefTentliche Bibliothek.
Dresden: Verein für Erdkunde.
Dresden: K. Sächsischer Altertumsverein. — Neues Archiv für sächs.
Geschichte und Altertumskunde, Bd. XVIII. [G 75.]
Dresden : Oekonomische Gesellschaft im Königreich Sachsen. — Mittheil.,
1896- 97. |Ha 9.]
Dresden: K. Thierärztliche Hochschule. — Bericht über das Veterinärwesen
in Sachsen, 41. Jahrg. [Ha 26.]
Dresden : K. Sächsische Technische Hochschule. — Die Bibliothek der
Technischen Hochschule Dresden im Jahre 1896. [Je 101.] — Bericht
über die K. Sächs. Techn. Hochschule a. d. Jahr 1896 — 97. [Je 63.]
Dürkheim: Naturwissenschaftlicher Verein der Rheinpfalz „Pollichia“. —
LIIL— LIV. Jahresber.; Mitteil. Nr. 10 — 11. [Aa 56.]
Düsseldorf: Naturwissenschaftlicher Verein.
Elberfeld : Naturwissenschaftlicher Verein.
Emden: Naturforschende Gesellschaft. — 81. Jahresber., 1895 — 96. [Aa48.]
Emden: Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer. —
Jahrbücher, 11. — 12. Bd. [G 124.]
Erfurt: K. Akademie gemeinnütziger Wissenschaften. — Jahrbücher,
Heft XXIII. [Aa 263.]
Erlangen: Physikalisch-medicinischeSocietät. — Sitzungsber., 28. Heft, 1896.
[Aa 212.J
Frankfurt a. M.: Senckenbergische naturforschende Gesellschaft. — Bericht
für 1897. [Aa 9 a.]
Frankfurt a. M.: Physikalischer Verein. — Jahresber. für 1895 — 96. [Eb 35.]
Frankfurt a. 0.: Naturwissenschaftlicher Verein des Regierungsbezirks
Frankfurt. — „Helios“, 14. Bd. — Societatum litterae, Jahrg. X,
Nr. 7—12; Jahrg. XI, Nr. 1—6. [Aa 282.]
Freiberg: K. Sächs. Bergakademie. — Programm für das 132. Lehrjahr
1897- 98. [Aa 323.]
Freiburg i. B.: Naturforschende Gesellschaft.
Gera: Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften. — 36. bis
38. Jahresber. [Aa 49.]
Giessen: Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — 31. Bericht.
[Aa 26.]
Görlitz: Naturforschende Gesellschaft.
Görlitz: Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften. — Neues Lau-
sitzisches Magazin, Bd. 73, 1. Heft. [Aa 64.]
Görlitz: Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Oberlausitz.
Greifswald: Naturwissenschaftlicher Verein für Neu -Vorpommern und
Rügen. — Mittheil., 28. Jahrg., 1896. [Aa 68.]
Greif sivald: Geographische Gesellschaft.
**
34
Güstroiv: Verein der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg. —
Archiv, 49. — 50. Jahrg. [Aa 14.]
Halle a. S.: Naturforschende Gesellschaft.
Halle a. S.: Kais. Leopoldino-Carolinische deutsche Akademie. — Leopoldina,
Heft XXXII, Nr. 12; Heft XXXIII, Nr. 1-11. [Aa 62.]
Halle a. S.: Verein für Erdkunde. — Mitteil., Jahrg. 1897. [Fa 16.]
Hamburg : Natur historisches Museum.
Hamburg : Naturwissenschaftlicher Verein. — Abhandl., XV.Bd. [Aa293a.] —
Verhandl., III. Folge, 4. Heft, 1896. Aa 293b.]
Hamburg : Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung.
Hanau : Wetterauische Gesellschaft für die gesammte Naturkunde.
Hannover: Naturhistorische Gesellschaft.
Hannover : Geographische Gesellschaft.
Heidelberg: Naturhistorisch-medicinisch er Verein. — Verhandl., n. F., Bd. V,
Heft 5. [Aa 90.]
Hof: Nordoberfränkischer Verein für Natur-, Geschichts- und Landes-
kunde. — Bericht I, 1896. [Aa 325.]
Karlsruhe : Naturwissenschaftlicher Verein.
Kassel: Verein für Naturkunde.
Kassel: Verein für hessische Geschichte und Landeskunde, — Zeitschr.,
20. — 21. Bd. u. 11. Suppl.; Mittheil., Jahrg. 1894—95. [Fa 21.]
Kiel: Naturwissenschaftlicher Verein für Schleswig-Holstein. — Schriften,
Bd. 11, Heft 1. [Aa 189.]
Köln: Redaction der Gaea. — Natur und Leben, Jahrg. 33. [Aa 41.]
Königsberg i. Fr.: Physikalisch -ökonomische Gesellschaft. — Schriften,
37. Jahrg., 1896. [Aa 81.]
Königsberg i. Fr.: Altertums-Gesellschaft Prussia.
Landshut: Botanischer Verein.
Leipzig: Naturforschende Gesellschaft. — Sitzungsber. , Jahrg. 22 — 23.
[Aa 202.]
Leipzig: K. Sächsische Gesellschaft der Wissenschaften. — Berichte über
die Verhandl., mathem.-physikal. Klasse, 1896, IV— VI; 1897, I — IV.
[Aa 296.]
Leipzig: K. Sächsische geologische Landesuntersuchung.
Lübben: Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte. —
Mittheil., IV. Bd., Heft 7—8. [G 102.]
Lübeck: Geographische Gesellschaft und naturhistor. Museum. — Mitteil.,
2. Reihe, Heft 10 u. 11. [Aa 279b].
Lüneburg: Naturwissenschaftlicher Verein für das Fürstentum Lüneburg.
Magdeburg: Naturwissenschaftlicher Verein.
Mannheim: Verein für Naturkunde.
Marburg: Gesellschaft zur Beförderung der gesammten Naturwissenschaften.
— Sitzungsber., Jahrg. 1896. [Aa 266.]
Meissen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft,, Isis“. — Beobacht, d. Isis-
Wetterwarte zu Meissen i. J. 1896. [Ec 40.]
Münster: Westfälischer Provinzialverein für Wissenschaft und Kunst. —
24. Jahresber., Jahrg. 1895 —96. [Aa 231.]
Neisse: Wissenschaftliche Gesellschaft „Philomathie“.
Nürnberg: Naturhistorische Gesellschaft. — Jahresber. für 1896, nebst
Abhandl., X. Bd., Heft 5. [Aa 5.]
Offenbach: Verein für Naturkunde.
35
Osnabrück : Naturwissenschaftlicher Verein. — 11. Jahresber., 1895 — 96.
[Aa 177.]
Passau: Naturhis torisch er Verein.
Posen'. Naturwissenschaftlicher Verein. — Zeitschr. der botan. Abtheil. ,
2. Jahrg., Heft 2; 3. Jahrg., Heft 2; 4. Jahrg., Heft 1 — 2. [Aa 316.]
Regensburg : Naturwissenschaftlicher Verein.
Pegensburg : K. Bayerische botanische Gesellschaft. — Katalog der K. botan.
Gesellschaft in Regensburg, II. Teil. [Cb 42b.]
Peichenbach i. V.: Vogtländischer Verein für Naturkunde.
Pentling en: Naturwissenschaftlicher Verein.
Schneeberg: Wissenschaftlicher Verein.
Stettin: Ornithologischer Verein. — Zeitschr. für Ornithologie und prakt.
Geflügelzucht, Jahrg. XXI. [Bf 57.]
Stuttgart : Verein für vaterländische Naturkunde in Württemberg. — Jahres-
hefte, Jahrg. 55. [Aa 60.]
Stuttgart : Württembergischer Altertumsverein. — Württemberg. Viertel-
jahreshefte für Landesgeschichte, n. F., 5. Jahrg. [G 70.]
Tharandt: Redaction der landwirtschaftlichen Versuchsstationen. — Land-
wirtsch. Versuchsstationen, Bd. XLVIH, Heft 3—6; XLIX, Heft 1 — 3.
(In der Bibliothek der Versuchsstation im botan. Garten.)
Thorn: Coppernicus -Verein für Wissenschaft und Kunst. — 43. Jahresber.
[Aa 145.]
Trier: Gesellschaft für nützliche Forschungen.
Ulm: Verein für Mathematik und Naturwissenschaften.
Ulm: Verein für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben.
Weimar: Thüringischer botanischerVerein. — Mittheil;, n. F., 10. Heft. [Ca 23.]
Wernigerode: Naturwissenschaftlicher Verein des Harzes. — Schriften,
XI. Bd., 1896. [Aa 289.]
Wiesbaden: Nassauischer Verein für Naturkunde. — Jahrbücher, Jahrg. 50.
[Aa 43.]
Würzburg: Physikalisch-medicinische Gesellschaft. — Sitzungsber., Jahrg.
1896. [Aa 85.]
Zivickau: Verein für Naturkunde. — Jahresber. 1896. [Aa 179.]
2. Oesterreich-Ungarn.
Aussig: Naturwissenschaftlicher Verein.
Bistritz: Gewerbeschule.
Brünn: Naturforschender Verein, — Verhandl., Bd. XXXIV— XXXV und
14. — 45. Ber. der meteorolog. Commission. [Aa 87.]
Budapest: Ungarische geologische Gesellschaft. — Földtani Közlöny, XXVI.
köt., 11. — 12. füz.; XXVII. köt., 1. — lO. füz. [Da 25.]
Budapest: K. Ungarische naturwissenschaftliche Gesellschaft, und: Ungarische
Akademie der Wissenschaften.
Graz: Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark. — Mittheil., Jahrg.
1896. [Aa 72.]
Hermannstadt: SiebenbürgischerV erein für Naturwissenschaften. — V erhandl.
und Mittheil., XLVI. Jahrg. [Aa 94.]
Iglo: Ungarischer Karpathen-Verein.
Innsbruck: Naturwissenschaftlich-medicinischer Verein. — Berichte, 22.Jahrg.
[Aa 171. J
Klagenfurt : Naturhistorisches Landes -Museum von Kärnthen. — Jahrb.,
24. Heft. [Aa 42.] — Diagramme der magnet. meteorol. Beobacht, zu
Klagenfurt i. J. 1895 u. 1896. [Ec 64.]
Krakau : Akademie der Wissenschaften. — Anzeiger, 1896, Nr. 9—10; 1897,
Nr. 1-8. [Aa 302.]
Laibach : Musealverein für Krain.
Linz: Verein für Naturkunde in Oesterreich ob der Enns.
Linz : Museum Francisco -Carolinum. — 55. Bericht nebst der 49. Liefe-
rung der Beiträge zur Landeskunde von Oesterreich ob der Enns.
[Fa 9.]
Prag : Naturwissenschaftlicher Verein „Lotos“.
Prag’. K. Böhmische Gesellschaft der Wissenschaften. — Sitzungsber.,
mathem.-naturw. CL, 1896. [Aa 269.] — Jahresber. für 1896. [Aa 270.]
Prag : Gesellschaft des Museums des Königreichs Böhmen.
Prag: Lese- und Redehalle der deutschen Studenten.
Prag: Ceska Akademie Cisare Frantiska Josefa. — Rozpravy, Trida 11,
Rocnik 5. [Aa 313.] ■ — Bulletin international, classe des Sciences
mathematiques et naturelles, Nr. III. [Aa 313 b.j
Pressburg : Verein für Heil- und Naturkunde.
Reichenberg : Verein der Naturfreunde. — Mittheil., Jahrg. 28. [Aa 70.]
Salzburg: Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. — Mittheilungen,
Bd. XXXVI. [Aa 71.]
Temesvär: Südungarische Gesellschaft für Naturwissenschaften. — Termes-
zettudomänyi Füzetek, XXL köt. [Aa 216.]
Trencsin: Naturwissenschaftlicher Verein für das Trencsiner Comitat.
Triest : Museo civico di storia naturale.
Triest: Societä Adriatica di scienze naturali.
Wien: Kais. Akademie der Wissenschaften. — Anzeiger, Jahrg. 1896,
Nr. 27; 1897, Nr. 1—26. [Aa 11.]
Wien: Verein zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse. —
Schriften, Bd. XXXVII. [Aa 82.]
Wien: K. K. naturhistorisches Hofmuseum. ■ — Annalen, Bd. XI, Nr. 3 — 4;
Bd. XII, Nr; 1. [Aa 280.]
Wien: Anthropologische Gesellschaft. — Mittheil., Bd. XXVI, Heft 6;
Bd. XXVII, Heft 1—5. [Bd 1.]
Wien: K. K. geologische Reichsanstalt. — Verhandh, 1896, Nr. 13 — 18;
1897, Nr. 1—13. [Da 16.] - Jahrbuch, Bd. XIV— XVI; Bd. XVII, Heft 1.
[Da 4.]
Wien: K. K. geographische Gesellschaft.
Wien : K. K. zoologisch-botanische Gesellschaft. — Verhandl., Bd. XL VI,
10. Heft. [Aa 95.]
Wien: Naturwissenschaftlicher Verein an der Universität. — Mittheil., 1896.
[Aa 274.]
Wien: Central - Anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus. — Jahr-
gang 1894—1896. [Ec 82.]
3. Rumänien.
Bukarest: Institut meteorologique de Roumanie. — Annales, tomeXT, 1895.
[Ec 75.] — Buletinul meteorologica, 1896. [Ec 75 b.]
37
4. Schweiz.
Aarau : Aargauische naturforschende Gesellschaft.
Basel: Naturforschende Gesellschaft. — Verhandl., Bd. XI, Heft 3. [Aa 86.]
Bern: Naturforschende Gesellschaft. — Mittheil.. 1895, Nr. 1373 — 98; 1896,
Nr. 1399-1435. [Aa 254.]
Bern: Schweizerische naturforschende Gesellschaft. — ■ Verhandl. der 78.
[Zermatt 1895.] u. 79. [Zürich 1896.] Jahresversammlung. [Aa 255.]
Chur: Naturforschende Gesellschaft Graubündens.
Frauenfeld: Thurgauische naturforschende Gesellschaft.
Freiburg: Societe Fribourgeoise des Sciences naturelles.
St. Gallen: Naturforschende Gesellschaft. — Bericht für 1894 — 95.
[Aa 23.]
Lausanne: Societe Vaudoise des Sciences naturelles. — Bulletin, 3. ser.,
vol. XXXIX, no. 122; vol. XXXIII, no. 123 — 125. [Aa 248.]
Neuchatel: Societe des Sciences naturelles.
Schaffhausen: Schweizerische entomologische Gesellschaft. — Mittheil,,
Vol. IX, Heft 10; Vol. X, Heft 1. [Bk 222.]
Sion: La Murithienne, societe Valaisanne des Sciences naturelles.
Zürich: Naturforschende Gesellschaft. — Viertel] ahrsschr. , Jahrg. 41,
Supplement; Jahrg. 42, Heft 1 — 2. [Aa 96.]
Zürich: Schweizerische botanische Gesellschaft. — Berichte, Heft 7. [Ca 24.]
5. Frankreich.
Amiens: Societe Linneenne du nord de la France. — Bulletin mensuel,
tome XII, no. 271—282. [Aa 252.]
Bordeaux: Societe des Sciences physiques et naturelles.
Cherbourg : Societe nationale des Sciences naturelles et mathematiques.
Dijon: Academie des Sciences, arts et helles lettres.
Le Alans: Societe d’agriculture, Sciences et arts de la Sarthe. — Bulletin,
tome XXVII, fase. 4; tome XXVIII, fase. 1. .[Aa 221.]
Lyon: Societe Linneenne.
Lyon: Societe d’agriculture, d’histoire naturelle et des arts utiles.
Lyon: Academie nationale des Sciences, helles lettres et arts.
Paris: Societe zoologique de France. — Bulletin, tome XXL [Ba 24.]
Toulouse: Societe Frangaise de botanique.
6. Belgien.
Brüssel: Societe royale malacozoologique de Belgique.
Brüssel: Societe entomologique de Belgique. — Annales, tome 39 — 40.
[Bk 13.] — Memoires, tome III — V. [Bk 13 b.]
Brüssel: Societe royale de botanique de Belgique. — Bulletin, tome XXXV.
[Ca 16.]
Gembloux: Station agronomique de l’etat. — Bulletin, no. 61 — 63. [Hb 75.]
Lüttich : Societe geologique de Belgique.
7. Holland.
Gent: Kruidkundig Genootschap „Dodonaea“. — Botanisch Jaarboek,
8. Jaargang, 1896. [Ca 21.]
38
Groningen ; Naturkim dig Qenootschap. — 96. Verslag, 1896. [Je 80.]
Hartem: Musee Teyler. — Archives, ser. II, vol. V, p. 3. [Aa 217.]
Hartem : Societe Hollandaise des Sciences. — Archives Neerlandaises,
tome XXX, livr. 4-5; ser. II, tome I, livr. 1 — 3. [Aa 257.]
8. Luxemburg.
Luxemburg : Societe de botanique.
Luxemburg: Institut royal grand-ducal. — Publications, tome XXIY — XXY.
[Aa 144.]
Luxemburg : Verein Luxemburger Naturfreunde „Fauna“. — Mittheil., 1896.
[ßa 26.]
9. Italien.
Brescia: Ateneo. — Commentari per Fanno 1896. [Aa 199.]
Catania: Accademia Gioenia di scienze naturale. — Atti, ser. IV, vol, 9*
— Bullettino, fase. XLIV— XLIX. [Aa 149.]
Florenz: E. Instituto.
Florenz: Societa entomologica Italiana. — Bullettino, anno XXVIII, trim.
3-4. [Bk 193.]
Mailand: Societa Italiana di scienze naturali. — Atti, vol. XXXVI, fase. 3 — 4;
vol. XXXVII, fase. 1. [Aa 150.] — Memorie, tomo VI, fase. 1. [Aa 150b.]
Mailand: B, Instituto Lombardo di scienze e lettere. — Eendiconti, ser. 2,
vol. XXIX. [Aa 161.] .
Modena: Societa di naturalisti. — Atti, ser. 3, vol. XIV, fase. 2. [Aa 148.]
Padua: Societa Veneto Trentina di scienze naturali. — Atti, vol. III, fase. 1.
[Aa 193.]
Parma: Bedazione del Bullettino di paletnologia Italiana. — Bullettino,
ser. III, anno XXII, no. 7 — 12; anno XXIII. [G 54.]
Pisa: Societa Toscana di scienze naturali. — Memorie, vol. XV. [Aa 209. |
Pom: Accademia dei Lincei.
Pom : E. Comitato geologico d’Italia. — Bollettino, 1896, 4. trim. [Da 3.]
Turin: Societa meteorologica Italiana. — Bollettino mensuale, ser. II,
vol. XVI, no. 10 — 12; vol. XVII, no. 1 — 8. [Ec 2.]
Venedig : E. Instituto Veneto di scienze, lettere e arti.
Verona: Accademia d’agricoltura, arti e commercio. — Memoire, ser. III,
vol. LXXII, fase. 3-4. [Ha 14.]
10. Grossbritannien und Irland.
Dublin: Eoyal geological society of Irland.
Edinburg: Geological Society.
Edinburg: Scottish meteorological society.
Glasgoiv: Natural history society. — Proceedings and transaetions, vol. IV,
p. 3. [Aa 244.]
Glasgoiv: Geological society.
Manchester: Geological society. — Transaetions, vol. XXV, p. 1 — 11. [Da 20.]
Neiccastle-upon-Tyne: Tyneside naturalists field club, und: Natural history
society of Northumberland, Durham and N e wcastle-upon - Tyne.
39
11. Schweden, Norwegen.
Bergen: Museum. — Aarbog for 1896. [Aa 294.]
Christiania : Universität. — Barth, J. : Norronaskaller. Crania antiqua in
parte Orientali Norvigiae meridionalis inventa. [Aa 25.] — Den Norske
Nordhavs-Expedition 1876 — 78, Bd. XXIII u. XXIV. [Aa 251.]
Christiania : Foreningen til Norske fortidsmindesmerkers bevaring. — Aars-
beretning for 1895. [G 2.] — Kunst og bandverk fra Norges fortid,
Supplement VII. [G 81.]
Stockholm : Entomologiska Föreningen. — Entomologisk Tidskrift, Arg. 17.
[Bk 12.1
Stockholm’. K. Vitterhets Historie och Antiqvitets Akademien. — Antiquarisk
Tidskrift, Delen II— IX, Hft. 1-3; X, XI, 1-5; XII, XIII, 1-3;
XIV, 2—3; XV, 1-2; XVI, 1—3. [G 135.] — Mänadsblad, 1887—93.
[G 135 a.]
Tromsoe: Museum. — Aarshefter, XVIII. [Aa 243.]
Upsala: The geological institution of the university. - — Bulletin, vol. III, p. 1
(no. 5), 1895. [Da 30.]
12. Russland.
Ekatharinenburg : Societe Ouralienne d’amateurs des Sciences naturelles. —
Bulletin, tome XVIII, livr. 1; Rapports pour 1895. [Aa 259.]
Helsingfors : Societas pro fauna et flora fennica. — Meddel., Heft 22.
[Ba 20.] — Acta, vol. XI. [Ba 17.] — Botan. Sitzungsberichte, I — IV.
[Cd 110b.] — Herbar. musei fennici. II, musci. [Cd 110.]
Kharkow : Societe des naturalistes ä Funiversite imperiale. — Travaux,
tome XXX. [Aa 224.]
Kieiu : Societe des naturalistes.
Moskau: Societe imperiale des naturalistes. — Bulletin, annee 1896, no. 3—4;
annee 1897, no. 1. [Aa 134.]
Odessa: Societe des naturalistes de la N ouvelle-Russie. — Memoires, tome
XX, p. 2; tome XXI, p. 1. [Aa 256.]
Petersburg : Kais, botanischer Garten.
Petersburg : Comite geologique. — Bulletins, vol. XV, no. 5 — 9; vol. XVI,
no. 1 — 2; supplem. au tome XV. [Da 23.] — Memoires, vol. XIV, no. 2,
4, 5; carte geologique, feuille 114: Astrachan. [Da 24.]
Petersburg : Physikalisches Centralobservatorium. — Annalen, Jahrg. 1895.
[Ec 7.]
Petersburg: Academie imperiale des Sciences. — Bulletin, nouv. serie V,
tome III, no. 2—5; tome IV — VI; tome VII, no. 1. [Aa 315.]
Petersburg: Kaiserl. Russische mineralogische Gesellschaft. — Verhandle,
2. Ser., Bd. 32; Bd. 33, 2. Lief.; Bd. 34. [Da 29.] — Materialien zur
Geologie Russlands, Bd. XV HL [Da 29b.]
Piga: Naturforscher -Verein. — Korrespondenzblatt, XXXIX. [Aa 34.]
II« A. merika.
1. Nord-Amerika.
(Canada, Vereinigte Staaten, Mexiko.)
Albany: New York state museum of natural history. — Annual report 48.
[Äa 119.]
40
Baltimore: John Hopkins university. — University circulars, vol. XVI,
no. 128 — 133. [Aa 278.] — American journal of mathematics, vol. VIII,
no. 8—4. [Ea 38.] — American Chemical journal, vol. XVIII, no. 7 — 10;
vol. XIX, no. 1—4. [Ed 60.] — - Studies in histor. and politic. Science,
ser. XIV, no. 8 — 12; ser. XV, no. 1 — 2. [Fb 125.] — American journal
of philology, vol. XVII. [Ja 64.]
Berkeley : University of California. — Departement of geology, bulletin,
vol. 1, no. 12 — 14; vol. II, no. 1 — 3. [Da 31.] — Agriculturial experiment
Station, bull. 110, 111, 113—115; report of 1887 — 95. [Da 31b.|
Boston : Society of natural history. — Proceedings, vol. XXVII, p. 75 -330.
[Aa 111.]
Boston: American academy of arts and Sciences. — Proceedings, new ser.,
vol. XXIII. [Aa 170.],
Buffalo : Society of natural Sciences.
Cambridge : Museum of comparative zoology. — Annual report for
1895 — 1896. — Bulletin, vol. XXV III, no. 2 — 3; vol. XXX, no. 2 — 6;
vol. XXXI, no. 1-4; vol. XXXII, no. 1. [Ba 14.]
Chicago : Academy of Sciences. — Bulletin, vol. II, no. 1; 39. annual report,
1896. [Aa 123b.]
Chicago : Field Columbian Museum. — Publications 1 — 11, 14 — 20; second
annual exchange catalogue for 1897 — 98. [Aa 324.]
Bavenport: Academy of natural Sciences. — Proceedings, vol. VI. [Aa 219.]
Halifax: Nova Scotian institute of natural Science. — Proceedings and
transactions, 2. ser., vol. II, p. 2. [Aa 304.]
Madison: Wisconsin Academy of Sciences, arts and letters.
Mexiko: Sociedad cientifica „Antonio Alzate“. — Memorias y Bevista,
tomo VIII, cuad. 9 — 12; tomo IX, cuad. 11 — 12. [Aa 291.]
Milwaukee : Wisconsin natural history society. — Public- Museum of the
City of Milwaukee, 14. ann. report. [Aa 233b.]
Montreal : Natural history society. — The canadian record of Science,
vol. VII, no. 3 — 4. [Aa 109.]
New-Haven: Connecticut academy of arts and Sciences.
Neiv- York: Academy of Sciences. — Annals, vol. IX, no. 4-5. [Aa 101.] —
Transactions, vol. XV. [Aa 258.]
New -York: American museum of natural history.
New- York: State geologist. — 14. report. [De 232.]
Philadelphia: Academy of natural Sciences. — Proceedings, 1896, p. II— III;
1897, p. I. [Aa 117.]
Philadelphia: American pbilosophical society. — Proceedings, vol. XXXV,
no. 151 — 152; vol. XXXVI, no. 154. [Aa 283.]
Philadelphia: Wagner free institute of Science.
Philadelphia: Zoological society. — Annual report 25. [Ba 22.]
Pochester: Academy of Science.
Pochester: Geological society of America. — Bulletin, vol. VIII. [Da 28.]
Salem: Essex Institute.
San Francisco : California academy of Sciences. — Proceedings, 2. ser.,
vol. VI; 3. ser., vol. I, no. 1 — 3. [Aa 112.]
St. Louis: Academy of Science. — Transactions, vol. VII, no.4 -16. [Aa 125.]
Topeka: Kansas academy of Science.
Toronto: Canadian institute. — Proceedings^ 5. ser., vol. I, p. 1. [Aa 222b.]
Tuffs College: Studies,
41
Washington : Smithsonian Institution. — Annual report, 1894 — 95. [Aa 120.]
Washington : United States geological survey. — XVI. — XVII. annual report,
1893—1895. [De 120 a.]
Washington : Bureau of education. — Report of 1894—95. [Je 103.]
Washington : Geograph, and geolog. survey of the Rocky mountain region.
2. Süd -Amerika.
(Argentinien, Brasilien, Chile, Costarica.)
Buenos- Aires\ Museo nacional. — Anales, tomo V; Memoria, 1894 — 97.
[Aa 147.]
Buenos -Aires: Museo de La Plata.
Buenos- Aires: Sociedad cientifica Argentina. — Anales, tomo XLIII;
tomo XLIV, entr. 1 — 4. [Aa 230.]
Cordoba: Academia nacional de ciencias. — Boletin, tomo XIV, entr.
1—3. [Aa 208 b.]
Montevideo: Museo nacional. — Anales IV — VII. [Aa 326.]
Rio de Janeiro: Museo nacional. — Archivos, vol. VIIL [Aa 211. |
San Jose: Instituto fisico-geografico y del museo nacional de Costa-Ilica. —
Informe 1896—97. [Aa 297.]
Säo Paulo: Commissao geographica e geologica do estado de S. Paulo.
La Plata: Museum. — Revista, tomo VI — VII. [Aa 308.]
I,a Plata: Redaction der Revista argentina de historia natural.
Santiago de Chile: Deutscher wissenschaftlicher Verein. — Verhandl.,
Bd. III, Heft 3—4. [Aa 286.]
111. Asi e n.
Batavia: K. natuurkundige Vereeniging. — Natuurk. Tijdschrift voor
Nederlandsch Indie, Deel 56. — Boekwerken, 1896. [Aa 250.]
Calcutta: Geological survey of India. — Records, vol. XXIX, no. 4;
vol. XXX, no. 1 — 3. [Da 11.]
Tokio: Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens. —
Mittheil., Bd.VI, Heft 58 — 60; 4. Supplem. zu Bd. VI; Supplem.: Ehmann,
Japan. Sprichwörter, Th. I. [Aa 187.]
IV. Australien.
Melbourne: Mining department of Victoria. — Annual report of the secretary
for mines, 1896. [Da 21.]
B. Durch Geschenke.
Arnold , F. : Lichenenflora von Labrador. - — München 1896. [Ce 34b.]
Coniuentz , H. : Die Moorbrücken im Thale der Sorge. 1897. G 131b.]
Engelhardt , B. v.\ Observatoire et villa Engelhardt a Dresde. [Ja 62.]
42
Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz: lieber Berg und Thal, 227 — 236.
[Fa 19.]
Geinitz , E. : XVI. Beitrag zur Geologie Mecklenburgs. Sep. 1896. [De 201.]
Geinitz, E.\ Mittheil. a. d. Grossherzogi. Mecklenburgischen geologischen
Landesanstalt. Die Dünen der südwestl. Heide Mecklenb., u. über
die mineralogische Zusammensetzung der diluvialen u. alluvialen Sande.
[De 217.]
Girard, R. de: Le caractere naturel du deluge. Fribourg 1897. [De 223b.]
Hauser, Er.: Theoretische Studien über Wasser u. seine Verwandt. Sep. 1897.
[Eb 45.]
Jentzsch , A.: Das Interglacial bei Marienburg u. Dirschau. Sep. 1896.
[De 114 aa.]
Köhlers Nützliche Vogelarten und ihre Eier, Sep. 1896. [Bf 70.]
Kowarz, F.\ Verzeichniss der Fliegen Böhmens. 1894. [Bk 241.]
Lamprecht, G.: Wetterperioden. Sep. 1897. [Ec 86.]
Laska, V.: Vyssi geodesie. Prag 1896. [Ea 44.]
Lorenz, Th.: Verzeichniss zur Sammlung abnormer und hybrider Wild-
hühner. 1895. [Bf 69.]
Mehlis , C.: Der Drachenfels bei Dürkheim. II. Abth., 1897. [G 59 b.'
Mexico: Instituto geologico. — Bosquejo geologico de Mexico. [Da 32.
Nessig, W. R.: Geologische Excursionen in der Umgegend von Dresden.
Progr. I. Teil, 1897. [De 236.]
Ferner, J.: Foraminiferen der Weissenberger Schichten. 1896. [Dd 140 b.]
Raleigh: Elisha Mitchell scientific society. — Journal, vol. XIII. [Aa 300.]
Sanchez, A.: Observat. meteorol. 1897. [Ec 81.]
Sars, G.: An account of the Crustacea of Norway, vol. II, p. 5 — 8. [Bl 29 b.]
Siemens, E.: 8 Abhandl. über gas-technische Gegenstände. (Geschenk von
Dr. Deichmüller.] [Hb 109 d—1.]
Sterzei, S. T.: Beiträge zur Kenntniss der Medulloseae. Sep. 1896. [Dd 93h.]
Stirling, S. : Inaugural adress. Session 1896. [De 235.]
Stossich, M.: Elminti, in un Orthagoriscus mola. Sep. 1896. [Bm 54 x.]
Stossich , M.\ Ricerche elmintologiche. Sep. 1896. [Bm 54y.]
Stossich, M.: Filarie e Spiroptere. Monografia, 1897. [Bm 54z.]
Stossich, M.: Note parassitologische. Sep. 1897. [Bm 54 aa.]
Stiibel, A.: Die Vulkanberge von Ecuador. 1897. [De 237.]
TJpsala: Zoologiska Studier. Festskrift, 1896. [Bb 61.]
Vayssiere, A. : Etüde sur le Temnocephalus. [Bm 56.]
C. Durch Kauf.
Abhandlungen der Senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft, Bd.XX,
Heft 1; Bd. XXIII. [Aa 9.]
Anzeiger für Schweizer Alterthümer, Jahrg. XXX, Nr. 1. [G 1.]
Anzeiger, zoologischer, Jahrg. XX. [Ba 21.]
Bronn' s Klassen und Ordnungen des Thierreichs, Bd. II, Abth. 2, Lief. 15 — 17 ;
Bd. II, Abth. 3 (Echinoderm.) , Lief. 20- — 21; Bd. III (Mollusca),
Lief. 25 — 29; Supp]., Lief. 6 — 10; Bd. IV (Vennes), Lief. 48 — 55; Suppl.,
Lief. 1 — 4; Bd. VI, Abth. 5 (Mammalia), Lief. 45 — 50. [Bb 54.]
Hedivigia, Bd. 36. [Ca 2.
penclub. Jahrg. 32. [Fa 5.]
Jahrbuch des Schweizer A'
43
Monatsschrift , deutsche botanische, Jahrg. 15. [Ca 22.]
Nachrichten , entomologische, Jahrg. 13. [Bk 235.] (Vom Isis-Lesezirkel.)
Natur , Jahrg. 45. [Aa 76.] (Vom Isis-Lesezirkel.)
Prähistorische Blätter , Jahrg. IX. [G 112.]
Wochenschrift , naturwissenschaftliche, Bd. XII. [Aa 311.] (Vom Isis-Lese-
zirkel.)
Zeitschrift für die gesaminten Naturwissenschaften, Bd. 69, Nr. 5 — 6;
Bd. 70, Nr. 1—2. [Aa 98.]
Zeitschrift für Meteorologie, Bd. 15. [Ec 66.]
Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroskopie, Bd. XIII, Heft 3—4; Bd. XIV,
Heft 1—2. [Ee 16.]
Zeitschrift , Oesterreichische botanische, Jahrg. 47. [Ca 8.]
Zeitung , botanische, Jahrg. 55. [Ca 9.]
Abgeschlossen am 31. December 1897.
C. Schiller,
Bibliothekar der „Isis“.
Zu besserer Ausnutzung unserer Bibliothek ist für die Mitglieder der
„Isis“ ein Lesezirkel eingerichtet worden. Gegen einen jährlichen Beitrag
von 3 Mark können eine grosse Anzahl Schriften bei Selbstbeförderung
zu Hause gelesen werden. Anmeldungen nimmt der Bibliothekar entgegen.
Abhandlungen
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1897.
VI. Ueber Massregeln zur Erhaltung und Erforschung
der urgeschichtlichen Altertliümer im Königreich
Sachsen.
Yon Dy. J. Deicbmüller.
Die geschichtlich verbürgten Nachrichten über die Entwickelung
unseres Volkes fliessen um so spärlicher, je früheren Zeiten sie ent-
stammen, und für die älteste Vergangenheit versiegen die Quellen der
Ueb erlief erung gänzlich. Nur dunkle Andeutungen, welche die Sage giebt,
und gelegentlich im heimischen Boden gefundene Gegenstände unbekannter
Herkunft, welche aber zweifellose Spuren menschlicher Arbeit und Kunst-
fertigkeit an sich tragen, beweisen, dass unsere Gegenden bereits zu einer
Zeit, die weit vor dem Beginne der Geschichte zurückliegt, von Menschen
bewohnt waren.
Schon frühzeitig haben diese Zeugen einer urgeschichtlichen Ver-
gangenheit unseres Volkes die Aufmerksamkeit denkender Menschen erregt,
doch erst der Gegenwart ist es Vorbehalten geblieben, das Interesse für
dieselben zu verallgemeinern, in weitere Kreise zu tragen und den hohen
Werth dieser oft unscheinbaren Ueberreste für die Erforschung der Ur-
geschichte zu würdigen. Sind die von so Manchem bespöttelten Scherben
und Urnen, mangels schriftlicher Aufzeichnungen, oft doch die einzigen
und letzten Zeugen des Vorlebens unserer Nation 1
Es muss daher die Pflicht eines jeden Vaterlandsfreundes sein, dafür
Sorge zu tragen, dass diese spärlichen Ueberreste nicht vernichtet werden,
sondern erhalten bleiben, und die letzten Erinnerungen an ein unter-
gegangenes Geschlecht gesammelt werden. Denn nur hierdurch wird es
möglich, das über der Urgeschichte unseres Landes schwebende Dunkel
allmählich zu lichten und aus den schweigenden Zeugen der Vergangenheit
die Geschichte seiner Bevölkerung zu erforschen.
Die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der rasch lebenden
Gegenwart mit ihren gewaltigen Fortschritten auf den Gebieten der
Technik, der Industrie und der Landwirtschaft üben nun einen geradezu
vernichtenden Einfluss auf das aus, was an altehrwürdigen Resten einer
urgeschichtlichen Vergangenheit noch erhalten ist, und es ist hohe Zeit,
dafür zu sorgen, dass die urgeschichtlichen Denkmäler, soweit sie noch
vorhanden sind, mit allen Mitteln vor der Vernichtung geschützt oder,
wenn ihre Beseitigung nicht zu umgehen ist, wenigstens der wissenschaft-
lichen Forschung der Gegenwart und Zukunft in Sammlungen erhalten
bleiben.
50
Die immer weiter fortschreitende Entwickelung unseres Eisenbahn-
und Strassennetzes giebt sehr oft Veranlassung zur Entdeckung uralter
Grabstätten, deren Bedeutung und Werth nur in den seltensten Fällen
erkannt werden. Die im Erdboden ruhenden Urnen mit den Gebeinen
unserer Vorfahren und den über den Culturzustand derselben vor Tausenden
von Jahren Aufschluss gebenden, meist unscheinbaren Schmuck- und Ge-
hrauclisgegenständen werden zumeist von den Arbeitern aus Unkenntniss
oder in der Erwartung, darin Geld oder Werthsachen zu finden, zer-
schlagen; die hei den Wasserbauten und Stromregulirungen sich nicht
selten in den Flussgeröllen findenden, durch weiten Transport im fliessenden
Wasser oft abgerollten und mehr oder weniger unkenntlich gewordenen
uralten Stein- und Bronzegeräthe werden achtlos bei Seite geworfen oder
wandern mit dem Flussschotter in die Ausfüllungsmassen von Untiefen
oder in die Anschüttungen von Strassen- und Eisenbahnkörpern, in deren
Innerem sie dann für immer verschwinden, wenn nicht zufällig das Auge
eines kundigen Ingenieurs sie vorher erblickt oder ihre eigentümliche
Form und ihr Material den Finder veranlasst, sie als Merkwürdigkeit auf-
zuheben oder zu verkaufen, sodass sie in der Folge der wissenschaftlichen
Forschung noch zugänglich werden. In gleicher Weise bewirkt die Forst-
wirtschaft mit ihren ausgedehnten Bodenveränderungen und Rodungen,
dass immer mehr urgeschichtliche Denkmäler verschwinden. Besonders
häufig geschieht dies durch die moderne Landwirtschaft, deren verbesserte
Hilfsmittel viel tiefer als die früheren in den Boden eindringen. Nur
selten werden die beim Ackern vom Pfluge angeschnittenen, unter der
Ackerkrume verborgenen Feuerstätten beachtet, an denen die Bewohner
unseres Landes in der Steinzeit vor mehr als 3000 Jahren gesessen und
in denen sie Hunderte von Gefässscherben, zerbrochene Steingeräthe und
mancherlei Reste des täglichen Gebrauchs als letzte Zeugen ihrer An-
wesenheit zurückgelassen haben. Vereinzelte, durch die Pflugschar zu Tage
geförderte Steinwerkzeuge werden beim Ablesen der Felder auf die Stein-
haufen an den Rainen und Buschrändern geworfen, wo sie entweder dem
Hammer des Steinklopfers verfallen und zur Wegbesserung verwendet oder
beseitigt werden, wenn bei den in der Jetztzeit häufigen Grundstücks-
zusammenlegungen die Geröllhaufen mit den Feldrainen verschwinden. Die
Gräberfelder der Metallzeit werden beim Pflügen zerstört, die zu Tage
kommenden Gefässscherben bleiben unbeachtet liegen, bis atmosphärische
Einflüsse sie zerstören oder unkenntlich machen, ohne dass ihr Vorkommen
zuvor bekannt geworden ist und zu wissenschaftlicher Nachforschung Ver-
anlassung gegeben hat. Die oft ausgedehnten Schanzen und Wälle, deren
Anlage zumeist durch die während der Völkerwanderung eingewanderten
Slaven in der zweiten Hälfte des ersten nachchristlichen Jahrtausends
erfolgte und die unzweifelhaft die reichsten Fundgruben für die Be-
urtheilung der Cultur jener Zeit sind, werden abgetragen und geebnet,
weil sie entweder ein Hinderniss für die Bestellung der Fluren bilden oder
ihr aus Lehm, Mergel, Asche, Knochen etc. bestehendes Material sie in
hohem Grade zur Verbesserung des Bodens geeignet macht.
Unzählige dieser urgescliichtlichen Denkmäler sind bereits ver-
schwunden, ihr ehemaliges Vorhandensein wird theils durch Sagen an-
gedeutet, die sich an die Oertlichkeit knüpfen, theils ist es noch einzelnen
älteren Leuten bekannt, mit deren Ableben aber auch jede Erinnerung an
dieselben verschwinden wird; andere fallen in der Jetztzeit der Zerstörung
51
anheim. Wenn die Wissenschaft der Zukunft den jetzigen Geschlechtern
nicht mit Recht den Vorwurf machen soll, dass sie aus Theilnahmlosigkeit
die ehrwürdigen Zeugen der Vergangenheit zu Grunde gehen Hessen, wenn
die Erforschung der Urgeschichte unseres Volkes nicht für immer lückenhaft
oder auf unsicheren Combinationen begründet bleiben soll, ist es dringend
nothwendig, bei Zeiten für durchgreifende Massregeln zum Schutze und
zur wissenschaftlichen Durchforschung unserer Urgeschichtsdenkmäler Sorge
zu tragen. Denn fast täglich ist dem Fachmann Gelegenheit geboten, zu
beobachten, wie unsere heimischen Alterthümer nicht allein von Arbeitern,
sondern auch von Leuten, bei denen man auf Grund ihrer Bildung wohl
ein höheres wissenschaftliches Interesse voraussetzen könnte, aus Un-
kenntnis vernichtet oder aus reinem Sammlerinteresse in einer für wissen-
schaftliche Zwecke völlig ungeeigneten Weise dem heimischen Boden ent-
nommen, wie die gefundenen Gegenstände verschleppt, zum Theil ins
Ausland weggeführt, wie sie in Privatsammlungen aus Unwissenheit und
Nachlässigkeit derart behandelt werden, dass der Besitzer nach Jahren
oft selbst oder nach seinem Ableben dessen Erben nicht mehr wissen,
woher die nicht selten unschätzbaren Funde stammen, wie in Folge einer
derartigen Behandlung alljährlich eine grössere Zahl urgeschichtlicher
Reste für die Wissenschaft verloren geht.
Deshalb ist es wohl ein Gebot der Nothwendigkeit, dass hierin recht-
zeitig eine Wandelung herbeigeführt werde vor Allem dadurch, dass in
den weitesten Kreisen die nöthigen Kenntnisse über die Bedeutung und
den wissenschaftlichen Werth und über eine sachgemässe Behandlung
unserer Alterthumsfunde verbreitet und dass dieselben, soweit es möglich,
gesetzlich gegen Zerstörung geschützt werden. Dass dies nur von Seiten
des Staates geschehen kann, ist wohl zweifellos, wenn überhaupt ein Erfolg
erreicht werden soll.
In der richtigen Erkenntniss von der Wichtigkeit vorgeschichtlicher
Alterthümer für die Klarlegung der Urgeschichte eines Landes haben nun
verschiedene Staaten bereits seit Jahren durch Gesetze und Verordnungen
für Erhaltung und Schutz der vorgeschichtlichen Denkmäler, für Belehrung
der Bevölkerung in ausgedehntem Masse und für Inventarisirung der
innerhalb der Landesgrenzen noch vorhandenen und zerstörten urgeschicht-
lichen Reste, soweit letztere noch bekannt waren, gesorgt, so in den
skandinavischen Ländern, in Preussen, Bayern, Württemberg, in den
Ländern der österreichischen Monarchie. In Schulen und Seminarien wird
den Schülern durch Wandtafeln, auf welchen die charakteristischen Typen
verschiedener urgeschichtlicher Zeitabschnitte dargestellt sind, Anleitung
gegeben, worauf vor Allem zu achten ist; die bei Staatsbauten, im Forst-
wesen und staatlichen Landwirtschaftsbetriebe beschäftigten Techniker
und Beamten sind auf dem Verordnungswege angewiesen, die gelegentlich
gefundenen Alterthümer sofort einer staatlichen Centralstelle oder der
Direction einer Staatssammlung anzuzeigen und es dieser hierdurch zu
ermöglichen, rechtzeitig die zur Ausbeutung der Fundstelle nöthigen Mass-
regeln zu ergreifen; strenge Verbote verhindern, dass Unberufene durch
unvorsichtige Ausgrabung die auf Staats- oder Gemeindegrund gelegenen
Denkmäler einer unbekannten Vorzeit beschädigen; vor Allem werden auch
die im Lande vorhandenen urgescliichtlichen Reste inventarisirt, ehe sie der
V ernichtung anheimfallen. Unschätzbare Erfolge der letzteren Massregel sind
die werthvollen vorgeschichtlichen Fundkarten, welche z. B. unter Beihilfe
52
der Staatsregierungen für Westpreussen, die Mark Brandenburg, Hannover,
Bayern, Holienzollern, Thüringen bereits erschienen oder in Vorbereitung sind.
Innerhalb des Königreichs Sachsen ist in dieser Hinsicht bisher nur
sehr wenig gethan worden; das Wenige beschränkt sich auf einige Ver-
ordnungen, durch welche die Verwaltungsbehörden des Landes aufgefordert
werden, derartige, bei staatlichen Bauten gemachte Funde zur Anzeige
zu bringen, leider jedoch nicht bei den Staats- Sammlungen (Verordnung
vom 1L Mai 1872). Welch’ geringen Erfolg diese Verordnungen gehabt
haben, beweist z. B. der Fall, dass beim Bau des neuen Bahnhofes in
Dresden -Friedrichstadt ein ausgedehntes Urnengräberfeld entdeckt wurde,
aus welchem die Arbeiter Hunderte von Urnen vernichteten, ehe die
Direction der K. prähistorischen Sammlung im Zwinger in Dresden Kenntniss
von diesem reichhaltigen Fundplatze erhielt. Dann war es freilich zu spät,
um noch eine grössere Anzahl der interessanten Fundgegenstände für die
Staatssammlung zu retten. Sicher wäre dies bei einer sofortigen Anzeige
der ersten Funde möglich gewesen.
Unser Sachsenland ist durch seine geographische Lage im Herzen
Deutschlands dazu berufen, zur Lösung wichtiger Fragen über den Zu-
sammenhang der Culturen von Nord- und Süd-Europa nicht unwesentlich
beizutragen. Deshalb ist es eine Pflicht unserer hohen Staatsregierung,
auch ihrerseits zur Erhaltung und Erforschung der vorgeschichtlichen
Denkmäler unserer engeren Heimath beizutragen. Wenn dies mit einiger
Aussicht auf Erfolg geschehen soll, so ist in erster Linie dafür zu sorgen,
dass diejenigen Berufsklassen, die durch ihre Thätigkeit am
ehesten Gelegenheit haben, der Urgeschichtsforschung wirk-
same Hilfe zu leisten — neben den Geistlichen vor Allem die Lehrer,
Techniker, Forstleute und Landwirthe — auch in den Stand gesetzt
werden, an den Lehranstalten, wo sie für ihren Beruf vor-
gebildet werden, sich diejenigen Kenntnisse zu erwerben, die
ihnen zu dem gedachten Zwecke später von Werth sind. Ihnen
muss auf ihren Bildungsstätten eine allgemeine Uebersicht über die bis-
herigen Resultate der Urgeschichtsforschung gegeben, ihnen muss an Fund-
gegenständen oder an guten Abbildungen gezeigt werden, worauf sie in
erster Linie zu achten und wie sie die Funde zu behandeln haben, um
dieselben der wissenschaftlichen Forschung nutzbar zu machen.
Wohl Niemand hat nun so viel Gelegenheit, ausserhalb der Städte
auf den dörflichen Fluren, die naturgemäss noch heute die ergiebigsten
Fundstellen von Ueberresten aus grauer, unbekannter Vorzeit sein müssen,
auf urgeschichtliche Alterthümer zu achten und von den Landleuten und
deren Kindern Kenntniss von solchen zu erlangen, wie die Lehrerschaft.
Nicht zu unterschätzen ist hierbei das Vertrauen, welches gerade der
Lehrer, in Gemeinschaft mit dem Geistlichen, bei unserer, bekanntlich oft
recht schwer zugänglichen und misstrauischen Landbevölkerung geniesst.
Ihm wird man sicher leichter eine Mittheilung geben, als einem un-
bekannten Fremden oder von der Regierung gesendeten Beauftragten, vor
Allem in Gegenden, wo dem Letzteren die Beherrschung der fremden
Umgangssprache, wie in der Lausitz die wendische, Schwierigkeiten macht.
Dem Lehrer muss Gelegenheit gegeben sein, auf seiner Bildungsstätte,
dem Seminare, bei der Einführung in die Geschichte der Heimath auch
das Interesse und das Verständniss für die heimische Vorgeschichte zu
erlangen; hier müssen ihm die nothwendigsten Kenntnisse von der Wichtig-
53
keit und der Bedeutung der oft so unscheinbaren Ueberreste und von
deren sachgemässer Behandlung gelehrt werden, damit er später in seinem
ländlichen Wirkungskreise auf seine Schüler anregend einwirken und sie
veranlassen kann, auf derartige Altsachen zu achten und sie ihm vorzu-
legen, sodass er in den Stand gesetzt wird, dieselben zunächst zu er-
halten und dann zu weiteren systematischen Nachforschungen Veranlassung
zu geben. Dass hierzu die Anlage kleiner Lehrsammlungen vor-
geschichtlicher Alterthümer ebenso nothwendig ist, wie für die natur-
wissenschaftlichen Disciplinen, ist zweifellos. Derartige kleine Sammlungen
brauchen ja nicht immer Originale zu enthalten; von werthvolleren und
selteneren Sachen, wie Steinbeilen und Metallgegenständen, genügen auch
gute, naturgetreue Nachbildungen. Die in mehreren anderen Staaten des
deutschen Reiches als Unterrichtsmittel bereits eingeführten oder vorbe-
reiteten Anschauungstafeln mit den wichtigsten vorgeschichtlichen Typen
würden ausserdem eine zur Erreichung des Zweckes nicht zu unterschätzende
Hilfe gewähren, wie es überhaupt höchst wünschenswerth wäre, derartige
Tafeln als Anschauungsmittel an alle Schulen des Landes zu vertheilen.
Doch nicht allein der Lehrer kann bei der Vorgeschichtsforschung
mitwirken, auch andere Kreise, die in ihrer Thätigkeit auf die freie Natur
mehr oder weniger angewiesen sind, müssen hier unterstützend eingreifen:
Eisenbahn-, Wasserbau-, Strassenbautechniker, Forstleute und
Landwirthe. Auch diese müssen auf ihren beruflichen Bildungsstätten
in gleicher Weise wie die Lehrerschaft zur Hilfe bei der Erforschung der
heimischen Vorgeschichte herangezogen und herangebildet werden.
So wichtig und nothwendig nun auch diese in erster Linie auf Be-
lehrung der Bevölkerung über die Bedeutung der heimischen Alterthümer
gerichteten Massregeln sind , so kann durch dieselben allein der Zweck,
die Erforschung der Urgeschichte unseres Volkes zu fördern und das über
derselben schwebende Dunkel zu lichten, nicht erreicht werden, wenn
nicht seitens des Staates auch die im Lande noch vorhandenen oder in
Zukunft entdeckten Alterthümer durch Gesetze und Verordnungen nach
Möglichkeit vor der Vernichtung geschützt werden. Es muss vor
Allem verhindert werden, dass die urgeschichtlichen Alter-
thümer vom Erdboden verschwinden oder ausser Landes wan-
dern, ehe die heimische Forschung von ihrem Vorhandensein
Kenntniss erlangt und ihre Bedeutung für die Urgeschichte des
Landes festgestellt hat.
Welche Massnahmen zur Erreichung dieses Zweckes zu ergreifen sein
würden, lehrt das Beispiel anderer Staaten, wie Preussens, Oesterreichs,
Skandinaviens, in welchen Fundgesetze und Verordnungen verbieten, dass
die auf Staats- oder Gemeindegrund gelegenen Denkmäler aus urgeschicht-
licher Zeit ohne Erlaubniss der Staatsregierung ausgegraben oder beseitigt
werden. In Preussen z. B. haben die Minister für Landwirtschaft und
des Inneren Verfügungen in Betreff der Liegenschaften der städtischen und
ländlichen Gemeinden getroffen, nach welchen eigenmächtige Ausgrabungen
und die Verschleppung der dabei gewonnenen Fundstücke untersagt sind,
und die Denkmäler der Vorzeit ausdrücklich als Gegenstände von be-
sonderem geschichtlichen und wissenschaftlichen Werthe erklärt werden,
zu deren Veräusserung und wesentlicher Veränderung, insbesondere Auf-
grabung, Blosslegung, Zerstörung ihres äusseren Ansehens, gänzlicher oder
theilweiser Entfernung ihres Inhalts, sei es durch die Gemeinde selbst oder
54
mit ihrer Erlaubniss durch Dritte, ein Gemeindebeschluss — und auf Grund
des gütigen Zuständigkeitsgesetzes, der Städte- und Landgemeinde Ordnung,
dessen Genehmigung durch die Vorgesetzte Aufsichtsstelle erforderlich ist.
In anderen Staaten bestimmen Gesetze und Verordnungen, dass alle
urgeschichtlichen Denkmäler und Funde einer staatlichen Central-
stelle angezeigt werden müssen. Als empfehlens wertheste Einrichtung
dieser Art ist wohl die in Oesterreich eingesetzte „K. K. Central-Commission
zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale“
zu bezeichnen, welche durch ihre in allen Ländern des ausgedehnten
Reiches angestellten Conservatoren Kenntniss von den urgeschichtlichen
Funden erlangt. Diese Conservatoren sind gleichzeitig verpflichtet, die
Ausgrabung und Erhaltung der auf Staats- oder Gemeindegrund und,
soweit die bestehenden Gesetze es gestatten, auch auf Privatboden ge-
fundenen Alterthümer zu überwachen.
Hierdurch wird nicht allein der Zerstörung derselben durch Laien
oder Unberufene vorgebeugt, sondern es wird vor Allem auch erreicht,
dass derartige Funde von Fachleuten geprüft werden können, ehe sie der
Finder veräussert, und andererseits wird dem Staate zuerst Gelegenheit ge-
geben, eventuell die für die Urgeschichte des Landes bedeutungsvollen Fund-
gegenstände für die Staatssammlungen selbst zu erwerben, oder, wenn dies
nicht unbedingt nöthig ist, Provinzialstädten oder Vereinen, welche für
Erforschung und Erhaltung der heimischen Vorgeschichtsdenkmäler thätig
sind, zu ermöglichen, dieselben für ihre Sammlungen anzukaufen, erforder-
lichen Falls selbst durch vom Staate zu gewährende finanzielle Beihilfen.
Eine ähnliche Einrichtung Hesse sich wohl leicht auch für das König-
reich Sachsen treffen, wenn die hier seit dem vorigen Jahre bestehende
„Königl. Sächsische Kommission für Geschichte“ durch Berufung eines
oder mehrerer mit den urgeschichtlichen Verhältnissen Sachsens vertrauten
Mitglieder erweitert und ihr Arbeitsgebiet auch auf die urgeschichtlichen
Denkmäler ausgedehnt würde, oder, was wohl das Empfehlenswertheste
und Richtigste wäre, die Direction der K. prähistorischen Sammlung in
Dresden als diejenige staatliche Centralstelle ernannt würde, bei welcher
die urgeschichtlichen Funde sofort anzuzeigen sind.
Diese Anzeige pflicht müsste sich zunächst erstrecken auf alle Funde,
welche auf Staatsgrund und bei Staatsunternehmungen gemacht
w erden. Die hierbei beschäftigten Techniker, Forstleute, Landwirthe und
anderen Beamten müssen verpflichtet werden, dieselben sofort bei der
Commission oder bei der Direction der Staatssammlung anzuzeigen,
damit diese bei ausgedehnteren Fundplätzen rechtzeitig weitere Massregeln
zur wissenschaftlichen Ausbeutung ergreifen können, sowie die Fund-
gegenstände selbst an die Staatssammlung zur Aufbewahrung
abzuliefern, um eine Beschädigung oder Zerstörung derselben zu ver-
hüten und so dem Staate die auf seinem Grund und Boden gefundenen
Alterthümer zu erhalten. Zur vollständigen Erreichung dieses Zweckes
ist es weiter unbedingt erforderlich, dass Ausgrabungen nach ur-
geschichtlichen Alterthümern auf staatlichem Grund ohne Ge-
nehmigung der Staatsregierung und ohne Hinzuziehung eines
Sachverständigen streng untersagt werden, wie dies in einzelnen
Fällen in Sachsen bereits geschehen ist, so z. B. für die interessante Gruppe
von Hügelgräbern im Thümmlitzer Walde bei Leisnig auf dem Staatsforst-
revier Seidewitz.
55
Die gleiche Anzeigepflicht und das Verbot unbefugter Aus-
grabungen würde auch Gemeinden aufzuerlegen sein. Auch diese
müssten gesetzlich verpflichtet werden, die auf ihrem Grundeigenthum
entdeckten Alterthumsfunde der staatlichen Centralstelle sofort zu melden,
und es müsste ihnen untersagt werden, dieselben zu veräussern, ehe deren
wissenschaftlicher Werth von einem mit der Untersuchung beauftragten
Fachmann geprüft worden ist. Dagegen dürfte es nach den bestehenden
Gesetzen wohl rechtlich unmöglich sein, Gemeinden zu zwingen, die auf
ihrem Grund und Boden gefundenen Alterthümer an die Staatssammlung
abzugeben, selbst gegen eine vom Staate festgesetzte Entschädigung.
Als höchst wünschenswerth wäre es zu bezeichnen, wenn auch Privat-
leute veranlasst werden könnten, die auf ihrem Grundbesitz aufgefundenen
Alterthümer zur Kenntniss einer staatlichen Commission zu bringen und
eine wissenschaftliche Prüfung derselben zu gestatten.
Um eine möglichst vollständige Uebersicht über alle im
Lande vorhandenen urgeschichtlichen Alterthümer zu erlangen,
würde es sich empfehlen, durch Vermittelung der K. Amtshauptmann-
schaften und der Schulbehörden an alle Gemeindebehörden und auch
an alle Lehrer des Landes Sammelbogen nach Muster des von der
Vereinigung Thüringischer Alterthums -Vereine ausgegebenen mit dem Er-
suchen zu versenden, dieselben, nach Eintragung aller ihnen
in ihrem Wirkungsbereiche bekannt gewordenen Funde, an
eine von der Staatsregierung bestimmte Centralstelle zurück-
zusenden. Nur auf diese Weise würde es möglich werden, eine Inven-
tarisirung aller urgeschichtlichen Ueberreste innerhalb der Landesgrenzen
auszuführen und so einen Ueberblick über die Culturzustände des Landes
vor dessen Eintritt in die Geschichte zu erlangen.
VII. Sardinische Tertiärpflanzen.
Von Prof. H. Engelhardt.
Ein ziemlich reiches Material von pflanzlichen Tertiärfossilien Sar-
diniens, das von Herrn Prof. Lovisato in Cagliari im Laufe der Jahre
gesammelt wurde und mir durch die Vermittelung des Herrn Dr. Sterzei
in Chemnitz zukam, konnte von mir durchgesehen werden. Es ist insofern
von grossem Werthe, als uns über die in den tertiären Schichten dieser
Insel eingeschlossenen Pflanzenreste bisher nur kärgliche Nachrichten zu-
kamen*) und halte ich es deshalb für Pflicht, nachfolgende Notiz zu ver-
öffentlichen, wobei ich mich auf die von oben genanntem Gelehrten ge-
gebenen Altersangaben der Fundstätten beziehen werde.
Mittleres Eocän.
Aus dem äusserst feinkörnigen röthlichen Sandstein der Braunkohlen-
grube von Bacu-Abis (Gonnesa, Dorf in der Provinz Cagliari):
Sabal Lamanonis Heer (?). Es kann nur eine Vermuthung ausge-
sprochen werden, da bloss tiefgefaltete, gestreifte Blattstrahlentheile vor-
handen sind, die Rhachis aber fehlt.
Juglans Ungeri Heer. Eine Platte mit Gegenplatte zeigt ein Blatt
von der Grösse des in Rossmässler, Altsattel, Taf. 4, Fig. 16 abgebildeten;
das andere ist 18 cm lang und hat 11 cm grösste Breite, ist somit das grösste
bis jetzt bekannt gewordene. Beide sind wahre Prachtexemplare.
Tongrien oder Aquitanien.
Aus dem feinkörnigen festen Sandstein von Nurri (Dorf in der Pro-
vinz Cagliari), welcher an unsere Süsswasserquarzite erinnert, aber sich
durch die von ihm eingeschlossenen Conchilien und Seeigelgehäuse als marine
Bildung erweist:
Pinus Lardyana Heer. Mehrere Zapfenabdrücke, welche die Schilder,
an einigen Stellen auch die vollständigen Schuppen sehr schön erhalten
zeigen. Sonst noch eine Anzahl verletzte Zapfen.
Pinus Ferrerii Massai. Ein Zapfenabdruck zeigt deutlich die kaum
hervortretenden, an der Spitze gerundeten Schuppen, ein anderer auch
die versteinerten Samen.
*) Menegliini: Voyage en Sardaigne. — Bozzi: Sopra una specie pliocenica di Pino
trovata a Castelsardo in Sardegna.
57
Pinus Haidingeri Ung. Ein Zapfen.
Unbestimmbare Theile eines grösseren Zapfens.
Stammstücke, von denen Partieen in Faserkalk, andere in Braun-
kohle verwandelt sind.
Möglicherweise Langliian.
Aus den Thonmergeln des Beckens von Perfugas (Gemeinde in der
Provinz Sassari an der Nordküste):
Auf einem Blattfetzen , der die Nervatur von Apocynophyllum zeigt,
befinden sich eine Anzahl kreisrunde oder etwas längliche Pilze, welche
Sphaeria anmdus Gaud. nahestehen.
Arundo Göpperti Heer. Ein Blattfetzen.
Die Spitze eines Blattes, welches Salix angusta Al. Br. angehören
dürfte. Grössere Blattstücke von Salix angusta Al. Br.
V 'accinium Empetrites Ung. Ein wohlerhaltenes Blatt.
Cfr. Carya Heeri Ett. Nur der untere Theil eines Blättchens ist zu
sehen, der obere von anderen Pflanzenresten bedeckt. Soweit es erhalten,
stimmt es mit den Blättchen dieser Art überein:
Eucalyptus oceanica Ung. (?). Ein Blattspitzenstück.
Aus demselben Becken von Sa E untana de Su Turchis:
Ein Blattstück, höchst wahrscheinlich zu Apocynophyllum gehörig, mit
Sphaeria sp.
Palmacites sp. Blattstrahlentheile.
Arundo Göpperti Heer. Ein Blattstück.
Phragmites oeningensis Al. Br. Ein grosses Blattstück mit beinahe
durchgängig gut erhaltener Nervatur. Ein kleineres.
Ein Halmbruchstück von der Breite der Halme von Poacites repens
Heer, auch so fein gestreift.
Poacites caespitosus Heer. Ein Blattstück mit deutlich sichtbarer
Nervatur.
Poacites laevis Al. Br. Mehrere Blattstücke mit gut erhaltener Nervatur.
Poacites Procaccinii Massai. Ein Blattstück.
Cfr. Poacites arundinarius Ett. Ein kleines Bruchstück.
Cyperites sp.
Glyptostrohus europaeus Heer. Ein verästeltes und ein unverzweigtes
Zweigstück.
Quercus myrtilloides Ung. Ein Blatt.
Cfr. Quercus Weberi Heer. Das Spitzenstück eines Blattes, das in
Breite, Bezahnung und Nervatur mit den Schweizer Stücken übereinstimmt.
V 'accinium reticulatum Al. Br. Ein Blatt.
Santalum acheronticum Ett. Ein Blatt.
Cfr. Gastrolobium andromedoides Massai. Vordere Hälfte eines Blattes.
Gleditschia Wesseli Web. Ein Blättchen.
Aus dem Becken von 0 schiri (Dorf in der Provinz Lassari im Norden)
in einem viele Pflanzenreste umschliessenden Hornstein, der an der Ober-
58.
fläche der Verwitterung anheimgefallen ist und da ein weisses dem Kessel-
stein oder Kalktuff gleichendes Aussehen erhalten hat. (Bei einem grossen
3 cm dicken Stücke zeigen sich nur noch durch Verwitterungsmasse ge-
trennte, aber auch bereits matt gewordene Hornsteinfragmente, an einer
Stelle eine Ader von Chalcedon):
Phragmites oeningensis Al. Br. Ein Stengelstück.
Poacites laevis Al. Br. Ein Halmstück. Ein zweites gehört wahr-
scheinlich hierher, wie auch eine grössere Anzahl von Abdrücken von
solchen auf diese Art hindeuten mögen.
Cfr. Poacites angustus Heer. Halmstücke von 1,5 mm Durchmesser.
Poacites sp. Ein herausgeschältes Halm stück von 1 cm Durchmesser,
das die Streifung nur an winziger Stelle zeigt, darum nicht näher bestimmt
werden kann.
Cyperites reticulatus Heer. Ein zusammengedrücktes Halmstück.
Populus sp. Ein Stück Stengel mit länglichen Narben.
Aus den sandigen Schiefern derselben Localität:
Unbestimmbare Zweig- und Stengelstücke.
LangMan.
Aus dem sehr feinkörnigen dunkelgrauen Sandstein von Castelsardo
(Festung und Hafenstadt an der Nordküste):
Eine grosse Anzahl von Zapfen und Zapfenstücken, von denen vielfach
nur einzelne Partieen sichtbar sind, welche z. Th. Spuren der Abrollung
zeigen. Durch vorsichtiges Ausmeisseln Hessen sich manche derselben
freilegen. Indem ich von der Beschreibung der einzelnen Stücke absehe,
bemerke ich nur, dass ein Zapfen von Pinus sp. und mehrere Stamm-
stücke sich in Calcit umgewandelt vorfanden, dann ein Stammstück, mit
Teredogängen, die mit Calcit bekleidet oder ausgefüllt sind, ferner ein in
Pechopal umgewandeltes Stammstück mit zahlreichen schmalen Jahresringen
vorhanden waren. Die Zapfen erwiesen sich angehörig:
Pinus Haiding eri Ung.
Pinus Strozzi Gaud. Die Mehrzahl aller Zapfen.
Pinus vexatoria Gaud.
Pinus Laricio Thomasiana Göpp.
Pinus pinastroides Ung. (?)
Aus dem Thonmergel von Fangario bei Cagliari stammen eine
grössere Anzahl von Fossilien. Die Blätter sind durchgängig mit einer
verschieden dicken gelbbraunen bis rothen Eisenschicht bedeckt, welche
dieselben von dem grauen Mergel stark abhebt, aber auch die Bestimmung
wegen der Verwischung der Nervation, die nur stellenweise gut erkannt
werden kann, äusserst schwierig, ja zuweilen ganz unmöglich macht, wes-
halb eine Reihe als unbestimmbar bezeichnet werden musste. Einmal
zeigte sich die Blattmasse abgesprengt und der Abdruck konnte als ebenso
gut von Ficus als von Populus herrührend bezeichnet werden. Die übrigen
Reste gehören an:
Fasciculites sp., bestehend aus parallelen dichtgedrängten, festen weissen
Gefässbündeln, welche in chocoladenbrauner erdiger Braunkohle lagern.
59
Petiolus Flabellariae.
Arundo Göpperti Münst. sp. Ein Rhizom.
Typha latissima Al. Br. Ein Blattstück.
Cf. Pinus pinastroides Ung. Ein langer gespaltener Zapfen, an dem
die Schilder nicht zu erkennen sind. Der übrige Theil der Schuppen ist
entsprechend.
Querem chlorophylla Ung. Drei Blätter.
Ficus Maravignae Massai. Ein Blatt.
Ficus obtusata Heer. Ein Blatt.
Ficus Columetlae Massai. Ein Blatt.
Ficus midtinervis Heer. Zwei Blattstücke;
Laurus sp. Die Hälfte eines Blattes.
Diospyros brachysepala Al. Br. (?) Mehrere Blätter.
Bumelia Oreadum Ung. Zwei Blätter.
Porana oeningensis Heer. Ein Blatt.
Cfr. Magnolia Dianae Ung. Ein Blatt.
Andromeda Vetidoniae Massai. Ein Blatt.
Olea Osiris Ung. Drei Blätter.
Arbutus diospyrifolius Massai. Ein Blatt.
Erythroxylon laurinum Massai. Ein Blatt.
Carya costata Stbg. sp. Mehrere wohl erhaltene Früchte.
Juglans Blancheti Heer. Mehrere wohl erhaltene Früchte.
Juglans acuminata Al. Br. Eine Nuss.
Palaeolobium sotzJäanum Ung. Ein Blättchen.
Microtropis Peddi Massai. Ein Blättchen.
Cassia Berenices Ung. Zwei Blättchen.
Cassia phaseolites Ung. Vier Blättchen.
Leguminosites sp. Ein Stück einer Hülse;
Im Uebrigen seien ein Blatt mit Minirlarvengängen, ein Ast mit Borken-
käfergängen, eine grössere Zahl Stengelabdrücke, ein Stück sehr leichten,
röthlich-braunen, wohl von einer dikotyledonen Pflanze herrührenden Lignits
und mehrere Fruchtschalen erwähnt. Ein grosses Stück möchte ich als
Zoophycus ähnlich bezeichnen. Bei ihm findet sich keine Spur organischer
Masse. Es erweckt den Eindruck, als hätte fliessendes Wasser die nicht
immer regelmässigen Vertiefungen und Erhöhungen hervorgerufen.
Helvetien.
Aus dem tlionigen Kalke des Monte San Micheli bei Cagliari:
Arundo Göpperti Heer. Ein zusammengepresstes Rohrstück von 13 cm
Länge und 5 cm Breite. Ein kleineres von derselben Breite.
Cylindrites convolutus Fisch.- Ost. Eine grössere Anzahl Stücke von
verschiedener Länge und Dicke, welche sehr an Spongia saxonica Gein.
aus dem Quadergebirge Sachsens erinnern.
Cylindrites compressus Fisch. -Ost. Eine grosse Anzahl Stücke.
60
Cylindrites sp. Ein fast durchgängig 4 cm im Durchmesser haltendes
Stück zeichnet sich vor allen anderen aus. An der Aussenseite wechseln
gerundete convexe Querleisten mit concaven Vertiefungen ab. Der an
mehreren Stellen vollzogene Querbruch zeigt eine kreisförmige, gelblich
gefärbte Kernpartie von etwa 2 cm Durchmesser, welche durch den ganzen
Cylinder an Grösse und Farbe gleich bleibt und von einer 1 cm mächtigen
Ringpartie von weissem thonigem Kalke umgeben wird. Der innere
Cylinder zeigt an einer Stelle eine längliche, nur bis an die Rindenpartie
hinanreichende Höhlung.
Zusatz. Ein unter den Cylindriten liegendes Stück dürfte nichts
anderes sein, als die Ausfüllung einer von einem Wurme herrührenden
Röhre. Ein anderes erwies sich als ein viel Fischschuppen und Gräten
zeigender, jedenfalls von einem Raubfische herrührender Coprolith.
Localitäten ohne Angabe des geologischen Alters.
Aus dem Mergel von Sanluri (Flecken in der Provinz Cagliari):
Sphaeria pristina Ett. auf einem Grasblattstück.
Aus dem feinkörnigen, harten, im Innern grauen, an der Oberfläche
hellgelblichen Sandsteine von Man das (Flecken in der Provinz Cagliari):
Drei gut erhaltene Bruchstücke von Zoophycus , welche mit Z. Brian -
teus Massai, völlig übereinstimmen, daher von mir zu ihm gezogen werden.
Massalongo lernte sie aus der oberen Kreide kennen. Von pflanzlicher
Masse ist keine Spur vorhanden.
Aus dem sehr feinen grauen Sandsteine von Gesico (Dorf in der
Provinz Cagliari):
Unbestimmbare Pflanzenreste monokotyledoner Natur (. Poacites ?) und
Stengelabdrücke.
Von Perdaliana (im Centrum der Insel) lagen Stücke ausgezeich-
neter schwarzer, starrer Pechglanzkohle vor. Hervorzuheben sind ein
breit gedrücktes Stammstück mit Quetschungserscheinungen und ein Stamm-
stück, dessen Aussenpartie in braunem Lignit besteht, der, nach dem
Querbruche zu urtheilen, aus der dicken Borke (ähnlich der von Pinus
silvestris L.) einer Conifere entstanden zu sein scheint. Mikroskopische
Untersuchung wird darüber nähere Auskunft geben.
Aus den vulkanischen Tuffen des Beckens von Oschiri lagen
vor Stücke mit einer Menge verkohlter Holzbröckchen, dann ein Stück
mit grauem unverkohltem, sehr weichem Stengelchen.
VIII. Zur Geologie von San Domingo.
Von Dr. W. Bergt.
Untersuchungen von Gesteinen und Versteinerungen aus Venezuela
und von den Antillen, mit denen der Unterzeichnete beschäftigt ist, lieferten
in Bezug auf die venezolanische Halbinsel Paraguanä, vor Allem aber für
San Domingo auf der grossen Antilleninsel Haiti recht interessante Ergeb-
gebnisse, welche hier kurz im V oraus mitgetheilt sein mögen.
Auf Paraguanä ist neben anderen normalen archäischen, vielleicht
auch paläozoischen Schiefern und Eruptivgesteinen eine ausgezeichnete
Gabbro -„Formation“ entwickelt. Dieselbe besteht aus wechselreichen
Gabbros, unter denen, wie in Schlesien von G. Rose, ein schwarzer zuweilen
porphyrartiger Gabbro und ein grüner als zwei Hauptarten unterschieden
werden können, ferner aus Amphiboliten, chromeisenreichen Serpentinen,
Forellensteinen. Die Gabbro-,, Formation“ von Paraguanä bildet so ein
vortreffliches Gegenstück zu den schlesischen Vorkommnissen.
Die Ergebnisse für San Domingo berichtigen wesentlich das geologische
Bild, welches Gabb*), der Verfasser einer ausführlichen Monographie
von San Domingo, entworfen hat.
Auf Gabb’s geologischer Karte von San Domingo sind mit besonderen
Farben eingetragen:
1. Eruptivgesteine,
2. Kreide,
3. Miocän mit 2 Farben,
4. Postpliocän mit 2 Farben.
Die Kreideschichten bilden nach Gabb den Untergrund der Insel, sind
überhaupt hier die ältesten Gesteine. Sie wurden nebst einem Theil des
Tertiärs durch riesige Massen eruptiver Gesteine in ihrer ursprünglichen
Lagerung gestört, in Falten und Wellen gelegt und dabei metamorphosirt.
Naturgemäss müssen dann diese Eruptivgesteine jünger sein als die
gestörten und metamorphosirten Schichten. Sehr auffallend erscheint aber
selbst Gabb die Thatsache, dass diese vermeintlichen jungcretaceischen
und tertiären Eruptivgesteine in ihrer Zusammensetzung und in ihren
wesentlichen Eigenschaften den ältesten Eruptivgesteinen zum Verwechseln
gleichen.
*) W. M. Gabb: On tbe topography and geology of Santo Domingo. Transact. of
tbe Amer. Philosoph. Soc. Philadelphia, Vol. XV, new series, p. 49 — 259. 2 Karten.
62
Bei der Untersuchung der Gesteine von San Domingo erhoben sich
nun in dem Unterzeichneten die stärksten Zweifel an der Richtigkeit
der Gabb’schen Darstellung. Diese Zweifel erhielten bedeutende Nahrung
namentlich durch zwei Umstände,
1. dadurch, dass Gabb die geologischen Verhältnisse noch nach
der plutonistischen Theorie beurtheilt und deutet und durch sie zu
dem erwähnten Ergebniss kommt, und
2. dadurch, dass Gabb’s Gesteinsbestimmungen selbst nach dem
Stand der Petrographie um das Jahr 1870 unsicher, ja theilweise
falsch sind.
Dass in einer 1881 gedruckten Arbeit noch plutonistische Ansichten die
Grundlage bilden, erklärt sich einigermassen daraus, dass die „geological
Survey“ von Domingo unter Gabb’s Leitung bereits in den Jahren
1869 — 1871 stattgefunden hat, dass die Arbeit schon 1872 der American
Philosophical Society vorgelegt, aber erst 1881 gedruckt worden ist.
Da nach plutonistischer Anschauung die Eruptivmassen die Ursachen
der Lagerungsstörung und Faltung der auf lagernden Schichten sind, müssen
die ersteren jünger als die letzteren sein. Es verschwinden bei einer
solchen Auffassung hier, wie es auch in anderen Gebieten, z. B. in den
Alpen der Fall war, die älteren Gesteine zum Theil oder vollständig aus
dem geologischen Bilde.
Die petrographischen Begriffe und Bezeichnungen, deren sich Gabb
bedient, sind zum Theil verschwommen, zum Theil selbst nach den
damaligen Verhältnissen unrichtig. Die folgende Liste seiner petro-
graphischen Ausdrücke giebt von dieser Unbestimmtheit nicht einmal eine
genügende Vorstellung, weil darin die Fälle weggelassen sind, in denen
Gabb nur eine äusserliche Beschreibung, nicht aber eine Bestimmung und
Bezeichnung der Gesteine vornimmt. Gabb spricht von:
Granitoid material und rocks, „es sind wenige oder keine wahren
Granite vorhanden“;
Syenit, fast immer aus Quarz (makroskopisch!), Feldspath und Horn-
blende bestehend, Hauptgestein;
Porphyr;
Gneissoid rocks;
Mica slate;
Chloritic slate;
Talcose und semitalcose slate;
Clay slate;
Jaspery slate;
Metamorphosed cretaceous slate.
Welche geologische Stellung die krystallinen Schiefer, die gneissoid
rocks u. s. w. einnehmen, ist in Gabb’s Ausführungen nicht zu ersehen.
Zum Theil mag er sie zu den intrusive rocks, zum grösseren Theil zu den
metamorphosed cretaceous slates rechnen, welche eine hervorragende
Rolle bei ihm spielen. Dabei bleibt man über dieselben sehr im Unklaren.
Wir haben hier eines der schönsten Beispiele dafür, welchen ausgiebigen
Gebrauch ältere Geologen, von denen Mancher „die Jungen“ wegen ihres
vermeintlichen Fanatismus für Contact- und Dynamometamorphose scheel
ansieht, von der Metamorphose der Gesteine machen und wie unklar und
unbestimmt sie diese Metamorphose lassen.
63
Dem Unterzeichneten liegen aus den südlichen und südwestlichen
Theilen Domingos folgende Gesteine vor:
Aeltere Eruptivgesteine.
Normale Glimmergranite und zwar vom Aussehen der Gehirgsgranite
sowohl wie Ganggranite ;
Protogingranite mit den deutlichsten Spuren des Druckes ;
Hornblendegranite, schon makroskopisch so reich an grossen Quarz-
körnern, dass eine Verwechselung mit Syenit ausgeschlossen ist;
Syenit untergeordnet;
Diorit, Quarzdiorit, ,,Blue beache“;
Diabas, Quarzdiabas;
Pikrit, Olivinfels, Serpentin.
Jüngere Eruptivgesteine.
Basalte in doleritischer, anamesitischer und basaltischer Ausbildung,
letztere compact und feinporös lavaartig;
Andesite, auf der kleinen Insel Alta Vela auch Trachyte.
Krystalline Schiefer.
Hornblendegneiss ;
Pyroxengranulit ;
Feinkörnige typische Hornblendeschiefer;
Chloritische Hornblendeschiefer, dünnschiefrig, phyllitähnlich, gefaltet;
Granatamphibolit, augithaltig, eklogitartig ;
Chloritschiefer u. s. w.
Während also nach Gabb Domingo eine Ausnahme bilden soll, indem
nur junge Eruptivgesteine mit ganz altem Aussehen vorhanden seien, zeigt
die obige Reihe, dass auch hier ganz normaler Weise der bekannte
petrographische und geologische Gegensatz zwischen älteren und jüngeren
Eruptivgesteinen besteht. Dass die Angabe Gabb’s, die intrusive rocks
hätten die cretaceischen und tertiären Schichten gestört, durchbrochen,
injicirt und verändert, nicht auf unanfechtbaren geologischen Beobacht-
ungen beruht, sondern vielmehr eine aus theoretischen Voraussetzungen
folgende, in die Natur hineingelegte Deutung der Verhältnisse darstellt,
braucht nicht noch erwiesen zu werden. Die oben als ,, älter“ bezeichneten
Eruptivgesteine unterscheiden sich durch ihren Erhaltungszustand, durch
Umsetzungen und Mineralneubildungen auf das Deutlichste von den vul-
kanischen Gesteinen; sie haben nicht einmal Aehnlichkeit mit den in ganz
Amerika verbreiteten Uebergangsgesteinen (Propyliten, Andendiorit^n u. s. w.).
Die älteren Eruptivgesteine von San Domingo sind nicht die Ursachen
der Gebirgsbewegungen , sie wurden vielmehr selbst von letzteren mit-
betroffen und tragen theilweise die Spuren derselben in Form der sog.
dynamometamorphischen Erscheinungen; sie haben gemäss den auf der
ganzen Erde gemachten tausendfältigen Beobachtungen und wegen der
Hinfälligkeit der Gabb’schen Beweise so lange als „älter“ zu gelten, bis
ihr jüngeres Alter unanfechtbar festgestellt ist, was kaum angenommen
werden kann.
Die krystallinen Schiefer, deren Reihe durch nicht blos gelegentliches,
sondern systematisches Beobachten und Sammeln beträchtlich vervoll-
ständigt werden dürfte, haben durchaus keinen contactmetamorphischen
64
Charakter; sie müssen als normale archäische Gesteine angesehen werden,
dagegen sind sie theilweise wie die älteren Massengesteine durch Gebirgs-
druck verändert, im Kleinen gefaltet.
Das archäische Alter, welches P. Frazer*) für die Centralketten des
südöstlichen Cuba feststellen konnte und das er für ganz Jamaika, für
San Domingo, Puerto Pico und die Windwardinseln vermuthete, kann nun-
mehr bestimmter für San Domingo angenommen werden.
Wir haben demnach in San Domingo neben den jüngeren Schichten
der Kreide und des Tertiärs auch als deren Unterlage ein wohlent-
wickeltes archäisches Gebiet, welches mit den gleich- oder ähnlich
beschaffenen Gebieten von Guatemala, der Halbinsel Yucatan, der Inseln
Cuba, Jamaica, Puerto Rico, der Windwardinseln und des nördlichen
Venezuela zu einem geologischen Ganzen gehört. Aehnlich wie in
Guatemala das archäische und alteruptive Gebiet im Süden von einer mit
jungen zum Theil noch thätigen Vulkanen besetzten Bruchlinie begrenzt
wird (Suess, Antlitz I, 699), so scheint der Südrand von San Domingo
(Haiti) von jungeruptiven Gebilden begleitet zu sein.
*) P. Frazer: Archean characters of the rocks of the nucleal ranges of the
Antilles. Report of the 15th meeting of the British Association 1888, London 1889,
p. 654/5.
IX. Bereicherungen der Flora Saxonica in den
Jahren 1896 und 1897.
Von Dr. B. Sehorler.
Seit der letzten Veröffentlichung der neuen Funde unserer Flora in
den Isis-Abhandlungen 1895, S. 89 sind eine grosse Anzahl neuer Eingänge
für das Herbarium der Flora Saxonica zu verzeichnen, für die auch an
dieser Stelle herzlich gedankt sei. In dem nachstehenden Verzeichniss
sind nur die als Belegexemplare unserem Herbarium eingelieferten Pflanzen
und zwar nur insoweit, als sie neue Funde oder neue Standorte darstellen,
berücksichtigt. Es sind insbesondere folgende Herren, die sich an diesen
Beiträgen betheiligten: F. Fritz sehe -Kötzschenbroda, Lehrer H. Hof-
mann- Grossenhain, Hilfslehrer H. Müll er- Medingen, Apotheker Schlim-
pert-Cölln hei Meissen, Dr. phil. Rieh. Schmidt-Leipzig und Bürger-
schullehrer H. Stiefelhagen-Dresden.
Sehr umfangreich und werthvoll ist namentlich die Sendung von Herrn
Dr. Schmidt, der die Umgebung von Leipzig botanisch durchforschte und
die wichtigen Resultate seiner Forschungen in einer Abhandlung unter
dem Titel: „Beiträge zur Flora von Leipzig“ in den Berichten, der Natur-
forschenden Gesellschaft zu Leipzig, Jahrgang 1895/96 niederlegte, die
in ausserordentlich kritischer Durcharbeitung eine Menge interessanter
Angaben über Verbreitung, Biologie etc. enthält, auf die deshalb hier nach-
drücklichst hingewiesen sei. Einen Vorschlag in jener Abhandlung, der das
Herbarium Florae Saxonicae betrifft, möchte ich auch zu dem meinigen
machen. Dr. Schmidt schreibt: „Die Schaffung einer derartigen Centralstelle
für alle floristischen Bestrebungen schätze ich — abgesehen von dem unmittel-
bar in die Augen springenden Nutzen — - noch in einer besonderen Hinsicht
sehr hoch. Ich meine: jetzt, wo diese Centralstelle erstanden ist, darf
man verlangen, dass sie allgemein als Centralstelle respektiert wird; das
will sagen: alle, nicht von anerkannten Autoritäten ausgehenden Veröffent-
lichungen neuer sächsischer Standpunkte von wichtigen Pflanzen — erfolge
die Veröffentlichung nun in Gesellschaftsschriften, Schulprogrammen, Floren
oder sonstwo — haben so lange als nichtig und belanglos zu gelten, als
nicht ein Belegexemplar von der betr. Oertlichkeit beim Dresdener Herhar
eingereicht und die Richtigkeit der Bestimmung in den Isisberichten oder
anderwärts bestätigt worden ist“.
Es ist ja klar, dass es nur so möglich ist, allmählich ein richtiges
Bild von der Vertheilung der Arten in unserem engeren Vaterlande zu
66
erhalten. Die genaue Feststellung der Vertheilung der einzelnen Arten
nach den Territorien, nach der Höhe etc. muss das nächste, wenn auch
nicht letzte Ziel der sächsischen Floristik sein, nachdem der Pflanzen-
hestand in seinen einzelnen Arten bekannt ist. Es werden ja jedes Jahr
neue Arten und Formen durch Anwendung einer schärferen, leider oft zu
scharfen Analyse von alten längst bekannten Arten abgetrennt. Und es
ist gewiss für Viele interessant, diesen bekannt gewordenen, oft recht
minutiösen Abweichungen nachzuspüren oder solche selbst aufzufinden und
die abweichende Form mit einem Namen zu belegen. So nöthig auch diese
Thätigkeit bis zu einem gewissen Grade ist und so verdienstlich sie werden
kann, wenn sie nur Mittel zum Zweck und nicht Selbstzweck ist, so darf
man doch nie vergessen, dass die Artsplitterei und die Auffindung kleinster'
Abweichungen nun und nimmer das letzte Ziel localfloristischer Bestre-
bungen sein kann. Dadurch wird nur der Artenkatalog, die Florenliste
eines Landes vergrössert, also die erste nächstliegende Aufgabe erfüllt.
Eine weitere sehr wichtige Aufgabe ist, wie schon erwähnt, die genaue
Feststellung der Vertheilung der einzelnen Arten und ihrer Bestände nach
den Territorien (s. Drude: Deutschlands Pflanzengeographie, S. 18), der
Höhe (sehr wichtig ist z. B. die Feststellung mittlerer normaler Höhen-
grenzen für die Bestände der Niederungspflanzen, ibid. S. 71), den Forma-
tionen etc. In dieser Hinsicht ist auch in unserem engeren Vaterlande
noch viel zu thun. Es giebt ja bereits eine grosse Anzahl von Special-
floren, die kleinere Theile Sachsens oder nur die nähere Umgebung ein-
zelner Städte behandeln. Dadurch ist beispielsweise die Flora der Leipiger
Gegend, des Vogtlandes, des oberen Erzgebirges, des Elbthales und der
Lausitz allgemein bekannt geworden, während das von dem Gebiet der
mittleren und unteren Mulde nicht in gleichem Masse gilt. Trotz alle-
dem können wir bei vielen interessanten sächsischen Pflanzen nicht einmal
die genauere Verbreitung nach und in den Territorien angeben, und für
weitere Formationsstudien versagen diese Pflanzenlisten ganz. Auch auf
das etwaige Fehlen oder Spärlicherwerden gewisser „gemeinen“ Pflanzen
wird in denselben nicht genug geachtet. Die Bezeichnung „zerstreut“
oder höchstens „fehlt im Erzgebirge“ darf in Zukunft nicht mehr genügen.
Hier kann jeder Pflanzenkenner an dem weiteren Fortschritt zu seinem
Theile leicht mitarheiten, wenn er sich eben nicht damit begnügt und als
einziges erstrebenswertes Ziel sich steckt, die Pflanze wohl bestimmt in
seinem eigenen Herbarium zu vergraben. Dadurch wird kein Fortschritt
erzielt und es geht die Arbeitskraft des Einzelnen auf floristischem Gebiet
für die Allgemeinheit verloren. Wenn sich dagegen jeder Jünger der
Seien tia amabilis bemüht, seine neuen Funde und Entdeckungen durch Ein-
senden von Belegexemplaren an die Centralstelle allen Interessenten be-
kannt und zugängig zu machen, so sichert er sich nicht nur für alle Zeiten
das Recht der Priorität, sondern trägt auch sein Scherflein bei zum Aus-
hau unserer Kenntnisse von der vaterländischen Flora. Dass auf die Weise
eine etwa untergelaufene falsche Bestimmung am ersten corrigirt werden
kann, ist ein weiterer Vorzug der eingesandten Belegexemplare. Besonders
wichtig sind Belegexemplare von allen Pflanzen, die in der Excursions-
flora von Wünsche als selten oder zerstreut angegeben sind, ferner solche
von interessanten Pflanzen aus dem Gebiet der mittleren und unteren Mulde,
aus der Umgehung der Städte Wurzen, Grimma, Colditz, Rochlitz, Mitt-
weida, Waldheim, Rosswein, Döbeln, Oschatz und Dahlen.
67
Neben den beiden oben bezeicbneten Aufgaben der localen Floristik,
Feststellung eines vollständigen Pfianzenkataloges und der genauen Ver-
breitung der einzelnen Arten, kann dieselbe aber auch noch höheren
Zwecken sich dienstbar erweisen, sie kann schätzbares Material liefern für die
pflanzengeographische Bearbeitung der heimischen Vegetation. Man sollte
sich immer daran erinnern, worauf Herr Prof. Drude an dieser Stelle schon
öfters hingewiesen hat, dass nicht die Ausarbeitung einer systematischen und
analytischen „ Flora“ unseres Landes, sondern einer Pflanzengeographie des-
selben das Endziel aller botanischen Forschungen bleiben muss. Auch zur
Erreichung dieses hohen Zieles kann jeder Florist in Sachsen seinen Beitrag
liefern. Nur muss er sich daran gewöhnen, auf botanischen Excursionen Be-
obachtungen anzustellen. Nicht die blosse Aufspürung eines neuen Stand-
ortes genügt, es müssen auch sichere Beobachtungen über die Standortsver-
hältnisse, über Besonnung, Bewässerung und Bodenarten, über Biologie,
Vegetationsformen und Lebensbedürfnisse und namentlich auch über die
Pflanzengesellschaft oder über die Formation gemacht werden, in der sich
die gefundene Pflanze befindet. Werden derartige Beobachtungen aus-
führlich auf den Etiquetten der eingesandten Pflanzen niedergelegt, so
liefern diese werthvolles Material für spätere weitere pflanzengeographische
Bearbeitungen. Das gilt natürlich ebensogut für Kryptogamen wie für
Phanerogamen. Es braucht wohl nicht erst betont zu werden, dass unser
Herbarium der Flora Saxonica auch diese bis zu den Algen herunter mit
umfasst. . Getrocknete Moose und Pilze sind uns ebenso willkommen wie
Algenauftragungen auf Papier oder mikroskopische Präparate (englisches
oder kleineres Format) der letzteren. Möglichst ausführliche Etiquetten
sind hier ebenso wichtig wie bei den Phanerogamen. Da auf den mikro-
skopischen Präparaten für derartige Angaben kein genügender Platz vor-
handen ist, so empfiehlt es sich, besondere Zettel mit diesen von der
Länge des Präparates und beliebiger Breite beizulegen.
Die neuen Funde sind diesmal nach dem von Wünsche in seiner Ex-
cursionsflora von Sachsen befolgten Eichler’schen System aufgezählt. Es
dürfte sich dieser Anschluss an Wünsche beim Nachtrag der neuen Stand-
orte für viele als bequem erweisen.
Convallaria majalis L. var. rosea Reichb. Dresden: Niederlössnitz im
Gebüsch bei der Sennhütte (Fritzsche).
Juncus tenuis Willd. Diese mehrjährige Binse unterscheidet sich von
J. bufonius und compressus , mit denen sie eine gewisse Aehnlichkeit
hat, leicht durch ihren aufrechten rasenartigen Wuchs, ihre meist
gelbgrüne Farbe und durch das lange unterste Deckblatt an dem blatt-
losen Stengel. Die nordamerikanische Art ist besonders in Westeuropa
verbreitet, wandert aber neuerdings auch in Deutschland und breitet
sich immer mehr aus. Von Sachsen wird sie zuerst von Reichenbach
in seiner Flora Saxonica 1842 in dem Nachtrag, S. 452 erwähnt, und
als Standort die Buschschenke bei Kemnitz zwischen Löbau und Bern-
stadt angegeben. Auch Rabenhorst giebt in seiner 1859 erschienenen
Flora von Sachsen nur diesen einen Standort an. Jetzt ist sie in
der sächsischen Oberlausitz auf sandig-lehmigen Feld- und Waldwegen
ziemlich verbreitet, wie ich im Sommer 1896 zu beobachten reichlich
Gelegenheit hatte. Die Verbreitung in Sachsen gliedert sich dem
grösseren schlesischen Areal westlich des Bober an, das gleichsam
#*
68
eine Zunge nach Sachsen vorstreckt. Durch die Linien Görlitz-Reichen-
bach-Löbau -Mehltheuer nördlich vom Czorneboh — Weiss-Nausslitz —
in die Gegend von Bischofswerda und von hier über den Falkenberg
nach Schluckenau- Seifhennersdorf - Grossschönau -Zittau wird diese
Zunge ungefähr begrenzt. Ausser in der Oberlausitz kommt die Pflanze
auch noch bei Leipzig vor. Kuntze, der die Art für einen Bastard
J. compressusxeffusus hält, giebt in seiner Flora von Leipzig als
Standorte Eutritzsch und Wurzen an. Nach Wünsche kommt sie
neuerdings auch bei Tharandt vor. (Willkomm erwähnt sie in seiner
Vegetationsschilderung der Umgegend von Tharandt im Tharandter
Jahrbuch 1866 noch nicht.) Wie weit diese Binse an den beiden
letzten Standorten bei Leipzig und Tharandt verbreitet ist und ob sie
hier auch wandert, vermochte ich nicht festzustellen. Im Herbarium der
Flora Saxonica finden sich von den beiden letzten Standorten keine
Belegexemplare. Jedenfalls ist auf die weitere Ausbreitung dieser Art
zu achten.
Sparganium ramosum Huds. * neglectum Beeby. Die verschiedenen Formen
des Sp. ramosum , die man jetzt unterscheidet (s. Ascherson und Gräb-
ner’s Synopsis der mitteleuropäischen Flora, S. 280), lassen sich leicht
an den Früchten erkennen. Sp. polyedrum hat ungestielte, verkehrt-
pyramidenförmige, kurzgeschnäbelte, kantige Früchte, bei Sp. * neglec-
tum dagegen sind sie deutlich gestielt, verkehrt-kegelförmig, allmählich
in den Griffelrest verschmälert, sodass sie denen von Sp. simplex
ähnlich werden. Die kugeligen Fruchtstände erscheinen daher mehr
locker, stachelig-morgensternartig. Beim Trocknen werden die Frucht-
stände bei Sp. * polyedrum und in geringerem Masse die ganze Pflanze
schwärzlich, die von Sp. * neglectum dagegen meist gelblich. Das Sp.
* neglectum ist nicht nur in Westeuropa, sondern auch in Deutschland
und Oesterreich an den gleichen Standorten und vielfach in Gesell-
schaft des Sp. * polyedrum weit verbreitet. Im Dresdner Herbarium
fand ich das erstere unter Sp. ramosum in einem einzigen Exemplar,
das Kochel im Jahre 1833 am Fusse des Balkan gesammelt hatte.
Das erste sächsische Exemplar von Sp. * neglectum wurde von mir
am 4. October 1896 in der Nähe des Dorfes Koselitz nordwestlich von
Grossenhain gesammelt, wo es in einer teichartigen Ausschachtung
der kleinen Köder bestandbildend auftritt. ln dem Bestände bemerkte
ich vom Ufer aus kein Sp. * polyedrum, das sich an einer anderen
Stelle derselben Ausschachtung in vereinzelten Exemplaren fand. Herr
Fritzsche konnte dann zwei weitere Standorte dieser Varietät bei
Kadeburg und Coswig feststellen. Der letztere ist ebenfalls eine Aus-
schachtung, die erst seit ungefähr 3 Jahren besteht. Einen vierten
Standort, Pausa im Vogtland, fand ich nachträglich in meinem eigenen
Herbarium vertreten. Die Pflanze wurde von mir 1882, wenn ich nicht
irre an einem Bache, als Sp. ramosum gesammelt. Von den gesammten
Flxemplaren haben sich die von Radeburg etwas gebräunt beim Trocknen,
die anderen sind entweder etwas gelblich geworden oder grün ge-
blieben.
Car ex teretiuscida Good. Grossenhain: Frauenhain bei Raden, in einem
Moorgraben mit Hottonia palustris und Car ex Pseudo -Cyp er us.
— longifolia Host. Dresden: im Dohnaer Kirchholz (Stiefelhagen).
69
Carex Buxbaumii Wahlbg. Dresden: auf einer sumpfigen Waldwiese bei
Kötzschenbroda (Fritzsche).
— obtusata Liljb. Der uralte, seit 1820 wieder bekannte, interessante
Standort dieser Art am Bienitz existiert trotz der grossen Umwäl-
zungen, die dieser Theil der Umgebung Leipzigs in der Neuzeit erfahren
hat, noch immer. Dr. Schmidt sammelte sie laut der den eingesandten
Pflanzen beiliegenden Etiquette im Mai 1895 auch in der Form A. capi-
tata Peterm.
Älopecurus agrestisL. Dieser Fuchsschwanz taucht von Zeit zu Zeit ein-
mal in Sachsen auf, verschwindet aber eben so rasch wieder, ohne sich
irgendwo wirklich einzubürgern. 1890 wurde er von Stiefelhagen bei
Dresden auf Kleefeldern bei Cotta beobachtet und jetzt an das Her-
barium abgeliefert.
— arundinaceus Poir. (= A. nigricans Hornem.). Die Art wird in den
Floren als in der Umgebung von Dresden nicht selten angegeben.
Sie findet sich aus diesem Gebiet auch in einer Anzahl von Exemplaren
von verschiedenen Sammlern im Herbarium der Flora Saxonica. Es
stellte sich jedoch bei der Untersuchung dieser Exemplare heraus,
dass kein einziges zu der echten A. arundinaceus Poir. gehört,
sondern sämmtliche nur die eine Form des A. pratensis mit dunk-
leren Aebrchen, die gewöhnlich als A. nigricans Sonder bezeichnet
wird, darstellen. Das Vorkommen von A. arundinaceus Poir. im Elb-
thal erscheint mir daher noch zweifelhaft und der Bestätigung be-
dürftig. Das beste Unterscheidungsmerkmal der beiden nahe stehenden
Arten, namentlich wenn der Wurzelstock nicht mit gesammelt worden
ist, bieten immer noch die Hüllspelzen, die bei A. arundinaceus stark
aus einander gehen, sodass das ganze Aehrchen glockenförmig, dem
des A. geniculatus etwas ähnlich wird. Der obere Ausschnitt zwischen
den beiden Hüllspelzen zeigt dabei stark concave Ränder, während diese
bei A. pratensis fast gerade sind. Dadurch unterscheiden sich auch
jene leicht mit A. arundinaceus zu verwechselnden Aehrchen von A. pra-
tensis, die beim Trocknen etwas zu stark gepresst worden sind und
nun an der Spitze auseinander spreitzen.
-\Festuga rigida Kunth. Dresden: Elbufer im Gehege, 1891 in Menge
(Stiefelhagen).
Bromus mollis L. var. leiostachys Tausch. Dresden: Plauenscher Grund
(Stiefelhagen).
— patulus M. u. K. Dresden: Berliner Bahnhof nach den Schusterhäusern
zu (Stiefelhagen 1891). Dürfte durch die Bahnhofsumbauten bereits
wieder verschwunden sein. Die Angabe in Wünsche „zwischen Strehla
und Lockwitz“, die Reichenbach’s Flora Saxonica entnommen ist,
kann zu falschen Deutungen Veranlassung geben; es muss natürlich
Strehlen heissen.
f — squarrosus L. Dresden: Altstädter Elbquai mit Bromus arvensis , hier
auch unter der typischen Form die Varietät villosus (Stiefelhagen 1891):
Für diese Art gilt auch das von Älopecurus agrestis Gesagte.
Goodyera repens R. Br. Zittau: am Oderwitzer Spitzberg (Hofmann).
Cerastium brachypetalum Desp. Meissen: an den trocknen Hügeln vor
Zadel (Stiefelhagen).
70
Silene nutans L. Exemplare mit rosenrothen Blüthen fand Fritzsche am
22. Mai 1897 in der Nieder -Lössnitz unterhalb der Friedensburg auf
Geröll.
Corydalis solida Sm. Am linken Röderufer oberhalb Radeburg unter
Brombeer-Gestrüpp (Müller).
f Viola suavis M. B. Dresden: in einem Hohlweg zwischen Naundorf und
Lindenau (Fritzsche). Die Pflanze ist richtig bestimmt, kann aber
an dem aufgefundenen Standorte ohne Zweifel nur ein Gartenflüchtling
sein. Sie unterscheidet sich von den im Dresdner Herbarium liegen-
den, von M. von Bieberstein selbst herrührenden Exemplaren der
echten südeuropäischen Art nur durch ihren viel robusteren Wuchs.
Trifolium hybridum L. var. elegans Savi (als Art). Die Varietät findet
sich noch in verschiedenen Floren, auch in Wünsche’s Excursionsflora,
als eigene Art neben T. hybridum aufgeführt, wozu meines Erachtens
kein Grund vorliegt. Schon in den alten Floren von Döll, Neilreich und
Anderen ist dieselbe zu Tr. hybridum gezogen worden, und die grösseren
neueren Floren folgen diesem Beispiel. Die Unterschiede sind minimale
und zum Theil sogar schwankend. Im Dresdner Herbarium befindet
sich z. B. ein Exemplar, das nach der Etiquette von Savi selbst stammt,
mit weichem hohlem Stengel. In dem Verzeichniss vogtländischer
Pflanzen von Artzt, das in den Isis-Abhandlungen 1896, S. 1 erschienen
ist, wird von dieser Form ein für Sachsen neuer Standort angegeben,
nämlich Pausa im Vogtland. Derselbe ist jedoch zu streichen. Die
Mittheilung dieses Standortes rührte seinerzeit von mir selbst her. Ich
fand nämlich im Jahre 1885 auf trocknem Kieselschieferboden eine auf-
fällige Form von Tr. hybridum mit sehr langen Blüthenstielen, welche
es den gleichmässig rosen-rothen Blüthen gestatteten, sich in Hohl-
cylinderform anzuordnen. Da mir damals kein Vergleichsmaterial und
auch keine grössere Flora mit ausführlichen Diagnosen zur Verfügung
stand, so vermochte ich die Form nicht richtig zu bestimmen. Höchst
wahrscheinlich beruht auch das schon von Reichenbach angegebene
Vorkommen „bei Zittau“ auf einer ähnlichen fehlerhaften Bestimmung.
Im Herbarium der Flora Saxonica sind keine Belegexemplare vorhanden.
Pirola umbellata L. Dresden: bei Medingen in lichtem Nadelwald (Müller).
— chlorantha Sw. Dresden: sporadisch im Nadelwald bei Medingen (Müller).
Anagallis caerulea Schreb. Dresden: bei Hermsdorf (Müller).
Thrincia hirta Roth. Radeburg: bei Würschnitz, südlichster bis jetzt be-
kannter Standort in Sachsen (Müller).
j* Ambrosia artemisiifolia L. Meissen : bei Oberspaar und auf einem
Stoppelacker bei Winkwitz (Schlimpert).
X. Ein Beitrag zur Flora des Böhmerwaldes.
Yon Dr. B. Sehorler.
Ende Juli und Anfang August dieses Jahres machten Herr Prof.
Dr. Drude und der Verfasser eine gemeinsame botanische Excursion nach
dem Böhmerwald, die sich auf den ganzen Gebirgszug bayerischen und
böhmischen Antheils vom Südfusse des Fichtelgebirges bis zum Dreisessel
undBlöckenstein erstreckte. Obgleich hierbei nicht in erster Linie fioristische
sondern pflanzengeographische Ziele verfolgt wurden, so konnten doch
auch eine Anzahl neuer Standorte von Böhmerwaldpflanzen festgestellt
werden, von denen die wichtigsten hier kurz mitgetheilt seien.
Allosoms crispus Bernh. In Felsspalten am Arber in ca. 1400 m Höhe.
Der Arber ragt mit seinem mehrzackigen Gneissgipfel über die Wald-
grenze empor und trägt auf dieser unteren Hochgebirgsregion drei
Formationen in ziemlich weiter Ausdehnung: die Borstgrasmatte mit
Poa alpina , das Krummholz mit riesigen Mengen von Athyrium alpestre
und die Formation der trockenen Felsen, die besonders durch Juncus
trifidus , den ,, Gamsbart“, das „Edelweiss des Bayerischen Waldes“,
und durch Agrostis rupestris charakterisirt wird. Zu der letzten gehört
Allosorus , der wie Juncus trifidus in Gesteinsspalten wächst, nur
nicht wie dieser auf den obersten sonnigen Kuppen, sondern mehr in
schattigen, tieferen und humusreicheren Spalten. Dieser interessante
Gebirgsfarn, der in den Alpen von 1000 — 2200 m häufig, von den
mitteldeutschen Gebirgen aber nur im Riesengebirge und ganz ver-
einzelt im Harz gefunden worden ist, wurde nach Sendtner zuerst von
W. Gümbel für den Bayerischen Wald constatirt, seit dieser Zeit aber,
so viel ich aus der Litteratur ersehen konnte, nicht wieder aufgefunden.
Gümbel entdeckte ihn am Keitersberge, „um die Mitte desselben bei
3100'“, also im nordwestlichen Theile des zusammenhängenden Rückens
zwischen dem Weissen und Schwarzen Regen, dessen südöstliches Ende
der Arber darstellt, und der auch als Arbergebirge bezeichnet wird.
Die Angaben in den Floren über das Vorkommen von Allosorus im
Böhmerwalde stützen sich sämmtlich auf den Sendtner’schen Standort.
Asplenium viride Huds. Mit dem vorigen in schattigen Felsspalten am
Arbergipfel in einem einzigen Exemplar. Ich fand das Vorkommen
dieses Farns im Böhmerwald nirgends angegeben.
Scheuchzeria palustris L. In dem Prodromus der Flora von Böhmen und
in den Resultaten der botanischen Durchforschung Böhmens werden
72
von Celakovsky nur der kleine Arbersee und das Weig&rfilz bei Kusch-
warda als Standorte der Art für den Böhmerwald angegeben. Wir
fanden sie auch im grossen Arbersee mit Scirpus caespitosus und
Carex pauciflora auf einem schwimmenden Caricetum am nördlichen
Ufer in geringer Anzahl von Exemplaren.
Rhynchospora alba Yahl. In der Gesellschaft der vorigen Art am grossen
Arbersee reichlich, ebenso
Carex limosa , die nach Celakovsky bisher nur bei Kuschwarda und
Schattawa und im höheren Theile des Böhmerwaldes in einem Sumpfe
an dem Teufelsee bei Eisenstein gefunden worden ist. Wir sammelten
die Art jedoch auch noch in dem Filz, das im Süden den kleinen
Arbersee begrenzt, in ziemlicher Menge. Sie ist auch hier wie am
grossen Arbersee mit Carex pauciflora vergesellschaftet, hier gesellt
sich aber noch Calla palustris zu ihnen.
— filiformis L. Ein neuer Standort dieser für den Böhmerwald sehr
seltenen Pflanze, die nur aus zwei Filzen bei Fürstenhut bekannt
ist, konnte in der Filz-Au südlich von Wallern festgestellt werden. Sie
wächst hier truppweise in Moorgräben.
Senecio subalpinus Koch. Am Arber bei 1000 m Höhe am Bodenmaiser
Weg auf einer sumpfigen Wiese mit Homogyne alpina und Meum
Mutellina ganz vereinzelt.
XI. Eine vorgeschichtliche Niederlassung auf dem
Pfaffenstein in der Sächsischen Schweiz.
Yon Dr. J. Deichmüller.
(Mit Tafel II.)
Kaum ein anderer Landstrich Sachsens, das Erzgebirge ausgenommen,
ist so arm an Ueberresten aus urgeschichtlicher Zeit wie das Elbsand-
steingebirge. Bis vor Kurzem waren aus diesem Gebiet weder Gräber-
felder noch Wohnstätten als Beweise einer Besiedelung desselben in der
Vorzeit bekannt geworden; nur ganz vereinzelte Funde von Stein- und
Bronzegeräthen im Thal der Elbe deuteten darauf bin, dass schon damals
der Mensch versuchte, längs des Elbstroms in das unwirthsame Gebirge
einzudringen. Neuere Funde haben jedoch gezeigt, dass einzelne der zum
Theil schwer zugänglichen Felsen schon frühzeitig dem Menschen als
Wohnstätte oder vorübergehender Zufluchtsort gedient haben, wie der bei
Königstein an der Elbe gelegene Pfaffenstein.
Bereits in den siebenziger Jahren haben Oberlehrer Emil Friede-
mann und Maler Ernst Fischer zu wiederholten Malen auf einen an-
scheinend uralten Wall hingewiesen, welcher am westlichen Fusse dieses
Felsens den einzigen bequemen Zugang zu demselben abschliesst*), das
Vorhandensein urgeschichtlicher Ansiedelungsreste auf dessen Hochfläche
selbst aber wurde erst zwanzig Jahre später bekannt. Im Januar 1896
veröffentlichte H. Engert im Organ des Gebirgsvereins für die Sächsische
Schweiz: ,,Ueber Berg und Thal“, No. 215, eine kurze Notiz, nach welcher
der Bergwirth des Pfaffensteins, Herr Keiler, in der Nähe seines Gast-
hauses beim Roden einer kleinen Waldfläche Mahlsteine und irdene Ge-
fässe gefunden hatte; letztere sollten nach einer Angabe von Otto Ebert
(a. a. 0. No. 217) solchen vom „Lausitzer Typus“ entsprechen. Einige mir
inzwischen zur Begutachtung vorgelegte Gefässscherben bewiesen die
Richtigkeit dieser Ansicht und veranlassten mich, im September 1896
während eines mehrtägigen Aufenthaltes auf dem Pfaffenstein eine Unter-
suchung der Fundstelle vorzunehmen.
Der Quadersandsteinfelsen des Pfaffensteins erhebt sich 2 km südlich
Königstein an der Elbe bei Pfaffendorf mit mehr als 60 m hohen, senk-
rechten, wild zerklüfteten Wänden über das umgebende Gelände; der
südliche höchste Theil erreicht nach der topographischen Karte eine
Meereshöhe von 428,6 m. An der Westseite führt in einer engen Schlucht
*) Sitzungsber. Isis Dresden, 1876, 25; 1878, 25; 1882, 26.
74
ein steiler Anstieg zur Hochfläche des Felsens empor, welche eine un-
regelmässig begrenzte, von NNW nach SSO gestreckte Ellipse von wenig
mehr als 650 m Längen- und gegen 300 m Breitenausdehnung bildet.
Die zerklüftete, durch Erosion und Verwitterung höckerig gestaltete Ober-
fläche ist mit Heideibeergestrüpp und Nadelwald bedeckt und nur in der
Umgebung des Wirthschaftsgebäudes, welches nahe der Mitte der Hoch-
fläche in einer Bodeneinsenkung liegt, für Garten- und Feldanlagen urbar
gemacht. Beim Roden einer etwa 270 □ m grossen Waldparzelle nord-
östlich von dem in der Nähe des Gasthauses errichteten Aussichtsthurm
wurden nun im Herbst 1895 die erwähnten Gefässreste und Mahlsteine
entdeckt; einzelne Scherben fand ich selbst beim sorgfältigen Absuchen
des Feldes noch in den Ackerfurchen verstreut. Eine Fortsetzung der
Rodung durch Herrn Keiler im December 1897 führte dann zur Entdeckung
weiterer Scherben und eines Mahlsteins, sowie einer Feuerstätte.
Um einen Einblick in die Bodenverhältnisse an der Fundstelle zu er-
langen, liess ich am Rande des Feldes auf noch unberührtem Boden eine
Grube ausheben, in welcher nach Abräumen eines etwa 15 cm dicken
Filzes von Heidelbeer- und Baumwurzeln zunächst eine 10 cm mächtige
graue, lockere Sandschicht durchschnitten wurde, welche ihre Entstehung
der Zusammenwehung und Anschwemmung der Sandkörner benachbarter
verwitterter Sandsteine durch Wind und atmosphärische Niederschläge
verdankt, wie die überall in den Vertiefungen der erodirten Felsenober-
fläche angesammelten Sande. Unter dieser Schicht folgte sandiger, gelber,
oft grau gefleckter, ungeschichteter Lehm, welchem an der oberen Grenze
bis gegen 15 cm Tiefe vereinzelte stumpfkantige oder gut gerundete, bis
über faustgrosse Gerolle regellos vertheilt eingelagert sind. Unter diesen
Gerollen, deren mikroskopische Untersuchung ich Herrn Dr. W. Bergt
verdanke, wiegt feinkörniger, weisser, gelblicher und röthlicher, zum Theil
mit Muscovitblättchen gemengter Quarzfels vor, dazu gesellen sich Quarz,
Hornstein, quarzitischer Sandstein, weiss geaderter Kieselschiefer-ähnlicher,
durch Kohle schwarz gefärbter Quarzit, Quadersandstein, mikrogranitischer,
krystallarm'er und glimmerhaltiger Quarzporphyr, Felsitporphyr und Feld-
spathbasalt, selten ein faustgrosses Feuersteinbruchstück. Die dem Lehm
beigemengten, gerundeten, rosafarbigen Quarzkörnchen verrathen deutlich
ihren Ursprung aus dem Sandsteingebiet der Nachbarschaft, wie auch
manche der oft scharf begrenzten grauen Flecke in den tieferen Lehm-
schichten durch verwitterte, vollständig gelockerte Quadersandsteingerölle
hervorgerufen werden. Die Ausdehnung dieser Lehmablagerung, deren
untere Grenze bei 1,6 m Tiefe in der Grube noch nicht erreicht wurde,
lässt sich nach dem in der Umgebung überall zu Tage austretenden Sand-
stein des Untergrunds auf etwa 2000 □ m schätzen.
Eine zweite derartige Lehmeinlagerung im Quadersandstein von circa
1000 □ m Flächeninhalt befindet sich südlich jener, durch anstehenden
Sandstein davon getrennt, an der Stelle, wo jetzt das Gasthaus erbaut
ist, dessen Südseite gegenüber unter einem 20 cm dicken Wurzelgeflecht
15 cm grauer, lockerer Sand, darunter 45 cm sandiger, gelber Lehm auf-
geschlossen ist.
Diese Lehmlager sind offenbar isolirte Reste altdiluvialer Schichten,
welche in Vertiefungen der erodirten Oberfläche des Felsens zurückgeblieben
sind.
75
Auf diese Ablagerungen sind nun auch die auf dem Pfaffenstein ent-
deckten Reste einer urgeschichtlichen Cultur beschränkt. Auf der nörd-
lichen Fundstelle am Aussichtsthurm wurden sie beim Umwenden der
oberen Erdschichten auf der ganzen urbar gemachten Fläche verstreut
gefunden; sie entstammen, wie die in der Versuchsgrube am Feldrande
gesammelten Gefässscherben und Holzkohlen zeigen, der obersten Schicht
des Lehmlagers, in welcher sie zerstreut eingelagert sind, während die
überdeckende Sandschicht keine Artefacte enthält. Letztere ist hiernach
erst in späterer Zeit, als der Platz von seinen Bewohnern bereits wieder
verlassen war, durch Regen und Wind darüber geschwemmt und geweht
worden, und hat so die Spuren einer mehrtausendjährigen Vergangenheit
bis jetzt vor der Vernichtung und Zerstörung durch Menschenhand und
atmosphärische Einflüsse unversehrt bewahrt. Auch im Bereich der zweiten
Lehmablagerung am Gasthaus sind nach mündlichen Mittheilungen des
Herrn Keiler beim Bau des Hauses von den Arbeitern Gefässreste ge-
funden, aber vernichtet worden, eine Angabe, die bestätigt wird durch
Auffindung von Scherben und Mahlsteinen auf dem Kartoffelfelde, welches
auf dem nach dem Aussichtsthurm hin ansteigenden Hange dicht neben
dem Gasthaus angelegt ist. Stark verwitterte Gefässscherben liegen hier
nicht selten an der Erdoberfläche.
Die Hinterlassenschaft der vorgeschichtlichen Bewohner des Pfaffen-
steins besteht nun, wie schon erwähnt, in zahlreichen Scherben irdener
Gefässe, in Mahl- und Reibsteinen und in einer Feuerstätte; Metallgegen-
stände sind nicht aufgefunden worden. Die meisten der gesammelten
Reste befinden sich noch auf dem Pfaffenstein, wo sie Herr Keiler in
seiner Gastwirthschaft ausgestellt hat, ein kleiner Theil ist in den Besitz
der Königl. prähistorischen Sammlung in Dresden übergegangen, zwei
Mahlsteine besitzt Herr H. Engert in Dresden.
Die Gefässtrümmer sind zumeist vereinzelte Bruchstücke ohne Zu-
sammenhang, die nach Aussehen und Material von einer grösseren Zahl
von Gefässen herrühren. Nur wenige Scherben konnten zu grösseren
Stücken vereinigt werden; fast vollständig reconstruiren Hessen sich nur
zwei Gefässe: ein doppeltgehenkelter Topf und ein Napf mit niedrigem
Fuss. Ersterer stand nach Angabe des Herrn Keiler, welcher den Fund
eigenhändig dem Boden entnahm, in geringer Tiefe aufrecht im Lehm und
war in viele Stücke zerbrochen. Der durch Austrocknen hart gewordene
Lehmkern war, als mir der Fund vorgelegt wurde, noch fast unversehrt
und gab die ursprüngliche Form des Gefässes recht gut wieder, sodass ein
Zusammensetzen der Bruchstücke mit Hülfe der dem Lehmkern noch an-
haftenden Theile ohne grosse Schwierigkeit möglich war. Das Gefäss
(Fig. 6) ist ein 19 % cm hoher Topf von eiförmig bauchiger Gestalt, mit
niedrigem, eingeschnürtem Hals, der sich nach oben nur mässig erweitert;
die beiden Henkel sind abgebrochen und nur durch die Ansatzstellen an-
gedeutet; die Oberfläche des gelbgrauen Topfes ist glatt. Bruchstücke
ähnlicher, auch aussen gerauhter Gefässe sind noch mehrfach vorhanden.
Der Inhalt bestand nur aus dem sandigen Lehm der Fundstelle, ohne
jede Spur von Knochenbeimengung. Das zweite Gefäss ist ein 14 cm
hoher, doppelconischer Napf mit wagrecht umgelegtem Rand (Fig. 4),
welcher auf einem niedrigen Fuss aufgesetzt ist; Fuss und mittlerer Theil
des Gefässes sind mit je drei Horizontalfurchen verziert. Von einem
grösseren weitbauchigen Napf mit niedrigem, senkrechtem Hals (Fig. 1)
76
ist die obere Hälfte erhalten, ebenso von einem ähnlichen, an dessen
hohem, nach der Mündung conisch verengtem Hals zwei kleine Henkel
angesetzt sind (Fig. 2). Von derartigen Näpfen befinden sich noch
mehrere Bruchstücke in dem gesammelten Scherbenvorrath. Weiter sind
vertreten Fragmente grösserer doppelconischer Näpfe, welche an dem bis-
weilen kielartig vorstehenden grössten Umfange durch senkrechte oder
schräge Einschnitte (Fig. 10) oder durch Fingereindrücke kettenartig ge-
kerbt und zum Theil auf der Unterseite gerauht sind. Die Aussenseite
einer kegelförmigen Tasse mit leicht gewölbter Wandung (Fig. 3) ist dicht
mit radial gestellten, scharf eingeschnittenen Furchen bedeckt. Von
Schüsseln sind niedrige, oben mehr oder weniger nach aussen umgebogene
Handstücke vorhanden, die in das flache, mit Strichen verzierte Untertheil
kantig oder gerundet übergehen (Fig. 11, 12); auf kleinere Schalen weisen
Handstücke hin, die eine Reihe flacher, durch Fingereindrücke hervor-
gerufener Gruben tragen (Fig. 7) oder durch scharfe Einschnitte gekerbt
sind (Fig. 8). Auch Theile von Buckelgefässen sind erhalten, sowohl
solche der gewöhnlichen Form, bei denen der Buckel durch einen elliptischen
Hof vom Gefässbauch scharf abgesetzt ist, als auch solche, bei welchen
der Buckel nur als flacher Höcker ohne Umrandung aus der Gefäss-
wandung hervortritt (Fig. 9). Als Seltenheit ist das kleine Bruchstück
eines Siebgefässes (Fig. 5) zu erwähnen. Ausserdem sind noch Reste
zahlreicher anderer Gefässe vorhanden, deren Formen aber sich aus der
geringen Grösse der Scherben nicht bestimmen lassen. Die meisten
weisen auf solche von mässiger Wandungsstärke hin, doch fehlen auch
dickwandige, mehr als centimeterstarke nicht. Das Material ist grobsandig,
oft mit gröberen Quarzkörnern gemengt, die Farbe meist lichtbraun bis
gelblich, auch ziegelroth.
Mit den Gefässen zusammen sind zehn Mahlsteine und ein Klopf- oder
Heibstein gefunden worden; drei der ersteren stammen von dem Kartoffel-
felde am Gasthaus, der Rest von der Fundstelle am Aussichtsthurm. Die
Mahlsteine haben dickplattige Form, sind mehr oder weniger viereckig,
durch den Gebrauch einseitig eben oder concav abgeschliffen, auf der
Unterseite zum Theil roh behauen und gerundet. Ihre Länge schwankt
zwischen 26 und 40 cm, die Breite von 171/2 — 25 cm bei einer Dicke
von 5 — 10 cm. Als Material zu drei derselben ist ein fester Quarz-
sandstein, zu sieben ein braunrother Quarzporphyr verwendet — Gesteine,
welche in der nächsten Umgebung des Pfaffen steins anstehend oder in
grossen Geschieben nicht gefunden werden, und aus weiterer Entfernung
nach der jetzigen Fundstelle gebracht worden sein müssen. Durch eine von
Dr. W. Bergt ausgeführte mikroskopische Untersuchung des Quarzporphyrs
hat sich nicht feststellen lassen, ob derselbe, wie man vermuthen könnte,
aus dem grossen Altenberg-Zinnwalder Quarzporphyrgebiet herstammt.
Als Klopf- oder Reibsteine dienten bis faustgrosse Quarzitgerölle,
welche neben den ursprünglichen glatten, gerundeten Geschiebeflächen
auch rauhe, ebene, durch den Gebrauch beim Zerkleinern der Körner-
früchte entstandene Abnutzungsflächen aufweisen.
Die auf Seite 74 erwähnte Feuerstelle wurde dicht neben der im
September 1896 ausgehobenen Grube aufgefunden, war muldenförmig in
den Lehm eingeschnitten und mit Erde und Holzkohlen angefüllt. Der
Lehm der Grubenwandung hatte durch Einwirkung des Feuers ziegelrothe
Färbung angenommen. —
77
Jlhhand/ d. Js/s //? Dresden J ISdZ Ta. f. IT.
78
Die hier aufgefiilirten Reste menschlicher Cultur gehören unzweifel-
haft der vorgeschichlichen Zeit an, wie ein Vergleich mit ähnlichen von
anderen Fundorten lehrt. In Form, Material und Herstellungsweise
stimmen die Gefässe vollkommen mit denjenigen überein, die als charakte-
ristisch für die älteren Gräberfelder des Lausitzer Typus angesehen werden
und die sich allerorts finden, soweit dieser Typus in Sachsen und in den
Nachbargebieten verbreitet ist: doppelconische Näpfe, eiförmige Töpfe mit
ausladendem Rand, kegelförmige Tassen, flache Schalen und vor Allem
Buckelgefässe. Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Pfaffensteinfunde
aus derselben Periode herrühren, wie die im nördlichen Flachlande
Sachsens, in der Elbniederung thalabwärts Pirna und in einem Theil der
Lausitz so häufigen älteren Urnenfeldern, aber es ist ausgeschlossen, dass
sich ein derartiges Gräberfeld auch auf dem Pfaffenstein befunden hat.
Dagegen spricht nicht allein die Beschaffenheit der Fundstücke: das Fehlen
vollständiger Gefässe und calcinirter Menschenknochen, sondern auch die
Lagerungsweise derselben in der dünnen Culturschicht, welche eine in
späterer Zeit durch äussere Einflüsse bewirkte Verstreuung und Ver-
schleppung ursprünglich zusammenhängender Gefässtheile ausschliesst.
Es rühren die Scherben offenbar her von beim Gebrauch zertrümmerten
Gefässen, deren Bruchstücke weggeworfen und so zufällig über die Fund-
stellen verstreut wurden. Berücksichtigt man ferner die für die geringe
Ausdehnung der Fundplätze verhältnissmässig grosse Zahl der zum häus-
lichen Gebrauch bestimmten Handmühlen, das häufige Vorkommen von
Holzkohlen in der Culturschicht und die Ueberreste alter Feuerstätten, so
kann man kaum anders schliessen, als dass die vorliegenden Reste aus einer
Ansiedelung stammen müssen, welche auf der Höhe des Pfaffensteins
zu derselben Zeit bestand, in welcher in den Niederungen und im Flach-
lande Sachsens die älteren Gräberfelder vom Lausitzer Typus angelegt
wurden, das ist etwa in der Mitte des letzten vorchristlichen Jahrtausends,
und dass der durch seine isolirte Lage und seine schroffen Felswände
von Natur aus reichlich Schutz gewährende Pfaffensteinfelsen einer gleichen
Bevölkerung, wie diejenige war, deren spärliche Ueberreste in jenen Gräber-
feldern erhalten sind, zeitweise als sicherer Zufluchtsort gedient hat.
Durch die Angaben von Friedemann und Fischer, nach welchen sich
auf der Höhe des Pfaffensteins ein alter Opferaltar mit Spuren der Be-
arbeitung durch Menschenhand befinden soll, könnte man veranlasst
werden, den Felsen als eine Cultusstätte aus heidnischer Vorzeit aufzu-
fassen. Eine Betrachtung des am westlichen Rande der Hochfläche ge-
legenen, im Volksmunde als Opferstein, Druiden- oder Teufelssitz be-
zeichneten Sandsteinblocks zeigt aber, dass dieser seine eigenthümliche
Gestalt nicht der Arbeit der Menschenhand, sondern nur der durch
atmosphärische Einflüsse bewirkten Verwitterung des ungleich harten
Gesteins verdankt, wie nicht seltene, ähnlich geformte Blöcke im Ver-
breitungsgebiet des Quadersandsteins. Eine Bezeichnung desselben als
„Opferstein“ seiner Form wegen ist ebenso unberechtigt, wie die der
dicht dabei befindlichen kesselförmigen Vertiefungen in der Felsenober-
fläche als „Opferkessel“. Letztere sind wohl ebenfalls nur Folgen der
Verwitterung des Sandsteins, wenn sie nicht, wie besonders der soge-
nannte grosse „Opferkessel“, als alte Strudellöcher aufzufassen sind.
Ueber das Alter und die Bestimmung des am westlichen Fusse des
Felsens gelegenen Walles, wie über dessen Zusammenhang mit der An-
79
siedelung auf der Hochfläche lassen sich nur Vermuthungen aussprechen.
Der aus Sand und grösseren Sandsteinstücken errichtete Wall schliesst
den zur Höhe führenden und noch in der Jetztzeit vorwiegend benutzten
Zugang zum Pfaffenstein bogenförmig ab und lehnt sich mit seinen
Flanken an die den Fuss des Berges umgebende Trümmerhalde; seine
Länge beträgt nach Fischer 50 — 60 Schritt, seine Höhe an der Stelle,
wo er vom Zugangsweg durchschnitten wird, fast 1 1/2 m. Von einer
nach Friedemann früher vorhandenen Bedeckung mit Geschieben aus dem
Bielafluss ist jetzt nichts mehr zu sehen. Letzterer berichtet auch über
die Auffindung zahlreicher Urnenscherben und einer fast 1/2 m mächtigen
Kohlenschicht am Wall selbst, doch konnte mir Herr Friedemann keine
Auskunft über den Verbleib dieser Funde geben. Weitere Nachforsch-
ungen verbietet zur Zeit der niedere Waldbestand, welcher den Wall
und seine Umgebung bedeckt. Lage und Form des Walles machen es
allerdings wahrscheinlich, dass derselbe von den vorgeschichtlichen Be-
wohnern des Pfaffensteins zum Schutze ihres Zufluchtsortes errichtet
worden ist. Eine ähnliche Anlage ist vor Kurzem durch E. Wilisch*)
vom Sandsteinfelsen des Oybin bei Zittau beschrieben worden, auf dessen
Höhe sich ebenfalls Spuren einer vorgeschichtlichen Niederlassung gefunden
haben, welche durch Wälle am Fusse des Felsens gedeckt wird. Eine
sorgfältige Beobachtung anderer Felshochflächen im Quadersandstein-
gebirge würde vielleicht die Zahl der Beweise für eine Besiedelung dieses
Gebietes in vorgeschichtlicher Zeit noch vermehren.
*) E. Wilisch: Zur Vorgeschichte des Oybin. Zittau 1897. 8°. 2 Tat.
XII. Ueber einen oligocänen Sandsteingang an
der Lausitzer Ueberscliiebung bei Weinböhla in Sachsen.
Von Prof. Dr. Ernst Kalkowsky.
(Mit Tafel III.)
i-'v ^ *
Gänge von Gesteinen, die gewöhnlich nur als sedimentäre Massen in
Form von Schichten auftreten, sind als seltene und untergeordnete
Gebirgsglieder schon lange bekannt; meist aber hat man sich gescheut,
diese Gebilde geradezu Gänge zu nennen. Man hat sie vielmehr in ver-
schiedenster Weise als Gesteinskämme, als Rücken, als Klüfte und Spalten
schlechtweg, als Kluftausfüllungen, als gangähnliche Gebilde bezeichnet.
Noch neuerdings schlug A. P. Pawlow in seiner Abhandlung: On dikes of
oligocene sandstone in the neocomian clays of the district of Alatyr, in
Russia, im Geol. Magazine Dec. IV, Vol. III, p. 49, 1896 vor, in einem
solchen Falle von ,,neptunischen Gängen“ zu sprechen. So wenig wir
aber in der Benennung der Lagerungsform einen Unterschied machen
zwischen Gängen, bei denen die Klufterfüllung wesentlich durch chemische
Processe zu Stande gekommen ist, und denjenigen, bei denen Eruptiv-
gestein in eine Kluft eingedrungen ist, so wenig liegt doch wohl auch
Veranlassung vor, eine plattenförmige Masse von klastischem Gestein in
durchgreifender Lagerung anders denn als Gang zu bezeichnen. Dem-
gemäss haben denn auch J. S. Diller in seiner die in Frage stehenden
Erscheinungen in etwas umfassenderWeise berücksichtigenden Abhandlung:
Sandstone dikes im Bull, of the geol. Soc. of America, Vol. I, p. 411, 1890
und W. Cross in seiner Arbeit: Intrusive sandstone dikes in granite, ebenda
Vol. V, p. 225, 1894, und schliesslich doch auch Pawlow einfach von
Gängen gesprochen. Diese Gelehrten haben ferner unzweifelhaft das
Richtige getroffen, indem sie die betreffenden Ganggesteine, deren Haupt-
gemengtheil allothigene Quarzkörner sind, ohne Umschweife Sandstein
nannten; nur in gezwungener Weise könnte man in einem oder dem
anderen solcher Fälle unter Betonung der genetischen Verhältnisse eine
besondere Benennung zu rechtfertigen versuchen.
Wenn in Nordamerika im nördlichen Californien und am Pikes Peak
in Colorado zahlreiche und zum Theil mächtige und weithin verfolgbare
Sandsteingänge auftreten, so dürfte doch auch der vereinzelte Sand-
steingang bei Weinböhla in Sachsen Beachtung verdienen , weil er
unter besonderen tectonischen Verhältnissen auftritt, und weil über sein
Alter, seine Entstehung und seine Geschichte genaue Erkenntniss möglich
ist. Und an und für sich ist doch ein Sfindsteingang ein immerhin seltenes
geologisches Phänomen.
81
Bei Weinböhla im Elbthale, östlich von Meissen und nordwestlich
von Dresden ist seit langer Zeit eine kleine, von der Vernichtung durch
Erosion wegen besonderer Lagerungsverhältnisse bewahrt gebliebene Scholle
von dem der Stufe des Inoceramus Brongniarti ungehörigen Pläner kalk
abgebaut worden. Sie wurde zuletzt bei der Bearbeitung der Section
Kötzschenbroda der geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen
von Th. Siegert untersucht, der die Aufnahme der Section im Frühjahr 1890
abschloss. Als später der Abbau des Kalkes weiter nach Südosten vor-
rückte, stiess man auf eine dünne, vertikale Sandstein-, , Mauer“ ; eine
Notiz in einer Dresdner Zeitung hat leider keine Beachtung gefunden,
wohl weil die ganze Erzählung zu phantastisch erschien. Mancherlei
Beobachtungen sind allerdings damit versäumt worden. Als ich nach
meiner Berufung nach Dresden die Brüche bei Weipböhla im Frühling 1895
zum ersten Male besuchte, erkannte ich die wahre Bedeutung des Bestes
der vermeintlichen Mauer, zeichnete Skizzen, nahm Photographien auf und
untersuchte das Gestein. Ich zögerte aber mit einer Veröffentlichung,
weil der Werkführer des Bruches einen weiteren Abbau gerade an der
Stelle des anstehenden Sandsteinganges in Aussicht stellte. Der Aufschluss
ist aber nicht besser geworden, vielmehr jetzt schon fast ganz überrollt,
und in diesem Herbste ist wohl der ganze Abbau des Weinböhlaer Kalkes
zum Erliegen gekommen; in Zukunft ist weder der petrefactenreiche Pläner-
kalk noch der Rest des Sandsteinganges mehr zugänglich; sie sind beide
abgebaut, und die Brüche werden eingeebnet.
Die ehemaligen Plänerkalkbrüche von Weinböhla sind ausser durch
ihren Reichthum an Petrefacten für die Geologie Sachsens auch noch da-
durch wichtig, dass in ihnen der grösste Aufschluss für die grosse Lausitzer
Ueber Schiebung vorhanden war. In den Erläuterungen zur Section
Kötzschenbroda sind die Profile, die durch den Abbau des Pläners bloss-
gelegt wurden, abgebildet und beschrieben worden: die ganz flach in NO
einfallenden Plänerschichten sind an der Ueberschiebung durch den Syenit
in gleichmässiger Krümmung bis zur Ueberkippung aufgerichtet worden.
An der jüngsten Abbaustelle zeigte sich zu unterst Plänerkalk, darüber
Pläner mergel 3 m mächtig, dann Syenitgrus 1 m mächtig und zu oberst
eine gegen das Elbthal bis zu einer Mächtigkeit von 9 m zunehmende
Ablagerung von diluvialem Haidesand. In diesem Profile ist besonders
wichtig, dass der Plänerkalk nochmals deutlich von Mergel überlagert
wird, worüber ältere Angaben nicht berichten konnten. Es zeigt sich,
dass bei Weinböhla in ganz derselben Weise wie bei Dresden-Strehlen der
Kalkstein mit Inoceramus Brongniarti von Plänermergel unter- und über-
lagert wird.
Dieses System von Plänermergel und Plänerkalkstein wird nun durchs
setzt von dem Sandsteingang, der noch auf eine Länge von ca. 12 m
und eine Höhe von 6 m im Anstehenden untersucht werden konnte.
Der Gang ist nach glaubwürdiger Aussage des Werkführers durch die
ganze Breite des Bruches auf eine Strecke von ca. 50 m hindurchgegangen;
zahlreiche Blöcke des Ganggesteins konnten noch als Fundamente für die
Rohre und Gerüste zur Wasserbewältigung im Bruche und in der Nähe der
Werkführerwohnung beobachtet werden, da man den Sandstein als einziges
nicht zerfrierendes Gestein des Bruches fürsorglich ausgebeutet hatte.
Der Sandsteingang hat in einzelnen solcher abgebauten Blöcke eine
Mächtigkeit von 33 cm und mehr; in seinem anstehenden Rest betrug die
82
Mächtigkeit 40—44 cm. Die Seitenflächen sind nicht ganz aber doch im
Allgemeinen eben. Der Gang streicht in seinen später zu erwähnenden
Theilen N 60—65 0 0 geogr. Mer. und fällt mit 86 0 in N; in seinem noch
zu beobachtenden Rest steht er also annähernd saiger und streicht
ungefähr senkrecht gegen die allgemeine Richtung der Lausitzer Ueber-
schiebung an dieser Stelle.
Quer durch den Bruch hat der Gang Kalkstein und den darunter-
liegenden Mergel, vielleicht auch den darüberliegenden Mergel, falls dieser
dort vorhanden war, durchsetzt, doch war der Gang zur Zeit meines
ersten Besuches in der Sohle des Bruches infolge Ueberschüttung durch
Abraum bereits nicht mehr zu sehen; im Anstehenden an der östlichen
Wand des Bruches durchsetzte er ebenfalls den Kalkstein und den unteren
durch Aufrichtung und Ueberkippung hinter dem Kalkstein emportauchen-
den Mergel. Diese Gesteine sind aber an der erwähnten Wand, wo sie
dicht vor der hier leider doch nicht mehr aufgeschlossenen Ueberschiebungs-
fläche liegen, vielfach von Klüften durchsetzt und zum Theil ganz zermalmt.
So ist es zunächst nicht weiter auffällig, dass das linke und das rechte
Nebengestein des Ganges in Bezug auf Kalkgehalt und Spaltbarkeit meist
nicht ganz übereinstimmen. Von dem Nebengestein ist der Gang durch
einen schwachen Lettenbesteg getrennt.
Das Gestein des Ganges ist ein hellgrauer, kalkiger Sandstein;
seine allothigenen Quarzkörner sind durch Kalkspath zu einem sehr
festen und zähen Gestein verkittet. Die allothigenen Quarzkörner sind
farblos, ohne äusseres oder eingelagertes Pigment. Sie haben die Form
kantiger Bruchstücke mit geringer Rundung an manchen Stellen; selten
sind gut abgerollte Körner. Ihre durchschnittliche Grösse ist 0,2 bis 0,3 mm;
die meisten haben annähernd dieselbe Grösse, einige wenige sind auch
etwas grösser. Zerkleinert man das Gestein gröblich, und entfernt man den
Kalkspath durch Salzsäure, so findet man auch noch viel kleinere Quarz-
bröckchen hinab bis zu den winzigsten Splitterchen, die im Wasser unter dem
Mikroskop nicht zur Ruhe kommen. Die Menge dieses Quarzstaubes liess
sich quantitativ aus im Folgenden zu erwähnenden Gründen nicht bestimmen;
sie ist aber jedenfalls sehr gering im Verhältniss zu d$n gleichinässig
grösseren Quarzkörnchen. In dem ausgeschlämmten feinen Staube konnten
durchaus nur Bruchstückchen von Quarz und recht wenig Partikelchen von
„Thon“ zu nennender Substanz gefunden werden: authigene Elemente, Neu-
bildungen, waren nicht aufzufinden. Auch wenn Dünnschliffe mit ganz ver-
dünnter Salzsäure langsam entkalkt werden, sind in dem wieder mit Canada-
balsam-Lösung vorsichtig bedeckten Präparate authigene Gemengtheile (ab-
gesehen von dem alsbald zu erwähnenden Eisenkies) nicht zu beobachten.
Die Quarzkörner enthalten bald kleinere, bald grössere Flüssigkeits-
einschlüsse, vereinzelt auch die für manche Granitquarze charakteristischen
opaken Nüdelchen. Die meisten Körner bestehen aus einem Individuum,
selten sind feinkörnige Aggregate als allothigene Körner. Undulöse Aus-
löschung ist in den Quarzen recht häufig.
Nur ganz vereinzelt waren braune Blättchen von Biotit und Blättchen
von gestauchtem, ganz zersetztem Glimmer und Körner von anderen allo-
thigenen Gemengtheilen unter dem Mikroskop zu finden. Feldspath fehlt
durchaus; dagegen sind noch ganz vereinzelte „Viridit“-Körnchen zu er-
wähnen, die Glaukonit sein könnten; es waren ihrer aber nur eines in je
zwei Dünnschliffen zu finden.
83
Diese allothigenen Quarzkörner sind nun wesentlich durch. Kalk-
spath cementirt. Der Kalkspath tritt in Körnern, meist ohne Zwillings-
streifung, auf; nicht selten lässt sich ein Kalkspathindividuum zwischen
mehreren Quarzkörnern hindurch verfolgen; im Schliff liegen wohl auch
bisweilen Quarzkörner ganz isolirt im Kalkspath und anscheinend ganz
von ihm umschlossen. Doch steckt der Kalkspath auch auf engsten Fugen
zwischen den Quarzkörnern. Fast überall enthält der Kalkspath den vor-
hin erwähnten allerfeinsten Quarzstaub in ungleichmässiger Vertheilung
als Einschluss, so dass er dadurch ganz trübe erscheint.
Die chemische Analyse ergab an vier Proben einen durchschnittlichen
Gehalt des Sandsteins von 30 Procent kohlensauren Kalkes ; von Magnesia
wurde in dem Carbonat auch nicht eine Spur gefunden. Es ist kein merk-
barer oder sicherer Unterschied im Gehalt an Kalkspath zwischen mittleren
und seitlichen Partien des Sandsteinganges vorhanden. Der Gehalt an
Kalkspath ist nur in dem Gestein nicht ganz gleichmässig verth eilt, wie
das auch die mikroskopische Analyse erkennen lässt. An manchen Stellen
fehlt der Kalkspath gänzlich, die Gesteinsmasse ist dann porös; solche
Stellen haben auffälliger Weise immer die Form von etwa 1 cm langen
und 1 — 2 mm dicken Stäbchen, die auf den Flächen derjenigen Blöcke,
die schon einige Jahre den Atmosphärilien ausgesetzt waren, als durch
Staub und Buss dunkel gewordene Streifchen zu erkennen sind. Ursprung
und Bedeutung dieser durchaus nicht überall in den Blöcken vorhandenen
Gebilde kann ich nicht erklären.
Kocht man Scherbchen des Sandsteins anhaltend mit starker Salz-
säure, bis chemische Beactionen erkennen lassen, dass durchaus aller
Kalkspath aufgelöst ist, so behalten die Scherbchen trotz des sehr hohen
Kalkgehaltes im Gestein ihre Form; nur wenige Quarzkörnchen fallen ab.
Die Extraction des Kalkspathes aus Stückchen des Sandsteins auch durch
kochende concentrirte Salzsäure geht nur sehr langsam von Statten, und
die ausgelaugten Stückchen stellten einen porösen, aber immerhin noch
recht festen „cementlosenu Sandstein dar, dessen einzelne Sandkörner sich
unter der Lupe mit einer starken Nadelspitze meist nur mit einiger Mühe
loslösen lassen. Entkalkte Scherbchen des Sandsteins lassen sich zer-
brechen und zerreiben, aber kleinere Stückchen von wenigen Millimetern
Durchmesser kann man durch Druck zwischen den Fingern nicht in Sand-
körner zertheilen. Aus diesem Grunde konnte der Quarzstaub nicht
quantitativ bestimmt werden. Unter der Lupe zeigt sich, dass in der
zerriebenen Masse neben vielen einzelnen Sandkörnern immer auch
Aggregate von Sandkörnern in Menge vorhanden sind, in denen also die
einzelnen Körner wirklich fest mit einander vereinigt sind. Ganz anders
verhält sich der sogenannte krystallisirte Sandstein von Fontainebleau,
der bei der Behandlung mit Salzsäure ganz zerfällt. Ausser dem Kalk-
spath ist in dem Sandsteingange von Weinböhla in geringerer Menge noch
Eisenkies als authigener Gemengtheil vorhanden, der zwar seinerseits auch
manche Quarzkörnchen verkittet; da aber sonst durchaus keine anderen,
fein vertheilten authigenen Gemengtheile, etwa Kieselsäure, in irgend einer
Form vorhanden sind, so müssen die allothigenen Quarzkörner selbst unter
einander Zusammenhängen, mit einander verschweisst sein. Das ist nun
auch unter dem Mikroskope zu beobachten.
Kantige Quarzkörner im Dünnschliff eines klastischen Gesteins sind
ja namentlich bei irgendwie reichlich vorhandenem Kalkspath- Cement
84
scharf begrenzt, und man erkennt im polarisirten Lichte leicht, ob ein
Quarzkorn aus einem oder aus mehreren Krystallkörnern besteht: im
letzteren Falle sind die Grenzen zwischen den krystallinen Individuen im
zerstreuten Lichte nicht zu erkennen. Mit Verwunderung sieht man nun
in den Dünnschliffen dieses Gang-Sandsteins mit seinem reichlichen Kalk-
cement, wie oft mehrere, zwei, drei, ja sechs und sieben und noch mehr
kantige Quarzkörner an einzelnen Stellen oder mit einzelnen Spitzen so
dicht, so eng neben einander sitzen, dass die Grenze zwischen ihnen im
zerstreuten Lichte manchmal kaum, manchmal durchaus gar nicht wahr-
nehmbar ist. Auch wenn man den Schliff entkalkt und dann seine nackte
Oberfläche unter dem Mikroskope studirt, wird man an solchen Stellen
keine Discontinuität wahrnehmen. Die Umrisse aber eines solchen Com-
plexes von zwei allothigenen Quarzkörnern lassen meist keinen Zweifel
daran auf kommen, dass wirklich zwei einstmals isolirte Quarzkörner mit
einander verbunden sind: wenn ein Quarzkorn mit einer Spitze fest mit
der breiten Seite eines anderen verbunden ist, dann muss man doch sagen,
dass ein solcher Complex als einzelnes allothigenes Quarzkorn unmöglich
ist. Es erweist sich als nöthig, für diese Erscheinung den neuen Begriff
der ersehweissung von Qnarzkörnern^ einzuführen. Seltener ist in
diesem Gestein die Erscheinung, dass nach Art der Gerolle mit Ein-
drücken ein Quarzkorn mit kleinerem Krümmungsradius in eine Stelle
eines anderen Quarzkorns von grösserem Krümmungsradius eingedrückt
ist. Beide Erscheinungen aber weisen darauf hin, dass mechanische
Kräfte bei der Entstehung des Sandsteinganges zur Entfaltung ge-
kommen sind.
Der Sandstein des Ganges enthält im Durchschnitt 30 Procent Kalk-
spath. Da nun die specifischen Gewichte von Quarz und Kalkspath nur
wenig von einander verschieden sind, so kann man, ohne einen Fehler zu
begehen, auch 30 Volumprocente für den Kalkspath in Anspruch nehmen.
Der durch Kalkspath verkittete lockere Sand hatte also ein Porenvolumen
von 30 Procent, für diesen Fall ein sehr geringes Porenvolumen. Bei
dichtester Lagerung gleichgrosser kugelförmiger Bodenbestandtheile beträgt
das Porenvolumen 25,95 Procent. E. Rain ann schreibt dazu in seiner „Forst-
lichen Bodenkunde und Standortslehre“, Berlin 1893: „es ist nicht ohne
Bedeutung, dass feinkörnige Sande, welche den Boden von Seen oder den
Untergrund von Mooren bilden, ein Porenvolumen besitzen, welches fast
genau dem der theoretisch berechneten dichtesten Lagerung entspricht“;
er giebt aber weiter nichts an über die besondere Beschaffenheit dieser
Sande. An einer Probe von Braunkohlensand, dessen Körner alle scharf-
kantig sind und einen Durchmesser von 0,1 — 0,4 mm besitzen, bestimmte
ich das Porenvolumen zu 37,8 Procent, indem dabei der unter Wasser
stehende Sand nur durch lange fortgesetztes Aufstossen des Masscylinders
zu engster Lagerung seiner Theilchen gebracht wurde. Ein anderer Braun-
kohlensand, der an einer Quelle entnommen war und fast gar keinen
„Staub“ enthielt, wies sogar ein Porenvolumen von 40, o Procent bei einer
sehr gleichmässigen Grösse der scharfkantigen Körner von 0,2 — 0,4 mm
Durchmesser auf.
Hieraus dürfte hervorgehen, dass der Sand des Sandsteinganges vor
seiner Cementirung oder vielleicht auch noch während seiner Cementirung
einer Pressung unterworfen gewesen ist, die einfach vom Nebengestein der
mit Sand erfüllten Kluft, die sich wieder schliessen wollte, ausging. Dieser
85
Druck leitete nun die Verschweissung der Sandkörner ein, indem dabei
wohl auch der in Lösung hinzugeführte kohlensaure Kalk als Lösungs-
mittel, als Auflockerungsmittel der Grenzmolekeln der Quarze eine Rolle
spielte.
Es wurde schon oben erwähnt, dass als zweiter authigener Gemeng-
theil in dem Gangsandstein Eisenkies vorhanden ist. Seine Individuen
erscheinen als kleine, oft recht scharf ausgebildete Würfel von 0,03 bis
0,1 mm Kantenlänge. Der Eisenkies ist im Gestein in geringer Menge
allgemein verbreitet; nicht selten tritt er dabei auch in Gruppen von
Krystallen auf, die auch die Form von längeren, dünnen Stäben mit
zackiger Oberfläche annehmen können. Die gute Formentwickelung der
Eisenkieskryställchen scheint darauf hinzuweisen, dass sie sich vor dem
Kalkspath, nicht gleichzeitig mit ihm gebildet haben. Damit stimmt es
überein, dass der Sandsteingang in seiner Mitte in einer 2,5 — 3 cm
mächtigen Lage recht reich an Eisenkies ist und dadurch eine gewisse
Verwandtschaft mit Mineralgängen mit seitlich symmetrischer Structur
erhält. Doch ist diese an Eisenkies reiche Mittelzone nicht immer vor-
handen. Durch Umwandlung des Eisenkieses in Brauneisenstein und da-
mit Hand in Hand gehende Auslaugung des Kalkspathes ist gelegentlich
die Mittelzone in einen ganz mürben, eisenschüssigen Sandstein umge-
wandelt worden. Eine besondere Kluft oder eine nur aus Eisenkies oder
nur aus Kalkspath oder aus beiden Mineralien bestehende Mittelzone auch
etwa von nur geringster Mächtigkeit ist aber niemals vorhanden.
Sonst ist in der ganzen Masse des Sandsteinganges kein Kornunter-
schied, keine vertikale Plattung, keine horizontale Schichtung zu be-
obachten; abgesehen von der nicht immer vorhandenen an Eisenkies
reicheren Mittelzone ist das Gestein des Ganges homogen. Höchstens sieht
man im Dünnschliff bei schwacher Vergrösserung ein oder ein anderes
Streifchen von feinerem Korn hervortreten; es wurde ja auch schon oben
darauf hingewiesen, dass das Kalkspathcement nicht ganz gleichmässig
vertheilt ist.
Von accessorischen Bestandmassen wurden in dem Sandsteingange
nur wenige Fetzen von Mergel in der Nähe der Saalbänder beobachtet,
die offenbar unmittelbar vom Nebengestein herstammen. Wichtiger aber
ist es, dass in den herumliegenden Sandsteinblöcken auch ein, und zwar
trotz langem Suchen nur ein einziges Gerolle von Pläner mergel ge-
funden wurde. Das Gerolle ist 11 cm lang und ca. 6 cm dick und breit,
gut abgerundet, aber an dem einen Ende durch eine fast ebene Fläche,
gleichsam eine Bruchfläche, begrenzt. Es ist ein dunkler Plänermergel
mit einem, wenigstens jetzt als Einschluss im festen Gestein, geringen
Gehalt an Kalkspath.
Viele Blöcke des Sandsteinganges sind von Kalkspathadern von
2—10 mm Mächtigkeit durchzogen, die bald spärlicher, bald etwas reich-
licher auftreten und regellos verth eilt sind, im Allgemeinen aber doch
den Gang vielfach quer durchsetzen. Der ganze Gang hat offenbar eine
Zerklüftung in Quadern aufgewiesen, so dass er den Steinbrechern wie
eine Cyclopenmauer entgegentrat. Es besteht in ihm aber stellenweise,
wie die umherliegenden Blöcke lehren, auch eine Zerklüftung mit Ver-
schiebung der Stücke quer gegen die Gangplatte um 1 — 2 cm auf Klüften,
die durch Kalkspath erfüllt sind. Die Seitenflächen des Ganges zeigen
eben stellenweise scharfes Hervortreten oder Einsinken der Theilstiicke.
86
Auch das Nebengestein des Ganges ist ja mehrfach sowohl parallel dem-
selben als senkrecht gegen ihn zerklüftet, und im Anstehenden fand sich
nun der ganze Gang selbst zerbrochen und verworfen und zwar
so, dass zwei Stücke des Ganges an einander vorbeigeschoben sind. Im
Grundriss erscheint der Gang auf eine horizontale Strecke von 6,6 m
doppelt. Die beiden schräg abgebrochenen Gangstücke berührten sich an
der dem Kalkbruch zugewandten Seite, divergirten aber nach hinten um
30 cm. Die Stücke des Ganges sind aber offenbar nicht nur in horizon-
taler Richtung an einander verschoben worden, sondern zugleich auch in
verticaler verworfen, oder aber verschoben in einer gegen den Horizont
geneigten Richtung, die sich wohl einfach durch die mit 35° in SW ein-
fallenden Streifen eines ausgezeichneten Harnisches auf der inneren Seite
des nördlichen Gangstückes (an der Seite dieses Gangstückes gegenüber
dem anderen) bestimmen lässt. Der volle Betrag der schrägen Ver-
schiebung liess sich an dem noch erhaltenen Reste des Ganges nicht mehr
feststellen; die Verschiebung betrug noch wie oben angegeben 6,6 m, die
Verwerfung im verticalen Profil ca. 1,5 m.
Da der Sandsteingang ungefähr senkrecht zu der Richtung der grossen
Lausitzer Verwerfung streicht und in ihrer unmittelbarsten Nachbarschaft
aufsetzt, so ist wohl ohne Weiteres die Verschiebung des Ganges mit
eben dieser Lausitzer Ueberschiebung in Zusammenhang zu bringen; man
kann auch mit Recht vermuthen, dass die Harnischstreifen senkrecht auf
der an der Stelle des Ganges gerade nicht mehr aufgeschlossenen Ueber-
schiebungsfläche stehen, die somit unter 55° in NO einfallen würde, was
sehr gut mit den älteren aus den Steinbrüchen von Weinböhla veröffent-
lichten Profilen übereinstimmt.
Zur Bestimmung des Alters des Sandsteinganges müssen wir,
da Petrefacten in ihm fehlen, zunächst unsere Zuflucht nehmen zu einer
Vergleichung des ursprünglich vorhandenen Sandes mit anderen Sanden
und Sandsteinen der Umgegend. Von dem Haidesand, der jetzt den
Gang oberflächlich verhüllte, kann sein Material nicht abstammen, denn
die Körner des Haidesandes sind grösser, von mannigfaltigerer Beschaffen-
heit und vor allem stark abgerollt und abgerundet. Und da der Sand-
steingang augenscheinlich zur Zeit der Entstehung der Lausitzer Ueber-
schiebung schon vorhanden und festes Gestein war, so kann er überhaupt
nicht diluvialen Alters sein, da die Ueberschiebung älter ist. Der oben
angeführte Syenitgrus, der älter ist als der Haidesand, kann ebenfalls
nicht das Material geliefert haben, da er, abgesehen von seiner Zusammen-
setzung, ein ganz locales Gebilde und nicht einmal über der Stelle des
Sandsteinganges zur Ablagerung gelangt ist.
Nun liegt über dem Brongniarti-Pläner resp. Quader im Elbthale bei
Pirna in nicht allzu grosser Entfernung von Weinböhla noch der jüngere
Ueberquader, den W. Petraczek in diesen Abhandlungen 1897, I. Heft,
S. 24 fig. als dem Untersenon angehörig bestimmt hat. Der Ueberquader
hat bei Pirna noch die bedeutende Mächtigkeit von über 50 m; er muss
einstmals noch weiter nordwärts vorhanden gewesen sein. Dass also jetzt
keine Relicte von ihm in der Gegend von Weinböhla Vorkommen, dass
dort auch nicht mehr das Gebiet der Quadersandstein-Facies des Turons,
sondern das der Pläner-Facies vorliegt, dürfte in dieser Frage nicht ent-
scheidend sein. Aber die Körner des Ueberquaders sind stets gröber, mannig-
faltigerer Art, und es sind für ihn, wie auch für manche älteren Quader-
87
Sandsteine rosarothe Quarzkörner vielfach geradezu charakteristisch. Könnte
also einstmals über dem Pläner von Weinböhla auch noch eine Decke von
Ueberquader vorhanden gewesen sein, so ist das doch schon nicht sehr
wahrscheinlich, und ein anderer Ursprung des Sandes des Sandsteinganges
stimmt besser mit den gegebenen Thatsachen überein.
J. S. Diller hat für die Sandsteingänge im nördlichen Californien er-
kannt, dass das Sandmaterial für dieselben aus der Tiefe emporgepresst
worden ist. Der Pläner von Weinböhla liegt wahrscheinlich über einem
wenig mächtigen System von cenomanen Schichten , die an dem weiter
nordwärts gelegenen Tunnel bei Oberau von H. B. Geinitz untersucht worden
sind und ,,aus einem theils kalkigen, theils kalkfreien, mehr oder weniger
thonigen , dunkelgraugrünen bis schwarzgrünen , meist glaukonitischen
Sandstein (Grünsandstein) und einem sandigen, glaukonitischen Mergel,
welche nach ihrer Basis hin durch Aufnahme von Gerollen benachbarter
Gesteine zu Conglomeraten werden“, bestehen (Erl. zu Sect. Kötzschen-
broda, S. 34). Damit stimmt nun die Beschaffenheit des Sandsteinganges
gar nicht überein, dem ja Glaukonit, man kann dreist sagen, ganz fehlt.
Andere sedimentäre Formationen liegen aber weiter nicht unter dem Turon;
die obere Kreide ruht in dortiger Gegend unmittelbar auf Granit, Syenit
und Gneiss. Es, kann also das Material des Sandsteinganges nicht von
unten emporgedrungen sein.
Als jüngere Bildungen liegen nun auf dem krystallinen Grundgebirge
noch oligocäne Kiese, Sande und Thone, die jetzt in der Nachbarschaft
von Weinböhla nur noch in einzelnen Belicten erhalten sind, früher aber,
vor der Zeit des Diluviums, entschieden eine grössere Verbreitung be-
sessen haben. Die Sande sind bald feinkörnig, bald grobkörnig, sie ent-
halten stellenweise, nicht immer, die festen Knollensteine. Das Sand-
material der letzteren zeigt nun bei mikroskopischer Untersuchung in
Grösse, Form und sonstiger Beschaffenheit der Quarzkörner, wie besonders
durch oft vorhandene undulöse Auslöschung, ferner in dem Fehlen aller
Feldspathbrocken und fast aller anderen mineralischen Gemengtheile
die allergrösste Aehnlichkeit mit dem Material des Sandsteinganges. Es
giebt feinkörnige Knollensteine, deren Quarzkörner namentlich auch in
Bezug auf Grösse und Form so genau mit denen des Sandsteinganges
übereinstimmen, wie dies nur überhaupt bei den allothigenen Quarzen
klastischer Gesteine zu bestimmen möglich ist. Auch die oben in Bezug
auf ihr Porenvolumen untersuchten sächsischen Braunkohlensande stimmen
hiermit überein.
Ueber die Plänerbrocken an den Saalbändern im Sandsteingange braucht
weiter nichts ausgesagt zu werden; es sind das wenig weit transportirte
Brocken des Nebengesteins. Das einzige im Sandsteingange gefundene
Gerolle von Plänermergel spricht durch seine geringe Festigkeit für einen
Transport aus der Nähe; der Plänermergel, sowohl der unter dem Pläner-
kalkstein, wie der über ihm liegende, muss aber früher vor der Entstehung
der Lausitzer Ueberschiebung,* vor der Ablagerung des Oligocäns eine
weitere oberflächliche Verbreitung gehabt haben. Im Sande des Sand-
steinganges kann das Stück Plänermergel nicht seine Form, etwa durch
Bewegung und Verschiebung des Sandes erhalten haben; es fehlt neben
dem Mergelgerölle aller Thon ebenso wie sonst in dem Gange, die Pläner-
stücke im Gange sind ja sonst scharfkantige Fetzen, und die Form des Ge-
rölles ist durchaus die eines Fluss- oder Ufergerölles, wobei noch daran
88
zu erinnern ist, dass es vor seiner Einhüllung im Sande des Ganges recht
wohl einen etwas grösseren Gehalt an Kalkspath und dadurch grössere
Festigkeit besessen haben kann.
Da nun von Eocän, Miocän und Pliocän in der Gegend von Weinböhla
nichts vorhanden ist und wohl wie überhaupt in diesem Theile Sachsens
auch nie vorhanden gewesen ist, so muss nach Allem der Sand des Sand-
steinganges den oligocänen Sanden entstammen, die hier niemals Petre-
facten enthalten, deren Alter aber nach einer gefälligen Mittheilung von
Herrn Professor Th. Siegert doch mit Sicherheit als unteroligocän ange-
geben werden kann.
Es bleibt nun noch übrig, die Entstehung und die Geschichte
des Sandsteinganges von Weinböhla kurz zu skizziren.
Nach der Ablagerung des turonen Pläners und vielleicht des Ueber-
quaders wurde ein grosser Theil dieser Sedimente in der langen Zeit des
oberen Senons und des Eocäns durch Erosion entfernt. Es schlugen sich
in einzelnen Seebecken und vielleicht Flussläufen die Kiese, Sande und
Thone des Unteroligocäns nieder, die im jüngeren Tertiär auch wieder
durch Erosion zum grossen Theile entfernt wurden. Aber gegen das Ende
der unteroligocänen Zeit beginnen im Gebiete der nachmaligen Lausitzer
U eher Schiebung Bewegungen im Boden, Erdbeben, gleichsam Vorläufer
der Ueberschiebung, einzutreten. Es reisst bei einem Erdbeben der
Boden, das feste turone Gestein, in einer Spalte auf, in die sogleich der
darüberliegende lockere unteroligocäne Sand eindringt. Der Sand ist über
der Kluft in grösserer Mächtigkeit vorhanden, er füllt die Spalte augen-
blicklich, es entsteht keine Schichtung in der Kluftausfüllung. Die Kluft
will sich wieder schliessen, ihre Wände pressen den Sand zusammen, der
bereits von den Sickerwassern durchtränkt ist. Aus diesen scheidet sich
etwas Eisenkies ab, dann aber Kalkspath, der augenscheinlich dem Neben-
gesteine entstammt. Dass in dem Sandsteingange Knollensteine fehlen,
ist nicht im Geringsten auffällig; diese sind nicht in allen oligocänen Sand-
ablagerungen vorhanden, und überdies sind es wohl jüngere Bildungen, über
die uns allerdings eingehendere Untersuchungen noch fehlen. Der Sand-
steingang entsteht also gegen Ende des Unteroligocäns oder gleich darnach.
In dieser Zeit muss auch, nur noch wenig später, die Lausitzer Ueber-
schiebung eingetreten sein; das Vorkommen der jüngeren Eruptivgesteine
beiderseits der Ueberschiebung in der östlichen Lausitz, in der Zittauer
Gegend, spricht dafür. Die Entstehung der Lausitzer Ueberschiebung hat
zur Folge die Zertrümmerung und Verschiebung des Sandsteinganges, die
Harnischbildung und die Durchtrümmerung mit Kalkspathadern: diese haben
sich unzweifelhaft erst später nach der Verfestigung des Gangsandsteins
gebildet, da mehrfach feinste Aederchen von Kalkspath mitten durch ein-
zelne Quarzkörner hindurchgehen, deren gleiche optische Orientirung auf-
weisende und deshalb augenscheinlich zusammengehörige Bruchstücke
beiderseits eines Aederchens unter dem Mikroskope beobachtet werden
konnten. Erosion entfernt im jüngeren Tertiär weitere Theile des Turons
und des Oligocäns; unter einer Decke von diluvialem Haidesand bleibt
uns der Sandsteingang erhalten als Zeuge vorweltlicher Erdbeben, als
Seismograph, wie Pawlow sagt. Leider liess sich der Gang, der ja erst
durch Steinbruchsbetrieb aufgeschlossen wurde, wegen der Decke von
diluvialen Bildungen nicht weiter verfolgen; es wäre von hohem Interesse
gewesen, festzustellen, ob der Gang noch über die Ueb er schiebungsfläche
89
hinaus in den Syenit fortsetzte oder nicht, denn darnach hätte sich sein
Alter noch genauer oder noch sicherer bestimmen lassen.
In der auf Taf. III nach einer Photographie wiedergegebenen Ansicht
des Sandsteinganges fällt der undeutlich geschichtete Pläner im Vorder-
gründe flach gegen den Beschauer ein ; im Hintergründe, im obersten Theil
der Abbildung, stehen die Schichten fast saiger, indem sie sich bis dorthin
auf eine Bildtiefe von 12 m in gleichmäßiger Wölbung aufgerichtet haben.
XIII. Nachträge zu der Abhandlung von 0. Schneider:
Ueber eine zuerst in Dresden aufgefundene neue
Pelzmilbe des Bibers*).
Von Dr. E. Trouessart und Prof. Dr. O. Schneider.
Herr Dr. E. Trouessart hat die Redaction unserer Jahresberichte
um Aufnahme des Nachstehenden ersucht:
Paris, 15. Novembre 1897.
Monsieur le President!
On me communique une Note du Prof. 0. Schneider publiee dans les
„Abh. Naturw. Ges. Isis in Dresden“, 1897, Heft I, sous ce titrp: „Ueber
eine zuerst in Dresden aufgefundene neue Pelzmilbe des Bibers“, et dans
laquelle M. G. Mingaud (de Nimes) et moi sommes accuses, en termes
injurieux, d’avoir der ob e aux naturalistes Allemands la priorite de la de-
couverte du Schizocarpus Mingaudi que j’ai decrit, dans les „Comptes-
Rendus hebdomadaires de la Societe de Biologie“ du 31. Janvier 1896.
On est surpris de voir M. 0. Schneider se meler de cette affaire qui
ne le regarde pas, puisque, des l’annee 1892, il avait laisse a d’autres le
soin de decrire l’Acarien. Messieurs Kramer et Friedrich, qui seuls pour-
raient se considerer comme leses, n’ont pas reclame, et .je tiens de bonne
source qu’ils n’ont pas Charge M. Schneider de le faire a leur place.
Ma reporise sera facile et tres nette sur tous les points:
1. J’ignorais que M. 0, Schneider eut recolte l’Acarien sur le Castor
des 1892. Je Tai appris seulement par la Note de M. Kramer sur Yllapto-
soma truncaium publiee dans le „Zoologischer Anzeiger“ du 30. Mars 1896,
deux mois apres la mienne.
2. J’ai connu l’existence d’un Acarien pilicole sur le Castor par une
lettre de M. G. Mingaud en date du 8. Janvier 1896, relative au Platy-
psyllus castoris. En me parlant, incidemment, de cet Acarien, decouvert
par M. Friedrich au mois de Juillet 1895, M. Mingaud ne pensait pas
commettre une indiscretion, puisque M. Friedrich ne lui avait pas
demande le secret. Bien plus, M. Mingaud croyait V Histiopliorus castoris
deja decrit et publie en Allemagne.
3. M. Mingaud ne m’a pas envoye de materiaux avant que les trois
descriptions ne fussent publiees. J’ai decrit le Schizocarpus , comme je
l’ai dit dans mes Communications successives, d’apres des Acariens re-
*) Abhandl. naturwiss. Ges. Isis in Dresden, 1897, No. III.
91
cueillis par moi sur des peaux de Castor d’Amerique, au Museum
d’Histoire Naturelle, et sur une peau de Castor du Rhone montee par
M. Petit aine, naturaliste a Paris.
Messieurs Kramer et Friedrich peuvent affirmer l’exactitude de tous
ces faits.
J’avais donc absolument le droit de decrire l’Acarien sans me
preoccuper des etudes faites parallelement en Allemagne. Les naturalistes
competents comprendront sans peine l’interet que presentait cette nou-
velle forme, si specialisee, pour moi qui avais deja decrit toutes les autres
formes de la sous-famille des Chirodiscinae, c’est-a-dire les genres
Campylochirus , Chirodiscus et Labidocarpus , pres desquels vient se placer
le Schizocarpus.
J’espere qu’apres cette explication, M. Schneider regrettera une
attaque que rien n’avait provoque, et surtout les expressions malsonnantes
qui sont echappees a sa plume.
Veuillez agreer, Monsieur le President, l’assurance de ma conside-
ration distinguee,
Dr. E. Trouessart.
112, Avenue Victor Hugo, Paris.
Zu dem vorstehenden Briefe bemerkt Herr Prof. Dr. 0. Schneider:
Meine Absicht bei der von Herrn Trouessart angegriffenen Besprechung
ging dahin, die Thatsache, dass jene merkwürdige Milbe zuerst in Dresden
und an einem Elbbiber gefunden worden, in den Berichten der Isis fest-
zulegen, da diese sich insbesondere die Erforschung des engeren Vater-
landes zur Aufgabe gestellt hat; ich war dazu umsomehr veranlasst, da
Herr Professor Kramer jene an sich nöthigen Angaben in seiner Ver-
öffentlichung nicht berücksichtigt hatte. Dass ich daran eine Mittheilung
über das weitere Schicksal meiner Milben knüpfte, das war durchaus
selbstverständlich und mein volles Recht, zumal da ich das neue Thier
zuerst aufgefunden hatte, denn der Entdecker einer neuen Art hat auch
Verdienst und Recht an derselben, und zwar oft mehr als der zufällige
Beschreiber. Für die Ueberraschung des Herrn Trouessart fehlt also
jeder Grund, dagegen bieten uns seine Mittheilungen Veranlassung genug
zu berechtigtem Erstaunen.
Herr E. Trouessart hat in seiner Veröffentlichung die von Mingaud
(nach Friedrich’s Anweisung) gefundenen Milben an erster Stelle erwähnt
und dann hinzugefügt, dass er das Thier dann auch an ausgestopften
Bibern aus Kalifornien und vom Rhone wiedergefunden; er hat dasselbe
nach Mingaud benannt und gelegentlich erwähnt, dass es nach dem Ab-
sterben des Bibers noch einige Tage am Leben bleibe, was er an seinen
alten, todten Stücken doch gewiss nicht hat beobachten können; wer hätte
darnach vermuthen können, dass Herr E. Trouessart, wie er jetzt versichert,
diese winzig kleine Milbe, bei der es sich nicht nur um Beschreibung einer
neuen Art, sondern um Feststellung der Unterscheidungsmerkmale einer
neuen Gattung handelte, lediglich nach den an ausgestopften Bibern ab-
gelesenen, doch wohl Jahre (oder Jahrzehnte?) bereits todten, eingetrockneten
Thieren beschrieben habe, ohne das frische Material herbeizuziehen, das
er doch in ein oder zwei Tagen von Nimes her erhalten konnte? Für
unsere Streitfrage ist übrigens die Thatsache, ob Herr Trouessart Mingaud’s
Material mitbenutzt oder der Beschreibung nur Thiere zu Grunde gelegt
92
hat, die er auf Mingaud’s Anregung hin selbst gesammelt hat, durchaus
unwesentlich, dagegen sehr werthvoll, dass er uns selbst mittheilt, Mingaud
habe ihn benachrichtigt, dass Friedrich ein halbes Jahr früher eine Biber-
milbe gefunden und dieselbe wohl bereits unter dem Namen Histiophorus
castoris beschrieben und veröffentlicht habe, denn damit bestätigt er meine
Yermuthung und giebt mir vollkommen recht.
Herr E. Trouessart behauptet freilich, er habe also (!?) durchaus das
Recht gehabt, die Milbe zu beschreiben, ohne sich um in Deutschland
ausgeführte gleiche Untersuchungen zu kümmern, wir aber behaupten, er
hatte dies Recht durchaus nicht, der wissenschaftliche Brauch verlangte
vielmehr, dass er, ehe er an die Veröffentlichung ging, sich unbedingt erst
Klarheit verschaffte, ob die fragliche Veröffentlichung Friedrich’s wirklich
erfolgt sei und ob die in derselben beschriebene Milbe der, welche er
beschreiben wollte, gleich oder nicht gleich sei; denn die Pflicht des be-
schreibenden Gelehrten ist nur der Wissenschaft zu dienen und diese nicht
mit Synonymen zu belasten, die im vorliegenden Falle um so schwerer
wiegen, da sie auch die Gattung mitbetreffen. Des Herrn Trouessart Hin-
weis darauf, dass die Milbe doch für ihn hätte besonderes Interesse haben
müssen, da er alle anderen Formen der Unterfamilie Chirodiscinae be-
schrieben habe, kann die Thatsache, dass er sein Interesse über das der
Wissenschaft gestellt hat, weder ändern noch rechtfertigen, denn ein all-
einiges Recht, ein Monopol, die Thiere einer bestimmten Gruppe zu be-
schreiben, wird in der Wissenschaft Niemandem zuerkannt, noch viel
weniger aber kann es sich Jemand selbst anmassen.
Ich habe somit keine Ursache etwas zu bereuen, hoffe aber, dass
nach dieser Aufklärung Herr E. Trouessart bedauern werde, der Wissen-
schaft zum Schaden ein Thier mit neuen Namen belegt zu haben, das,
wie er nach den ihm zugegangenen Mittheilungen sicher voraussetzen
musste, bereits veröffentlicht und damit in gültiger Weise benannt
worden war.
Prof. Dr. Oskar Schneider.
Blasewitz, Südstr. 5.
XIY. Beiträge zur Flora Saxonica.
Von Bürgerschullehrer H. Hofmann.
Zum letzten Male wurden meine floristischen Beobachtungen im
Jahre 1895 der botanischen Section der Gesellschaft „Isis“ vorgelegt
und in dem entsprechenden Hefte ihrer Sitzungsberichte veröffentlicht.
Es hat sich seitdem wieder eine ziemliche Menge neuer Beobachtungen
angehäuft, so dass eine abermalige Veröffentlichung derselben lohnend er-
scheint. Die Beobachtungen beziehen sich fast ausschliesslich auf die
polymorphen Gattungen unserer Flora und es wurden die Belegexemplare
am 9. December 1897 der botanischen Section der „Isis“ vorgelegt. Um
Irrthümer, die sich gerade bei den kritischen Gattungen so leicht ein-
schleichen und sich dann fast unausrottbar weiterschleppen, nach Mög-
lichkeit zu vermeiden, habe ich meine Funde Autoritäten zur Bevision
bez. zur Bestimmung vorgelegt. Ich bin in dieser Hinsicht den Herren
Prof. Dr. Borb äs -Budapest (Mentha), H. Brau n- Wien {Mentha), Fr. Crepin-
Brüssel (Rosa), Dr. W. 0. F ocke -Bremen (Ruhm), K. Friderichsen-Hoyer
(Ruhus), 0. Gelert-Kopenhagen (Ruhm), Prof. Dr. Oborny-Znaim ( Hiera -
cium ), Prof. Dr. Sagorski-Pforta (Rosa, Hieraemm) und Prof. Dr. Wett-
stein Ritter von Westers heim- Prag (EupMasia) für ihre mir gütigst ge-
währte Unterstützung und ihre Mühewaltung zu grossem Danke verpflichtet,
und es ist mir eine angenehme Pflicht, demselben auch an dieser Stelle
Ausdruck zu verleihen.
Zu einigen Gattungen seien noch verschiedene Vorbemerkungen gestattet.
Bieten die Brombeeren an sich schon manche Schwierigkeiten bezüg-
lich der Ab- und Umgrenzung der Arten, so sind die Rubi corylifolii ob
ihrer Widerspenstigkeit bei Versuchen, sie in ein System zu zwängen, ge-
radezu verrufen. Diese Gruppe, welche ausser Ruhm caesius L. alle
Zwischenformen zwischen R. caesius einerseits und den anderen An-
gehörigen des Subgenus Euhatus andererseits umfasst, ist besonders reich
im Norden entwickelt. Es waren daher namentlich skandinavische Bota-
niker, welche sich besonders mit dieser Gruppe der Brombeeren befassten
und versuchten, dieses Chaos zu entwirren. In neuester Zeit sind nament-
lich die Herren K. Friderichsen und 0. G eiert nach dieser Richtung hin
thätig gewesen und diese haben auch die deutschen Corylifolier in den
Kreis ihrer Studien gezogen. Sie glauben gefunden zu haben, dass diese
und speciell auch unsere sächsischen Formen zum Theil recht gut mit den
nordischen übereinstimmen. Es kann daher nur zur Klärung dieser Gruppe
beitragen, wenn wir uns bezüglich der Auffassung und Benennung der
Arten diesen Botanikern anschliessen.
94
Zunächst schlagen die Herren 0. Gelert und K. Friderichsen vor*),
alle diese Zwischenformen von R. caesius und den anderen Eubatus- Arten
in eine Sammelart zusammenzufassen und die einzelnen Formen als Unter-
arten zu betrachten. Dies lässt sich sehr wohl rechtfertigen, da trotz der
oft bedeutenden Unterschiede der Corylifolier untereinander doch alle un-
verkennbar die Merkmale gemeinsam haben, die ihnen R. caesius auf-
geprägt hat: sitzende Seitenblättchen, breite Nebenblätter, verkürzte
Blüthenstände etc. Die genannten Batographen gebrauchten in ihren
„Rubi Daniae exsiccati“ für diese Gruppe zunächst den Namen Rubus
milliformis , neuerdings verwendet aber K. Friderichsen in seiner Abhand-
lung „Beiträge zur Kenntniss der Rubi corylifolii“ (Bot. Centralblatt LXXI,
1897) den älteren Namen R. corylifolius Smith im erweiterten Sinne.
Es finden sich nun hin und wieder auch Pflanzen, die man mit
völliger oder ziemlicher Sicherheit als directe Bastarde des R. caesius
deuten kann, zumal wenn man das Consortium beachtet. Diese Pflanzen
fallen nach ihren morphologischen Merkmalen auch unter den Begriff des
R. corylifolius , aber dieselben sind natürlich mit der gebräuchlichen Be-
zeichnung für Bastarde, die zugleich ihre Herkunft angiebt, zu versehen*
Dies sollte aber eben nur dann stattfinden, wenn Alles, morphologische
Beschaffenheit, Consortium etc., nur für die eine Deutung spricht. Meist
kommen solche zweifellos primäre Bastarde in geringer Individuenzahl
vor. Die weitverbreiteten Corylifolier sind häufig bezüglich ihres Ursprungs
mehr als einer Deutung zugänglich. Auf blosses „Errathen“ hin, wie es
gegenwärtig von verschiedenen Seiten beliebt wird, soll man aber keine
Bastarde als solche aufstellen.
Die Anordnung der Menthen habe ich nach dem System H. Braun’ s
getroffen, wie er es in seiner Abhandlung ,,Ueber einige Arten und Formen
der Gattung Mentha“ in den Verhandlungen der zoologisch -botanischen
Gesellschaft in Wien, 1890, p. 351 aufgestellt hat. Die unten aufgeführten
Formen entstammen zum grössten Theil dem bekannten Schülerthal bei
Zittau. Die Ufer der Mand'au zeigen hier eine so üppige Fülle von In-
dividuen und Formen, wie sie wohl selten auf einem so eng begrenzten
Gebiete angetroffen wird. Es sind hier alle Bedingungen zur Entstehung
von allen möglichen Bastardformen erfüllt und wahrscheinlich sind manche
der angeführten Formen hybrider Abkunft. Leider haben aber elementare
Ereignisse in den letzten Sommern eine beabsichtigte weitere Nachforschung
nach dieser Richtung hin vereitelt.
Fiiices.
Aspidium montanum Aschers. Grossenhain: im Walde bei Brockwitz,
11. Juli 1896.
Asplenium Germanicum Weis. Meissen: an Felsen bei der Buschmühle,
mit A. septentrionale , während A. Trichomanes gegenwärtig zu fehlen
scheint, 15. Juli 1896. — Oberlausitz: am Steinberg (Seidel’s Berg) bei
Bertsdorf mit den Eltern sehr zahlreich. Hier auch die forma montana
sehr schön entwickelt, 7. Juli 1896. PI. er. Sax. 49**). Am Roschers-
*) „Danmarks og Slesvigs Rubi“, in Bot. Tidsskrift XVI, p. 100.
**) „Plantae criticae Saxoniae“, herausgegeben vomRef., bringen in jährlichen Fasch
kein von 25 Nummern die Formen unserer polymorphen Gattungen in getrockneten Exem-
plaren. Gegenwärtig erscheint das 3. Fascikel. Diese Exsiccaten werden u. a. den öffent-
95
berge seltener, 12. August 1896. Am Breiteberge bei Grossschönau
sparsam unter den Eltern, 1. October 1896.
Cypcraceae.
Car ex acuta Good x vulgaris Fr. Niederes Erzgebirge: am Tauwald-
teiche bei Hohenstein, 24. Mai 1895.
— Buxbaumii Wahlnb. Grossenhain: im grossen Spittelteiche, 11. Mai
1896. PI. er. Sax. 47.
— stricta Good. Grossenhain: im grossen Spittelteiche in grosser Menge,
11. Mai 1896. PI. er. Sax. 46.
Orckidaceae.
Goodyera repens R. Br. Oberlausitz: am Oderwitzer Spitzberg, sparsam,
4. August 1897.
Rosaceae,
a) Rosa.
Rosa trachyphylla Ran. var. marginata (Wallr.). Grossenhain: bei Por-
schütz, 27. Juni 1896.
— tomentosa Sm. var. einer ascens. (Dum.). Meissen: bei Löbsal, 20. Juni
1896.
— tomentosa Sm. var. subglobosa Baker. Bei Grossenhain, 23. Juni 1896.
— Gallica L. Grossenhain: im Grunde bei Blattersleben, sehr spärlich,
25. Juni 1897.
— Gallica X dumetorum. Grossenhain: im Grunde bei Blattersleben,
19. September 1896. PI. er. Sax. 65.
— G allicax coriifolia. Meissen: am Tunnel bei Oberau, 19. Juni 1897.
b) Rubus.
Subgen. Cylactis Raf.
Rubus saxatilis L. Zittau: im Hofebusch zwischen Grossschönau und Spitz-
kunnersdorf, 10. August 1897.
Subgen. Eubatus Focke.
1. Suberecti Focke.
/
— sulcatus Yest. Meissen: am linken Elbufer, Sörnewitz" gegenüber,
10. Juli 1897.
— nitidus Wh. et N. Grossenhain: an der Röder bei der Baudaer Mühle,
1. Juli 1896. Bei Thiendorf auf trockenem Sandboden, 22. Juni 1897.
— Meissen: im Golkwalde häufig, 20. Juni 1896. PI. er. Sax. 26. Bei
Weinböhla, 24. Juni 1896. — WTaldenburg: im Grünefelder Park, 6. Juli
1895. Im niederen Erzgebirge sowohl, als auch in der Lausitz scheint
diese im Elbgebiet so häufige Art zu fehlen. Die Waldenburger Pflanze
liehen Herbarien und naturhistorischen Sammlungen der Universität zu Leipzig, der
Technischen Hochschule zu Dresden, der Forstacademie zu Tharandt, des Annen-Real-
gymnasium zu Dresden, des Realgymnasium zu Zittau und des Seminars zu Zschopau
einverleibt, und dadurch ist den Botanikern, welche sich für die nachstehend aufgezählten
Funde und Formen interessiren, Gelegenheit geboten, dieselben einzusehen.
96
stimmt mit der mittelsächsischen vollständig überein und ist ebenso-
wenig wie diese typischer R. nitidus , den ich aus Sachsen über-
haupt noch nicht gesehen habe.
II. Rhamnifolii Focke.
Rubus sentiöosus Köhl. 1829 (= R. montanus' Wirtg. 1857). Meissen: im
Golkwalde nicht selten, 27. Juni 1896. PI. er. Sax. 27. — Königs-
brück: auf dem Keulenberge häufig, 22. Juni 1897. — Grossenhain: im
Walde bei Gävernitz, 10. Juli 1897.
— laciniatus Willd. Oberlausitz: bei Hirschfelde, wohl nur verwildert,
9. August 1897.
III. Thyrsoidei Focke.
— Vestii Focke. Zittau: im Neissthale, 9. August 1897. Diese bis jetzt
aus Oesterreich -Ungarn und Bayern bekannte Art dürfte hier den
nördlichsten Punkt ihrer Verbreitung erreichen.
— candicans Wh. Elbthal: im Golkwalde, 8. Juli 1896. PI. er. Sax. 28.
— thyrsanthus F. Elbthal: bei Scharfenberg, 10. Juli 1897; bei Coswig,
10. Juli 1897. — Oberlausitz: Paulsdorfer Spitzberg, 27. Juli 1897;
bei Hirschfelde, 9. Juli 1897.
— Saxonicus nov. spec. (= R. amygdalantkus var. subcandicans m.
olim!) Schössling kräftig, hochbogig, kahl, am Grunde rundlich
oder stumpf kantig, oberwärts kantig mit ebenen Flächen, an der
Spitze etwas gefurcht, rothbraun, im Herbste wurzelnd, mit lanzettigen,
etwas rückwärts geneigten, ca. 7 mm langen Stacheln bewehrt. Blatt-
stiele behaart, mit gekrümmten Stacheln besetzt, am Grunde rinnig,
sonst flach. Nebenblätter lineal. Blätter fünfzählig, bei älteren
die Blättchen sich mit den Rändern deckend, grob gesägt; äussere
Seitenblättchen deutlich gestielt, Stielchen derselben ziemlich
central oder auch am Grunde der Stielchen der mittleren Blättchen
entspringend. Blattstiel reichlich zweimal so lang als das Stielchen
des Endblättchens und letzteres etwa dreimal so lang als sein Stielchen,
elliptisch bis breit elliptisch, zugespitzt, am Grunde etwas herzförmig.
Blättchen derb, oberseits kahl oder fast kahl, unterseits weichhaarig,
besonders auf den Nerven, grauschimmernd. Blüthenzweige lang mit
dreizähligen Blättern. Blüthenstand nur am Grunde durchblättert,
lang und schmal, oft, namentlich an jüngeren Pflanzen, ganz traubig,
kräftigere Inflorescenzen wenigstens unterwärts mit mehrblüthigen
Aestchen. Achse und Aestchen (und Blüthenstiele) mit langen, ge-
raden, rückwärts geneigten Stacheln bewehrt (ähnlich wie bei R. villi-
caulis Koehl., nur etwas mässiger!). Kelchzipfel zur Blüthe- und Frucht-
zeit zurückgeschlagen. Blumenblättchen schmal verkehrt eiförmig,
in den Nagel verschmälert, weiss oder röthlich. Staubfäden rötli-
lich, länger als die Griffel, nach dem Verblühen zusammenneigend.
Früchte gut entwickelt. Blüthezeit: Ende Juni und Juli.
R. Saxonicus wird wegen seines kahlen Schösslings und wegen
des Baues seines Bliithenstandes den Thyrsoidei-Formen angeschlossen.
Durch einige andere Merkmale, namentlich durch die Bewehrung des
Blüthenstandes, erinnert er aber (namentlich in seiner Sonnenform!)
auch an R. villicaulis Koehler.
97
Holienstein-Ernstthal: in der Nähe des Lampertusschachtes, 1. Jali
1895; beim Bade, 15. Juli 1895. — Waldenburg: im Walde an der
Strasse nach Callenberg mit R. Cimbricus F., 26. Juni 1895.
Rubus Silesiaciis Wh. Bei Königsbriick, gesammelt unter Führung des
Herrn A. Schulz, 22. Juni 1897.
IV. Villicaules Focke.
— villicaulis Koehl. Elbthal: bei Diesbar häufig, 8. Juli 1896. PI. er. Sax. 80.
— macrophyllus Wh. et N. Grossenhain: an humosen Stellen der Wälder
nördlich von Grossenhain ziemlich häufig, z. B. Forsthaus Pfeife,
1. Juli 1896. PI. er. Sax. 52; Zabeltitz, 9. September 1896; im Walde
bei Gävernitz, 10. Juli 1897. — Meissen: Wald bei Oberau, 15. Juli 1896.
— hirtifolius Muell. etWirtg. Grossenhain: im Walde bei Gävernitz mit
R. macrophyllus , senticosus , rudis, hirtus etc., 10. Juli 1897. — Niederes
Erzgebirge: bei Hohenstein -Ernstthal, 3. Juli 1897. PL er. Sax. 53.
V. Adenophori Focke.
— glaucovirens Maas. Oberlausitz: am Löbauer Berge (= R. rhombi-
folius aut. Lusat. non Weihe), 28. Juli 1896; Paulsdorfer Spitzberg,
27. Juli 1897. Die Pflanzen von diesen beiden Localitäten
stimmen vollständig mit einander überein und stehen dem
R. glaucovirens am nächsten, wenn sie sich auch nicht völlig mit
ihm decken. Eine ähnliche Form auch bei Brockwitz bei Grossen-
hain, 11. Juli 1896.
— chaerophyllus Sagorski et Schultze (= R. Bellardii xplicatus Utsch,
ist aber sicher kein primärer Bastard dieser Arten!). Diese gut
charakterisirte Form ist im Zittauer Gebirge sehr häufig (Oybin,
Jonsdorf, 31. Juli 1896) und drängt an manchen Oertlichkeiten alle
anderen Arten in den Hintergrund (Breiteberg bei Grossschönau,
30. Juli 1895; Hofebusch zwischen Grossschönau und Spitzkunners-
dorf, 10. August 1897). Ferner: Scheibenberg bei Zittau, 27. Juli 1896;
Oderwitzer Spitzberg, 4. August 1897; Grosshennersdorfer Spitzberg,
27. Juli 1897; Neissthal, 28. Juli 1895.
VI. Yestiti Focke.
— pyramidalis Kaltenb. Meissen: bei Weinböhla, 17. Juli 1896.
Pi. er. Sax. 31.
VII. Badulae Focke.
— radula Wh. Elbthal: Golkwald, 8. Juli 1896; Scharfenberg, 10. Juli
1897. — Oberlausitz: Breiteberg bei Grossschönau, 6. August 1897;
Paulsdorfer Spitzberg, 27. Juli 1897.
— rudis Wh. et N. Elbthal: im Golkwalde sehr häufig, 27. Juni 1896.
PL er. Sax. 54; Seusslitzer Grund, 27. Juni 1896. — Grossenhain:
Gävernitzer Wald, 10. Juli 1897. Diese Standorte sind die öst-
lichsten dieser Art.
— scaber Wh. et N. Oberlausitz: Breiteberg bei Grossschönau, sparsam,
6. August 1897.
98
bus piriicola nov. spec. Schösslinge aus bogigem Grunde nieder-
liegend, im Herbste wurzelnd, nur kräftigere stumpfkantig, sonst rund-
lich, kurzhaarig, mit Drüsen und Stachelchen massig besetzt. Grössere
Stacheln ziemlich gleich, aus breiterem Grunde pfriemlich, etwas
rückwärts geneigt, ca. 4 mm lang. Blätter 3 — 5 zählig ; Seitenblättchen
deutlich gestielt. Endblättchen breit elliptisch oder verkehrt eiförmig,
zugespitzt, am Grunde seicht herzförmig. Blattstiel am Grunde
schwach rinnig, sonst eben, mit gekrümmten Stacheln besetzt. Neben-
blätter schmal lineal-lanzettlich, mit Drüsen und Haaren bewimpert.
Stielchen des Endblättchens kaum halb so lang als der Blattstiel,
das Endblättchen reichlich dreimal so lang als sein Stielchen. Blättchen
oberseits zerstreut, unterseits reichlicher kurzhaarig. Blüthenstand
mit dreizähligen Blättern. Rispe mehr oder weniger entwickelt,
unten durchblättert, nach oben kaum sich verjüngend. Rispenäste
aufrecht abstehend, untere mit Beiästchen. Achse mit wenigen,
ungleichgrossen Stacheln, abstehend behaart, mit Drüsen, welche die
Haare nicht überragen. Blüthenstiele mit verschieden langen Drüsen,
einzelnen Drüsenborsten und vereinzelten Nadeistacheln. Blüthen
klein. Kelche graugrün, drüsig, mit einzelnen kleinen Nadelstacheln,
nach dem Verblühen abstehend oder zurückgeschlagen. Blüthe weiss,
Staubgefässe die Griffel kaum oder wenig überragend. Griffel
roth. Früchte gut entwickelt. Beginn der Blüthe Ende Juni.
In den Wäldern nördlich von Grossenhain nicht selten; Zabeltitz,
12. Juli 1897; Pfeifenholz, 12. Juli 1897. PI. er. Sax. 56.
VIII. Hystrices Focke.
Koehleri Wh. et N. Diese montane Art wächst in einem einzelnen
Exemplare in trockenem Sande bei Diesbar, 8. Juli 1896. PI. er. Sax. 32.
pygmaeus Wh. et N. Oberlausitz: bei Grossschönau, 10. August 1897.
IX. Glandulosi Focke.
hirtus W. et K. Grossenhain: Gävernitzer Wald, 10. Juli 1897. — Ober-
lausitz: bei Jonsdorf eine Form mit röthlichen Blüthen und Griffeln,
31. Juli 1896. Am Breiteberge bei Grossschönau, 25. Juli 1896.
PL er. Sax. 57.
Guentheri Wh. et N. Oberlausitz: Wald bei Reichenau, 5. August 1896.
Kaltenbachii Metsch. Oberlausitz: im Hardtbusch bei Reibersdorf,
2. August 1897.
rivularis Muell. et Wirtg. Eine Form, welche „sich eng an R. serpens
(Lusaticus Rost.) anschliesst“ (Focke!), auf dem Keulenberge bei
Königsbrück, 22. Juni 1897.
X. Corylifolii Focke.
corylifolius (Sm.) Aresch. spec. coli.
subsp. R. dissimulans (Lindeb.). Grossenhain: Zschieschener
Windmühle, 15. Juni 1896.
subsp. R. serrulatus Lindeb. Oberlausitz: Scheibenberg bei Zittau,
25. Juli 1897; Breiteberg bei Grossschönau, 10. August 1897.
99
subsp. R. Wahlbergii (Arrh.). Sachs. Schweiz: Schlossberg bei
Wehlen, 17. Juli 1897. — Oberlausitz: Paulsdorfer Spitzberg,
27. Juli 1897.
subsp. R. vexatus K. Friderichsen. Oberlausitz: Grosshenners-
dorfer Spitzberg, 27. Juli 1897.
subsp. R. cyclophi/llus Lindeb. Elbthal: Winkwitz bei Meissen,
18. Juni 1897.
subsp. R. acuminatus Lindblom. Elbthal: im Golkwalde, 25. Juni
1897. — Oberlausitz: Löbauer Berg, 28. Juli 1896.
subsp. fasciculatus (P. J. M.) var. ambifarius (P. J. M.). Ober-
lausitz: auf dem Scheibenberge, 20. Juli 1897.
subsp. fasciculatus (P. J. M.) var. macranthus K. Friderichsen.
Oberlausitz: an der Schanze bei Zittau, 4. August 1897.
subsp. oreogeton Focke var. polycarpus G. Braun. Elbthal: bei
Diesbar, 14. Juni 1897. — Oberlausitz: auf dem Scheibenberge,
7. August 1897.
f. ruber Focke (sec. Frid.). Grossenhain: auf dem Kupferberge,
19. Juni 1896. PI. er. Sax. 37 (als R. nemorosus Hayne).
f. ad polycarpum vergens. Elbthal: Golkwald, 16. Juni 1897.
— Sachs. Schweiz: bei Mockethal, 16. Juli 1897. — Ober-
lausitz: am Breiteberg, 6. August 1897.
subsp. oreogeton Focke var. montanu s Wimmer. Sachs. Schweiz:
auf dem Schlossberge bei Wehlen, 17. Juli 1897. — Oberlausitz:
auf dem Oderwitzer Spitzberge, 4. August 1897; am Breiteberge
bei Grossschönau, 6. August 1897 ; am Löbauer Berge, 23. Juli 1897.
Bastarde des R. caesius L.
Rubus caesius L. x Idaeus L. Meissen: am Tunnel bei Oberau, 19. Juni 1897.
PI. er. Sax. 61.
— caesius L. X senticosus Koehl. Bei Dippelsdorf bei Moritzburg,
30. Juni 1897.
— per-thyrsanthus x caesius. Sachs. Schweiz: zwischen Wehlen und
Rathen, 17. Juli 1897.
Scroplmlariaceae.
Euphrasia nemorosa Pers. Oberlausitz: Grosshennersdorfer Spitzberg,
27. Juli 1897; Scheibenberg, 3. August 1897.
— stricta Host. Meissen: Zadel, 30. August 1897; Weinböhla, 15. Juli
1896. — Grossenhain: Kupferberg, 28. August 1896. — Königsbrück:
Reichenau, 7. September 1897. — Wehlen: Schlossberg, 17. Juli 1897.
— Oberlausitz: Scheibenberg, 26. Juli 1895.
— Rostkoviana Hayne. Grossenhain: Brockwitz, 11. Juli 1896. — Ober-
lausitz: Grosshennersdorf, 27. Juli 1897.
— gracilis Fr. Bei Zöblitz auf Serpentinhalden, 25. August 1895.
**
100
Lafol atae.
Mentha.
A. Eumentha Godr.
Mentha nemorosa Wild. Schülerthal bei Zittau.
— silvestris L.
var. typica. Schülerthal bei Zittau,
var. snbnemorosa Borb. Schülerthal bei Zittau,
var. cuspidata (Opiz). „ „ „
var. serrata (Opiz). „ „ „
yar. Dossiana Desegl. et Dur. „ „ „
var. discolor (Opiz). „ „ „
— piperita L. f. genuina. Herwigsdorf bei Zittau, cult.
B. Trichomentha H. Br.
I. Tubulosae H. Br.
— paludosa Sole.
var. serotina (Host.). Schülerthal bei Zittau.
— plicata Opiz
yar. viretorum H. Br. „ „ „
— aquatica L.
var. Ortmanniana (Opiz). ,, „ „
var. minoriflora Borb. ,, ,, ,,
var. riparia (Schreb.). „ ,, ,,
f. umbrosa (Opiz). ,, ,, „
f. angustata (Opiz). „ „ „
— verticillata L. Meissen: Laubach.
var. tortuosa (Host.). Schülerthal bei Zittau,
var. Motoliensis (Opiz). „ „ ,,
var. elata (Host.). „ „
var. peduncularis (Boreau). ,, „
var. ovalifolia (Opiz). ,, „ „
var. heleophila H. Br. ,, „ ,,
var. Beneschiana (Opiz). „ „ „
var. cechobrodensis (Opiz). ,, ,, „
var. Prachinensis (Opiz). „ „ „
var. statenicensis (Opiz). „ „ ,,
var. eupatoriaefolia H. Br. „ „ „
var. Hardeggensis H. Br. Zittau: bei Hörnitz.
II. Campanocalyces H. Br.
— origanifolia Host. Zittau: bei Hörnitz.
— parietariaefolia Becker.
var. tenuifolia (Host.). Zittau: auf dem Scheibenberge,
var. praticola (Opiz). Zittau: am Mandauufer.
— Austriaca Jacq. Grossenhain, Meissen, Zittau etc.
var. foliicoma (Opiz). An der Mandau bei Zittau,
var. pulchella (Host.). Auf dem Scheibenberge.
101
var. multiflora (Host.). Zittau: bei Hörnitz.
var. Zatecensis (Opiz). Zittau: bei Reichenau.
Mentha palustris Mönch.
var. Nusleensis (Opiz). An der Mandau bei Zittau.
— arvensis L. Zittau: bei Hörnitz.
C, Gentilis H. Br.
— rubra Smith.
var. resinosa (Opiz). Grossenhain: bei Walda, verwildert.
— grata Host. Am Mandauufer bei Hainewalde.
— gentilis L. Zittau: in Reichenau, cult.
— Hofmanni H. Br. Hohenstein-Ernstthal. -- Zittau, cult.
— B orbäsiana Briquet.
var. suavifolia H. Br. Am Mandauufer im Schülerthal ; in Reichenau,
cult.
Compositae.
Hieracium.
Hieracium Peleterianum Mer. subsp. Peleterianum a genuinum 1. pilosissi-
mum (Wallr.). Elbthal: in Weinbergen bei Seusslitz, 6. Juni 1896.
PI. er. Sax. 68. — Diese Pflanze ist hier bereits am 21. Mai 1894
von Herrn F. Fritzsche gesammelt worden.
— pachylodes Naeg. et Pet. nov. subsp. longicrinis Hofm. et Sagorski.
Blätter lanzettlich, stumpflich. Stolonen verlängert, kürzer als bei
H. Pilosella , dicklich, mit decrescirenden Blättern. Schäfte 1 selten
2, 17 — 24 cm hoch. Plülle 13— 14 mm lang, kugelig; Schuppen
I, 5 — 2 mm breit, grau, hellrandig, zugespitzt. Haare an Hülle und
Schaft reichlich, hell mit dunklem Fuss, am Schaft bis 8 mm lang,
auf der Oberseite der Blätter mässig, etwas steif, an den Stolonen
sehr reichlich, weiss, bis 10 mm lang. Drüsen an der Hülle fehlend
oder sehr einzeln, am oberen Schaft mässig, nach unten sich ver-
lierend. Flocken an der Hülle und an der Schaftspitze sehr reich-
lich, Blätter oberseits nackt, Blattrücken grau. Blüthen gelb, rand-
ständige aussen stark rothstreifig. Früchte abortiren. Blüthe-
zeit Ende Mai und Anfang Juni.
Die Pflanze ist sicher primärer Bastard von H. Pele-
terianum Mer. und H. Pilosella subsp. vulgare , in deren Gesell-
schaft sie wächst.
Elbthal: in Weinbergen bei Seusslitz unterhalb Meissen, 31. Mai
1897. PI. er. Sax. 69.
— chaetocephalum nov. hybr. = H. collinum x Peleterianum. Dieser
Bastard wurde unter den Eltern im Muldenthale in 2 Exemplaren
gefunden, wovon das eine mit möglichster Schonung des Wurzel-
stockes gesammelt wurde. Dieses zeigt folgende Merkmale:
Blätter breitlanzettlich; Stolonen dicklich, 13 cm lang, mit
Anfangs increscirenden, dann schnell decrescirenden Blättern besetzt.
Stengel dicklich, 20 cm hoch, aufrecht. Akladium 7,5 mm lang,
Strahlen 2. Ordnung 3, obere sehr genähert, unterster aber weit
102
entfernt, in der unteren Hälfte des Stengels entspringend; Ord-
nungen 3, Köpfe 6, Hülle rundlich, 9 — 10 mm lang, Schuppen
fast 2 mm breit, lang zugespitzt, dunkel, breit grünrandig. Haare
überall sehr reichlich, hell, an der Hülle ca. 4, am Stengel 5—7 und
an den Stolonen bis 9 mm lang, auf den Blättern borstlich, 4 mm
lang. Drüsen an der Hülle mässig, im Kopfstande und am oberen
Stengel reichlich, abwärts fehlend. Flocken an der Hülle, im Kopf-
stande und am oberen Stengel reichlich, auf dem Blattrücken mässig.
Blüthen gelb, die randständigen aussen rothstreifig. Blüthezeit An-
fang Juni.
Diese Pflanze steht morphologisch dem H. Prussicum Naeg. et Pet.
(= H. collinum x Pilosella) sehr nahe, ist aber durch die breiten
Hüllkelchschuppen, die reiche, helle und lange Behaarung etc.
deutlich als Abkömmling des H. Peleterianum charakterisirt.
Muldenthal: an trockenen Abhängen bei Döbeln unter den Eltern,
9. Juni 1896.
Hieracium Pilosella L. subsp. trichoscapum Naeg. et Pet. Elbthal: bei
Seusslitz unterhalb Meissen, 31. Mai 1897. Hier finden sich kräftige Pilo-
se^a-Formen, welche wegen ihrer grossen Hülle, ihren breiten Schuppen
und ihrer reichen Behaarung zur genannten Subspecies gezogen werden
müssen. Es ist interessant, dass dieselben gerade hier im Gebiete des
H. Peleterianum auftreten, und es lässt sich die Möglichkeit nicht in
Abrede stellen, dass diese Formen unter dem Einflüsse desselben ent-
standen sind.
— Auricula Lam. subsp. Magnauricula Naeg. et Pet. Muldenthal: Ab-
hänge bei Döbeln, selten, 9. Juni 1896.
. — collinum Gochn. subsp. collinum var. gorlicicum Naeg. et Pet. Ober-
lausitz: bei Herrnhut, 12. Juni 1897. PI. er. Sas. 72.
— collinum Gochn. subsp. cölliniforme Naeg. et Pet. Erzgebirge : bei Alten-
berg, 18. Juli 1896. — Lausitzer Gebirge: zwischen Tollenstein und
und Tannenberg, 8. Juni 1897.
— flagellare Willd. Warnsdorf i. B.: bei Grund, 8. Juni 1897.
— magyaricum Naeg. et Pet. subsp. cymanthum Naeg. et Pet. Ober-
lausitz: zwischen Herrnhut und Grosshennersdorf, 12. Juni 1897.
— florihundum Wimm, et Grab, subsp. erubescens Naeg. et Pet. Ober-
lausitz: am Fusse des Scheibenberges, selten, 7. Juni 1897. PI. er. Sax. 74.
— cymosum L. subsp. cymigerum Reichb. Lausitzer Gebirge: am Tannen-
berge i. B., 8. Juni 1897.
— umbelliferum Naeg. et Pet. subsp. Saxonicum Naeg. et Pet. Grossen-
hain: bei Porschütz, 8. Juni 1896.
— hyperdoxum Sagorski (== H. umbelliferum X Pilosella). Grossenhain :
bei Porschütz unter den Eltern, 8. Juni 1896.
— brachiatoides nov. hybr. = H. hyperdoxum Sag. x Pilosella L.
Blätter lanzettlich, zugespitzt, selten etwas spatelig-lanzettlich. Sto-
lonen zahlreich, dünn, mit decrescirenden Blättchen besetzt. Stengel
20 — 28 cm hoch, schlank, gabelig; Akladium x/4 — ]/2 ( — 1/1) des
Stengels. Strahlen 2. Ordn. 1 ( — 2); Ordnungen 2; Kopfzahl 2
(■ — 3). Hülle 6 — 8 mm lang, rundlich; Schuppen 1 mm breit, spitz,
103
graulich, etwas heller gerandet. Haare an der Hülle zahlreich, 1 mm
lang, am Stengel oben reichlich, dunkel, bis 3 mm lang, auf der Blatt-
oberseite borstlich, ca. 3 mm lang. Drüsen an Hülle und oberem
Stengel massig, abwärts fehlend. Flocken an Hülle, am oberen
Stengel und Blattrücken reichlich. Blüthen gelb. Blüthezeit: An-
fang Juni.
Döbeln: an Strassenrändern bei Glaucha unter den Stammarten,
9. Juni 1896.
Hieracium bifidum Waldst. et Kit. Lausitzer Gebirge: am Tollenstein,
8. Juni 1897
Grossenhain, im December 1897.
Jbhandl . d. Isis in Dresden , 1897. Tafffl.
IfH -
t
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
in Dresden.
Herausgegeben
von dem Redactions - Comite.
Jahrgang 1898.
Mit 1 Tafel und 32 Abbildungen im Text.
Dresden.
In Commission der K. Sachs. Hofbuchhandlung H. Burdach.
1899.
Inhalt des Jahrganges 1899.
A. Sitzungsberichte.
I. Section für Zoologie S. 3 und 19. — Jenke, A.: Vorlagen von Schizoneura lanigera
S. 19. — Nit sehe, H.: Entwickelung und Wechsel der Hörner bei der amerikanischen
Gabelantilope, Linne’sche Systematik der Säugethiere, elektrische Fische, R. Leuckart f
S. 3; zoologische Reiseeindrücke aus England, Vorkommen von Leucaspius delineatus
und Rhodeus amarus S. 19. — Reibisch, Th.: Binnenconchylien aus Ecuador S. 3;
Einführung von Helix candicans im Plauenschen Grunde S. 4; und R. Ebert:
Berichtigungen S. 4. — Schiller, K.: Vorlagen von Cyclops und Daphnia S. 19. —
Schorler,B.: Kalkalgen des Süsswassers und ihre Beziehungen zu den sogenannten
Furchensteinen S. 20, mit Bemerkungen von 0. Drude, H. Nitsche und P. Wagner.
— Thallwitz, J. : Stärke der Schläge des Zitterrochens S. 4; Vorkommen von Sper-
mophilus citillus im sächsischen Erzgebirge S. 19; über Hydroidpolypen und Medusen
des Mittelmeeres S. 20, mit Bemerkungen von R. Ebert undH. N it sch e. — Vogel, CI.:
Bastardirungsvorgänge bei Säugethieren S. 3, mit Bemerkungen von H. Nitsche und
A. Schöpf. — Wagner, P. : Ueber Rillensteine S. 19. — Geschenke für die Biblio-
thek S. 19.
H. Section für Botanik S. 4 und 20. — Drude, 0.: Milchsaftröhren der Euphorbien,
gegenwärtiger Stand der Nomenclaturfrage S. 4; stickstoffsammelnde Thätigkeit der
Bodenbakterien S. 5; Resultate botanischer Reisen in Sachsen und Thüringen S. 20;
neue Litteratur S. 5 und 20. — Fritz sehe, F.: Vorlagen von Blüthen- Abnormitäten
S. 5. — Gründler, J.: Ueber Bacillariaceen S. 5. — Pohle, R. : Demonstration
des Heu -Bakteriums, Beginn der Cambium - Thätigkeit bei Populus canadensis S. 5.
— Schorler, B.: Antheil der Pflanzen an der Selbstreinigung der Flüsse S. 4; stein-
zerstörende Algen S. 20; Bereicherungen der Flora Saxonica S. 21. — Stiefel-
hagen, H.: Neue Carex- Formen und Hybriden S. 21. — Walther, R.: Neuer
Desinfectionsapparat für geschlossene Räume S. 4.
III. Section für Mineralogie und Geologie S. 5 und 21. — Bergt, W. : Geologie
der Antillen, Bestimmung von Calamiten S. 6; neue Litteratur S. 6 und 21. — Engel-
hardt, H. . Pflanzen aus dem Polirschiefer von Sulloditz, neue Litteratur S. 6. —
Kalkowsky, E.: Zwillingsbildungen des Quarzes S. 5; Begriff und Werth der Edel-
steine S. 6; neuer Aufschluss im Diluvium in Dresden, Vorlagen S. 21; neue Litte-
ratur S. 5 und 6. — Naumann, E. : Concretionen im Glacialmergel S. 6. — N e s s i g , R :
Studien über den Dresdner Haidesand S. 6; Graphit- Vorkommnisse im Lausitzer Granit
bei Dresden S. 21.
IY. Section für prähistorische Forschungen S. 6 und 21. — Deichmüller, J.:
Schutz der vorgeschichtlichen Alterthümer, Bronzefund von Velem St. Veit S. 7; Vor-
geschichte Sachsens, mit Vorlagen S. 21. — Döring, H. : Prähistorisches aus dem
Muldenthal zwischen Nossen und Rosswein S. 21. — Ebert, 0.: Vorlagen S. 23. —
Nitsche, H. : Die sogen. Wetzikonstäbe S. 6; uralte Formen von Angelgeräthen,
über Fischspeere S. 7. — Excursion nach Lockwitz S. 7.
Y. Section für Physik und Chemie S. 7 und 23. — Fo er st er, F.: Einwirkung von
Chlor auf Alkalien S. 24. — Heger, R.: Optische Beobachtungen in den Alpen
S. 23, mit Bemerkung von F. Pockels S. 24. — Lottermoser, A.: Das colloidale
Quecksilber S. 9. — Möhlau, R.: Neue Anwendungsformen der Cellulose S. 23. —
Pockels, F. : Die bei Blitzentladungen vorkommenden Stromstärken S. 8. — Schloss-
mann, A.: Die Milch und ihre Bedeutung als Nahrungsmittel S. 9. — Toepler, M. :
Schichtung elektrischer Funken und über Gleitfunken S, 8. — Walther, R.: Ueber
Explosivstoffe S. 7.
IV
VI. Section für Mathematik S. 9 und 24. — Gravelius, H. : Grundgedanken der
Gylden’schen Störungstheorie S. 25. — Krause, M.: Partialbruchzerlegung bei trans-
cendenten Functionen S. 10. — Rohn, K.: Zusammensetzung von Bewegungen und
reguläre Raumeintheilung S. 9; Eigenschaften der Curven 3. und 4. Ordnung S. 24;
Methode der Construction des Krümmungskreises an einem der fünf gegebenen Punkte
eines Kegelschnitts S. 25. — Witting, A.: Planimetrische Constructionen in be-
grenzter Ebene S. 10.
VII. Hauptversammlungen S. 11 und 25. — Veränderungen im Mitgliederbestände S. 13
und 26. — Beamte im Jahre 1899 S. 28. — Rechenschaftsbericht für 1897 S. 11 und 15.
— Voranschlag für 1898 S. 11. — Freiwillige Beiträge zur Kasse S. 27. — Bericht
des Bibliothekars S. 30. — Massregeln zum Schutz der vorgeschichtlichen Alterthümer
S. 11, 12 und 25. — G. Zeuner’s 70. Geburtstag S. 25. — Bergt, W. : Geologie von
Schantung (Kiautschou) S. 12. — E n g e 1 h a r d t, H. : Neue Litteratur S. 13. — F i s c h e r, H. :
Die Westinghouse- Bremse S. 13. — Grosse, J.: Carl Gustav Carus in seiner Be-
deutung für die Naturwissenschaften S. 11. — Krause, M. : Ueber Universität und
Technische Hochschule S. 26. — Lewicki, E.: Ueber Centrifugalguss S. 12. —
Lewicki, L.: Das maschinentechnische Laboratorium der K. Techn. Hochschule
S. 11. — Lohmann, H. : Ueber Eishöhlen und Höhleneis S. 11. — Renk, F.: Das
hygieinische Institut der K. Techn. Hochschule und die K. Centralstelle für öffent-
liche Gesundheitspflege S. 26. — Schlossmann, A.: Neue Art der Wohnungsdes-
infection S. 12; Reiseschilderungen aus Spanien S. 25. — Wagner, P. : Physikalische
und geologische Untersuchungen der Böhmerwaldseen S. 12. — Excursionen nach
Demitz bei Bischofswerda S. 12 und nach Plauen b. Dr. S. 25.
B. Abhandlungen.
Drude, 0.: Resultate der floristischen Reisen in Sachsen und Thüringen. S. 82.
Engelhardt, H.: Sardinische Tertiärpflanzen. II. S. 101.
Ha 11 wachs, W.: Ueber ein Doppeltrogrefractometer und Untersuchungen mit dem-
selben an Lösungen von Bromcadmium, Zucker, Di- und Trichloressigsäure
sowie deren Kaliumsalzen, mit 3 Abbildungen. S. 49.
Nessig, R.: Studien über den Dresdner Haidesand. S. 27.
Schlossmann, A.: Ueber die Bedeutung der Milch als Nahrungsmittel. S. 33.
Schorler, B.: Bereicherungen der Flora Saxonica im Jahre 1898. S. 97.
Thallwitz, J. : Ueber das Vorkommen des Ziesels in Sachsen. S. 95.
Toepler, M. : Geschichtete Dauerentladung in freier Luft (Büschellichtbogen) und
Righi’sche Kugelfunken, mit Tafel I und 29 Abbildungen. S. 3.
Die Autoren sind allein verantwortlich für den Inhalt ihrer
Abhandlungen .
Die Autoren erhalten von den Abhandlungen 50, von den Sitzungsberichten auf
besonderen Wunsch 25 Sonder - Abzüge gratis, eine grössere Anzahl gegen Erstattung
der Herstellungskosten.
Sitzungsberichte
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1898,
I. Section für Zoologie.
Erste Sitzung am 13. Januar 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. H.
Nit sehe. — Anwesend 27 Mitglieder.
Lehrer CI. Vogel spricht über Bastardirungsvorgänge bei Säuge-
thieren.
Director A. Schöpf giebt im Anschluss hieran Mittheilungen über
Kreuzungsversuche im Dresdner zoologischen Garten und
Prof. Dr. H. Nitsche erwähnt noch die angeblich in Südamerika
häufigeren und von den Franzosen „ chabin “ genannten Kreuzungen von
Ziege und Schaf.
Prof. Dr. H. Nitsche spricht ferner über Entwickelung und
Wechsel der Hörner bei der amerikanischen Gabelantilope
(Antilocapra americana) und berichtet unter Vorlage mikroskopischer
Präparate über seine histologischen Untersuchungen ihrer Hornscheide.
Zweite Sitzung am 3. März 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. H.
Nitsche. — Anwesend 26 Mitglieder.
Prof. Dr. H. Nitsche widmet dem am 6. Februar 1898 verstorbenen
Ehrenmitgliede der Isis Prof. Dr. R. Leuckart einen Nachruf. Die Ver-
sammlung ehrt das Andenken des berühmten Verstorbenen durch Erheben
von den Sitzen.
Institutsdirector Th. Reibisch zeigt und bespricht von Dr. Th. Wolf
gesammelte und von dem Redner bearbeitete Binnenconchylien aus
Ecuador.
Prof. Dr. H. Nitsche erläutert die Wandelungen, welche die
Linne’sche Systematik der Säugethiere in den verschiedenen Aus-
gaben des „Systema naturae“ durchgemacht hat, unter Vorlegung der
wichtigeren Ausgaben dieses Werkes und eines in seinem Privatbesitz
befindlichen Collegienheftes nach den Vorlesungen Linne’s vom Jahre 1748.
Dritte Sitzung am 5. Mai 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. H. Nitsche.
— Anwesend 36 Mitglieder.
Prof. Dr. H. Nitsche spricht über die elektrischen Fische und
erläutert seinen Vortrag durch Spirituspräparate und eine Tafel.
4
Dr. J. Thallwitz giebt im Anschluss Auskunft über die von ihm in
der zoologischen Station zu Neapel beobachtete Stärke der Schläge des
Zitterrochens.
Institutsdirector Th. R ei bi sch und Prof. Dr. R. Ebert stellen einige
in der „Zoologie“ von C. Baenitz, Berlin 1880, 8°, befindliche Angaben
über Purpurschnecke und Bandwurm richtig.
Institutsdirector Th. Reibisch berichtet über die Einführung von
Helix candiccins im Plauenschen Grunde.
Helix ( Xerophila ) candicans Ziegl., welche neuerdings auf einer Höhe neben dem
Plauenschen Grunde gesammelt worden ist, gehört ursprünglich nicht in die sächsische
Fauna. Weder Rossmaessler noch Andere gedenken ihrer in dieser Beziehung. Zur
Erklärung dieses neuen Vorkommens theilt der Vortragende mit, dass er vor ungefähr
50 Jahren die Bekanntschaft eines Herrn Karl Grust gemacht habe, welcher die Ross-
maessler’sche Iconographie eifrig stüdirte und fleissig darnach sammelte. Auf den vielen
Sammeltouren, welche derselbe ausführte, prägte er sich auch die Bodenformen und
deren Bestandteile, wo seine Lieblinge vorkamen, besonders ein. Einstmals, beim Be-
suche des „Weissen Berges“ bei Prag, fand er eine ähnliche Bergform wie hier am
„Plauenschen Grunde“ und fragte sich dabei: Ob wohl die Schnecken, die am „Weissen
Berge“ Vorkommen, auch am „Plauenschen Grunde“ leben können? Um eine bestimmte
Antwort auf seine Frage zu erhalten, sammelte er eine Menge Schnecken, die er für
Helix ericetorum Müll, hielt, und siedelte dieselben als Colonisten auf der genannten
Höhe an, wo sie noch heute lustig gedeihen.
II. Section für Botanik.
Erste Sitzung am 20. Januar 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. 0.
Drude. — Anwesend 27 Mitglieder, 2 Gäste.
Prof. Dr. 0. Drude trägt vor über die Milchsaftröbren der
Euphorbien, unter Vorführung eines abgeschnittenen Busches aus dem
K. Botanischen Garten und zahlreicher mikroskopischer Präparate von
Euphorbia piscatoria Ait., die letzteren hergestellt von Herrn R. Pohle,
Assistenten am botanischen Institut der K. Technischen Hochschule.
Hieran schliesst derselbe Mittheilungen über den gegenwärtigen
Stand der Nomenclatur frage, insbesondere über die sehr massvoll
gehaltene Erklärung der Beamten des Berliner botanischen Gartens und
Museums.
Dr. B. Schorler trägt vor über den Antheil der Pflanzen an der
Selbstreinigung der Flüsse, speciell der Elbe bei Dresden.
Eine ausführliche Untersuchung über diesen Gegenstand ist zunächst als Gut-
achten an den Stadtrath zu Dresden vom Vortragenden ergangen und wird weiterhin
verfolgt werden. Dieselbe befindet sich auch an anderer Stelle in Druck.
Zweite Sitzung am 10. März 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. 0. Drude.
— Anwesend 44 Mitglieder, 2 Gäste.
Dr. R. Walther, Privatdocent für Chemie an der K. Technischen Hoch-
schule, bespricht den von ihm construirten neuen Desinfectionsapparat,
welcher geschlossene Räume mit dampfförmig zerstäubtem Eormaldehyd
zu erfüllen bestimmt ist, und theilt die von Dr. med. A. Schloss mann
5
ausgeführten Controlen über die energische Wirkung auf die lebens-
fähigsten Bakterien in Kürze mit.
Assistent R. Pohle hat im botanischen Laboratorium eine mikro-
skopische Demonstration des Heu-Bakteriums: Bacillus subtilis, mit
intensiver Geisselfärbung veranstaltet und bespricht das hierbei an-
gewendete Tinctionsverfahren.
Prof. Dr. 0. Drude hält, anknüpfend an die ausführlichen Mit-
theilungen von Nobbe in der November-Hauptversammlung 1896, einen
kurz zusammenfassenden Vortrag über die jetzigen Anschauungen, welche
der stickstoffsammelnden Thätigkeit der in den Leguminosen-
Knöllchen vegetirenden Bodenbakterien gelten, besonders über die
Frage nach Symbiose oder parasitärer Infection mit späterem für die
Ernährung günstigen Erfolge.
Vorgelegt werden Prof. Dr. A. Fischers Vorlesungen über Bakterien.
Dritte Sitzung am 12. Mai 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. 0. Drude.
— Anwesend 40 Mitglieder, 5 Gäste.
Dr. med. J. Grün dl er hat mit 20 aufgestellten Mikroskopen, unter
welchen die doppelte Anzahl auserlesener Präparate seiner selbst ver-
fertigten Sammlung vorgeführt wird, einen grossen Demonstrationsvortrag
über Bacillariaceen (Diatomeen) vorbereitet.
■ Der Vortragende erläutert das für die Aufbewahrung und den Einschluss der
Bacillariaceen übliche Verfahren und die Herstellung der sogen. Typenplatten, ver-
anschaulicht ausserdem den Gegenstand durch zahlreiche Tafelwerke seiner Privat-
bibliothek,
Assistent B. Pohle hält darauf eine zweite mikroskopische Demon-
stration über den Beginn der Cambium-Thätigkeit bei Populus
canadensis, verfolgt an einem dieser Beobachtung im botanischen
Garten gewidmeten Exemplare im April und der ersten Mai -Dekade
dieses Jahres.
Vorgelegt werden von Herrn F. Fritzsche mehrere Blüthen-Ab-
normitäten, besonders die Convallaria majalis fl. roseo von dem Original-
Standorte in der Lössnitz, sowie
vom Vorsitzenden verschiedene neuere Werke: Annals of R. Garden,
Calcutta; F. von Müller: Salsolaceous plants; Tschirch: Anatomischer
Atlas u. a. m.
III. Section für Mineralogie und Geologie.
Erste Sitzung am 3. Februar 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. E.
Kalkowsky. — Anwesend 41 Mitglieder und Gäste.
Der Vorsitzende bespricht die Zwillingsbildungen des Quarzes
unter Vorlegung von Zwillingen mit gekreuzten Axensystemen aus Japan
und von Doppelzwillingen von Amethyst aus Brasilien nebst Präparaten.
Sodann bespricht er ausführlich das Werk von Dr. Alphons Stübel:
Die Vulkanberge von Ecuador, Berlin 1897, 4°.
6
Zweite Sitzung am 17. März 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. E.
Kalkowsky. — Anwesend 29 Mitglieder und Gäste.
Der Vorsitzende macht zu der von Herrn W. Put sc her ausgestellten
Edelsteinsuite einige allgemeine Bemerkungen über den Begriff der
Edelsteine und ihren Werth.
Dr. W. Bergt hält seinen an gekündigten Vortrag über die Geologie
der Antillen.
Prof. Dr. E. Kalkowsky bespricht die zweite Hälfte der von Ober-
lehrer Dr. E. Nessig als Programmschrift des Eealgymnasiums zu Dresden-
Neustadt ausgearbeiteten „Geologischen Excursionen in der Umgegend
von Dresden“.
Prof. H. Engelhardt legt vor den ersten Theil des zweiten Bandes
der Beschreibung der unter der Leitung von E. von Drygalski 1891 — 1893
ausgeführten Grönland-Expedition und
berichtet über seine neuesten Untersuchungen von Pflanzen aus
dem Polirschiefer von Sulloditz in Böhmen.
Dritte Sitzung am 9. Juni 1898. Vorsitzender: Privatdocent Dr. W.
Bergt. — Anwesend 32 Mitglieder und Gäste.
Oberlehrer Dr. E. Nessig hält einen Vortrag über Studien über
den Dresdner Haidesand. (Vergl. Abhandlung II.)
Dr. E. Naumann berichtet über Concretionen im Glacialmergel
von Sellbu in Norwegen und von den Imatrafällen in Finnland.
Der Vorsitzende legt vor die neueste Arbeit von Geh. Eath Prof.
Dr. II. B. G einitz: Die Calamarien der Steinkohlenformation und des
Bothliegenden im Dresdner K. Mineralogisch-geologischen Museum, Leipzig
1898, 4°, und
macht im Anschluss daran einige allgemeine Bemerkungen über die
Bestimmung von Calamiten.
IV. Section für prähistorische Forschungen.
Erste Sitzung am 10. Februar 1898. Vorsitzender: Dr. J. Deich-
müller. — Anwesend 27 Mitglieder.
Prof. Dr. H. Nitsche spricht über die sogenannten Wetzikon-
stäbe als angeblichen Beweis für die Existenz des Menschen zur Inter-
glacialzeit in der Schweiz.
Die in den interglacialen Scliieferkolüen von Wetzikon hei Zürich gefundenen, an-
geblich durch Menschenhand zugespitzten Holzstücke, welche Kütimeyer für Zeugen
der Existenz des Menschen zur Interglacialzeit in Europa erklärte, sind nach den
neuesten Untersuchungen von C. Schröter (Festschr. d. naturforsch. Ges. Zürich, 1896,
2. Th. , S. 407 u. f.) nur herausgewitterte Aeste von Fichte und Kiefer, sogen. „Horn-
äste“, ohne jede Spur menschlicher Bearbeitung. Der Vortragende legt verschiedene
derartige, aus der Sammlung der K. Forstakademie Tharandt stammende Homäste,
theils ausgewitterte, theils noch im Stammholz sitzende, vor.
7
Hieran schliesst derselbe Bemerkungen über uralte, bis heute im Nor-
den und Osten von Europa erhaltene Formen von Angelgeräthen, ver-
bunden mit Demonstrationen und der Vorlage von Schriften von 0. Grimm:
Der erste Fischer und die erste Angel, und von F. Trybom: Angel-
haken von Holz aus den Scheeren von Norbotten (Tidning för Idrott., No. 24,
1888).
Diese Geräthe, die von den Karelen an den Nowgorod’schen Seen und den Finnen
am Nordende des botnischen Meerbusens zum Fange grosser Aalraupen gebraucht
werden, sind mit kleinen lebenden Fischen geköderte Setzangeln mit hölzernen Haken.
Ein solcher Haken wird dadurch hergestellt, dass ein gerades Fichten- oder Birken-
ästchen etwas ober- und unterhalb der Stelle, wo von ihm ein Seitenzweig abgeht, ab-
geschnitten und zugespitzt wird. Der gleichfalls passend gekürzte und gespitzte Seiten-
zweig bildet dann den Widerhaken, an dessen Ursprungsstelle die Angelleine angebunden
wird. Der Haken wird derartig in den Köderfisch geschoben, dass nur der Seitenzweig
am Bauche nach hinten vorragt und die Schnur in einer Schlinge um den Köder ge-
legt ist.
Prof. Dr. H. Nitsche erläutert noch den Bau der Fischspeere und
die Art des Fischfangs mit denselben.
Dr. J. Deichmüller berichtet über den Erfolg der Eingaben an die
K. Ministerien, den Schutz der urgeschichtlichen Alterthümer in Sachsen
betreffend, und
bespricht einen zur Ansicht ausgestellten Bronzefund von Velem
St. Veit in Ungarn unter Hinweis auf die Beschreibung dieses Fundes
in den Mittheil. d. Wien, anthrop. Ges. 1897, XVII. Bd.
Excursion am 18. Juni 1898.
Unter Führung von Dr. J. Deichmüller besuchten 13 Mitglieder von
Niedersedlitz aus zunächst die zum Bittergut Lockwitz gehörende Kies-
grube westlich der Niedermühle, in welcher Herdstellen aus der jüngeren
Steinzeit mit den charakteristischen Resten der Bandkeramik aufgeschlossen
sind, und später den Burgberg südwestlich von Lockwitz, wo ein dort
angelegter Steinbruch Gelegenheit gab, Gefässscherben aus slavischer
Zeit in reichlicher Menge zu sammeln.
Y. Section für Physik lind Chemie.
Erste Sitzung am 17. Februar 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. F.
Foerster. — Anwesend 53 Mitglieder und Gäste.
Privatdocent Dr. R. Walther spricht über Explosivstoffe und er-
läutert seinen Vortrag durch Versuche und durch Vorlage von Präparaten.
Nach einem geschichtlichen Ueberblick über die Erfindung des Schiesspulvers, seine
Herstellung und Yerbrennungsproducte (feste und gasförmige) geht der Vortragende von
diesen impulsiven auf die fulminanten Explosivstoffe (Knallquecksilber, Knallgold,
Acetylen -Metallverbindungen) über, von denen das Knallquecksilber als Carbyloxim-
quecksilber (C=NO)2Hg in neuester Zeit von Nef erkannt wurde. Seit 1832 nitrirte
man Stärke, Holzfaser u. s. w. und gelangte 1845 (Böttger) zur Schiesswolle, dem
Vorläufer des Dynamits. Dieses Del, als Trinitroglycerin 1845 von Sobrero entdeckt,
8
wurde 1866 durch Nobel praktisch anwendbar gemacht durch seine Vereinigung mit
Kieselguhr. Hierauf folgte die Entdeckung der Sprenggelatine und 1886 die des rauch-
losen Pulvers (Schiessbaumwolle und Pikrinsäure). Technische Darstellung der Schiess-
baumwolle, ihre Anwendung und Wirkung, sowie eine eingehende Besprechung des
Nitroglycerins neben den Pikraten bilden den Schluss des Vortrags.
Zweite Sitzung am 24. März 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. F.
Pockels. — Anwesend 40 Mitglieder.
Prof. Dr. F. Pockels spricht über die bei Blitzentladungen vor-
kommenden Stromstärken.
Der Vortragende erwähnt zunächst die bisher vorliegenden Schätzungen der bei
Blitzschlägen auftretenden mittleren Stromstärken durch W. Kohlrausch und die Be-
rechnung der entladenen Elektricitätsmenge durch E. Riecke. Sodann bespricht er
seine eigenen Versuche über die Magnetisirung von Basaltstäben durch nicht oscillirende
Batterieentladungen, durch welche nachgewiesen ist, dass die remanente Magnetisirung
als Mass für das Maximum der Entladungsstromstärke dienen kann. Es wird ein solcher
Versuch vorgeführt, bei dem ein in einigen Centimetern Abstand neben einer gerad-
linigen Strecke des Schliessungskreises der Batterie liegendes kurzes Basaltprisma durch
eine nicht oscillirende Entladung von 1500 Ampere maximaler Stromstärke stark magne-
tisirt wurde, durch eine viel stärkere oscillirende Entladung dagegen gar nicht, ja sogar
den vorhandenen Magnetismus ganz verlor. Da nun die Blitze aller Wahrscheinlichkeit
nach nicht oscillirende Entladungen sind, so glaubt der Vortragende, dass diese Methode
auch zur Ermittelung von deren Maximalstromstärke würde dienen können, indem man an
besonders exponirten Blitzableitern Basaltstäbe in geeigneter Weise anbrächte. In Er-
mangelung derartiger Beobachtungen konnte zunächst nur eine rohe Schätzung der
Stärke von Blitzschlägen, welche an W aldbäumen auf Basaltbergen ihre Spuren hinter-
lassen haben, durch Messung des magnetischen Momentes von am Eusse dieser Bäume
gesammelten Basaltstücken ausgeführt werden; es ergaben sich dabei in 3 Fällen für
die Maximalstromstärke untere Grenzwerthe von 6400—10800 Ampöre.
Der Vortragende schliesst mit der an die Isis - Mitglieder gerichteten Bitte, ihm
von ähnlichen etwa in den benachbarten Basaltgebieten beobachteten Fällen Mittheilung
zu machen.
Dr. M. Toepler spricht über die Schichtung elektrischer Funken
und über Gleitfunken.
Der Vortragende bespricht zunächst die eigenthümliche Erscheinung, dass bei
Elektricitätsentladung durch Luft oder Gase die Intensität der Licht- und Wärme-
entwickelung nicht an allen Stellen der Entladungsbahn (des Funkens, Blitzes, Licht-
bogens u. s. w.) die gleiche ist. Es bilden sich sogen. Schichten (Licht- oder Wärme-
schichten) aus, d. h. Stellen grösserer und kleinerer Licht- und Wärmewirkung folgen
einander in mehr oder minder grosser Regelmässigkeit. Nach Besprechung hierher ge-
höriger Beobachtungen von A. Toepler, Lehmann, Kayser, von Obermayer u. A. wird die
noch wenig beachtete Erscheinung , dass auch der Metalldampf dünner (durch eine
Batterieentladung zerstäubter) Metalldrähte unter Umständen klar geschichtet ist, ein-
gehender behandelt. Nach Projection von geschichteten Metalldampf- Niederschlägen
verschiedener zerstäubter Drähte wird die Bildung von Gleitfunken längs Metallpulver,
auf Wasseroberflächen und Gipsplatten, sowie auf einseitig metallisch belegten Glas-
platten (vergl. hierzu Abh. d. naturwissenschaftl. Ges. Isis in Dresden, 1897, S. 41) be-
sprochen. Vortragender weist nach, dass man zwei Arten von Gleitfunken zu unter-
scheiden hat; die Ausbildung des langen Gleitfunkenkanales kann entweder durch eine
einmal in geeigneter Weise an den Gleitfunkenpolen auftretende Potentialdifferenz
veranlasst werden, oder auch dadurch, dass letztere mehrmals innerhalb sehr
kurzer Zeit (im Rhythmus elektrischer Oscillationen) ihr Vorzeichen wechselt. Gleit-
funken von mehr als einem Meter Länge werden zum Schlüsse vorgeführt.
9
Dritte Sitzung am 23. Juni 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. F.
Foerster. — Anwesend 37 Mitglieder und Gäste.
Dr. A. Schlossinann spricht über die Milch und ihre Bedeutung
als Nahrungsmittel und erläutert den Vortrag durch Versuche und
Vorlegung von Präparaten. (Vergl. Abhandlung III.)
Dr. A. Lottermoser spricht über das collo'idale Quecksilber.
Anschliessend an die Arbeiten E. von Meyers und des Vortragenden über colloidales
Silber versuchte Letzterer auch Quecksilber in colloidaler Form zu gewinnen. Nach vielen
vergeblichen Versuchen, dasselbe durch Einwirkung der verschiedensten Reductionsmittel
auf Quecksilbersalze, namentlich Quecksilber oxydulnitrat, zu gewinnen, wobei meist un-
lösliches graues Metall entstand, führte endlich die Anwendung von Zinnoxydulsalzen
zum Ziele. Zur technischen Gewinnung wird eine Lösung von Zinnoxydulnitrat ver-
wendet, welches, mit einer Lösung von Quecksilberoxydulnitrat versetzt, eine tiefbraune
Flüssigkeit, die Lösung des collo'idalen Quecksilbers, giebt, aus welcher durch Ammon-
citrat dasselbe in fester Form ausgesalzen wird.
Andere Zinnoxydulsalze, namentlich Zinnchlorür, zu verwenden bietet noch einige
Schwierigkeiten, doch hofft der Vortragende, durch fortgesetzte Versuche dieselben zu
heben. Zinnoxydulsulfat erzeugt einen tiefbraunen Niederschlag, welcher als Analogon
des Goldpurpurs des Cassius als ein basischer Zinnsalzniederschlag, auf dem sich colloidales
Quecksilber abgeschieden hat, angesehen werden muss.
Das Präparat, welches von der Firma von Heyden in Radebeul fabricirt wird, soll
in der Medicin als Ersatz des gewöhnlichen Quecksilbers dienen; Versuche in dieser
Richtung sollen in der nächsten Zeit beginnen. Das collo'idale Quecksilber wird wegen
seiner Löslichkeit in Wasser entschiedene Vortheile vor dem gewöhnlichen Quecksilber
bieten.
Yl. Section für Mathematik.
Erste Sitzung am 10. Februar 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. K.
Rohn. — Anwesend 13 Mitglieder und Gäste.
Prof. Dr. K. Rohn spricht über Zusammensetzung von Beweg-
ungen und reguläre Raumeintheilung.
Die reguläre Raumeintheilung oder, was damit gleichbedeutend ist, die reguläre
Anordnung von Punkten im Raume ist von grösster Bedeutung für die Erklärung der
Molekularstructur der Krystalle. Um nicht die Grenzflächen der Krystalle in Betracht
ziehen zu müssen, denkt man sich die reguläre Anordnung der Punkte ins Unbegrenzte
fortgesetzt; dann kann man diese Anordnung so definiren, dass man sagt: jeder Punkt
des unbegrenzten Systems sei von der Gesammtheit der übrigen Punkte in ganz gleicher
Weise umgeben, wie jeder andere. Darin liegt aber das Mittel, solche reguläre Punkt-
systeme zu erzeugen; denn nach der Definition wird es Bewegungen des Raumes in
sich geben, bei welchen das reguläre Punktsystem mit sich selbst zur Deckung kommt.
Solcher Raumbewegungen werden unendlich viele existiren und zwar wird dabei irgend
ein Punkt des Systems in einen beliebigen anderen übergeführt werden können. Um-
gekehrt kann man aus einem Punkte alle übrigen Punkte des Systems ableiten, indem
man ihn alle jene Raumbewegungen ausführen lässt. Diese Raumbewegungen bilden
aber eine Gruppe, d. h. : Kennt man irgend zwei Raumbewegungen, welche das reguläre
Punktsystem mit sich selbst zur Deckung bringen, so thun dies auch alle Raum-
bewegungen, die sich aus jenen beiden durch Wiederholung und Combination zusammen-
setzen lasUu; das liegt ja ganz auf der Hand. Eine allgemeine Raumbewegung lässt
sich aber durch eine Schraubenbewegung ersetzen. Giebt es also irgend zwei Schrauben-
bewegungen, welche das reguläre Punktsystem in sich überführen, so thun dies alle
Schraubenbewegungen, die aus jenen durch Wiederholung und Zusammensetzung her-
vorgehen. Mit anderen Worten: Aus einem Punkte erhält man alle Punkte des regu-
lären Systems , indem man ihn allen Bewegungen unterwirft , die sich aus zwei
Schraubungen durch Wiederholung und Combination ergeben.
10
Es wird mm die Frage sein, ob man mit zwei beliebigen Schraubungen ein regu-
läres Punktsystem erzeugen kann. Zum näheren Studium dieser Frage werden zunächst
die Zusammensetzung und Zerlegung von Bewegungen in der Ebene (Drehung und
Schiebung), und sodann von Bewegungen im Baume (Drehung, Schiebung und
Schraubung) besprochen. Als die wichtigsten Sätze hierbei mögen folgende beide her-
vorgehoben werden: 1. Jede Schraubung um eine Axe kann ersetzt werden durch eine
Schraubung um irgend eine dazu parallele Axe und eine vorausgehende oder nach-
folgende Schiebung; die zu den Schraubungen gehörigen Winkel sind gleich. 2. Zwei
aufeinanderfolgende Schraubungen lassen sich durch eine einzige Schraubung ersetzen;
Axenrichtung und Winkel der letzteren hängen nur von den Axenrichtungen und Winkeln
der ersteren ab. Diese Abhängigkeit ist die gleiche, wenn man statt der Schraubungen
drei Drehungen um drei durch einen Punkt laufende Axen ausführt, wenn nur die
Drehungsaxen den bez. Schraubenaxen parallel und die Drehungswinkel den bez.
Schraubungs winkeln gleich sind.
Mit Hilfe dieser Sätze wird hierauf ein Beweis von Schön flies entwickelt, worin
gezeigt wird, dass man im Allgemeinen aus zwei Schraubungen durch Zusammensetzung
stets beliebig kleine Schraubungen ableiten kann, d. h. solche, die sich in eine beliebig
kleine Schiebung und in eine beliebig kleine Drehung zerlegen lassen. Nur wenn die
Schraubungs winkel für die beiden Schraubungen ganzzahlige Theile von 2 n sind, lassen
sich aus ihnen keine beliebig kleinen Schraubungen ableiten. Im ersten Falle werden
die Punkte des regulären Systems beliebig dicht bei einander liegen. Solche Systeme
können aber nicht die Anordnung der Moleküle eines Krystalls repräsentiren , denn die
Abstände dieser Moleküle von einander werden zwar sehr klein, aber immerhin endlich
sein. Es werden also nur zwei Schraubungen, deren Winkel ganzzahlige Teile von 2 n
sind, zur Erzeugung regulärer Punktsysteme, wie sie die Molekularstructur fordert,
Verwendung finden können. Daraus geht sofort hervor, dass es auch reine Schiebungen
in der Dichtung der Schraubenaxen giebt, welche das reguläre Punktsystem in sich
selbst überführen. Das Punktsystem lässt sich demzufolge in mehrere Punktgitter auf-
lösen, wobei jedes Gitter einer regulären Eintheilung des Baumes in Parallelepipeda
entspricht. Diese Bemerkung ermöglicht aber die Aufsuchung aller regulären Punkt-
systeme.
Zweite Sitzung am 14. April 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. K.
Rohn. — Anwesend 9 Mitglieder.
Dr. A.Witting spricht über planimetrische Constructionen in
begrenzter Ebene.
Der Vortragende führt zunächst ein Beispiel dafür an, dass bei sehr bekannten
planimetrischen Elementaraufgaben nicht immer die einfachsten mit Zirkel und Lineal
möglichen Constructionen ausgeführt zu werden pflegen. Sodann wird an einer Anzahl
Fundamentalaufgaben gezeigt, wie eine exacte Construction praktisch möglich ist, wenn
einzelne der gegebenen Punkte ausserhalb des Bandes des Beissbretts liegen. Dabei
wurde insbesondere angenommen, dass sich gegebene Geraden in weiter Ferne unter so
spitzen Winkeln schneiden, dass Parallelverschiebungen und Aehnlichkeitsconstructionen
ausgeschlossen werden müssen. Den Schluss bilden einige Aufgaben, bei denen Punkte
in unendliche Entfernung gerückt waren.
Dritte Sitzung am 16. Juni 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. K. Rohn.
— Anwesend 10 Mitglieder.
Geh. Hofrath Prof. Dr. M. Krause spricht über Partialbruch-
zerlegung bei transcendenten Functionen.
Gegenstand des Vortrags bildet ein Beweis des berühmten Mittag-Leffler’schen
Theorems über die Zerlegung der sogen, gebrochenen transcendenten Functionen. Zu
den elementaren Begriffen der ganzen rationalen und der gebrochenen rationalen
Function hat die neuere Functionentheorie zwei naturgemässe Gegenstücke geschaffen:
die Begriffe der ganzen transcendenten und der gebrochenen transcendenten Function.
Nachdem Weierstrass gezeigt hatte, dass jede ganze transcendente Function mit
einer endlichen oder unendlichen Anzahl von Nullstellen in ähnlicher Weise wie eine
11
ganze rationale Function als ein Product von Ausdrücken darstellbar ist, deren jeder
nur an einer Stelle verschwindet, lag die Yermuthung nahe, dass jede gebrochene trans-
cendente Function sich ähnlich wie eine gebrochene rationale Function als eine Summe
von Ausdrücken darstellen lassen werde, die im Endlichen nur je eine ausserwesentliche
singuläre Stelle besitzen. Diese Yermuthung wurde durch das genannte Theorem be-
stätigt. — Vortragender zeigt nun, im Anschluss an Betrachtungen, welche H. Burk-
hardt in seinem jüngst erschienenen „Lehrbuch der Functionentheorie“ angestellt hat,
dass der schwierige und umständliche Beweis, den Mittag-Leffler ursprünglich für
sein Theorem gegeben hat, durch einen kürzeren und wesentlich einfacheren ersetzt
werden kann.
An der kurzen Besprechung, die sich an den Vortrag knüpft, be-
theiligen sich Prof. Dr. K. Rohn und Dr. A. Witting.
VII. Hauptversammlungen.
Erste Sitzung am 27. Januar 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. G.
Helm. — Anwesend 54 Mitglieder und Gäste.
Oberlehrer Dr. H. Lohmann spricht über Eishöhlen und Höhleneis.
Vortragender erläutert an einer grossen Zahl von Zeichnungen, Photographien,
Gips- und Paraffinabgüssen den Charakter der Eishöhlen und die Structur und Art der
Entstehung des in denselben abgelagerten Eises. Eine eingehende Bearbeitung dieses
Gegenstandes durch den Vortragenden wird voraussichtlich in der Zeitschrift des deutsch-
österreichischen Alpenvereins veröffentlicht werden.
Dr. med. J. Grosse spricht über Carl Gustav Carus in seiner
Bedeutung für die Naturwissenschaften.
Zum Schluss giebt der Vorsitzende eine kurze Uebersicht über die bis-
her erzielten Erfolge der Eingaben, in welchen die Isis und der K. Sachs.
Alterthumsverein bei den K. Ministerien um Schutz der vorgeschichtlichen
Alterthümer des Landes nachgesucht haben.
Zweite Sitzung am 24. Februar 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. G.
Helm. — Anwesend 44 Mitglieder und Gäste.
Der Vorsitzende des Verwaltungsraths, Prof. H. Engelhardt, legt
den Rechenschaftsbericht für 1897 (s. S. 15) und den Voranschlag für 1898
vor. Letzterer wird einstimmig genehmigt. Als Rechnungsrevisoren werden
Bankier A. Kuntze und Architect R. Günther gewählt.
Geh. Hofrath Prof. L. Lewicki spricht über das maschinen-
technische Laboratorium der K. Technischen Hochschule.
Hieran schliesst sich unter der Führung des Vortragenden eine Be-
sichtigung dieses Laboratoriums und seiner Einrichtungen.
Dritte Sitzung am 31. März 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm.
— Anwesend 24 Mitglieder und Gäste.
Nachdem der Rechenschaftsbericht für 1897 von den Rechnungs-
revisoren geprüft und richtig befunden worden ist, wird dem Kassirer
Decharge er th eilt.
12
Oberlehrer Dr. P. Wagner spricht über die physikalischen und
geologischen Untersuchungen der Böhmerwaldseen und erläutert
seinen Vortrag durch zahlreiche Photographien und Zeichnungen.
Vergl. hierzu: Wissenschaftl. Veröffentlich, d. Vereins für Erdkunde zu Leipzig,
1898, Bd. IV.
Vierte Sitzung am 28. April 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. G.
Helm. — Anwesend 31 Mitglieder und Gäste.
Das K. Sächs. Ministerium des Innern wünscht die Einreichung eines
Entwurfs einer kurzen Belehrung und Anweisung über die den urgeschicht-
liclien Alterthümern zu widmende Beachtung und Fürsorge. Mit der
Bearbeitung eines solchen Entwurfs wird Dr. J. Deichmüller beauftragt.
Ingenieur E. Lewicki hält unter Vorführung von Experimenten einen
Vortrag über Centrifugalguss.
Vergl. hierzu: Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, Bd. XLII.
An den Vortrag schliesst sich eine kurze Discussion.
Fünfte Sitzung und Excursion am 19. Mai 1898. 14 Mitglieder
der Dresdner Isis vereinigten sich in Demitz bei Bischofswerda mit
fünf Mitgliedern der Bautzner Schwestergesellschaft zu einem gemein-
schaftlichen Ausflug in das Granitgebiet der dortigen Gegend.
Nach Besichtigung der dicht an der Haltestelle Demitz aufgedeckten
Gletscher schliffe und Rundhöcker auf dem Granit wanderten die Theil-
nehmer unter Führung des Herrn E. Rodig, Geschäftsführers der Firma
C. G. Kunath, nach dem Klosterberg, um hier die Lagerungsverhältnisse
und die Gewinnung des Granits in den ausgedehnten Steinbrüchen kennen
zu lernen.
Hieran schloss sich unter Vorsitz von Prof. H. Engelhardt eine
kurze Hauptversammlung im Bahnhofsrestaurant Demitz, in welcher
verschiedene geschäftliche Angelegenheiten erledigt wurden.
Eine Fusswanderung nach Bischofswerda schloss den vom Wetter
begünstigten Ausflug ab.
Sechste Sitzung am 26. Mai 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. G. Helm.
— Anwesend 43 Mitglieder und Gäste.
Dr. med. A. Schlossmann spricht über eine neue Art derWohnungs-
Desinfection durch Zerstäuben von Formaldehyd und führt den
hierzu benutzten Apparat in Thätigkeit vor.
Privatdocent Dr. W. Bergt hält einen Vortrag über die Geologie
von Schantung (Kiautschou).
13
Siebente Sitzung am 30. Juni 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. G.
Helm. — Anwesend 48 Mitglieder und Gäste.
Prof. H. Engelhardt legt vor und bespricht die „Jubiläumsschrift
zur Feier des 25jährigen Bestehens der Gelsenkirchener Bergwerksactien-
gesellschaft zu Bheinelbe bei Gelsenkirchen“, Düsseldorf 1898, 4°, mit
zahlreichen Tafeln.
Prof. H. Fischer hält einen Demonstrationsvortrag über die
Westinghouse-Bremse, an welchen sich eine kurze Debatte anschliesst.
Veränderungen im Mitgliederbestände.
Gestorbene Mitglieder:
Am 7. Februar 1898 starb in Leipzig Geh. Rath Dr. Rudolf
Leuckart, Professor der Zoologie und Zootomie an der dortigen Uni-
versität, einer der hervorragendsten und verdientesten Zoologen der
Gegenwart. Unserer Gesellschaft gehörte der Verewigte seit 1869 als
Ehrenmitglied an.
Am 12. April 1898 starb in München Geh. Rath Dr. Fridolin von
Sandberger, bis vor kurzer Zeit Professor der Mineralogie und Geo-
logie an der Universität Würzburg, correspondirendes Mitglied der Isis
seit 1862.
Am 17. April 1898 verschied in Cambridge, Mass., im Alter yon
74 Jahren Jules Marcou, früher Professor der paläontologischen Geo-
logie am Polytechnikum in Zürich, später Staatsgeolog der Vereinigten
Staaten von Nordamerika, bekannt durch seine Forschungen im Gebiete
der „Dyas“, Ehrenmitglied unserer Gesellschaft seit 1866.
Am 22. April 1898 starb in Celle im 83. Lebensjahr Oberappellations-
rath a. D. Dr. Karl Nöldeke, bekannt als Florist wie als Bearbeiter
der hannoverschen Landesgeschichte, Ehrenmitglied der Isis seit 1888.
Am 18. Juni 1898 starb in München Dr. Karl Wilhelm von Gümbel,
K. Bayerischer Oberbergdirector und Professor an der dortigen Universität,
ein um die geologische Erforschung Bayerns hochverdienter Gelehrter,
seit 1860 Ehrenmitglied unserer Gesellschaft.
Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder:
Biedermann, Paul, Dr. phil., Realgymnasial-Oberlehrer in Dresden, am
27. Januar 1898;
Heinrich, Karl, Buchdruckereibesitzer in Dresden, am 24. Februar 1898;
Henke, Rieh., Prof. Dr., Conrector am Annenrealgymnasium in Dresden,
am 27. Januar 1898;
Jorre, Friedr., Dr. phil., Chemiker in Dresden, am 30. Juni 1898;
von Laffert, Rieh., Major in Dresden, am 27. Januar 1898;
Lewicki, Ernst, Ingenieur und Adjunct am Maschinenbau-Laboratorium
der K. Techn. Hochschule in Dresden, am 19. Mai 1898;
Lottermoser, Alfr., Dr. phil., Assistent am anorg.-chem. Laboratorium
der K. Teclm. Hochschule in Dresden, am 30. Juni 1898;
14
Mühlfriedei, Rieh., Bezirksschullehrer in Dresden, am 27. Januar 1898;
Müller, Erich, Dr. phil., Chemiker in Dresden, am 30. Juni 1898;
Paulack, Theodor, Apotheker in Dresden, am 24. Februar 1898;
Prinzhorn, Joh. Ludw., Realschuldirector in Dresden, am 27. Januar 1898;
Röhner, Wilh., Bezirksschullehrer in Dresden, am 31. März 1898;
Scheid hau er, Rieh., Civilingenieur in Dresden, am 19. Mai 1898;
Struve, Alex., Dr. phil., Fabrikbesitzer in Dresden, ) 9 . v ,
Viehmeyer, Herrn., Bezirksschullehrer in Dresden, > am ' ® rUar
Wähmann, Friedr., Bezirksschullehrer in Dresden, )
Aus den correspondirenden in die wirklichen Mitglieder sind
übergetreten:
Menzel, Paul, Dr. med., in Dresden;
Thallwitz, Joh., Dr. phil., Realschul-Oberlehrer in Dresden.
Kassenabschluss der ISIS vom Jahre 1897.
Position. Einnahmen. Position. Ausgaben.
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Dresden, am 23. Februar 1898. H. Warnatz, z. Z. Kassirer der Isis.
Abhandlungen
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1898.
I. Geschichtete Dauerentladung in freier Lnft (Büschel-
lichtbogen) und Kighi’sche Kugelfunken.
Yon Dr. Max Toepler.
(Mit Tafel I.)
An anderem Orte*) habe ich angegeben, wie man leicht geschichtete
elektrische Entladungen in freier Luft erhalten kann und zugleich nach-
gewiesen, dass die Gesetze der Schichtenbildung ähnlich sind denen der
bekannten Schichtung des sogenannten Anodenlichtes in stark evacuirten
Rohren.
Ich stellte mir nun die Aufgabe, erstgenannte geschichtete Entladungs-
art in ihrer Gestalt und Farbenanordnung der einzelnen Lichtschichten über
einen möglichst grossen Druckbereich zu verfolgen. Es zeigte sich hier-
bei, dass im ganzen Bereiche von Atmosphärendruck bis zu 0,oi cm Queck-
silberdruck abwärts eine einheitliche Beschreibung der in Rede
stehenden Erscheinung möglich ist, worüber im Nachfolgenden be-
richtet wird. Es wird sich dabei zeigen, dass eine von Herrn A. Wüllner**)
beobachtete Form der Ruhmkorffentladung, sowie eine von Herrn A. Righi***)
eingehend untersuchte stark verlangsamte Entladungsart grosser Leydener
Batterien (von ihm „Kugelfunken“ genannt) mit der von mir behandelten
geschichteten Entladung identisch sind, nur beschränken sich die Unter-
suchungen von Herrn Wüllner und Herrn Righi auf Drucke zwischen 5
und 1 cm. Die nähere Beschreibung der Lichterscheinungen im Uebergangs-
gebiete zwischen Kugelfunken und der bekannten gewöhnlichen geschich-
teten Entladung (in Geisslerröhren bei niedrigstem Drucke) wird ergeben,
dass in demselben Rohre bei gleichem Drucke je nach der
Stromstärke beide schichtenbildenden Entladungsarten auf-
treten können.
Bei der bedeutenden Veränderlichkeit der Schichtenstellung je nach
der Stromstärke ist sowohl die Ruhmkorff- als auch die (durch Widerstände
im Schliessungskreise stark verlangsamte) Batterieentladung zur Unter-
suchung der Schichtung wenig geeignet, da bei beiden die Stromstärke
während jeder einzelnen Entladung variirt. Ich habe daher in vorliegender
Notiz von diesen Hilfsmitteln abgesehen und einfach den directen Ström
*) M. Toepler, Wied. Ami. 63, 1897, p. 109.
**) A. Wüllner, Pogg. Ann. Jubelband 1874, p. 32.
***) A. Righi, Lum. Electr, 42, 1891, p. 501 u. 604; Mem. Accad. Bol. 1895, p. 445.
4
einer 60 plattigen Toepler’schen Maschine benutzt*). Der Maschinenstrom
ist bei Einschaltung grosser Flüssigkeitswid erstände als nahe constant zu
betrachten; auch ist seine mittlere Intensität, wie bekannt, innerhalb recht
weiter Grenzen unabhängig von der Spannungsdifferenz der Maschinen-
pole, er bot also für meinen Zweck ganz besonders günstige Verhält-
nisse.
Die Art des entstehenden Entladungsvorganges in einer im Stromkreise
befindlichen Funkenstrecke hängt ausser von der mittleren Stromstärke
vor Allem ab von der Grösse und Anordnung eingeschalteter Widerstände,
der Schlagweite, dem Drucke der Luft im Schlagraume und der Tempe-
ratur in letzterem. Die Entladung kann dem zeitlichen Verlaufe nach
ausgesprochen discontinuirlich, nahe continuirlich oder, soweit zu er-
kennen, continuirlich sein**); eine scharfe Grenze zwischen diesen Ent-
ladungsarten giebt es freilich nicht. In vorliegender Arbeit wird nun fast
ausschliesslich die Schichtenbildung bei nahe continuirlicher Entladung
(Dauerentladung) behandelt werden; als nahe continuirlich glaube
ich die untersuchte Art von elektrischen Lichtbogen, abgesehen von anderen
Gründen, deshalb bezeichnen zu dürfen, weil sie, wie man im rotirenden
Spiegel erkennt, zumeist zwar aus einer zeitlich mehr oder minder
zusammengedrängten Reihe von Partialentladungen bestand, zwischen
denen jedoch der Lichtbogen nie ganz erlosch (vergl. z. B. Phot. 17).
Seine Intensität schwankte nur zwischen mehr oder minder einander an
Lichtstärke nahe kommenden Leuchtmaximis und Minimis ***).
Herr 0. Lehmann unterscheidet bekanntlich f) vier Typen der (leuch-
tenden) Entladung durch Gase, Glimm-, Büschel-, Streifen- und Funken-
entladung. Will man eine Zuordnung vornehmen, so hätte man die
geschichtete Dauerentladung (nahe continuirliche Entladung)
und demnach auch die Righi’schen Kugelfunken als specielle
Fälle der Büschelentladung aufzufassen; man würde sie dann
zweckmässigerweise als „BiiscSielliclitfeogen^ zu bezeichnen haben.
Ich halte es jedoch für möglich, dass bei eingehenderem Studium die
nahe continuirliche Entladungsform den Weg zu einer einheitlichen
Beschreibung aller Entladungsformen durch Luft zeigen wird.
Um eine klare und richtige Auffassung der Lichterscheinungen zu
erleichtern, glaubte ich, soweit es möglich war, besonderes Gewicht auf
eine Ergänzung des Textes und seiner Figuren durch photographische
Darstellungen legen zu müssen. Ich habe deshalb von meinen mehr als
400 Einzelaufnahmen der Entladungen die am meisten charakteristischen
auf der beigegebenen Tafel No. I mitgetheilt. Ein Verzeichniss der Photo-
gramme mit Angaben über zugehörige Einzelheiten findet sich am Schlüsse
*) Nur wo die Stromstärke der benutzten Maschine nicht voll ausreicht, habe ich
ganz vorübergehend zur langsamen Batterieentladung gegriffen.
**) Ob es im strengsten Sinne continuirliche Entladung selbst durch verdünnte
Gase überhaupt giebt, ist bekanntlich noch immer zweifelhaft.
***) Schaltet man in den Schliessungskreis einer grösseren Influenzmaschine hinter-
einander ein Geisslerrohr und eine Eunkenstrecke , so erhält man in ersterem keine
Schichtenbildung, solange in der Funkenstrecke der Maschinenstrom in Form einer Reihe
zeitlich getrennter Einzelfunken übergeht (vergl. E. Wiedemann, Wied. Ann. 20, 1883,
p. 760). Schichtung im Geisslerrohre trat aber in der Regel mit dem Augenblicke ein,
in dem in der Funkenstrecke an Stelle der Einzelfunken nahe continuirliche Entladung
zur Ausbildung kam; dies rechtfertigt gleichfalls die Bezeichnung „nahe continuirlich“.
f) Q. Lehmann, Wied. Ann. 11, 1880, p. 687; 22, 1884, p. 305.
5
der Abhandlung. Es sei jedoch schon hier vörausbemerkt, dass die Photo-
gramme 1 bis 16, 23 bis 31 und 36 bis 45 Lichterscheinungen wiedergeben,
welche bei constantem Drucke und constanter Stromstärke beliebig
lange (stundenlang) nahe ungeändert dauernd die gleichen bleiben.
Die Photographien 1 bis 11 zeigen derartige Dauererscheinungen in
freier Luft, desgleichen 12 bis 16 in Glasröhren bei Atmosphärendruck,
23 bis 31 bei etwa 5 cm Druck, 36 bis 45 schliesslich bei niedrigsten
Drucken unter 0,02 cm). Die Photogramme 17 bis 21 geben geschichtete
Batterieentladungen in freier Luft wieder.
Die Lichterscheinungen in unmittelbarer Nähe der Kathode sind bei
höheren Drucken wegen ihrer geringen räumlichen Ausdehnung nur auf
Original-Photogrammen klar zu unterscheiden*). Es sei daher schon hier
ein für alle Mal bemerkt, dass bei nahe continuirlicher Entladung (ganz
wie bei den bekannten Lichterscheinungen in Geisslerröhren) bei allen
Drucken an der Kathode auftreten:
der dunkele (Goldstein’s) Kathodenraum,
das helle Kathodenlicht,
der Trennungsraum**) (Faraday’s Dunkelraum),
auf letzteren folgten dann die übrigen Lichter, deren Beschreibung Auf-
gabe der vorliegenden Arbeit sein wird.
I. Nahe contiirairliche Entladung (Büschellichtbogen) in freier Luft.
Im Vergleiche zu den Lichterscheinungen in sehr verdünnten Bäumen
erscheint die geschichtete Entladung in freier Luft als ein räumlich sehr
zusammengedrängtes Gebilde. Besonders der interessanteste Theil, das
Funkengebiet in der Nähe des negativen Poles, ist so zusammengeschrumpft,
dass eine genaue Beobachtung desselben schwer ist. Wir denken uns da-
her die für die Beobachtung günstigste Versuchsanordnung hergestellt:
negativer Maschinenpol, metallische Leitung, negative Polspitze — Funken-
strecke mit Halbleiter (Basaltplatte)***) — positive Polspitze, metallische
Leitung, positiver Maschinenpol.
1. Metallspitze Kathode — Halbleiter Anode.
Liegt der Halbleiter an der positiven Metallspitze an, so beobachtet
man, solange der Schlagraum zwischen ihm und der negativen Polspitze
klein ist, bei wachsender Stromstärke Folgendes:
Bei geringer Stromstärke tritt an der Metall- Kathode zunächst der
bekannte negative Büschel auf, bestehend aus hellster weissvioletter Aus-
*) Von den Beproductionen auf Tat. I lässt Phot. 21 manche Details recht gut
erkennen.
**) Diese Bezeichnungen sind von E. Wiedemann eingeführt; vergl. Wied. Ann.
20, 1883, p. 757.
***) Die Vorzüge speciell des Basaltes bestehen darin, dass in ihm ein gegen
Zerstörung widerstandsfähiges, leitendes Material (Magnetit) in kleinsten Theilen gleich-
mässig vertheilt ist, während in dem sonst auch recht geeigneten Schiefer die Kohle-
theilchen rasch verbrennen. Auch zwischen Metallkathode und einer Alkoholoberfläche
als Anode erhielt ich schön geschichtete Kugelfunken. Selbst vorgeschaltete Geissler-
rohre können die Ausbildung geschichteter nahe continuirlicher Entladung in freien
Luftstrecken begünstigen.
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4
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Fig. i—ß' trittsfläche (dem hellen Kathodenlichte) und dem von ihm
durch einen verwaschenen dunklen Trennungsraum geschie-
denen Büschel (Fig. 1). Aus der Mitte des Letzteren wächst
bei gesteigerter Stromintensität eine rosa gefärbte Licht-
spitze heraus (Fig. 2), welche bei weiter vermehrter Strom-
stärke nach dem Halbleiter zu sich verlängert. Die Ober-
fläche des Halbleiters, d. h. die Anode, zeigt unterdessen
folgende Lichtentwickelung. Aus einer violetten Lichthaut
(Phot. 1) wächst ein violetter Lichtpilz*) heraus (Fig. 3). Trifft
bei grösserer Stromintensität der positive Lichtpilz mit der
,j negativen Lichtspitze zusammen, so weicht er ihr aus
+ (Fig. 4 und Phot. 2). Diese Deformation, sowie die Rotation,
welche der deformirte Lichtpilz bei weiter vermehrter
Stromstärke um die negative Lichtspitze zuweilen aus-
führt (Fig. 5 und Phot. 3) dürfte durch den von der nega-
-f- tiven Polspitze ausgehenden heissen Luftstrom veranlasst
werden. Schliesslich verschmelzen die beiden Theile der
Lichterscheinung (Fig. 6 sowie Phot. 4 und 5); hierbei
wird, soviel sich erkennen liess**), die Lichtspitze zur
_j_ ersten Schicht, d. h. zum zweiten Lichte (das helle Kathoden-
licht als erstes gezählt), der Lichtpilz zur zweiten Schicht,
d. h. zum dritten Lichte. Der Abstand des dritten Lichtes
von der Kathode nimmt mit weiter gesteigerter Strom-
i stärke erst rasch, dann langsamer ab (Phot. 6, 7 und 8
zeigt dies bei grösserer Schlagweite***); hierbei ändert
sich auch die Färbung der einzelnen Dauerfunkentheile in der Weise, dass
die Lichtspitze (resp. erste Schicht) ziegelrothe, der Lichtpilz (resp.
zweite Schicht) dagegen karminrothe Färbung annimmt f).
Der geschilderte allmähliche Uebergang aus Büschelentladung in.
die nahe continuirliche liess sich nur bei der hier angegebenen Yersuchs-
anordnung und nur bei kleinen Schlagweiten (unter 0,5 cm) beobachten.
Im Allgemeinen tritt bei successiver Stromvermehrung zunächst ein Funken-
strom an die Stelle der Büschelentladung und erst bei wesentlich höherer
Stromintensität geht die zeitlich discontinuirliche Funkenfolge in Dauer-
entladung über. Letztere erscheint dann sogleich in dem der Poldistanz
und Stromstärke entsprechenden Entwickelungsstadium (Phot. 9 zeigt ver-
grössert dieses Stadium für 2 cm Schlagweite). Die längsten Dauer-
funken, die ich erhalten konnte, waren ca. 8 cm lang (Phot. 10 zeigt
verkleinert Dauerentladung bei 5 cm Schlagweite, vergl. auch Phot. 11).
Die Lichtgestalt langer Funken differirt von der kurzer nur insofern, als zu
f7// .
f//m» ^
*) Der obere Theil des Pilzes kann sich bei constant erhaltenem Strome von
dem Stiele ablösen und nach der Kathode zu in Bewegung setzen, wobei er rasch ver-
blasst; das neu entstehende Pilzende kann dies wiederholen u. s. f. (Vergl. hierzu
Abschnitt 8 und Fig. 18.)
**) Dieser Uebergang bedarf noch eingehenderer Untersuchung; wahrscheinlich
liegen genau genommen die Verhältnisse nicht immer ganz so einfach, wie hier ge-
schildert ist.
***) Ueber die Abhängigkeit des Kathodenabstandes des zweiten Lichtes von
der Stromstärke vergl. das Ende des sechsten Abschnittes.
f ) Besonders deutlich tritt dieser Unterschied der Färbung bei niedrigeren Gas-
drücken hervor. Man kann diese Färbung als typisch für Luft (bei mittleren Strom-
stärken) ansehen. Vergl. auch 0. Lehmann, Zeitschr. f. phys. Chemie, XVIII, p. 104.
7
der ersten karminrothen Schicht noch weitere hinzutreten, einfache Wieder-
holungen der ersten. Es erscheint mir daher zweckmässig, die Schichten-
zählung nicht mit dem oben als ziegelroth (in Luft) gekennzeichneten
Lichte zu beginnen, sondern mit der ersten karminrothen Schicht
Die vollständige Lichtgestalt der Dauerentladung zerfällt also in:
[Metallkathode] helles weissviolettes Kathodenlicht mit Trennungsraum
— zweites (ziegelrothes) Licht — drittes, karminrothes Licht, eventuell in
eine Anzahl karminrother Schichten zerfallend — Anodendunkelraum —
zahlreiche aequivalente *) positive Glimmlichtpunkte [Halbleiter].
Für die Schichtung des karminrothen Lichtes gilt nun:
Die Schichten haften an der Kathode; (genauer in Hinsicht
auf Abschnitt 4 und 7: Die Schichten des negativen Antheiles
haften an der Kathode; bei Schlagweitenvergrös serung treten
mehr und mehr neue Schichten aus der ausgezeichneten Stelle
resp. dem dunklen Anodenraume hervor, und umgekehrt ver-
schwinden sie daselbst bei Schlagweitenverkleinerung).
Mit wachsender Stromstärke verringert sich sowohl der
Abstand der ersten (karminrothen) Schicht von der Kathode, als
auch der gegenseitige Schichtenabstand; bei constanter Schlagweite
treten demnach zu den schon vorhandenen neue Schichten aus der Anode
(genauer: aus der ausgezeichneten Stelle resp. dem Anodendunkelraume)
hervor.
Die Schichten sind wahrscheinlich völlig aequidistant, wenn
die Entladungsbahn gleich breit, d. h. die Stromdichte auf derselben die
gleiche bleibt**).
Die Schichten wenden in freier Luft der Kathode stets die abgekugelte,
der Anode die zugespitzte Seite zu (vergl. Phot. 5 bis 11 sowie 19; Phot. 12
bis 16, Schichten in Glasröhren zeigend, gehören nicht hierher).
Während der Dauerentladung herrscht in der Nähe der Funkenbahn
eine starke Luftbewegung von der Kathodenspitze nach dem Halbleiter
hin. Mit dem bekannten Schlierenapparate meines Vaters erkennt man,
dass sich an die Kathodenspitze ein Kegel heisser Luft ansetzt, dessen
Spitze das helle Kathodenlicht ist. In der Nähe der Kegelachse befindet
sich der Dauerfunken, d. h. der leuchtende Theil des gesammten Entladungs-
vorganges. Bei Anwendung momentaner Beleuchtung konnte ich mit dem
Schlierenapparate erkennen, dass in den leuchtenden Dauerfunken-
theilen (karminrothen Schichten) eine höhere Temperatur
herrscht als in den dunklen Zwischenräumen***).
Im langsam rotirenden Spiegel erscheint der Dauerfunken meist als mattes
Lichtband, welches von hellen Partialentladungen durchsetzt ist (vergl. die
Einleitung). Man bemerkt nun folgende auffallende Thatsache. Die Bilder
der Partialentladungen stehen um so schiefer im Lichtbande, je rascher der
Spiegel rotirt; der Sinn der Neigung hängt vom Sinne der Spiegel-
*) „Aequivalent“ in dem Sinne, als sie zusammen eine einzige ausgedehntere
Glimmfläche ersetzen.
**) Da hei Gegenüberstellung von Metallspitze und Halbleiter die Strombahn sich
nach dem Halbleiter zu öffnet und somit die Stromdichte abnimmt, so drängen sich die
Schichten meist nach der Metallspitze zu etwas zusammen. Siehe Phot. 17, 18, 19, 20.
(Dies gilt sowohl, wenn letztere Kathode als auch, wenn sie Anode ist).
***) Die Temperatur im Dauerfunken ist nicht unerheblich ; Siegellack schmilzt und
entzündet sich an ihm wie in einem Kerzenlichte, dünne Glasfäden werden geschmolzen.
8
drehung ab. Dies scheint darauf hinzuweisen*), dass das Aufleuchten
der einzelnen Schichten jeder Partialentladung nicht gleichzei-
tig, sondern (von der Kathode ausgehend) nach einander erfolgt.
2. Metallspitze Anode — Halbleiter Kathode.
War die Metallspitze Anode, lag also der Halbleiter an der
negativen Metallspitze an, so änderte sich der Charakter der Licht-
erscheinungen nur insofern, als es nicht möglich war, auch bei schwachen
Strömen Dauerentladungen zu erhalten. Vielmehr trat bei allmählicher
Stromstärkenvermehrung selbst bei kleinen Polabständen der Dauerfunken
plötzlich in voller Ausbildung an die Stelle der discontinuirlichen Funken-
folge. Figuren 7, 8 und 9 geben verschiedene Formen der discontinuir-
lichen Entladung, Figuren 10, 11 und 12 der Dauerentladung. Letztere
zeigt auch hier von der Kathode (Halbleiter) ausgehend den Trennungs-
raum, einen ziegelrothen (paraboloidischen) Lichtstumpf (oder auch mehrere,
aequivalente, in einander zusammenfliessende) und das karminrothe Licht.
Bemerkenswerth für das Verständniss der Analogien der
Lichterscheinungen in freier Luft und in gasverdünnten
Räumen ist es, dass, wie Fig. 11 andeutet, manchmal
vor dem karminrothen Lichtkolben nach der Kathode
zu noch ein ziegelrothes Lichtwölkchen erscheint;
zuweilen ist dieses auch mit dem ziegelrothen Licht-
paraboloide durch eine lichtschwache Brücke ver-
bunden (Fig. 12). Das ziegelrothe Licht kann also in
zwei lichtstärkste Theile, einen am Trennungsraume
und einen zweiten am karminrothen Lichte zerfallen.
Bei Verlängerung der Funken gilt hier dasselbe
wie oben; es treten auf der Funkenbahn Wieder-
holungen der ersten karminrothen Schicht auf. Diese
Schichten haften bei S chlagweiten vergrös-
serung an der Anode, oder vielmehr mit Hinweis
auf Abschnitt 7 an der ausgezei chneten Stelle,
welche sich hier stets nahe am Halbleiter ausbildete.
Die Lichterscheinungen der Dauerentladung
unterscheiden sich also nicht wesentlich, wenn der
Halbleiter Kathode oder wenn er Anode ist.
Natürlich kann man auch zwischen zwei
Halbleitern geschichtete Dauerentladung erhalten.
Für die richtige Auffassung der zeitlich disconti-
nuirlichen Entladung ist noch hervorzuheben, dass
sich das karminrothe Licht offenbar schon bei
dieser angedeutet findet in dem Stiele des bekannten positiven
Lichtpinsels (siehe Figuren 7 bis 9**).
*) Leider wird die Deutung von Beobachtungen im rotirenden Spiegel ausser durch
häufige Unregelmässigkeiten auch dadurch erschwert, dass auch hei grösserer Schlagweite
die Dauerfunkenbahn oft rotirt, und zwar beschreibt sie hierbei einen Kegelmantel, dessen
Spitze in dem hellen Kathodenlichte liegt. Der Einfluss der Luftbewegung infolge der
Spiegeldrehung war leicht (durch eine zwischengeschobene Glasplatte) auszuschliessen.
**) Die Färbung des hellen Stieles in Fig. 7—9 ist karminroth bis violettroth, des
lichtschwächeren Theiles violettblau bis blau. Eine der Fig. 9 gleichende Entladungs-
form (gewundene, halb roth und blau gefärbte Lichtfäden) tritt bei niederen Drucken
häufig auf ; vergl. Abschnitt 9 und Photogr. 23 und 24.
Fig. 7—9 .
+
+
+
Fig. 10—13.
+ — «&f§|P>
+
9
3. Halbleiter mitten im Schlagramne.
Steht ein plattenförmiger Halbleiter frei mitten zwischen zwei
gleichbeschaffenen Metallpolen, so dass links und rechts je ein
Zwischenraum bleibt, so bilden sich natürlich zwei Funken aus, deren
einer Metall als Kathode, Halbleiterplatte als Anode hat, der andere um-
gekehrt. Nur bei Anwendung sehr starker Ströme erhielt ich hier ausnahms-
weise beiderseits Dauerfunken. Diese zeigen dann das Aussehen wie
Fig. 6 und 10 combinirt. Die Entladung erfolgt also in diesem Falle voll-
ständigster Ausbildung nach dem Schema: [Metallkathode] helles Kathoden-
licht mit Trennungsraum, — zweites (ziegelrothes) Licht, — drittes eventuell
geschichtetes (karminrothes) Licht, — Anodendunkelraum, — zahlreiche
aequivalente Anodenglimmstellen [Halbleiter] zahlreiche aequivalente helle
Kathodenlichter mit zugehörigen Trennungsräumen - — zu einem zusammen-
fliessende aequivalente zweite (ziegelrothe) Lichter, — drittes, karmin-
rothes, eventuell geschichtetes Licht, — Anodenglimmen [Metallanode].
In der Regel erhält man jedoch nach der Seite der Metallkathode
bei Weitem leichter Dauerentladung als auf der anderen Seite, auf letzte-
rer tritt meist discontinuirliche Entladung auf; wir haben daher meist
etwa Fig. 8 mit Fig. 6 combinirt*). Hieraus erklärt es sich, dass der
Anblick des positiven und negativen Antheiles meist sehr verschieden ist.
(Vergl. Fig. 1, 2 und 3 meiner Eingangs citirten Arbeit in Wied. Ann.)
4. Haften der Schichten an den Elektroden.
Der Satz, dass alle Schichten an einer Elektrode haften, hat nur als
Grenzfall volle Giltigkeit. Bei Dauerfunken zwischen Metallelektroden
tritt dagegen in der Regel der Fall ein, dass ein Theil der Schichten an
der Kathode, ein andrer jedoch bis zu einem gewissen Grade an der
Anode haftet**). Aber auch bei Anwendung eines Halbleiters als Anode
kann man derartige Entladungen erhalten. Bei Phot. 11 war z. B. die
Versuchsanordnung folgende: positiver Maschinenpol, grosser Wasserwider-
stand, Metallspitze, 2 cm starke Basaltplatte, — Funkenstrecke — Messing-
polspitze, negativer Maschinenpol. Um die successive Entwickelung der
Lichterscheinungen bei geänderter Schlagweite in einem Bilde zu erhalten,
wurde die Kathodenspitze während der Aufnahme continuirlich zurück-
gezogen, und zugleich die photographische Platte langsam senkrecht zur
Funkenrichtung verschoben. Das so entstandene merkwürdige Photo-
gramm 11 zeigt, dass hier in der That nicht alle Schichten sich mit der
bewegten Kathode verschoben haben.
Da, wie Eingangs erwähnt, die mittlere Stromstärke (bei gleichmässigem
Gange der Maschine) unabhängig von der Schlagweite ist, so zeigt Phot. 11,
dass für die an der Kathode haftenden Schichten der Satz gilt: Der Ab-
stand der Schichten von der Kathode ist, hei gleichbleibender
Stromstärke, unabhängig von der Schlagweite des Dauerfunkens.
Für die Beurtheilung des Wesens der Schichtenbildung ist die That-
*) Dieser Unterschied steht im Einklänge mit den Versuchsergehnissen von G. Wiede-
mann und Eühlmann über das verschiedene Ausströmen positiver und negativer Elektri-
zität. Vergl. Wied., Elektr., Bd. IV, S. 462. 1885.
**) Es ist dies wahrscheinlich eine analoge Erscheinung, wie sie hei Entladung in
einzelnen Funken in der Regel eintritt, nämlich der Zerfall jedes Funkens in einen
positiven und einen negativen Antheil; vergl. hierzu Abschn. 7.
10
Sache von hoher Wichtigkeit, dass (wie Phot. 11 dreimal wiederholt er-
kennen lässt) zwei Schichten ohne Weiteres ganz allmählich aus
einer entstehen oder umgekehrt verschmelzen können*). Dies
deutet darauf hin, dass die Schichten keineswegs als eine Art
stehender Schwingungen aufzufassen sind. Auf weitere Erschein-
ungen, die in demselben Sinne sprechen, werden wir bei der Leuchtmassen-
bildung in gasverdünnten Räumen stossen.
5. Entladung in Glasröhren.
Ganz besonders schön ausgebildet waren die Lichterscheinungen,
manchmal bei Dauerentladung in engen (mit der freien Luft communi-
cirenden) Glasröhren. Phot. 12 bis 16 zeigen die hier auftretende Gestalt
und Ausbildung der einzelnen Lichter in einem 5 mm weiten Glasrohre
bei etwa 5 cm Distanz der Metallpolspitzen, wenn in den Schliessungskreis
ein grosser Basalt- oder Alkoholwiderstand eingeschaltet war. Hier nahmen
die karminrothen Schichten schon ganz das Aussehen an, welches sie, wie
wir sehen werden, auch in Glasröhren bei nur geringem Luftdrucke zeigen
(vergl. hierzu z. B. Phot. 29 bis 31).
Die Photogramme 12 bis 16 sind aufgenommen bei je etwas vermehrter
Stromstärke; die Erscheinung beginnt (Phot. 12) mit zeitlich getrennt das
ganze Rohr erfüllenden Lichterscheinungen, welche beim Anwachsen der
Stromstärke in geschichtete Dauerentladung (Phot. 13 bis 16) übergeht. Ein
Vergleich der Phot. 13, 14 und 15 lässt die allmähliche Umwandlung
einer Schicht in zwei durch Stromstärkenvermehrung erkennen
(ganz analog wie oben bei Phot. 11 durch Schlagweitenvergrösserung).
Das Glasrohr erwärmte sich beim Stromdurchgange jedesmal in kurzer
Zeit so sehr, dass bald die ganze Entladung weiterhin durch das leitend
gewordene Glas erfolgte.
Fig. 13 zeigt in schematischer Zeichnung die Lichtentwickelung in
Fig. 13.
abj b2 c1 c2 c3
Glasröhren bei Atmosphärendruck; es folgen nach einander:
(nach Goldstein’s Dunkelraum zunächst)
a = helles Kathodenlicht,
(dann Trennungsraum, hierauf)
h± = erstes Lichtmaximum des zweiten ziegelrothen Lichtes,
(lichtschwaches Gebiet)
b2 = zweites Maximum des zweiten, ziegelrothen Lichtes,
cv c2 und c3 drei Schichten des dritten, karminrothen Lichtes.
Fig. 13 kann als typisch betrachtet werden für die nahe continuir-
liche Entladung in Glasröhren (auch bei niedrigeren Drucken)**).
*) Bemerkenswerth ist auch , dass ein zur Erde abgeleiteter Draht (abgesehen von
einer Ablenkung der Funkenbahn) in der Umgebung seines dem Dauerfunken auf etwa
0,o5 cm genäherten freien Endes eine dunkle Stelle in der Funkenbahn erzeugt, ohne
den Dauerfunken zu zerstören; auf diese Weise lässt sich z. B. eine Schicht des Dauer-
funkens während der Drahtannäherung in zwei Hälften zertheilen.
**) Zu berücksichtigen ist freilich, dass diese Lichtgestalt sich etwas ändert, je
nach der speciellen Lage der ausgezeichneten Stelle in ihr (vergl. Abschnitt 7 und 12).
11
6. Verlangsamte Batterieentladung.
Unter den zeitlich discontinuirlichen Entladungen in einzelnen Funken
steht der nahe continuirlichen wohl am nächsten die (in der 1. c. von mir
angegebenen Weise) stark verlangsamte Entladung grosser Leyde-
ner Batterien. Jede derartige Entladung besteht (ähnlich dem kurzen
Ruhmkorfffunken) aus einem die Entladung einleitenden Initialfunken und
dem darauf folgenden nahe continuirlichen langsamen Abfliessen der Elek-
tricität mit rasch abnehmender Stromintensität in der sogenannten Aureole ;
schliesslich erlischt der langsame Funken und nach einiger Zeit setzt eine
neue Entladung mit einem neuen Initialfunken ein. Die Abnahme der
Stromintensität während jeder langsamen Entladung erklärt es, dass die
zu Beginn derselben dicht gedrängten Schichten während jeder Entladung
mehr oder minder auseinander-, von der Kathode abrücken. Phot. 17
zeigt derartige stark verlangsamte Batterieentladungen (Metallkathode,
Basaltanode), Phot. 18 eine weniger verlangsamte (zwischen Metallelektro-
den*).
Ist bei kleineren Schlagweiten die Stromzuführung hinreichend ergiebig,
um Dauerentladung zu geben, so kann auch die Batterieentladung nur der
Dauerentladung die Strombahn öffnen; für letztere dient die Batterie
weiterhin**) nur noch als stromregulirendes Sammelbecken. Phot. 19 zeigt
einen solchen Uebergang einer langsamen Batterieentladung in Dauer-
entladung; zugleich erkennt man hier besonders deutlich die Auflösung
der Entladung in geschichtete Partialfunken.
Als eine dritte Form langsamer Batterieentladungen kann man schliess-
lich diejenigen auffassen, bei denen unter sehr grosser Rückstandsbildung
die Reihe der Partialentladungen abbricht, noch ehe die mittlere
Stromstärke der Entladung wesentlich abgenommen hat, d. h. ehe sich
die Schichtenstellung im Schlagraume geändert hatte. Nur solche nach
Kurzem abbrechende Entladungen können natürlich auf photographischen
Platten, die während der Aufnahme ruhten, Photogramme mit klarer
Schichtung hervorrufen (vergl. Phot. 20).
Trotz der Inconstanz der Stromstärke langsamer Batterieentladungen,
wird man letztere für das Studium der geschichteten Entladung zunächst
kaum ganz entbehren können, da die in ihnen auftretenden (hohen
Spannungen und zugleich) grossen Stromstärken auf anderem Wege nur
sehr schwer zu erreichen sind. So konnte ich nur an langsamen Batterie-
entladungen (vergl. Phot. 21, eine Vergrösserung des betreffenden Theiles
einer langsamen Batterieentladung nach Art von Phot. 17) constatiren, dass
sich das lichtschwache ziegelrot he Licht mit abnehmender
Stromstärke der Kathode resp. dem hellen Kathodenlichte nähert,
während (wie im ersten Abschnitte schon angegeben) die karminrothen
Schichten sich gleichzeitig von der Kathode entfernen.
*) Bei Phot. 17, 18, 19 und 21 war die photographische Platte während der Aufnahme
gleichmässig schnell (je circa 1 cm pro Secunde) bewegt worden; bei Phot. 20 ruhte die
Platte während der Aufnahme. Auf Phot. 18 und 21 erkennt man deutlich den Initial-
funken. Derselbe besteht, soweit meine Photogramme erkennen lassen, aus dem hellen
Kathodenlichte, dem (sehr verwaschenen) Trennungsraum und einer in der Regel unge-
schichteten Lichtsäule. In Phot. 21 hegt die Kathode unten, sonst links.
**) Natürlich ist stets gleichmässiger Gang der stromgebenden Maschine während
der Versuche vorausgesetzt.
12
7. Metallelektroden ohne Halbleiter; ausgezeichnete Stelle*) der
Entladung.
Stehen sich zwei Metallelektroden in grösserer Entfernung als Kathode
und Anode gegenüber, so bildet sich bei genügender Potentialdifferenz
auf ersterer der bekannte negative Büschel, auf letzterer der in der Regel
gestielte positive Lichtpinsel.
In ihnen lassen sich meist nur folgende Lichttheile der Dauerentladung
wiedererkennen: [Metallkathode] helles Kathodenlicht mit Trennungsraum
— zweites, hier meist violett, nicht ziegelroth gefärbtes Licht ■ — . . . .
[Luftschicht ohne Licht] .... — drittes (karminrothes) Licht, d. h. Stiel
des positiven Pinsels — Anodenglimmen [Metallanode].
Bei dem Nähern der Elektroden bleibt (Widerstände im
Schliessungskreise vorausgesetzt) das dunkle Luftstück, welches
gewissermassen die Rolle eines Halbleiters (einer gasförmigen Zwischen-
elektrode) in der Funkenbahn spielt, auch hei nahestehenden Elektroden
erhalten. Jeder einzelne verlangsamte Funken resp. der Dauerfunken
zerfällt deutlich in zwei Theile, in einen negativen und in einen positiven
Antheil (vergleichbar dem negativen und dem positiven Büschel); der
erhöhten Stromdichte entsprechend, ist hier jedoch die Ausbildung der
Lichter eine vollkommenere. Man erkennt jetzt:
[Metallkathode]
helles Kathodenlicht mit Trennungsraum . . . \
zweites (ziegelrothes) Licht JnegativerFunkenantheil,
drittes (karminrothes) Licht resp. seine Schichten )
schmale dunkle Luftschicht (ausgezeichnete Dunkelstelle),
drittes (karminrothes) Licht, meist ungeschichtet 1 positiver Funkenantheil,
Anodenglimmen J
[Metallanode].
Folgen eine Reihe verlangsamter Einzelentladungen rasch hinter ein-
ander, oder geht der Funkenstrom in Dauerentladung über, so kann die
sich ausbildende, heftige, von den Elektroden abgewandte Bewegung
erhitzter Luft einen wesentlichen Einfluss auf die Gestalt der Funken-
bahn, speciell auch auf Lage und Ausbildung der ausgezeichneten Dunkel-
stelle zwischen positivem und negativem Antheile haben. Dies lässt
sich durch folgendes Experiment zeigen.
Zwei Metallspitzen seien einander bei a
und c (Fig. 14) gegenübergestellt. Die Ent-
fernungen ab, bc, cd, da, seien je ca. 2 cm,
dann geht der Funkenstrom (resp. der
Dauerfunken) von a über b nach c. Der
negative Antheil reicht von c bis b, der
positive von a bis b. Bei b liegt die aus-
gezeichnete Dunkelstelle zwischen dem posi-
tiven und negativen Antheile, wohl zu
unterscheiden von dem bei c angedeuteten
dunklen (GoldsteiiTschen) Kathodenraum
und dem gleichfalls bei c angegebenen
Trennungsraum (dem Faraday’schen Dunkel-
raume zwischen Kathoden und Anodenlicht
Fig.14.
*) Vergl. Wiedemann, Elektr. IV, §§ 816, 861, 868 und 1012.
13
in hochverdünnten Geisslerrohren). Hierbei kann jeder der beiden Antheile
für sich mehr oder minder klar geschichtet sein. In der Verlängerung
von ab und cb kann man je einen warmen Luftstrom fühlen (welcher
z. B. im Stande ist, bis auf ca. 2 cm von b entfernt Wachs zu schmelzen*).
Am bezeichnendsten ist aber folgende Erscheinung. Bewegt man die
Kathode c parallel sich selbst langsam nach d hin, so verschiebt sich
auch mit ihr der negative Antheil cb parallel sich selbst, während der
positive Antheil successive kürzer und kürzer wird. Schliesslich ver-
schwindet letzterer ganz, wenn die Kathode die Stelle d erreicht hat; von
d nach a findet jetzt geradlinig Entladung nur negativen Charakters
statt. Gerade umgekehrt verschwindet der negative Antheil, wenn die
Kathode von c nach b hin, oder die Anode von a nach d hin sich selbst
parallel verschoben werden. Stehen sich die Elektroden direkt gegen-
über, sind also die Gebläse unter 180° gegeneinander gerichtet, so liegt
die ausgezeichnete Stelle bald hier bald dort auf der Funkenbahn, meist
bekanntlich näher der Kathode als der Anode. Mit dem Schlierenapparate
erkennt man, dass auch hier die ausgezeichnete Dunkelstelle stets
dort liegt, wo die beiden warmen Luftströmungen aufeinander
treffen. Hierdurch erst gewinnen wir volles Verständniss der in den
vorigen Abschnitten geschilderten Lichtgestalten bei nahe continuirlicher
Entladung unter Anwendung von Halbleiter elektroden.
Eine spitze Metallelektrode begünstigt mechanisch und elektrisch die
Ausbildung des zugehörigen Gebläses, eine plattenförmige Halbleiter-
elektrode erschwert sie.
Dies giebt uns einen Anhalt, wo wir in den behandelten Lichter-
scheinungen die ausgezeichnete Stelle zu suchen haben.
Fehlt das positive Gebläse ganz, so erkennen wir die ausgezeichnete
Stelle wieder in dem in diesem Falle meist zu beobachtenden auffallend
ausgedehnten Anodendunkelraume zwischen Anodenglimmen und
den karminrothen Schichten des negativen Antheiles. Das Anodenglimmen
ist der letzte Rest des unterdrückten positiven Antheiles (vergl. Phot. 17,
19, 20 und 21).
Fehlt das negative Gebläse ganz, so finden wir die ausgezeichnete
Stelle meist als einen ausgedehnten Dunkelraum wieder, welche zwischen
der letzten karminrothen Schicht des positiven Antheiles und dem ziegel-
rothen Lichte des negativen liegt; von letzterem bleibt also nur die helle
Austrittsfläche und das ziegelrothe Licht erhalten (vergl. Fig. 10). Häufig
freilich ist in diesem Falle die ausgezeichnete Stelle nur wenig markirt,
wie bei Fig. 11 und 12.
Oft verschmelzen auch die Lichter beider Antheile continuirlich in
einander**), wobei jedoch die ausgezeichnete Stelle nur scheinbar ver-
schwindet. Ihr Vorhandensein und ihre Lage ist dann nur indirect
z. B. aus dem Verhalten der Lichttheile bei Aenderung der Schlagweite
(wie in Phot. 11 Abschn. 4) oder der Stromsstärke (wie in Phot. 13 bis 16
Abschn. 5) zu erkennen; auch der Schlierenapparat kann hier gute Dienste
leisten.
*) Besonders bequem und deutlich lassen sich die beiden Luftströme (des positiven
und des negativen Funkenanth eiles) natürlich mit dem Schlierenapparate beobachten.
**) Hierher gehört u. A. Fig. 5 und 6 sowie Phot. 4 bis mit 10 ; in Fig. 3 und 4
sowie in Phot. 2 und 3 gehörte der Lichtpilz sicher zum positiven Antheile, die wenig
markirte ausgezeichnete Stelle liegt hier zwischen ihm und dem ziegelrothen Lichte.
14
Das letzte Beispiel und vor Allem das Auftreten der ausgezeichneten
Stelle auch in luftverdünnten Bäumen (wo von heftigen Luftströmungen
kaum die Bede sein kann, vergl. Abschn. 12) zeigt, dass zwar in freier Luft
die Lage der ausgezeichneten Stelle durch Luftströmungen beeinflusst
wird, dass jedoch elektrische Vorgänge ihre Ausbildung veranlassen.
Die ausgezeichnete Stelle zwischen negativem und positivem Antheile ist
vielfach untersucht worden. Sie lässt sich bekanntlich sogar bei immer
weniger verlangsamten Entladungen beobachten, bis weit in den Be-
reich nichtoscillirender Funkenentladung hinein. Es liegt demnach
nahe, das oben angegebene Schema der Lichterfolge auch hier als das zu
Grunde liegende anzusehen, wenn auch die Lichterscheinung, wohl infolge
ihrer Helligkeit, keine Unterschiede mehr auf der Funkenbahn zeigt, und
solche nur noch an den verschiedenen Wärme Wirkungen längs derselben
(z. B. mittels des Schlierenapparates) *) nachweisbar sind. Selbstverständlich
kann man jedoch bei dem hervorragend mitbestimmenden Einflüsse von
Zufälligkeiten auf die Funkenbildung bei dieser bis ins Einzelne gehende
Begelmässigkeit nicht erwarten.
Ganz besonders deutlich lässt sich bekanntlich die ausgezeichnete
Stelle oft in den Bussspuren erkennen, welche Funken, längs berusster
Glasplatten entlang schlagend, hinterlassen*). Nach Beobachtungen meines
Vaters kann man sogar das Auftreten eines augenförmigen Bussgebildes
an der ausgezeichneten Stelle als Kriterium dafür betrachten, dass die
Bussspuren gebende Entladung soeben nicht mehr oscillirend, sondern
gleichgerichtet (jedoch noch ohne Partialfunkenbildung) erfolgte; Phot. 22
zeigt in natürlicher Grösse das Bild einer derartigen Bussspur mit aus-
gezeichneter Stelle. Die Unzulänglichkeit unserer Kenntniss über das
Wesen der ausgezeichneten Stelle und über den Einfluss ihrer Lage in
der Funkenbahn auf die Lichterscheinung der elektrischen Entladung ist
sicher das Haupthinderniss, welches uns noch immer von einer einheitlichen
Auffassungsweise der letzteren (und zwar nicht nur bei höheren Drucken)
fernhält.
II. Nahe continuirliche Entladung (Büschellichtbogen) in
verdünnter Luft.
Mit abnehmendem Drucke nimmt die Längendimension der Lichter
rasch zu, und nur in langen Bohren lassen sich infolge dessen bei niederen
Drucken alle Lichter vollkommen ausgebildet erhalten.
Da in dem Druckbereiche von 76 cm bis ca. 5 cm hinunter, soviel
ich beobachten konnte, der Charakter der Lichterscheinungen sich in regel-
mässiger Weise stetig ändert, so genügt es, für die vorliegende qualitative
Untersuchung die Ausbildung der Lichter zu schildern, wie wir sie bei
Drucken um 5 cm wiederfinden. Erst bei weiter abnehmendem Drucke
treten dann wesentliche Complicationen ein.
Um mich möglichst davor zu schützen, auf Nebenerscheinungen Ge-
wicht zu legen, welche nur von dem Einflüsse der Bohrwand herrühren,
habe ich die Entladung in verschieden weiten Bohren beobachtet. Freilich
konnte ich in weiten Bohren manche der erwarteten Erscheinungen bei
Dauerentladung selbst mit der benutzten 60 plattigen Toepler’schen
Maschine nur schwer oder überhaupt nicht erhalten.
*) A. Toepler, Wien. Acad. Anz. 1874, Nr. 13, p. 105; Pogg*. Ann. 134, p. 194.
15
8. Rohr A.
In einen 15 cm weiten 60 cm hohen Glascylinder (Fig. 15) führte von
oben durch eine 1 cm starke Glasplatte ein Messingstab (umhüllt von
einer den Elektricitätsaustritt verhindernden Glasröhre), dessen Ende eine
Messingkugel trug. Den Luftabschluss unten bewirkte eine 2 cm starke
Schieferplatte. Eine gut functionirende Wasserstrahlpumpe hielt den
Innenraum constant auf dem Maximum der von ihr geleisteten Verdünn-
ung (ca. 3 cm).
Die höchst mannigfachen Lichterscheinungen, welche man hier beobach-
ten kann, sind Vergrösserungen der entsprechenden bei Atmosphärendruck.
Speciell die bei nahe continuirlichem Stromdurchgange auftretenden
Entladungsformen sind denen in freier Luft (z. B. Fig. 3) ganz ähnlich.
(Vergl. Fig. 16 — 19 in 1/8 natürlicher Grösse und Fig. 20 in *j2 natürlicher
Grösse.)
16
sehr lichtschwache ziegelrothe Lichtmasse. Wird die Polkugel auf 15 cm
Abstand zurückgezogen (vergl. Fig. 16), so erhebt sich über der Schiefer-
platte eine ca. 1 cm breite karminrothe Lichtsäule mit karminrothem End-
knoten; letzterer ist von einem schwachen, ziegelrothen Lichte- umhüllt.
Wird der negative Pol bis ca. 40 cm von der Schief erplatte entfernt
(Fig. 17 und 18), so erhebt sich die positive karminrothe Lichtsäule etwa
10 cm hoch mit ca. 2 cm dickem Endknoten. Bei starkem Strome bewegt
sich letzterer langsam auf und nieder und kann sich auch von der Lichtsäule
ganz loslösen (Fig. 17), ja bei weiter vermehrter, consta nt er mittlerer Strom-
stärke stösst diese Lichtsäule successive eine Beihe gleicher Lichtkugeln von
sich, welche langsam nach oben der Kathode zuschweben*,) hierbei jedoch
je immer lichtschwächer werden, bis sie ganz verschwinden, wenn sie etwa
die Hälfte des "Weges zum negativen Pole zurückgelegt haben (Fig. 18).
Diese Erscheinung vollzieht sich innerhalb eines sehr lichtschwachen, ziegel-
rothen Lichtcylinders.
Die Lichterscheinungen am negativen Pole sind bekannt; sie bestehen
aus hellem Kathodenlichte mit Trennungsraume und dem ziegelrothen
Lichtparaboloide; diese Lichter waren zusammen etwa 0,5 cm lang.
Ist der Schiefer Kathode (Fig. 19), so erhebt sich über einer grossen
Zahl aequivalenter violetter Lichtpunkte (dem hellen Kathodenlichte) eine
bis zu 5 cm hohe, 1 cm breite ziegelrothe Lichtsäule von paraboloidischer
Begrenzung (Fig. 19). Unter Umständen bildet sich auch über jeder ein-
zelnen hellen Kathodenschicht je das zugehörige ziegelrothe Theilparaholoid
aus (Fig. 20); diese Paraboloide convergiren dann nach einem gemeinsamen
lichtlosen Mittelpunkte und es gewährt einen eigenartigen Anblick, wie
sich alle bei zufälliger Lagenänderung des lichtlosen Centrums gemein-
sam hin- und herneigen; diese Erscheinung beweist, dass auch die unsicht-
bare, lichtlose Entladung zwischen den Lichtern an den Elektroden nur
auf verhältnissmässig schmaler Bahn erfolgt.
Aus der (Metall-) Anode wuchs hier das nur ca. 1 cm lange karmin-
rothe Anodenlicht keulenartig heraus (Fig. 19); an das knotige Ende setzte
sich auch hier eine sehr lichtschwache ziegelrothe Lichtsäule an.
Der ausgedehnte Dunkelraum zwischen den Lichtern an der Kathode
und denen an der Anode entspricht offenbar der ausgezeichneten Stelle
des siebenten Abschnittes.
Zu voller Ausbildung der Lichterscheinungen reichte der Maschinen-
strom nicht aus ; mit grossen Batterien konnte ich, wie zu erwarten, auch
hier ganz wie in freier Luft langsame Entladungen mit mehreren (je etwa
5 cm langen und 0,5 cm breiten) karminrothen Schichten erhalten.
9. Rohr B.
Als ich hei Drucken um 2 cm an Stelle des 16 cm weiten Rohres
ein solches von 3 cm Weite und 82,8 cm Abstand der beiden Kupfer-
polspitzen benutzte, erhielt ich den oben beschriebenen ähnliche Licht-
erscheinungen. Diese bildeten sich meist in der Achse des Rohres aus
und füllten den Querschnitt desselben noch an keiner Stelle.
*) Derartige bei constanter Stromstärke wandernde Leuchtkugeln konnte ich bei
Atmosphärendruck nur ganz ausnahmsweise (vergl. Anmerkung zu Abschn. 1) beobachten;
hier waren sie oft und leicht zu erhalten.
17
Die Photogramme 23 bis 27, aufgenommen bei immer grösseren aber
je constanten mittleren Stromstärken (und je 5 Secunden Belichtung),
zeigen die zu besprechenden Lichterscheinungen.
Auf das helle Kathodenlicht mit Dunkelraum folgt auch hier das erste
Lichtmaximum des zweiten, ziegelrothen Lichtes, diese Lichter sind jedoch
auf den Photogrammen wegen ihrer geringen räumlichen Ausdehnung nicht
von einander zu unterscheiden*). Nach dem ausgedehnten lichtschwachen
Theile des ziegelrothen Lichtes folgt dann, als lange ziegelrothe Lichtsäule,
dessen zweites Lichtmaximum.
Als auffallendster Lichttheil folgte schliesslich das hier sehr helle
dritte, karminrothe Licht. Charakteristisch war auch hier für dieses Licht
sein pilzartiges, der Kathode zugekehrtes Ende. Photogramm 28 zeigt das
Grenzgebiet zwischen ziegelrothem und karminrothem Lichte nochmals,
jedoch nur mit 1 Sec. Belichtung, um den bedeutenden Helligkeitsunter-
schied beider Lichttheile deutlich zu machen.
Vorübergehend konnte ich auch schon in diesem Rohre einen Zerfall
des karminrothen Lichtes in (drei) ruhende, klare Schichten — Leucht-
massen, Lichtwolken — erhalten.
Die Photogramme 23 bis 28 zeigen aber auch folgende interessante
Thatsache ; man sieht, dass das karminrothe Licht schon bei ausgesprochen
zeitlich discontinuirlichen Entladungen, auf Funkenbahnen, welche sonst von
einer Schichtung noch keine Spur zeigen (vergl. Phot. 23 und 24), deutlich
zu erkennen ist. In all den Fällen, in denen in gasverdünnten Räumen die
discontinuirliche Entladung aus Lichtfäden besteht, die je aus einem blauen
Theile nach der Kathode zu und einem röthlichen, violettrothen oder
karminrothen nach der Anode hin bestehen, müssen wir in dieser Zwei-
theilung einen Ansatz zur Ausbildung des zweiten und dritten Lichtes
erkennen, mit der angegebenen, den veränderten Verhältnissen ent-
sprechenden Farbentönung. Der rothe Theil der Lichtfäden in (engen)
Glasröhren und niederen Drucken entspricht hiernach und nach den
Bemerkungen in Abschn. 2 dem Stiele des positiven Büschels in freier
Luft **).
10. Rohr C.
Bei constanter Stromstärke absolut ruhende Schichten des dritten
karminrothen Lichtes (Righi’sche Leuchtmassen — • „masse luminose“)
erhielt ich im Druckbereiche um 5 cm mit den verfügbaren Stromintensi-
täten erst in einem noch etwas engeren Rohre als dem im vorigen Ab-
schnitte benutzten.
In dem hier verwendeten 2,3 cm (im Lichten) weiten Rohre standen
sich im Abstande von 61,5 cm als Elektroden zwei Aluminium scheiben
*) Das erste Lichtmaximum des ziegelrothen Lichtes zeigte hier oft einen eigen-
tümlichen Zerfall in dichtgedrängte Schichten, Unterabteilungen. ^-i
Stromvermehrung begünstigte diese secundäre Schichtung , welche 9*
sich am hellsten und deutlichsten nach dem Trennungsraum zu aus-
bildete. Fig. 21 zeigt (vergrössert) diese Erscheinung. An der m, m§m
Metallkathode K liegt zunächst das helle Kathodenlicht, m etwas J
grösserer Entfernung folgt das in Rede stehende geschichtete ziegel-
rothe Licht. Der Abstand der ersten Schicht des letzteren von der Kathode nahm
zu mit zunehmender Stromstärke.
**) Die karminrothe Lichtsäule zeigt die Tendenz spiraliger Anordnung mit conti-
nuirlicher Rotation (auf welche hier nicht eingegangen werden soll), man sieht sie in
Phot. 23 bis 27 angedeutet.
*
18
gegenüber, den Roh rquer schnitt fast vollständig ausfüllend. Um auch
schon bei schwachem Strome und höheren Drucken nahe continuirliche
Entladung zu erhalten, war auch hier der Kathode ein (kleiner) Flüssigkeits-
Widerstand vorgeschaltet.
Bei Drucken oberhalb 5,5 cm wurde das Rohr, wenn überhaupt, nur
von zeitlich getrennten (discontinuirlichen) Funkenentladungen durchsetzt.
Bei einem Drucke von 5,3 cm und schwachem Strome war die Entladung
auch noch discontinuirlich; jeder Funken bestand (ganz wie im vorigen
Abschnitte behandelt) aus einer blauen Hälfte nach der Kathode zu und
einer rothen Anodenhälfte. Bei Stromvermehrung erschienen dann die
analogen Lichterscheinungen wie Phot. 23 bis 27, nur waren sie hier licht-
schwächer und unvollkommen ausgebildet*).
Wurde (nach Erreichung des Stadiums, welches Phot. 27 entsprach)
die Stromstärke weiter vermehrt, so schnürte sich der der Kathode nächste
Theil des karminrothen Lichtes ab und bildete eine bei constantem Strome
absolut ruhende Schicht, eine Righi’sche Leuchtmasse. Zugleich zerfiel
der übrige Theil des karminrothen Lichtes in eine Reihe von Leucht-
massen; letztere ruhten aber bei constantem Strome keineswegs, vielmehr
stiess die Anode beständig Leuchtmassen von sich, welche, nach der Ka-
thode zu eilend, in dem Augenblicke erloschen, wo sie die erste, ruhende
Leuchtmasse erreichten.
War der Strom weiter verstärkt worden, so bildete sich zwischen der
ersten ruhenden Leuchtmasse und der Anode eine zweite, gleichfalls ruhende
Leuchtmasse aus. Die von der Anode aus wandernden Massen erloschen
jetzt beim Erreichen der zweiten ruhenden Leuchtmasse.
Dieser Process wiederholte sich bei abermaliger passender Stromver-
mehrung; eine dritte Leuchtmasse wurde fest, sodass schliesslich das
61,5 cm lange Rohr bei constantem Strome drei (oder mehr) beliebig lange,
absolut ruhig stehende Leuchtmassen zeigte (vergl. Phot. 31**).
Ging, nachdem sich die drei ruhenden Schichten gebildet hatten,
längere Zeit ein constanter, möglichst starker Strom durch das Rohr, so
wurden, offenbar im Zusammenhänge mit den Temperaturverhältnissen,
die ruhenden Leuchtmassen immer stabilere Gebilde. Wurde jetzt die
Stromstärke successive geändert, so erschienen wandernde Schichten nur
vorübergehend. Es galten jetzt folgende Sätze:
Die ruhenden Leuchtmassen sind nahe aequidistant.
Die Leuchtintensität der Leuchtmassen ist bei den von der
Kathode fernsten am geringsten (vergl. Phot. 30 und 31).
Mit zunehmender Stromstärke nimmt sowohl der Abstand
der ersten ruhenden Leuchtmasse von der Kathode, als auch
der Abstand je zweier ruhender Leuchtmassen von einander ab.
Mit abnehmender Stromstärke verschwand daher eine Leuchtmasse nach
der anderen in der Anode; im Schlagraum bilden sich nur so viel ruhende
Leuchtmassen aus, als der Stromstärke entsprechend zwischen Anode und
Kathode Platz haben.
Es sind das dieselben Sätze, die, wie nachgewiesen wurde, auch für
die Schichtenbildung in freier Luft Geltung haben.
*) Besonders lichtschwach war Mer meist der zweite Theil des ziegelrothen Lichtes.
**) Wurde das Bohr C in geeigneter Weise vorgewärmt, so erfolgte in ihm auch
schon bei Drucken von 9 cm und mehr die Bildung ruhender Leuchtmassen.
19
Phot. 29, 30 und 31 (aufgenommen mit je 5 Secunden Beleuchtungs-
dauer) zeigen für 5,3 cm Druck geschichtete Entladung (Kugelfunken) mit
ruhenden Leuchtmassen bei je constantem Strome und zwar Phot. 29
bei kleinster (ca. 1/2000 Amp.), Phot. 30 bei grösserer und Phot. 31 bei
grösster (ca. 1/600 Amp.) Stromstärke.
Das zweite Lichtmaximum des ziegelrothen Lichtes war im benutzten
Rohre meist sehr lichtschwach*), das erste dagegen sehr deutlich;
dieses entfernt sich (ebenso wie bei Atmosphärendruck, vergl. Abschn. 6)
mit wachsender Stromstärke von der Kathode. Auch das helle
Kathodenlicht mit Trennungsraum war scharf ausgebildet**).
11. Nahe eontinuirliehe Entladung (Büsehellichtbogen) und
Righi’sehe Kugelfunken.
Die Lichterscheinungen der untersuchten Entladungsart zeigen also
vom Atmosphärendruck bis zu 5 cm herab genau die gleichen charak-
teristischen Gestaltseigenthümlichkeiten und die gleiche Anordnung der
Lichter, zeigen auch qualitativ die gleiche Abhängigkeit von der Strom-
stärke.
Ueber die hier von mir behandelte Entladungsart liegen meines
Wissens bisher nur zwei eingehendere Untersuchungen vor, nämlich die
schon Eingangs erwähnten***) von A. Wüllner und A. Righi, beide für den
Druckbereich um 5 cm. Dass die von mir behandelte „nahe eontinuirliehe“
Entladungsart (Dauerfunken, Büschellichtbogen) mit der von genannten
Beobachtern untersuchten, von A. Righi als „Kugelfunken“ bezeichneten,
identisch ist, lehrt ohne Weiteres ein Vergleich meiner Phot. 29, 30 und
31 mit den von Righi mitgetheilten Abbildungen.
Bei der hier untersuchten geschichteten Entladungsart (Righi’schen
Kugelfunken) mit Leuchtmassen erfolgt der Elektricitätsfluss zwischen den
Elektroden offenbar streckenweise fast lichtlos auf breiter, streckenweise
mit Lichtentwickelung auf enger Bahn f). Diese Bahnverengerung kann
sehr weit gehen, und man hat wahrscheinlich jede Leuchtmasse aufzufassen
als einen Funken zwischen lichtlosen Räumen, Gaselektroden ff). Die
Leuchtmassenbildung besteht also in einem Zerfalle des Gesammtfunkens
in mehr oder minder ausgedehnte Theilfunken (gewissermassen unter Ein-
fügung gasförmiger Zwischenelektroden fff ). Hieraus erklärt sich unge-
*) Daher ist auch auf Phot. 29 bis 31 die ziegelrothe Lichtsäule nicht zu sehen.
Es sei gleich hier vorausgreifend bemerkt, dass, wohl aus demselben Grunde, auch auf
den Photogrammen von Righi die ziegelrothe Lichtsäule fast ausnahmslos fehlt;
dagegen findet sie sich deutlich wiedergegehen auf der Zeichnung von Wüllner;
1. c. Taf. I, Eig. 4.
**) Wegen ihrer Kleinheit ist die Lichterfolge an der Kathode auf den Phot. 29
bis 31 nicht klar zu unterscheiden.
***) Vergl. die Litteraturangah e in der Einleitung. Zur nahe continuirlichen Ent-
ladungsart gehören auch die Entladungsformen, welche 0. Lehmann, Zeitschr. f. phys.^
Chemie 18, 107, 1895 beschreibt; jedoch war hierbei die Schlagweite zu klein im Ver-
hältnisse zu dem geringen Drucke und zu der grossen Rohrweite, als dass sich Leucht-
massen hätten bilden können; dagegen ist bei diesen Formen die ausgezeichnete Stelle
gut zu erkennen.
f ) Die Glasfluor es cenz um die Orte des Leuchtens in der Rohrachse täuscht leicht
bei erster Betrachtung.
ff) Die elektrische Ladung der Glaswand ist hei engen Rohren ebenfalls zu be-
rücksichtigen.
fff) Vergl. die ähnliche Deutung von Righi, Lum. El. 42, 1891, p. 613.
**
20
zwungen die Möglichkeit des leichten Verschmelzens zweier Schichten
(vergl. Abschnitt 4), sowie die Mehrzahl der Erscheinungen, welche im
folgenden Abschnitte behandelt werden sollen. Um speciell das Wandern
der Schichten mit oder gegen den elektrischen Strom zu erklären, braucht
man nur anzunehmen, dass durch die Leuchtmassen um ein Geringes
weniger resp. mehr Elektricität in der Zeiteinheit fiiesst als durch die
dunklen Zwischenräume.
12. Gegeneinander wandernde Leuehtmassen.
In den vorangegangenen Abschnitten sind wir fast ausschliesslich Licht-
erscheinungen begegnet, deren Theile ihre Lage im Schlagraume bei con-
stanter Stromstärke und constantem Drucke constant beibehalten. Ganz
anderen Verhältnissen begegnete ich jedoch (bei dem zuletzt benutzten
Rohre C) in dem Druckbereiche zwischen 4,6 cm und 0,8 cm. Sank der
Druck nämlich unter 4,6 cm, so wurde mehr und mehr der Zustand im
Rohrinnern labil in Bezug auf das Entstehen von Leuchtmassen. Zur
Ausbildung ruhender Leuchtmassen kam es hier überhaupt nicht mehr,
oder nur ganz vorübergehend.
Zunächst, hei Drucken um 4 cm, bildete das zweite Lichtmaximum
des ziegelrothen Lichtes wie bei höherem Drucke noch eine zusammen-
hängende lange Lichtsäule *). Die bei constanter Stromstärke rasch
wandernden Schichten des karminrothen Lichtes Hessen sich aber nicht
mehr durch Stromvermehrung fest machen**); sie erloschen auch hier,
sobald sie das Ende der ziegelrothen Lichtsäule erreichten.
Bei möglichst starkem constanten Strome trat nun noch eine weitere
höchst bemerkenswerthe Complication der Leuchtmassenbildung ein. Bei
constantem Strome beobachtete ich folgende sich beliebig oft in nahe
gleichen Zeiten wiederholende Erscheinung. Das der Anode zugekehrte
Ende des ziegelrothen Lichtes rückte nach der Anode zu vor, schliesslich
löste sich von der ziegelrothen Lichtsäule ein Säulenstück (von nicht
immer gleicher Länge***) ab, welches sich langsam nach der Anode
zu in Bewegung setzte, während das neue Ende der ziegelrothen Licht-
säule nach der Kathode zu zurückschnellte. Phot. 32 bis 35 zeigen das
der Anode zugekehrte Ende der ziegelrothen Lichtsäule in verschiedenen
Stadien des Losreissens langsam der Anode zuwandernder Leuchtmassen.
Man kann den Process der Losreissung von Leuchtmassen beschleu-
nigen oder auch unter Verhältnissen, hei denen er noch nicht spontan
erfolgt, hervorrufen, indem man mit der Hand von der Kathode nach der
Anode zu an der ziegelrothen Lichtsäule längs des Glasrohres entlang
streicht f); die so erzeugte Schicht setzt dann ebenso wie eine selbständig
gebildete beim Wegziehen der Hand ihren Weg nach der Anode zu fort,
*) Es kam sogar vor , dass das ziegelrothe Licht sich bis auf etwa 5 cm der
Anode näherte, also beinahe 60 cm lang war.
**) Die Wanderungsgeschwindigkeit nahm zu mit wachsender Stromstärke. Bei
sehr raschem Wandern modificirte sich die Gestalt der Leuchtmassen etwas; diese
wurden mehr und mehr asymmetrisch und ihr vorauseilendes Ende kugelte sich pilzartig ah.
***) Das bei gleichem Drucke und gleicher Stromstärke sich ablösende Säulenstück
war 5 bis 20 cm lang; die ganze Lichtsäule des ziegelrothen Lichtes kann man daher
auch auffassen als eine ruhende Leuchtmasse von grosser Länge, welche die Fähigkeit
besitzt, sich beliebig zu theilen.
*f) Die Umspannung mit der Hand wirkt analog einer Rohrverengerung in dem
Sinne, als die letztere nach Righi die Ausbildung einer Leuchtschicht erleichtert.
21
bis sie auf eine der von der Anode ihr entgegenkommenden Leuchtmassen
des karminrothen Lichtes trifft*).
Wir haben also zwei Schaaren von Leuchtmassen, die eine
zeigt von der Kathode langsam fortwandernde, die andere von
der Anode aus der ersteren rasch entgegeneilende Leucht-
massen. Es bildeten sich also ganz wie bei Atmosphären druck (vergl.
Abschnitt 4) zwei von einander unabhängige Systeme von Schichten, nur
ruhten dort die Schichten (bei ruhenden Elektroden), hier wandern sie;
es kann demnach hier wie dort dte Entladung als in einen
positiven und negativen Antheil (je mit selbständiger Schichten-
bildung) zerfallend angesehen werden**). In dem Zusammentreff-
punkte der gegen einander wandernden Leuchtmassen erkennen wir dem-
nach die ausgezeichnete Stelle (vergl. Abschn. 7) wieder.
Besonders auffallend war es hierbei, dass sich beim Aufeinandertreffen
zweier Schichten weder mit blossem Auge noch im rotirenden Spiegel
irgend welche Eigentümlichkeit zeigte; zwei aufein andertreffende
Leuchtmassen verschmelzen zunächst; die verschmolzene Licht-
säule verkürzt sich mehr und mehr und verschwin det schliess-
lich spurlos ***).
Die Ausgleichstelle, bis zu welcher die von der Anode aus wandernden
Leuchtmassen nach der Kathode zu Vordringen, rückt sowohl mit wach-
sender Stromstärke, als auch mit wachsender Verdünnung immer weiter
nach der Kathode zu vor; der negative Antheil der Entladung verkürzt
sich dem, entsprechend. Mit abnehmendem Drucke verwischen sich die
Lichterscheinungen und bei Drucken unter 0,8 waren zwar bei schwachem
Strome noch deutlich ruhende Leuchtmassen zu erkennen, diese flössen je-
doch bei Stromvermehrung (ohne deutliche Ausbildung wandernder Schichten)
in einander und verschmolzen schliesslich zu einer homogenen Lichtsäule.
13. Letzte Spuren der nahe continuirliehen Entladungsart.
Die Grenzverhältnisse zwischen nahe continuirlicher Entladung und dem
bekannten Phänomen der zeitlich continuirliehen Entladung in Geisslerrohren
hat man sich etwa folgendermassen zu denken. Die Grenzstromstärke, bei
der soeben die letztgenannte (continuirliche) Entladungsart auftritt, nimmt
*) Oft genügte ein Bewegen der Hand schon im Abstande von 10 cm vom Bohre, um
eine derartig fortschreitende successive Entladung auszulösen; man sieht, in wie hohem
Grade die Entwickelung der Lichtphänomene von äusseren Umständen abhängig sein kann.
**) Zu genauerer Untersuchung müssten wohl die Elektroden in den Kohren ver-
schieblich gemacht werden, auch müsste der Einfluss der Anordnung des Widerstandes
im Stromkreise berücksichtigt werden.
***) Auf die vielfachen Eigentümlichkeiten der wandernden Leuchtmassen einzu-
gehen, würde zu weit führen; es sei nur noch auf einige sicher zu beobachtende That-
sachen hingewiesen. Die Wanderungsgeschwindigkeit der von der Kathode wegwan-
dernden Leuchtmassen war stets geringer als diejenige der entgegenkommenden. Bei
höheren Drucken zeigten erstere mehr ziegelrote, letztere mehr karminrote Färbung;
mit abnehmendem Drucke verschwand bald dieser Farbenunterschied (bei den hier be-
nutzten höheren Drucken spielt der Quecksilberdampf bez. der Schichtenfärbung noch
keine wesentliche Bolle). Es kam vor, dass das ganze Bohr bis zur Anode hin, nur
Leuchtmassen enthielt, die von der Kathode weg wanderten ; erfolgte dies Wandern
hinreichend langsam (ca. 1 cm per Secunde), so konnte man deutlich erkennen, dass
die Leuchtmassen nicht in der Anode allmählich untertauchten, sondern je ganz succes-
sive an der Grenze eines erst hierdurch bemerkbar werdenden (bis zu 2 cm langen)
22
rasch ab mit abnehmendem Drucke* *). Das Stromstärkengebiet der nahe
continuirlichen Entladungsart wird daher mit abnehmendem Drucke immer
schmäler und unterhalb 0,8 cm geht die discontinuirliche Entladung bei
successiver Stromverstärkung meist direct in die continuirliche über. Einen
bestimmten Druck (oder Druckbereich), welcher etwa die Grenze
zwischen Schichtenbildung durch Leuchtmassen und der gewöhnlichen
Schichtung des Anodenlichtes niedrigster Drucke bildet, giebt es nicht.
Ich konnte vielmehr selbst bei so geringen Drucken, bei denen das
Anodenlicht schon längst in der bekannten Weise deutlich geschichtet
war, in der Regel noch die nahe continuirliche Entladungsart unzweifel-
haft erkennen, wenn ich nur auf die Lichterbildung bei sehr schwachen
Strömen mein
Augenmerk rich-
tete. Hierbei bin
ich auf manche
eigenthiimliche
Erscheinungen ge-
stossen, von denen
die bemerkens-
wertheste im Fol-
- - genden geschildert
ist.
Böi einem Drucke
von 0,007 cm Hg. er-
hielt ich im Rohre
C folgende Licht-
entwickelung.
Bei sehr schwa-
chem mittleren
Strome ruhte nahe
der Anode in der
Rohrachse eine
Lichtsäule , deren
freies Ende (vergl.
den Pfeil der
Fig. 22) nach der
Kathode hin rhyth-
misch aufzuckte.
Bei etwas stärkerem Strome war zu erkennen Goldstein’s Dunkel-
raum, helles Kathodenlicht mit ziemlich ausgedehnten Glimmlichtstrahlen
Fig. 22. |
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Anodendunkelraumes verschwanden. (Die Leuchtmassen, welche nach der Kathode zu
wandern, kamen dagegen direct aus der Metallanode heraus.) Die Ausbildung eines
ausgedehnten, scharf begrenzten Anodendunkelraumes scheint demnach
nur stattzufinden, wenn der negative Entladungsantheil bis nahe zur
Anode heranreicht. Dasselbe war auch bei nahe continuirlicher Entladung in freier
Luft zu beobachten (vergl. Phot. 17, und 20 mit 11). Der Anodendunkelraum dürfte
also hier (vergl. Abschn. 7) der ausgezeichneten Stelle entsprechen. Die Anode selbst
zeigt auch hier ganz wie im analogen Falle bei Atmosphärendruck zahlreiche Anoden-
glimmpunkte, d. h. den letzten Pest des positiven Antheiles.
*) Vergl. die Zahlenangaben von Hittorf, Wied. Ann. 20, 1883, p. 722. Es wird
jedoch sicher möglich sein, bei allen Drucken die einzelnen Entladungsarten ganz all-
mählich in einander überzuführen, wenn man nur die Versuchsbedingungen geeignet wählt.
23
(a in Figur 23)*) und Trennungsraum, eine äusserst matte ziegelrothe Licht-
säule (b), eine matte rothe ruhende Leuchtmasse (c) und nach der Anode
zu eine Lichtsäule (d)**). Es war also die nahe continuirliche Ent-
ladungsart bei einem Drucke unter 0,oi cm noch sicher zu be-
obachten! Näherte ich in diesem Stadium die Hand oder ein Stück
abgeleitetes Stanniol (S in Figur 24 und 25) dem Rohre, so bildete sich
im Rohre auf der abgewandten Seite eine Leuchtmasse, ganz wie bei
höheren Drucken; diese zerfiel aber hier in eine Reihe von Schichten
(vergl. Fig. 24 und 25). Diese lichtschwache secundäre Schichtung ähnelte
der Schichtenbildung des bekannten Anodenlichtes, ist aber mit dieser
keineswegs zu verwechseln.
Bei stärkerem Strome erschien plötzlich die helle, rosa gefärbte
Säule des bekannten Anodenlichtes (Figur 26); es zeigte, der Verdünnung
entsprechend, schon deutlich seine bekannte Geisslerrohr - Schichtung.
Zwischen seiner ersten Schicht und der Kathode blieb aber deutlich ein
lichtschwaches ziegelrothes Lichtwölkchen (w) zu erkennen***). Näherte
ich jetzt, wie oben, Hand oder Stanniol (S in Figur 27, 28 und 29),
so wurde die Säule des bekannten Anodenlichtes nur wenig beeinflusst,
um so mehr aber das ziegelrothe Lichtwölkchen. Hierbei zeigte sich, dass
diese Lichtwolke nur ein Theil einer die Anodenlichtsäule mindestens
20 cm wreit durchdringenden, von dieser aber so gut wie unabhängigen
Lichterscheinung war. Durch Nähern des Leiters S liess sich auch jetzt
noch (ganz wie in Figur 24 und 25) aus der Rohrmitte an die entgegen-
gesetzte Rohrwand eine geschichtete Lichtsäule drängen (Figur 27 und 28),
ganz, als ob die ihrerseits geschichtete Anodenlichtsäule gar nicht vor-
handen wäre. Durch Verschieben des Leiters längs des Glasrohres liess
sich constatiren, dass das vom Leiter bewegte Schichtensystem stets die
erste Schicht gegenüber der Berührungsstelle des Leiters ausbildete; dass
an dieser ersten Schicht nach der Anode zu eine ganze Reihe (10 bis 15)
weitere aequidistante Schichten hingen, welche bei einer durch Bewegung
des Leiters veranlassten Verschiebung der ersten Schicht sämmtlich mit-
genommen wurden, dass diese lichtschwache zweite Schichtung auch vor-
handen war bei Abwesenheit des Leiters und dass die lichtschwachen
Schichten in diesem Falle meist zusammenfielen mit den Schichten des
Anodenlichtes (mit Ausnahme der ersten, der schwachen Lichtwolke).
Es hatte demnach ganz den Anschein, als ob zwei von einander un-
abhängige, gegen äussere Einflüsse verschieden empfindliche Lichterschei-
nungen, jede mit selbständiger Schichtung, sich durchdrängen. Mehr-
maliges Lufteinlassen in das Rohr und erneutes Auspumpen, Vorschalten
von Widerständen an Anode oder Kathode, Ableitung von Kathode oder
Anode zur Erde, alles dies änderte die Erscheinung nicht wesentlich.
Durch Stromstärkenvermehrung bis zu 1/600 Ampere konnte freilich die
*) Fig. 22 und 23 sind etwa in 1/8 nat. Grösse, Fig. 24 bis 29 etwa in y4 nat. Grösse
schematisch gezeichnet, jedoch ohne genaue Innehaltung der relativen Grössenverhältnisse
der Lichter.
**) Auch lichtschwache, verwaschene, wandernde Leuchtmassen waren in diesem
Stadium (im rotirenden Spiegel) ah und zu zu bemerken.
***) Mit der ersten Anodenschicht war das Lichtwölkchen keineswegs zu verwechseln;
es war wesentlich lichtschwächer als alle Anodenschichten, auch stand es von der ersten
derselben weiter ab als die Anodenschichten unter einander. Auch sonst zeigte die
Lichtwolke besondere Eigenthümlichkeiten.
24
Schichtenzahl des Geissler’schen Anodenlichtes vermehrt, die eigentüm-
liche lichtschwache zweite Entladungserscheinung aber nicht zum Erlöschen
gebracht werden. Beobachtungen im rotirenden Spiegel schienen darauf
hinzudeuten, dass beide Entladungsarten zeitlich rasch alterni-
rend im Rohr auftraten.
Bei Verdünnungen unter 0,oi cm nimmt die Ausdehnung und Licht-
intensität der Glimmlichtstrahlen rasch zu, ebenso die Gla'sfluorescenz,
(erzeugt durch die alle Schichten allmählich durchdringenden Kathoden-
strahlen). Im Glanze dieser Lichterscheinungen verschwindet zuerst das
(ziegelrothe) Lichtwölkchen, dann auch das mehr und mehr verblassende
geschichtete Anodenlicht, schliesslich erstrahlt das ganze 60 cm lange
Glasrohr im blendenden hellgrünen Fluorescenzlichte und sendet seiner
ganzen Länge nach die bekannten Röntgenstrahlen aus.
Trotz der in diesem Abschnitte geschilderten und anderer weniger
interessanten Complicationen der Erscheinungen ist es kaum zweifelhaft,
dass die nahe continuirliche Entladungsart (Kugelfunken, Büschellichtbogen)
und die gewöhnliche continuirliche Geisslerrohrentladung sich ohne Un-
stätigkeit ineinander überführen lassen, dass beide Entladungen derselben
Art sind.
Die gewöhnlich auftretende Anodenlichtsäule der continuirlichen Ent-
ladung ist wahrscheinlich aufzufassen als eine Leuchtmasse (resp. auch
nach den Angaben am Schlüsse des 12. Abschnittes als mehrere vollständig
ineinander geflossene Leuchtmassen) des positiven Antheiles. Der aus-
gezeichneten Stelle entspricht dann das Gebiet zwischen der Anodenlicht-
säule und dem ziegelrothen Lichtwölkchen, wir haben also dieselbe
Entladungsform vor uns, welche Fig. 10 Abschnitt 2 für den
Elektricitätsdurchgang durch Funkenstrecken in freier Luft
zeigt. Fehlt, wie es wohl in der Regel der Fall ist, das ziegelrothe
Licht ganz, so fallen Trennungsraum und ausgezeichnete Stelle zusammen.
Bei der Entladung in freier Luft (Fig. 10) bildete sich, wie schon an-
gegeben, die ausgezeichnete Stelle immer in nahe gleichem Abstande von
der Halbleiterkathode aus, das positive karminrothe Licht endigte stets
in gleicher Entfernung von der Kathode ; das Analogon hierzu ist die von
Faraday bemerkte Thatsache, dass die Anodenlichtsäule (in gasverdünnten
Räumen) bei Verschieben der Elektroden stets in nahe demselben Abstande
von der Kathode endigt.
In Abschnitt 7 wurde nun gezeigt, dass die Entladungsform der
Fig. 10 nur ein Specialfall einer allgemeineren, vollständigeren ist, deren
Schema sich gleichfalls in Abschnitt 7 angegeben findet. Wir haben
demnach anzunehmen, dass auch die gewöhnliche Geisslerrohrentladung
(ebenso wie ihr Analogon Fig. 10) nur ein (in der Regel auftretender)
specieller Fall einer ganzen Anzahl möglicher Entladungsformen ist*),
deren Lichterbildung sich auf das Abschnitt 7 angegebene allgemeinere
Schema zurückführen lässt. Letzteres würde freilich noch durch einige
erst in gasverdünnten Räumen zu beobachtende Einzelheiten zu er-
gänzen sein.
*) Welche Entladungsform speciell bei den Beobachtungen im Abschnitt 13 mit
der gewöhnlichen alternirend auftrat, muss dahingestellt bleiben. Mehrere Schichten-
systeme bei denselben Druckbedingungen beobachtete auch Y. Felix; vergl. Sitzungsber.
des naturwiss. Vereins f. Schleswig-Holstein, Bd. XI, 1896, p. 21.
25
Der Zerfall der Anodenlichtsäule in die bekannten Anodenschichten
(vergl. Phot. 36 — 45) ist nur ein specieller Fall der oft zu beobachtenden
Thatsache, dass ausgedehntere Lichter leicht in Unterabtheilungen zer-
fallen (wie es z. B. Fig. 21 für das erste Lichtmaximum des ziegelrothen
Lichtes zeigt; vergl. vor Allem auch Fig. 24). Diese Schichtung des
(Greissler’schen) Anodenlichtes ist nach den verschiedensten Seiten durch-
forscht. Der Vollständigkeit halber sei durch Phot. 36 bis 45 für das
Rohr C die Abhängigkeit der Stellung dieser Schichten von Druck und
Stromstärke illustrirt*); zugleich wollte ich durch den Anblick letzterer
Photogramme im Vergleiche mit Phot. 29, 30 und 31 den grossen Unter-
schied zwischen dem Zerfalle der Gesammtentladung in Leuchtmassen und
der Schichtung des Anodenlichtes anschaulich hervortreten lassen.
Beiden Schichtenbildungen (Leuchtmassen und Anodenschichten) sind
gemeinsam :
Die Abnahme der Ausbildungsschärfe der Schichten mit
zunehmender Entfernung von der Kathode.
Die Aequidistanz der Schichten.
Die Abnahme des Abstandes benachbarter Schichten mit
wachsender Stromstärke.
Dagegen unterscheiden sich beide Schichtungsarten dadurch, dass
bei höheren Drucken die erste der alsdann entstehenden Leuchtraassen
(von der Kathode aus gezählt) mit wachsender Stromstärke sich der
Kathode nähert, während die erste Anodenschicht der bei niederen Drucken
entstehenden Lichterscheinung sich mit wachsender Stromstärke von der
Kathode entfernt (vergl. Phot. 29 bis 31 mit 36 bis 40).
In dem Druckbereiche, in welchem beide Schichtungserscheinungen
zugleich auftreten, besitzen die „Leuchtmassen“ viel grössere (ca. die
10 fache) Längenausdehnung als die Anodenschichten.
Januar 1898.
Physikalisches Institut
der K. Technischen Hochschule zu Dresden.
*) Es war hierbei
No. des Phot.
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
Druck in cm Hg
Mittl. Strömst,
in Tausentel
0,019
0,019
0,019
0,019
0,019
0,0027
0,0027
0,0027
0,0027
0,0027
Ampere
0,27
0,56
0,88
1,18
1,42
0,31
0,58
0,89
1,17
1,51
Bei allen Photogrammen (36 bis 45) war die Expositionszeit die gleiche , je ca.
5 Secunden.
Da bei Stromvermehrung der Abstand der ersten Anodenschicht von der Kathode
zu-, der Abstand der Schichten unter einander jedoch abnimmt, so rückt zwar die erste
Anodenschicht bei Stromvermehrung von der Kathode ab, gleichzeitig kommen jedoch
ferner stehende Schichten der Kathode näher (vergl. in Phot. 41 bis 45 die Lagen-
änderung der ersten etwa mit der zehnten Schicht , beide von der Kathode aus ge-
zählt).
26
Erklärung zu Tafel I.
No.
der Photo-
graphie
Ver-
grösser-
ung
(Gegenst.= 1)
Druck in
cm
Queck-
silber
Kathode
Anode
Abschn.,
indem das
Phot, be-
handelt ist
Phot.-Pl.
während
der Auf-
nahme
Art der
Ent-
ladung
1 his 5
2
ca. 76
Messingsp.
Basaltpl.
1
ruhend
nahe con-
6 bis 9
2
99
1
«
l tinuirl.
10
0,70
99
19
n
1
99
(Entldg. in
11
0,70
»
99
»
4
bewegt
(frei er Luft
12 bis 16
0,70
ca. 76
Messingsp.
Messingsp.
5
ruhend
i. Griasrohr
17 bis 19
0,63
ca. 76
Messingkugel
Basaltpl.
6
bewegt
I Verlangs.
20
0,76
„
„
Scbieferpl.
6
ruhend
1 Batterieentl.
21
1,5
99
99
Basaltpl.
6
bewegt
I in freier Luft
22
1
-
—
—
7
—
23 bis 28
0,138
ca. 4
Kupfersp.
Kupfersp.
9
ruhend
(nahe cont.
29 bis 31
0,158
5,3
Alum.-Pl.
Alum.-Pl.
10
99
> Entl. bei
32 bis 35
0,25
ca. 4
J?
99
12
J Luftverd.
36 bis 40
0,167
0,019
99
9?
13
99
40 bis 45
0,167
0,0027
99
19
13
»9
Alle Photogramme geben elektrische Entladungen in Luft wieder.
Die Kathode liegt in allen Photogrammen links (nur in Phot. 21 unten,
in Phot. 22 oben). Die je zusammengehörigen Phot. 1—5, 6 — 8, 12 — 16,
23 — 27, 29—31, 36 — 40, 41 — 45 zeigen Lichterscheinungen je unter
sonst gleichen Umständen nur bei schrittweise vermehrter Stromstärke.
II. Studien über den Dresdner Haidesand.
Von Oberlehrer Dr. R. Nessig.
Wenn es heute nicht mehr zweifelhaft erscheint, dass die ausgedehnten
Ablagerungen sandiger Sedimente, sowohl im Dresdner Elbthalkessel, wie
am Abfalle und auf der Lausitzer Hochfläche selbst, den Fluthen der
diluvialen Elbe zuzuschreiben sind, so wissen wir doch über die Herkunft
des klastischen Materials, über die Antheilnahme von eruptiven und von
Schichtgesteinen der näheren und weiteren Umgehung noch recht wenig. Im
Allgemeinen begnügt man sich damit, die Beisteuer zur Sandbildung den
im heutigen Stromgebiet der Elbe anstehenden Felsarten zuzuschreiben,
obwohl viele dieser Gesteine, z. B. die Lausitzer Granite, nach ihrem grusigen
Zerfall und nach Abrollung der discreten Gesteinspartikel so wenig
charakteristische Bestandtheile liefern, dass man sie aus dem wirren Durch-
einander der Sandkörner nicht mehr auf ihr Ursprungsgebiet zurückführen
kann. Was vom Granite gilt, lässt sich auch von dem archäischen Grund-
gebirge sagen, welches bei der jedenfalls ganz erheblichen Erosion der
Wasserläufe im Quellgebiet der Elbe angeschnitten und nach der Zer-
störung als von granitischen Zerfallproducten nicht unterscheidbares Ge-
trümmer den Schwemmgebilden einverleibt worden ist. Es erscheint dem-
nach geradezu unmöglich, die im Elbsande, Thalsande und Haidesande
vorherrschenden, gewöhnlichen Quarze, das relativ widerstandsfähigste
Material dieser Bildungen, auf Granit oder Gneiss zurückzuführen. Anders
steht es mit den spärlicheren Quarzen von grauer bis graublauer, ja bis-
weilen Cordierit-ähnlicher Färbung, bei denen es möglicherweise gelingen
wird, das Ursprungsgebiet zu ermitteln. Es dürften die grauen bis rauch-
grauen Quarze zumeist aus dem Granitit oder einglimmerigen Granit der
Lausitz und des Kiesengebirgsmassivs, die mehr Cordierit-ähnlichen *) aus
dem nur in untergeordneteren Partieen im Granitit vorkommenden, zwei-
glimmerigen Granit stammen. So beobachtete Jokely**) Cordierit-ähnliche,
hlaugraue Quarze im Granit von Hohenwald und Wetzwalde im Isergebirge,
und mir gelang es, solche ganz charakteristische Quarze zu entdecken in
einer Probe von rothliegenden Conglomeraten, die ich aus Schlesien, von
dem am Bober gelegenen Frauenberge zwischen Löwenberg und Lähn
*) Erläuterungen zu der geologischen Uebersiehtskarte von Schlesien, von Dr. Georg
Gürich. Breslau 1890, S. 9 und 13.
**) Jahrbuch der geologischen Reichsanstalt 1859, S. 376; vergl. auch Zirkel:
Petrographie II, S. 7.
28
erhielt. Diese Mineralkörner sind mit Sicherheit auf die Hirschberger
Graniteinlagerung zurückzuführen. Im Gegensatz hierzu fehlen die blauen
Quarze in einer Probe des Rothliegenden vom „Rothen Berge44 zwischen
Löwenberg und Hagendorf, da Granit in der Umgebung nicht auftritt.
Koch günstiger wie für diese grauen und graublauen Quarze scheinen die
Verhältnisse für die in den Sanden so auffälligen, gelblichen und rosen-
rothen Körner dieses Minerals zu liegen. Sie finden sich nicht nur in den
recenten Flusssanden des Elbstromes, sondern auch in den diluvialen
Thal- und Haidesanden, ja sie bilden einen oft recht häufigen Bestandtheil
vieler grobkörnigen Quadersandsteine, besonders des Brongniarti-Hori-
zontes. *) Massenhaft konnte ich dieselben im verwitterten Sandstein
des mittleren Gipfels der Kaiserkrone, im Quader oberhalb des Schramm-
thores und an anderen Orten nachweisen.
Was zunächst die Färbung dieser Körner anbetrifft, so scheint die
rosenrothe Farbe bewirkt zu werden durch Titan oxyd-haltiges Eisenoxyd,
welches die ganze Mineralmasse gleichmässig durchtränkt, auf feinsten
Haarrissen und Mikrospalten infiltrirt erscheint. Daher erklärt es sich
auch, dass eine Behandlung mit Säuren keine Entfärbung zur Folge hatte.
Um nun zu entscheiden, ob etwa ein Gehalt an Bitumen die Färbung
bewirkt, wurden rothe Quarzkörner im Gebläsefeuer geglüht, aber keine
Zerstörung der färbenden Substanz erzielt, im Gegentheil, die gelblichen
Quarze wurden durch das Glühen zu rosenrothen, eine Erscheinung, die
uns erkennen lässt, dass das gelbfärbende Pigment Eisenoxydhydrat ist,
welches durch Wasserverlust in Eisenoxyd übergeht.
Woher stammen nun diese charakteristischen Bestandtheile der
schüttigen Sande wie der cementirten Sandsteine? Dass diese Körner in
die diluvialen Sande zumeist erst aus zerstörten Quadersandsteinen gelangt
sind, ist bei der weiten Verbreitung derselben in solchen Felsarten und bei
der ausgiebigen und noch heute fortgesetzten Erosion dieses cretaceischen
Schichtencomplexes leicht einzusehen, anders steht es mit der Frage, von
woher diese farbigen Mineralkörner in die Sandsteine gelangt sind. Nimmt
man die geologischen Karten der Sudeten und des Böhmerlandes zur Hand,
überhaupt des Elbstromgebietes, so erkennt man, dass die Urgesteine,
Gneiss- und Glimmerschiefer zumal, ebenso der Granit grosse zusammen-
hängende Areale einnehmen, dass aber die Sedimentärformationen in mehr
oder minder zerschlitzten und isolirten Lappen und Fetzen erscheinen.
Dies gilt namentlich von den Bildungen der oberen Kreide, weniger von
denen der Cenomanstufe, besonders aber noch von dem Rothliegenden und
dem Silur. Es unterliegt keinem Zweifel, dass alle diese Formationen einst
zusammenhängende Gesteinsfelder gebildet haben, dass aber eine gewaltige
Erosion und Abtragung sie auf die heute noch vorhandenen Reste reducirt
hat. Am greifbarsten ist die Ausnagung der cenomanen Felsgebilde im
Gebiet der Heuscheuer, wo die Adersbacher und Weckelsdorfer Felslabyrinthe
eine verständliche Sprache reden. Die Formation nun, welche infolge ihrer
beträchtlichen Abtragung namentlich in Frage kommt, wenn es sich darum
handelt, für unsere rothen Elbquarze die Heimath zu ermitteln, ist das
Rothliegende. Es findet sich am Nordabfalle des Riesen- und Eulengebirges
im Verein mit dem Zechstein in vielen isolirten Fetzen erhalten, füllt im
*) Sect. Königstein, S. 12; Isisberichte 1895, S. 78, und 1897, S. 27.
29
Süden den Innenraum der Waldenburger Kohlenmulde*) aus, in dessen
Mitte es vom Kreidegebirge überdeckt wird, und greift dann bei Schatzlar
über das Carbon in einem inselartigen Reste über, der letzte Zeuge der
einst zwischen dem nordböhmischen Rothliegenden und dem der Glatzer
Mulde vorhanden gewesenen Verbindung. Hier, wo eine intensive Erosion
den Zusammenhang zerstörte, fliesst heute ein Nebenfluss der Elbe, die bei
Josephstadt in die Elbe sich ergiessende Aupa, die unterhalb Trautenau
noch Zuflüsse aus dem Rothliegenden -Rest von Schatzlar und dem der
Waldenburger Carbonmulde empfängt. In Nordböhmen bildet das von der
Aupa und Elbe durchflossene Rothliegende eine breite Zone, die zwischen
Iser und Aupa auf dem krystallinischen Schiefermantel der Riesengebirgs-
Granitellipse aufruht. Hier, meine ich, hat man den Ursprung vieler Be-
standtheile des Quaders und der Thal- und Haidesande, vielleicht auch die
Heimath unserer farbigen Quarze zu suchen. Die Gesteine, welche daselbst
das Rothliegende aufbauen, sind rothe Sandsteine und Conglomerate, **)
und von den letzteren wird berichtet, dass sie namentlich aus Quarzen
bestehen. Auch das Gebiet des Rothliegenden, welches sich nördlich von
Pilsen ausdehnt und von der Beraun durchflossen wird, dürfte mit seinen
Zerstörungsproducten zur Sandbildung des Elbstromes beigetragen haben,
zugleich mit den silurischen Kieselschiefern, die im Berauner, Rakonitzer
und Leitmeritzer Kreis von der Uslawa, Rakonitza und Beraun aufge-
nommen und in die Elbe eingeschwemmt worden sind, in deren jüngsten
Geröllabsätzen sie so häufig erkennbar sind.***) Wir haben bisher das
Rothliegende nur für die Mitbildung der Quader- und Diluvialschichten in
Anspruch genommen, doch sind auch von einem böhmischen Geologen,
Herrn Prof. Hibschf) Gerolle und Geschiebe aus dem Rothliegenden im
Tertiär (Oligocänsande) erkannt und ein Transport aus dem Osten des
Böhmerlandes nach dem Elbgebiet angenommen worden.
Selbstverständlich haben auch die vom Ostabhange des Böhmerwaldes
und vom mährischen Hügelland herabkommenden Zuflüsse des Elbstromes
sich an der Schutt- und Geröllabfuhr betheiligt, doch kommen dieselben aus
Gebieten, wo fast ausschliesslich archäische Schichten abgetragen, also keine
charakteristischen Gesteinstrümmer geliefert wurden. Bei der ausseror-
dentlichen Mächtigkeit der noch vorhandenen Kreideformation muss auf
eine ganz gewaltige Abtragung in den archäischen Gebieten sowohl, wie im
Bereich der paläozoischen Formationen geschlossen werden, die in der meso-
zoischen Zeit fortgesetzt, in der Zeit des Diluviums ihr Maximum erreichte
und die z. B. in der heutigen sächsischen Schweiz fast den ganzen Ueber-
quader abtrug, der sicher einst in grösserer Ausdehnung den Oberquader be-
deckte. In der Richtung der Elbthalspalte wurde die Erosion weiter ge-
führt, bis bei Niedergrund die Grundschwelle des Lausitzer Granites erreicht
und das canonartige Elbthal fertiggestellt wurde. Leider ist es mir bisher
noch nicht gelungen, geeignete Proben des Rothliegenden vom Südfusse
des Sudetenzuges zu erhalten, um die Frage nach der Herkunft der rosen-
rothen Quarze endgültig zu entscheiden, immerhin aber hat die Prüfung der
schon erwähnten Proben des Rothliegenden, wie es in der Umgebung von
*) G. Gürich, a. a. 0. S.90; Credner: Geologie, 8. Aufl., 1897, S.510.
**) G. Gürich, a. a. 0. S. 91.
***) F. Zirkel: Petrographie III, S. 545.
f) J. E. Hibsch: Geologische Karte des böhmischen Mittelgebirges , Blatt I
(Tetschen), S. 27; Blatt III (Bensen), S. 9, 10.
30
Löwenberg entwickelt ist, die Abstammung der fraglichen Mineralkörner
aus dieser Formation höchst wahrscheinlich gemacht. Vor einer Täuschung
hat man sich bei diesen Untersuchungen zu hüten. Die feinkörnigen Trümmer-
gesteine, wie sie auch in unserem Döhlener Becken Vorkommen und im
Profil des Windbergesund des Backofenfelsens aufgeschlossen sind, enthalten
gleichfalls zahlreiche durch eisenschüssigen Detritus pigmentirte Quarze,
doch hier durchdringt das färbende Eisenoxyd meist nicht das Mineral-
korn, sondern überzieht es nur als abwaschbare oder durch Säure ent-
fernbare Haut.
Die Betheiligung der rothen und gelben Quarze an der Zusammen-
setzung der diluvialen und recenten Sande des Elbthales ist meist eine
solche, dass von einem Einflüsse auf die allgemeine Färbung dieser
schüttigen Sedimente nicht wohl geredet werden kann. Der Farbenton
wird vornehmlich bestimmt durch die überwiegenden grauen und weissen
Quarze und die anderen Gesteinspartikel, unter denen die gerundeten
Grusbrocken des Lausitzer Granites bisweilen eine hervorragende Rolle
spielen. In der Hauptsache wird die Färbung durch einen mehr oder
minder starken Gehalt von Eisenoxydhydrat bedingt, der den Sanden eine
gelbliche Farbe verleiht. Neben diesem vorherrschenden Farbenton sind
es besonders noch zwei Färbungen, die unser Interesse erregen, einmal
die intensiv dunkelrothbraune Pigmentirung , wie sie im Bereich des
Eisenborngrundes und in der Sandstufe südlich vom Wolfshügel entwickelt
ist, und eine fast schneeweisse, an Oligocänsande erinnernde Beschaffenheit.
Die chemische Prüfung der rothbraunen Sande ergab, dass die als Pigment-
haut die Sandkörner überziehende Schicht vorzugsweise aus Eisenoxyd
und etwas Manganoxyd besteht. Woher rührt aber der starke Eisengehalt
dieser Sedimente? Nun der Name Eisenbornbach verräth uns schon, dass
er seinen Ursprung an einem Orte hat, wo eisenhaltiges Wasser dem Boden
entquillt, und damit sind wir zugleich in ein Gebiet unseres Haideplateaus
verwiesen, in dem mir die Lösung der interessanten Frage nach der Her-
kunft des Eisenpigmentes in schöner Weise gelungen ist.
Wie bekannt, enthält unsere Haide zwischen dem der Elbe zuge-
wandten Steilrande und dem erst in Lausitzer Richtung eingeschnittenen,
dann in die zwischen dem Meissner und Lausitzer Massiv vorhandene Ver-
werfungskluft einlenkenden Priessnitzbache ein zerlapptes Sumpfgebiet.
Das granitische Grundgebirge weist vielfach Senkungen und flach mulden-
förmige Vertiefungen auf, die meist miteinander communiciren. Vereinzelt
heben sich Rücken und Buckel des Grundgebirges aus dem flachen Sumpf-
lande heraus, so dass es dadurch seinen zerlappten Charakter gewinnt.
In früheren Zeiten jedenfalls fast abflusslos, wird es jetzt durch eine Anzahl
kleiner Rinnsale, welche die granitische Randschwelle durchsägt haben,
nach der Elbe zu durch das verlorene Wasser, den Eisenbornbach, den
Gutebornbach, den Mordgrund- und den Loschwitzbach entwässert. Auch
nordwärts, nach der Priessnitz zu findet eine theilweise Entwässerung
statt. Wenn nun durch die muldenförmigen Depressionen des Granites
die Gelegenheit zur Bildung von Moorgebieten gegeben war, so wurde sie
factisch bewirkt durch die Verwitterung dieses Gesteines, dessen Zer-
setzungsrückstände bekanntlich Wasser undurchlässige Thone sind. Dieser
mechanisch-chemische Umwandlungsprocess liess aber auch Minerallösungen
entstehen, die theils durch die natürlichen Abzugskanäle fortgeführt, theils
im Sumpfgebiet zurückgehalten wurden und dort Mineralstoffe zur Aus-
31
Scheidung brachten. Ein solcher Bestandtheil ist das Eisen. Vergleicht
man chemische Analysen von Graniten im frischen und im angewitterten,
schliesslich im verwitterten Zustande, so erkennt man sofort eine relative
Anreicherung der Kieselsäure, der Thonerde und des Eisens, während der
Alkaliengehalt schnell abnimmt. Zum Vergleich dienen drei Analysen des
Granites vom Hauzenberg bei Passau.*)
I.
II.
III.
Frisch:
Verwittert:
Gefüge gelockert:
Si 02 . .
. . 73,13
73,71
73,78
A1.2 ü3 .
. . 10,50
10,78
11,61
Fe2 03 .
. . 3,16
3,18
3,76
Mg 0 . .
. . 1,12
0,82
0,99
K20 . .
. . 9,04
8,51
7,07
Na, 0 . .
. . 1,80
0,92
0,33
H20 . .
. . 0,45
0,92
1,76.
Diese Zunahme namentlich des Eisenoxydgehaltes unter gleichzeitiger
Abnahme des Gehaltes von Eisenoxydul wurde neuerdings von der geo-
logischen Landesuntersuchung des Grossherzogthums Hessen am Granit
von Weinheim**) beobachtet. In unserer Haide, wo in den Depressionen die
Verwitterung des Granites grosse Fortschritte gemacht und thonige Lagen
im Grunde geschaffen hat, sind nun die Bedingungen für die Abfuhr der
durch die Granitverwitterung geschaffenen Rückstände verschieden. Stellen-
weise wird nach der Vergrusung, d. h. nach dem schüttigen Zerfall der
Felsart, das zersetzte Gestein schnell seiner leicht abschlämmbaren Be-
standtheil e, wie der Glimmerblättchen beraubt, es verliert beim Abrollen
der Grusbrocken in den Rinnsalen alsbald die braune, auf hohen Eisen-
gehalt deutende Färbung, und die in kürzester Frist abgerollten Körner
erscheinen dann als Bestandtheile des Sandes in den Bächen. Ein Ort,
wo man dies auf einer Strecke von wenigen Metern beobachten kann, ist
der Wassergraben zur Rechten der Strasse, die 'von der Haidemühle auf-
wärts nach der Hofewiese führt. Nicht immer aber gelangen die Ver-
witterungsproducte gleich in schnellfliessende Gewässer. In den Sumpf-
regionen schwängern • sich die stagnirenden Wasser mehr und mehr mit
Mineralsolutionen und es kommt alsbald zum Absatz dieser Producte,
namentlich der Eisenverbindungen gewöhnlich direct auf dem in der Zer-
setzung begriffenen Granitgesteine, dessen Feldspath, mehr noch dessen
Glimmer das Eisen geliefert haben. So kommt es zur Bildung von Braun-
eisen, und wo organische Säuren mitwirken, zur Bildung von Raseneisen-
stein,***) während das in Lösung bleibende und vom fliessenden Wasser
weggeführte Eisen sich entweder in den von den Abflussrinnen durch-
schnittenen Sandschichten absetzt und dieselben dann roth färbt oder durch
die Lebensthätigkeit von Mikroorganismen allmählich ausgeschieden wird.
Es ist mir gelungen, in der Umgebung des Flügel C, zwischen
Schneise 16 und 14, wo man in diesem Frühjahr gerodet und neue Culturen
angelegt hat, die Verwitterung des Granites, der hier übrigens von einem
schönen Schriftgranitgang durchsetzt zu werden scheint, die Eisenab-
*) Zirkel: Petrographie II, S. 31.
**) Erläuterungen zur geol. Karte des Grossherzogthums Hessen, IV. Lieferung:
Blätter Zwingenberg und Bensheim, S. 42.
***) Vergl. Section Pülnitz, S. 56.
32
Scheidung in Form von Brauneisen und Raseneisen nachzuweisen. Wir
sehen hier den übrigens nicht aufgeschlossenen, sondern nur in Form von
zahlreichen Fragmenten im Moorboden eingebetteten Granit mit einer
eisenschüssigen Yerwitterungskruste auftreten, die sich bei fortschreitender
Zersetzung verdickt und auf welcher alsbald kleine Inkrustate von Braun-
eisen sich zeigen, bis endlich bei dem schaligen und schüttigen Zerfall des
alterirten Gesteines das Eisenerz die restirenden Granitkerne und den
sandigen Schutt verkittet und in mehr oder minder dicken, schwammigen
Lagen im Boden zur Ausscheidung gelangt. Was hier von dem Eisen-
gehalt in das Bereich der Abflussrinnen gelangt, erscheint alsbald als
schmierig rostbrauner Belag auf dem Boden der leise sickernden und träge
rinnenden Wasseradern. Die chemische Untersuchung der Brauneisenerze
ergab neben dem Eisenoxyd nur einen schwachen Gehalt von Manganoxyd,
ein Umstand, der seine Erklärung darin findet, dass die Granite über-
haupt entweder gar kein Mangan oder nur Spuren desselben enthalten.
Bekannt ist ein Mangangehalt eigentlich nur von britischen Graniten.
Auffällig bleibt nun noch, dass gerade in diesem Sumpfgebiet, wo die
färbenden Eisensolutionen Alles durchdringen, ganz schneeweisse Haide-
sande Vorkommen, und zwar entweder auf breiten, höher liegenden Moor-
rücken oberflächlich oder in den Abflussrinnen schnellfliessender Ge-
wässer. Hier ist es das schnell zu Thal rinnende Wasser, auf höher ge-
legenen Moorrücken das aufschlagende Regenwasser, welches den Eisen-
schuss rasch auswäscht und Quarze und Granitkörner ohne Brauneisen-
steinhaut zurücklässt.
Interessant ist hier ein Vergleich mit der rasch fliessenden Priessnitz.
Zum Zwecke der Wasserversorgung der Militäranstalten der Albertstadt
hat man vor Kurzem drei Bohrlöcher unten im Grunde zwischen der
„Neuen Brücke“ und der „Küchenbrücke“ geschlagen, aber in den durch-
teuften Sanden keine oder nur unbedeutende Spuren von Eisenschuss
beobachtet. Die Bohrlöcher stehen bei 25,50 na Tiefe im kiesigen Haide-
sande, der neben zahlreichen rosenrothen und gelben Quarzen in den Kies-
lagen auffällig viel Geschiebe von böhmischen Basalten aufwies, zum
Zeugniss dafür, dass auch hier die diluvialen Gewässer böhmisches Ge-
schiebematerial zum Absatz brachten.
III. Ucber die Bedeutung der Milch als Nahrungsmittel.
Yon Dr. med. Arthur SeMossmann.
Unter Milch versteht man ein Secret des thierischen Körpers, das
von gewissen Thierarten, nämlich den Sängethieren, und zwar im Allgemeinen
nur von den weiblichen Individuen dieser Klasse und auch nur in gewissen
Entwickelungsphasen ausgeschieden wird. Das Organ, dem die Secretion
der Milch zukommt, sind bekanntlich die Brustdrüsen, die im Anschluss
an die der Befruchtung folgenden Vorgänge während der Schwanger-
schaft resp. Trächtigkeit sich successive entwickeln und so in der Lage
sind, nach der Geburt dem jungen Individuum, das bisher direct alles
zu seinem Aufbau Möthige von der Mutter bezogen hatte, wenigstens in-
direct noch eine gewisse Zeit in ähnlicher Weise als Nahrungsquelle zu
dienen. Die Ernährung des eigenen Jungen, das ist also die Aufgabe der
Milch eines jeden Individuums und dieser seiner Aufgabe vermag die
Milch einer jeden Thierart auch vollständig gerecht zu werden, denn die
Milch jeder Thierart enthält alles das, was das betreffende Junge zum
Aufbau seines Körpers sowie zum Unterhalt seiner vitalen Functionen
wenigstens für eine gewisse Zeit seines Lebens bedarf. Hierüber lässt ja
schon die tägliche Erfahrung gar keinen Zweifel auf kommen, die uns
immer von Neuem zeigt, wie durch die Milch des mütterlichen Organismus
das junge Säugethier und allen voran der junge Mensch in seiner Ent-
wickelung gefördert wird. Da somit die Milch jeder Säugethierart für
kürzere oder längere Zeit Individuen derselben Klasse als einzige Nahrung
dient und auch genügt, so müssen wir die Milch als ein Nahrungsmittel
im allerweitesten Sinne dieses Wortes auffassen. Ja, kein anderes Nahrungs-
mittel kann sich der Milch in dieser Beziehung an die Seite stellen, da
keins im Stande ist, für sich allein genossen dauernd dem Menschen in
irgend einer Phase seines Lebens alles das zuzuführen, was er zur Ver-
richtung der ihm obliegenden Lebensthätigkeiten bedarf. Ist die Milch
ein vollständiges Nahrungsmittel, das den Anforderungen des Säuglings
als einzige Nahrung ganz genügt, so muss sie auch alles enthalten, was
zur Unterhaltung des thierischen Lebens erfahrungsgemäss unbedingt
nöthig ist, nämlich Wasser, Eiweiss, Fett, Kohlehydrate und anorganische
Salze, denn aus diesen Bestandtheilen setzt sich ja bekanntlich der thierische
Körper zusammen, und da fortgesetzt einzelne Theile dieser Substanzen
zu Grunde gehen und ausgeschieden werden, so muss eben für ihren
Ersatz Sorge getragen werden. Dieser fundamentalen Anforderung wird
also die Milch in vollem Maasse gerecht, indem sie alle diese Bestand-
34
theile enthält. Ich füge hier gleich ein, dass das quantitative Verhältnis,
in dem die verschiedenen Bestandtheile der Milch zu einander stehen, ein
sehr verschiedenes ist, je nachdem von welchem Säugethiere die Milch
stammt; ja, auch bei ein und derselben Thierart ist ganz abgesehen von
individuellen oder durch die Ernährung bedingten Verschiedenheiten die
Zusammensetzung quantitativ keine ganz gleichmässige , sondern je nach
der seit der Geburt des Jungen verflossenen Zeit in gewissen Grenzen
differirend. Auf die Bedeutung dieser Thatsachen komme ich nochmals
zurück.
Die Milch aller Thierarten ist eine weissliche bis weisslich- gelbe
Flüssigkeit, die zum grössten Theile aus Wasser besteht und die übrigen
Bestandtheile theils gelöst, theils in suspendirtem Zustande enthält. Be-
trachten wir zunächst den Wassergehalt, so ist derselbe bei den ver-
schiedenen Thierarten ganz besonderen Schwankungen unterworfen und
übt natürlich auf Farbe und Consistenz der Milch einen ganz hervor-
ragenden Einfluss aus. So enthält z. B. die Milch des Delphins nur etwa
48 °/0 Wasser, während bei den uns vorwiegend interessirenden Milcharten,
nämlich der Kuhmilch und etwa noch der Frauenmilch, auch vielleicht
noch der Ziegen- und Eselsmilch der Wassergehalt ein bedeutend höherer
ist und zwischen 85 und 90 °/0 schwankt (siehe auch Tabelle auf Seite 38).
In dem das Constituens der Milch bildenden Wasser gelöst finden
sich die Kohlehydrate, die anorganischen Salze und ein Theil der stick-
stoffhaltigen Substanzen. Von Kohlehydraten findet sich in der Milch
aller uns interessirenden Thierarten ein und dasselbe und zwar nur dieses
eine, nämlich der Milchzucker. Der Milchzucker gehört zu der Klasse der
Disaccharide und es ist eine jedenfalls auffällige und bis jetzt noch nicht
genügend erklärte Thatsache, warum die Milch gerade ausschliesslich einen
Repräsentanten dieser Zuckerart enthält an Stelle der sonst im Thierkörper
verbreiteteren Monosaccharide. Diese Thatsache wird um so auffallender,
wenn wir berücksichtigen, dass der Milchzucker im Organismus des jungen
Individuums erst wieder in Monosaccharide gespalten wird, ehe er zur Ver-
brennung gelangt. Es zerfällt der Milchzucker dabei in seine beiden
Componenten, in Galactose und Dextrose. Somit findet in der Milchdrüse
zunächst eine Synthese statt; denn unzweifelhaft wird der Milchzucker
daselbst aus den Hexosen des Blutes aufgebaut, und dieses synthetische
Product wird im jugendlichen Organismus sofort wieder gespalten. Man
könnte nun daran denken, dass die Bindung der beiden Hexosen als ein
Vorgang aufzufassen sei, der dazu dient, dem jugendlichen Organismus Spann-
kräfte zuzuführen derart, dass durch die Spaltung des Milchzuckers mehr
Wärmequellen zugeführt würden, als wie wenn einfach die beiden Hexosen
direct consumirt würden. Diese von mir ursprünglich gehegte Anschauung
ist jedoch eine irrige, denn wie mir Herr Professor Ostwald, an den ich
mich als die auf diesem Gebiete hervorragendste Capacität wandte, freund-
lichst mittheilte, beträgt die Verbrennungswärme der Galactose 6586 Calorien,
die der Dextrose 6646 Calorien, in Summa also 13 232 Calorien, die des
Milchzuckers 13 259 Calorien (alles auf ein Gramm Molekulargewicht be-
rechnet). Es wird somit also beim Zerfall des Milchzuckers eine geringe
Wärmemenge gebunden, da diese aber nur 2 pro Mille von der gesammten
Verbrennungswärme beträgt, so kommt sie praktisch nicht in Betracht.
Dahingegen weist mich Professor Ostwald auf ein anderes Moment hin, das
in der That sehr beachtenswert!! ist und uns den Schlüssel für die be-
35
sprochene Erscheinung an die Hand geben dürfte. Es liegt ja die Noth-
wendigkeit vor, dass der mütterliche Organismus den Milchzucker aus dem
Blute aufspeichern muss, da ja die Zellen der Brustdrüse und das diese
umspülende Serum während der Ruhezeiten, während der Zeiten also, in
welchen Anforderungen an die Drüse nicht gestellt werden, dafür besorgt
sein müssen, alle die Stoffe, die bei der Milchausscheidung von Nöthen sind,
in grösserer Menge in Vorrath bereit zu stellen. Der Organismus des Kindes
hat umgekehrt die Aufgabe, den Milchzucker der Verdauung zugänglich
zu machen. Da nun aller Wahrscheinlichkeit nach Milchzucker schwerer
dissociirt als seine Bestandteile, so ist seine Bildung in der Milchzelle
ein ebenso nützlicher Vorgang als seine Spaltung im Darme des Kindes.
Was die Menge an Milchzucker anbetrifft, die in den verschiedenen Milch-
arten enthalten ist, so steht die Frauenmilch obenan mit einem Gehalt
von 6, ja sogar häufig noch höherem bis zu 7 °/0 reichendem Gehalt,
während die Kuhmilch nur 3,5—4 °/0 aufzuweisen hat; Ziege und Esel
stehen in dieser Beziehung zwischen Kuh und Mensch. An anorganischen
Bestandteilen übertrifft die Kuhmilch ganz bedeutend die der anderen
Haustiere sowie des Menschen; ihr nahe steht die Ziege, es folgen Esel
und Mensch. Der Gehalt an Salzen beeinflusst im Speciellen ebenso wie
die Gesammtzusammensetzung der Milch überhaupt die Entwickelung des
jungen Individuums und so konnte erst vor Kurzem Pröscher*) in Bunge’s
Laboratorium zeigen, wie der Aschengehalt und die Gewichtszunahme
in einem ganz eclatanten Verhältniss zu einander stehen. Dabei ergiebt
sich Folgendes: Es verdoppelt sein Gewicht von der Geburt ab
der Mensch in 180 Tagen, Asche der menschlichen Milch 2,2
das Pferd „ 60 „ Aschengehalt der Milch . . 4,1
das Rind „ 41 „ „ „ „ . . 8,o
der Hund „ 8 „ „ „ „ . . 13, l pro Mille.
In ähnlicher Weise habe ich**) bereits vor geraumer Zeit auf den
Zusammenhang zwischen der Zusammensetzung der Milch und der Ent-
wickelung der verschiedenen Thierarten hinweisen können.
Gelöst finden sich endlich in der Milch gewisse stickstoffhaltige Be-
standteile der Milch, so in erster Linie die sogenannten Extractivstoffe,
die wohl in keiner Milch fehlen und die direct aus dem Blute stammen.
Erwähnenswert, weniger durch die Wichtigkeit, die sie für den Werth
der Milch besitzen, als durch die Regelmässigkeit ihres Vorkommens, sind
Harnstoff, Kreatin und Kreatinin. Ungleich bedeutungsvoller sind die-
jenigen stickstoffhaltigen Substanzen, die in der Milch gelöst enthalten
sind und sich unbedingt nur zu den Eiweisskörpern rechnen lassen. Es
enthält nämlich die Milch aller Thiere, soweit man bisher dieselbe darauf-
hin untersucht hat, ebenso wie die der Frau ausser dem Hauptmilch-
eiweisskörper, dem Casein, noch andere Eiweisskörper, die sich gerade in
Bezug auf die Art und Weise, wie sie in der Milch enthalten sind, von
diesem unterscheiden. Das Casein nämlich ist nicht eigentlich in der
Milch gelöst, es ist vielmehr in derselben in einem Zustande enthalten,
den man als den der colloidalen Quellung bezeichnen kann. Gerade in
neuester Zeit haben ja derartige colloidale Körper das Interesse der
*) Zeitschr. für physiol. Chemie, Bd. XXIV.
**) Zeitschr. für physiol. Chemie, Bd. XXII.
36
Chemiker in hohem Grade erregt und ich brauche nur an die Mittheilungen
der Herren Professor von Meyer und Dr. Lottermoser in dieser Gesell-
schaft über das von ihnen dargestellte colloidale Silber und Quecksilber
zu erinnern. Nun, ganz ähnlich scheint die Sache sich bei dem Casein
zu verhalten, auch dieses findet sich in einem colloidalen Zustande in der
Milch. Neben dem Casein enthält nun die Milch noch andere Eiweiss-
körper, die im Gegensatz hierzu . wirklich gelöst sind. Es sind dies
Globulin und vor Allem ein Albumin, also ein Körper, der dem Serum-
albumin des Blutes und dem Ovalbumin des Hühnereies sehr nahe steht
und mit diesen die Eigenschaft gemein hat, bei höheren Temperaturen
zu coaguliren, andererseits aber sehr leicht resorbirbar zu sein. In
Bezug auf das Verhältniss, in dem Casein zu dem gelösten Eiweiss steht,
finden sich nun ganz eclatante Unterschiede zwischen den verschiedenen
Milcharten. Wenn auch so manches in dieser Beziehung noch strittig
ist, so lassen sich doch zwei Thatsachen als fest erwiesen annehmen,
erstlich einmal, dass die Milch aller Thierarten unmittelbar nach der
Geburt des Jungen wesentlich mehr an gelöstem Eiweiss im Verhältniss
zum Gesammteiweiss enthält, als in späteren Stillperioden. Das geht so
weit, dass die Milch der ersten Tage oder Wochen so viel gelöstes Eiweiss
und zwar im Speciellen gerade Lactalbumin enthält, dass dieses seine
Eigenschaft, bei Erhitzung zu gerinnen, auf die gesammte Milch überträgt.
Wenn Sie also eine solche Milch sieden, so gerinnt dieselbe in feinen
Flocken. Man benennt eine solche Milch, die sich auch anderweit in
Bezug auf ihre Zusammensetzung noch wesentlich von der der späteren
Milchperiode unterscheidet, Colostrum. Dieser colostrale Zustand der Milch
hält bei den verschiedenen Thierarten verschieden lange an, im Allgemeinen
etwa 10 Tage in maximo. Es nimmt alsdann der Gehalt an Lactalbumin
ganz wesentlich ab. Als zweite Thatsache in dieser Beziehung müssen
wir aber daran festhalten, dass keine andere Milchart relativ im Verhältniss
zum Gesammteiweiss soviel Albumin dauernd enthält als die Frauenmilch.
Hierin ist einer der Hauptunterschiede zwischen Frauen- und Kuhmilch
begründet, hierin liegt aber auch die Ursache zu der ebenso bedauerlichen
als bisher durch nichts aus der Welt zu schaffenden Thatsache, dass
Säuglinge die Kuhmilch um so viel schlechter vertragen als die Mutter-
milch. Der Grund für diese Thatsachen wird uns leicht verständlich,
wenn wir uns vergegenwärtigen, welche Schicksale denn die Eiweisskörper
der Milch bei ihrer Verdauung im thierischen Organismus erleiden. Wenn
die Milch in den Magen kommt, so gelangt dieselbe nämlich zur Gerinnung.
Diese Gerinnung beruht darauf, dass das Casein ausgefällt wird und zwar
kommt diese Ausfällung durch zwei Momente zu Stande, einmal nämlich
durch die saure Reaction des Magensaftes, die in erster Linie durch den
Gehalt an Salzsäure desselben bedingt ist, und zweitens durch die Gegen-
wart eines durch die Magendrüsen abgeschiedenen Fermentes, des Lab-
fermentes, dem eben die merkwürdige Eigenschaft zukommt, die Gerinnung
des Caseins herbeizuführen. Wenn Sie den Labmagen eines Kalbes mit
Glycerin ausziehen und sich auf diese Weise eine Lablösung beschaffen,
oder wenn Sie ein getrocknetes Stück Kalbsmagen in eine beliebig grosse
Menge Milch, in 5 — 10 Liter werfen und die Milch etwa eine halbe Stunde
auf Körpertemperatur — 37 Grad Celsius — erwärmen, so gerinnt die ge-
sammte Milch zu einem dicken Kuchen, über dem eine durchsichtige
Flüssigkeitsschicht, das Milchsei um, steht, das aus dem Wasser, den Kohle-
37
hydraten, den Salzen sowie dem gelösten Eiweiss bestellt, während das
ganze Casein ausgefällt ist und eben den vorerwähnten Kuchen bildet.
Aehnlich wohl, aber nicht gerade analog, ist das Schicksal der Milch im
Magen des lebenden Thieres, nur kommt es hier nicht zur Bildung eines
zusammenhängenden Coagulums, vielmehr bewirkt die motorische Kraft
des Magens, dass der Inhalt desselben bei der Verdauung fortgesetzt be-
wegt wird, es bilden sich dabei also statt eines zusammenhängenden
Gerinnsels zahlreiche kleine. Die Grösse und die Festigkeit dieser Ge-
rinnsel ist nun einerseits eine recht verschiedene je nach der Milchart,
denn offenbar ist das Casein der verschiedenen Milcharten nicht ein und
derselbe Körper, sondern es sind chemisch verschiedene, wenn auch zu
einer grossen Familie gehörige Körper. Die verschiedenen Caseinarten
haben aber die Eigenschaft, verschieden zu gerinnen, und zwar gerinnt
am feinflockigsten das Casein der Frauenmilch, während das der Kuh-
milch im Gegensatz hierzu sehr compacte, zähe Gerinnsel bildet. Aber
noch durch andere Umstände wird die Gerinnungsart des Caseins beeinflusst.
So hängt dieselbe wesentlich von dem Fettgehalt der Milch mit ab, indem
die Coagula um so feinflockiger, um so zarter werden, je mehr Fett in
der Milch enthalten ist. Der weit verbreitete Glaube, dass eine magere
Milch leichter zu verdauen ist als eine fette, ist daher in dieser Allgemein-
heit gefasst als Irrthum zu bezeichnen. Weiter hängt die Gerinnungsart
des Caseins von der procentualen Menge ab, die dieselbe an Casein ent-
hält. Eine Milch, die wenig Casein enthält oder bei der der Caseingehalt
durch Verdünnen herabgesetzt worden ist, wird immer feinflockiger aus-
geschieden werden als eine mit höherem Caseingehalt. Endlich spielt in
gleicher Richtung auch die Gegenwart von gelöstem Eiweiss eine bedeu-
tende Rolle. Aus allen diesen Punkten ist ersichtlich, dass die Frauen-
milch vor der Kuhmilch — ich will mich auf die Gegenüberstellung dieser
beiden Milcharten beschränken — in jeder Beziehung den Vortheil der
feineren Caseingerinnung voraushaben muss. Denn einmal enthält die
Frauenmilch ein Casein, das schon an und für sich ungleich feiner
gerinnt, dann enthält die Frauenmilch noch nicht einmal ganz 1 °/0
Casein, während die Kuhmilch gegen 3 °/o aufzuweisen hat, ferner
ist die Frauenmilch relativ viel fettreicher, denn dieselbe schwankt in
ihrem Fettgehalt zwischen 3 und 4 °/0,, während unsere Marktmilch
selten viel über 3 °/0 enthält, endlich aber finden wir in der Frauen-
milch ganz bedeutende Mengen gelösten Fiweisses, während die Kuh-
milch hierin sehr arm ist. So sind denn alle Bedingungen gegeben,
die dazu führen müssen, dass die Frauenmilch im kindlichen Magen sehr
fein und zartflockig gerinnt, während die Kuhmilch in zähen compacten
Coagulis durch den Magensaft niedergeschlagen wird. Die Art der Milch-
gerinnung ist aber von allergrösstem Einfluss, denn die Ausscheidung in
Coagulis bedeutet ja nur den ersten Schritt bei der Verdauung, müssen
doch nunmehr die Milchgerinnsel ordentlich von den Säften des Magens
und des Darmes durchtränkt werden und die Caseinflocken wieder gelöst
und in solche Eiweisskörper übergeführt werden, die sich zur directen
Aufsaugung durch die Drüsen des Darmes eignen. Es ist aber ohne
Weiteres leicht verständlich, dass eine feine zarte Caseinflocke leichter
von den Verdauungssäften angegriffen und gelöst werden kann, als ein
zähes dickes Coagulum. Der Vortheil der Frauenmilch vor der Kuhmilch
ist somit ein doppelter, erstlich enthält dieselbe einen namhaften Theil
38
ilires Eiweisses gar nicht als Casein, sondern als Albumin, und dieser
Eiweisskörper braucht gar nicht erst coagulirt und wieder gelöst zu werden,
sondern kann direct im Magen und Darm aufgesaugt werden, andererseits
wird das Casein der Frauenmilch bei der Verdauung des Kindes feiner
ausgeschieden und rascher und vollständiger wieder gelöst. Ungelöste
Eiweissmassen, die, um verdaut zu werden, lange im Darme weilen müssen,
bilden aber eine grosse Gefahr für das betreffende Individuum, da es
alsdann leicht zur Fäulniss und zur Zersetzung der im Darmkanal stagni-
renden Eiweissmassen kommen kann, die zu den schwersten Erscheinungen,
zu langwierigen Darmkatarrhen und dem erschreckenden Bilde der Kinder-
cholera zu führen vermögen. Der Verdauungsapparat des Menschen und
vor Allem der des Kindes, ist eben von dem des Thieres — hier des
Kalbes — - wesentlich verschieden eingerichtet. Wer je den mächtigen Magen
eines neugeborenen Kalbes und dasselbe Organ eines jungen Kindes ge-
sehen hat, dem wird es auch völlig selbstverständlich erscheinen, dass
eine Aufgabe, die von dem ersteren spielend gelöst wird, von dem letzteren
nicht verlangt werden kann, und dass jeder Versuch zu dauernden Schä-
digungen führen muss. Von der Darreichung unverdünnter Kuhmilch ist
man denn auch wenigstens bei jüngeren Säuglingen völlig abgekommen
und versucht auf mancherlei mehr oder weniger zweckmässige Art und
Weise die Unterschiede zwischen Kuh- und Frauenmilch auszugleichen,
deren Erörterung an dieser Stelle uns freilich zu weit führen würde.
Durchschnittliche Zusammensetzung der Milch in Procent:
Frau
Kuh
Ziege
Esel
Fett ....
3,5 -4,0
3,0 3,5
3,5— 4,0
0,3 — 1,0
Eiweiss . . .
0,8— 1,2
3,0 — 3,5
2,8 — 3,3
1,2 — 1,8
Milchzucker
6,0 — 7,0
3,5— 4,5
4,o— 4,5
4,5— 5,5
Salz ....
0,25
0,70
87—88
0,70
0,35
Wasser . . .
88—89
86—87
88—89
Was das Fett der Milch anbetrifft, so ist es in derselben in feinsten
kleinen Tröpfchen suspendirt und keineswegs in gelöstem Zustande. Um
das in der Milch suspendirte Fett zu lösen, ist es nöthig, die feine aus
Eiweiss bestehende Membran, die jedes dieser nur mikroskopisch wahr-
nehmbaren Fetttröpfchen umgiebt, zu lösen, was durch eine geringe Menge
von Säure oder Lauge mit Leichtigkeit geschehen kann. Alsdann kann
man das Milchfett in Aether oder Amylalkohol lösen und seine Menge
gewichtsanalytisch, volumetrisch oder aerometrisch feststellen. Wie schon
erwähnt, beträgt der Fettgehalt unserer Marktmilch in der Regel 3 °/0,
bei geeigneter Fütterung gelingt es aber, eine Kuhmilch zu erzielen, die
ungleich fettreicher, die 4, ja 5 °/0 Fett enthält. Die Frauenmilch enthält
in der Regel 31/2 — 4 °/0 Fett, doch spielt auch hier die Ernährung eine
wichtige Rolle. Etwa gleich in Bezug auf den Fettgehalt kommt der
Frauenmilch der Fettgehalt der Ziegenmilch, während die Eselsmilch, die
eine veraltete Lehranschauung für der Muttermilch sehr ähnlich hielt, von
dieser aber sich mehr als irgend eine andere Milchart unterscheidet, kaum
1 °/0, häufig sogar noch viel weniger Fett enthält und sich somit als völlig
ungeeignet zur Ernährung von Säuglingen erweist, für die schon der hohe
39
Preis hinderlich sein würde. In Bezug auf die Art, in der sich das Fett
in der Milch findet, wäre noch zu erwähnen, dass die Fettkügelchen
am kleinsten, dass die Yertheilung derselben am feinsten in der Frauen-
milch ist, während die Milch aller übrigen Thierarten grössere Fett-
tröpfchen enthält.
Die Zusammensetzung der Milch lässt es ohne Weiteres als verständ-
lich erscheinen, dass die Ausnutzung, die die Milch im menschlichen Ver-
dauungskanal erfährt, eine ganz vorzügliche ist. Das letzte Wort über
diese Frage ist zwar noch nicht gesprochen, doch lässt sich so viel mit
Sicherheit sagen, dass in vielen Fällen, vor Allem dann, wenn keine allzu
reiche Zufuhr statthat, der Säugling die Muttermilch nahezu ideal ausnutzt,
das heisst, dass alle in der Nahrung enthaltene Energie auch seinem Organis-
mus zu Gute kommt und nicht unverbraucht wieder ausgeschieden wird.
In ganz besonderem Maassstabe gilt dies für die Kohlehydrate, nicht viel
weniger für das Eiweiss, während von Salzen und Fett sich mitunter
etwas grössere Mengen in den Stühlen wiederfinden, doch dürfte nur
ausnahmsweise der Verlust mehr als 10 °/0 betragen, wenn die Er-
nährung eine genau beobachtete war. Etwas schlechter, immerhin aber
noch ausgezeichnet wird die Kuhmilch vom Kinde wie vom Erwachsenen
ausgenutzt. Während aber für das Kind die Milch als einzige Nahrung
genügt, ja, während der ersten Monate seines Lebens sogar seine einzige
Nahrung bilden muss, wenn anders man seine Lebensaussichten nicht ge-
fährden will, kann man einen Erwachsenen nicht dauernd rationell mit
Milch ernähren, wie eine kurze Betrachtung der einschlägigen Verhältnisse
uns ohne Weiteres erkennen lässt. Ein erwachsener arbeitender Mann
bedarf täglich, um die Ausgaben seines Stoffwechsels zu decken, 105 Gramm
Eiweiss, 50 Gramm Fett und 400 — 500 Gramm Kohlehydrate. Diese be-
nöthigten 105 Gramm Eiweiss würden sich in 3^2 Liter Milch finden (pro
Liter 3 °/0 Eiweiss gerechnet), mit diesen 3x/2 Liter Milch würde der Be-
treffende auch 105 Gramm Fett consumiren, an Kohlehydraten jedoch kaum
140 Gramm aufnehmen. Nun enthalten ja die 372 Liter Milch statt der
benöthigten 50 Gramm Fett deren 105, also 55 Gramm mehr, und diese
55 Gramm Fett entsprechen etwa 125 Gramm Kohlehydrat, da 1 Gramm
Fett 9,3 Calorien, 1 Gramm Kohlehydrat 4,1 Calorien ausmacht, und bei
der Ernährung des Erwachsenen eine Vertretung der einzelnen Nahrungs-
mittel in gewissem Grade nach ihrem Calorienwerthe möglich ist. Immer-
hin würden dem mit 3 Liter Milch genährten Individuum noch 140 bis
240 Gramm Kohlehydrat fehlen. Es müsste somit hierfür eine entsprechende
Menge Brot mitgenossen werden. Eine ausschliessliche Milchernährung
hat übrigens den Nachtheil für Erwachsene, dass sich gegen den ausschliess-
lichen Genuss von Milch in Bälde ein Widerwille einstellt. Ist eine aus-
schliessliche Milchernährung, abgesehen vom frühen Kindesalter, also un-
rationell und verwerflich, so ist doch die Milch ein ganz vorzügliches und
überaus wohlfeiles Hilfsmittel bei der Ernährung und verdiente als solches
sogar noch viel mehr Beachtung, als ihr hier bei uns zu Theil wird.
Ganz besonders in der Form der milchhaltigen Mehlspeisen, wie man
solche in Oesterreich und auch in Süddeutschland geniesst, kann dieselbe
für die Tafel von Arm und Reich empfohlen werden. Wie billig man in
der Milch Nährstoffe zu kaufen bekommt, zeigt folgende Rechnung: Für
eine Mark erhält man circa 6 Liter Milch mit 180 Gramm Eiweiss, 180 Gramm
Fett und mit 240 Gramm Kohlehydraten. Für dasselbe Geld erhält man
40
1 Kilo Ochsenfleisch und dabei sogar blos eine geringe Qualität, und mit
diesem Kilo mageren Ochsenfleisches 210 Gramm Eiweiss, 17 Gramm Fett
und so gut wie gar keine Kohlehydrate. Hierbei ist pro Pfund Rindfleisch
nur 50 Pf. gesetzt, was entschieden doch bei den heutigen Fleischpreisen
zu niedrig gegriffen sein dürfte.
Aus dem eben Angeführten geht hervor, welche Bedeutung die Milch
als Nahrungsmittel hat, und lässt es erklärlich erscheinen, dass der Milch-
consum ein ganz bedeutender ist, und die Milchgewinnung und der Ver-
kehr und Handel mit Milch eine Ausdehnung angenommen hat, die der
ferner Stehende in der Regel wohl unterschätzen dürfte. So consumirt
Dresden — ich entnehme diese Zahlen einer sehr lesenswerthen Schrift
des Herrn Dr. Pfund — täglich etwa 90000 Liter Milch, von denen 5500
in der Stadt selbst producirt werden, 33000 Liter werden per Wagen von
den umliegenden Ortschaften eingeführt und 51000, also der bei Weitem
grösste Theil, kommt per Bahn, also wie man wohl annehmen kann, aus
dem weiteren Umkreise der Stadt. Dabei erweist sich Dresden durchaus
nicht als eine stark Milch consumirende Stadt, da ja pro Tag und Kopf
noch nicht einmal ein Drittelliter verbraucht wird.
Ein derartiger Consumartikel, als den wir somit die Milch betrachten
müssen, wird natürlich, umsomehr als sehr zahlreiche und ökonomisch
schwache Hände bei Gewinnung, Transport und Verkauf in Betracht kommen,
menschlicher Habsucht als willkommenes Ausnutzungsobject dienen, und
in der That giebt es kein Nahrungsmittel, das so oft verfälscht oder
minderwerthig in den Handel gebracht wird, deshalb ist die Aufmerksam-
keit der Behörden schon seit langer Zeit auf den Wandel und Handel der
Milch gerichtet.
Fassen wir zunächst die Verfälschungen, denen die Milch ausgesetzt
ist, ins Auge, so ist als die häufigst vorkommende diejenige anzusehen,
die durch Wasserzusatz das Volumen der Milch vermehren, und, da ja
allgemein nach volumetrischen Maassen gekauft wird, somit die zu er-
zielende Einnahme erhöhen will. Der Nachweis des erfolgten Wasser-
zusatzes kann mit grossen Schwierigkeiten verknüpft sein, vorausgesetzt,
dass der Milchfälscher vorsichtig zu Werke geht, was ja glücklicherweise
nicht der Fall zu sein pflegt. So vermag der Nachweis von Salpetersäure,
die sich im Brunnenwasser fast ausnahmslos findet, während sie der reinen
Milch stets fehlt, schon zur Erkennung des Wasserzusatzes hinzuführen.
An und für sich wird ja ein Wasserzusatz zur Milch sogar häufig nöthig
sein, wenn man dieselbe zum Beispiel kleinen Kindern geben will, und
natürlich kann man einer Mutter, die ihrem Säugling die Milch ent-
sprechend verdünnt, keine Fälschung vorwerfen. Die Benachtheiligung
aber, die der Milchkäufer durch den Wasserzusatz seitens des Milch-
producenten oder seitens des Miichhändlers erfährt, liegt einmal darin,
dass die werthvollen, der Ernährung dienenden Bestandteile hierdurch
verdünnt werden, der Käufer somit weniger davon erhält, als er in dem
Glauben, reine Milch zu erhalten, bezahlt. Andererseits ist das zu-
gesetzte Wasser aber meist von recht fragwürdiger Güte und Reinheit
und kann so direct zu Gesundheitsschädigungen führen. Da sich ein be-
deutenderer Wasserzusatz, besonders wenn derselbe zu an und für sich
schon nicht sehr guter Milch erfolgt, sich leicht durch die durchsichtige
bläuliche Farbe der so behandelten Milch verräth, so wird nicht selten
durch Zusatz von Stärke, Mehl oder sogar von Gyps die Farbe wieder
41
aufgebessert. Natürlich ist der Nachweis dieser Körper unschwer zu er-
bringen.
Eine weitere und wohl die allerhäufigste betrügerische Manipulation,
der die Milch unterworfen wird, ist die des Abrahmens. Bekanntlich ist
die Sahne, das Milchfett das relativ Werthvollste an der ganzen Milch,
da diese ja in ihrer Verarbeitung zu Butter sowie in ihrer Verwendung
als Sahne und Schlagsahne viel begehrt ist. Es liegt also sehr nahe,
dass man die Milch durch Abschöpfen des sich oben abscheidenden
Fettes von einem Theil ihrer werthvollsten Nährsubstanzen beraubt. An
und für sich ist ein derartiges Vorgehen durchaus nichts Ungerechtes und
geschieht in allen Molkereien, ja die moderne Technik hat sogar vortreff-
liche Apparate ersonnen, mit Hilfe deren es möglich ist, das Fett aus der
Milch so gut wie vollständig abzuscheiden. Die so mit Centrifugen ent-
fettete Milch nennt man Magermilch. Unbedingt nöthig und zu verlangen
ist es nun aber, dass der Käufer der Milch genau weiss, ob er säinmt-
liche von vornherein in der Milch befindliche Bestandtheile der Milch auch
wirklich erhält oder ob solche derselben entnommen worden sind. Daher
fordert mit Recht die Behörde, dass jedes Milchgefäss eine genaue Be-
zeichnung trägt, ob in derselben Magermilch oder Vollmilch enthalten ist.
So kann sich der Käufer genügend orientiren und entweder eine Milch
erstehen, die nur einen Theil der naturgemäss in ihr vorkommenden Nähr-
stoffe enthält, oder aber eine, die in dieser Beziehung vollwerthig ist.
Der Kauf von Magermilch bedeutet übrigens keinen Nachtheil, sondern
vielmehr sogar einen Vortheil für den Käufer und ist daher armen Leuten
anzurathen, denn der Marktpreis der Magermilch ist im Verhältnis zu den
darin enthaltenen Nährstoff einheiten ein geringerer, wie die folgende Er-
wägung zeigt: Ein Liter Vollmilch enthält in 30 Gramm Fett 273 Calorien, in
30 Gramm Eiweiss 123 Calorien und in 45 Gramm Milchzucker 184 Calorien,
zusammen 580 Calorien; ein Liter centrifugirte Magermilch enthält etwa
3 Gramm Fett entsprechend 27 Calorien, wieder 30 Gramm Eiweiss mit
123 Calorien und 45 Gramm Milchzucker mit 187 Calorien, zusammen
333 Calorien. Es enthält also die Magermilch etwa 56 °/0 der hi der Voll-
milch zu findenden Nährstoffe in Calorien, der Preis derselben ist jedoch
nur wenig mehr als ein Drittel der Vollmilch, da nach der Regel für einen
Liter gute Vollmilch 18, für einen Liter Magermilch nur 7 Pf. gezahlt
werden. Die Magermilch ist somit nicht nur absolut, sondern auch relativ
billiger als die Vollmilch. Freilich muss das dabei weniger verabreichte
Fett auf andere Weise dem Organismus zugeführt werden. Ganz anders
ist die Entrahmung natürlich zu beurtheilen, wenn dieselbe ohne Vorwissen
des Käufers geschehen ist, wie dies überaus häufig vorkommt. Es sind
daher gesetzliche Bestimmungen getroffen, die der Entrahmung der Milch
Einhalt gebieten sollen. Doch leiden alle hierauf abzielenden Maassregeln
unter der Schwierigkeit, sie exact durchzuführen. Da nämlich der Fett-
gehalt bei verschiedenen Kühen — und um Kuhmilch handelt es sich ja
so gut wie ausschliesslich — nach Rasse und Ernährungsart äusserst ver-
schieden ist, so lässt sich natürlich keine Zahl finden, die wirklich als
stricte Grenze aufgefasst werden kann, bis zu der der Fettgehalt in minimo
sinken darf. An verschiedenen Orten ist diese Grenze verschieden hoch
angenommen, hier bei uns beträgt dieselbe zur Zeit 3 °/0. Enthält also
eine Milch weniger als 3 °/0 Fett, so wird angenommen, dass dieselbe ent-
weder abgerahmt oder mit Wasser verdünnt worden ist. Nach beiden
42
Seiten hin wird diese Annahme freilich im einzelnen Falle falsch sein,
können. Einmal steht es nämlich demjenigen Milchproducenten oder Milch-
händler, dessen Milch etwa 3LI2 — 4 °/0 oder mehr Fett enthält, frei, seine
Milch bis auf einen Fettgehalt von 3 °/0 abzurahmen, ohne dass er für
diese That Entdeckung oder Strafe zu erwarten hat, andererseits kann
es aber auch Vorkommen, dass eine Milch wirklich nur 2,9 oder sogar
noch weniger Fett enthält, ohne dass irgend ein betrügerischer Eingriff
erfolgt ist, und der Betreffende kann somit in den falschen Verdacht der
Milchpanscherei kommen. Die Controle der Milch erfolgt hier durch Beamte
der Wohlfahrtspolizei, die alle diejenigen Milcharten, die ihnen verdächtig
erscheinen, der Behörde zur Vornahme der chemischen Analyse anzuhalten
haben. Zur vorläufigen Bestimmung des Fettgehaltes an Ort und Stelle der
Entrahmung dienen calorimetrische Methoden, verbunden mit der Bestim-
mung des specifischen Gewichts. Alle diese Methoden sind vollkommen un-
genügend und es steht zu erhoffen, dass seitens der Wohlfahrtspolizei
nunmehr eine neue zur Einführung gelangt, die allen Anforderungen, die
man an eine marktpolizeiliche stellen darf, genügt, und zwar sowohl in
Bezug auf die Einfachheit und Schnelligkeit in der Ausführung, als auch
in Bezug auf die Genauigkeit. Es ist dies die Gerber’sche Methode, die
vermittelst einer Hugershoff’schen Centrifuge volumetrisch den Fettgehalt
der Milch ermittelt. Es werden zu diesem Zwecke in bestimmten graduirten
Messgefässen 11 Cubikcentimeter Milch mit 10 Cubikcentimeter concentrirter
Schwefelsäure versetzt und hierdurch die Eiweisskörper zunächst ausgefällt
und alsdann wieder zur Lösung gebracht; hierauf wird 1 Cubikcentimeter
Amylalkohol zugesetzt, der das Fett in durchsichtiger Flüssigkeit löst, und
das Gemisch gut centrifugirt. Man vermag in kurzer Zeit den Fettgehalt direct
abzulesen. Die ganze Methode gestattet, eine grosse Anzahl von Bestimmungen
zu gleicher Zeit vorzunehmen, und ich kann aus vielen Hunderten von Unter-
suchungen, die ich auf diese Weise mit der Milch verschiedener Thierarten
vorgenommen habe, bestätigen, dass die Bestimmung eine überaus genaue
ist, die mit den gewichtsanalytisch gefundenen Besultaten sehr gut überein-
stimmt.
Die Abrahmung der Milch hat uns schon darauf hinweisen lassen,
dass manche Milch nur sehr wenig Fett enthält; und solche Milch, die von
vornherein sehr fettarm ist, müssen wir als minderwerthig bezeichnen.
Statt im Melkeimer verdünnen nämlich manche Milchproducenten die Milch
schon im Euter des Thieres, indem sie demselben eine wasserreiche, an
festen Bestandth eilen, vor Allem an Fett arme Nahrung gewähren. Auf
diese Weise bringen sie die Kühe dahin, viel, aber fettarme Milch zu geben.
Die Grossconsumenten wissen sich nun neuerdings sehr gut gegen derartige
Manipulationen zu schützen, indem sie die Milch nicht mehr per Liter,
sondern nach dem gelieferten Fett bezahlen. Sie untersuchen jeden Tag
auf die vorhin angedeutete Weise die zur Ablieferung gebrachte Milch und
bezahlen dieselbe je nach ihrem Fettgehalte mit höherem oder geringerem
Preise. Eine immer weitere Verbreitung dieser Maassnahmen lässt er-
hoffen, dass die Landwirthe mehr und mehr auch in ihrem Interesse
darauf sehen werden, eine fetthaltige Milch zu produciren.
Als minderwerthig ist ferner ausnahmslos alle Milch zu bezeichnen,
die von kranken Thieren stammt. Dem Laien erscheint dies eigentlich
ganz selbstverständlich, doch ist man in Wirklichkeit noch sehr weit
davon entfernt, diese Forderung des Hygienikers anzuerkennen. Ja, vor
43
nicht langer Zeit hat ein Oekonom in der vom preussischen Ministerium
zur Besprechung dieser Fragen zusammengerufenen Commission erklärt,
dass bei Durchführung einer solchen Forderung die Landwirthe es sich
wohl überlegen würden, weiter Milchwirthschaft zu betreiben. Diese
Behauptung entbehrt jeder Berechtigung, denn diejenigen Oekonomen,
die ausschliesslich gesundes Vieh zur Milchgewinnung benutzen, machen
hierbei brillante Geschäfte. Betrübend ist allerdings die Thatsache, dass
es in ganz Deutschland wohl kaum ein Dutzend Ställe giebt, in denen
nur gesundes Vieh steht. Bei den meisten Ställen leiden ein Drittel, die
Hälfte oder noch mehr Thiere an der Perlsucht, dieser der Tuberkulose
des Menschen entsprechenden Krankheit, welche in gar nicht zu seltenen
Fällen auch wirklich auf diese Weise eben durch den Genuss der rohen,
von perlsüchtigen Thieren stammenden Milch auf den Menschen übertragen
wird. Ebenso können auch die Erreger anderer Seuchen auf den Menschen
überschleppt werden.
Ebenfalls als minderwerthig ist alle diejenige Milch zu bezeichnen,
die nicht sauber gemolken und nicht zweckentsprechend aufbewahrt wird.
Schon was die Reinlichkeitsverhältnisse in den Ställen anbelangt, so be-
kommt man da manchmal fast Unglaubliches in Bezug auf Unreinlichkeit
zu sehen. Ein Herkules würde da an der Möglichkeit einer Säuberung
verzagen. Der Volksmund rechnet übrigens hiermit schon als einer fest-
stehenden Thatsache und nennt eben einen besonders schmutzigen Ort
einen Stall. Dieses Vorurtheil zu widerlegen ist der erste Schritt auf dem
Wege der Besserung.
Es ist nämlich eine durch die Erfahrung immer wieder bestätigte
Thatsache, dass durch Unsauberkeit bei der Gewinnung und der Auf-
bewahrung der Milch die Haltbarkeit derselben nachtheilig beeinflusst wird.
Es kommen, wenn man nicht die nöthigen Vorsichtsmaassregeln bewahrt,
in die von Haus aus keimfreie Milch zahlreiche Mikroorganismen hinein,
die sich in dem für ihre Entwickelung sehr geeigneten Nährboden, zumal
wenn die Aussentemperatur hierzu günstig ist, schrankenlos vermehren.
Hierbei findet eine Veränderung statt, die der regelmässig im Magen ein-
tretenden bis zu einem gewissen Grade ähnelt; nämlich auch durch die
Vermehrung der Mikroorganismen kann es zu einer Gerinnung der Milch
kommen, indem der Milchzucker in Milchsäure gespalten wird. Ist auf
diese Weise eine bestimmte Menge Milchsäure entstanden, so kommt es
durch dieselbe ebenso zur Gerinnung der Milch, wie durch die Salzsäure
des Magens. Andere Keime wieder, die durch Unsauberkeit in die Milch
gelangen können, sind noch verhängnisvoller gerade dadurch, dass sie
keine Säurebildner sind; sie vermehren sich, ohne zur Gerinnung zu führen.
Gerade die Gerinnung der Milch ist aber auch dem Laien ein deutlicher
Hinweis darauf, dass die betreffende Milch verdorben ist. Im Uebrigen
ist es ja bekannt, dass auch eine sauer gewordene Milch sich sehr gut
zur Nahrung eignen kann und von manchen Menschen sehr gern genommen
wird. Gefährlich ist aber jede angesäuerte Milch für kleine Kinder, die
auf den Genuss derselben schwer zu erkranken pflegen. Für diese und
ebenso für Erwachsene kann aber eine nicht sauere Milch auch im höchsten
Grade schädlich sein, wenn dieselbe die vorhin erwähnten anderen Keime
enthält. Von der Zahl der Mikroorganismen, die sich in der Kuhmilch
finden, wenn diese nicht sauber gemolken worden ist, kann sich der mit
diesen Verhältnissen nicht Vertraute kaum eine Vorstellung machen. So
44
kann es Vorkommen, dass in einer Milch, die noch nicht einmal so weit
verdorben ist, dass sie durch Gerinnung Jedermann als minderwerthig ins
Auge fällt, im Cubikcentimeter 15 Millionen Keime enthalten sind. Ausser
den Keimen enthält jedoch eine unsauber gemolkene Milch auch noch eine
beträchtliche Menge anderer directer Verunreinigungen. Auf diese That-
sache ist zuerst von einem Mitgliede unserer Gesellschaft, Herrn Professor
Renk, mit dem nöthigen Nachdruck hingewiesen und zugleich eine Methode
ausgesonnen worden, mit Hülfe derselben es leicht gelingt, die Menge des
Milchschmutzes zu bestimmen. Es ist nun die Pflicht des Milchproducenten,
uns eine Milch zu liefern, die möglichst wenig Keime und möglichst wenig
Milchschmutz enthält. Die ideale Forderung, ganz keimfreie und reinliche
Milch zu erhalten, würde sich ja doch vorläufig noch nicht realisiren lassen,
den guten Willen hierzu könnte man aber wenigstens verlangen. Die Ställe
müssten luftig gebaut sein, und ebenso wie unsere Wohnungspolizei darauf
sieht, dass in keinem Raume mehr Menschen zusammengepfercht werden,
als hygienisch gedacht darin Platz haben, ebenso müsste jedem Landwirth,
der die Milch seiner Kühe zu Markt bringen will, genau vorgezeichnet
sein, wie geräumig und wie hoch sein Stall sein muss. Ebenso erwächst
der Behörde meines Erachtens die Pflicht, die Entwässerungs- und Ent-
kothungsvorrichtungen zu überwachen. Mindestens einmal am Tage ist der
helle geräumige Idealstall sorgfältig zu reinigen. Vor dem Melken sind
die Euter der Thiere ahzuwaschen, desgleichen die Hände des Melkenden
sorgfältigst zu säubern. Das übliche schmutzige Kostüm, das die Schweizer
oder Kuhmägde dabei zu tragen pflegen, vermag den Appetit auf die so
gemolkene Milch auch nicht zu erhöhen und die Haltbarkeit der Milch
nicht günstig zu beeinflussen. Man wird dem melkenden Personal zweck-
entsprechend weisse Kittel zum Anziehen geben und schliesslich auch noch
dafür Sorge tragen, dass die Kuh nicht mit ihrem Schwänze die Milch zu
verunreinigen vermag. Die ersten Striche lässt man nicht in den Melk-
eimer, sondern in ein extra Gefäss, da diese ersten Portionen der Milch
noch die in den Milchgängen sitzenden Unreinlichkeiten mit enthalten.
Dieselbe kann an die Schweine verfüttert werden oder ist sofort abzu-
kochen, um dann auch noch für menschlichen Gebrauch geniesshar zu sein.
Die Gefässe, in welche hinein gemolken wird, müssen peinlichst sauber, wenn
möglich durch Auskochen oder Sterilisiren im Dampfe keimfrei gemacht
sein. Die gemolkene Milch ist sofort zuzudecken und andauernd zugedeckt
zu halten, auch das Umschütten in andere Gefässe möglichst zu vermeiden.
Aeusserst wichtig ist ferner, dass die Milch sofort nach dem Melken nach
Möglichkeit abgekühlt wird, jedenfalls soll die Temperatur, auf der sie
erhalten wird, nicht über 8 Grad Celsius liegen, denn es entwickeln sich
hei einer derartig niedrigen Temperatur die eventuell doch in die Milch
gelangten Keime gar nicht oder doch nur spärlich und langsam. Auch
beim Transport in das Haus des Abnehmers und bis zum Consum soll die
Milch andauernd auf gleicher Temperatur erhalten werden. Eine so ge-
wonnene Milch — natürlich unter der Voraussetzung, dass sie ausschliess-
lich von gesunden Thieren stammt, ist als tadellose Milch zu bezeichnen
und könnte innerhalb 24 Stunden nach der erfolgten Gewinnung anstands-
los von Gross und Klein sogar in unabgekochtem Zustande genossen werden.
Freilich in der Wirklichkeit, da wird es heute wohl kaum irgendwo eine
Milch gehen, die diesen idealen Anforderungen entspricht. Ich freilich
für meine Person zweifle nicht daran, dass wir noch einmal hierzu ge-
/
45
langen werden. Wie viel Zeit bis dahin vergehen wird, wie viele Tausende
von Kindern vorher noch zu Grunde gehen werden, bis man durch Schaffung
der nöthigen Thierseuchen- und Milchhandelsgesetze die erwünschte Sicher-
heit hierin schaffen wird, das steht dahin. An unermüdlichen Mahnern
wird es nicht fehlen. Natürlich wird es nicht möglich sein, all den auf-
gestellten Forderungen auf einmal gleich Geltung zu schaffen. Zweierlei
thut aber eiligst Noth; einmal nämlich, dass wenigstens diejenige
Milch, die unter dem Namen Kindermilch verkauft wird, im
Wesentlichen den oben aufgestellten Grundsätzen entsprechend
gewonnen werden muss; denn jetzt bedeutet die Bezeichnung
Kindermilch vielfach weiter nichts, als dass das betreffende
Product theurer ist als andere Milch. Zum anderen aber
müssten staatliche oder städtische Musterställe eingerichtet
werden, in denen den Landwirthen gezeigt wird, wie man eine
ideale Milch gewinnen kann, und aus denen nicht nur für die
entsprechenden Krankenanstalten eine einwandfreie Milch ge-
wonnen wird, sondern auch die ärmeren Bevölkerungsschichten
mit einem tadellosen und preiswerthen Product besonders zum
Zwecke der Säuglingsernährung versorgt werden könnten. Da
ja viele Städte Landbesitz haben, ist der Gedanke jedenfalls
ausführbar.
Heute sind wir nun noch sehr weit davon entfernt, diese Idealmilch
zu einem Idealpreise uns im städtischen Musterstall holen zu können, wir
müssen also erwägen, wie wir uns vor den Gefahren schützen können, die
uns aus dem Genüsse weniger subtil gewonnener Milch drohen. Bis zu
einem gewissen Grade giebt uns nun das Abkochen und noch mehr das
Sterilisiren eine relative Sicherheit, da ja bei einer höheren, dem Siede-
punkt nahe liegenden Temperatur die meisten Mikroorganismen zu Grunde
gehen. Freilich verliert die Milch durch das Kochen und Sterilisiren in
ganz beträchtlichem Grade an Nährwerth. Ganz neuerdings hat man
übrigens auf einem dem Kochen gerade entgegengesetzten Wege eine Ver-
besserung der einschlägigen Verhältnisse erstrebt, indem man die Milch
unmittelbar nach dem Melken zum Gefrieren gebracht hat. Dadurch
kann man die Milch auch beliebig lange haltbar machen und milcharme
Gegenden durch die Milch aus milchreichen Gegenden entsprechend ver-
sorgen. In einer sehr geschickten Weise benutzt die Firma Gebr. Pfund
bereits diese Verbesserung der Molkerei-Technik, indem sie in die Milch,
die sie auf ihren Wagen zu den Kunden fahren lässt, solche Stücken ge-
frorene Milch hineinwirft. Hierdurch wird die Temperatur der Milch
herabgedrückt und die Wahrscheinlichkeit ihres Verderbens herabgesetzt.
Ich bin am Schlüsse meiner Auseinandersetzung; sollte dieselbe den Er-
folg haben, dass Sie mit mir die enorme Wichtigkeit der Milch als Nahrungs-
mittel anerkennen, und dass Sie Jeder von seiner Stelle aus die Besserung
besserungsbedürftiger Zustände in Bezug auf Gewinnung und Vertrieb
derselben erstreben wollen, so hat dieselbe in vollstem Maasse ihren
Zweck erreicht.
Sitzungsberichte
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1898,
I. Section für Zoologie.
Vierte Sitzung am 6. October 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. H.
Nitsche. — Anwesend 40 Mitglieder.
Prof. Dr. 0. Schneider überreicht durch Vermittelung des Vorsitzen-
den für die Bibliothek der Gesellschaft ein Exemplar seiner neuesten
Arbeit: Die Thierwelt der Nordsee-Insel Borkum unter Berück-
sichtigung der von den übrigen ostfriesischen Inseln bekannten Arten.
(Sonder -Abdruck aus den Abhandl., herausgeg. vom naturwissenschaftl.
Verein zu Bremen, Bd. XVI, Heft 1.)
Lehrer A. Jenke zeigt verschiedene von ihm im Zimmer gezüchtete
Entwickelungsstufen der Blutlaus, Schizoneura lanigera , vor.
Dr. P. Wagner legt einige sogenannte Billensteine aus dem Starn-
berger See vor und bespricht die augenblicklichen, noch nicht ganz ge-
klärten Anschauungen über deren Entstehung, welche meist der Thätig-
keit von Insectenlarven zugeschrieben wird.
Prof. Dr. H. Nitsche berichtet über seine zoologischen Reise-
eindrücke aus England.
Der Vortragende hat an dem vierten internationalen Zoologencongresse, der Ende
August in Cambridge tagte, theilgenommen, das Rothschildmuseum zu Tring, den Hirsch-
park des Herzogs von Bedford, den zoologischen Garten und die grossen Sammlungen
zu London, sowie das Aquarium in Brighton besucht und schildert in zwangloser
Plauderei die so gewonnenen reichen Eindrücke.
Dr. J. Thallwitz berichtet über das Vorkommen des Ziesels,
Spermophilus citillus , im sächsischen Erzgebirge. (Vergl. Abhand-
lung VI.)
Prof. Dr. H. Nitsche theilt mit, dass er kürzlich das Vorkommen
des Moderlieschens, Leucaspius delineatus, und des Bitterlings,
Rhodens amarus, in einigen der Moritzburger Teiche, im Jäger-
teiche und oberen Altenteiche feststellen konnte.
Herr K. Schiller legt mikroskopische Präparate kleiner Crustaceen
aus der Elbe vor, besonders aus den Gattungen Cyclops und Daphnia.
Fünfte Sitzung am 1. Deceinber 1898 (in Gemeinschaft mit der
Section für Botanik). Vorsitzender: Prof. Dr. H. Nitsche. — Anwesend
32 Mitglieder.
Dr. J. Grosse überreicht durch den Vorsitzenden für die Bibliothek
der Gesellschaft einen Abdruck seines in der Gesellschaft für Natur- und
20
Heilkunde in Dresden gehaltenen und in deren Jahresberichte 1897 — 98
veröffentlichten Vortrags: Leuckart in seiner Bedeutung für die
Natur- und Heilkunde.
Dr. J. Thallwitz spricht über Hydroidpolypen und Medusen des
Mittelmeeres und erläutert seinen Vortrag durch zahlreiche mikrosko-
pische Präparate und Wandtafeln. Er giebt ferner auf Anregung von
Prof. Dr. 0. Drude Auskunft über die bei der Herstellung der Präparate
angewandten Methoden.
Anschliessende Bemerkungen machen Prof. Dr. R. Ebert und Prof. Dr.
H. Nitsche, welch’ Letzterer berichtet, dass es neuerdings Hickson ge-
lungen ist, auch bei Hydroidpolypen mit Kalkskelett, bei der so variabeln
Gattung Millepora , medusoide und zwar männliche Geschlechtsindividuen
nachzuweisen.
Dr. B. Schorler spricht im Anschluss an R. Chodat: Rtudes de biologie
lacustre (Genf 1898) über Kalkalgen des Süsswassers und ihre Be-
ziehungen zu den sogenannten „Furchensteinen“.
Zu der noch nicht endgiltig gelösten Frage über die Entstehung der
letzteren sprechen Dr. P. Wagner, Prof. Dr. H. Nitsche und Prof. Dr.
0. Drude.
II. Section für Botanik.
Vierte Sitzung am 20« October 1898 (in Gemeinschaft mit der
Section für Zoologie). Vorsitzender: Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend
39 Mitglieder und 2 Gäste.
Prof. Dr. 0. Drude hält einen Vortrag über die Resultate bota-
nischer Reisen in Sachsen und Thüringen. (Vergl. Abhandlung V.)
Die Reisen bezweckten das Studium des pflanzengeographischen Charakters des
hercynischen Ländergebietes für das vom Vortragenden in Angriff genommene Buch:
Grundzüge der Pflanzenverbreitung im hercynischen Berg- und Hügellande, welches einen
Theil der in der „Vegetation der Erdeu von Engler- Drude erscheinenden (etwa .12)
pflanzengeographischen Monographien des deutschen Ländergebietes bilden wird.
Der Vortragende betont schliesslich das Bedürfniss, zur Erhöhung des Verständ-
nisses für das organische Leben in den uns zunächst umgebenden Ländern auch die
Verbreitungsverhältnisse der Thiere mit den getroffenen pflanzengeographischen Ein-
theilungen in Vergleich zu bringen und zu erproben, in wie weit deren Lebensbedin-
gungen an die Existenz bestimmter Formationen geknüpft sind, welche nur einzelnen
Landschaften angehören (z. B. steppenartig bekleidete Geröllhänge, Hochmoore, Gebirgs-
wald u. s. w.).
Dr. B. Schorler berichtet über steinzerstörende Algen, deren
Wirkung Vielen bis dahin als Spuren von thierischer Thätigkeit er-
schienen war.
Vergl. auch die zoologisch -botanische Section vom 1. December d. J.
Fünfte Sitzung am 8. December 1898 (Floristenabend). Vorsitzender:
Oberlehrer K. Wobst. — Anwesend 28 Mitglieder.
Prof. Dr. 0. Drude legt vor und bespricht eingehend die Schrift von
W. M ei gen: Die deutschen Pflanzennamen, Berlin 1898, und macht ferner
21
eine kurze Mittheilung über eine vortreffliche süddeutsche Localflora von
Dr. R. Gradmann: Pflanzenleben der Schwäbischen Alb, 2 Bände,
Tübingen 1898; über dieselbe soll später ausführlicher berichtet werdeo.
Hierauf hält Lehrer H. Stiefelhagen seinen angekündigten Vortrag:
Neue Carex- Formen und -Hybriden und erläutert denselben durch
viele von ihm selbst gesammelte charakteristische Belegexemplare.
Zum Schlüsse berichtet Dr. B. Schorler über Bereicherungen der
Flora Saxonica und bringt die im K. Herbarium eingegangenen zahl-
reichen Pflanzen zur Vorlage. (Vergl. Abhandlung VII.)
III. Section für Mineralogie und Geologie.
Vierte Sitzung am 3. November 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. E.
Kalkowsky. — Anwesend 42 Mitglieder und Gäste.
Dr. W. Bergt bespricht die Abhandlung von H. Credner: Die säch-
sischen Erdbeben während der Jahre 1889 — 97 (K. S. Ges. d. Wissensch.
math.-phys. CI. Bd. 24).
Prof. Dr. E. Kalkowsky macht auf einen neuen Aufschluss im
Diluvium beim Schnittpunkte der Reichenbach- und Franklinstrasse in
Dresden aufmerksam; derselbe legt einige für das K. Mineralogische
Museum neu erworbene Mineralien vor und berichtet über einige Verände-
rungen im K. Mineralogisch -geologischen Museum.
Fünfte Sitzung am 15. December 1898. Vorsitzender: Privatdocent
Dr. W. Bergt. — Anwesend 32 Mitglieder.
Oberlehrer Dr. R. Nessig hält seinen angekündigten Vortrag über
Graphit-Vorkommnisse im Lausitzer Granit südlich von Dresden.
IV. Section für prähistorische Forschungen.
Zweite Sitzung am 17. November 1898. Vorsitzender: Dr. J. Deich-
müller. — Anwesend 28 Mitglieder und Gäste.
Dr. J. Deichmüller hält einen Vortrag über die Vorgeschichte
Sachsens.
Zur Vorlage kommen hierbei merovingische Funde aus Skelettgräbern und die Ab-
bildung eines Hacksilberfundes aus Sachsen.
Lehrer H. Döring spricht über Prähistorisches aus dem Mulden-
thal zwischen Nossen und Rosswein.
Der Vortragende berichtet über die von ihm auf einer prähistorischen Excursion
gewonnenen Beobachtungen, welche sich auf die bereits von Preusker (Blicke in die
vaterländische Vorzeit III, S. 230) erwähnten Burg wälle auf dem Rodig bei Nossen,
auf dem Burgberg bei Gleisberg und der Wund er bürg bei Rosswein erstrecken.
22
Bei wiederholten Besuchen der genannten Oertlichkeiten stellte sich der Vortragende
die Aufgabe, auch andere hervortretende Höhen der Thalgehänge zu besichtigen und
auf das Vorhandensein von Burgwällen hin zu prüfen. Es gelang ihm hierbei, ganz
nahe bei Nossen einen in der Litteratur der Alterthumswissenschaft noch unbekannten
Wall, der selbst von den nächsten Anwohnern nicht gekannt war, aufzufinden. Die
Höhe wird in der Gregend als Texeisberg, Dechantsberg oder Diegensberg
bezeichnet und liegt den Buinen des Klosters Altzella direct gegenüber.
Der Burgwall liegt auf steiler Felshöhe an der Mulde ca. 50 m über dem Wasser-
spiegel des Flusses. Die Felswände des Muldenthaies werden hier von Diabastuffen
oder Schalsteinen gebildet und gehören den cambrischen Grünsteinen an. Auf der direct
über einem Steinbruch liegenden Höhe wurde ein 190 Schritt langer, unregelmässig
geformter Wall vorgefunden, der den Innenraum nach W, N und 0 schützt, während
nach S hin der Steilabsturz natürlichen Schutz bietet. Der Wall hat eine Höhe von
1,5 m und wird an zwei Seiten durch verschlacktes Gestein gebildet, an der Nord-
seite dagegen ist ein Erd wall zu erkennen. Es konnte leider wegen des dichten Wald-
bestandes nicht festgestellt werden, ob unter demselben der Schlackenwall verborgen
liegt. Das Auftreten der verschlackten Masse beschränkte sich nicht blos auf einzelne,
aus verschiedenen Stücken zusammengeschmolzene Klumpen, wie man sie auf Burg-
wällen fast, überall findet und als „Burgwallschlacke“ bezeichnet, sondern es ragen hier
gemäuerartige Schlackenmassen aus dem Waldboden hervor, sodass man wohl die Anlage
einen Schlackenwall nennen darf. Bisher sind innerhalb des Königreichs Sachsen drei
derartige Wälle aufgefunden worden und zwar auf dem Stromberge bei Weissenberg,
auf dem Rothstein und auf dem Löbauer Berge. Die Annahme, dass verschlackte Wälle
innerhalb Sachsens nur in der Lausitz auftreten, ist nach Auffindung des Schlacken-
walls auf dem Texeisberge bei Nossen als eine irrige zu bezeichnen. Auf dem Walle
wurden keinerlei Artefacte gefunden.
In einer Entfernung von 70 Schritt nach N zeigten sich zwei parallele Wallgräben,
welche in der Richtung von NO nach SW sich zur Muldenaue hinabsenken. Die Ge-
sammtlänge der Gräben beträgt 356 Schritt. Die Anlage wird von der Nossen -Lom-
matzscher Bahnlinie so geschnitten, dass auf den nordöstlichen Theil 220 Schritt und
auf den südwestlichen 135 Schritt kommen. Die Tiefe des äusseren Grabens beträgt
ca. 2V8 m, die des inneren dagegen 1 m. Der zwischen beiden Gräben gelegene Wall
ragt nicht über das Niveau des Waldbodens hervor.
Da die hier beobachtete Erscheinung von den auf Burgwällen sonst vorhandenen
Wallanlagen wesentlich abweicht, so ist eine sichere Deutung zur Zeit nicht möglich.
Wahrscheinlich stammt die Anlage nicht aus der urgeschichtlichen, sondern aus früh-
geschichtlicher Zeit und wurde nicht zum Zwecke der Abwehr von Feinden, sondern
zur Abgrenzung eines grösseren Besitzgebietes angelegt. Es könnten die parallel ver-
laufenden Gräben demnach als eine Art Limes oder Grenzgräben betrachtet werden.
Derartige Parallelgräben sind in der Gegend noch häufig anzutreffen, z. B. zwischen
Kammergut Altzella und der Chaussee, an der „Alten Zelle“ im Zellwald (Semmelflügel),
am neuen Wege nach Siebenlehn und an der Grube „Gesegnete Bergmanns Hoffnung“
in Obergruna.
Der Zellwald bietet noch manche räthselhafte Erscheinung und stellt sowohl dem
Historiker als auch dem Urgeschichtsforscher manche Aufgabe, deren Lösung der Zu-
kunft Vorbehalten bleiben wird. Das reiche Urkundenmaterial aus dem Cistercienser-
kloster Altzella vermag vielleicht noch über die frühgeschichtliche Zeit jener Gegend
einiges Licht zu verbreiten, sodass ein Schein desselben auch dem Prähistoriker zugute
kommt. In der Nähe der „Alten Zelle“ im Zellwald fand der Vortragende noch
Scherben von spätslavischem Typus.
Hier mögen am Ufer des Pietschbaches die slavischen Bewohner bis ins zwölfte
Jahrhundert gewohnt haben. Darauf deutet die älteste Klosteranlage hin, welche zwischen
1141 und 1146 sich hier befand. Diesen ersten Versuch, den Wald zu lichten und das
Land anzubauen und vor Allem die heidnischen Bewohner zu bekehren, machten die
schwarzen Mönche (also Brüder vom Benedictinerorden). Tammo von Strehla, der das
Stück Wald vom Bisthum Meissen zu Lehen hatte, gab es unter Einwilligung des
Bischofs Meginward an die schwarzen Mönche ab. Das hier erbaute Kloster war der
heiligen Walpurgis gewidmet, wurde aber wegen der Rauhigkeit der Gegend von den
Mönchen bald wieder verlassen.
Das 1162 gegründete Cistercienserkloster Altzella wurde an anderer Stelle, näm-
lich an der Mündung des Pietschbaches in die Mulde errichtet, also da, wo wir heute
die Klosterruinen bemerken. Die schwarzen Mönche, also jene ersten Ansiedler
23
hatten sich die Bekehrung der Wenden zur besonderen Aufgabe gemacht.
Sie mögen also wohl durch die Anwesenheit der Slaven am Pietschbache zu jener
Niederlassung im Zellwald veranlasst worden sein. — Möge es der vergleichenden For-
schung gelingen, das Dunkel, welches über der Urgeschichte dieser Gregend liegt, zu
durchdringen.
Zum Schluss wird ein schönes Räuchergefäss aus dem Urnenfeld
von Stetzsch aus der Sammlung des Lehrers 0. Ebert vorgelegt.
V. Section für Physik und Chemie.
Yierte Sitzung am 10. November 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. F.
Fo erster. — Anwesend 50 Mitglieder und Gäste.
Prof. Dr. R. Möhlau hält einen Vortrag über neue Anwendungs-
formen der Cellulose und erläutert seine Ausführungen durch Versuche
und zahlreiche Vorlagen.
Die neuere Richtung der Textilindustrie erhält ihr Gepräge wesentlich dadurch,
dass sie die Cellulosefaser chemisch umzuwandeln sucht Sie fusst damit in erster Linie
auf der Entdeckung John Mercer’s, welcher zeigte, dass die Cellulosefaser durch Be-
handeln mit Natronlauge tiefgreifende Veränderungen erfährt. Die Faser wird stärker
und kürzer, ihre Wand verdickt sich, während das Lumen auf ein feines Capillarrohr
zusammenschrumpft ; zugleich ist aber auch ihre Affinität gegenüber Farbstoffen grösser
geworden.
Praktische Bedeutung erhielten die Mercer’schen Versuche zunächst durch Depouilly,
welcher die Schrumpfung der Baumwollenfaser bei Einwirkung von Natronlauge benutzte,
um einen Kreppeffect der Gewebe zu erreichen. Es gelang ihm, diesen Effect auch auf
reinem Baumwollengewebe durch streifenweises Bedrucken mit Natronlauge zu erzielen
unter Anwendung einer entsprechend aufgetragenen Reserve aus Leinöl und Gummi
arabicum.
Thomas und Prevost ferner vermochten der Baumwolle einen seidenartigen
Glanz zu ertheilen, indem sie durch Ausrecken während des Mercerisirens die Schrumpf-
ung der Faser verhinderten und darauf in ausgerecktem Zustande auswuschen. Nur
gewisse Baumwollsorten erwiesen sich für diesen Zweck geeignet, namentlich die ägyp-
tische Baumwolle. Die nähere Untersuchung zeigt, dass die betreffenden Sorten eine
leicht veränderliche Cuticula besitzen, welche bei dem Spannungsprocess jedenfalls sich
mechanisch loslöst.
Als ein weiteres Product der chemischen Umwandlung von Cellulose tritt sodann
die Viscose auf, ein lösliches Cellulosexanthogenat, welches sich beim Behandeln der
Faser mit Natronlauge und Schwefelkohlenstoff ergiebt. Dieses Präparat lässt sich
leicht beliebig formen und ermöglicht auch die einfache Herstellung sogenannter Opalin-
artikel, da sich auf Geweben, welche mit Viscose bedruckt wurden, schon durch die
Trockenwärme regenerirte Cellulose unabwaschbar ausscheidet.
Die von de Chardonnet aus Collodium erhaltene sogenannte künstliche Seide besitzt
leider wenig Zugfestigkeit, besonders im feuchten Zustande.
Als neuestes Cellulosepräparat erscheint das Pegamoid, ein aus Nitrocellulose
gewonnener Lederersatz, sehr widerstandsfähig gegen Wasser und Seifen, infolge seiner
glatten Oberfläche nicht schmutzend. Durch dünnes Aufträgen des Pegamoids auf Ge-
webe erhält man Stoffe mit seidenartigem Glanz, durch Aufträgen einer dickeren Schicht
wachstuchartige Stoffe.
Prof. Dr. R. Heger macht Mittheilungen über zwei optische Be-
obachtungen in den Alpen.
An dem durch besonders klares Wasser ausgezeichneten Karersee erschien — von
einem Boote aus gesehen — in sehr auffälliger Weise das Brechungsbild wagerechter
Stellen des Bodens in Gestalt einer unter dem Boote vertieften Schüssel mit breitem,
flachem, dem Spiegel rasch sich näherndem Rande. Die beim Durchgang durch eine
24
ebene Grenzfläche zweier Mittel gebrochenen Strahlen eines Punktes A sind bekanntlich
nach der Brechung nicht mehr Strahlen eines Punktes, selbst nicht, wenn man sich auf
Betrachtung eines sehr dünnen Kegels beschränkt (des in die Pupille gelangenden Lichtes) ;
das dünne Strahlenbüschel, das in einer Ebene enthalten ist, die zur brechenden Ebene
senkrecht steht, ergiebt einen wesentlich anderen Bildpunkt, als die Mantellinien des
Umdrehungskegels, der den mittleren dieser Strahlen als Mantellinie, A zur Spitze und
auf der brechenden Ebene einen Parallelkreis hat. Nach den Beobachtungen scheint das
Auge den erstgenannten Bildpunkt zu bevorzugen.
Die andere Beobachtung betrifft das Auftreten schöner Beugungserscheinungen
beim Durchgänge des Sonnenlichtes durch Nadelbäume, besonders beim Auf- und Unter-
gang der Sonne. Erheblich über der Geraden Sonne-Beobachter stehende Bäume erscheinen
in glänzender Gluth, anfangs orangegelb, mit bräunlicher Tönung der dichteren Theile,
näher der Sonne weissglühend.
Prof. Dr. F. Pockels macht auf ähnliche, aus der Litteratur bekannte
Beobachtungen aufmerksam; auch in unseren Gegenden ist Gelegenheit,
diese auffällig schöne Erscheinung wahrzunehmen, nur tritt sie infolge
der geringeren Feinheit und Klarheit der Luft viel seltener und wohl
kaum je so schön auf wie im Hochgebirge.
Prof. Dr. F. Foerster berichtet über die Einwirkung von Chlor
auf Alkalien, insbesondere über den Process der Chloratbildung und
über die Deutung der Vorgänge bei der elektrolytischen Gewinnung von
Kaliumchlorat.
VI. Section für Mathematik.
Vierte Sitzung am 13. October 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. K.
Rohn. — Anwesend 13 Mitglieder.
Prof. Dr. K. Rohn spricht über einige Eigenschaften der Curven
dritter und vierter Ordnung, abgeleitet aus den Schnittpunkt-
systemsätzen.
In dem Vortrage werden zunächst in bekannter Weise die Schnittpunktssystem-
sätze für ebene Curven abgeleitet, um dann an einzelnen Beispielen zu zeigen, wie
mannigfach die Anwendung derselben sich gestalten kann. So folgt der Pascal’sche
Satz für einen Kegelschnitt oder ein Geradenpaar daraus. Ebenso ergiebt sich der
Satz: Schreibt man einem Kegelschnitt ein Achteck ein, so schneiden die ungeraden
Seiten die geraden in acht Punkten eines neuen Kegelschnitts; beide Achtecke besitzen
also die nämlichen ungeraden und die nämlichen geraden Seiten. Noch verschiedene
andere Sätze über Kegelschnitte können aus jenen Sätzen abgeleitet werden.
Für die Curven dritter Ordnung ergeben sich mit ihrer Hilfe folgende Resultate.
Alle Kegelschnitte durch vier feste Punkte einer Curve dritter Ordnung schneiden diese
in Punktepaaren, deren Verbindungslinien durch den nämlichen Punkt auf ihr, den Rest-
punkt, gehen. Die drei reellen Wendepunkte einer solchen Curve liegen auf einer Ge-
raden. Aus jedem Punkt der Curve kann man vier Tangenten an dieselbe legen; ihre
Berührungspunkte liegen auf einem Kegelschnitt, der die Curve in jenem Punkt berührt.
Die Verbindungslinien dieser vier Berührungspunkte schneiden sich paarweise auf der
Curve dritter Ordnung. Im Speciellen liegen die Berührungspunkte der drei Tangenten
aus einem Wendepunkte auf einer Geraden.
Für die Curven vierter Ordnung führen die Schnittpunktssystemsätze zu den
Systemen von viermal berührenden Kegelschnitten und den Doppeltangenten. Jedem
System gehören sechs Doppeltangentenpaare an, die Berührungspunkte je zweier Paare
liegen auf einem Kegelschnitt u. s. w.
25
Fünfte Sitzung am 8. December 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. K.
Rohn. — Anwesend 11 Mitglieder.
Dr. H. Gravelins spricht über einen Grundgedanken der Gylden-
schen Störungstheorie.
In einer kurzen historischen Einleitung werden die älteren Methoden zur Ermitte-
lung der absoluten Störungen der Planeten nach ihren grundlegenden Principien skizzirt.
Es wird gezeigt, dafs — ganz abgesehen von der keineswegs immer hinreichend ver-
sicherten Convergenz dieser Methoden — der Grund dafür, dass diese Methoden für
eine Darstellung der Störungen auf 50 bis 100 Jahre hinaus nicht ausreichen, in dem
Festhalten der Kepler’schen Bahn auch für die gestörte Bewegung zu suchen ist. In-
dem der Vortragende eine Darlegung der Gylden’schen Integrationsmethoden und Con-
vergenzbeweise für später sich vorbehält, entwickelt er, vom Begriff der periplegmati-
schen Curve ausgehend, die Gleichung der absoluten Bahn Gylden’s.
Prof. Dr. K. Rohn zeigt mit Hilfe eines Satzes von den perspectiven
Figuren eine einfache Methode, den Krümmungskreis an einem
d'er fünf gegebenen Punkte eines Kegelschnitts zu con-
struiren. Die Construction erfordert nur das Zeichnen von Parallelen
und Normalen.
VII. Hauptversammlungen.
Achte Sitzung und Excursion am 29. September 1898.
Am Nachmittag dieses Tages besichtigten 20 Mitglieder die Hof-
kunstmühle und Oelfabrik von T. Bienert in Plauen b. Dr., deren
Einrichtungen ihnen in der zuvorkommendsten Weise durch Ingenieur
F. Pleissner erläutert wurden.
Hieran schloss sich eine Hauptversammlung im Rathskeller-
Restaurant zu Plauen, in welcher unter Vorsitz von Prof. H. Engel-
hardt geschäftliche Angelegenheiten erledigt werden und
Dr. J. Deichmüller die von ihm auf Veranlassung des K. Ministeriums
des Innern entworfene „Belehrung und Anweisung über die den urgeschicht-
liehen Alterthümern zu widmende Beachtung und Fürsorge“, Dresden 1898,
vorlegt.
Neunte Sitzung am 27. October 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. G.
Helm. — Anwesend 64 Mitglieder und Gäste.
Dr. med. A. Schlossmann hält einen Vortrag über seine Reise nach
Spanien und erläutert denselben durch eine grosse Anzahl von Photo-
graphien und Projectionsbildern.
Zehnte Sitzung am 24. November 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. G.
Helm. — Anwesend 51 Mitglieder und Gäste.
Zunächst werden die Beamten der Gesellschaft für das Jahr 1899
gewählt. (Vergl. die Uebersicht auf Seite 28.)
Hierauf wird beschlossen, Geh. Hofrath Prof. Dr. G. Zeuner zu seinem
70. Geburtstage die Glückwünsche der Gesellschaft durch den Vorstand in
26
Gemeinschaft mit dem ersten Secretär und dem Bibliothekar überbringen
zu lassen.
Geh. Hofrath Prof. Dr. M. Krause spricht nun über Universität und
Technische Hochschule.
An den Vortrag schliesst sich eine lebhafte Debatte.
Elfte Sitzung am 22. December 1898. Vorsitzender: Prof. Dr. G.
Helm. — Anwesend 54 Mitglieder und Gäste.
Der Vorsitzende giebt eine Uebersicht über den gegenwärtigen Mit-
gliederbestand der Gesellschaft, nach welcher die Zahl der wirklichen
Mitglieder gegen das Vorjahr um 19 gewachsen (z. Z. 230), die der Ehren-
mitglieder um 6 (28) und die der correspondirenden Mitglieder um 3 (132)
zurückgegangen ist.
Geh. Medicinalrath Prof. Dr. Fr. Renk hält einen Vortrag über das
hygienische Institut der K. Technischen Hochschule und die K.
Centralstelle für öffentliche Gesundheitspflege.
Der Vortragende giebt einen kurzen Ueberblick über Geschichte, Entwickelung
und Zweck beider jetzt in einem Raume vereinten und unter einer Direction stehenden
Institute und erläutert an einem ausgestellten Plane die Vertheilung der einzelnen Ab-
theilungen in den beiden Geschossen des Hauses und deren Bestimmung. Ein unter
Führung des Vortragenden unternommener Rundgang durch die verschiedenen Räume
giebt den Anwesenden Gelegenheit, Einblick in die Thätigkeit beider Institute zu nehmen.
Veränderungen im Mitgliederbestände.
Gestorbene Mitglieder:
Am 7. August 1898 starb James Hall, Professor und Director des
New- York State Museum in Albany, einer der bedeutendsten amerikani-
schen Paläontologen, Ehrenmitglied der Isis seit 1873.
Am 25. September 1898 verstarb in St. Germain- en-Laye im Alter
von 77 Jahren Gabriel de Mortillet, Professor und Subdirector der
Ecole d’anthropologie de Paris, correspondirendes Mitglied seit 1867.
Am 15. October 1898 verschied inDresden Dr. Ewald Albert Geissler,
Professor an der K. Thierärztlichen Hochschule und Apothekenrevisor, wirk-
liches Mitglied seit 1877.
Am 14. November 1898 starb in Charlottenburg Oberberghauptmann
und Ministerial director a. D. Dr. Albert Ludwig Serlo, Ehrenmitglied
seit 1870.
Am 8. December 1898 starb Maler Karl Friedrich Seidel in Wein-
böhla, wirkliches Mitglied seit 1860. Der Verewigte gehörte in den Jahren
1867 — 68, 1875 — 76 und 1878 — 81 dem Vorstande der Section für Botanik
als erster oder zweiter Vorsitzender an und hat verschiedene botanische
Beobachtungen in unseren Sitzungsberichten veröffentlicht, die letzte noch
im Jahre 1888 über Peucedanum aegopodioides.
Am 10. December 1898 starb in Tharandt Alfred Bartel, Assistent
am chemischen Laboratorium der K. Forstakademie, wirkliches Mitglied
seit 1897.
27
Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder:
Baensch, Wilh., Buchdruckerei und Verlagshandlung in Dresden, am
24. November 1898;
Berger, Karl, Dr. med. in Dresden, am 22. Decemher 1898;
Bidlingmaier, Friedr., Assistent am physikalischen Laboratorium der
K. Technischen Hochschule in Dresden, am 24. November 1898;
Dickhoff, Alphons, Privatus in Blasewitz, am 27. October 1898;
Lehmann, Georg, K. Hofbuchhändler in Dresden, am 29. September 1898;
Müller, Felix, Prof. Dr., in Oberloschwitz, am 24. November 1898;
Naumann, Ernst, Dr. phil., Assistent am mineral.-geologischen Institut der
K. Technischen Hochschule in Dresden, am 29. September 1898;
Osborne, Wilh., Dr. phil., Chemiker in Radebeul, am 24. November 1898;
Range, Ernst Albert, K. Strassen- und Wasserbauinspector
in Dresden,
Richter, Wilh., Dr. med. in Dresden,
Schmidt, Hermann, Lehrer in Dresden, am 24. November 1898;
Sommer, Karl, Gymnasiallehrer a. D. in Meissen, am 22. Decemher 1898;
Thoss, Friedr. Aug., Seminaroberlehrer in Plauen bei Dr., am 29. Sep-
tember 1898.
In die correspondirenden Mitglieder ist übergetreten:
von Baensch, William, K. Hofverlagsbuchhändler, in Stralsund.
am 27. October
1898.
Freiwillige Beiträge zur Gesellschaftskasse
zahlten: Dr. Amthor, Hannover, 3 Mk.; Prof. Dr. Bach mann, Plauen
i. V., 3 Mk.; K. Bibliothek, Berlin, 3 Mk.; naturwissensch. Modelleur
Blaschka, Hosterwitz, 3 Mk. 5 Pf.; Privatus Eisei, Gera, 3 Mk.; Berg-
meister Hartung, Lobenstein, 5 Mk.; Prof. Dr. Hibscli, Liehwerd, 3 Mk.
1 Pf.; Bürgerschullehrer Hof mann, Grossenhain, 3 Mk.; Apotheker Dr.
Lange, Werningshausen, 6 Mk. 10 Pf.; Oberlehrer Dr. Lohr mann, Anna-
berg, 3 Mk.; Stabsarzt Dr. Naumann, Gera, 3 Mk.; Oberlehrer Nau-
mann, Bautzen, 6 Mk.; Betriebsingenieur Prasse, Leipzig, 3 Mk.; Dr.
Reiche, Santiago, Chile, 3 Mk.; Director Dr. Reidemeister, Schöne-
beck, 3 Mk.; Prof. Dr. Schneider, Blasewitz, 10 Mk.; Oberlehrer Seidel I,
Zschopau, 3 Mk. 10 Pf.; Rittergutspachter Sieber, Grossgrabe, 3 Mk. 15 Pf.;
Fabrikbesitzer Siemens, Dresden, 100 Mk.; Chemiker Dr. Stauss, Ham-
burg, 3 Mk ; Oberlehrer Dr. Sterzei, Chemnitz, 3 Mk.; Privatdocent Dr.
Steuer, Jena, 3 Mk.; Prof. Dr. Vater, Tharandt, 3 Mk. 5 Pf.; Baurath
Wiechel, Chemnitz, 3 Mk. 15 Pf.; Oberlehrer Wolff, Pirna, 3 Mk.; Prof.
Dr. Wünsche, Zwickau, 3 Mk. — • In Summa 190 Mk. 61 Pf.
H. Warnatz.
28
Beamte der Isis im Jahre 1899.
Torstand.
Erster Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kalkowsky.
Zweiter Vorsitzender: Prof. H. Engelhardt.
Kassirer: Hofbuchhändler G. Lehmann.
«
Directorium.
Erster Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kalkowsky.
Zweiter Vorsitzender: Prof. H. Engelhardt.
Als Sectionsvorstände:
Privatdocent Dr. W. Bergt,
Dr. J. Deichmüller,
Prof. Dr. 0. Drude,
Prof. Dr. F. Förster,
Prof. Dr. H. Kitsche,
Prof. Dr. K. Rohn.
Erster Secretär: Dr. J. Deichmüller.
Zweiter Secretär: Institutsdirector A. Thümer.
V erwaltungsrath.
Vorsitzender: Prof. H. Engelhardt.
Mitglieder: 1. Fabrikbesitzer L. Guthmann,
2. Privatus W. Putscher,
3. Fabrikant E. Kühnscherf,
4. Dr. Fr. Raspe,
5. Prof. H. Fischer,
6. Fabrikbesitzer Fr. Siemens.
Kassirer: Hofbuchhändler G. Lehmann.
Bibliothekar : Privatus K. Schiller.
Secretär: Institutsdirector A. Thümer.
Sectionslbeamte.
I. Seetion für Zoologie.
Vorstand: Prof. Dr. H. Kitsche.
Stellvertreter : Oberlehrer Dr. J. Thallwitz.
Protokollant: Institutsdirector A. Thümer.
Stellvertreter: Dr. A. Kaumann.
II. Seetion für Botanik.
Vorstand: Prof. Dr. 0. Drude.
Stellvertreter: Oberlehrer K. Wobst.
Protokollant: Garteninspector F. Le dien.
Stellvertreter: Dr. A. K aumann.
29
III. Section für Mineralogie und Geologie.
Vorstand: Privatdocent Dr. W. Bergt.
Stellvertreter: Oberlehrer Dr. R. Nessig.
Protokollant: Dr. H. Francke.
Stellvertreter: Dr. E. Naumann.
IV. Section für Physik und Chemie.
Vorstand: Prof. Dr. F. Förster.
Stellvertreter: Prof. Dr. F. Pockels.
Protokollant: Oberlehrer Dr. 0. Schulze.
Stellvertreter: Dr. R. Engelhardt.
V. Section für prähistorische Forschungen.
Vorstand: Dr. J. Deichmüller.
Stellvertreter: Lehrer H. Döring.
Protokollant: Lehrer 0. Ebert.
Stellvertreter: Lehrer A. J ent sch.
VI. Section für Mathematik.
Vorstand: Prof. Dr. K. Rohn.
Stellvertreter: Oberlehrer Dr. A. Witting.
Protokollant: Oberlehrer Dr. J. von Vieth.
Stellvertreter: Privatdocent Dr. E. Nätsch.
Redactions - Comite.
Besteht aus den Mitgliedern des Directoriums mit Ausnahme des
zweiten Vorsitzenden und des zweiten Secretärs.
Bericht des Bibliothekars.
Im Jahre 1898 wurde die Bibliothek der „Isis“ durch folgende Zeit-
schriften und Bücher vermehrt:
A. Durch Tausch.
I. Europa.
1. Deutschland.
Altenburg : Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes.
Annaber g -Buchholz : Verein für Naturkunde.
Augsburg : Naturwissenschaftlicher Verein für Schwaben und Neuburg.
Bamberg: Naturforschende Gesellschaft.
Bautzen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis“. — Sitzungsber. und
Abhandl., 1896—97. [Aa 327.]
Berlin: Botanischer Verein der Provinz Brandenburg. — Verhandl., Jahrg. 39.
[Ca 6.]
Berlin: Deutsche geologische Gesellschaft. — Zeitschr., Bd. 49, Heft 3
und 4; Bd. 50, Heft 1 und 2. [Da 17.]
Berlin: Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. —
Verhandl., October 1897 bis Mai 1898. [G 55.]
Bonn: Naturhistorischer Verein der preussischen Rheinlande, Westfalens
und des Reg. -Bez. Osnabrück. — Verhandl., 54. Jahrg., 2. Hälfte.
[Aa 93.]
Bonn: Niederrheinische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Sitzungs-
ber., 1897, 2. Hälfte. [Aa 322.]
Braunschiveig: Verein für Naturwissenschaft.
Bremen: Naturwissenschaftlicher Verein. — Abhandl., Bd. XIV, Heft 3;
Bd. XV, Heft 2. [Aa 2.]
Breslau: Schlesische Gesellschaft für vaterländische Cultur. — 75. Jahre sb er.,
1897, mit Ergänzungsheft bibliograph. Inhalts. [Aa 46.]
Chemnitz: Naturwissenschaftliche Gesellschaft.
Chemnitz: K. Sächsisches meteorologisches Institut. — Abhandl., Heft 3.
[Ec 57b.] — Klima des Königreichs Sachsen, Heft 5. [Ec 79.] —
Jahrbuch, XIII. Jahrg., 3. Abth.; XIV. Jahrg., 1. u. 2. Abth. [Ec 57.]
Danzig: Naturforschende Gesellschaft.
Darmstadt: Verein für Erdkunde und mittelrheinischer geologischer
Verein. — Notizbl., 4. Folge, 18. Heft. [Fa 8.]
Donaueschingen: Verein für Geschichte und Naturgeschichte der Baar und
der angrenzenden Landestheile.
Dresden: Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. — Jahresber., 1897 — 98.
[Aa 47.]
31
Dresden : Gesellschaft für Botanik und Gartenbau ,, Flora“. — Sitzungsber.
und Abhandl., n. F., Jhrg. 1 — 2, mit Bücherverzeichnis. [Ca 26.]
Dresden : K. Mineralogisch -geologisches und praehistorisches Museum. —
Mittheil., Heft XIV. [Db 51.]
Dresden : K. Zoologisches und Anthrop.-ethnogr. Museum. — Catalog der
Handbibliothek. [Je 117.]
Dresden : K. Oeffentliche Bibliothek.
Dresden : Verein für Erdkunde. — Jahresberichte, Jahr. XXVI. [Fa 6.]
Dresden: K. Sächsischer Altertums verein. — Neues Archiv für Sachs.
Geschichte und Altertumskunde, Bd. XIX. [G 75.] — Die Samm-
lung des K. Sachs. Altertums Vereins in ihren Hauptwerken. Lief. 1,
Bl. I-X. [G 75 b.]
Dresden: Oekonomische Gesellschaft im Königreich Sachsen. — Mittheil.
1892—93, 1897—98. [Ha 9.]
Dresden: K. Thierärztliche Hochschule. — Bericht über das Veterinär wesen
in Sachsen, 33., 37., 40. und 42. Jahrg. [Ha 26.]
Dresden: K. Sächsische Technische Hochschule. — Bericht über die K. Sachs.
Techn. Hochschule a. d. Jahr 1897 — 98. [Je 63.] — Personalverz. Nr.
X— XVIII. [Je 63 b.]
Dürkheim: Naturwissenschaftlicher Verein der Rheinpfalz „Pollichia“.
Düsseldorf: Naturwissenschaftlicher Verein.
Elberfeld: Naturwissenschaftlicher Verein.
Emden: Naturforschende Gesellschaft. — 82. Jahresbericht, 1896 — 97.
[Aa 48.]
Emden: Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer.
Erfurt: K. Akademie gemeinnütziger Wissenschaften. — Jahrbücher,
Heft XXIV. [Aa 263.]
Erlangen: Physikalisch-medicinisclieSocietät. — Sitzungsber., 29. Heft, 1897.
[Aa 212.J
Frankfurt a. M.: Senckenbergische naturforschende Gesellschaft. — Bericht
für 1898. [Aa 9 a.]
Frankfurt a. M.: Physikalischer Verein. — Jahresber. für 1896 — 97.
[Eb 35.]
Frankfurt a. 0.: Naturwissenschaftlicher Verein des Regierungsbezirks
Frankfurt. — * „Helios“, 15. Bd. — Societatum litterae, Jahrg. XI,
Nr. 7 — 12; Jahrg. XII, Nr. 1 — 4. [Aa 282.]
Freiberg: K. Sächs. Bergakademie. — Programm für das 133. Lehrjahr
1898-99. [Aa 323.]
Freiburg i. B.: Naturforschende Gesellschaft.
Gera: Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften.
Giessen: Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde.
Görlitz: Naturforschende Gesellschaft. — Abhandl., 22. Bd. [Aa 3.]
Görlitz: Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften. — Neues Lau-
sitzisches Magazin, Bd. 73, 2. Heft; Bd. 74. [Aa 64.]
Görlitz: Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Oberlausitz.
Greifswald: Naturwissenschaftlicher Verein für Neu -Vorpommern und
Rügen. — Mittheil., 29. Jahrg., 1897. [Aa 68.]
Greif sivald: Geographische Gesellschaft. — Jahresber. Nr. VI, II. Theil,
1896-98. [Fa 20.]
Guben: Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte. —
Mittheil., V. Bd., Heft 1 — 7. [G 102.]
32
Güstroiv : Verein der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg.
Halle a. S.: Naturforschende Gesellschaft.
Halle a. S.: Kais. Leopoldino-Carolinische deutsche Akademie. — Leopoldina,
Heft XXXIII, Nr. 12; Heft XXXIV, Nr. 1—11. [Aa 62.]
Halle a. Sr. Verein für Erdkunde. — Mitteil., Jahrg. 1898. [Fa 16.]
Hamburg'. Naturhistorisches Museum. — Jahrbücher, Jahrg. XIV, mit Bei-
heft 1—5. [Aa 276.]
Hamburg : Naturwissenschaftlicher Verein. — Verhandl., IV. Folge, 5. Heft.
1897. [Aa 293b.]
Hamburg'. Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung.
Hanau: Wetterauische Gesellschaft für die gesammte Naturkunde.
Hannover: Naturhistorische Gesellschaft. — Jahresber., 44. — 47. Bd.
[Festschrift.] [Aa 52.]
Hannover: Geographische Gesellschaft.
Heidelberg : Naturhistorisch -medicinischer Verein.
Hof: Nordoberfränkischer Verein für Natur-, Geschichts- und Landes-
kunde.
Karlsruhe: Naturwissenschaftlicher Verein.
Kassel: Verein für Naturkunde. — Abhandl. und Berichte, Nr. 42 u. 43.
[Aa 242.]
Kassel: Verein für hessische Geschichte und Landeskunde. — Zeitschr.,
22. — 23. Bd. u. 12. Suppl.; Mittheil., Jahrg. 1896 — 97. [Fa 21.]
Kiel: Naturwissenschaftlicher Verein für Schleswig -Holstein.
Köln: Redaction der Gaea. — Natur und Leben, Jahrg. 34. [Aa 41.]
Königsberg i. Pr.: Physikalisch -ökonomische Gesellschaft. — Schriften,
38. Jahrg., 1897. [Aa 81.]
Köniasberq i. Pr.: Altertums-Gesellschaft Prussia. — Sitzungsber. Nr. 46,
1890 [G 114.]
Krefeld: Verein für Naturkunde. — Jahresber. II und III, 1895 — 98.
[Aa 329.]
Landshut: Botanischer Verein. — Bericht 15. [Ca 14.]
Leipzig: Naturforschende Gesellschaft.
Leipzig: K. Sächsische Gesellschaft der Wissenschaften. — Berichte über
die Verhandl., mathem.-physikal. Klasse, 1897, V— VI; 1898, I — V.
[Aa 296.]
Leipzig: K. Sächsische geologische Landesuntersuchung. — Geologische
Specialkarte des Königreichs Sachsen: Sect. Ostritz-Bern stadt, Bl. 73;
Sect. Hinterhermsdorf- Daubitz, BL 86; Sect. Plirschfelde- Reichenau,
Bl. 89; Sect. Zittau -Oybin -Lausche, Bl. 107; Sect. Bobenneukirch-
Gattendorf, Bl. 150, mit 5 Heften Erläuterungen. [De 146.]
Lübeck: Geographische Gesellschaft und naturhistorisches Museum.
Lüneburg: Naturwissenschaftlicher Verein für das Fürstentum Lüneburg.
— Jahresheft XIV, 1896 — 98. [Aa 210.]
Magdeburg: Naturwissenschaftlicher Verein. — Jahresber. und Abhandl.,
Jahrg. 1896-98. [Aa 173.]
Mannheim: Verein für Naturkunde.
Marburg: Gesellschaft zur Beförderung der gesummten Naturwissenschaften.
— Sitzungsber., Jahrg. 1897. [Aa 266.]
Meissen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis“. — Beobacht, d. Isis-
Wetterwarte zu Meissen i. J. 1897. [Ec 40.]
33
Münster : Westfälischer Provinzialverein für Wissenschaft und Kunst. —
25. Jahresber., Jahrg. 1896—97. [Ca 231.]
Neisse: Wissenschaftliche Gesellschaft „Philomathie“. - — Bericht, 25.-28.,
1888-96. [Aa 28.]
Nürnberg : Naturhistorische Gesellschaft. — Jahresber. für 1897, nebst
Abhandl., XI. Bd. [Aa 5.]
Offenbach : Verein für Naturkunde.
Osnabrück : Naturwissenschaftlicher Verein. — 12. Jahresber., 1897. [Aa 177. J
Passau : Naturhistorischer Verein. — 17. Bericht für 1896 — 97. [Aa 55. J
Posen : Naturwissenschaftlicher Verein. — Zeitschr. der botan. Abtheil.,
4. Jahrg., Heft 3; 5. Jahrg., Heft 1—2. [Aa 316.]
Regensburg\ Naturwissenschaftlicher Verein. — Berichte, Heft VI, 1896—97.
[Aa 295.]
Regensburg: K. Bayerische botanische Gesellschaft.
Reichenbach i. V .: Vogtländischer Verein für Naturkunde. — Mitteil.,
Jahrg. 29. [Aa 70.]
Reutlingen'. Naturwissenschaftlicher Verein.
Schneeberg: Wissenschaftlicher Verein.
Stettin: Ornithologischer Verein. — Zeitschr. für Ornithologie und prakt.
Geflügelzucht, Jahrg. XXII. [Bf 57.]
Stuttgart : Verein für vaterländische Naturkunde in Württemberg. — Jahres-
hefte, Jahrg. 54. [Aa 60.]
Stuttgart: Württembergischer Altertums verein. — Württemberg. Viertel-
jahrshefte für Landesgeschichte, n. F., 6.-7. Jahrg. [G 70.]
Tharandt: Redaction der landwirtschaftlichen Versuchsstationen. — Land-
wirtsch. Versuchsstationen, Bd. XLIX, Heft 4 — 6; L; LI, Heft 1.
(In der Bibliothek der Versuchsstation im botan. Garten.)
Thorn: Coppernicus -Verein für Wissenschaft und Kunst.
Trier: Gesellschaft für nützliche Forschungen.
Ulm: Verein für Mathematik und Naturwissenschaften. — Jahreshefte,
8. Jahrg. [Aa 299.]
Ulm: Verein für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben.
Weimar: Thüringischer botanischer Verein. — Mittheil., n. F., 11. Heft.
[Ca 23.]
Wernigerode: Naturwissenschaftlicher Verein des Harzes.
Wiesbaden: Nassauischer Verein für Naturkunde. — Jahrbücher, Jahrg. 51.
[Aa 43.]
Würzburg: Physikalisch-medicinische Gesellschaft. — Sitzungsber., Jahrg.
1897. [Aa 85.]
Zivickau: Verein für Naturkunde. — Jahresber. 1897. [Aa 179.]
2. Oesterreich-Ungarn.
Aussig: Naturwissenschaftlicher Verein.
Bistritz: Gewerbeschule.
Brünn: Naturforschender Verein.
Budapest: Ungarische geologische Gesellschaft. — Földtani Közlöny, XXVII.
köt., 11. — 12. füz.; XXVIII. köt., 1. — 9. füz. [Da 25.]
Budapest: K. Ungarische naturwissenschaftliche Gesellschaft, und: Ungarische
Akademie der Wissenschaften. — Mathemat. und naturwissenschaftl.
Berichte, Bd. 13. [Ea 37.]
Graz: Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark. — MittheiL, Jahrg.
1897. [Aa 72.]
Hermannstadt: SiebenbürgischerV erein für Naturwissenschaften. — V erhandl.
und MittheiL, XLVII. Jahrg. [Aa 94.]
Iglo: Ungarischer Karpathen -Verein. — Jahrbuch, XXV. Jahrg. [Aa 198.]
Innsbruck: Naturwissenschaftlich -medicinischer Verein.
Klagenfurt: Naturhistorisches Landes -Museum von Kärnthen. — Festschrift
z. 50jähr. Bestehen, 1898. [Aa 42.]
Krakau: Akademie der Wissenschaften. — Anzeiger, 1897, Nr. 9—10; 1898,
Nr. 1—4 und 6 — 8. [Aa 302.]
Laibach: Musealverein für Krain.
Linz: Verein für Naturkunde in Oesterreich ob der Enns. — Jahres-
ber. 19, 26 und 27. [Aa 213.]
Linz: Museum F rancisco-Carolinum. — 56. Bericht nebst der 50. Lieferung
der Beiträge zur Landeskunde von Oesterreich ob der Enns. [Fa 9.]
Hag: Naturwissenschaftlicher Verein „Lotos“.
Prag: K. Böhmische Gesellschaft der Wissenschaften. — Sitzungsber.,
mathem.-naturw. CI., 1897. [Aa 269.] — Jahresber. für 1897. [Aa 270.]
Prag: Gesellschaft des Museums des Königreichs Böhmen. — Pamätky
archaeologicke, dilu XVII, ses. 4 — 8; XVIII, ses. 1 — 2. [G 71.]
Prag: Lese- und Redehalle der deutschen Studenten.
Prag: Ceska Akademie Cisare Frantiska Josefa. — Rozpravy, Trida II,
Rocnik 6. [Aa 313.] — Bulletin international, classe des Sciences
mathematiques et naturelles, Nr. IV. [Aa 313 b.J
Pressburg: Verein für Heil- und Naturkunde. — Verhandl., n. F., Heft 9.
[Aa 92.]
Reichenberg : Verein der Naturfreunde. — Mittheil., Jahrg. 29. [Aa 70.]
Salzburg: Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. — Mittheilungen,
Bd. XXXVII und XXXVIII. [Aa 71.]
Temesvär: Südungarische Gesellschaft für Naturwissenschaften. — Termes-
zettudomänyi Füzetek, XXII. köt., füz. 2 — 3. [Aa 216.]
Trencsin: Naturwissenschaftlicher Verein des Trencsiner Comitates. —
Jahresheft, Jahrg. XIX— XX. [Aa 277.]
Triest: Museo civico di storia naturale.
Triest: Societä Adriatica di scienze naturali.
Wien: Kais. Akademie der Wissenschaften. * — Anzeiger, Jahrg. 1897,
Nr. 27; 1898, Nr. 1—12. [Aa 11.]
Wien : Verein zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse. —
Schriften, Bd. XXXVIII. [Aa 82.]
Wien: K. K. naturhistorisches Hofmuseum. — Annalen, Bd. XII, Nr. 2 — 4;
Bd. XIII, Nr. 1. [Aa 280/
Wien: Anthropologische Gesellschaft. — MittheiL, Bd. XXVII, Heft 6;
Bd. XXVIII, Heft 1—4. [Bd 1.]
Wien: K. K. geologische Reichsanstalt. — Verhandl., 1897, Nr. 14 — 18;
1898, Nr. 1 — 12. [Da 16.] — AbhandL, Bd. XVII, Heft 4. [Da 1.]
Wien: K. K. zoologisch-botanische Gesellschaft. — Verhandl., Bd. XLVII.
[Aa 95.]
Wien: Naturwissenschaftlicher Verein an der Universität.
Wien: Central - Anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus. — Jahr-
bücher, Jahrg. 1894 und 1897. [Ec 82.]
35
3. Rumänien.
Bukarest : Institut meteorologique de Roumanie. — Annales, tome XII, 1896.
[Ec 75.]
4. Schweiz.
Aarau : Aargauische naturforschende Gesellschaft. — Mitteil., Heft VIII.
[Aa 317.]
Basel: Naturforschende Gesellschaft. — Verhandl., Bd. XII, Heft 1. [Aa 86.]
Bern : Naturforschende Gesellschaft.
Bern : Schweizerische naturforschende Gesellschaft.
Chur : Naturforschende Gesellschaft Grauhündens. — Jahresber., n. F.,
Jahrg. XXXVI, XL und XLI. [Aa 51.]
Frauenfeld : Thurgauische naturforschende Gesellschaft. — Mitteil., Heft 13.
[Aa 261.] ^ ^
Freiburg : Societe Fribourgeoise des Sciences naturelles. — Compte rendu,
1893—97. [Aa 264.]
St. Gallen: Naturforschende Gesellschaft. — Bericht für 1895 — 96. [Aa 23.]
Lausanne: Societe Vaudoise des Sciences naturelles. — Bulletin, 4. ser.,
yoI. XXXIII, no. 126; vol. XXXIV, no. 127 — 129. [Aa 248.]
Neuchatel : Societe des Sciences naturelles.
Schaffhausen: Schweizerische entomologische Gesellschaft. — Mittheil.,
Vol. X, Heft 2—4. [Bk 222.]
Sion: La Murithienne, societe Valaisanne des Sciences naturelles. —
Bulletin, fäsc. XXVI. [Ca 13.]
Zürich: Naturforschende Gesellschaft. — Viertel] ahrsschr. , Jahrg. 42,
Heft 3 — 4; Jahrg. 43, Heft 1—3. [Aa 96.] — Neujahrsblatt für 1898.
[Aa 96b.]
Zürich: Schweizerische botanische Gesellschaft. — Berichte, Heft 8. [Ca 24.]
5. Frankreich.
Amiens: Societe Linneenne du nord de la France. — Memoires, tome IX,
1892 — 98. [Aa 252 b.] — Bulletin mensuel, tome XIII, no. 283 — 292.
[Aa 252.]
Bordeaux: Societe des Sciences physiques et naturelles. — Memoires,
ser. 5, tome I — II; III, cah. 1; proces-verbaux, annee 1896 — 97.
[Aa 253.]
Cherbourg: Societe nationale des Sciences naturelles et mathematiques. —
Memoires, tome XXX. [Aa 137.]
Dijon: Academie des Sciences, arts et belles lettres. — Memoires, ser. 4,
tome V. [Aa 138.]
Le Mans: Societe d’agriculture, Sciences et arts de la Sarthe. — Bulletin,
tome XXVIII, fase. 2 — 3. [Aa 221.]
Lyon: Societe Linneenne. — Annales, tome 43 — 44. [Aa 132.]
Lyon: Societe d’agriculture, d’histoire naturelle et des arts utiles. —
Annales, ser. 7, tome 4. [Aa 133.]
Lyon: Academie nationale des Sciences, belles lettres et arts. — Memoires,
ser. 3, tome 4. [Aa 139.]
Paris: Societe zoologique de France. — Bulletin, tome XXII. [Ba 24.]
Toulouse: Societe Franchise de botanique. - Bulletin mensuel, tome XIII,
Nr. 147—156. [Ca 18.]
36
6. Belgien.
Brüssel : Societe royale malacologique de Belgique. — Annales, tome
XXVIII — XXX [, fase. 1. [Bi 1.] — Proces-verbaux des seances, tome
XXV— XXVII, Jan. — Juli. [Bi 4.]
Brüssel: Societe entomologique de Belgique. — Annales, tome 41. [Bk 13.]
— Memoires, tome VI. [Bk 13 b.]
Brüssel: Societe royale de botanique de Belgique. — Bulletin, tome XXXVI.
[Ca 16.]
Gembloux: Station agronomique de l’etat. — Bulletin, no. 64 — 65.
[Hb 75.]
Lüttich: Societe geologique de Belgique.
7. Holland.
Gent: Kruidkundig Genootschap „Dodonaea“.
Groningen: Naturkundig Genootschap. — 97. Verslag, 1897. [Je 80.]
Hartem: Musee Teyler. — Archives, ser. II, vol. V, p. 4; vol. VI, p. 1 — 2.
[Aa 217.]^ ^ ; .
Hartem: Societe Hollandaise des Sciences. — Archives Neerlandaises,
ser. II, tome I, livr. 4—5; tome II, livr. 1. [Aa 257.]
8. Luxemburg.
Luxemburg: Societe botanique du Grandduche de Luxembourg. — Recueil
des memoires et des travaux, no. XIII. [Ca 11.]
Luxemburg: Institut royal grand-ducal.
Luxemburg: Verein Luxemburger Naturfreunde .,Fauna‘;. — Mittheil., 1897.
[Ba 26.]
9. Italien.
Brescia: Ateneo. — Commentari per Fanno 1897. [Aa 199.]
Catania: Accademia Gioenia di scienze naturale. — Atti, ser. IV, vol.
10 — 11. — Bollettino, fase. L, LH— LIV. [Aa 149.]
Florenz: B. Instituto. — Sect. f. Physik und Naturgesch., Bd. 19 — 21;
Sect. f. Medicin, 7. Publicat. [Aa 229.]
Florenz: Societa entomologica Italiana. — Bullettino, anno XIX. [Bk 193.]
Mailand: Societa Italiana di scienze naturali. — Atti, vol. XXXVII,
fase. 2—3. [Aa 150.]
Mailand: R. Instituto Lombardo di scienze e lettere. — Rendiconti, ser. 2.
vol. XXX. [Aa 161.] — Memorie, vol. XVIII, fase. 2-5. [Aa 167.J
Modena: Societa dei naturalisti.
Padua: Societa Veneto Trentina di scienze naturali. — Bullettino, tomo VI,
no. 3. [Aa 193b.]
Parma: Redazione del Bullettino di paletnologia Italiana. — Bullettino,
ser. III, anno XXIII, no. 7 — 12; anno XXIV, no. 1—3. [G 54.]
Pisa: Societa Toscana di scienze naturali. — Processi verbali, vol. X
(22. XI. 96—4. VII. 97); vol. XI (28. XI. 97—1. V. 98). [Aa 209.]
Rom: Accademia dei Lincei. — Atti, Rendiconti, ser. 5, vol. V— VII,
2. sem., fase. 1 — 10. [Aa 226.]
Rom: R. Comitato geologico dTtalia.
37
Turin : Societä meteorologica Italiana. — Bollettino mensuale, sei*. II,
Y0l. XVII, no. 9—12; vol. XVIII, no. 1-8. [Ec 2.]
Venedig : R. Instituto Veneto cli scienze, lettere e arti.
Verona: Accademia di Verona. — Memoire, ser. III, vol. LXXIII, fase. 1 — 2.
[Ha 14.]
10. Grossbritannien und Irland.
Dublin: Royal geological society of Irland.
Edinburg: Geological Society. — Transactions, vol. VII, p. 3. [Da 14.]
Edinburg: Scottish meteorological society. — Journal, 3. ser., no. 13 — 14.
[Ec 3.]
Glasgow: Natural history society. — Transactions, vol. V, p. 1. [Aa 244.]
Glasgow: Geological society.
Manchester: Geological society. — Transactions, vol. XXV, p. 12—15,
20-21. [Da 20.] .
Newcastle-upon-Tyne: Tyneside naturalists field club, und: Natural history
society of Northumberland, Durham and Newcastle-upon-Tyne. —
Nat. history transactions, vol. XIII, p. 2. [Aa 126.]
11. Schweden, Norwegen.
Bergen: Museum. — Aarbog for 1897. [Aa 294.]
Christiania: Universität. — Universitets- Programm for 2. sem. 1894.
[Aa 251.]
Christiania: Foreningen til Norske fortidsmindesmerkers bevaring. — Aars-
beretning for 1896. [G 2.] — Kunst og handverk fra Norges fortid,
2. Reihe, 2. Heft. [G 71.]
Stockholm: Entomologiska Föreningen. — Entomologisk Tidskrift, Arg. 18.
[Bk 12.1
Stockholm: K. Vitterhets Historie och Antiqvitets Akademien. — Antiquarisk
Tidskrift, Del XVI, 4. [G 135.] — Mänadsblad, 1894. [G 135 a.]
Tromsoe: Museum. — Aarsberetning 1894. [Aa 243.]
Upsala: The geological institution of the university. — Bulletin, vol. III, p. 2
(no. 6), 1897. [Da 30.]
12. Russland.
Ekathar inenhur g: Societe Ouralienne d’amateurs des Sciences naturelles. —
Bulletin, tome XVI, livr. 2; tome XVII; tome XtX, livr. 1. [Aa 259.]
Helsingfors : Societas pro fauna et flora fennica.
Kharkow: Societe des naturalistes ä l’universite imperiale. — Travaux,
tome XXXI u. XXXII. [Aa 224.]
Kiew: Societe des naturalistes. — Memoires, tome XIV, livr. 2; tome XV,
livr. 1 — 2. [Aa 298.]
Moskau: Societe imperiale des naturalistes. — Bulletin, annee 1897, no. 2 — 4;
annee 1898, no. 1. [Aa 134.]
Odessa: Societe des naturalistes de la Nouvelle-Russie. — Memoires, tome
XXI, p. 2; tome XXII, p. 1. [Aa 256.]
Petersburg: Kais, botanischer Garten. — Acta horti Petropolitani, tom. XIV,
fase. 2. [Ca 10.]
38
Petersburg : Comite geologique. — Bulletins, vol. XVI, no. 3 — 9; vol. XVII,
no. 1 — 5; supplem. au tome XVI. [Da 23.] — Memoires, vol. XVI, no. 1.
[Da 24.]
Petersburg : Physikalisches Centralobservatorium. — Annalen, Jahrg. 1896.
[Ec ?.] . /
Petersburg : Academie imperiale des Sciences. — Bulletin, nouv. serie V,
tome VII, no. 2—5; tome VIII, no. 1—4. [Aa 315.]
Petersburg : Kaiserl. Russische mineralogische Gesellschaft. — Verhanal.,
2. Ser., Bd. 35. [Da 29.]
Riga: Naturforscher -Verein. — Korrespondenzblatt, XL— XLI. [Aa 34.]
II. Amerika.
1. Nord -Amerika.
(Canada, Vereinigte Staaten, Mexiko.)
Albany : New York state museum of natural history.
Baltimore : John Hopkins university. — University circulars, vol. XVII,
no. 134 — 136. [Aa 278.] — American journal of mathematics, vol. XIX;
XX, no. 1—3. [Ea 38.] — American Chemical journal, vol. XIX, 5—10;
vol. XX, no. 1—7. [Ed 60.] — Studies in histor. and politic. Science,
ser. XV, no. 6—12; ser. XVI, no. 1 — 9. [Fb 125.] — American journal
of philology, vol. XVIII; XIX, 1. [Ja 64.]
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f. 1896—97. [Da 31.] — Agriculturial experiment Station, bull. 116 —
119; report of 1895—96. [Da 31 b.J
Boston: Society of natural history. — Proceedings, vol. XXVHI, p. 1 — 12.
[Aa 111.] .
Boston: American academy of arts and Sciences. — Proceedings, new ser.,
vol. XXXII — XXIII; XXXIV, 1. — Memoirs, vol. V, no. 3. [Aa 170.]
Buffalo: Society of natural Sciences. — Bulletin, vol. V, no. 5; vol. VI, no. 1.
[Aa 185.]
Cambridge: Museum of comparative zoology. — Annual report for
1896 — 1897. — Bulletin, vol. XXVIII, no. 4 — 5; vol. XXXI, no. 5 — 7;
vol. XXX II, no. 1-8. [Ba 14.]
Chicago: Academy of Sciences.
Chicago : Field Columbian Museum. — Publications 12 — 13, 21 — 28.
[Äa 324.]
Davenport: Academy of natural Sciences.
Halifax: Nova Scotian institute of natural Science. — Proceedings and
transactions, 2. ser., vol. II, p. 3. [Aa 304.]
Lawrence: Kansas University. — Quarterly, series A: science and mathe-
matics, vol. VI, no. 2; vol. VII, no. 3. [Aa 328.]
Madison: Wisconsin Academy of Sciences, arts and letters. — Transactions,
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Mexiko: Sociedad cientifica „Antonio Alzate“. — Memorias y Revista,
tomo X, cuad. 5 — 12; tomo XI, cuad. 1 — 8. [Aa 291.]
Mihvaukee: Wisconsin natural history society.
Montreal : Natural history society. — The canadian record of science,
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39
New -Häven : Connecticut academy of arts and Sciences.
New- York: Academy of Sciences. — Annals, vol. IX, no. 6 — 12; vol. X;
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New -York: American museum of natural liistory.
New- York: State geologist.
Philadelphia: Academy of natural Sciences. — Proceedings, 1897, p. II— III;
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Philadelphia: American philo sophical society. — Proceedings, vol. XXXV,
no. 153; vol. XXXVI, no. 155—156; vol. XXXVII, no. 157. [Aa 283.]
Philadelphia : Wagner free Institute of Science. — Transactions, vol. V.
[Aa 290.]
Philadelphia : Zoological society. — Annual report 26. [Ba 22.]
Pochester: Academy of Science.
Pochester: Geological society of America.
Salem: Essex Institute. — Bulletin, vol. XXVI, no. 7—12; vol. XXVII;
vol. XXVIII, no. 1—6; vol. XXIX, no. 1—6. [Aa 163.]
San Francisco: California academy of Sciences. — Occasional papers,
vol. V. [Aa 112b.]
St. Louis: Academy of Science. — Transactions, vol. VII, no. 17— 20;
vol. VIII, no. 1—7. ■ [Aa 125.]
St. Louis: Missouri botanical garden. — 3. annual report, 1892. [Ca 25/
Topeka: Kansas academy of Science. — Transactions, vol. XV. [Aa 303.
Toronto: Canadian institute. — Proceedings, 5. ser., vol. I, p. 4—6; Supplem.
to vol. V, p. 1. [Aa 222.] — Transactions, vol. V, p. 2. [Aa 222 b.]
Tufts College : Studies, no. V. [Aa 314.]
Washington : Smithsonian institution. — Report of tbe U. St. nat. museum,
1893-95. [Aa 120c.]
Washington : United States geological survey. — XVII. annual report, 1895
bis 1896, p. 1—2. [De 120a.] — Bulletin, no. 87, 127, 130, 135 — 148.
[De 120b.] — Monographs, vol. XXV— XXVIII mit Atlas. [De 120c.]
Washington: Bureau of education.
Washington: Geograph, and geolog. survey of the Rocky mountain region.
2. Süd -Amerika.
(Argentinien, Brasilien, Chile, Costarica.)
Buenos- Aires: Museo nacional. — Communicaciones, tomol, no.l. [Aa 147b.]
Buenos- Aires : Sociedad cientifica Argentina. — Anales, tomo XLIV,
tomo 5 — 6; tomo XLV ; tomo XL VI, entr. 1 — 4; Inhaltsverzeichnis
d. B. 1—40. [Aa 230.]
Cordoba : Academia nacional de ciencias. — Boletin, tomo XV, entr. 4.
[Aa 208 b.]
Montevideo : Museo nacional. — Anales, fase. I— III, VIII — IX. [Aa 326.
Pio de Janeiro: Museo nacional. — Revista, vol. I (= Archivos, vol. IX). [Aa211.
San Jose : Instituto fisico-geografico y del museo nacional de Costa- Rica. —
Informe 1897—98. [Aa 297.]
Säo Paulo: Commissao geographica e geologica de S. Paulo. — Boletim,
1897, no. 10—14. [Aa 305 a.]
La Plata : Museum. — Revista, tomo VIII. [Aa 308.]
Santiago de Chile: Deutscher wissenschaftlicher Verein.
40
III- Asien.
Batavia : K. natuurkundige Vereeniging. — Natuurk. Tijdsclirift voor
Nederlandsch Indie, Deel 57. — Boekwerken, 1897. [Aa 250.]
Calcutta : Geological survey of India. — Records, vol. XXX, no. 4. [Da 11.]
— Memoirs, vol. XXV; XXVI; vol. XXVII, p. 2. [Da 8.] — Palaeon-
tologica Indica, Ser. XV, vol. 1, p. 1, vol. 2, p. 1; Ser. XVI, vol. 1,
p. 1—3. [Da 9.]
Tokio : Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens. —
Supplem.: Ehmann, japan. Sprichwörter, Th. II — IV. [Aa 187.]
IV. Australien.
Melbourne : Mining department of Victoria. — Annual report of the secretary
for mines, 1897. [Da 21.]
B. Durch Geschenke.
Aquila: Zeitschrift für Ornithologie, Jahrg. II — IV. [Bf 68.]
Baden b. Zürich: Ein römischer Militärhospital in Baden bei Zürich.
(Gesch. des Herrn Dr. Gründler.) [G 143.]
Boettger , 0. : Katalog der Reptiliensammlung im Museum der Sencken-
bergischen naturforschenden Gesellschaft in Frankfurt a. M. II. Teil.
(Schlangen). [Bg 28b.]
Brandes , W.\ Verzeichniss der in der Provinz Hannover vorkommenden
Gefässpflanzen. 1897. [Cd 117.]
Calcutta: Pamir boundari commission. — Report on the natural history
results. 1898. [Ab 86.]
Central -Commission, k. k., für Erforschung und Erhaltung der Kunst-
und historischen Denkmale: Normative und Berichte. Wien 1895, 1897.
[G 142.]
Clemen, P.: Die Denkmalpflege in der Rheinprovinz. 1896. [G 141.]
Conklin, E.: The embryology of Crepidula. 1897. [Bm 57.]
Credner , H.\ Die sächsischen Erdbeben während der Jahre 1889 — 97.
Sep. 1898. [De 137 h.]
Dathe, E.\ Bemerkungen zum schlesisch-sudetischen Erdbeben vom 11. Juni
1895. Sep. 1898. [De 196k]
Daubree, A.: Sein Leben und seine Werke. Von Bertrand, 1896. [Jb 77.]
France, P. : Der Organismus der Craspedomonaden. Sep. 1897. [Bm 58.]
Friedrich, 0.: Die geologischen Verhältnisse der Umgebung von Zittau.
Progr. 1898. [De 109 b.]
Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz: Ueber Berg und Thal, 237 — 244.
[Fa 19.]
Geinitz, E.\ Mittheil. a. d. Grossherzogi. Mecklenburgischen geologischen
Landesanstalt. Mergellager in Sandgebieten. Sep. 1898. [De 217 e.]
Grus, G.\ Zäkladove theoreticke astronomie. 1897. [Ea 45.]
Hannover: Provinzial- Museum. — Verzeichniss der vorhandenen Säuge-
thiere und Vögel. [Bf 71 u. 72.]
41
Hauser , 0.: Das Amphitheater Vindonissa. 1898. [G 189.]
Kohaut , R.: Die Libellen Ungarns. 1896. [Bk 242.]
KHz, M.: Ueber die Quartärzeit in Mähren. Sep. 1898. [De 238.]
Kurländer , J. : Erdmagnetische Messungen in Ungarn in den Jahren 1892
bis 1894. [Ec 88.]
Laube, G.: Die geologischen Verhältnisse des Mineralgebietes von Giess-
hübel-Sauerhrunn. [De 140 f.]
Lewicki, E .: Ueber Centrifugalguss. Sep. 1898. [Hb 127.]
Maiden, J.\ Botanic gardens and domains in Sydney. [Cd 118.]
Mindesmaerker fra oltiden. — National müsset, 1. afd. Koppenhagen, 1891
bis 1896. [G 136.]
Nessig , W. R.: Geologische Excursionen in der Umgegend von Dresden.
Progr. II. Teil, 1897. [De 236.]
Osirisblatt : Der Lange. 1. Jahrg. 1861, 1 — 6; 2. Jahrg. 1862, 14; 3. Jahrg.
1863, 16—21 , 24-25; 5. Jahrg. 1866, 27-28. (Gesch. des Herrn
Geh. Rath Prof. Dr, Geinitz.) [Ja 78.]
Raleigh : Elisha Mitchell scientific society. — Journal, vol. XIV. [Aa 300.]
Salonique : Bulletin annuaire de la Station meteorologique pres du Gymnas
pour l’annee 1897. [Ec 89.]
Sars, G.: An account of the Crustacea of Norway, vol. II, p. 9 — 12. [Bl 29 b.]
Schneider, 0.: Die Tierwelt der Nordsee-Insel Borkum. Sep. 1898. [Bk 63.]
Schube, Th.: Die Verbreitung der Gefässpflanzen in Schlesien. [Cd 116.]
Stossich, M.: Saggio di una Fauna elmintologica di Trieste e Provincie
contermini. Sep. 1898. [Bm 54bb.]
Temple , R.\ Thierschutzfreundliche Besprechungen. 1897. [Bb 62.]
Töpler, M. : Geschichtete Entladung in freier Luft. Sep. 1897. [Eb 44c.]
Verein zur Erhaltung der Denkmäler der Provinz Sachsen. Jahresber. 1
bis III, 1894-96. [G 140.]
Voretzsch , M.: Die Stätte des Herzogi. Ernst -Realgymnasiums in Alten-
burg. Sep. [Aa 69.]
Weber , Fr.: Die Hügelgräber auf dem bayrischen Lechfeld. Sep. 1898.
[G 138.]
Weber, Fr.: Zur Frage der keltischen Wohnsitze im jetzigen Deutschland.
Sep. 1897. [G 138a.]
W.ilisch, E.: Zur Vorgeschichte des Oybin. 1897. [G 137.]
C. Durch Kauf.
Abhandlungen der Senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft,
Bd. XXI, Heft 1—2; Bd. XXIV, Heft 1-3. [Aa 9.]
Anzeiger für Schweizer Alterthümer, Jahrg. XXX, Nr. 2 — 4; XXXI, Nr. 1 — 3.
[G 1.]
Anzeiger, zoologischer, Jahrg. XXI, Nr. 549 — 576. [Ba 21.]
Bronn's Klassen und Ordnungen des Thierreichs, Bd. III (Mollusca), Lief.
30—34; Suppl., Lief. 11 — 20; Bd. IV (Vermes), Lief. 56—58; Suppl.,
Lief. 5—13; Bd. V, Abth. 2 (Crustacea), Lief. 47—52; Bd. VI, Abth. 4
(Aves), Lief. 50 — 52; Abth. 5 (Mammalia), Lief. 51 — 53. [Bb 54.]
Hedivigia, Bd. 37. [Ca 2.]
Jahrbuch des Schweizer Alpenclub. Jahrg. 33. [Fa 5.]
Monatsschrift, deutsche botanische, Jahrg. 16. [Ca 22.]
Nachrichten, entomologische, Jahrg. 14. [Bk 235.] (Vom Isis-Lesezirkel.)
42
Natur , Jahrg. 46. [Aa 76.] (Vom Isis-Lesezirkel.)
Falaeontographical society, London, vol. L — LI. [Da 10.]
Prähistorische Blätter , Jahrg. X. [G 112.]
Wochenschrift , naturwissenschaftliche, Bd. XIII. [Aa 311.] (Vom Isis-Lese-
zirkel.)
Zeitschrift für die gesammten Naturwissenschaften, Bd. 70, Nr. 3— -6;
Bd. 71, Nr. 1—3. [Ca 98.]
Zeitschrift für Meteorologie, Bd. 16. [Ec 66J
Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroskopie, Bd. XIV, Heft 3 — 4; Bd. XV,
Heft 1 — 2. [Ee 16.]
Zeitschrift , Oesterreichische botanische, Jahrg. 48. [Ca 8.]
Zeitung , botanische, Jahrg. 56. [Ca 9.]
Abgeschlossen am 31. December 1898.
C. Schiller,
Bibliothekar der „Isis“.
Zu besserer Ausnutzung unserer Bibliothek ist für die Mitglieder der
„Isis“ ein Lesezirkel eingerichtet worden. Gegen einen jährlichen Beitrag
von 3 Mark können eine grosse Anzahl Schriften bei Selbstbeförderung
der Lesemappen zu Hause gelesen werden. Anmeldungen nimmt der Biblio-
thekar entgegen.
Abhandlungen
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1898.
IV. Ueber ein Doppeltrogrefractoineter und Unter-
suchungen mit demselben .an Lösungen von Bromcad-
uiium, Zucker, Di- und Trichloressigsäure sowie deren
Kaliumsalzen.
Yon Wilhelm Hallwachs.
§ 1. Einleitung.
Vor einiger Zeit habe ich eine Differentialmethode mit streifender
Incidenz zur Bestimmung der Unterschiede der Lichtbrechungsverhältnisse
von Lösungen beschrieben*). Diese Methode eignet sich insbesondere für
verdünnte Lösungen und gestattet Brechungsunterschiede bis zu etwa
3X10“4 hinab mit grosser Genauigkeit auszuwerthen, also in einem
Gebiet zu arbeiten, welches sonst nur mit dem Interferentialrefractor zu
erreichen ist. Sie füllt eine Lücke aus, zwischen dem mit letzterem
ohne unbequem grosse Streifenzahlen oder zu dünnen Flüssigkeitsschichten
zu durchmessenden Gebiet und demjenigen, welches mit den gewöhnlichen
Prismen- oder totalrefractometrischen Methoden genügend grosse Ab-
lenkungen ergiebt.
Früher konnte ich die Methode nur durch wenige Versuche stützen.
Inzwischen ist dieselbe von Herrn Tornöe in die technische Bieranalyse
eingeführt worden**). In letzter Zeit habe ich die Müsse gefunden die
Methode weiter zu verfolgen und durch Messungen damit völlig sicher
zu stellen. Früher war 1. c. das Umfüll verfahren angewendet worden,
weil gerade nur zwei geeignete Planplatten zur Verfügung standen. Unter
Anwendung von drei Planplatten lässt sich das Umfüllen vermeiden, indem
statt dessen der Trog von entgegengesetzten Seiten her beobachtet wird.
*) W. Hallwachs, Wied. Ann. 50, 1893, p. 577.
**) W. Hallwaöhs, 68. Naturforschervers. 1896, II, 1, p. 54; H. Tornöe,
Spectrometrisch-aräometrische Bieranalyse mit Hilfe des Differentialprisma’s von Hallwachs.
Zeitschr. für das gesammte Brauwesen (München, Oldenbourg) XX, 1897; E. Prior,
Bayerisches Brauerjournal (Nürnberg, Tümmel) VII, 1897, p. 469; s. a. Pharmaceutische
Centralhalle (Berlin, Springer) 38, 1897, p. 871. Herr Tornöe hat Tafeln berechnet,
welche gestatten, direct aus den mittelst meiner Methode gewonnenen Ablesungen und
dem aräometrisch bestimmten specifischen Grewicht der Biere Alkohol- und Extractgehalt zu
entnehmen. Diese Tafeln sind im Verein mit einem von Herrn Tornöe zum vorliegenden
Zweck möglichst einfach construirten Spectrometer und Doppeltrog von Schmidt & Haensch
für 265 M. zu beziehen.
50
Dieses zweite Verfahren benutzte schon Herr Tornöe, der sich für seine
Zwecke mit einem Trog aus Spiegelglas begnügen konnte. Die grösste
Schärfe der Beobachtungen ergiebt sich, wenn sowohl umgefüllt als auch
hei jeder Füllart von entgegengesetzten Seiten beobachtet wird.
Das Folgende geht einerseits auf die Methode selbst weiter ein, giebt
die Theorie des Umdrehverfalirens, Untersuchungen über den Genauigkeits-
grad, den Temperatureinfluss u. s. w., andererseits sucht es durch geeignete
Wahl der Messobjecte eine Vervollständigung meiner früheren Unter-
suchungen über Lichtbrechung und Dichte zu liefern*). Dieser Gegen-
stand erhielt in letzter Zeit weitere Förderung durch Arbeiten von
Dijken**) in derselben und solche von Leblanc und Rohland***) in
ähnlicher Richtung.
§ 2. Yersuchsanordnung.f)
Die Glasplatten für den Doppeltrog lieferte Steinheil ff). Während
Stirn- und Rückplatte (B. u. C. Fig. 1), welche aus dickerem Glas bestehen
können, so gut waren, dass ihr Keilwinkel unter 0,5" blieb, dem kleinsten
mit meinen Mitteln noch erkennbaren Betrag, hatte die nothwendigerweise
dünnere Scheidewand einen solchen von 4". Durch geeignetes. Ausschneiden
dieser Platte aus dem Ganzen wurde erstrebt, die brechende Kante mög-
lichst horizontal zu stellen, was soweit gelang, dass in einem Horizontal-
schnitt der Keilwinkel nur noch 1,3" betrug (s. p. 61). Das Zusammen-
kitten des Troges, dessen weitere, aus Spiegelglas bestehende Platten
ebenfalls von Steinheil herrührten, besorgte ich selbst und verwendete
dabei theilweise Asphalt, da das früher verwendete Wachs und Colophonium
bei Temperaturänderungen zuweilen abspringt, was Aenderungen der
Trogwinkel veranlasste. Hart gewordener Asphaltlack mit etwas Chloro-
form dickflüssig in der Wärme angerührt, kittete ausserordentlich constant.
Der Winkel / (Fig. 1) . zwischen Stirn- und Rückplatte betrug z. B.
Januar 1898 4' 2", August 1898 wieder 4' 2". Da der Nonius des Spectro-
metersfff) 20" angab und 5" im Allgemeinen zu schätzen gestattete, ist
die Uebereinstimmung beider Werthe zum Theil Zufall.
Um die erforderliche Temperaturconstanz zu erhalten, befand sich
das Spectrometer in einem fensterlosen Zimmer des Sockelgeschosses,
welches, rings von anderen Zimmern umgeben, keine Aussenwand besass.
Die Temperatur hielt sich viel constanter wie in den „Räumen für constante
Temperatur“ im Keller, welche ich früher a. a. 0. benutzte. Ueber Nacht
traten nur Aenderungen von 0,1° ein. Durch Heizen der einen, Lüften
der anderen umliegenden Zimmer und Oetfnen der geeigneten, vom
Beobachtungsraum zu diesen führenden Thüren liess sich die Temperatur
auch während des Arbeitens halten.
*) W. Hallwachs, Gott. Nachr. 1892, Nr. 9; Wied. Ann. 47, 1892, p. 380;
50, 1893, p. 577; 53, 1894, p. 1; 55, 1895, p. 282. |
**) Dijken, De Moleculairrefractie van verdunde Zoutoplossingen. Diss. Groningen
(Hoitsema) 1897; s. ferner Borgesius, Wied. Ann. 54, 1895, p 221.
***) Leblanc und Hohl and, Zeitschr. f. phys. Chem. XIX, 2, 1896, p. 261; s. a.
Leblanc, 1. c. IV, 1889, p. 553.
f) S. a. Wied. Ann. 50, 1893, p. 580 und 581.
ff) Tröge aus prima Glas wird derselbe zu ca. 90 M. incl. Kittung (Asphalt) liefern,
fff) Das Spectrometer hatte mir Herr A. Toepler die Freundlichkeit zu leihen,
wofür ich ihm auch hier meinen besten Dank ausspreche.
51
Eine Nische von 120 cm Höhe ging nach einem der Nebenzimmer
durch eine 60 cm starke Wand hindurch. Vom Beobachtungsraum schloss
dieselbe ein Glasfenster, vom Nebenraum ein Holzladen ab. In der
Nische befand sich oben eine Glühlampe, welche den Beobachtungsraum
erleuchtete, und in der Höhe des Spectrometers die Natriumflamme für
die Versuche. Letztere wurde mit Na Br gespeist, um auch bei sehr
geringen Brechungsdifferenzen die genügende Lichtstärke zu erhalten.
Zur Beinigung des mit Klebwachs auf dem Spectrometer befestigten
Troges dienten wie früher Schlauchpipetten, zum Umrühren kleine Federchen.
Alle zu verwendenden Flüssigkeiten wurden vor der Einfüllung auf die
Temperatur des Beohachtungsraumes gebracht, gewöhnlich dadurch, dass
sie über Nacht darin standen.
Die Temperaturbestimmung der Flüssigkeiten geschah gewöhnlich
mit einem in 1j10, zuweilen mit einem in 1/50 Grad getheilten Thermometer.
Im Allgemeinen lag ein Deckel auf dem Trog. Zwei am Bande des
letzteren aufgehängte Blenden schlossen die eine Troghälfte vorn, die
andere hinten gegen das Licht ab, z. B. im Fall der Fig. 1, bei Beobachtung
von Sj aus die linke Hälfte von B und die rechte von C. Namentlich
bei kleinen Brechungsdifferenzen ist der dadurch erzielte Schutz des
Beobachters gegen Blendung unerlässlich. Bei den Nonienablesungen
lieferte ein Glühlämpchen das Licht.
§ 3. Theorie des Umdreirangs Verfahrens.
Der folgende Paragraph enthält die Herleitung der Beziehung zwischen
den mittelst des „Umdrehungsverfahrens“ (s. nächster Absatz) beobachteten
Winkeln und der Brechungs-
differenz der beiden
Flüssigkeiten unter Berück-
sichtigung der Unvoll-
kommenheit des Paral-
lelismus zwischen Stirn-
und Bückplatte, sowie der
Keilförmigkeit und der
Orientirungsfehler der
Scheidewand. Auch der im
Allgemeinen zu vernach-
lässigende Einfluss von Keil-
förmigkeit der Stirn- und
Bückplatte gelangt zur Be-
sprechung. Die an der
Grundformel
n — nA =
sin2c*
rrr*)'
welche auch hier gilt, anzu-
bringenden Correctionen fallen, wenn auch die Herleitung derselben nicht
ganz kurz abgemacht werden kann, schliesslich doch sehr einfach aus.
;) Wied'. Ann. 50, 1893, p. 577.
52
Beim „Umdrehungsverfahren“ tritt zuerst das Licht von Lt aus
(Fig. 1) in die mit Wasser (bezw. der Flüssigkeit mit n0) gefüllte Zelle D
und dann in die Scheidewand A ein. Der letztere streifende Strahl ist
in der Figur eingezeichnet. Das auf unendlich stehende Fernrohr wird
zuerst auf die in der Richtung S4 auftretende Grenze zwischen hell und
dunkel eingestellt und, nachdem sodann die Lichtquelle nach L4 verbracht
ist, auf die in der Richtung S4 erscheinende Grenze. Statt die Lichtquelle
zu verstellen, dreht man einfacher das ganze Spectrometer auf seinem
Zapfen so herum, dass die Richtung L4 von der Lichtquelle bestrichen
werden kann. Während dessen muss der Trog mit seinem Theilkreis
bezw. seinen Nonien fest verbunden bleiben.
Es ist aufzusuchen die Beziehung des gemessenen 2$. S4 S4 zu den
Winkeln a± und welche diese Richtungen mit den Normalen Nß und Nc
der Rück- und Stirnplatte machen, und der Zusammenhang von a± und cq
mit dem Brechungsunterschied n — n0 der in E und D befindlichen
Flüssigkeiten.
Es mögen bezeichnen (vergl. Fig. 1):
y den sehr kleinen Winkel zwischen den möglichst parallel auf-
zukittenden Platten B und C; er ist positiv gerechnet, wenn seine
Spitze nach der Zelle mit dem grösseren Brechungsexponent n
hin liegt (wie in der Figur gezeichnet), anderenfalls ist er negativ;
d den Keil winkel der Scheidewand A; für denselben berücksichtigt
die folgende Rechnung Werthe von 1 — 5". Feinste Planplatten
haben zwar geringere Winkel, aber nur bei genügender Dicke,
die für die Scheidewand des Temperaturausgleichs halber nicht
anwendbar ist;
sv e2, f3, s4 den Ueberschuss der Winkel, welchen die Scheidewand
mit der Stirn- und Rückplatte bildet, über 90°;
N den Brechungsexponent der Scheidewand;
n, n0 den höheren bezw. den tieferen der Brechungsexponenten der
beiden Flüssigkeiten; in unserem Falle bezieht sich n0 auf Wasser;
eq und die Winkel, welche die Grenzstrahlen S4 und S4 mit der
Normale Nc bezw. NB bilden;
N' die Abkürzung für yN2 — nj;
cp den 2$. S4 S4.
Dann ist, wie früher hergeleitet*)
1) sin = (l — |) 'Sjv? — (n0 — N' S) 2 + s± (n0 — N' &).
Mittelst entsprechender Herleitung würde sich finden:
2) sin «4 = (l y n2-K + N' + *4 (n0 + N' <f).
Aus der Figur folgt:
3) st + €4 + y == 0, sowie s2 + s5 — y =? 0,
letzteres wird später gebraucht.
Indem wir die Summe der Gleichungen 1) und 2) bilden, vernach-
lässigen wir erstens das unter der Wurzel auftretende Glied von der
:) Formel 7 a in Wied. Ann. 50, 1893, p. 582.
53
Ordnung d2, ferner das Glied N'd (s4 — sj, welche bei einem d von selbst
5" und Werthen s von selbst 10' zusammen nur einen Fehler liefern, der
höchstens 3,6X10~6 des Ganzen beträgt, nämlich dann, wenn die
geringsten zu messenden n — n0 (etwa 0, 00027) vorliegen. Ebenso sind
und X gegen die 1 zu vernachlässigen, wodurch sich, für den Extrem-
2
fall, dass die e auf 10' ansteigen, n — n0 erst um 8 Milliontel seines
Werthes ändert. Die Erreichung einer solchen Genauigkeit würde ver-
langen, dass die Winkel auf 0,i", die Temperaturdifferenzen der Trog-
hälften auf 0,0015° bekannt wären und zwar für mittlere Wertlie von
n — n0 z. B. 0,02. Für grössere n — n0 würde proportional damit die
Genauigkeit der Winkelmessungen steigen müssen, die der Temperatur-
bestimmung fallen dürfen.
Mit diesen Vernachlässigungen erhalten wir durch Addition von 1)
und 2) unter Berücksichtigung von 3) :
no
2 n0 d N'.
sin a± + sin -ff n0 y = n2 — nj -ff 2 n0 d N' -ff ^ ri
Nach Einführung der halben Summe und Differenz der Winkel und
Quadriren ergiebt sich, wenn noch zur Abkürzung
c*i +
2 — a
gesetzt, und das Glied
vernachlässigt wird:
4) 4 sin 2cc cos 2£ -ff 4 n0 y sin a cos £
a ,
2
= {
no (€i + 2 = Ho y2
“»(“-«[i+V'-cSS]-
Hierin kann cos £ im zweiten Glied gleich 1 gesetzt werden; ebenso
cos 2£ des ersten Gliedes, denn nach Subtraction von 1) und 2) erhält man:
t = «0 (®i + I) + no N' X
5)
sin cc
um welchen cos2£ von der Einheit
2'; Z-jil'; <) < 1,5") Wertlie
2
Danach nimmt £2, der Betrag
abweicht, z. B. hei einem guten Trog (^<1
zwischen 0,08XlO-5 und 0,2 X 10-5, bei einem schlechten Trog (^ = 10';
y — 5'; d = 5") Werthe von 2,5 bis 3,sX10~5 an. Der durch die Ver-
nachlässigung bewirkte Fehler ist an sich schon sehr klein, wird aber
überdies zum Theil noch durch die oben vorgenommene Vernachlässigung der
£2
Grössen compensirt.
Auf der rechten Seite der Gleichung 4) entsteht aus der Klammer
nach dem Ausziehen der Wurzel der Ausdruck
2
r n2d2N'H
L (n2 — nl)2J
(n — h|)
Bei einer schlechten Scheidewand, d = 5", bewirkt die Vernachlässigung
des Correctionsgliedes in dieser Klammer absolut genommen im Maximum,
nämlich bei den verdünntesten der messbaren Lösungen, nur eine Aenderung
54
um 4 — 5 Einheiten der siebenten Decimale des Brechungsverhältnisses,
bei einer guten Scheidewand, d = 1,5", eine solche von 2 — 3 Einheiten
der achten Decimale, so dass diese Vernachlässigung ebenfalls vorzu-
nehmen ist.
Nach Einführung der erwähnten Vereinfachungen erhalten wdr dann:
6a)
sin 2 a
r \~
n + n0
n + n0
y sin a.
Diese Formel setzt voraus, dass sich die Flüssigkeit mit dem
grösseren Brechungsexponent n in der Troghälfte befindet, welche nach
der Spitze des Winkels y zu
liegt (Fig. 2). Ist umgekehrt
derartig eingefüllt, dass n nach
der Oeffnung von y liegt, so
tritt eine Ablenkung a ' ein
(Fig. 3), und fx in der Formel 6a)
erhält, da y sein Zeichen
wechselt, ebenfalls entgegen-
gesetztes Zeichen. Es ergiebt
sich also:
6 b)
n — n.
sm -1 a
n + n0
[X.
Die Beobachtung liefert nun
nicht direct a und a\ sondern
den von Sx und S4 ein-
geschlossenen 2$. <p, bezw. nach Umfüllung einen 2$. <p Für diese
Winkel hat man (Fig. 1, 2 und 3):
ftyJ.
T\
7 a) 2 a — 180 — cp — y
7b) 2 2= 180 — y'+y.
Da hiernach die beob-
achteten Winkel doch eine
Correction erfordern, ist
es bequemer auch die in 6)
vorkommende Correction
[x statt am Resultat am
abgelesenen Winkel anzu-
bringen. Diese Correction
des Winkels heisse Ja
bezw. Ja',, dann ist
nach 6)
8)
A f N 2 sin a cos a .
A (n — n0) = — Aa.
55
Es soll nun
A (n — n0) = db u = d=
n,
y sm m
0 1 n + n0
gemacht werden, wo sich das obere Vorzeichen auf Fall a (Fig. 2), das
untere auf b (Fig. 3) bezieht. Dann findet sich:
-Y- 1 — ; AK>= n0y
2 cos a *
Au = -f-
2 COS M
Nennen wir den wegen corrigirten Winkelf mcott, so ist
180
9)
| ^corr d-
)^corr = ^ + J^-180“^
— jp , y_
2 ^ 2
(sfH
(ä-1)'
2 K \COS M
Für kleine Werthe von m nimmt die Correction den einfachen Werth
— 1 . y
— y, speciell falls n0 sich auf Wasser bezieht dt -- an, so dass in
2 : 0
letzterem, häufigsten Fall
180 — (p
(%corr
2
y .
6 ’
180 — cp '
2~
ist. Mcorr und m' corr würden bei absolut richtiger Beobachtung einander
gleich sein, ihr Unterschied liefert daher ein Urtheil über die Genauigkeit
der Beobachtungen; y lässt sich natürlich mit grosser Genauigkeit direct
bestimmen.
Unter Einführung von Mcorr erhalten wir als Schlussformel
10) sin^corr
^corr
180 — cp _J_ y
I 2 iS 2
wo cp der beobachtete Winkel, y der Trogwinkel ist (s. pag. 52),
und das obere Vorzeichen gilt, falls die Flüssigkeit mit n nach
der Spitze, das untere, falls sie nach der Oeffnung des 2$. y hin
liegt (Fig. 2 und 3).
Genauigkeit der Formel. Die weitere Ueberrechnung der Fehler
zeigt, dass sämmtliche eingeführten Vernachlässigungen im Zusammen-
wirken das Resultat n— n0 nur um 1 — -2 Milliontel seines Werthes bei
sehr guten Trögen (s = 2'; y = 2'; d = 1,5"), um 1 bis 2X10-5 bei schlech-
teren Trögen (e = 10' ; y — 5'; d = 5"-) beeinflussen. Zur Erzielung letzterer
Genauigkeit müssten indess die Winkel auf einige Zehntelsecunden scharf
beobachtet sein, was sich natürlich nicht erreichen lässt. Die einfache
Schlussfor m el 1 0) berü ck sich tigt da her alle Co rrectionen, welche
erforderlich sind, um keine den Beobachtungsfehlern gegenüber
in Betracht kommenden Fehler in n — ;n0 zu veranlassen.
Wird für die nämlichen Flüssigkeiten auf beide Weisen, a und b,
beobachtet, so liefert 6a) und 6b), da sich pi weghebt:
sin2& 4- sin2ß:'
n — n0 = jr-7 — r v —
2 (n + n0)
56
Berechnen wir abkürzend:
2 « = «-|-«'
(180 — <p) + (180 — ($')
2
2 7] — «— «'
(pf — (f — 2 y
~~ 2 ’
so ergiebt sieb durch Vereinigen der beiden Sinus, wenn der im Laufe der
Rechnung bei sin2« auftretende Factor
setzt wird:
in
sm
n -f- n0
Die soeben eingeführte Vernachlässigung ist zulässig, wie nach Aus-
rechnung von sin2«' — sin2« aus 6a) und 6b), welches
= _ 2
^ 3 cos«
liefert, leicht erhellt.
Einfluss der Keilförmigkeit von Stirn- und Rückplatte.
Dieser Einfluss kann bei nicht zu starker Abweichung vom Planparallelismus
immer vernachlässigt werden Hat nämlich die Platte, durch welche der
Strahl austritt, den Keilwinkel fl', so wird die beobachtete Ablenkung «
unrichtig um
& = ± V Vn2 + tgV (N2— 1).
Die Wurzel durchläuft von « = 0 bis « = 45° die Werthe von 1,5
bis 1,9, so dass also die beobachteten Winkel um 1,5 bis 1,9 X fl' zu gross,
bezw. bei umgekehrter Lage des Keils zu klein ausfallen.
«) Bei der Umfüllmethode fällt, falls nur die Flächen der Platten
eben sind, der Fehler ganz heraus, weil nach Vertauschung der Flüssig-
keiten der entgegengesetzt gleiche Fehler eintritt.
ß) Bei dem Umdrehverfahren fällt unter derselben Voraussetzung der
Fehler heraus, wenn noch Stirn- und Rückplatte denselben Keilwinkel
haben und entgegengesetzt liegen. Sind im letzteren Fall die Keilwinkel
verschieden (fl' und fl"), so ist der Fehler 1,5 bis 1,9 (fl' — fl") und liegen
selbst die Kanten nach derselben Seite, so wird der Fehler immer erst
1,5 bis 1,9 (fl'-f- fl"). Da bei meinen Platten die fl weniger als 0,5" betragen,
betrüge der Fehler nur 1,5" in diesem ungünstigsten Fall.
Bei schlechteren Platten wird man die Ablenkung eines geeigneten
Objectes (Spalt) beobachten, welche bei Zwischenschaltung des leeren
Troges entsteht, sie giebt den Fehler bei ß) für kleine 2$. a direct an, für
grössere wäre sie mit den angegebenen Factoren zu berechnen, z. B. für
1 9
« == 45° mit — 1,27; für 30° mit 1,09; für 15° mit 1,02 zu multipliciren.
1,5
§ 4. Genauigkeit der Methode.
Zur Beurtheilung der Genauigkeit der Methode diente eine Reihe von
Bestimmungen mit verdünnten wässrigen Lösungen gegen Wasser, bei
welchen alle vier Einstellungen S4, S2, S3, S4 zur Aufnahme gelangten.
Indem dann z. B. an S4 S4 und S2 S3 die Correctionen des vorigen Paragraphen
57
(s. Gleichung 9) angebracht wurden, ergab der Grad der Uebereinstimmung
der beiden daraus erhaltenen Wertbe aco rr und a'corr einen Massstab für
die Genauigkeit.
Der zur Correction erforderliche Winkel y findet sich aus directer
Messung mittelst gespiegeltem Fadenkreuz mit genügender Genauigkeit.
Während beim Umdrehverfahren die Correction die Ordnung y sin a hat,
hat sie beim Umfüllverfahren die Ordnung (ohne den Factor sin a).
Die directe Bestimmung des nur nach wenig Secunden zählenden Winkels S
reicht deshalb, aussergewöhnlich feine Hilfsmittel ausgenommen, hier nicht
aus. Man benutzt deshalb das Verfahren selbst zur Ermittelung von d,
wobei sich unter Anwendung geeigneter, mittlerer Werthe von n — n0 leicht
d in 50facher Vergrösserung einer scharfen Messung darbietet, so dass
die Methode zur Bestimmung des Keilwinkels von Planplatten sehr
gut ist.
Die in der folgenden Tabelle mitgetheilten Messungen wurden mit
verdünnten Tri- und Dichloressigsäurelösungen gegen Wasser ausgeführt,
sie finden später weitere Verwendung. Die beiden ersten Spalten ent-
halten die beobachteten Werthe
180 — (f
"2
und
180
<P
2
, die dritte Spalte
die nach 9) anzubringende Correction. Der darin vorkommende Winkel y
betrug 4' 2" (s. § 2) ; für a in der Correction dient natürlich der un-
corrigirte Werth davon. Spalte 4 und 5 enthalten die mittelst Spalte 3
erhaltenen Werthe ccC0 rr, die sechste Spalte giebt die Differenzen der jeweils
zusammengehörigen gj, iri der letzten Spalte finden sich die zugehörigen
Werthe n — n0. Die Sicherheit der Einstellung auf die Grenze wächst mit
Vergrösserung von n— n0.
Tabelle I.
180 -cp
2
180 — cp'
2
Z(-n» _i)
2 \cos a J
ttcorr
a'corr
Ja =
^(«corr— w'corr)
n — n0
1° 43' 3,5"
1° 44' 27"
40,4"
1° 13' 43,9"
1° 43' 46,e"
-1,4"
0,0003414
2° 25' 21"
2° 26' 48,5"
40,4"
2° 26' 1,4"
2° 26' 8,1"
— 3,4"
6768
3° 25' 47,5"
3° 26' 52,3"
40,7"
3° 26' 28,2"
3° 26' 11,6"
+ 8,0"
13487
4° 49' 44 8"
4° 51' 2,2"
41, 0"
4° 50' 25,s"
4° 50' 21,2"
+ 2,3"
2667
6° 49' 38,5"
6° 50' 53,2"
41,5"
6° 50' 20,o"
6° 50' 11,7"
+ 4,2"
5306
9° 37' 55,o"
9° 39' 0,6"
42,6"
9° 38' 37,e"
9° 38' 18, 0"
+ 9,8"
10478
13° 36' 48, 0"
13° 36' 13,e"
44,s"
13° 35' 32,8"
13° 35' 28,s"
+ 2,0"
0,020553
1° 32' 40,9"
1° 34' 2,3"
40,4"
1° 33' 21,3"
1° 33' 21,9"
—0,3"
0,0002765
2° 9' 20,s"
2° 10' 39 6"
40,4"
2° 10' 1,2"
2° 9' 59,2"
+1,0"
5359
3° 0' 52,ö"
3° 2' 14,5"
40,6"
3° 1' 33,i"
3° 1' 33,9"
— 0,4"
10446
5° 51' 38, 0"
5° 52' 49,5"
41,2"
5° 52' 19,2"
5° 52' 8,3"
+5,4"
0,003918
Man wird bei Messungen nach dieser Methode gewöhnlich nur eine
der beiden Bestimmungen, a oder vornehmen. Die Abweichung eines
dieser Werthe von ihrem Mittel giebt also ein Mass des für gewöhnlich
zu erwartenden Fehlers, sie ist gleich
ac — ac'
~~2~
welcher Werth jetzt unter
58
Aa verstanden wird,
in (n— n0):
12)
Wir haben dann für den Aa entsprechenden Fehler
A , \ sin 2a . .
A (n — nft) = — : Aa und
n + n0
A (n — n0) 2 Aa
n — n0 ~ tga
Damit ergieht sich aus der obigen Tabelle, dass A (n — n0) im Durch-
schnitt 1,46X10-6 beträgt, dass also der Brechungsexponent relativ zu
Wasser bis auf etwa IX 10-6 seines Werthes gefunden wird. Diese
Genauigkeit reicht nahe an diejenige heran, welche bei den schärfsten
Dichtebestimmungen von Lösungen erreicht wurde*), ausserdem überstreicht
die Methode ein Intervall der n — n0, welches einerseits in das Gebiet
des Interferentialrefractors, andererseits in das der gewöhnlichen Prismen-
und totalreflectometrischen Methoden eingreift.
Was andererseits die relative Genauigkeit betrifft, so beträgt dieselbe im
Durchschnitt etwa 4X10-4. Zur quantitativen Beurtheilung der Werthe Aa
der Tabelle I möge die Bemerkung dienen, dass in jedes Aa sechs Spec-
trometereinstellungen eingehen: je zwei für <p, cp' und y. Da die directe
Messung 180 — (p und 180 — cp\ d. h. 2 a und 2 a' giebt, während Aa
2
ist, würden also, falls sich die einzelnen Einstellungsfehler im Zusammen-
wirken addiren, Aa ein Viertel von vier Einstellungsfehlern haben, oder
der Fehler von Aa würde etwa dem einer Einstellung gleich kommen.
Daran fügt sich dann noch der durch y bewirkte Fehler, der aber sehr
klein ist, da y nur mit etwa seinem sechsten Theil auf das Resultat wirkt.
Nun gab der Nonius des Spectrometers direct 20", im Allgemeinen
waren 5" zu schätzen, aber ein Ablesefehler von 10" ist wohl auch
öfters unterlaufen, besonders auch weil an manchen Stellen der Theilung
die letzte Schätzung von der Beleuchtungsweise der Theilung nicht ganz
unabhängig war. Die Winkelwerthe gingen gewöhnlich aus 2 — 3, bei der
zweiten und achten Bestimmung der obigen Tabelle aus 5 Einzeleinstellungen
hervor. Nimmt man dies hinzu, so ergiebt sich, dass die Werthe von
Aa etwa bis zu 5" hin durch die Ablesefehler des Spectrometers erklärt
werden könnten.
Hierzu kommen nun noch die Fehler beim Einstellen auf die Grenze
und die Temperaturfehler, über letztere s. § 5. Berücksichtigt man dies,
so erklären sich die Werthe Aa der Tabelle nicht nur, sondern die Fehler
bei kleinen Werthen von An erweisen sich als geringer wie wegen der
ungenaueren Einstellung auf die Grenze bei verdünnteren Lösungen
erwartet werden kann. Bei An unterhalb 0,003 würde ein feineres Spec-
trometer zwecklos sein, bei den concentrirteren Lösungen, bei denen die
Grenzeinstellung äusserst scharf ist, würde dadurch an Genauigkeit noch
gewonnen werden können. Der verhältnissmässig grosse Werth von Aa
in der sechsten Reihe der Tabelle beruht wohl auf einer kleinen Unschärfe
der Theilstriche; im Beobachtungsjournal ist ,, Ablesungsschwierigkeit des
Nonius“ notirt, der verhältnissmässig grosse Werth von a aber erst bei
der leider nur sehr viel später möglichen Ausrechnung bemerkt worden,
s) F. Kohlrausch u. W. Hallwachs, Wied. Ann. 53, 1894, p. 14.
59
als eine Wiederholung der Beobachtung nicht mehr möglich und auch
für die anderen Zwecke der Beobachtungen (s. § 8) nicht erforderlich war.
Als Beleg für die Genauigkeit der Einzelbeobachtungen mögen zunächst
die Einzelwerthe der Versuchsreihe, welche der ersten Beobachtung der
Tabelle (in = 3,4XlO~4) entspricht, mitgetheilt werden, aus welchen
zugleich der Gang der Beobachtungen ersichtlich ist.
Tabelle II.
1h2 o
t Lösung
Stellung
Nr. der
Ablesung
Nonius I
Nonius II
12,25°
12,25°
s2
1
85°49'10"
265° 48' 30'
2
49' 8"
48' 30'
S8
1
262°19'55"
82° 20' 27'
2
20' 10"
20' 45'
s2
1
85°49'25"
265°48'37'
2
49' 22"
48' 35'
12,69°
12,71°
Umgefüllt
12,22°
12,20°
S,
1
82° 24' 5"
'262° 23' 25'
2
23' 45"
23' 5'
s4
1
265° 49' 10"
85° 49' 38'
2
49' 20"
49' 48'
s.
1
82°23'45"
262° 22' 55'
2
23' 52"
23' 5'
12,51° 12,54°
Daraus würde sich ein mittlerer Einstellungsfehler von etwa 9" er-
gehen. Ueber die Berücksichtigung der Temperatur siehe § 5.
Als zweites Beispiel diene die letzte Beobachtung von Tabelle I, wo
An etwa den zehnfachen Werth wie im vorigen Falle hat, und die Ein-
stellungen wegen der grösseren Lichtstärke viel schneller von statten gehen
und wohl auch genauer sind. Die zusammengehörigen Paare von Minuten
und Secunden anzugeben ist ausreichend. Man erhält:
19' 55"
19' 10"
83' 35"
34' 10"
35' 40"
35' 10"
18' 28"
19' 0"
6' 5"
6' 30"
49' 52" 49' 5"
00
5"
30"
5"
40"
10"
25"
18' 50"
5"
40"
ö
o
Je 4 Zahlen entsprechen derselben Trogstellung, der Verticalstrich
dazwischen trennt die Werthe der beiden Nonien. Hier bleibt der mittlere
Fehler einer Einstellung etwas unter 4". Genauere Abschätzung als auf
5", wie sie in den vorigen Angaben enthalten sind, haben nur unter-
geordneten Werth, da der Nonius direct 20" liefert.
Es ist erforderlich, für sehr helles Licht, namentlich bei den ver-
dünntesten Lösungen, Sorge zu tragen, auch gelingt es erst nach einiger
Uebung, die Einstellungen bis zu der aus den angegebenen Zahlen ersicht-
lichen Schärfe zu treiben. Bei den Vorversuchen waren die drei ersten
Lösungen der Tabelle I zur Einübung schon einmal bestimmt worden.
Dabei unterschieden sich die Einzel ablesungen erheblich mehr. Es wird
60
indess zum Urtheil darüber, wie weit ein ungeübter Beobachter kommt,
dienen, wenn die damals erhaltenen Werthe hier aufgeführt werden.
Vorversuche
1° 44' 0"
2° 25' 54"
3° 26' 25"
Hauptversuche
1° 43' 45"
2° 26' 5"
3° 26' 20"
Man sieht, dass es bereits zu Anfang, um den ungünstigsten Fall zu
nehmen, kleine n — n0, z. B. 3,4 X 10-4 so genau zu messen möglich war,
dass die Differenz von dem schliesslich erhaltenen Werth nur x/2 °/0 beträgt.
Es möge noch darauf hingewiesen werden, dass es besser ist, mit
breitem als mit schmalem Licht zu arbeiten. Eine geeignete Drehung
des ganzen Spectrometers bewirkt nämlich, dass sich das Licht auf einen
beliebig schmalen Streif zusammenzieht, der auf der einen Seite von der
Einstellungsgrenze und dem anschliessenden dunkeln Gebiet, auf der andern
Seite von einem durch Abblendung verdunkelten Gebiet begrenzt wird.
Das mit der Einstellungsgrenze endigende dunkle Gebiet erscheint dann
zwar schwärzer, aber die Grenze ist, da auch der beleuchtete Theil dunkler
ist, weniger scharf, wodurch die Einstellung unsichrer wird. Bei möglichst
ausgebreitetem und hellem Licht diesseits der Grenze scheint zwar Anfangs
infolge von Blendung die Grenze matter, indess ist sie schärfer und ge-
stattet bessere Einstellung.
Die Bestimmung von d, auf welche zu Anfang dieses Paragraphen ver-
wiesen wurde, möge jetzt erläutert werden. Gleichung 9) der früheren
Arbeit*) giebt:
n — n.
+ v,
wo
v = — d [l
n+n0
(n — Dc)] (N'— f sin a).
a bedeutet hier den halben Winkel, welchen Sj und S2 der Fig. 1
dieser hier vorliegenden Arbeit einschliessen. Analog würde man für den
halben Winkel zwischen S3 und S4, der mit «' bezeichnet werden möge,
erhalten
sin2«'
n — n,
n + n0
Durch Subtraction beider Gleichungen findet sich durch eine einfache
Rechnung
sin (« + «')
V~~ ^ “ 2(n + n0) ’
oder wenn man den vorher angeführten Werth von v einsetzt:
13) * «' — a sin («+«')
(n + n0) (l — f- (n— d0)) (N'— ~ sin a)
Fällt d positiv aus, so liegt die Spitze des Keilwinkels nach derjenigen
Platte zu, aus welcher die den 2j.cd bildenden Strahlen S3 und S4 aus-
*) Wied. Ann. 50, 1893, p. 583.
61
treten (in Fig. Platte B), fällt 4 negativ aus, so liegt sie nach der andern
Platte zu.
Die Formel zeigt, dass a' — a für stärkere Lösungen sehr klein wird,
so dass die Ablesefehler erheblichen Einfluss gewinnen, für schwächere
Lösungen sind zwar die Werthe af — a grösser, aber die Einstellungsfehler
auf die Grenze ebenfalls. Zur Bestimmung von d eignen sich daher
mittlere Lösungen am besten, etwa solche, welche 3/2 Minute für a' — a
geben. Dem entsprechend findet sich aus der dritten, vierten und zweit-
letzten Bestimmung von Tabelle I (für die letzte Lösung wurden cp und (p '
nicht unmittelbar hintereinander bestimmt, inzwischen war der Trog weg-
genommen gewesen, so dass a und a' nicht zu ermitteln sind), für d die
Werthe 1,34", 1,35" und 1,24", im Mittel l,3l", bei der Verwerthung aller
Bestimmungen der Tabelle I findet sich 1,4" für den Mittelwerth.
Benutzt man diese Werthe von d zur Berechnung der Correction v,
so finden sich die Abweichungen der berechneten Werthe
von den
beobachteten für die Bestimmungen unter Tabelle I (ohne die letzte Lösung)
nach der dortigen Beihenfolge zu:
10,5"; —11,8"; +0,5"; +l,i"; +1,6
0,8"; +2,3"; — 0,8"; —3,5"; +3,o'
woraus der Genauigkeitsgrad von Neuem entnommen werden kann und
eher noch etwas höher wie früher bewerthet würde.
§ 5. Temperatureinflüsse.
Zweierlei Temperaturcorrectionen sind zu erörtern, erstens die durch
Unterschiede der Temperatur in den beiden Troghälften, zweitens die durch
Aenderung der Gesammttemperatur veranlassten. Die ersteren bleiben
meist sehr klein, um sie richtig zu messen, müsste eine thermoelektrische
Temperaturmessung eingerichtet werden. Von der Erstrebung der damit
zu erreichenden Vergrösserung der Genauigkeit konnte ich in den meisten
Fällen bei meinen Versuchen abstehen. Ist ß der Temperaturcoefficient
des Brechungsexponenten n0 (z. B. für Wasser bei 12,5°, meine Beobachtungs-
temperatur, gleich — 6 X 10-5) und t — 10 die Temperaturdifferenz der
beiden Troghälften, so würde sich n0 bei der Verbringung der Flüssigkeit
mit n0 auf die Temperatur t vermehren um dn0:
Jn0=/S (t— 10).
Die damit verknüpfte Aenderung von a wäre (siehe auch p. 58 Formel 12):
14)
Aa — —
3 Dp ß
sin 2 a
(t— 10).
Für jedes 0,oi°, um welches die Temperatur von Flüssigkeit n0 tiefer
ist, wie die von n, ist daher a um einen Betrag Aa0,0 1 zu vermehren,
bezw. bei höherer Temperatur zu vermindern, der sich für unser Temperatur-
intervall aus folgender Tabelle für verschiedene Werthe von a ergiebt:
a= 1.5° 3 6 12 24
Aot 0,01=6,3" 3,1 1,6 0,8 0,46.
Bei meinen Beobachtungen heben sich diese Correctionen im Mittel-
werth von a fast überall bis auf sehr kleine Beträge heraus. Bei den
62
verdünnteren Lösungen wurden sie indess angebracht, insbesondere für
die Bildung der im vorigen Paragraph zur Beurtheilung der Genauigkeit
angegebenen Werthe
Die Correctionen sind an jeder einzelnen Ein-
stellung S nicht erst an den daraus resultirenden Winkeln (ß1 S2; 180 — Sj S4
u. s. w.) anzubringen, wobei etwas Vorsicht wegen des Vorzeichens noth-
wendig, zu berücksichtigen ist, dass die a die 2$. der S mit den Platten-
normalen bedeuten.
Die Abnahme der Brechungsdifferenz mit steigender Gesammttemperatur
wurde für die untersuchten Substanzen beobachtet. Aus Gleichung 6 a)
und 7a) ergiebt sich:
15) _ __ 1 d (n— n0) 1 ä cp
n — n0 dt tg a d t ’
wo y, die Bezeichnung für den Temperaturcoefficienten ist, und worin statt
( p natürlich auch cp' genommen werden kann.
Die Bestimmung ist einfach auszuführen, indem man den mit Deckel
versehenen Trog, nach Vornahme einer Messung nach dem Umdreh-
verfahren in einem Raum von tieferer Temperatur, in ein Zimmer von
höherer Temperatur verbringt und, sobald er letztere angenommen, eine
neue Bestimmung macht.
Auf diese Weise ergab sich (n0 bezieht sich immer auf Wasser) für
*
Trichloressigsäure, t; = 8, zwischen
„ . ? v = 2, „
Dichloressigsäure , v = 0,2,
,, , v - — 1,0,
Zucker, v = 2,56,
Bromcadmium, v = 0,52,
12,4 und 17,6° (Jy = 3'17") 2,18 -IO-3
12,6 „ 17,6° {Acp = 6' 3") 2,08 • 10-3
bei 12,5° 2,69 -IO-3
„ 12,5° 3,03 -10-3
„ 17,8° 0,95 • 10-3
„ 18,6° 1,30 -IO”3.
Alle Beobachtungen an den verschiedenen Lösungen eines Körpers
sind mit diesen Temperaturcoefficienten auf dieselbe Temperatur reducirt
worden. Dabei fanden die Correctionen wieder direct an den beobachteten
Winkeln statt, welche um
A(f = 7t (t - tN),
wo t die Beobachtungs-, tN die Normaltemperatur, vergrössert wurden.
Während der Ausführung der verschiedenen Einstellungen an einer
Lösung geht die Gesammttemperatur langsam etwas in die Höhe, etwa
0,2 — 0,3°, wodurch die Einstellungen, wie sich aus den vorstehend
gegebenen Temperaturcoefficienten findet, Aenderungen von einigen
Secunden, bei den concentrirtesten Lösungen etwas mehr (bis 12" im
Maximum) erleidet. In den meisten Fällen ist durch die Anordnung der
Beobachtungen schon für die Elimination dieses Temperatureinflusses
gesorgt, indem z. B. erst S4 dann S4, dann nochmals S1 ermittelt wurde.
Durch Anbringung der Temperaturcorrection an den einzelnen Beobachtungen
ergab sich eine Controle, welche fast immer zeigte, dass die angegebene
Anordnung genügte.
Im Uebrigen wurden nicht nur die an einem Flüssigkeitspaar gewonnenen
tp und (p\ sondern wie erwähnt sämmtliche der nämlichen Substanz zu-
gehörigen Messungen auf eine gemeinsame Mitteltemperatur reducirt.
Vielleicht liesse sich die Genauigkeit durch Anwendung eines Bades
noch etwas vergrössern.
/
63
§ 6. lieber die Abhängigkeit des Brechungsvermögens von Lösungen
von der Concentration.
In einigen früheren Arbeiten habe ich mich mit der Abhängigkeit
der Lichtgeschwindigkeit in verdünnten, wässerigen Lösungen von deren
Concentration beschäftigt. Es zeigte sich, dass die molecularen Brechungs-
differenzen vAn, wo v die Verdünnung der Lösung, An die Brechungs-
exponentdifferenz bedeutet, auch bis in sehr grosse Verdünnungen hinein
noch in vielen Fällen stark ansteigen*).
Da die grössere oder geringere Stärke dieses Anstieges im Allgemeinen
mit der Dissociation der Lösungen parallel lief (1. c. p. 394), lag es nahe,
diese für die Erklärung heranzuziehen. Indess war auch der Verlauf des
Molecularvolumens mit der Verdünnung zu beachten, welcher zunächst
für so verdünnte Lösungen noch nicht hatte beobachtet werden können.
Nachdem er bekannt geworden war**), ergab sich das Resultat***): „der
Gang in den Werthen“ von vAn ist „durch den Gang des sogenannten
Molecularvolumens bedingt: die Dichtigkeit ist es im Wesentlichen, auf
die sich constitutive Einflüsse (Dissociation) geltend machen, das Brechungs-
vermögen wird von ihnen nur sehr wenig berührt.“ Letzteres behielt
nämlich noch einen Rest von Zunahme, der indess sehr klein war, etwa
l°/0 bei Anwendung der R'- Formel. Es fragte sich, ob dieser Rest noch
weiter erklärbar sein würde. Es konnte die mit der Verdünnung
fortschreitende Dissociation einen Einfluss haben, aber es konnten auch
andere Umstände einwirken, denn es ergaben z. B. auch Lösungen von
Körpern, die sich nicht dissociiren, wie z. B. von Zucker, einen Anstieg,
auch ist das Brechungsvermögen von Mischungen nicht aufeinander
reagirender Flüssigkeiten aus dem Brechungsvermögen der Componenten
nur annäherungsweise zu berechnen u. A. m. Es hat sich eben bei allen
einschlägigen Untersuchungen gezeigt, dass das Brechungsvermögen, nach
welcher der dafür aufgestellten Formeln es auch berechnet werden mag,
zwar die Aenderungen der chemischen Natur wiederspiegelt, aber doch
nur als annäherndes Mass dafür betrachtet werden kann, da es eine nur
annäherungsweise nicht vollständig von anderen Einflüssen befreite Grösse
istf). Jene nur auf etwa l°/0 bei den R', 2°/0 bei den R-Werthen
anwachsenden Reste des Anstieges vom Brechungsvermögen Hessen nun
irgend einen Schluss darauf, ob einer der erwähnten Ursachen in hervor-
ragender Weise der Anstieg zuzuschreiben sei, nicht zu, somit war das
Resultat jener Versuche, dass der Anstieg mit der Verdünnung „nahezu
durch die Dichteänderungen erklärt“ werde, dass die letzteren die oben
genannten Constitutionsänderungen“, des Dissociationsgrades, „wieder-
spiegeln, während das Brechungsvermögen von ihnen einen Einfluss von
sicher deutbarer Grösse nicht erleidet ff).“
Dabei blieben es offene Fragen, ob die Dissociation vielleicht doch
einen directen Einfluss hätte, der aber quantitativ zu gering wäre, um in
den beobachteten Fällen erkennbar zu sein und wenn dies der Fall war,
*) W. Hallwachs, Gott. Nachr. 1892, Nr. 9; Wied. Ann. 47, 1892, p. 391.
**) F. Kohlrausch und W. Hallwachs, Gött. Nachr. 1893, p. 350; Wied Ann.
50, 1893, p. 118; 53, 1894, p. 14; F. Kohlrausch, Wied. Ann. 56, 1895, p. 185.
***) Wied. Ann. 50, 1893, p. 587.
f) s. a. p. 79 Anmerkung ***).
ff) Wied. Ann. 53, 1894, p. 1 und 2.
64
ob es vielleicht einzelne Jonen gebe, welche beim Uebergang in den
neutralen Zustand eine Aenderung des Brechungsvermögens von beträcht-
licherer Grösse bewirkten. Ein Einfluss derselben auf den Gang des
Brechungsvermögens bei fortschreitender Verdünnung konnte etwa erkennbar
werden, wenn sich Lösungen damit bilden Hessen, welche in dem Gebiet
zwischen den mit den optischen Methoden erreichbaren grössten Ver-
dünnungen und nicht allzu grossen Concentrationen, bei denen andere
Complicationen in Aussicht standen, ihren Dissociationsgrad genügend
änderten.
§ 7. Versuche von Herrn Dijken.
Eine grössere Anzahl von Beobachtungen der Brechungsdifferenz
und des Molecularvolumens von Lösungen bis zu stärkeren Verdünnungen
hinab, hat inzwischen Herr Dijken*) veröffentlicht. Dieselben liefern das
mit dem meinigen übereinstimmende Resultat, dass das Brechungs-
vermögen „bij verschallende graad van dissociatie bijna constant blijft“.
Die optischen Grössen hat Herr Dijken mittelst des Interferential-
refractors unter Anwendung eines Flüssigkeitscompensators bestimmt.
Mit letzterem hatte schon vor einiger Zeit Herr Borgesius gearbeitet**),
aber, wie ich früher darlegte***), keine zu weiteren Schlüssen genügend
genaue Resultate erhalten. Herr Dijken hat eine sehr beträchtliche
Fehlerquelle dabei nachgewiesen, nämlich dass Herr Borgesius das Wasser
in dem Flüssigkeitstrog nicht regelmässig erneuerte. Herr Dijken zeigt
p. 42 und 43 durch Versuche, dass dann zu kleine Werthe für n — n0
erhalten werden, da natürlich das Wasser Verunreinigungen sowohl vom
Trog als von der Umgebung aufnimmt. Da der Gang in den Werthen
für die moleculare Brechungsdifferenz bei Dijken ganz normal ist und mit
dem früher von mir beobachteten gut übereinstimmt, dürfte der erwähnte
Fehler in den meisten Fällen die Abweichung der Resultate des Herrn
Borgesius grösstentheils erklären , so dass sich die Einwände gegen diese
Methode vermindern und man im Allgemeinen sagen kann, dass Herr
Dijken den Flüssigkeitscompensator brauchbar gemacht hat.
Es bleibt bestehen eine Vergrösserung der Fehler im Vergleich mit
meinen früheren Beobachtungen, welche aus zu geringer Troglänge hervor-
gehen. Dijken vertauscht nur 35 mm lange Flüssigkeitsschichten, während
ich 210 mm dazu benutzte, so dass er nur den sechsten Theil der Streifen
erhält und das zu bearbeitende Gebiet nur bis zum sechsten Theil der
Verdünnung hinab erstrecken kann. Es wird demgemäss angegeben (p. 26),
dass für NH4 NO3 Lösung mit einem v = 128 (n — n0 = 0,76 X 10~4) nur
4 — 5 Streifen am Fadenkreuz vorübergehen und die Messungen dadurch
weniger genau sind, so dass dann grössere Tiefe der Flüssigkeit vor-
zuziehen ist. Da nun aber mit anderen Methoden (s. § 1 — 5 dieser Arbeit)
*) D. Dijken, De Moleculairrefractie van verdunde Zoutoplossingen, Groningen,
Hoitsema, 1897; s. a. Ztschr. phys. Chem. 24, 1897, p. 81, wo indess Theile der Arbeit
nur im Auszug mitgetheilt sind, weshalb im Folgenden die Seiten der Originalabhandlung
citirt werden. Beobachtet sind an je etwa 8 Concentrationen, v=l bis v=128,
NH4 NO3; NH4 CI; (NH4)2 SO4; KCl; V2Mg(N03)2; 4/2MgS04; 72MgCl2; 72Zn(N03)2;
V2 Zn CI2.
**) Borgesius, Wied. Ann. 54, 1895, p. 221.
***) Wied. Ann. 55, 1895, p. 282.
65
bis zu sehr grossen Verdünnungen (entsprechend etwa n — n0 = 3X10-4),
die Brechungsdifferenzen viel einfacher und schneller wie mit dem Inter-
ferentialrefractor bestimmbar sind, wäre dieser gerade für die äussersten
Verdünnungen auszubilden, also auf grössere Zellenlänge des Flüssigkeits-
compensators hin zu arbeiten. Vielleicht möchten aber dann durch die
Schwierigkeit, die Temperatur in dem ganzen Apparat constant zu halten,
grössere Fehler entstehen. Wenigstens fand sich bei meiner früheren
Anordnung eine grössere Rohrlänge als etwa 200 mm zwecklos*).
Hinsichtlich Temperaturausgleich und Constanz war diese aber dem
Flüssigkeitscompensator überlegen, indem Wasser und Lösung nur durch
eine dünne Platinwand, statt durch dicke Glasplatten und eine Flüssigkeits-
schicht, getrennt waren und sich die Flüssigkeiten innerhalb einer ge-
schlossenen Röhre mitten in einem grossen Wasserbad von 6 Liter Inhalt
befanden, während der Trog des Compensators wohl nur etwa */5 Liter
fasst. Dass man den Compensator auf 200 mm Länge zu bringen ver-
mag, ist mir der Temperatureinflüsse halber daher zweifelhaft, wenigstens
so lange nicht sehr umfangreiche Anordnungen getroffen werden.
Die früher hervorgehobene Schwierigkeit, dass bei sehr geringer
Streifenzahl die Streifen breit und verwaschen werden, eliminirt Herr
Dijken dadurch, dass er für Brechungsdifferenzen, die kleiner als 6X10~4
sind, die Phasendifferenz nicht durch Null hindurchschlägt, sondern durch
Drehung der einen Refractorplatte einen anderen Theil des Streifen Systems,
wo dann die Streifen schärfer, wenn auch schmäler werden, ins Gesichts-
feld des Fernrohrs bringt. Die Einstellung ist dann genauer.
Ein Hauptvortheil des Flüssigkeitscompensators besteht darin, dass
die Vertauschung der Flüssigkeiten ohne den Zeitverlust, welchen das
Umfüllen mit sich bringt, geschieht, so dass sie öfters wiederholt und
dadurch die Genauigkeit gesteigert werden kann.
Die Differenzen der Beobachtungstemperaturen bei den verschiedenen
Concentrationen derselben Substanz sind bei Dijken sehr gross. Sie
steigen auf nahezu 7 Grad an, während ich früher ihre Beschränkung
auf einige Zehntel Grad für nöthig fand; dazu kommt, dass gerade wo
die stärksten Temperaturdifferenzen eintreten, die Temperaturcoefficienten
von n — n0 nicht bestimmt sind.
Wenn nun auch nicht überall die grösste Genauigkeit erreicht ist,
so liefern doch die Beobachtungen des Herrn Dijken [Mg (NO3)2 vielleicht
ausgenommen] ein sehr brauchbares Material.
Was Mg (NO3)2 betrifft, so findet sich von v=l bis ^ = 128 eine
Abnahme von R, dem Brechungsvermögen nach der n ^ Formel, von
nicht weniger als 8°/0, während alle anderen sowohl von Herrn Dijken
als auch von mir ausgeführten Bestimmungen eine Zunahme liefern und
zwar von etwa 2 °/0 im Maximum, Man darf wohl vermuthen, dass dies
abnorme Resultat auf Fehlern in den Werthen des Molecularvolumens
beruht. Denn bei den Sulfaten, sowohl nach F. Kohlrausch und mir,
wie auch bei den Chloriden, nach Dijken, haben Zink und Magnesium
einen ganz analogen Verlauf der Curven, welche die Molecularvolumina
als Function der Concentration darstellen. Bei den Nitraten findet aber
*) Wied. Ann. 47, 1892, p. 384.
66
Dijken einen durchaus verschiedenen Verlauf. Zugleich ist die Abnahme
des Molecularvolumens im Intervall von v = 1 bis v= 128 grösser als
die irgend eines der bisher in diesem Intervall beobachteten Körper und
dazu haben sich die stärksten Aenderungen bisher bei den Säuren ergeben,
während die Salze viel kleinere Aenderungen zeigen. Die Resultate mit
Mg (NO3)2 sind also sowohl hinsichtlich der R-Werthe, als auch hin-
sichtlich der Molecularvolumina ohne Vergleich. Bei der Beachtung, die
ein so abweichendes Verhalten erforderte, wäre eine Wiederholung dieser
Versuche sehr zu wünschen.
Hinsichtlich der Dichtebestimmungen ist noch auf eine Ungenauigkeit
hinzuweisen. Die Einzeltemperaturen weichen von der Mitteltemperatur
für die Lösungen einer Substanz um Beträge ab, die 0,5 — 1°, bei einer
Substanz sogar mehr als 2° erreichen. F. Kohlrausch und ich haben
es bei unseren Versuchen für nöthig gefunden, die Temperatur auf
einige 0,oi° constant zu halten. Der Einfluss der Temperaturschwankungen
könnte durch eine grössere Anzahl von Ausdehnungscoefficienten-
bestimmungen corrigirt werden. Solche Bestimmungen hat nun Herr
Dijken fast durchaus für ein beträchtlich höher liegendes Temperatur-
intervall, als dasjenige, über welches corrigirt werden muss, gemacht;
ebenso werden die Reductionen des Gewichts des Glaskörpers in Wasser
alle mit einem Mittelwerth des Ausdehnungscoefficienten ausgeführt, ohne
Rücksicht auf die Lage des Correctionsintervalls. Dadurch treten beträcht-
liche Fehler auf. Zum Beispiel: Bei Mg (NO3)2 ist das Gewicht in Wasser
von 15,13° auf 16,00° zu reduciren. Dafür würde sich mit dem zugehörigen
«h 20 = 1,56X10' 4 und einem «Glas — 0,26b 10~4 eine Correction von 18,5mg
ergeben, während Dijken mit einem mittleren Temperaturcoefficienten
20,img' berechnet, was volle l,6mg Unterschied macht. Aehnlich wie . bei
diesem Beispiel mit Wasser ist es, wie es scheint, bei den Lösungen,
deren Ausdehnungscoefficienten noch überdies immer nur an der con-
centrirtesten ermittelt wurden, was hier der grossen Temperaturintervalle
wegen, über die corrigirt werden muss, nicht genügt. Dadurch entstehen
beträchtliche Fehler für die Molecularvolumina; so würde z. B., wenn
man die richtigen a einsetzt, letzteres für die dritte Mg (NO3)2 Lösung
(p. 54) um eine Einheit anders ausfallen.
§ 8. Untersuchung der Abhängigkeit des Brechungs Vermögens von
der Concentration hei wässerigen Lösungen von Brom cadmium,
Zucker, Di- und Trichloressigsäure und deren Kaliumsalzen.
A. Bromcadmium.
Bei den im ersten Theil erwähnten Untersuchungen wählte ich die
Substanzen so, dass gleichzeitig die § 6 letzter Absatz erwähnte Frage
nach dem eventuellen quantitativen Hervortreten einzelner Jonen geprüft
werden konnte. Diese Wahl konnte nach vorhandenen Untersuchungen
über die Aenderung des Brechungsvermögens bei der Neutralisation
getroffen werden*). Die Arbeit des Herrn Le Blanc hatte ich schon
*) Ostwald, Journ. prakt. Chem. (NF) 18, 1878, p. 328; Le Blanc, Zeitschr.
phys. Chem. 4, 1889, p. 553; Le Blanc und ß o hl and, Zeitschr. phys. Chem. 19, 1896,
p. 261.
67
früher*) erwähnt und auch seine Beobachtungen an H2S04 zum Ver-
gleich herangezogen. In dieser Arbeit stiess ich bei einer Nachrechnung
einiger Angaben wiederholt auf Fehler**), so dass ich mich zunächst
darauf beschränken musste, eine Revision des Zahlenmaterials von Herrn
Le Blanc als wünschenswerth zu bezeichnen. Dies ist nun in dankens-
werther Weise durch die Herren Le Blanc und Rohland 1. c. geschehen,
die meisten Bestimmungen wurden wiederholt, so dass man sich nur
an die neue Arbeit zu halten hat***). In dieser Arbeit werden die
Differenzen der Aequivalentrefractionen von Säuren und ihrem Na- Salz,
sowie von Salzen und anderen Salzen untersucht, wobei die Substanzen
so gewählt sind, dass sie sehr verschiedenen Dissociationsgrad zeigen.
Durch Vergleich jener Differenzen für sehr stark und sehr schwach
dissociirte Substanzen kann dann ein directer Einfluss von Dissociation
wahrscheinlich gemacht werden. Die Unterschiede dieser Differenzen
sind im Allgemeinen klein, so dass wegen bestehender Nebeneinflüsse
(s. p. 74, 75, 79) auf den Einfluss der Dissociation nicht mit voller
Sicherheit geschlossen werden kann.
Nur in einem Falle kommt eine grössere Differenz vor, welche einen
völlig einwandfreien Nachweis für die Einwirkung der Dissociation geben
würde: einer Differenz der Aequivalentrefractionen stark dissociirter
Bromide und Jodide von 11,4 steht nämlich gegenüber eine Differenz
zwischen dem schwach dissociirten Brom- und Jodcadmium von nur
*) Wied. Ann. 53, 1894, p. 11.
**) So auch Herr Dijken 1. c. p. 60.
***) Le Blanc, Zeitschr. phys. Cliem. 19, 1896, p. 262, Anmerkg. „Alle in Betracht
kommenden Daten kommen in dieser Arbeit vor, so dass auf die Tabellen meiner
früheren Arbeit nicht mehr zurückgegriffen werden darf.“ In dieser Anmerkung sagt
Herr Le Blanc auch, dass er die Gehalte der verschieden concentrirten Lösungen einer
und derselben Substanz einzeln durch Titriren erhalten hat. Da die relative Richtigkeit
der Concentrationen durch Verdünnen mit Messkolben und Pipette weit schärfer erhalten
werden kann, wie durch Titration, werden durch die Einzeltitration vermeidbare Fehler
in die Concentrationsverhältnisse eingeführt. Man sollte die relativen Verdünnungen
daher für sich bestimmen und das Resultat der Titrationen zu einem Mittel vereinigen.
Hätte ich aus der Arbeit des Herrn Le Blanc entnehmen können, dass dies nicht ge-
schehen ist, so würde ich natürlich keine Muthmassungen über den Grund der gefun-
denen Irrthümer gemacht, insbesondere diese nicht in Fehlern der Dichtigkeitsbestimmungen
gesucht haben. — Auf p. 268 1. c. werden meine Beobachtungen an H‘2S04, HOI und
Weinsäure mitgetheilt, aber nur die AR-Werthe angegeben, dazu wird eine Stelle aus
einer früheren Arbeit von mir (Wied. Ann. 53, 1894, p. 13) citirt, welche sich auf die
R'-Werthe bezieht. Da der im Original vorhandene Buchstabe R' im Citat irrthümlich
weggeblieben ist, in den Zahlen hingegen, wie erwähnt, gerade umgekehrt die R'-Werthe
weggeblieben sind, so erscheint meine Behauptung ganz ungereimt. Ferner ist innerhalb
des citirten Satzes meiner früheren Arbeit eine Verweisung auf eine Anmerkung, welche
besagt: „sollten sich diejenigen Substanzen des Herrn Le Blanc, welche ich nicht
untersucht habe, anders verhalten, wie die untersuchten, so wären sie hier auszunehmen“.
Ich hätte gewünscht, dass diese zu dem Satze gehörige Anmerkung mit ihm erwähnt
worden wäre, weil aus ihr hervorgeht, dass ich die Eventualität von Substanzen mit
anderem Verhalten anerkannte. — Herr Le Blanc macht mir sodann den Vorwurf, dass
ich seine Resultate nicht versucht hätte mit den meinigen in Einklang zu bringen.
Wie erwähnt, habe ich seine Versuche an H2S04, die sich, bis auf die 22°/0ige Lösung,
bei welcher ein Fehler vorliegen musste, zu meinem Zwecke, nämlich den Gang der
molecularen Brechungsdifferenz bei Concentrationsänderungen auf seine Ursachen zurück-
zuführen, verwerthen liess, p. 12 1. c., aufgenommen. Sie ergaben dasselbe Resultat wie
meine eigenen Beobachtungen. Auf die übrigen Versuche hatte ich auch die Absicht
einzugehen, stiess aber, indem ich dies versuchte, sofort und wiederholt auf Irrthümer,
so dass ich nicht weiter kam, und nur den Wunsch auf Revision der Beobachtungen
aussprechen konnte. Diese ist nunmehr inzwischen erfolgt.
**
68
ß58 Einheiten. Die Differenz ist 4,6 bei ihrem Bestehen würden secundäre
Einflüsse den Schluss auf Einwirkung der Dissociation nicht mehr stören.
Die Herren Le Blanc und Rohland geben an (p. 281): „diese Salze, in
sehr verschiedener Verdünnung untersucht, müssen (ebenso wie bei Dichlor-
essigsäure) mit steigender Dissociation ihr Brechungsvermögen ändern“.
Gelegentlich des ersten Theils dieser Arbeit habe ich das Brechungs-
vermögen von Bromcadmiumlösungen in Wasser für verschiedene Concen-
trationen untersucht, konnte aber die Versuche von Herren Le Blanc und
Rohland an Br2 Cd nicht bestätigen und gelangte schliesslich dazu zu
vermuthen, dass sie auf einem Irrthum beruhen, der wohl darin besteht,
dass der Procentgehalt an krystallisirtem statt an wasserfreiem Salz in
die Rechnung eingesetzt wurde.
Zunächst theile ich meine eigenen Versuche mit. Das Cd Br2 war
von Gehe & Co., frisch bezogen und zeigte keine Verwitterung. Unter
Rücksicht auf 4 Molecüle Kry stallwasser ergab sich aus der Herstellung,
durch Abwägen von Substanz und Wasser, der Gehalt meiner Original-
lösung zu 35,84 °/o* £*as spec. Gewicht derselben fand ich s ^ = 1,4231,
den Ausdehnungscoefficienten a — 4,6X10-4. Mit Hülfe dieser beiden
letzten Daten erhält man aus den Angaben von Grotrian*) einen Procent-
gehalt von 36,14, der mit dem obigen gut übereinstimmt. Nach den An-
gaben von Krem er s **) über specifisches Gewicht und Procentgehalt würde
sich 36,7 Anden, was bis auf l,5°/0 mit Grotrian übereinstimmt, wobei zu
berücksichtigen, dass Krem er s nur drei Decimalen giebt.
Bei den folgenden Resultaten habe ich den nach Grotrian erhaltenen
Werth 36,1 zu Grunde gelegt, da seinen Angaben eine Analyse zu Grunde
liegt, während ich mich darauf beschränkte, durch Abwägen von Substanz
und Wasser eine Controle zu erhalten; überdies sind die specifischen Ge-
wichte von Grotrian sehr zuverlässig.
Aus der Originallösung ergaben sich durch Verdünnen mittelst selbst
nachgeaichter Pipetten und Messkolben vier verdünntere Lösungen, deren
Brechungsdiffereriz und deren Dichte beobachtet und zur Berechnung des
Brechungsvermögens verwendet wurden.
Die Bestimmung von n — n0 erläutert § 1 — 5, hinsichtlich der Re-
cluction auf gemeinsame Temperatur siehe speciell § 5, wo auch der
Temper atur co efficient von n — n0 angegeben ist. Die Bestimmung der
specifischen Gewichte erfolgte in der früheren Weise***) mit der Abänderung,
dass als Auf hängefaden ein matter Platindraht von mm Dicke zur
Verwendung kamf). Das Volum des Glaskörpers betrug etwa 80 ccm,
sein Gewicht in Wasser 3,2 bis 9,5 g, ersteres ohne, letzteres mit der grösseren
von zwei Platinzulagen, welche die Bestimmung der concentrirteren Lösungen
möglich machten.
Die Ausdehnungscoefficienten berechnete man aus dem oben an-
gegebenen der Ausgangslösung unter der Annahme, dass a — «H2o der
Concentration proportional sei. Diese Annahme lieferte z. B. für die ver-
*) G-rotrian, Wied. Ann. 18, 1883, p. 190.
**) Krem er s, Pogg. Ann. 104, 1858, p. 162; Angaben und Citat nach Grotrian,
1. c., p. 187.
***) F. Kohlrausch und W. Hallwachs, Wied. Ann. 53, 1894, p. 14.
f) F. Kohlrausch, Wied. Ann. 56, 1895, p. 186.
69
dünnteste Lösung bei 18,1° eine Gewichtszunahme des Glaskörpers in
der Lösung von 13,2 mg pro Grad, während die directe Bestimmung
13,15 mg ergab.
Für die Verdünnung v der Originallösung [Liter auf Grammäquivalent
1/2 Cd Br2] folgt aus den p. 68 gegebenen Werthen nach Reduction
auf 18,50° ^orig = 0,26426. Aus dieser Zahl und den Inhalten der Kolben
und Pipetten finden sich die in Tabelle III angegebenen Verdünnungen.
Die sich entsprechenden optischen und Dichtebestimmungen fanden
immer an ein und derselben Lösung statt.
In den folgenden Tabellen bedeuten:
t0, t die Mitteltemperatur und die Versuchstemperatur.
= — lj siehe Gleichung 9) p. 55, Trogcorrection.
7t
dat— — tga At siehe Gleichung 15) und 7a), Temperaturcorrection.
«Corr den mit beiden Correctionen versehenen in Gleichung 10) einzu-
führenden Winkel.
v, n — n0 Verdünnung bezw. Brechungsdifferenz gegen Wasser,
cp siehe p. 52.
Tabelle III.
VCdBr*; t0 = 18,50°.
V 18,5 0
t
H-i
00
-T
NS
[
R
Aab
C^corr
18,50°
n — n0
1,0590
18,21°
19,08°
11° 58' 46,o"
58' 21,2"
+ •43,9"
-8,5"
11° 59' 21"
0,016082
4,2438
18,41°
6° r o,o"
+ 41,2"
— 1,3"
6° 1' 40"
0,004128
17,008
18,44°
3° 1' 6,o"
+ 40,6"
— 0,4"
3" 1' 46"
0, 0010470
34,059
18,46°
2° 8' 20,8"
+ 40,4"
7»
2° 9' 1"
0,0005277
Die nächste Tabelle giebt die specifischen Gewichte: T ist die Be-
obachtungstemperatur, g das Gewicht in Flüssigkeit, gcorr das auf 18,500°
corrigirte Gewicht, s das specifische Gewicht bei 18,5° bezogen auf
Wasser gleicher Temperatur, cp das Molecularvolumen
9 = ~ — 1000 v (s— 1)*),
0
wo A das Aequivalentgewicht, Q die Dichtigkeit des Wassers bedeutet.
*) Wied. Ann. 58, 1894, p. 3 und 37.
70
Tabelle IV.
'% Br2 Cd = 135,96; ~ = 136,16; % = 18,60°.
^18,5°.
T
g
§ corr
18,5° (bez. 17,66°)
18,5 i *\
b 18,5 X /
(bez. 17,66°)
1000
'■{«-' 1)
V 1 8,5°
Glaskörper
in H2 0
17,656°
3,28572
3,29625
—
—
1,;
Glask. -j- Pt -
Zulage in H2 0
17,656°
9,31594
9,32565
/0, 0034219**)
(17,656°)
"-0,0034208
(18,50°)
—
— -
34,059
17,767°
3,00996
3,00811 V"
(17,656°)^
116, 5lN
b 19,65
—
18,516 0
3,01982
3,01915
0,0034219
116,55/
17,008
18,648°
2,74433
2,74191
0,0068455
116,42
19,74
4,2438
18,504°
1,08717
1,08695
0,027283
115,78
20,38
1,0590
18,316°
’ 0,53775
0,54137
0,108078
114,45
21,71
0,26426
19,40°
8^=1,4254
0,4260
112,57
23,59
Aus den Werthen vorstehender beider Tabellen ergiebt sieb nun die
Aequivalentrefraction AR nach der Gleichung
AR = 1000 v (n — n0) -|- ^ 9***),
ö
und AR' nach der am gerade citirten Ort p. 4 gegebenen Formel, a be-
deutet den Dissociationsgrad. Alle einzelnen Werth e sind auf 18,50° reducirt.
Tabelle V.
V
1000
v (n — n0)
Vs 9
AR
AR'
a
1,0590
17,030
7,237
24,267
13,966
0,16
4,2438
17,520
6,793
24,313
14,003
0,29
17,008
17,806
6,580
24,39
14,04
0,46
34,059
17,973
6,543
24,52
14,n
0,54
Die Vergrösserung von AR mit steigender Concentration beträgt 1 °/0
und ist etwa von derselben Grössenordnung, wie in den früher beobachteten
*) VQ, d. h. Volum des Glaskörpers x Wasserdichte hei 18,5° ist hei Versuch 7)
81,2791 g; bei Versuch 6) 5) und 4 ) 80,9790 g; bei Versuch 3) für 17,656° 80,990 g.
**) Die obere Zahl gilt für 17,656°, die untere ist daraus durch Reduction auf 18,5°
mittelst a — «h2o — 1,5 x 10—« entstanden. Für gu20 wurde 3,28572 — 0,47 — 3,28525 be-
nutzt, da allgemein die Gewichtsstücke auf luftleeren Raum reducirt sind.
***) Wied. Ann. 53, 1894, p. 3.
71
Fällen. Bei Zuckerlösung von gleichem Procentgehalt wächst AR absolut
genommen um 0,50, also um mehr als Cd Br'2, procentisch um 0,4°/0, also
weniger. Im Allgemeinen müsste man annehmen, dass sich ein Einfluss
der Dissociation darin zeigt, dass AR um einen bestimmten numerischen
Betrag geändert wird, so dass die absoluten Beträge zu vergleichen wären.
Aber auch beim Vergleich der relativen wird man bei der Kleinheit der
Unterschiede zwischen Zucker und Bromcadmium einen Schluss auf directen
Einfluss der Dissociation auf AR nicht wagen können.
Vergleichen wir nun mit den angegebenen Werthen die von Le Blanc
und Rohland 1. c. p. 282. Sie finden für AR 28,33 und 28,66, für AR' 16,68
und 16,86, welche Werthe sich um 17 °/0 von den meinigen unterscheiden,
ganz abgesehen davon, dass die zwei Angaben, welche für Lösungen von
noch nicht 20 °/0 verschiedener Concentration gelten, untereinander um
mehr als einen Procent abweichen.
Um die Ursache davon aufzuklären, mögen in folgender Tabelle die
von Le Blanc und Rohland für Cd CI2, Cd Br2 und Cd J2 Lösungen beob-
achteten specifischen Gewichte und Procentgehalte zusammengestellt werden
mit den aus denselben specifischen Gewichten nach Grotrian und Kremers
folgenden Gehalten:
Tabelle VI.
Substanz
S-
b 20
Zu s^ gehörige °/o Gehalt nach
(Le Blanc)
Le Blanc
Grotrian
Kremers
Cd CP
1,0982
8,91
7,78
8,o
Cd Br'2
1,1378
18,06
14,67
14,6
1,1666
21,39
17,41
17,3
CdJ2
1,0982
10,97
10,88
11,1
,5
1,1562
16,53
16,58
16,8
Die Interpolation dieser Gehalte aus den Angaben von Grotrian ge-
schah so, dass seine s ^ auf s 1| und dann mit dem genügend genau
bekannten Ausdehnungscoefficienten gegen Wasser (« — «h2o) auf die von
Le Blanc angegebenen s — umgerechnet wurden. Aus diesen ergab sich
die wegen ihrer geringen Aenderungen mit der Concentration zum Inter-
— welche mittelst der aus Le Blanc’s
ps
g
Beobachtungen folgenden Werthe von dann p lieferten (p = Procent-
s
gehalt). Diese Interpolirform ist sehr scharf, so dass sie bei den Gehalten
Fehler von auch nur einer Einheit der dritten Decimale nicht veranlasst.
poliren geeignetste Grösse lg
Aus der Tabelle ergiebt sich: erstens stimmen Grotrian und Kremers
miteinander durchgängig überein, auch hinsichtlich meiner Originallösung
war dies der Fall und der für diese von mir durch Ab wägen von Substanz
und Wasser ermittelte Controlwerth stimmte ebenfalls damit; zweitens:
die Werthe von Le Blanc und Rohland weichen für die beiden ersten Sub-
:) Da Kremers nur drei Decimalen giebt, haben die Gebalte eine Stelle weniger.
72
stanzen weit ab, um 14 °/0 bei Cd CI2, um 23 °/0 bei Cd Br2, sie stimmen
indess bei Cd J2 vollkommen mit denen der anderen Beobachter überein.
Dies Ergebniss liefert den Fingerzeig zur Erklärung der Abweichungen:
J2 Cd enthält kein Krystallwasser, Br2 Cd und CI2 Cd thun dies. Offenbar
ist dies von Herren Le Blanc und Rohland übersehen und in die Rech-
nung der Gehalt an krystallisirtem Salz eingesetzt worden. Denn multi-
plicirt man die von ihnen angegebenen Procentgehalte mit
Br2 Cd _ 272,o _ „
Br2 Cd + 4H2 0 — 344, 1 — °’7906’
so ergeben sich die Zahlen 14,28 und 16,91, wodurch U eher ein Stimmung
bis auf 2,8 bezw. 2,6 °/0 mit Grotrian und Kremers erreicht ist. Für
CI2 Cd würde sich unter der Annahme von 2 Molecülen Krystallwasser
7,45 Procent ergeben, was ebenfalls mit Grotrian und Kremers viel besser
übereinstimmt*).
Da der Grund des Irrthums wohl klar liegt, sind im Folgenden die
Werthe an Cd Br 2 in der Weise umgerechnet, dass man die von Le Blanc
und Rohland angegebenen Procentgehalte p' auf Gehalte an wasserfreiem
Salz p durch Multiplication mit 0,7906 umrechnete. Dann ergiebt sich
Bromcadmium.
(ii— n0)200
P'
P
V
0,0203
18,06
14,28
0,838
0,0250
21,39
16,91
0,691
1000
1000
AR
y
v (n n0)
115,6
20,6
17,o
28,9
115,0
21,2
17,3
24,3
Ein Vergleich mit Tabelle V zeigt, dass die Werthe AR nunmehr
mit den von mir gefundenen genügend übereinstimmen, so dass also die
Annahme, der Krystallwassergehalt sei übersehen worden, zu allseitiger
Uebereinstimmung sowohl hinsichtlich der Dichten mit Grotrian und
Kremers als auch hinsichtlich der optischen Beobachtungen mit mir führt.
Auf p. 67, 68 wurde nun erwähnt, dass das quantitativ hervorstechendste
Resultat von Herren Le Blanc und Rohland darin besteht, dass sie für
die Differenz der AR-Werthe von Jod- und Bromcadmium den Werth
6*8 finden, während sie für stark dissociirte Salze 11,4 erhalten, so
dass also ein Unterschied von nicht weniger als 4,6 Einheiten bestünde.
Dieser Unterschied fällt nun nach der vorstehend erläuterten Berichtigung
der Procentgehalte weg, an die Stelle von 6,8 tritt 35, 33 — 24, i3 = 11, 20,
was mit dem für stark dissociirte Salze gefundenen Werthe so gut über-
einstimmt, wie nur irgend gefordert werden kann. Für Cd J~ ist hier der
Werth von Le Blanc und Rohland direct eingesetzt, da derselbe nach
p. 71 und 72 keine stärkeren Fehler vermuthen lässt.
Legt man bei den Cd CP Werthen die Dichten von Le Blanc und Rohland
zu Grund und berechnet daraus den Procentgehalt, so findet sich daraus
AR = 18,7. Die Differenz der AR-Werthe für Cd CP und Cd J2, welche
*) Die Angaben für den Krystallwassergehalt von Cd CI 2 schwanken in der Litteratur.
73
jene Verfasser zu 15,56 angeben, würde sieb dadurch auf 16,6 erhöhen,
dem für stark dissociirte Werthe nach Le Blanc und Rohland 17,4 zu
vergleichen ist. Die Differenz dieser beiden Werthe ist zu klein, als
dass man unter Rücksicht auf die Genauigkeit der Beobachtungen und
die Unsicherheit im Wassergehalt des Ausgangsmaterials etwas daraus
schliessen könnte. Hätte sich die oben angegebene Differenz von 4,6
Einheiten für die Bromid- Jodid Differenz der Cadmium- und der sehr
stark dissociirten Salze andererseits bewahrheitet, so wäre zwingend zu
schliessen gewesen, dass die Cd-Jonen beim Uebergang aus dem neutralen
in den dissociirten Zustand ihre Refraction ändern. Mit dem Verschwinden
der Differenz fällt auch das Resultat weg.
Die für die übrigen schwach dissociirten Salze gefundenen Differenzen
in den Differenzen von AR gegenüber stark dissociirten Salzen 1. c. p. 282
sind zu klein, als dass man, besonders wegen der weiter unten* **)) zu be-
sprechenden Fehlerquellen (Concentrationseinffuss, Differenzen der Differenzen
von Differenzen), weitere Schlüsse ziehen könnte.
B. Zuckerlösungen.
Da die in dieser Arbeit verwendeten Lösungen im Allgemeinen eine
etwas grössere Concentration besassen, wie die früher untersuchten, fanden
zur Orientirung, wie gross etwa der Anstieg von AR bei einem Nicht-
elektrolyten sein möchte, wieder Beobachtungen an analog concentrirten
Zuckerlösungen statt.
Die Concentration der Originallösung wurde aus ihrem specifischen
Gewicht nach den früheren Bestimmungen von F. Kohlrausch und mir unter
Berücksichtigung der Zahlen von Ger lach ermittelt und das Moleeular-
volumen der übrigen Lösungen ebenfalls diesen früheren Versuchen
entnommen.
Die folgende Tabelle enthält zunächst das Ergehniss der optischen
Versuche (über die Bezeichnung s. p. 69), sodann die aus der genannten
Quelle stammenden Werthe von cpjs , ferner die moleculare Brechungs-
differenz und die Aequivalentrefraction. Die Acty sind mit dem § 5
gegebenen x berechnet.
Tabelle VII.
Zucker; t0 = 17,78°.
V 17,78°
t
180 — cp
2
JCSy
«corr (17,70°)
n — n0
<P'h 3
1000
v (n-n0)
AR
2,5647
17,70°
13° 5' 28,8"
+.44,5"
- kB"
13° 16' 12"
0,OJ9137
70,12
49,07
119,19
10,288
17,66°
6° 28' 51,3"
+ 41+
- 1.4"
6° 29' 31"
0,004786
69,94
49,23
119,17
41,387
17,64°
3° 13' 43,4"
+ 40,6"
- 0,8"
3° 13' 23"
0,0011971
69,88
49,55
119,43
83,012
17,785°
2° 16' 52,e"
+ 40,4"
+
2° 17' 33"
0,0005999
69,87
49,82
119,69
Meine früheren Beobachtungen über Zuckerlösungen**) ergeben unter
Benutzung meiner optischen Werthe und der Ausdehnungscoefficienten
*) S. p. '80.
**) Wied. Ann. 53, 1894, p. 9.
74
von Marignac, wenn man für die beiden eoncentrirteren und die beiden
verdünnteren Lösungen je das Mittel nimmt, bei i;=24 AR = 119,30 und
bei v = 580 AR = 119,56. Diese Werthe reihen sich in die der Tabelle
genügend ein. Die Tabelle zeigt, dass die Aequivalentrefraction beim
Uebergang von einer nahezu 13°/0 Lösung zu einer von 0,4°/0 um etwa
0,5 Einheiten steigt. Dies giebt einen Anhaltspunkt für die Grössenordnung
des Betrags, um welchen die Aequivalentrefraction einer Lösung aus anderen
Gründen als wegen Dissociation ansteigen mag.
Einen directen Einfluss der Dissociation auf die Aequivalentrefraction
durch den Anstieg der letzteren zu begründen, liegt also gegenwärtig die
Möglichkeit nicht vor, wenn bei wachsender Verdünnung in den angegebenen
Grenzen der Anstieg nur von der Grössenordnung von 0,5 Einheiten ist.
Die etwa 20 von mir und von Herrn Dijken untersuchten Körper in
wässeriger Lösung zeigen keinen grösseren Anstieg , so dass sich also bei
diesen ein erkennbarer Einfluss der Dissociation auf das Brechungs-
vermögen nicht ergiebt*).
Herr Le Blanc hat Versuche gemacht, aus welchen in gleicher Weise
folgt, dass die nicht durch Dissociation erklärbaren Einflüsse auf die
Aequivalentrefraction noch grössere Beträge erreichen können, diese bis
zu zwei Einheiten zu ändern vermögen. So ergab z. B. CdJ2 in Aceton
eine um eine Einheit, KJ in Aceton eine um zwei Einheiten grössere
Aequivalentrefraction wie in Wasser. Dabei ist noch besonders bemerkens-
werth, dass die dissociirte wässerige Lösung den kleineren Werth liefert,
während doch nach den übrigen Versuchen des Herrn Le Blanc der
directe Einfluss der Dissociation eine Vergrösserung bewirkt. Unter diesen
Umständen wird man zu keinem anderen Schluss gelangen können, als
dass sowohl die Anstiege der Aequivalentrefraction bei wachsender Ver-
dünnung als auch die bei der Neutralisation mit verschieden dissociirten
Säuren auftretenden Differenzen nur mit grösster Vorsicht zu weiteren
Schlüssen über den Einfluss der Dissociation benutzt werden können.
C. Di- und Trichloressigsäur e sowie deren Kaliumsalze.
Das einzige Jon, welches, nach den bisherigen Untersuchungen zu
schliessen, beim Uebergang aus dem neutralen in den dissociirten Zustand
seine Refraction etwas beträchtlicher ändert, scheint der Wasserstoff zu
sein. 13 Säuren sind von Herrn Le Blanc und Rohland 1. c. untersucht
auf die Differenz ihrer Aequivalentrefraction mit derjenigen ihres Natrium-
salzes und ergehen einen Anstieg dieser Differenz um etwa zwei Einheiten,
wenn man sie in umgekehrter Reihenfolge des für halbnormale Lösungen
gütigen Dissociationsgrades der Säure durchläuft.
Es tritt die Frage auf, ob sich in dem bei der Verdünnung ein-
tretenden Anstieg des molecularen Brechungsvermögens, der, wie wir sahen,
im Allgemeinen durch den Verlauf des Molecularvolumens erklärt wird,
vielleicht wenigstens beim H-Jon ein Einfluss der Dissociation noch er-
kennen lasse, ob dort etwa nach Berücksichtigung der Aenderung des
Molecularvolumens noch eine genügend grosse Aenderung des molecularen
*) S. auch Anmerkung ***) p. 79.
75
Brechungsvermögens bestehen bliebe, um trotz des Vorhandenseins des
erwähnten Nebeneinflusses, den wir kurz Concentrationseinfluss nennen
wollen, noch einen einwandfreien Schluss zuzulassen.
Zur Beantwortung dieser Frage können die bereits in den ersten
Paragraphen zum Theil verwendeten Versuche an Triehlor- und Dichlor-
essigsäure dienen. Darauf, dass gerade die letztere hier die meiste Aus-
sicht bietet, hat schon Herr Le Blanc hingewiesen.
Zunächst mögen die Versuche an den genannten Körpern mitgetheilt
werden. Ich habe dieselben bis zu grossen Concentrationen fortgesetzt,
obwohl bei diesen Concentrationseinfliisse auf die Aequivalentrefraction
im Allgemeinen stärker wirken werden, so dass es nicht möglich ist, den
Einfluss der Dissociation daneben einigermassen sicher zu bestimmen.
Diese concentrirteren Lösungen sollten dann beim Vergleich mit den ver-
dünnteren einen Anhaltspunkt für den Concentrationseinfluss liefern.
Die folgenden, die Resultate der Messungen enthaltenden Tabellen
sind im Allgemeinen ebenso angeordnet, wie die § 8 für Cd Br 2 gegebenen.
Da bei Di- und Trichloressigsäure alle vier Einstellungen genommen, nicht
nur «, sondern auch af (siehe p. 54) beobachtet worden war, ergaben sich
die oTcorr einfach als deren Mittel. Die Reduction auf 12,5° war hier bereits
an den Einzelbeobachtungen bewirkt worden.
Tabelle VIII.
Trichloressigsäure, Dichtebeobachtungen.
t0 = 12,50°; CCPCCFH = 163,35; Q = 0,99948; A/Q = 163,44.
v 12,5°
T
g
£>corr
s 12’5 — 1
s W5 1
1000
v(s — 1)
<f 12,5°
oo
12,636°
3,23610
3,23457
— -
—
62,96
12,792°
3,13108
3,12833
0,001311
82,5
80,9
00*)
12,560°
3,23517
3,23422
—
—
—
31,49
12.529°
3,02487
3,02419
0,002592
81,60
81,84
15,725
12,530°
2,81639
2,81572
0,005164
81,21
82,23
7,873
12,529°
2,40113
2,40051
1 0,010288
80,99
82,45
3,930
12,501°
1,57121
1,57096
0,020524
80,66
82,78
Pt Zulage**)
in H‘20
12,50°
1,59108
1,59084
—
—
—
1,9681
12,464°
1,51776
1,51800
0,040767
80,23
83,21
0,9814
12,70°
s = 1
.,08092
0,08094
79,43
84,01
0,19676
12,60°
s = 1
,36124
0,36133
71,10
92,34
*) Ein Stückchen Platindraht war verloren. Ausserdem befand sich von hier ab
von zwei durch sehr dünnen Pt Draht, der durch die Flüssigkeitsoberfläche ging, ver-
bundenen Platinringen, in deren einen der Glaskörper, in deren anderen der zur Wagschale
führende Draht eingehängt war, der andere wie beim ersten Versuch innerhalb der
Flüssigkeit. Deshalb neue Wägung in H20.
**) Glaskörper erhielt eine Platinbeschwerung, so dass das Gewicht in Wasser
von 12,50° nun 3,23422 + 1,59084 = 4,82506 wurde.
76
Tabelle IX.
Trichloressigsäure, 0
Dtische Beobachtungen; 12,50°.
1000
SP/s
AR
AR'
v 12,5°
ß^corr 12,5°
n — n0
v (n— no)
a
62,96
1° 43' 50"*)
0,0003419
21,53
26,97
48,50
48,56
28,72
0,96
31,49
2° 26' 0"
0,0006758
21,27s
27,280
28,77
0,93
15,725
3° 26' 22"
0,0013490
21,21, .
27,410
48,62
28,81
0,91
7,873
4° 50' 24"
0,0002667
20,99,
27,483
48,48
28,73
0,88
3,930
6° 50' 16"
0, 0005306
20,85j
27,593
48,44
28,71
28,65
0,81
1,9681
9° 38' 28"
0,0010478
20,622
27,737
48,36
0,71
0,9814
13° 35' 23"
0,0020547
20,16,
28,oo
48,16
28,52
0,54
0,19676
28° 55' 59"
0,85059
1 6,736
30,78
47,52
28,14
0,06
Von den benutzten Lösungen wurde gelegentlich auch das Leit-
vermögen k für die hier benutzten tiefen Temperaturen bestimmt. Aus
den Curven für das moleculare Leitvermögen X ergab sich unter Mit-
benutzung der Curven, welche nach Ostwald’s für 25° gütigen Werthen
construirt wurden, X oo; 12,5° = 292. Damit sind die Dissociationsgrade a
berechnet. Die Bestimmungen der Leitvermögen mögen hier Platz finden.
Tabelle X.
Trichloressigsäure, Leitvermögen, 12,50°.
^12,5°
n0V3
t
107k
107k
12,5°
X
12,5°
a
62,96
0,2514
12,45°
4,405
4,415
277,4
0,955
31,49
0,3167
12,31
8,62
8,646
272,3
0,933
15,725
0,3991
12,71
16,97
16,92
266,1
0,911
3,930
0,6337
12,79
60,52
60,25
236,9
0,811
1,968
0,7980
12,57
105,4
105,3
207,4
0,711
0,9814
1,006
12,52
161,7
161,6
158,6
0,545
0,1968
1,719
12,55
87,5
87,4
17,21
0,056
Tabelle XI
Di
chloressigsäure, Dichtebeobachtungen
.
t0 == 12,50°
; A = C C12H C02H == 128,91
; q- = 128,98; Q =
= 0,99948-
12,5
1000
^12,5°
T
g
§corr
siA_1
v (s — 1)
SPl2,5°
00**)
12,560°
3f23517
3,23422
—
—
64,4
12,515
3,15608
3,15550
0,000971
62,6
66,4
32,18
12,539
3,07913
3,07837
0,001923
61,89
67,09
16,068
12,497
2,92904
2,92862
0,003771
60,59
68,39
4,017
12,580
2,05283
2,05176
0,014593
58,62
70,36
1,0054***;
112,528
0,25589
0,25537
0,056333
56,635
72,34
0,20110
13,42
1 =
1,25321
0,25389
52,90
76,08
*) Die Werthe sind der Tabelle auf p. 57 entnommen, in einigen Fällen, wo
zwei Versuchsreihen ansgeführt worden waren, siehe p. 60, wurde deren Mittel benützt,
wodurch sich die in der 7., bezw. bei der v — 1 Lösung in der 6. Decimale eintretenden
kleinen Aenderungen erklären.
**) Siehe Tabelle VIII und p. 75 Anmerkung *).
***) Glaskörper mit Pt-Zulage gebraucht, siehe p. 75 Anmerkung **).
77
Tabelle XII.
Dichlor essig säure,
Optische B
eobachtr
mgen;
12,50°.
V 12,5°
W corr 12,5°
n-
100°
1J0 -u(n — n0)
We
AR
AR'
a
64,40
1° 33' 22"*)
0,0002765 17,74
22,14
39,88
23,62
0,81
32,18
2° 10' 13"
0,0005377 17,30
22,36
39,67
23,50
0,77
16,068
3° 1' 34"
0,0010446 16,785
22,797
39,58
23,48
0,69
4,017
5° 52' 15"
0,003918 15,738
23,453
39,19
23,30
0,43
1,0054
11° 26' 14"
0,014664 14,743
24,113
38,86
23,12
0,23
0,20110
24° 50' 7"
0,064589 12,987
25,360
38,35
22,80
0,025
Tabelle XIII.
Dichloressigs
äure, Leitvermögen;
12,50°
v12,5°
m Vs
t
107k
107.k
12,5°
X
12,5°
a
1284
0,0920
12,39
0,2160
0,2164
277,3
0,934
64,40
0,2495
12,38
3,773
3,780
243,4
0,813
4,017
0,6290
12,54
31,80
31,78
127,6
0,431
2,011
0,7923
12,71
48,15
48,01
96,5
0,330
1,005
0,9982
12,43
65,91
65,98
66,3
0,229
0,201]
L 1,707
12,58
37,71
37,67
7,57
0,025
Analog wie oben für C C13C02H angegeben ist, fand sieb ^oo . 12,5° — 297.
Tabelle XIV.
Kafiumsalze der beiden Säuren.
A
Q (pT
201,59 90,05
167,13 73,91
C C13C02K
CC12HC02K
^12,5°
7,852
7,921
T
12,640°
,554
grc
2,08444
2,28149
ö H 20, T
3,23577
3,23512
0,014205 111,*
0,011766 93, :
t - deiy 4 a t a00„ n— n0 v (n_n0) Aß AR'
CC13C02K 12,64° 5° 4' 33" +41, o" +3,3" 5° 5' 17" 0, 002946 23,130° 53,15 31,49
CC12HC02K ,55 4°42'25" +41, o +1,2" 4° 43' 7" 0, 002535 20,085 44,72 26,46
Der Gehalt der Lösungen beruht auf Titrirung mit 0,1 KOH Lösung.
BeiCCl3C02H ergab letztere bei etwa 1/16 normalen Säurelösung —
15,724, bei einer etwa normalen Lösung v12o= 3,9353. Berechnet man
aus diesen Werthen den Gehalt der Originallösung, aus welcher alle anderen
durch Verdünnen mit Pipette und Messkolben hervorgingen, so findet sich
dafür v12o — 5,082 bezw. 5,076. Die Werthe stimmen bis auf 1,2 °/00 überein;
der erstere derselben wurde, da er auf umfangreicheren Beobachtungen
beruht, zu Grund gelegt. Aus dem Gewicht der zur Originallösung ver-
wendeten Substanz (Kahlbaum) und dem Lösungsvolumen fand sich
Vi20 = 5,054 5 was in guter Uebereinstimmung mit dem obigen ist.
*) Siehe p. 76 Anmerkung *).
78
Für CC12HC02H ergab die Titrirung der etwa t/16 Lösung für die
Originallösung t»i3,7o = 0,2012, während aus der Herstellung 0,2005 folgt.
Der erstere Werth war in den Tabellen anzuwenden.
Den Gehalt der K- Salzlösungen lieferte deren Herstellung. Eine der
Säurelösungen wurde mit KOH scharf neutralisirt, der Haltbarkeit wegen
eine Spur Säure zugesetzt und dann auf gemessenes Volum aufgefüllt.
Den Temperaturreductionen der optischen Beobachtungen liegen die
x des § 5 zu Grunde. Die für die Dichtereductionen erforderlichen Aus-
dehnungscoefficienten wurden bestimmt und ergaben:
Tabelle XV.
■ V
10%
t
C C13C02H
0,197
7,47
12,6°
3,93
1,47
12,6°
63,o
1,17
12,6°
CC12HC02H
0,201
Ui
12,5°
•n
4,02
1,46
12,5°
CC13C02K
7,85
1,51
12,4°
CC12H C02K
7,92
1,50
12,5°
Was den Vergleich mit meinen früheren Beobachtungen betrifft, so
ist zu berücksichtigen, dass jetzt ein viel grösseres Concentrationsintervall
benutzt ist. Dadurch wird, wie sich aus dem Folgenden ergiebt, schon
wegen des Concentrationseinflusses ein Ansteigen der Aequivalentrefraction
bewirkt. Beschränkt man sich auf das früher benutzte Intervall, so ist
der Anstieg von R, procentisch genommen, etwa so gross, wie früher bei
Schwefelsäure, indess bleibt er jetzt aber auch in den' R'- Werth en bestehen.
Absolut genommen, ist er etwa so gross, wie früher bei Zucker, bei dem
jedoch der Grösse der Molecularrefraction wegen der absolute Betrag der
Aenderung nur mit geringer Genauigkeit «bestimmt werden kann.
Um etwas darüber schliessen zu können, inwieweit der aus den Tabellen
ersichtliche Anstieg der Refraction mit der Verdünnung von der Dissociation
abhängt, mögen zunächst die Refractionsunterschiede zwischen Salz und
Säure für gleich dissociirte Lösungen von Salzsäure, Di- und Trichlor-
essigsäure zusammengestellt werden. Der erste Absatz der Tabelle enthält
die von Herrn Le Blanc und Rohland gegebenen Werthe, die folgenden
wesentlich auf meinen Bestimmungen beruhende. Die Bezeichnungen sind
die oben gebrauchten.
Tabelle XVI.
a
AR
Diffe-
AR'
Diffe-
Säure
Na- Salz
Säure
Na-Salz
renz
Säure
Na-Salz
renz
HCl*)
0,65
0,66
14,5
15,9
1,4 j
8,48
9,23
0,75
CC13C0‘2H
0,65
0,74
48,1
50,2
2,1
28,52
29,68
1,17
C CRH C02H
0,13
0,66
38,8
41,6
2,8
23,n
24,50
1,39
*) Dieser erste Theil der Tabelle nach Le Blanc und Rohland.
79
d
AR
Diffe-
AR'
Diffe-
Säure
K-Salz
Säure
K-Salz
renz
Säure
K-Salz
renz
CC13C0-H
0,056
0,81
47,52
53,14
5,62
28,14
31,49
3,35
C (TU CO II
11
ii
38,42
44,78 1
6,36
22,84
26,46
| 3,62
HCl*)
0,21
0,81
14,26
19,04
4,78
8,30
11,18
2,88
C C13C02H
. H
ii
47,72
53,14
5,42
28,27
31,49
3,22
ccnico h
V
11
38,82
44,78
5,96
23,12
26,46
3,34
HCl
0,65
0,81
14,5
19,04
4,54
8,48
11,18
2,70
CC13C02H
n
ii
48,29
53,14
4,85
28,62
31,49
2,87
C C12HC02H
•,i
ii
39,5
44,78
5,28
23,49
26,46
2,97
HCl
0,81
0,81
! 14,44
19,04
4,66
8,43
11,18
2,75.
CCPCOHI
11
ii
48,44
53,14
4,70
28,71
31,49
2,78
CCPHCOHI
11
ii
39,88
44,78
4,90
23,62
26,46
2,84
H2S04**)
0,75
ii
11,64
16,39
4,75
9,60
6,74
2,86
Aus der Tabelle sind die für eine Reihe gleicher Dissociationsgrade
bestehenden Refractionsdifferenzen der drei Säuren gegen ihr Kaliumsalz
zu ersehen. Sie sind bei sehr grosser Dissociation (grosser Verdünnung)
für die verschiedenen Säuren einander fast gleich, werden aber mit ab-
nehmender Concentration immer ungleicher. Bei 20 °/0 Dissociation unter-
scheiden sie sich für Salz- und Dichloressigsäure um 1,2 Einheiten. Daraus
ergiebt sich wieder eine quantitative Schätzung des Concentrationsein-
flusses***), derselbe ist, falls bei andern Substanzen ähnliche Aenderungen
eintreten, wie bei den obigen drei Säuren, von gleicher Grössenordnung
wie ein wahrscheinlich bestehender Einfluss der Dissociation.
Dass der letztere besteht, dass er zur Erklärung eines Theiles des
Anstieges der Aequivalentrefraction jedenfalls bei der Dichloressigsäure
sehr wahrscheinlich herangezogen werden muss, ist ebenfalls aus der
Zusammenstellung ersichtlich. Wenn darüber wegen des verhältnissmässig
grossen Concentrationseinflusses noch Zweifel Zurückbleiben könnten, so
heben sich diese bei einer Vergleichung mit den für Essigsäure früher
gefundenen Werthen, bei denen innerhalb der Verdünnungen von 1 bis 100
eine Constanz der 21,45 betragenden Aequivalentrefraction bis auf 0,02
Einheiten nachgewiesen werden konnte. Von solchen Einflüssen, welche
*) Die Werthe für HCl nach Le Blanc, die für IC CI nach Dijken.
**) Für H2S04 ans eigenen Werthen für diese Säure, und Werthen von Herrn
Dijken für % (NH^SO^ NH4C1 und KCl berechnet.
***) Den Umstand, dass auf die Werthe AK bezw. AR' noch unbekannte Einflüsse,
hier Concentrationseinflüsse genannt, wirken, hielt ich beim Abfassen früherer Arbeiten
für allgemein bekannt und beschränkte mich deshalb auf die Untersuchung möglichst
verdünnter Lösungen. Ich wies auf denselben (z. B. Wied. Ann. 53, 1894, p. 11) mit
den Worten hin: . . . „andererseits ist ja die Unveränderlichkeit des Brechungsvermögens
auch sonst nur annäherungsweise vorhanden und zu erwarten.“ Zu diesen Worten fügt
Herr Dijken nicht in seiner Dissertation, aber in dem Auszug derselben in Ztschr.
phys. Chem. 1. c. die Bemerkung , dass sie ihm nicht klar seien. Aus dem Obigen ist
ersichtlich, was ich damit gemeint habe. Uebrigens möchte ich hinzufügen, dass
Herr Dijken meine Schlüsse in seiner Dissertation zwar genügend vollständig citirt,
dass dieselben in dem erwähnten Auszug aber infolge des Zusammenstreichens meine
Anschauung nicht mehr genügend wiedergeben.
80
mit der Dissociation weder direct noch indirect Zusammenhängen, dürfte
aber ' hei der Essigsäure auch noch etwas constatirbar sein müssen,
wenn sie bei ihren Chlorsubstitutionsproducten eine grössere Rolle spielen
würden.
Wenn sich also die Schlüsse der Herren Le Blanc und Rohland in
einem der beiden von ihnen angegebenen Fällen, beim Bromcadmium,
als irrthümlich erwiesen haben, so erhalten wir in dem anderen, bei
Dichloressigsäure, durch den Verlauf der Aequivalentrefraction bei Ver-
änderung der Concentration eher eine Bestätigung derselben. Der H nimmt
sehr wahrscheinlicher Weise eine quantitative Ausnahmestellung in der
Richtung ein, dass bei ihm die Dissociation genügend grossen Einfluss
auf die Aequivalentrefraction hat, um auch trotz sich überlagernder anderer
Einwirkungen wahrgenommen werden zu können.
Hinsichtlich der Frage, von welcher Art der „Concentrationseinfluss“
ist, folgt zunächst aus den Beobachtungen mit Zucker, dass er jedenfalls
zum Theil mit der Dissociation auch indirect nicht zusammenhängt, zum
Theil könnte er aber auch von der Dissociation mit veranlasst sein,
indem beispielsweise eine von der Concentration abhängige Wechsel-
wirkung zwischen Jonen und Lösung, welche einen Einfluss auf die
Aequivalentrefraction hätte, bestehen könnte.
Was die Quantität des Einflusses der Dissociation auf das Brechungs-
vermögen des H betrifft, so lässt sich darüber weder aus den hier ange-
gebenen Versuchen noch aus denen der Herren Le Blanc und Rohland
etwas schliessen, da über den Concentrationseinfluss genügende, quantitative
Annahmen nicht gemacht werden können. Die Messungen an den Essig-
säuren würden für den Uebergang vom undissociirten in den vollständig
dissociirten Zustand etwa 0,8 Einheiten ergeben (für AR'). Bei Salzsäure
kann ein ähnlicher Vergleich, wie der mit Essigsäure, nicht herangezogen
werden. Wenn man aber die Werthe für Salzsäure überblickt und mit denen
für Essigsäure vergleicht, so sieht man sich zu der im vorigen Absatz
angegebenen Folgerung gedrängt, so dass für die Dissociirung des H
ein von der Substanz, in welcher er enthalten ist, unabhängiger Werth
der Steigerung der Aequivalentrefraction, vielleicht gar nicht zu erhalten
ist (d. h. experimentell könnte ein constanter und ein variabeler Theil
untrennbar sein), was ja mit der Dissociationstheorie keinen Widerspruch
bildet.
Bei weiteren Versuchen etwa die verschiedenen Einflüsse zu trennen,
dürfte es angezeigt sein zu berücksichtigen, dass die Schlussweise des Herrn
Le Blanc auf Werthen beruht, welche Differenzen von Differenzen von
Differenzen sind. Es handelt sich ja um die Unterschiede der Aequivalent-
refractionsdifferenzen von Säure und zugehörigem Salz. Die Aequivalent-
refractionen bilden aber selbst, wie aus der p. 70 citirten Formel ersicht-
lich ist, die Summe zweier Differenzen, nämlich der molecularen
Brechungsdifferenz und des Molecularvolumens, welch5 letzteres die
Differenz des Volumens von Lösung und darin befindlichem Wasser dar-
stellt. Daraus folgt, dass für weitere Bestimmungen die schärfsten
Methoden, insbesondere auch für die optischen Bestimmungen, Differential-
methoden, anzuwenden sind. Ferner wäre zu berücksichtigen, dass der
Schlussweise des Herrn Le Blanc wesentlich durch die systematische Folge
der untersuchten Verbindungen Wahrscheinlichkeit verliehen wird, so dass
es erwünscht ist, die Zahl der untersuchten Säuren zu vermehren.
81
Schliesslich möge noch darauf hingewiesen werden, dass die Durch-
sicht der Tab. XVI zeigt, dass die R'-Werthe den Concentrationseinfluss
besser eliminiren wie die R-Werthe*).
Zusammenstellung der Resultate. Es ist die Theorie des
Umdrehverfahrens bei der Differentialmethode mit streifender Incidenz
des Verfassers gegeben und zwar unter Berücksichtigung der Winkelfehler
des Trogs und der Abweichungen der Platte vom Planparallelismus. Die
Genauigkeit der Methode ist experimentell nachgewiesen, die Brechungs-
differenzen lassen sich bis auf etwa 1,5 Einheiten der sechsten Decimale
bestimmen. Die untere Grenze der erreichbaren n — n0 ist etwa 3X10-4,
wobei man noch über 3/2 °/0 Genauigkeit hat. Der Einfluss der
Temperatur auf die Beobachtungen und die daraus entspringenden
Temperaturcorrectionen sind dargelegt.
Die Frage nach der Abhängigkeit des Brechungsvermögens von der
Concentration, insbesondere, ob sich dabei ein Einfluss der Dissociation
zeigt, ist dahin zu beantworten, dass ein solcher Einfluss von sicher deut-
barer Grösse im Allgemeinen nicht vorhanden ist, dass etwa bestehende
Aenderungen zu klein sind, um sicher gedeutet werden zu können.
Die Zunahme der Brechungsdifferenz mit wachsender Verdünnung findet
im Allgemeinen eine Erklärung durch den Gang der Dichte. Dass der
H wahrscheinlicher Wreise hiervon eine Ausnahme bildet, worauf Herr
Le Blanc geschlossen hat, wurde bestätigt. Ueber die Grösse des Einflusses
lässt sich nichts Sicheres aussagen, da der sich überlagernde Concentrations-
einfluss von derselben Grössenordnung ist. Der bei Bromcadmium von
Herren Le Blanc und Rohland gefundene grosse Einfluss der Dissociation,
der einzige Fall, in dem der Concentrationseinfluss gegenüber dem anderen
verschwindet, und der somit einen einwandfreien Schluss gestattet hätte,
beruht auf einem Irrthum.
*) S. auch. Wied. Ann. 53, 1894, p. 11.
December 1898.
Technische Hochschule Dresden.
V. Resultate der floristischen Reisen in Sachsen und
Thüringen.*)
Yon Prof. Dr. O. Drude.
In der Festsitzung unserer Gesellschaft am 14. Mai 1885 hatte ich
die Ehre, als wissenschaftliches Vortragsthema „Sachsens pflanzengeo-
graphischen Charakter“ zu behandeln; eine Anmerkung im Referat über
diese Sitzung besagt, dass von einer Drucklegung dieses Vortrages ab-
gesehen werden sollte in Hinsicht auf die geplante Erweiterung des ganzen
Gegenstandes zu einer grösseren, durch Karten erläuterten Abhandlung.
Dreizehn Sommer sind inzwischen in das Land gegangen, und jeder
fügte wesentliche Bausteine zu der Lösung jener Aufgabe hinzu. Vom
Jahre 1888 an stellte das Ministerium des Cultus und öffentlichen Unter-
richts einen besonderen Etat für die Vorbereitungen zu einer „Flora
Saxonica“ dem botanischen Institut zur Verfügung, so dass die vielen
nothwendigen Excursionen und weiteren Reisen gleichzeitig mit dessen
Assistenten veranstaltet und auch der Sammlungsdiener zur Unterstützung
beim Sammeln und Trocknen der Belegexemplare herangezogen werden
konnten. Dr. C. Reiche, Dr. A. Naumann und Dr. B. Schorler traten so
der Reihe nach in den Dienst der schönen Aufgabe, in unserem Herbarium
zunächst einmal eine grosse, das nächstliegende Landesinteresse berück-
sichtigende Sammlung zusammenzubringen und die speciellen Ausarbei-
tungen vorzubereiten in einer consequent durchgeführten Etikettirung und
Aktenführung; Dr. Schorler, nunmehr als Gustos unserer botanischen
Sammlungen an der Technischen Hochschule, übernahm dann später auch
die zeitraubende Abtheilung der niederen Sporenpflanzen und hat häufig
der botanischen Section Proben seiner andauernden Untersuchungen mit-
getheilt. 258 Tage habe ich persönlich in meinen Florennotizbüchern
verzeichnet als solche, die ich in den ganzen Jahren mit pflanzengeogra-
phischem Studium des hercynischen Florenbezirks zwischen Weser und
Lausitzer Neisse in freier Natur zugebracht, Tage genussreich und arbeits-
voll zugleich, die das volle Gefühl einer harmonischen Befriedigung zurück-
gelassen haben, indem sie zeigten, dass auch in unseren gut durchforschten
Gauen die Arbeit für den Naturforscher nicht aufhört, dass im Gegentheil
jede neue Idee dazu zwingt, die alten Pfade der Vorgänger wieder zu be-
treten und die Naturvorgänge in neuem Lichte wiederum an der Quelle zu
*) Vortrag, gehalten in der botanisch -zoologischen Section der naturwissenschaft-
lichen Gesellschaft Isis in Dresden am 20. October 1898.
88
beobachten,, Zugleich enthält eine solche pflanzengeographische Landes-
durchforschung die Grundziige über die Vertheilung der Gunst und Ungunst
in der Bodencultur. — Die grössere „pflanzengeographische Abhandlung“
über Sachsen und Thüringen ist nunmehr im Werden; sie soll einen Band
des grossen, von mir in Gemeinschaft mit A. En gier -Berlin unter dem
Titel „Vegetation der Erde“ in Einzelbearbeitungen herauszugebenden
Werkes bilden. Im Augenblicke, wo der ganze Stoff zur 'ausführlichen
Verarbeitung herangezogen wird, drängt es mich, unserer Section in
freierer Weise über die leitenden wissenschaftlichen Principien kurze
Mittheilung zu machen.
Wenn* heute naturwissenschaftliche Reisen und Ausflüge unternommen
werden, so hängen die zu erwartenden Resultate wesentlich von den Ideen ab,
die auf den Schienengleisen der Eisenbahn in die Natur hinausgetragen wer-
den, von den wissenschaftlichen Vorbereitungen, die dafür getroffen sind,
von den Zwecken, die als Beobachtungsziele vorschweben. In floristischer
Beziehung gab es in alten Zeiten nur eine Hauptrichtung, die der Species-
systematik; in neuer Zeit ist die geographisch -biologische Forschung als
selbständiges und neues, sich in mannigfache Aufgaben theilendes Gebiet
dazugekommen. Wenn ich mit meinen wissenschaftlichen Reisebegleitern
hauptsächlich der letzteren Richtung zu dienen mir vorgenommen hatte,
so geschah das in Erkenntniss der veränderten Anschauungen über das
wandelbare Wesen der Species , welche nur auf dem Umwege der zweiten
Richtung erfolgreicher Forschung weichen können, während die ältere
Herbarium -Richtung der einfachen diagnostischen Definition unter Hinzu-
fügung eines Namens in vielfacher Hinsicht zur Belastung und Verwirrung
der höheren Ziele in der Naturbeschreibung beiträgt. Jedenfalls stehen
sich die beiden Richtungen nicht fremdartig gegenüber, sondern ergänzen
sich zu einer nothwendigen Einheit und durchdringen sich gegenseitig;
dass ausserdem die ältere Speciessystematik das Grundgerüst der ganzen
Flora liefert, an dessen correctem Ausbau und Verbessern unausgesetzt
weitergearbeitet werden muss, ist so selbstverständlich, wie etwa die An-
lehnung von Geschichtsforschern an die nackten, in den Geschichtstabellen
überlieferten Namen und Jahreszahlen, welche gleichwohl nicht das Wesen
der Geschichte ausmachen. Zudem muss betont werden, dass die Weiter-
entwickelung des schwierigen Speciesbegriffs auf Reisen viel weniger ge-
fördert werden kann, als durch Versuche in botanischen Gärten und durch
analytische Vergleiche im Herbarium, wozu allerdings eine formenreiche
Sammlung unermüdlich zusammengetragen sein will. Und wie dies unsere
Absicht war, davon legt das sächsisch -thüringische Herbarium im bota-
nischen Institut Zeugniss ab, welches sich aus den unbedeutenden An-
fängen weniger Fascikel unter Mitwirkung so mancher eifriger Floristen
im Lande zu einer ansehnlichen Sammlung vergrössert hat.
Es musste sich also darum handeln, durch eigene Beobachtungen den
grösseren floristischen Bezirk zu erkennen, der Sachsen und Thüringen ein-
schliesst, dessen Grenzen festzusetzen und eine naturgemässe Eintheilung
seiner einzelnen Glieder vorzunehmen. Dies konnte nur geschehen auf
Grundlage der natürlichen Bestände oder Vegetatio ns- Formationen
sammt ihren hervorragenden „Leitpflanzen“, wie dieselben in der Isis-
Festschrift vom Jahre 1885 (S. 81) erklärt sind.
Es ist die grössere floristische Einheit gefunden worden in der Zu-
sammenfassung eines „hercynischen Florenbezirkes“, welcher sich
S4
vom Lausitzer Gebirge bis zu den westlichen Wasserscheiden der Weser
gegen das rheinische Gebiet erstreckt, im Norden den Harz mit seinem
ganzen Yorlande Braunschweig — Magdeburg umfasst, als Südgrenze den
grossen zusammenhängenden Gebirgswall Lausitzer Bergland — Erzgebirge —
Fichtelgebirge — Frankenwald — Thüringer Wald nimmt, dabei aber den am
Fichtelgebirge angeknoteten Böhmerwald als südöstlichste Zunge mit ein-
schliesst, und endlich im Süd westen als Grenzmark gegen Franken und
den Rhein die basaltische Rhön zum Eckpfeiler wählt, so dass das vom
Thüringer Becken nicht abzutrennende Werraland, von Meiningen an bis
herüber zur Fulda, mit eingeschlossen wird. Dieser hercynische Bezirk
nimmt noch Theil an den gemeinsam um die Alpen herum gruppirten und
zum Theil von ihnen ausstrahlenden Pflanzenbeständen der Berg- und
Hügelregion; er hat demnach grössere • Beziehungen zum Süden als zum
Norden und macht gegen die norddeutsche Niederung Front mit seinem
Grenzwall von Hügelketten aus den Trias-, Jura- und Kreideschichten von
Hannover bis Magdeburg. Besonders deutlich ist die Grenze gegen den
deutschen Nordwesten, gegen die sogenannte ,, nordatlantische Niederung“;
von den 1564 im hercynischen Florenbezirk zusammenkommenden Arten
an Blüthenpflanzen und Farnen kann man nur ungefähr die Hälfte noch
zum wirklichen Besitz dieses nordwestlichen Deutschlands rechnen, wie
allerdings auch ebenso unter den 1564 hercynischen Arten nicht wenige
sind, welche nur als äusserste Vorposten und gleichsam verschlagene Stand-
orte an einzelnen Stationen mitgezählt sind und als fremdartige Zuzügler
erscheinen.
Das hercynische Berg- und Hügelland ist demnach in seinem Floren-
charakter wesentlich mitteldeutsch und theilt daher viele Eigenschaften
mit seinen östlich und westlich angrenzenden Nachbargauen, zwischen
welche es sich wie ein Keil hineinschiebt und naturgemäss Verbindungs-
glieder in den Grenzlandschaften erzeugt. Im Osten hat es den sudeti-
schen Florenbezirk, im Westen den rheinischen zum Nachbarn; die Sudeten
haben mit ihrer karpathischen Verwandtschaft zugleich eine viel stärkere
Entwickelung von Formationen des oberen Berglandes, als irgend eines
der hercynischen Gebirge; sogar schon in den niederen Regionen stecken
ganz neue Areale, wie das grünlich blühende Veratrum album Jedem zeigt,
der vom Jeschken ausgehend das der Lausitz angrenzende Isergebirge
betritt. Und am Rhein nehmen Pflanzenarten des Südwestens ihre Grenze
(z. B. Acer monspessulanum und Prunus Mahaleb ), welche im hercynischen
Hügellande nur noch als Culturpflanzen der geschützten Hügelregion ge-
deihen.
Der hercynische Bezirk ist am besten in seinen Bergwald- und Hügel-
formationen ausgeprägt, während z. B. die Wasserpflanzen -Formationen
eine unbedeutendere Rolle spielen. Selbstverständlich herrschen ähnliche
Verhältnisse in den sudetischen und rheinischen Gauen, doch in vielfach
geänderter Zusammensetzung und Ausprägung; besonders aber muss die
Erwägung, dass die von dem sächsisch-thüringischen Grenzwall umschlos-
senen und mit dem Harz im Norden zu neuem Gebirge aufgethürmten
Landschaften eine geographische Einheit bilden, in der die Eigenschaften
des Beckens von den Gebirgen selbst abhängen, den Grundgedanken zu
dieser hercynischen Gruppenbildung liefern, und dann wird die Angliede-
rung des Böhmerwaldes im Süden und die des Werra- Fulda -Weserlandes
im Westen zur weiteren Notlr wendigkeit, um zu der einfachsten Dreithei-
85
lung des mitteldeutschen Berg- und Hügellandes im vorhingenannten Sinne
zu gelangen. In diesem hercynischen Bezirke erfreuen sich nun die Berg-
wälder überall des Besitzes von Acer Pseudoplatanus, alle mit Ausschluss
des Harzes auch noch der Abies pedinata, überall ist Sambucus racemosa
Charakterstrauch, vielfach auch Lonicera nigra ; die Massen staude Senecio
nemorensis, das wogende Gehalm von Calamagrostis Halleriana , die Rudel
von Atropa Belladonna , im westlichen Theil die ungeheuren Massen von
Digitalis purpurea\ sie alle zeigen den hercynischen, gen Norden scharf
abschliessenden Florencharakter an. In den Hügelformationen herrscht
neben der allgemeinen Salvia pratensis auch S. verticillata , selten auch
S. silvestris; die Teucrium- Arten spielen zumal auf Kalkboden eine im-
posante Rolle; Ornithogalum umbellatum blüht in Masse auf den Hügel-
wiesen und Meum athamanticum bildet im Berglande fast überall die
Zierde torfiger Wiesen; von den unteren Hainen bis zu den kahlen Berg-
gipfeln hinauf steigen die Rudel von Luzula nemorosa ( albida ), und in
manchen östlichen Gauen ist Car ex brizoides wie in Süddeutschland eines
der gemeinsten, ganze Hainbestände dicht erfüllenden Riedgräser: auch
diese enden alle mit Nordgrenzen gegen die Niederung oder verlieren sich
nach dorthin unregelmässig. Es fehlt aber in dieser gedrängten Skizze an
Raum, um in die floristischen Einzelheiten tiefer einzudringen.
Die Frage drängt sich dagegen von selbst als eine von hervorragen-
der Bedeutung auf: wie sieht es mit der inneren Gliederung des ganzen
Florenbezirkes aus? Sind etwa nur Berg- und Hügellandschaften zu unter-
scheiden, oder drückt sich ein weiterer Unterschied in deren Lage nach
0., W. oder S. aus? Diese Frage, die Abgrenzung natürlicher Landschaften
im Ganzen, war selbstverständlich eine der wichtigsten Aufgaben für die
pflanzengeographische Durchforschung und hat zu der Aufstellung von
14 „Lands chaften“ (oder Territorien) geführt, deren Namen nachher
folgen werden. Wovon hängt diese innere Gliederung, die Beschaffenheit
der einzelnen Theile ab? Drei Ilauptfactoren lassen sich dafür angeben:
a) Der Einfluss der verschiedenen Florenelemente, welche zur Be-
siedelung zur Verfügung standen, und je nach südöstlicher, nord-
östlicher, südwestlicher oder nordwestlicher Lage der Landschaft
nicht unerheblich verschieden waren; in dieser Lage muss sich
zugleich der Einfluss des sudetischen, böhmischen, fränkischen
oder rheinischen Nachbarbezirkes ausdrücken. Hierbei handelt
es sich also hauptsächlich um den Einfluss der posttertiären und
postglacialen Entwickelung, die Ablagerungen von Löss für steppen-
artige Formationen (und es ist sicher, dass die östlichen Genossen-
schaften von Meissen bis Magdeburg alle auf Bodensorten mit
gewissen gleichmässigen, staubig-trockenen Eindruck hervorrufen-
den Eigenschaften Vorkommen); die Erklärung der Relicte fällt
hier hinein.
b) Der Einfluss der Höhenlage und des davon abhängigen Klimas
nach den beiden wichtigsten Hebeln der Vegetationsprocesse, Wärme
und Nässe. Bei 400 — 500 m Höhe beginnt an Nordhängen im
Allgemeinen die Bergzone, bei 1100 — 1300 m endet die letztere
mit dem Fichtenwalde und es beginnt ein schwacher Anfang von
subalpiner Zone, welche zu Ende ist, ehe sie zum ordentlichen
Ausdruck gelangen konnte. In diesem Mangel der Entwickelung
einer besonderen Hochgebirgsregion liegt ein wesentlicher hercy-
86
nischer Charakter; ihm ist die im Grossen und Ganzen herrschende
Einförmigkeit in den dichten Fichtenbeständen der Bergkämme
zuzuschreiben, die sich nur einmal da ändert, wo ein Hochmoor
ausgebreitet liegt, oder wo für hochgelegene quellige Schluchten
und geröllführende Berghaiden genügender Platz vorhanden ist.
c) Der Einfluss des Bodens, in seiner Zusammenwirkung mit Ver-
witterung, Insolation und Befeuchtung, welche dem Boden erst
die eigentliche Bedeutung verleihen. Die Bodenarten sind im
hercynischen Bezirke in allen möglichen Abstufungen von Ur-
gesteinen, paläozoischen Grauwacken, Thon- und Kieselschiefern,
in der Abwechselung von Buntsandstein und Muschelkalk in den
Triaslandschaften, seltener mit Keupersandsteinen, in Quadersand-
steinen, diluvialen Geschieben und endlich in mächtigen Basalt-
erhebungen und Porphyrmassen vertreten; bis zu einem gewissen,
mit floristischem Takt einzuhaltenden Grade sind einzelne Land-
schaftsgrenzen sehr wohl mit bestimmten geognostischen Boden-
klassen in Uebereinstimmung zu bringen; oft ist aber eine rein
orographische Linie wichtiger als das Auftreten einer anderen
geologischen Formation.
Das waren die wesentlichen Gesichtspunkte, welche an der Hand der
nöthigen Hilfsmittel auf unseren Botanisirreisen den Leitfaden für die
Florenaufnahmen bildeten und welche mit den wirklich Vorgefundenen
Beständen in Uebereinstimmung zu bringen waren. Und welche Viel-
heit in diesen Beständen! Gleichen sich schon die Wiesen selten, wie
viel weniger noch der Wald in seiner, je nach Baumarten wechselvollen
Zusammensetzung. Hierüber kann ich heute um so rascher hinweggehen,
als ich schon früher (Isis 1888, S. 68) eine ausführliche Formationsliste
von den hercynischen Landschaften als Ergebniss der darauf gerichteten
Untersuchungen entworfen habe. Dieselbe ist aber vielleicht noch etwas
zu mannigfaltig, was eher zu Schwierigkeiten in der Verwendung führt
als das Gegentheil; daher gebe ich hier eine kurze, handlichere Zusammen-
ziehung unter Anführung mancher charakteristischer Pflanzenarten als
Beispiele. Diese Zusammenziehung entspricht einer biologischen Gliede-
rung der Standorte nach dem geringsten Maasse.
Die 10 hercynischen Formationsgruppen in charakteristischer
Y Ausprägung. (Höhenangaben im Mittel.)
I. Wälder, trocken, 100 -—500 m ( Carpinus , Tilia, Betula , Quercus,
Fagus). — ( Acer campestre, L. Xylosteum).
II. Wälder, bruchig, 80 — 300 m {Ainus! Fraxinus, Quercus, Car-
pinus). (Frangula! Angelica silvestris 9|).
III. a) Wälder, montan, 500 — 1200 m (Abies, Fagus , Acer Pseudoplat.,
Picea). — ( Sambucus racemosa, Lonicera nigra).
b) Quellflur. {Chrysosplenium, Chaerophyllum hirsutum. — Mul-
gedium alpinum 600 — 1200 m).
IV. Kiefernhaidewald. ( Pinus silvestris, Betula). ( Calluna , Saro-
thamnus , Gnaphal. dioicum).
V. Hain-, Fels- und Geröllfluren auf dysgeogen-pelit. Boden.
(. Rosaceae : Crataegus, Bosa, Prunus spinosa, Cotoneaster,
Aronia, Sorbus Aria.)
87
a) Kalk: Bupleurum falcatim, Sesleria, Clematis Vitalba. Gen-
tiana ciliata. — Die Teucriam - Gruppe.
b) Silicat und indifferent: Anthericum , Lactuca perennis. Carex
humilis, Peuced. Cervaria. (Puls, pratensis, Potentilla arenaria).
c) montan -subalpin: Dianthus caesius. Woodsia ilvensis. Saxifraga
decipiens. Aster alpinus. — Andreaea! Gyrophora und TJm-
bilicaria.
VI. Wiesen, a) 100— 500 m (Cirsium oleraceum, Geranium pratense,
Carum und Heracleum i, Crepis biennis).
b) 500 — 1200 m (Meum alhamanticum, Geranium silva-
ticum, Crepis succisifolia , Cirsium heterophyllum).
VII. Moore, a) Caricetum ohne Sphagna und Vaccinium Oxycoccus.
Erioph. polystachyum ; Carex vulgaris, panicea etc.),
b) Sphagneta mit Erioph. vaginatum , Vaccinia! Cal-
luna. — (Pinus montana, Andromeda, Empetrum etc.)
VIII. Berghaide und Borstgrasm atte. ( Calluna und Vitis idaea!
Calamagrostis Haller iana! Nardus ! Luzula sudetica. Juncus
squarrosus. Empetrum. Trientalis. Cetraria).
IX. a) Binnengewässer- (Ufer- und Wasserpflanzen-) Formationen.
b) Salicornia- Salzsümpfe.
X. Culturfo rmationen: Unkräuter, Brachpflanzen, Ruderalpflanzen.
Nach dem Auftreten dieser Formationsgruppen in besonderer ört-
licher Ausgestaltung („Facies“) und mit besonderen oder allgemein durch-
gehenden Leitpflanzen versehen, bestimmen sich die Charaktere der 14
Landschaften im hercynischen Florenbezirk. Um von ihrer Bestandesab-
wechselung eine flüchtige Skizze zu zeichnen, versetzen wir uns in die
Eindrücke einer Botanisirfahrt durch einen grossen Theil unseres Gebietes
und verlassen die uns am genauesten bekannten Gefilde im Dresdner Elb-
thal zu raschem Aufstieg auf die Höhen des Erzgebirges bei Oberwiesen-
thal und Gottesgab. Hier, an den Abhängen des Fichtel- und Keilberges,
finden wir die Formationen F. IHa und Illb, VI b, VII b und VIII, während
fast alles Andere fehlt. Die Quellflur erhält ihre besondere Ausprägung
hier durch Streptopus , Bergwald und Borstgrasmatte durch Homogyne ,
während Mulgedium und Panunculus aconitifolius als gemeinsame Ler-
cynische Bestandtheile auftreten; Scheuchzeria, Carex limosa, Betida nana,
Sivertia und die dichten Bestände von Pinus montana und Betula carpathica
machen die Hochmoore besonders interessant.
Im raschen Wechsel der Unterholzflora in den Bergwäldern steigen
wir am Südabhang des Gebirges von unseren 1200 m überragenden Höhen
herab und treffen hier, in voller Sonnenwirkung, schon bei relativ bedeu-
tenden Höhen (über 600 m) in den zahlreichen die Gebüsche durchsetzen-
den Trauben goldgelber Bliithen von Cytisus nigricans die obersten Merk-
zeichen von F. Vb, während rasch Meum athamanticum nebst Arnica montana
auf den Bergwiesen abnimmt und schwindet. Nicht lange dauert es und
Salvia pratensis tritt dafür an deren Stelle, auf kahlen Felsen erblühen
die Sedum -Arten, Labiaten häufen sich und bei Hauenstein oberhalb der
Eger ist Campanula glomerata ein gemeiner Bestandteil der Raine. Das
Egerthal tritt hier ein in das böhmische Mittelgebirgsland; wir eilen strom-
auf nach den Höhen des Kaiserwaldes, wo uns (wie im Elstergebirge) in
Erica carnea und Polygcda Chamaebuxus zwei am Fichtelgebirgsknoten
150
bis ;
500 m
88
allein im Gebiet auftretende nordalpine Arten aufstossen, hier als selt-
sames Beigemisch zu der unteren Stufe der Bergwälder, im Schutze mäch-
tiger Weisstannen und Fichten. Ueber Eger geht es zum Fichtelgebirge
hinauf, über Pinguicula und Meum führende Bergwiesen, zum alten Moor
am Fichtelsee im Bereich hochstämmiger Pinus montana. Im Südosten
schimmern die Kuppen des tannenreichen Böhmerwaldes herüber, auf
denen das gemeine Meum athamanticum durch beschränkteres Auftreten
von Ligusticum Mutellina ersetzt wird. Wir wollen aber unsere botanische
Reise nordwärts fortsetzen und wählen als Wegweiser die Thüringer Saale.
Ihre Quelle hat sie 728 m hoch unter dem Granitwall des Waldsteins und
von hier bis zu ihrer Einmündung in die Elbe durchströmt sie wechsel-
volle Landschaften in anziehender Abwechselung der Hauptformationen.
Die Saale ist von allen hercynischen Flüssen der bedeutungsvollste, weil
sie der hercynischen Flora durchaus treu bleibt; die reizvollen Abschnitte
des Elbe- und Weser-Stromthales, soweit sie unserem Bezirke angehören,
enthalten die Marksteine der östlichen und der westlichen Hügelformationen
an ihren beiderseitigen Ufern, aber die Saale bezeichnet in ihrem mit
vielen Krümmungen nordwärts gerichteten Laufe selbst eine der wichtig-
sten Scheiden von östlichen und westlichen Formations-Ausprägungen, wenn
auch der eine und andere Floren Charakter bald hier, bald da über den
Fluss herübergreift und sich seiner ganzen Gehänge bemächtigt. Zuerst
greift der östlich-montane Florencharakter nach West herüber: Prenanthes,
Aruncus , in den Gebüschen Cytisus nigricans , finden sich zahlreich. In
den schluchtenartigen Engpässen von Burgk und Ziegenrück bis Saalfeld
ist die F. Yc mit Dianihus caesius , Woodsia ilvensis und Aster alpinus
recht hübsch vertreten, und bei Ziegenrück, wo der Saalespiegel nur noch
etwa 300 m Höhe besitzt, trifft sich ein merkwürdiges Gemisch von Berg-
waldarten (Digitalis purpurea , Lonicera nigra , Aruncus) mit Hügelpflanzen
wie Digitalis ambigua , Sedum rupestre und Anthemis tinctoria , welche
stromabwärts bald zahlreichere Genossen finden. Einen lehrreichen For-
mationswechsel kann man sich vor Augen führen, indem man von Ziegen-
rück aus, da wo die Saale sich westwärts nach Saalfeld wendet, um als-
bald in den Triasschichten nordwärts umzubiegen und dann nach Osten
zurückzukehren, quer über das zwischenliegende Gefilde nach Ranis-Pössneck
zu marschirt, wo schon der hier auftretende Zechsteingürtel ganz neue
Yegetationsbilder schafft, und nun von Pössneck weiter nordwärts auf die
Saale zustrebt, die man in ca. 170 m Höhe bei Orlamünde wieder erreicht.
Und wie findet man sie wieder! Breite Wiesenthäler an einer Seite des
Stromes, bedeckt mit F. Yla, an der anderen Seite die Steilmauern rothen
Sandsteines, und an diesen im Gebüsch oder in den Felsspalten eine ge-
wöhnliche warme Hügelflora der Gruppe Yb mit Conyza als Leitpflanze,
darin schon Isatis tinctoria. Aber über Orlamünde steigen auf dem breiten
Sockel des Buntsandsteines spitzere Kuppen von Muschelkalk auf, die sich
schon aus der Ferne durch hellen Schimmer verrathen; ihr Schotterboden
ist mit zerstreut stehenden, ganz kurzen Kiefern überdeckt, dazwischen
ganz kahle, sonnenheisse Stellen: hier wogt im Winde eine kleine Steppe
von Melica ciliata und im Geröll ist anstatt des Thymian Alles erfüllt
von Teucrium Chamaedrys ; Anthericum ramosum wetteifert an Häufigkeit
mit Bupleurum falcatum und in den Ligustrum- wie Cbrmts-Büschen klettert
weithin die Clematis Vitalba. Da ist zum ersten Male auf diesem unserem
Reisewege die Vollentwickelung der F. Va uns entgegen getreten und sie
89
bezeichnet nebst den humusreichen Buchenwäldern mit vielerlei neuen Arten
den Charakter des Thüringer Beckens am schönsten.
Wir folgen der Saale bis zur Unstrutmündung nahe Freyburg; neue
Arten beginnen hier sich zu zeigen, seltenere Areale reichen bis hierher.
Der fest anstehende Kalk wird spärlicher; Geschiebe treten dazwischen,
Porphyrhügel umsäumen das Flussbett bei Halle: hier sind die Uferhöhen
bei Wettin und Bothenburg durch eine ganz andere Variante der Hügel-
formationen bekleidet, südöstliche Arten sind häufig wie im böhmischen
Mittelgebirge; Seseli Hippömarathrum giebt den Ton an, weniger häufig
zu sehen stimmen Astragalus exscapus und Oxytropis pilosa in dieselbe
Melodie.
Wir wählen den letzten Nebenfluss der Saale von Westen her, die
Bode, zu einer erneuten Bergwanderung zum Harz. Sie führt uns aus
dem Hügelgelände mit Steppencharakter und Abhängen voll fliegender
Grannen der Stipa capillata heraus in die Engpässe eines steilen Gebirgs-
thales, wo an 200 m hohen Granitwänden Saxifraga decipiens, spärlich
auch Aster alpinus den Montancharakter verrathen, während die geringe
Durchschnittshöhe den Arten von F. Vb (wie Allium fallax) die Ansiede-
lung auch noch gestattete. Aus dem Bodekessel wandern wir zu den
schweigsamen Hochwäldern des Oberharzes, bis uns der kleiner werdende
Bach stromauf bis zum Brockenfelde geleitet und nordwärts hinauf zum
Vater Brocken selbst, durch die letzten mit dem Sturme kämpfenden
Fichten auf die kahle Höhe mit ihrer Berghaide. Keine Homogyne , kein
Streptopus ist hier zu sehen, wohl aber dieselben Rosetten von Athyrium
alpestre wie am Keilberge, und — ein neuer Reiz an dieser Stelle — die
Brockenblume mit ihren zu „Hexenbesen“ verwandelten Früchten, Pulsa-
tilla alpina , und neben richtigem Hieracium alpinum auch eine beson-
dere Abart des H. nigrescens. Wie hier die F. VHl in anderer Ausprä-
gung durch neue Artgenossenschaft erscheint, so auch die Moore, die
Fichtenwälder. Betula nana wird hier an ihren seltenen Stellen fast
erstickt von den grossen Basen des Scirpus ( Tricliophorum ) caespitosus ,
aber kein Sumpf kiefergeblisch unterbricht den graugrünen Ton des Moores
mit den weissen Köpfen von Eriopliorum vaginatum . In den Wäldern kein
Prenanthes, kein Thalictrum aquilegifolium oder Aruncus , keine Eupliorbia
dulcis ; aber bei Andreasberg tritt uns zuerst auch hier in Eu . amygdaloides
eine Art des Westens entgegen, Digitalis purpurea erfüllt alle Gehänge,
in den Quellgründen wächst Midgedium mit Panunculus aconitifolius wie
in allen hercynischen Gebirgen.
Durch den Hildesheimischen Gau lenken wir zur Weser; Budel von
Rosa arvensis auf Aengern mit Spiranthes autumnalis sind wohl der Auf-
merksamkeit werth, noch mehr auf den Kalkhöhen bei Holzminden und
Höxter die seltene Dolde Siler trilobum. Weniger reiche Bergwälder der
unteren Stufe geleiten uns die Weser aufwärts bis zu der Stätte, wo Werra
und Fulda sich zum Hauptstrom vereinigen, und diese beiden westlichsten
Ströme führen uns durch das Casseler und Meininger Land bis zu den
Südwestgrenzen unserer Hercynia. Zunächst lockt uns die Werra in dem
Bereich zwischen Eisenach und Witzenhausen, wo sie in prächtigen Win-
dungen um den Binggau herum durch die Schichten der Trias bricht und
westwärts ihres Thaies den mächtigen Basaltklotz des Meissner zum
Wächter hat. Zwischen quellenreichen Buntsandsteinwaldungen wechselt
hier die Landschaft mit Steilmauern von Muschelkalk, einer neuen präch-
90
tigen Entfaltung von F. Va in ähnlicher, doch anderer Zusammensetzung
wie an der Saale. Amelanchier krönt mit Sorbits Aria, Cornus mas und
Cotoneaster viele Steilhänge, Laserpitium und Libanotis sind häufige
Charakterdolden, Aster Amellus mischt sich mit Linum tenuiflorum.
Und so können wir zum Schluss den südwestlichen Eckpfeiler, die
Rhön, betreten, ein Gebirge mit schon weit mehr südlichem Anstrich als
irgend . eines der anderen. Denn hier fehlt auch bei Erhebungen über
900 m der montane hercynische Fichtenwald, nur das untere Glied von
F. lila mit vorwaltender Buche ist entwickelt, und in deren Schatten
wächst hier Ranunculus aconitifolius mit Aconitum Lycoctonum und Cen-
taurea montana , zeigen sich die schönen Blüthensträusse von Campanula
latifolia und ganze gesellige Unterwuchsbestände von Lunaria rediviva.
An einzelner Stelle ist Pleurospermum austriacum üppig entwickelt, wie
in der Tatra oder dem Gesenke; die weiten Rasenflächen sind bis hoch
hinauf auf die Höhen mit Prunella grandiftora geschmückt. Aber auch
hercynische Moore sind eingestreut in 820 m Höhe und nahe den obersten
Kuppen der östlichen Gebirgserhebung, monoton und nicht so pflanzen-
reich wie die ersten auf unserem Reisewege, doch durch Car ex limosa
und Scheuchzeria ihnen verwandt; Sumpf kiefer fehlt, nur Empetrum mit
Andromeda sind neben den nie fehlenden Bestandtheilen der F. VILb
eben so häufig, und es fehlt auch nicht an den Krüppelgehölzen der
Sumpfbirken.
So können wir vom Gipfel des Kreuzberges aus, der besser als die
waldlose Wasserkuppe das Aushalten der Buche im Gemenge mit Fichte
und Tanne zeigt, hinüberschauen auf die Thalzüge der fränkischen Saale
und wir verstehen bei der Geringfügigkeit der Erhebungen, welche deren
Wasserscheide gegen die Werra bilden, wie an der Ostflanke der hohen
Rhön die fränkische Flora ihre Sendlinge nordwärts ausbreiten konnte bis
zum südlichen Hannover und mit ostwärts gerichteter Abschwenkung auch
theilweise in das Thüringer Becken, wo immer die Gesteinsbildung vor-
nehmlich des Muschelkalkes die für wärmere Hügelpflanzen erforderlichen
Plätze bot. Das böhmische Mittelgebirge gab seine Sendlinge an die
Lausitz und das Dresdner Elbthal ab, das Frankenland an die von Werra
und Fulda durchströmten Lande.
Fassen wir nun entsprechende Wahrnehmungen im ganzen hercyni-
schen Bezirke zusammen zu einer Gliederung des Ganzen, so ergeben
sich als ziemlich natürlich folgende 14 Landschaften: Das Weserland,
Braunschweiger Land, Werra- und Fuldaland mit der Rhön, das Thüringer
Becken, das Land der unteren Saale, das Land der Weissen Elster (Gera-
Leipzig), das vogtländische Berg- und Hügelland mit dem PTankenwalde,
das sächsische Muldenland, das Hügelland der mittleren Elbe (Pirna-Strehla),
das Lausitzer Hügel- und Bergland; diesen zehn Landschaften mit vor-
wiegendem Charakter der Hügel- und niederen Bergzone gesellen sich
nunmehr noch die vier hercynischen bedeutenderen Bergländer zu: der
Harz, Thüringer Wald, das' Erzgebirge und der Böhmer Wald. Sie liefern
die kleineren Einheiten für Schilderung der pflanzengeographischen For-
mationen, für die Untersuchungen der Wanderung und Florenbesiedelung
nach Beurtheilung der geologischen Entwickelung und der Arealstudien
(siehe Anhang!), oder für die ganz andere ökologische Seite der Forschung,
welche die Mittel zu prüfen hat, mit denen die einzelnen Arten sich an
ihren oft heiss umstrittenen Standorten zu erhalten vermögen.
91
Von grosser Bedeutung würde es sein, wenn die zoologischen Fach-
genossen in unserer Gesellschaft nach den von der Pflanzengeographie
gelieferten Grundzügen die Verbreitungsverhältnisse der heimischen Thier-
welt und deren Abhängigkeit entweder direct von bestimmten Vegetations-
formationen, oder aber von den gleichen zwingenden Verbreitungsursachen
in Hinsicht auf Areal und geologisches Ausbreitungsvermögen, zu ent-
sprechenden Bildern verarbeiten wollten. In manchen Fällen, wie z. B.
hei der Verbreitung des Hamsters und ähnlicher, erscheint es schon jetzt
nicht schwierig; in anderen Fällen werden wahrscheinlich die Resultate
je nach Thierklassen verschiedenartig ausfallen und da wären vielleicht
die Schnecken und die Schmetterlinge zunächst mit einander zu ver-
gleichen.
Anhang.
Die Arealstudien, die Zugehörigkeit der charakteristischen Arten
bestimmter Formationen zu verschiedenen Verbreitungsgruppen, bilden
den streng pflanzengeographischen Tlieil der im Vorhergehenden kurz an-
gedeuteten Formationsschilderungen. Nach einem weiteren Vortrage in
der botanischen Section der Isis am 9. Februar 1899 über diesen Gegen-
stand sei daher zur Ergänzung des ersten Vortrages noch Folgendes hier
kurz angeführt:
Die Areale, welche für die Mehrzahl der Arten in einzelnen Ländern
geschlossene Figuren bilden und von deren Rändern aus sich noch als
„sporadische Standorte“ in weiteren Umkreisen ausdehnen, werden zweck-
mässiger Weise nach besonderen Typen zusammengefasst. Die für Deutsch-
land gütigen Typen umfassen sowohl geschlossene Areale, wie z. B. das
Areal der Buche und Tanne in wichtigen Antheilen, als auch sporadische
Standorte jenseits der Grenzen nordischer, östlicher, westlicher und süd-
licher Hauptareale, wie z. B. derjenigen von Linnaea borealis , Adonis ver-
naliS) Erica cinerea und Ruta graveolens. Nach der Form und Lage
dieser Areale, welche Deutschland theils mit der geschlossenen Hauptfigur,
theils nur mit den sporadischen Standorten erreichen und durchsetzen,
unterscheide ich für das ganze in „Deutschlands Pflanzengeographie“, Bd. I
durchmusterte Gebiet von 3020 Blüthenpflanzenarten 24 Typen, welche
ich zur leichteren Kennzeichnung mit einer abgekürzten Signatur versehe;
dabei bedeuten die Buchstaben:
H. Hochgebirge (Alpen, Karpathen, ausstrahlend auf die Mittelgebirge),
E. Europa, bezw. europäischer Antheil borealer Areale,
M. Mitteleuropa im Sinne des Florengebietes,
B. Boreal, d. h. von weiter nördlicher Verbreitung,
U. Uralisch, d. h. für Europa besonders von Westsibirien und dem nord-
östlichen Russland herkommend,
Po. Pontisch, d. h. mit dem Hauptareal in den südrussischen Steppen
vorkommend,
P. Pontisch im weiteren Sinne, d. h. mit dem Hauptareal auf das untere
Donaugebiet fallend,
Atl. Atlantisch, NAtl. Nordatlantisch,
W. Westeuropäisch in der Bergregion Pyrenäen — Rhein etc. und
A. Arktisch, d. h. in Island — Grönland — Spitzbergen vorkommend.
92
Diese Arealtypen und Abkürzungen sind auf mitteleuropäische Pflanzen-
geographie zugeschnitten und würden für andere Gebiete zweckmässig
anders zu fassen sein; sie schliessen gleichzeitig bestimmte Vegetations-
linien in sich, z. B. den bekannten Gegensatz pontischer Areale mit nord-
westlichen, und atlantischer Areale mit südöstlichen Vegetationslinien.
Die deutschen Arealtypen mit ihren Signaturen sind in der folgen-
den Liste zusammengestellt und durch bequem vorliegende Beispiele ge-
kennzeichnet; diejenigen, welche für den hercynischen Florenbezirk von
Bedeutung sind, erhalten Fettdruck.
ME1 Fagus silvatica : engeres Mitteleuropa.
ME' Ainus glutinöser. Mitteleuropa, erweitertes Gebiet.
Mm Alles pectinata , Acer Pseudoplatanus : engeres montanes Areal
von dem den Alpen vorgelagerten Theile Mitteleuropas.
S Castanea , Ostrya: Südeuropäische, Deutschland im SW. und SO.
berührende Areale.
Mb1 Picea excelsa : erweitertes mitteleuropäisch -boreales Areal.
MbA Vaccinium Vitis idaea : das Fichtenareal Mb1 bis zum arktischen
Gebiet erweiternd.
HU Cembra, Larix: mitteleuropäische Hochgebirge und uralisches
Europa, das Areal disjunct, d. h. durch einen breiten Länderraum
getrennt.
Hl Wulfenia carinthiaca : auf die Alpen als Endemismen beschränkte
Areale.
H2 Saxifraga carpathica , perdurans: auf die Karpathen als Endemis-
men beschränkte Areale.
H3 Rhododendron ferrugineum , hirsutum. — Palsatüla alpina , Homo-
gyne: alpin - karpathische, auch sonst weiter in den Hoch- und
Mittelgebirgen des Gebietes Mm verbreitete, den Harz nach
Norden nicht überschreitende Areale.
M4 Swertia perennis: dem Areal wie unter H3 gesellen sich noch
sporadische Standorte in der atlantisch -baltischen Niederung zu.
H5 Ranunculus aconitifolius : das Areal wie unter H3 ist auf Skan-
dinavien ausgedehnt, wo die Montanarten in tieferen Regionen
wiederkehren.
AH Dryas odopetala : ein der Hauptsache nach arktisch-circumpolares
Areal ist gleichzeitig auf die in H3 bezeichneten Gebirge ausgedehnt
(nicht auf die Niederung).
AE1 Pedicularis sudetica: ein arktisches Areal hat, durch weite Länder-
räume getrennt, in den mitteleuropäischen Gebirgen beschränkte
Standorte und ist nicht alpin-verbreitet.
AE2 Betula nana : ein arktisches Areal von weiter nordeuropäischer
Hauptfigur durchsetzt mit nach S. abnehmenden sporadischen
Standorten die baltische und mitteldeutsche Flora bis zu den
Alpen.
BU1 Chamaedaphne calyculata : boreale, in Europa uralische Areale
schliessen mit einer westlichen Vegetationslinie vor den Arealen
ME1 bezw. Mm ab.
BIT2 Pleurospermüm austriacum: die gleichen Areale durchsetzen Mittel-
europa weit gen W.
93
WM ra Digitalis purpur ea , Meum aihamanticum : westeuropäische Berg-
areale, welche von den Pyrenäen bezw. Centralfrankreich an über
die den Rhein begleitenden Bergländer bis in die hercynischen
Berge ausgedehnt sind, die Alpen aber nur berühren oder aus-
schliessen.
Atl Ilex Aquifolium : Areale des ganzen südwestlichen Europas.
NAtl Erica Tetralix , Myrica Gale : Areale, welche ihre Hauptfigur an
der Atlantischen Küste von Frankreich — Holland — England be-
sitzen.
Po1 Jurinea cyanoides : politische Areale von enger Ausbreitung nach W.
Po2 Stipa pennata, capillata : pontische Areale von weiter Ausbreitung
nach W., zugleich auch in der nördlichen Mediterranregion ver-
breitet.
PM1 Daphne Blagayana : endemische Arten des westpontischen Be-
zirkes, welche von Serbien — Bosnien aus die Ostalpen berühren.
PM2 Cytisus nigricans : weite Areale desselben Bezirkes, deren Haupt-
figur vom südwestlichen Russland bis zum östlichen Deutschland
reicht und die russischen Steppen am Don ausschliesst.
Diese Arealtypen lassen sich nun zur Ermittelung des eigentlichen
pflanzengeographischen Charakters der Formationen benutzen, indem man
sowohl auf die Arten achtet, welche deren Grundton ausmachen, als be-
sonders auf die charakteristischen, als ,, Leitpflanzen“ bezeichneten Arten.
(Siehe Festschrift der Isis 1885, S. 81 u. flg.) Wenn wir z. B. die Areale
der in den Abhandlungen unserer Gesellschaft 1895, S. 47 aufgeführten
Formationsglieder unserer Elbhügel -Flora daraufhin prüfen, so ergiebt
sich eine Hauptmasse von politischen und westpontischen Arealen der
Gruppe Po2 und PM2, kein einziges atlantisches oder arktisch -boreales.
Diese letzteren sind dagegen in den Gebirgsformationen zahlreich vor-
handen, von denen ich hier zunächst eine Probe aus den quelligen Matten
und Hochmooren des Erzgebirges am Fichtel- und Keilberge mittheile.
Zusammenstellung von Charakterarten aus der Formationsgruppe VII b
und VIII des oberen Erzgebirges nach typischen Arealformen.
AH (Dryas- Typus) Streptopus amplexifolius.
AE2 Betula nana und ?* carpcithica, Empetrum nigrum , Andromeda
polifolia , Vaccinium Oxycoccus und uliginosum , Gymnadenia albida.
BU2 {Pleurospermum - Typus.) Scheuche eria palustris, Car ex limosa * ir-
rigem, C.pauciflorä , Trientalis europaea.
H5 B anunculus aconitifolius * platanifolius , Peucedanum (Sect.
Imp erat oria) Ostruthium.
H4 Swertia perennis.
M3 ( Pulsatilla alpina- Typus) Homogyne alpina , Pinus montana *uli-
ginosa.
Wim Meum aihamanticum .
Mb A Vaccinium Vitis idaea, Juncus squarrosus.
Mb1 {Picea- Typus) Vaccinium MyrtiUus , Arnica montana.
In dem oberen Erzgebirgswald derselben Landschaft am Fichtel- und
Keilberge treten bekanntlich auch als Charakterpflanzen Homogyne alpina
mit Trientalis ein; dennoch ist es für die Homogyne wohl nicht zweifel-
haft, dass sie ursprünglich zu den Mattenformationen der Gebirge gehört,
94
während wir in Trientalis vielleicht eine ursprünglich nordische Waldpflanze
vor uns haben könnten. Lassen wir aber diese beiden Arten bei Seite
und stellen ohne sie eine Reihe von Charakterarten des oberen Erzgebirgs-
waldes zusammen, so erhalten wir folgende Typen:
H5 Ranunculüs ■ aconitifolius, Athyrium alpestre , Luzula silvatica.
Mm (Äbies- Typus) Chaerophyllum hirsutum , Lonicera nigra , Prenanthes
purpurea.
Mb1 Picea excelsa , Pirola uniflora , Sorbus aucuparia , Polygonatum
verticillatum, Melampyrum silvaticum. —
Diese kurzgefassten Beispiele mögen genügen, um die pflanzengeo-
graphische Charakteristik der Formationen durch die Arealformen der
Leitpflanzen zu erläutern. Wie man sieht, kommt es darauf an, bei
solcher pflanzengeographischer Analyse sich an die natürlichen Einheiten
zu halten und diese sind in den Vegetationsformationen gegeben. Nicht
um eine summarische Statistik handelt es sich, wie man sie nach einem
Florenkataloge von Sachsen entwerfen könnte, sondern um den Hinweis
darauf, dass sich entwickelungsgeschichtlich verschiedenartige Ele-
mente in demselben Lande dadurch zusammengefunden haben, dass
dieses Land verschiedenen Formationen geeignete Besiedelungs- und Er-
haltungsbedingungen bot.
VI. Ueber das Vorkommen des Ziesels in Sachsen.
Von Dr. J. Thallwitz.
Ueberall, wo man das Ziesel ( Spermophilus citillus L.) als Bürger
der deutschen Fauna aufgeführt findet, knüpft sich daran die einschränkende
Bemerkung, dass es nur in Ostdeutschland heimisch sei. Weiter östlich
reicht sein Verbreitungsbezirk allerdings bis Sibirien. Als europäische
Heimathländer des Ziesels sind insbesondere Schlesien, Polen, Oesterreich,
Ungarn und Russland verzeichnet. Neuerdings machte Prof. W iesb aur
in den „Mittheilungen des nordböhmischen Excursionsclubs“, 1894, Heft 3
Angaben über die Verbreitung und Benennung des Ziesels im nordwest-
lichen Böhmen. Er konnte feststellen , dass Spermophilus citillus fast in
der ganzen Nordhälfte Böhmens verbreitet ist. Obwohl auch dort das
Ziesel in der Niederung häufiger ist, fehlt es doch in den Bergen nicht
und ist selbst auf dem Erzgebirge heimisch. Es sei wahrscheinlich, meint
Wiesbaur, dass das Thier auch jenseits der sächsischen und bayrischen
Grenze noch vorkomme, und dass es überhaupt weiter westwärts ver-
breitet sei, als bisher angenommen wird. In Th. Reibisch’s „Verzeichniss
der Säugethiere Sachsens“ (Isisbericht 1869, S. 86 — 89) ist die Lausitz
als einziger Fundplatz angeführt.
Es interessirte mich, nachzuforschen, ob das Ziesel anderwärts in
Sachsen noch anzutreffen sei, und ob sich insbesondere Wiesbaur’s Ver-
muthung bestätige, dass der Verbreitungsbezirk des Thieres die Erzgebirgs-
grenze nach Sachsen zu überschreite. Unter freundlicher Beihilfe des
Herrn Oberförsters a. D. Lasse aus Lauenstein gelang es festzustellen,
dass das Ziesel in der Gegend der Orte Oelsen, Oelsengrund, Breitenau,
Liebenau, sowie auch um Lauenstein sich vorfindet und daselbst durchaus
nicht selten ist. Um Oelsengrund und auf Breitenauer Flur hat Ober-
förster Lasse selber in kurzer Zeit 30 Stück mit Hilfe von Klappfallen
gefangen, die er in der Nähe der Baue auf Halden und Feldrändern
aufstellte, wobei er Schoten als Lockspeise benützte. Der Landbevölkerung
der oben genannten Orte ist das Ziesel unter dem Namen „Kritschel“
wohlbekannt, einem Namen, den es nach Wiesbaur in einigen Gegenden
Nordböhmens*) ebenfalls führt. Auch bei uns wird das Thier als Getreide-
schädling von der Bevölkerung verfolgt. Gewiss wird sich schliesslich
heraussteilen, dass das Ziesel in Sachsen noch anderwärts vorkommt,
*) In Böhmen führt es noch die Localnamen Tritschel, Sislich, Erdhundel, Rätzel,
nirgends aber scheint es hier wie dort „Ziesel“ genannt zu werden.
96
doch habe ich trotz wiederholter Bemühung Belege über sein Vorkommen
in anderen Gegenden bisher nicht erlangen können.
Nachdem ich dies niedergeschrieben, erhielt ich von Herrn Cantor
Böhme in Markersbach bei Pirna noch die briefliche Mittheilung, dass
auch auf Hellendorfer Feldern das Ziesel anzutreffen ist und insbesondere
im Sommer 1894 sehr häufig dort gefangen worden ist. Cantor Böhme
fing selbst innerhalb dreier Tage auf einem Brachfelde fünf dieser Nager
in von ihm gelegten Schlingen. In den folgenden Jahren konnte er keine
neuen Baue auffinden, ‘doch versichern ihn Personen, welche das Thier
genau kennen, einzelne Ziesel letztes Jahr auf dortiger Flur gesehen
zu haben. Dass solche um Bienhof und Peterswald jenseits der Landes-
grenze vielfach gefangen und getödtet werden, war auch Herrn Lasse
bekannt. Vielleicht gelingt es Herrn Böhme in diesem Jahre, mir doch
noch ein Exemplar aus der Gegend von Markersbach und Hellendorf zu
übermitteln.
VII. Bereicherungen der Flora Saxonica im Jahre 1898.
Von Dr. B. Schorler.
Auch in diesem Jahre sind wieder eine Anzahl bemerkenswertster
Pflanzenfunde in unserem engeren Vaterlande gemacht worden, darunter
auch einige Arten, die für das Gebiet neu sind. Neben verschiedenen
Adventivpflanzen, die in der folgenden Liste durch das übliche j* hervor-
gehoben wurden, sind hier besonders Helianthemum guttatuni Mill. und
Spergularia echinosperma Cel. zu nennen. Die erstere, eine südliche, resp.
südwestliche Form, ist in Mitteleuropa recht selten, die letztere, von
Celakovsky ursprünglich als Varietät von Sp. rubra aufgestellt, ist wohl
bisher nur vielfach übersehen worden. Die meisten Funde wurden im
Elbhügellande gemacht und Belegexemplare von den Findern, die in der
Liste bei jeder Art angegeben sind, in dankenswerther Weise dem Herbarium
der Flora Saxonica zur Verfügung gestellt.
Equisetum hiemale L. var. Schleichen Milde. Elbthal : auf Kiesbänken im
alten Elbbette unterhalb der Niederwarthaer Brücke, cop. (Stiefelhagen).
Woodsia ilvensis Babington* rufidula Aschers. Lausitz: am Tollenstein
bei Warnsdorf i. B. (Hofmann).
Phegopteris Pobertianum A. Br. Dresden: zwischen Neundorf und Lang-
hennersdorf auf Kalkblöcken. In derselben Schlucht wächst Carex
maxima (Stiefelhagen).
Anthericum Liliago L. Wurzen: Hohburger Berge (Müller).
Juncus tenuis Willd. Dresden: Kiefernhaine nördlich vom Lössnitzgrunde
und Wegrand bei Lindenau. cop. (Drude, Stiefelhagen).
Potamogeton obtusifolius M. et K. Dresden: bei Steinbach in den Tümpeln
von Lehmgruben (Stiefelhagen). — Grossenhain: bei Skassa (Müller).
— triclioides Cham, et Schldl. Dresden: Volkersdorf im oberen Waldteich,
cop. (Stiefelhagen).
Carex paradoxa Willd. Rochlitz: bei Tautenhain (Schorler).
Cyperus fuscus L. Dresden: in diesem Jahre bei Loschwitz, Saloppe,
Gehege, Uebigau und Kötzschenbroda auf Elbschlamm nicht selten
(Stiefelhagen).
f Phalaris iruncata Guss. Dresden: auf einem Schuttplatze bei Plauen,
spärlich (Dr. Wolf).
f — paradoxa L. Dresden: sandiges Elbufer gegenüber Uebigau (Dr. Wolf),
f Panicum capillare L. Dresden: bei Kötzschenbroda am sandigen Elbufer
unter Weiden (Fritzsche).
98
\ Potamogeton proliferum Lam. (Nach der Bestimmung von Hackel.) Dresden:
sandiges Elbufer gegenüber Uebigau mit Eragrostis major und E. minor ,
Panicum capillare etc. (Stiefelhagen).
Melica uniflora Retz. Wurzen: Hohburger Berge (Müller).
j* Eragrostis major Host. Dresden: sandiges Elbufer gegenüber Uebigau
mit Solanum rostratum , Diplotaxis etc. (Stiefelhagen).
f — minor Host. Dresden: 1898 am ganzen Elbufer von Pirna bis Meissen
vereinzelt (Stiefelhagen).
Glyceria distans Wahlbg. Meissen: Schuttplatz in Cölln (Stiefelhagen).
Festuca sciuroides Roth. Riesa: bei Zeithain nicht selten (Müller).
Bromus erectus Huds. Meissen: Trockene Hügel zwischen Schieritz und
Piskowitz (Stiefelhagen).
f — unioloides Humb. Kth. Dresden: Schuttplätze unter der Marienbrücke,
spärlich (Dr. Wolf).
t — squarrosus L. Dresden: im Gehege (Müller).
f — commutatus Schrad. Dresden: im Gehege (Müller).
Polygonum minus Huds. Dresden: bei Brockwitz und Volkersdorf. Hier
auch eine sehr üppige Form von P. minus , die mit dem Reichen-
bach’schen P. multispicatum übereinstimmt (Stiefelhagen).
f— orientale L. Dresden: Elbufer unterhalb Uebigau unter Weiden
(Stiefelhagen).
* \Kochia scoparia L. Dresden: Elbufer gegenüber Uebigau in nur einem
üppigen Exemplare. Die Art ist schon 1890 einmal am Neustädter
Elbquai gefunden worden (Stiefelhagen).
Chenopodium ficifolium Sm. Dresden : von Pirna bis Meissen am Elbufer
unter Weiden nicht selten (Stiefelhagen).
— album X Vulvaria. Diesen bisher wohl noch nicht beobachteten Bastard
fanden Dr. Wolf und Stiefelhagen auf Schuttplätzen an der Marien-
brücke unterhalb Dresden unter den Eltern. Die Pflanze war fast
meterhoch, sehr üppig, aber die Blüthenstände verkümmert und un-
fruchtbar. Blätter zwischen denen der Eltern, dem C. opulifolium
sich nähernd. Geruch genau wie C. Vulvaria.
-\ Amarantus albus L. Dresden: Elbufer gegenüber Uebigau (Stiefelhagen).
Der in den Isis-Abhandlungen 1897, 2. H. erwähnte Amarantus Silvester ,
welcher als neuer Bürger der Flora Saxonica angegeben war, stellte
sich beim Vergleich mit den Arten des Kg. Herbariums auch als die
nordamerikanische Art A. albus heraus. An dem ersten Standort
Meissen: unterhalb der Knorre, war sie auch in diesem Jahre noch
zu finden.
f — paniculatus L. Dresden: Elbkies zwischen Kötzschenbroda und Meissen
(Stiefelhagen).
Spergularia echinosperma Celak. Dresden: bei Loschwitz (Dr. Wolf). Ein
für Sachsen neuer Fund, der die bisher weit von einander entfernten
Standorte in Böhmen und Wittenberg, resp. der Altmark (Billberge
und Arneburg) einander etwas näher bringt. Kommt wahrscheinlich
auch an anderen Stellen des Elbufers vor, ist aber bis jetzt über-
sehen worden. (Näheres über diese Art s. b. Ascherson und Gräbner
in Ber. d. d. Botan. Ges. 1893, S. 516.)
Cerastium brachypetalum Desp. Im ganzen Meissener Gebiet auf trockenen
Hügeln überall zu finden, bei Zadel copiös (Stiefelhagen).
99
Silene Otites Sm. Riesa: bei Gohlis und Glaubitz, hier in und an den
Steinbrüchen mit Potentilla cinerea , Carex humilis, Phleam Boehmeri
und Festuca Myurus. Auch weiter nördlich ausserhalb Sachsens bei
Mühlberg. Hier mit Jurinea, Stachys recta, Biscutella laevigata und
Alyssum montanum (Müller).
Nigella arvensis L. Riesa: bei Gohlis auf einem Brachfelde häufig (Müller).
Nasturtium armoracioid.es Tausch. Meissen: am Elbufer bei Meissen und
Zehren (Stiefelhagen).
f Sisymbrium Columnae L. Dresden: Plauenscher Grund, auf Schuttplätzen
am Hohen Stein. Stiefelhagen beobachtete diese Art nicht nur an
dem angegebenen, sondern zahlreichen anderen Standorten, auch bei
Meissen. Sie hält sich jedoch überall nirgends lange und gewinnt
nicht so an Ausdehnung wie Sisymbrium Sinapistrum. Auch ist
auffallend, dass die Schoten sehr häufig nicht recht zur Entwickelung
gelangen.
f Erysimum repandum L. Dresden: Plauenscher Grund auf Schuttplätzen
auf dem Hohen Stein schon seit mehreren Jahren (Stiefelhagen).
f — odoratum Ehrh. Dresden: Elbufer im Grossen Gehege (Stiefelhagen).
Alyssum montanum L. Riesa: bei Gohlis (Müller). Auch ausserhalb der
Grenze bei Mühlberg mit der folgenden Art.
Biscutella laevigata L. Riesa: bei Gohlis. War bisher auch nur aus der
Umgebung von Dresden und Meissen bekannt (Müller).
j* Lepidium perfoliatum L. Dresden: in Coswig auf Schutt (Stiefelhagen),
an der Spitzgrundmühle bei Coswig (Müller).
Papistrum perenne All. Dresden: Plänerkalkhügel an der Leutewitzer
Windmühle mit Lepidium perfoliatum , doch nur vereinzelt (Stiefel-
hagen).
f — rugosum. All. Dresden: Altstädter Elbquai, selten und stets nur ver-
einzelt auftretend, auch im Plauenschen Grunde und im Grossen
Gehege (Stiefelhagen).
Helianthemum guttatum Mill. Riesa: unweit Gohlis bei Zeithain. In
lichtem Kiefernwald auf sandigen begrasten Boden mit Helianthemum
vulgare, Helichrysum arenarium, Centaurea paniculata , Jasione
montana und Biscutella laevigata. Neu für Sachsen "(Müller). Viel-
leicht findet sich diese interessante Art zwischen Elsterwerda, dem
nächsten aussersächsischen Standorte, und Riesa auch noch ander-
weitig.
Hypericum pidchrum L. Oschatz: Striesaer Haide (Müller).
Malva rotundifolia L. Dresden: auf Schuttplätzen unter der Marienbrücke,
im Plauenschen Grunde und verschiedenen anderen Standorten. Um
Dresden gar nicht selten, aber bis jetzt übersehen (Dr. Wolf), zwischen
Loschwitz und der Saloppe im Elbkies sehr üppig (Stiefelhagen).
Geranium divaricatum Ehrh. Wünsche giebt als Standorte für diese Art
nur Schwarzenberg und Wolkenstein an. Sie kommt jedoch auch
noch bei Dohna (1890 Prof. Drude) und Dresden bei Zitzschewig
1893 (Fritzsche) vor.
Potentilla arenaria Borkh. Riesa: unweit Gohlis bei Zeithain (Müller).
ülex europaeus L. Dresden: bei Königsbrück an der Waldstrasse zwischen
Schwepnitz und Cosel (Stiefelhagen). Ob angepflanzt?
Lotus cornicidatus L. var. tenuifolius Rchb. Dresden: zwischen Dresden und
Plauen an mehreren Stellen in einer aufgelassenen Gärtnerei (Dr. Wolf).
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Rirola umbellata L. Dresden: bei Königsbrück zwischen Cosel und Gute-
born im Kiefernwalde sparsam (Stiefelhagen),
f Solanum rostratum Dum. Dresden: Sandflächen am Elbufer gegenüber
Uebigau, hier schon 1889 einmal gesammelt (Stiefelhagen). Ist bis-
her aus Sachsen nur von Bautzen bekannt, wo ihn 1893 und 94
Neumann beobachtete. (Verbreitung etc. s. bei Ascherson in Naturw.
Wochenschr. 1894, Nr. 2, u. 1895, S. 177).
Verbascum phoeniceum L. Riesa: unweit Gohlis bei Zeithain (Müller).
Diese interessante Art wurde in diesem Jahre am 22. September 1898
in wenigen blühenden Exemplaren von Stiefelhagen auf Elbkies ober-
halb Kötzschenbroda gesammelt.
Linaria Elatine Milk Dresden: am Windberg bei Deuben. Hier schon
seit 1889 (Stiefelhagen).
Melampyrum cristatum L. Meissen: Waldschlag bei Naundörfel bei Cölln
mit Rosa gallica und Potentilla alba. cop. (Stiefelhagen).
Stachys recta L. Mühlberg: bei Weinberge an der Elbe (Müller).
Teucrmm Botrys L. Dresden: an der Elbe bei Kötitz unter Elaeagnus-
Sträuchern (Stiefelhagen).
f Ambrosia artemisiifolia L. Dresden: am Elbufer auf Geröll bei Kötzschen-
broda, ca. 20 kräftige Exemplare (Fritzsche).
f — trifida L. Dresden: am Elbufer bei Kötzschenbroda unter Weiden in
nur einem Exemplar (Fritzsche).
-\ Artemisia Tournefortiana B chb. Dresden: bei Striesen auf dem Brach-
land einer aufgelassenen Gärtnerei (Dr. Saupe).
Anthemis austriaca Jacq. Dresden: alljährlich am Elbufer von Pirna bis
Meissen vereinzelt auftretend, z. B. bei Pirna, Tolkewitz, Loschwitz,
Gehege, Serkowitz und Kötzschenbroda (Dr. Wolf, Stiefelhagen).
— ruthenica MB. Tritt auch von Dresden bis Meissen am Elbufer oft
mit der vorigen zusammen sporadisch auf. Wurde 1898 von Dr. Wolf
und Stiefelhagen beobachtet bei Tolkewitz, Uebigau, Briesnitz, Gohlis,
Kötzschenbroda und Kötitz. An dem Standort im Birkenwäldchen
scheint sie in den letzten Jahren verschwunden zu sein.
Cirsium lanceolatum Scop. var. nemorale Rchb. Leipzig: in der Lauer
(Müller).
Cirsium canum X palustre. Meissen: nasse Aue, unter den Eltern (Stiefel-
hagen).
Thrincia hirta Roth. Dresden: am Karauschenbruch an der Grossenhainer
Strasse sehr häufig, auch bei Steinbach (Stiefelhagen).
VIII. Sardinische Tertiärpflanzen. II.
Von Prof. H. Engelhardt.
Im Jahre 1897 gab ich in Heft II unserer Abhandlungen ein Ver-
zeichniss von Tertiärpflanzen, welche von Herrn Prof. Lovisato in
Cagliari auf Sardinien gesammelt worden waren. Bei dem Interesse, das
fossilen Pflanzen, welche aus weniger durchforschten Gebieten stammen,
entgegen gebracht wird, halte ich es für meine Pflicht, mich, wenn auch
in aller Kürze, über die zu verbreiten, welche mir in zweiter Sendung
von derselben Insel zukamen.
Mittleres Eocän.
Aus dem feinkörnigen Sandstein von Bacu-Abis (Gonnesa, Cagliari):
Sabal major Ung. sp. Die untere Seite eines Fächerstücks mit Spindel
und Blattstiel. Der stachellose Blattstiel ist bis zur Länge von 15 cm
vorhanden, 3 cm breit, fein gestreift; die dreieckige, spiessförmig in den
Fächer eindringende Rhachis reichlich 5 cm lang; die Blattstrahlen sind
bis zur Länge von 10 cm erhalten, am Grunde schmal (die unteren am
meisten, die oberen breiter), nach vorn erweitert, stark gefaltet, die Längs-
nerven deutlich sichtbar.
Darunter befindet sich in schräger Lage ein ebenfalls flacher Blatt-
stiel, auf dessen einem Theile die Spindel des oben beschriebenen Blattes
auflagert. Er ist sogar 4 cm breit. Auf der einen Seite desselben zeigen
sich Strahlen aus der mittleren Partie eines Fächers, der derselben Art
zugerechnet werden muss, auf der anderen solche, die vielleicht hierher
zu ziehen sind.
Ein zweites Stück von geringerer Grösse. Der Blattstiel ist nur bis
zur Länge von 5 cm erhalten und 3 cm breit, die Spindel 4 cm lang; die
Strahlen zeigen eine Länge bis 5 cm. Alle Theile sind von Kohlen-
substanz, die am vorigen Stücke nur stellenweise zu sehen ist, geschwärzt.
Ein Fächerstück von 9 starkgefalteten Strahlen, das man leicht zu
Sabal Lamanonis Brongn. sp. rechnen könnte, aber der zahlreicheren Nerven
wegen wohl hierher zu ziehen ist.
Stücke eines Fächers, dessen Strahlen 1,5 — 2 cm breit waren und die
Nervatur ausgezeichnet sehen Hessen.
Ein solches von 13 Strahlen mit ausgezeichnet erhaltener Nervatur.
Eine wenig gut erhaltene Fächerpartie.
102
Flabellaria latiloba Heer. Es sind nur neben einander liegende
Strahlenstücke eines zerfetzten Fächers vorhanden, nicht Spindel, nicht
Stiel. Dieselben zeigen eine Breite von 3 cm, in der Mitte einen starken
Mittelnerven, dem eine Menge sehr deutlich sichtbarer Längsnerven
parallel laufen. Die Faltung ist gering.
Dazu kommt noch ein kleineres Fächerstück, das hierher gehören
dürfte.
Ein grösseres Stück Blattstiel, an dessen Grunde sich einige Dornen
zeigen, welche auf eine dritte Palmenart ( Cliamaerojpsl ) hinweisen. Neben
ihm einige nicht bestimmbare Blattfetzen.
Sonst noch Blattstücke, die Palmen angehören können, aber mit
Sicherheit nicht zu diesen gezogen werden dürfen.
Ein Stammstück von 15 cm Breite, 54 cm Länge und 2 cm Dicke
liegt in zusammengepresstem Zustande vor. An der Aussenseite ist es
von dicht an einander liegenden, senkrecht verlaufenden Gefässbündeln
bedeckt. An einigen Stellen sieht man darunter schräg verlaufende.
Das Innere zeigt nur feinen Sandstein, der wohl als Ausfüllungsmasse des
ausgefaulten Inneren anzusehen ist. Dasselbe gehört wahrscheinlich einer der
Palmenarten an, von denen Blattstücke gefunden worden sind. Bestimmteres
lässt sich wegen der ungenügenden Erhaltung des Ganzen, die eine
mikroskopische Untersuchung nicht zulässt, nicht sagen.
Ein Stammstück, von dem nicht gesagt werden kann, zu welcher
Familie oder Gattung es gehöre. Es zeigt unter dem weicheren Aeusseren
einen harten cylindrischen Kern von elliptischem Durchmesser.
Ein Stammstück von geringerem Durchmesser, das an der Ober-
fläche Gefässbündel zeigt.
Juglans acuminata A. Braun. Neben einem sehr verdrückten Blatt-
fetzen liegt eine wohl erhaltene flach gerunzelte Frucht dieser Art.
Länge 2 cm, Breite 1,5 cm. — Ein Blatt, dem die Spitze fehlt und das
sich am einen Rande etwas verletzt zeigt. Es gehört der Form latifolia
an, ist am Grunde spitz und hat in der Mitte 6—7 cm grösste Breite.
Wahrscheinlich betrug die Länge 13— 14 cm. Nervillen sind gut sichtbar.
Terra Segada (Gonnesa, Cagliari):
Stücke mit Blätterdetritus.
Tongrien oder Aquitanien.
Aus dem Sandstein von Nurri (Prov. Cagliari):
Ein fossiler Rest, von dem mir nur das in Wasserfarben ausgeführte
Bild vorlag. Es steckt in einem 50 cm breiten und gegen 30 cm hohen
Steinblock und dürfte wohl zu Bambusa zu rechnen sein. Es ist reichlich
40 cm lang, 8 — 9 cm breit und an drei Stellen geknickt oder ganz ge-
brochen. Das Innere erweist sich da, wo die obere Halmpartie verloren
gegangen, so dass die infolge von Quetschung unmittelbar darunter
liegende untere sichtbar wird, als hohl, nicht ausgefüllt. Der Halm hat
die Dicke eines lebenden Bambus von gleicher Grösse. Zwei Knoten sind
sichtbar, am einen auch der Ansatz eines Blattes.
108
Ein unbestimmbares Ast- oder Stammstück, dem die Spitze fehlt,
von 5 cm Länge. Es ist an dem einen Ende 8,4 cm breit, am anderen
nach der einen Richtung 1,8 cm, nach der anderen 1,1 cm breit und an
der Oberfläche mit 6 mm von einander entfernten, wenig hervortretenden
Längsstreifen versehen. Das Innere bildet feiner Sandstein.
LangMen.
Aus dem Thonmergel von Bingia Fargeni (Fangana, Cagliari):
Ein Rindenstück mit Ausfüllungen von sich dicht an einander
reihenden Larvengängen. Dieselben, im Durchmesser von 2 — 4 mm,
machen zuerst eine Biegung, laufen dann gerade aus, um sich darauf
wieder umzubiegen.
Sonst waren noch vorhanden Stücke mehrerer Arten von Cylindrites ,
ein Stück versteinertes Holz und aus dem Sandstein von FesdaS de Fogu,
der zahlreiche Einschlüsse von Chalcedon zeigt, eine nicht vollständig
erhaltene Muschelschale (PectenT).
/ 0
in Dresden.
Herausgegeben
von dem Redactions-Comite.
Jahrgang 1897.
Januar bis Juni,
Mit einer Tafel und 3 Abbildungen im
Dresden.
In Commission von Warnatz &. Lehmann, K. Sachs. Hofbuchhändler.
1897.
1
p
Pf
- 1
: !l ,
Redactions -Comit6 für 1897:
Vorsitzender: Prof. Dr. G-. Helm.
Mitglieder: Dr. J. Deichmüller, Prof. Dr. 0. Drude, Prof. Dr. W. Hallwachs,
Prof. Dr. E. Kalkowsky, Prof. Dr. H. Nit sehe, Prof. B. Pattenhausen und
Rentier W. Osbor ne.
Verantwortlicher Redacteur: Dr, J. Deichmüller,
Inhalt.
I. Sitzungsberichte.
I. Section für Zoologie S. 3. — Drude, O. : P. Matschie’s Karte der geographischen Ver-
breitung der Säugethiere, naturwissenschaftliche Nomenclatur S. 4. — Engelhardt, H. :
Vorlage einer Abhandlung über böhmische Tertiärpflanzen S. 4. — Kuntze, A.: Eine
seltene Diptere vom Osterberge und eine Tanzmücke von Borkum S. 4. — Kitsche, H.:
Arbeiten der biologischen Station zu Helgoland S. 3; Kunde von Cancans -Larven
und Noctua- Raupen auf dem Schnee im Erzgebirge, Dipteren -Familie der Pupipara
S. 4. — Schiller, K.: Berichte der ornithologischen Beobachtungsstationen, neue
Litteratur S. 3. — Schneider, 0.: Entdeckungsgeschichte einer Pelzmilbe des Bibers,
Thierwelt Borkums S. 3
II. Section für Botanik S. 4. — Drude, 0,: Historische Entwickelung der farbigen
Pflanzenabbildungen S. 4; System - Anordnung zu floristischen Zwecken S. 5.
III. Section für Mineralogie und Geologie S. 6. — Bergt, W. : Geologische Be-
schaffenheit der Lausitz S. 6; neue Litteratur S. 6 und 7. — Kalkowsky, E : Ge-
birgsbau der skandinavischen Halbinsel S. 6; über Rogenstein und Napfstein S. 7;
zur Erinnerung an 0. Fr. Naumanns hundertjährigen Geburtstag, mit Bemerk, von
H. Engelhardt und 0. Schneider, S. 6._ — Nessig, R.: Das tertiäre Thonlager
von Löthhain S. 6. — Schiller, K.: Neue Litteratur S. 7.
IV. Section für prähistorische Forschungen S. 7. — Deichmüller, J.: Massregeln
zum Schutze und zur Erhaltung prähistorischer Alterthümer in Sachsen, Vorlagen
S. 8. — Döring, H.: Neolithische Funde in Löbtau S. 8. — Jentsch, A.: Vor-
slavische Burgwarte bei Klotzsche S. 7. — Osborne, W.: Bericht über eine Reise
nach Aegypten, prähistorische Funde bei Worms S. 7; gleichzeitiges Vorkommen des
Menschen und des Mammuth in Sibirien, neue Litteratur S. 8. — Put sch er, W.
Vorlagen S. 7. ■ -
V. Section für Physik und Chemie S. 8. — Foerster, F.: Demonstration eines
Apparates zur Sichtbarmachung der Complementärfarbg einer lichtstarken Farbe S. 9.
— Meyer, E. von: Justus von Liebig in seiner Bedeutung für den chemischen
Unterricht S. 8. — Schlossmann, A.: Chemie des Blutes S. 9. — Toepler, M. :
Structur der Atomgewichtsskala S. 8. — Walther, R. : Natur der Flamme S. 8.
VI. Section für Mathematik S. 9. — Krause, M.: Einige Punkte aus der Theorie
der elliptischen Functionen S. 9. — Naetsch, E.: Geodätische Linien auf Rotations-
flächen S. 10. — Pockels, F.: Die gegenwärtige Kenntniss von der Dichtigkeit des
Erdkcirpers S. 9.
VII. Hauptversammlungen S. 10. — Veränderungen im Mitgliederbestände S. 12. —
Kassenabschluss für 1896 S. 11 und 14. — Voranschlag für 1897 S. 11. — Massregeln
zum Schutze und zur Erhaltung der vorgeschichtlichen Alterthümer S. 10 und 12. —
Lesemuseum in Dresden S. 10. — Vorlagen S. 11. — Deichmüller, J.: Neue
Litteratur S. 10. — Drude, 0.: Floristischer Charakter des Elbsandsteingebirges
und der Lausitz im Vergleich zu dem böhmischen Mittelgebirge S. 11. — Fischer, H. :
Technische Verfahren zur Trennung von Körpergemengen S. 11. — Kalkowsky, E.:
Erosionserscheinungen im Elbsandsteingebirge S. 11. — Möhlau, R.: Grundlagen
und Entwickelung der Färberei S. 11. — Nits che, H.: Stimmen der Thiere S. 12. —
Schneider, 0.: Thierwelt von Borkum S. 11. V Toepler, M.: Geschichtete Funken-
entladungen in freier Luft S. 11. — Vater, H.: Ueber Krystalliten S. 10. — Ex-
cursionen: Ausflug nach den Tyssaer Wänden S. 11; nach Tharandt S. 12.
II. Abhandlungen.
Kuntze, A Tethina illota Hai. ’S. 19.
Menzel, P.: Beitrag zur Kenntniss der Tertiärflora des Jesuitengrabens bei Kundratitz,
mit Taf. I. S. 3.
Petraczek, W.: Ueber das Alter des Ueberquaders im sächsischen Elbthalgebirge.
S. 24.
Schneider, 0.: Ueber eine zuerst in Dresden aufgefundene neue Pelzmilbe des Bibers.
S. 21.
Toepler, M.: Ueber elektrische Gleitfunken von ausserordentlicher Länge, mit 8 Ab-
bild. S. 4L
Die Autoren sind allein verantwortlich für den Inhalt ihrer
Abhandlungen •
• ■ *
Die Autoren erhalten von den Abhandlungen 50, von den Sitzungsberichten auf
besonderen Wunsch 25 Sonder -Abzüge gratis, eine grössere Anzahl gegen Erstattung
der- Herstellungskosten.
Sitzungskalender für 1897.
September. 30. Hauptversammlung.
Octöber. 7. Physik und Chemie. 14. Mathematik. 21. Zoologie. 28. Hauptversammlung.
November. 4. Botanik und Zoologie. 11. Mineralogie und Geologie. 18. Prähistorische
Forschungen. 25. Hauptversammlung.
December. 2. Physik und Chemie. 9. Zoologie. — Mathematik. 16. Hauptversammlung.
Die Preise für die noch vorhandenen Jahrgänge der Sitzungs-
berichte der „Isis“, welche durch die Burdach’sche Hofbuch-
handlung in Dresden bezogen werden können, sind in folgender
Weise festgestellt worden:
Denkschriften. Dresden 1860. 8. . . . . . . . . . ... I M. 50 Pf.
Festschrift, Dresden 1885. 8. 178 S. 4 Tafeln . . . . 3 M. — Pf.
Dr; Oscar Schneider: Natu ^wissensch. Beiträge znr Kenntniss
der Kaukasusländer. 1878. 8. 160 S. 5 Tafeln .. . , 6 M. 4- Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1861 . . 1 M. 20 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1863 . . . ... . .• ... „ .. .. . 1 M. 80 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1864 und 1865., pro Jahrgang1 . . 1 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1866.' April-December 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1867 und 1868, pro Jahrgang . . 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1869 . . , . . 3 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1870. April-Juni, October-December 2 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1871. April-December . . . V . 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1872. Januar-September . . . . 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1873 bis 1876, 1878, pro Jahrgang 4M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1877. Janüär-März, Juli-December 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1879 5 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1880, Juli-December . / V . . 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrg. 1881. Juli-December 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1882 bis 1884,
1886 bis 1896, pro Jahrgang . . . . .... . 5 M. — Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1885 . . . . 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1897. Januar- Juni 2 M. 50 Pf.
Mitgliedern der „Isis“ wird ein Rabatt von 25 Proc. gewährt.
Alle Zusendungen für die Gesellschaft „Isis“, sowie auch
Wünsche bezüglich der Abgabe und Versendung der „Sitzungs-
berichte der Isis“ werden von dem ersten Secretär der Gesell-
schaft, d. Z. Dr. Deichmiiller, Dresden- A., Zwingergebäude,
K. mineral. -geolog. Museum, entgegengenommen.
Die regelmässige Abgabe der Sitzungsberichte an aus-
wärtige Mitglieder, sowie an auswärtige Vereine erfolgt in der
Regel entweder gegen Austausch mit anderen Schriften oder einen
jä
in
hrlichen Beitrag von 3 Mark zur Vereinskasse, worüt
den Sitzungsberichten quittirt wird.
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Königl. Sachs. Hofbuchhandlung
M. Burdach
Warnatz &, Lehmann ■
Schloss -Strasse 32. DRESDEN. Fernsprecher 152.
empfiehlt sich
zur Besorgung wissenschaftlicher Litteratur.
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Druck von Wilhelm Baensch in Dresden.
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der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
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in Dresden.
Herausgegeben
von dem Redactions- Comite.
Jahrgang 1897.
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Mit zwei Tafeln.
Dresden.
In Commission von Warnatz & Lehmann, K. Sachs. Hof Buchhändler.
1898.
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Redactions -CoimtG für 1897:
Vorsitzender: Prof. Dr. G-. Helm.
Mitglieder: Dr. J. Deichmüller, Prof. Dr. 0. Drude, Prof. Dr. W. Hallwachs,
Prof. Dr. E. Kalkowsky, Prof. Dr. H. Ritsche, Prof. B. Pattenhausen und
Rentier W. Osborne.
Verantwortlicher Redacteur: Dr. J. Deichmüller.
Sitzungskalender für 1898.
Januar. 13. Zoologie. 20. Botanik. 27. Hauptversammlung.
Februar. 3. Mineralogie und Geologie. 10 Prähistorische Forschungen. — Mathematik.
17. Physik und Chemie. 24. Hauptversammlung.
März. 3. Zoologie. 10. Botanik (Floristenabend). 17. Mineralogie und Geologie.
24. Physik und Chemie. 31. Hauptversammlung.
April. 14. Mathematik. 21. Prähistorische Forschungen. 28. Hauptversammlung.
Mai. 5. Zoologie. 12. Botanik. 19. Excursion oder 26. Hauptversammlung.
Juni. 9. Mineralogie und Geologie. 16. Prähistorische Forschungen. — Mathematik.
23. Physik und Chemie. 30. Hauptversammlung.
September. 29. Hauptversammlung.
October. 6. Zoologie. 13. Mathematik. 20. Botanik und Zoologie. 27. Hauptver-
sammlung.
November. 3. Mineralogie und Geologie. 10. Physik und Chemie. 17. Prähistorische
Forschungen. 24. Hauptversammlung.
December. 1. Zoologie und Botanik. 8. Botanik (Floristenabend). — Mathematik.
15. Mineralogie und Geologie. 22. Hauptversammlung.
Die Preise für die noch vorhandenen Jahrgänge der Sitzungs-
berichte der „Isis“, welche durch die Burdach’sche Hofbuch-
handlung in Dresden bezogen werden können, sind in folgender
Weise festgestellt worden:
Denkschriften. Dresden 1860. 8. . . ... 1 M. 50 Pf.
Festschrift. Dresden 1885. 8. 178 S. 4 Tafeln 3 M. — Pf.
Dr. Oscar Schneider: Naturwissensch. Beiträge znr Kenntniss
der Kaukasusländer. 1878. 8. 160 S. 5 Tafeln . . 6 I. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1861 1 M. 20 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1863 1 M. 80 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1864 und 1865, pro Jahrgang . . 1 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1866. April-December 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1867 und 1868, pro Jahrgang . . 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1869 . . . 3 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1870. April-Juni, October-December 2 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1871. April-December 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1872. Januar-September . . . . 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1873 bis 1876, 1878, pro Jahrgang 4M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1877. Januar-März, Juli-December 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1879 5 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1880. Juli-December . . . . . 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrg. 1881. Juli-December 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1882 bis 1884,
1886 bis 1897, pro Jahrgang 5 M. — Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1885 . . . . 2 M. 50 Pf.
Mitgliedern der „Isis“ wird ein Rabatt von 25 Proc. gewährt.
Alle Zusendungen für die Gesellschaft „Isis“, sowie auch
Wünsche bezüglich der Abgabe und Versendung der „Sitzungs-
berichte der Isis“ werden von dem ersten Secretär der Gesell-
schaft, d. Z. Dr. Deichmiiller, Dresden- A., Zwingergebäude,
K. mineral. -geolog. Museum, entgegengenommen.
Die regelmässige Abgabe der Sitzungsberichte an aus-
wärtige Mitglieder, sowie an auswärtige Vereine erfolgt in der
Regel entweder gegen Austausch mit anderen Schriften oder gegen
einen jährlichen Beitrag von 3 Mark zur Vereinskasse,
worüber in den Sitzungsberichten quittirt wird.
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König!. Säclis. Hofbuchhandlung
PI. Burdach
— = — - Warnatz So Lehmann
Schloss -Strasse 32. DRESDEN. Fernsprecher 152.
empfiehlt sich
zur Besorgung wissenschaftlicher Litteratur.
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Druck von Wilhelm Baensch in Dresden,
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der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
Herausgegeben
von dem Redaetions-Comitö.
Jahrgang 1898.
Januar bis Juni.
Mit einer Tafel und Abbildungen im Text.
Dresden.
In Commission von Warnatz & Lehmann, K. Sachs. Hof buchhändler.
1898. _
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Redactions -Comitö für 1898:
Vorsitzender: Prof. Dr. Gr. Helm.
Mitglieder: Dr. J. Deichmüller, Prof. Dr. 0. Drude, Prof. Dr. P. Foerster,
Prof. Dr. E. Kalkowsky, Prof. Dr. H. Nitsche und Prof. Dr. K. Rohn.
Verantwortlicher Redacteur: Dr. J. Deichmüller.
Inhalt.
I. Sitzungsberichte.
I. Section für Zoologie S. 3. — Nitsche, H.: Entwickelung und Wechsel der Hörner
bei der amerikanischen Gabelantilope, Linne’sche Systematik der Säugethiere, elektrische
Fische, R. Leuckart f S. 3. — Reibisch, Th.: Binnenconehylien aus Ecuador S. 3;
Einführung von Helix candicans im Plauenschen Grunde S. 4; . . . . und R. Ebert:
Berichtigungen S. 4. — Thallwitz, J. : Stärke der Schläge des Zitterrochens S. 4. —
Vogel, CI. : Bastardirungsvorgänge hei Säugethieren, mit Bemerkungen von A. Schöpf
und H. Nitsche, S. 3.
II. Section für Botanik S. 4. — Drude, 0. : Milchsaftröhren der Euphorbien, gegen-
wärtiger Stand der Nomenclaturfrage S. 4; stickstoffsammelnde Thätigkeit der Boden-
bakterien, neue Litteratur S. 5. — Fritzsche, F.: Vorlage von Blüthen- Abnormitäten
S. 5. — Gründler, J.: Heber Bacillariaceen S. 5. — Pohle, R.: Demonstration
des Heu-Bakteriums, Beginn der Cambium-Thätigkeit bei Populus canadensis S. 5. —
Schorjer, B.: Antheil der Pflanzen an der Selbstreinigung der Flüsse S. 4. —
Walther, R.: Neuer Desinfectionsapparat für geschlossene Räume S. 4.
III. Section für Mineralogie und Geologie 'S. ■5. — Bergt, W.: Geologie der An-
' tillen, Bestimmung von Calamiten, neue Litteratur S. 6. — Engelhardt, EL: Pflanzen
aus dem Polirschiefer von Sulloditz, neue Litteratur S. 6. — Kalkow;sky, E. : Zwillings-
bildungen des Quarzes S. 5, Begriff und Werth der Edelsteine S. 6; neue Litteratur
S. 5 und 6. — Naumann, E.: Concretionen im Glacialmergel S. 6. — Nessig, R.:
Studien über den Dresdner Haidesand S. 6.
IV. Section für prähistorische Forschungen S. 6. — Deichmüller, J. : Schutz
der vorgeschichtlichen Alterthümer, Bronzefund von Velem St. Veit S. 7. —
Nitsche, H. : Die sogen. Wetzikonstäbe S. 6; uralte Formen von Angelgeräthen, über
Fischspeere S. 7. — Excursion nach Lockwitz S. 7.
V. Section für Physik und Chemie S. 7. — Lottermoser, A.: Das colloidale
Quecksilber S. 9. — Pocke ls, F.: Die bei Blitzentladungen vorkommenden Strom-
stärken S. 8. — Schloss mann, A. : Die Milch und ihre Bedeutung als Nahrungs-
mittel S. 9. — Toepler, M.: Schichtung elektrischer Funken und über Gleitfunken S. 8.
— Walther, R. : Ueber Explosivstoffe S. 7.
VI. Section für Mathematik S. 9. — Krause, Partialbruchzerlegung bei trans-
cendenten Functionen S. 10. — Rohn, K.: Zusammensetzung von Bewegungen und
reguläre Raumeintheilung S. 9. — Witt in g, A.: Planimetrische Constructionen in
begrenzter Ebene S. 10.
VII. Hauptversammlungen S. 11. — Veränderungen im Mitgliederbestände S. 13. —
Rechenschaftsbericht für 1897 S. 11 und 15. — Voranschlag für 1898 S. 11. — Massregeln
zum Schutz der vorgeschichtlichen Alterthümer S. 11 und 12. — Bergt, W. : Geo-
logie von Schantung (Kiautschou) S. 12. — Engelhardt, H.: Neue Litteratur S. 13.
— Fischer, H.: Die Westinghouse- Bremse S. 13. — Grosse, J. : Carl Gustav
Carus in seiner Bedeutung für die Naturwissenschaften S. 11. — Lewicki, E.:
Ueber Centrifugalguss S. 12. — Lewicki, L. : Das maschinentechnische Laboratorium
der K. Techn. Hochschule S. 11. — Lohmann, H.: Ueber Eishöhlen und Höhleneis
S. 11. — Schlossmann, A.: Neue Art der Wolmungsdesinfection S. 12. —
Wagner, P. : Physikalische und geologische Untersuchungen der Böhmerwaldseen
S. 12..-— Excursion nach Demitz bei Bischofswerda S. 12.
II. Abhandlungen.
Nessig, R: Studien über den Dresdner Haidesand. S. 27.
Schlossmann, A.: Ueber die Bedeutung der Milch als Nahrungsmittel. S. 33.
Toeplei,, M.: Geschichtete Dauerentladung in freier Luft (Büschellichtbogen) und
Bighi’sche Kugelfunken, mit Tafel I und Abbildungen im Text. S. 3.
Die Autoren sind allein verantwortlich für den Inhalt ihrer
Abhandlungen .
Die Autoren erhalten von den Abhandlungen 50, von den Sitzungsberichten auf
besonderen Wunsch 25 Sonder - Abzüge gratis, eine grössere Anzahl gegen Erstattung
der Herstellungskosten.
Sitzungskalender für 1898.
September, 29. Hauptversammlung.
October. 6. Zoologie. 13. Mathematik. 20. Botanik und Zoologie. 27. Hauptver-
sammlung.
November, 3. Mineralogie und Geologie. 10. Physik und Chemie. 17. Prähistorische
Forschungen. 24.. Hauptversammlung.
December. 1. Zoologie und Botanik. 8. Botanik (Floristenabend). — Mathematik.
15. Mineralogie und Geologie. 22. Hauptversammlung.
Die Preise für die noch vorhandenen Jahrgänge der Sitzungs-
berichte der „Isis“, welche durch die Burdach’sche Hofbuch-
handlung in Dresden bezogen werden können, sind in folgender*
Weise festgestellt worden:
Denkschriften. Dresden 1860. 8 1 M. 50 Pf.
Festschrift. Dresden 1885. 8. . . . 8 M. — Pf.
Dr. Oscar Schneider: Naturwissensch. Beiträge zur Kenntniss
der Kaukasusländer. 1878. 8. 160 S. 5 Tafeln . , 6 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1861 1 M. 20 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1863 1 M. 80 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1864 und 1865, pro Jahrgang . . 1 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1866. April-December . . . 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1867 und 1868, pro Jahrgang . . 3 I. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1869 3 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1870. April-Juni, October-December 2 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1871. April-December 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1872. Januar-September . . . . 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1873 bis 1876, 1878, pro Jahrgang 4M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1877. Januar-März, Juli-December 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1879 . . 5 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1880. Juli-December . . . . . 31. — Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrg. 1881. Juli-December 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1882 bis 1884,
1886 bis 1897, pro Jahrgang . . . 5 M. — Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1885 . . . . 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrg. 1898. Januar-Juni 2 M. 50 Pf.
Mitgliedern der „Isis“ wird ein Rabatt von 25 Proc. gewährt.
Alle Zusendungen für die Gesellschaft „Isis“, sowie auch
Wünsche bezüglich der Abgabe und Versendung der „Sitzungs-
berichte der Isis“ werden von dem ersten Secretär der Gesell-
schaft, d. Z. Dr. Deichmüller, Dresden- A., Zwingergebäude,
K. mineral. -geolog. Museum, entgegengenommen.
Die regelmässige Abgabe der Sitzungsberichte an . aus-
wärtige Mitglieder, sowie an auswärtige Vereine erfolgt in der
Regel entweder gegen Austausch mit anderen Schriften oder gegen
einen jährlichen Beitrag von 3 Mark zur Vereinskasse,
worüber in den Sitzungsberichten quittirt wird.
Druck von Wilhelm Baensch in Dresden.
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
in Dresden.
Herausgegeben
von dem Redactions-ComitO.
Jahrgang 1898.
Juli b is December.
Mit 3 Abbildungen im Text.
Dresden.
In Commission der K. Sachs. Hofbuchhandlung H. Burdach.
1899.
Redactions -Comite für 1898:
Vorsitzender; Prof. Dr. G-. Helm.
Mitglieder; Dr, J. Deichmüller, Prof. Dr. 0. Drude, Prof. Dr. P, Foerster,
Prof. Dr. E. Kalkowsky, Prof. Dr. H. Hitsche und Prof. Dr. K. Rohn.
Verantwortlicher Redacteur : Dr. J. Deichmüller.
Sitzungskalender für 1899.
Januar. 12. Physik und Chemie. 19. Prähistorische Forschungen. — Mathematik.
26. Hauptversammlung.
Februar. 2. Zoologie. 9. Botanik. 16. Mineralogie und Geologie. 23. Hauptver-
sammlung.
März. 2. Physik und Chemie. 9. Mathematik. 16. Prähistorische Forschungen.
23. Hauptversammlung.
April. 6. Zoologie. 13. Botanik. 20. Mineralogie und Geologie. 27. Hauptversamm-
lung.
Mai. 4. Physik und Chemie. 11. Excursion oder 18. Hauptversammlung.
Juni. 1. Zoologie. 8. Prähistorische Forschungen. — Mathematik. 15, Botanik.
22. Mineralogie und Geologie. 29. Hauptversammlung.
September. 28. Hauptversammlung.
October. 5. Physik und Chemie. 12. Mathematik. 19. Zoologie. 26. Hauptver-
sammlung.
November. 2. Botanik und Zoologie. 9. Mineralogie und Geologie. 16. Prähistorische
Forschungen. 23. Physik und Chemie. 30. Hauptversammlung.
Deceinber. 7. Zoologie und Botanik. 14. Mineralogie und Geologie. 21. Hauptver-
sammlung.
Die Preise für die noch vorhandenen Jahrgänge der Sitzungs-
berichte der „Isis“, welche durch die Burdacli’sche Hofbuch-
handlung in Dresden bezogen werden können, sind in folgender
Weise festgestellt worden:
Denkschriften. Dresden 1860. 8. 1 M. 50 Pf.
Festschrift. Dresden 1885. 8 8 M. — Pf.
Dr. Oscar Schneider: Naturwissensch. Beiträge zur Kenntniss
der Kaukasusländer. 1878. 8. 160 S. 5 Tafeln . . 6 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1861 1 M. 20 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1863 1 M. 80 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1864 und 1865, pro Jahrgang . . 1 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1866. April-December 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1867 und 1868, pro Jahrgang . . 3 I. — Pf.
Sitzungsberichte. , Jahrgang 1869 3 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1870. April-Juni, October-December 2 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1871. April-December 3 M. -r- Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1872. Januar-September . . . . 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1873 bis 1876, 1878, pro Jahrgang 4 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1877. Januar-März, Juli-December 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1879 . . . . , . . . . . , 5 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1880. Juli-December . . » . . 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrg. 1881. Juli-December 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1882 bis 1884,
1886 bis 1898, pro Jahrgang . . . . . . . . . 5 M. — Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1885 ... 2 M. 50 Pf.
Mitgliedern der „Isis“ wird ein Rabatt von 25 Proc. gewährt.
Alle Zusendungen für die Gesellschaft „Isis“, sowie auch
Wünsche bezüglich der Abgabe und Versendung der „Sitzungs-
berichte der Isis“ werden von dem ersten Secretär der Gesell-
schaft, d. Z. Dr. Deichmüller, Dresden- A., Zwingergebäude,
K. mineral, -geolog. Museum, entgegengenommen.
Die regelmässige Abgabe der Sitzungsberichte an aus-
wärtige Mitglieder, sowie an auswärtige Vereine erfolgt in der
Regel entweder gegen Austausch mit anderen Schriften oder gegen
einen jährlichen Beitrag von 3 Mark zur Vereinskasse,
worüber in den Sitzungshi&hten quittirt wird.
König! Sachs. Hofbuchhandlung
H. Burdach. ———
Schloss -Strasse 32. DRESDEN. Fernsprecher 152.
empfiehlt sich
zur Besorgung wissenschaftlicher Litteratur.
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